Liz Faulkes: im Prinzip hat dieser Elf mit Sev nichts weiter gemacht… zumindest keinen Zauber angewandt. Aber das müsstest du doch wissen, oder? :D Hermione wird in Bezug auf ihren Glauben an Severus heute etwas sagen, etwas, was das Ganze viel besser ausdrückt als ich das könnte…

ll: ich weiß nicht, ob das in dieser Situation weiterhilft, den Elfen als Pimpf zu beschimpfen, aber es ist ziemlich lustig… Und bitte nicht weiter aufregen, all will be well oder so… hust… ich glaube, dieser All-was-well-Mist war mein am meist gehasster Satz in allen HP-Büchern…

Try: wow, danke, Agent Großkatze! :D Hm… eigentlich kann man ja nicht sagen, dass sich Severus da reingeritten hat, oder? Wenn man es genau betrachtet, ist es Hermione, die ihn in diese Geschichte reingezogen hat…

ViperSn: ich bin doch nicht gemein, ich habe doch gar nichts getan! Ich schreibe doch bloß auf, was passiert ist… und nein, Snape steht nicht unter dem Imperio…

KYB-2007: nicht schlecht kombiniert, wirklich nicht schlecht… die ganze Antwort gibt's natürlich heute… aber es liegt nicht an mir, wie sich der „kleine Wilde" benommen hat…

no_name: normalerweise mag ich gemein und brutal nicht (wirklich nicht!), aber manchmal erwischt es einen und man kann eigentlich nichts mehr tun. Wie du sehen wirst, gibt es für Hermione allerdings auch nichts, was sie gegen den Elfen unternehmen könnte…

Schwarzleserin007: ja, das ist wieder eine verrückte Situation, in die unsere beiden Lieblingshelden hineingeraten sind, aber das sind wir ja von ihnen gewohnt, oder? Aber es stimmt schon, dass gerade Hermione so unter denen zu leiden hat, die sie immer hat retten wollen ist schon heftig…

Mutzel: ich brauch zum Glück nicht weiterschreiben, weil ich nur fertig gestellte Stories einstelle… vielen Dank für dein Lob, ich schaffe es tatsächlich immer wieder zu erröten…

Nik: hm, das ist das Problem mit den Gryffindors, die sind mutiger als für sie gut ist… und sei nicht so böse zu dem Elfen, der erledigt auch nur seinen Job und im Ernstfall hätten weder Hermione noch Severus eine Chance gegen ihn… Mist… du hast mich durchschaut – also gut, sagen wir 55 Prozent? ;D

Metadin: mag sein, dass Severus einen Grund hatte, aber mal ganz ehrlich: würdest du in so einer Situation noch versuchen, den Grund zu durchschauen? Wenn du verängstigt und erschüttert und völlig neben der Spur bist? Aber mal sehen, was der heutige Tag für Mione bringt…

Ally: ich bin doch nicht fies! Severus war's! …deutet mit nacktem Finger ungeniert zum ZTM… welche Beziehung denn? Die sind befreundet, jawohl… :D

Mistmaus: …weint… Wieso geht ihr alle auf mich los? Ich bin doch lediglich der Chronist der Dinge, ich kann dafür nichts… und unser Elfenfreund ist eigentlich auch gar kein Oberster, auch wenn er arg grimmig rüberkommt…

Illing: aber… aber… du kannst mir doch nicht jeden Spaß versauen! Das bisschen Fönen erledigt sich doch von allein… grummelt… und mein zukünftiger Eheilling würde einfach nur denken: Wow, was für eine Frau! (Und sollte er das in diesem Moment nicht denken, bin ich sicher, dass ich ihn dazu überreden könnte…) Looooooool… herzlichen Dank, Illing, jetzt habe ich Wasser auf die Tastatur gespuckt wegen deiner Kommentare über Wildsex und Werelfen… also, du kannst sagen, was du willst – aber unterwürfig ist der Werelf nicht… hm… ich fürchte, ich werde dich mit diesem GSI total und völlig enttäuschen, denn dieses TNT-Szenario samt Happy Day wird nicht stattfinden… hast du mich dann trotzdem noch ein kleines bisschen lieb?

FA-AL: …lach… Ich sehe, du bist Gryffindor durch und durch! Und bitte, keine Jagdsaison für Wildelfen, die kommen eh so selten vor… seinen Schwager parodiert und gut schauspielert? Widerspricht sich das nicht ein bisschen? :D Auf jeden Fall wird Hermione jetzt nicht mehr rumgeschubst und manchmal ist alles anders als man erwartet…

Silvia: …versteckt den Zaunpfahl flugs hinter ihrem Rücken… ich weiß gar nicht, was du meinst… GHL erkläre ich dir ein anderes Mal… ich glaube, bei den Gute-Nacht-Geschichten mit Sev musst du dich hinten anstellen… gaaaaaaaaaanz weit hinten, wenn ich das hier richtig überblicke… yup, Landsknechte, den sogenannten Reisläufern nachempfunden… der Elf ist eher weniger an der Beziehung zwischen Severus und Hermione interessiert (ja, ich weiß, Schande über ihn!), als daran, gewisse Dinge zu erfahren…

Angie: ups… da muss ich doch irgendwas falsch verstanden haben… vielleicht sollte ich die Bücher noch mal lesen? :D …klappert mit den Zähnen… kannst du jetzt bitte aufhören, mich zu schütteln? Was kann ich denn für die Spielchen der Elfen? Und wieso ist klar, dass du die Wildelfen hasst? Kann es nicht sein, dass sie auch ihre eigenen Interessen vertreten? Vielleicht aus Gründen handeln, die verborgen liegen? Severus haben wir schließlich auch die Treue gehalten, als er dem alten Mann den Löffel reichte, vielleicht sollten wir auch ein wenig Vertrauen zu den Elfen haben… Als Kind habe ich mal die Planet-der-Affen-Filme gesehen, aber ich kann mich nicht mehr an Dingens erinnern oder kam die nur in der Neuverfilmung vor? …schüttelt immer noch fassungslos den Kopf über Schwesterchens Blutrünstigkeit

Ich widme dieses chap meinem kleinen Raben, der immer die richtigen Worte findet!

SSHGSSHG

5. Kapitel

Hermione hockte auf dem kalten Boden. Sie fror und zitterte wie ein junger Hund, doch sie weinte nicht mehr. Sie hatte keine Schmerzen, ihr war nur fürchterlich kalt, doch selbst das würde bald vorbei sein, davon war sie überzeugt. So betäubt, wie sie sich fühlte, würde auch ihr Kälteempfinden abgestorben sein, obwohl sie sich sicher war, dass ihr nie wieder warm werden würde.

Sie war allein. Der Elf hatte Severus von den Soldaten hinausführen lassen, sie noch einen Augenblick angestarrt und war dann ebenfalls ohne ein Wort gegangen.

Severus…

Sie zitterte noch mehr. Das war nicht Severus, konnte es nicht gewesen sein. Der Elf musste ihn unter einen Imperius oder etwas ähnlichen gestellt haben. Doch sie wusste, wie Leute reagierten, wenn sie unter diesem Zwang handelten. Definitiv hassten sie nicht. Sie fühlten überhaupt nichts. Doch der Tränkemeister hatte gewütet, getobt, war explodiert. Was war mit dem Mann geschehen, den sie als ihren Freund betrachtet hatte? Für den sie empfand wie für Harry oder Ron. Oder sogar noch mehr?, flüsterte eine leise, verräterische Stimme.

Der Elf hatte Recht gehabt. Er war nicht ihr Freund, er war niemandes Freund. Er hatte sie verraten. Genauso wie er einst Lily und James Potter verraten hatte. Wie er sie alle verraten hatte, als er Dumbledore tötete. Der alte Mann hatte sich geirrt und Harry genauso. Severus Snape war nicht Dumbledores Mann gewesen. Und er hatte auch nicht Voldemort die Treue gehalten. Er hatte alle verraten, immer.

Als ihr Gesicht heiß wurde, spürte sie, dass doch noch Tränen in ihr vorhanden waren. Und zwar nicht zu wenig. Es schien, der Gedanke, dass Severus nicht der Mann war, für den sie ihn gehalten hatte, öffnete sämtliche Schleusen. Es war fürchterlich. Sie hasste es zu weinen, weil es nie etwas änderte und sie bekam bereits Kopfschmerzen, so sehr kreisten ihre Gedanken immer um diese eine Sache, um Severus. Entschlossen wischte sie mit dem Handrücken die Tränen aus dem Gesicht. Sie musste nachdenken, ihr Gehirn wieder einschalten. Sie zuckte zusammen, als sie ihre aufgeplatzte Lippe betastete. Der Tränkemeister hatte hart zugeschlagen und sie war nur froh, dass sie noch alle ihre Zähne hatte.

Sie vergrub ihren Kopf in den Armen und schloss die Augen. So vieles schoss ihr durch den Sinn, lauter Erinnerungen, Eindrücke und Ereignisse, die alle mit Severus Snape zu tun hatten.

Hermione konnte sich noch genau erinnern, wie sie ihn das erste Mal gesehen hatte, dort oben am Lehrertisch, stocksteif, mit unbewegtem Gesicht und harten, schwarzen Augen. Wie er immer in die Klasse gewirbelt kam, Angst und Schrecken verbreitend. Konnte seine gemeinen, höhnischen Worte hören. Uns sie sah seinen hasserfüllten Gesichtsausdruck, als er in der Heulenden Hütte Remus Lupin und Sirius Black erwischte. Sah sich selbst, die im selben Moment wie Harry und Ron einen Expelliarmus nach ihm schleuderte, bemerkte im Bruchteil der Sekunde den erschrockenen und sogar verletzten Ausdruck auf seinem Gesicht, bevor er gegen die Wand prallte und ohnmächtig zu Boden sank.

Und doch hatte er versucht, sie zu retten, oder? Er war doch nicht lediglich seinem Hass und seiner Rachsucht gefolgt, als er Sirius' Namen auf der Karte der Rumtreiber gelesen hatte? Und warum war er dann im darauffolgenden Jahr zu Voldemort zurückgekehrt? Wollte er die Zeiten des Dunklen Lords wieder haben oder war er wirklich Dumbledores Spion gewesen? Was bewegte ihn? Wenn er ein Mann Voldemorts war, warum hatte er sie dann vor zwei Jahren aus der Kammer des Schreckens retten wollen? Sie glaubte nicht, dass er sich wirklich Gedanken um den Papierkram machte, wie er es ihr so oft versichert hatte.

Und als sie im Tower regelrecht vom Boden verschluckt wurde, war er hinter ihr hergehechtet, um sie zu packen und herauszuziehen und was sie in diesen wenigen Sekunden in seinem Gesicht gesehen hatte, war bestimmt kein Hass gewesen. Und würde ein Mann, der sie so verabscheute, tatsächlich alles stehen und liegen lassen, um mitten im Schuljahr nach Whiltshire zu eilen, um ihr zu helfen? Würde so ein Mann versuchen, sie vor dem Ersticken zu bewahren, wie es erst vor wenigen Minuten passiert war? Sie wusste es nicht. Hermione stöhnte dumpf und gequält auf. Severus hatte ihr mittlerweile so viele Gesichter und Masken gezeigt, dass sie keine Ahnung mehr hatte, wer er tatsächlich war. Und doch wollte ihr naives, dummes Gryffindorherz den Glauben an ihn nicht verlieren. Wie viel mehr musste noch passieren, dass das einmal geschah?

Sie horchte auf, als vor der Tür Geräusche laut wurden, die das Kommen mehrerer Personen ankündigten, und rappelte sich auf. Was auch immer jetzt geschehen würde, sie würde es stehend erwarten. Ihre Augen weiteten sich, als die schwere Tür geöffnet wurde und sie die erste Person sah, die hindurch kam. Liz Faulkes sah nicht anders aus als an dem Tag, an dem sie verschwand. Sie trug noch immer eine hellblaue Jeans und eine schwarze Daunenjacke und sie wirkte keinesfalls wie das Opfer einer Entführung.

Sie war um die fünf Fuß, fünf Zoll groß und wog selbst in nassem Zustand und mit Wintersachen kaum mehr als einhundert Pfund. Sie war eine energische, agile Person, die ihren Studenten Respekt und Achtung einflößte und jede Menge Wissen vermittelte. Simba Faulkes war meistens ruhig und gelassen und geriet nur selten aus der Fassung; aber wenn, dann zogen selbst hagridgroße Leute die Köpfe ein. Und sie war Löwin durch und durch – wer ihren Schutzbefohlenen etwas antat, musste mit einer Naturgewalt rechnen.

„Hermione?", rief sie und eilte auf sie zu, um ihre Hände zu umfassen und zu drücken. „Wie kommst du hierher?"

Erleichterung spülte über Hermione hinweg, als sie ihre Professorin so offensichtlich unversehrt vor sich sah, gleich darauf zuckte sie zusammen, als hinter Faulkes zwei Elfen eintraten, gefolgt von Severus, der noch immer von Soldaten bewacht wurde.

„Wir dürfen nicht reden", wisperte Hermione und straffte sich, auch wenn ihr ganz schlecht wurde bei dem Gedanken, was die Elfen jetzt wieder im Sinn haben könnten.

„Was? Warum sollten wir nicht reden dürfen?" Simba beugte sich vor und musterte Hermione aufmerksam. „Was ist denn passiert? Hast du geweint? Und was ist das?!" Sie streckte die Hand aus und berührte Hermiones geschwollene Wange. „Du blutest ja!" Empört wirbelte sie herum und marschierte mit großen Schritten auf den Elfen zu, den Hermione kannte. „Ich verlange eine Erklärung, Fyg'hnt!" Sie beschimpfte den Elfen vehement gute zwei Minuten lang und Hermione erwartete jeden Moment, dass der Elf sie in irgendeiner Form bestrafen würde, doch er tat etwas Seltsames. Er lächelte.

„Ich gebe zu, die Sache ist ein wenig kompliziert", sagte er gelassen und berührte sie am Arm. „Setzen Sie sich, Liz, und beruhigen Sie sich."

„Beruhigen? Wie soll ich mich beruhigen, wenn ich sehe, dass eine meiner Studentinnen offensichtlich misshandelt wurde?" Ihr kam kein Dampf aus den Ohren, aber sie kochte sichtlich.

„Setzen Sie sich", wiederholte jetzt auch der andere Elf, genauso freundlich wie Fyg'hnt. „Sie alle." Simba sah die beiden noch für einen Augenblick an und zog Hermione neben sich auf die Bank. Der Tränkemeister hatte sich an die Wand gelehnt und starrte über alle hinweg, er reagierte nicht auf die Aufforderung, sich zu setzen, selbst als die Soldaten eine herrische Bewegung mit der Hellebarde machten. Der unbekannte Elf bewegte kurz die Hand, und die Soldaten verließen den Raum, ohne ihn weiter zu belästigen.

Hermione musterte Severus aus den Augenwinkeln. Der rasende Zorn hatte ihn offensichtlich verlassen. Er verschmolz regelrecht mit der Mauer; kein Kunststück, denn sein Gesicht hatte dieselbe ungesunde Farbe wie der raue Stein hinter ihm.

„Was ist hier eigentlich los? Wenn Fyg'hnt schon nicht reden will, vielleicht könnten Sie uns aufklären, Ha'mny", sagte Simba schließlich, als sich das Schweigen hinzog. Offensichtlich überlegten die Elfen, was sie wie sagen sollten. Und wenn man Hermione fragte, verständigten sich diese beiden seltsamen Wesen per Legilimens oder Gedankenübertragung, denn ihre Augen begegneten sich immer wieder. Schließlich nickte der andere Elf – Ha'mny – und beugte sich ein wenig vor.

„Ich entschuldige mich für all die Unannehmlichkeiten, die Sie hier ertragen mussten. Fyg'hnt musste annehmen, dass Ihre beiden Bekannten nichts Gutes gegen uns im Schilde führten."

Hermione biss die Zähne zusammen, um sich davon abzuhalten, wütend zu schnauben oder einen Einwand hervorzubringen. Simba kannte solcherlei Bedenken nicht. „Das ist die lächerlichste Begründung, die ich je gehört habe, Ha'mny. Wie kamen Sie denn überhaupt darauf, Fyg'hnt?"

Der Elf verschränkte seine Hände. Er redete zwar mit Simba, starrte jedoch Hermione an. „Sie kamen uneingeladen. Sie kamen auf einem Weg, den bis jetzt nur Leute gegangen waren, die Böses im Sinn hatten. Also habe ich sie vorsorglich in Gewahrsam genommen, sie befragt und ihre Gefühle erforscht."

Das war zuviel, Hermione sprang auf. „Uns befragt? Unsere Gefühle erforscht? So nennen Sie Ihre Foltermethoden? Von großartig befragen kann ja wohl kaum die Rede sein; sobald ich etwas sagen wollte, haben Sie mich fast erwürgt und später von Severus schlagen lassen. Wie nannten Sie das? Disziplinieren?"

Sie erwartete einen Angriff von Fyg'hnt, doch nichts geschah. „Was? Sie haben meine Studentin gefoltert, Fyg'hnt?" Auch Simba Faulkes schoss von ihrem Sitz hoch. Ha'mny hob beschwichtigend die Hand.

„Bitte lassen Sie ihn sich erklären. Sie müssen wissen, Fyg'hnt kann Gefühle und Gedanken spüren. Es ist so etwas Ähnliches wie das, was Sie Legilimens nennen. Und er ist kein Elf, der leichtsinnig oder aus der Lust am Quälen handelt. Nicht umsonst ist er unser Wächter. Ohne Fyg'hnt hätten uns die letzten 600 Jahre mehrere Male bösartige, schwarzmagische Zauberer nicht nur entdeckt, sondern auch ausgemerzt, wie sie es zu nennen pflegten."

„Ich kann für mich selbst reden", brummte Fyg'hnt.

600 Jahre? Wie alt wurden diese Wildelfen? Hermione starrte ihn unverhohlen an.

„Als unsere Schutzbanne durchbrochen wurden – auf dem Weg, den Sie kamen, Stonehenge – habe ich gespürt, dass Sie beide nicht nur hierher kamen, weil Sie neugierig waren. Sie suchten etwas oder jemand. Und Sie waren recht unkooperativ, als ich Sie danach fragte. Ich wusste nicht, was Sie mit Ihrem Einbruch hier bezweckten. Ich wusste nur, dass dieser Mann" – er nickte zu Severus, der noch immer reglos an der Wand lehnte – „oft mit schwarzer Magie in Berührung gekommen war. Und er ist mächtig, für einen Menschen jedenfalls."

Er starrte vor sich hin, brütend. „Ich gehe kein Risiko ein, wenn es um mein Volk geht", sagte er dann und Hermione wusste, näher an eine Entschuldigung würde er nie herankommen. „Sie haben gesehen, dass wir mit Menschen zusammenleben. Die Zeit vergeht hier anders als da, wo Sie herkommen. Selbst die Lebenserwartung von euch Menschen verlängert sich um ein vielfaches. Doch ich werde nicht zulassen, dass Menschen zu uns gelangen, die uns schaden wollen. Es ist ein paar Mal im Laufe der Jahrhunderte vorgekommen, dass Zauberer und Hexen zu uns kamen, uns Freundschaft versprachen oder harmlos taten. Sie waren nicht harmlos. Sie waren hinter unserer Magie her. Wissen Sie, dass man, wenn man mächtig oder der andere geschwächt genug ist, jemandem seine Magie rauben und töten kann?"

Simba schaute skeptisch und auch Hermione wollte den Kopf schütteln. Doch dann fiel ihr ein, wie sich Severus in der Kammer des Schreckens ihrer Magie bedient hatte, um den Bewohnern der Gemälde zu helfen und wurde blass. Nie würde sie das Gefühl der Kälte und des schwindenden Bewusstseins wieder vergessen. Hätte er sie getötet, wenn er nicht rechtzeitig genug aufgehört hätte?

„Und was hat das mit Ihren Psychospielchen zu tun?", fuhr sie ihn an. „Wieso taten Sie so, als hätten Frauen in Ihrer Gesellschaft keine Rechte, wenn es doch offensichtlich nicht der Wahrheit entspricht? Sie hätten mich beinahe getötet!"

„Ich gebe zu, das war nicht ganz… fair Ihnen gegenüber." Der Elf war abscheulich ruhig, während sich in Hermione immer mehr Zorn staute. „Ich hatte alles unter Kontrolle und hätte Ihr Begleiter nicht schnell genug gehandelt, hätte ich den Zauber von selbst aufgehoben. Doch es ist so: lieber schade ich kurzzeitig einem unbekannten Eindringling, selbst wenn er oder sie uns nichts antun wollte, als dass ich mein Volk in Gefahr bringe. Ich bin der Wächter, und die Verantwortung liegt bei mir."

Ein feiner Wächter, dachte Hermione, doch obwohl sie seine Methoden noch immer nicht gutheißen konnte, kam sie nicht umhin, ihm widerwillig Recht zu geben.

„Ich wurde aus Ihnen beiden nicht schlau und obwohl ich bei Ihnen keinerlei Aggressionen uns gegenüber spürte, war es bei ihm etwas anderes." Wieder ruckte sein Kopf in Richtung des Tränkemeisters. „Er hat einen starken Schutzwall, um seine Gedanken zu verbergen, und ich kam nicht daran vorbei. Also musste ich tiefer gehen, sicher gehen, dass er nichts gegen uns unternehmen würde. Sehen Sie…" Er beugte sich so weit vor, dass er Hermione direkt in die Augen starren konnte.

„Wenn Sie Okklumentik beherrschen, wie es bei ihm der Fall ist, komme ich daran nicht vorbei. Aber ich kann etwas anderes. Ich gehe noch weiter. Ich kann in das Unterbewusstsein jedes Lebewesen eindringen und Erinnerungen aufrühren, die noch tiefer gehen als Sie es sich vorstellen können. Ich hatte natürlich schon vorher gespürt, dass in ihm großer Zorn war, viel Angst und sogar Hass. So viele negative Gefühle, die nur unter der Oberfläche schlummerten. Und ich dachte, vielleicht benutzt er Sie, um bei uns einzudringen. Denn Sie…" – diesmal lächelte er und zeigte wieder seine spitzen Zähne – „Sie können nichts verbergen. Keine Angst, keinen Zorn, keine Freude, Besorgnis, was auch immer. Ich wusste, Sie würden uns nichts tun. Bei ihm war das anders."

„Ich bin mir nicht ganz sicher, dass ich verstehe, was Sie andeuten", sagte Hermione langsam und versuchte, Blickkontakt zu Severus herzustellen. Er schien weit weg zu sein und sie war sich nicht einmal sicher, dass er überhaupt ein Wort von dem, was sie hier besprachen, mitbekam.

„Als ich Ihnen etwas antat, war er wütend. Aber ich wusste nicht, ob er wütend um Ihret- oder um seinetwillen war. Also spürte ich seine schlimmsten Alpträume auf, schürte sie und brachte sie in ihm hoch. Und dann…" Zum ersten Mal hatte Hermione das Gefühl, ihm sei unbehaglich, denn er bewegte steif seine Schultern und seine großen Ohren zuckten leicht. Plötzlich wies er doch ungeheure Ähnlichkeiten zu einem Hauselfen auf. „Und dann suggerierte ich ihm, dass meine Soldaten Ihnen Gewalt antun würden, wenn er Sie nicht bestrafte."

Sie rang nach Luft. Ihre Wangen brannten vor Scham. Dieser verdammte… ihr fiel im Moment kein passendes Schimpfwort für den Elfen ein, doch sie zuckte zusammen, als sich Severus von der Wand abstieß und mit großen Schritten zur Tür ging. Sicher hätten die Elfen verhindern können, dass er den Raum verließ, doch sie rührten keinen Muskel. Die Tür wurde so heftig ins Schloss geworfen, dass die gesamte unterirdische Umgebung zu erzittern schien.

„Um Merlins Willen…", stieß sie hervor. „Was haben Sie getan?"

„Meine Pflicht", sagte Fyg'hnt. „Immerhin weiß ich jetzt sicher, dass sich sein Hass und all seine negativen Gefühle größtenteils auf sich selbst richten und er nicht in der Absicht herkam, uns zu schaden."

„Sie haben ja keine Ahnung!", schrie ihn Hermione an und auch Simbas beruhigende Hand auf ihrem Arm konnte sie nicht mehr aufhalten. „Sie haben keine Ahnung von der Hölle, die dieser Mann durchgemacht hat und jetzt, wo er vielleicht endlich angefangen hat, diese Sachen zu vergessen, haben Sie alles wieder aufgewühlt!"

„Ich habe meine Pflicht getan!", wiederholte der Elf stoisch und hielt sie fest, als sie aufsprang und um den Tisch stürmte. So klein Elfen auch sein mochten, so stark waren sie. Es gelang ihm mühelos, sie davon abzuhalten, ebenfalls zur Tür zu stürzen. „Mag sein, dass ich Dinge aufgewühlt habe, aber Sie sollten wissen, dass er es für Sie getan hat." Das war ihr in dem Moment klargeworden, als er von seinem Eingriff in Severus Unterbewusstsein berichtet hatte, und sie versuchte, ihren Ärmel von ihm loszureißen. Er reichte ihr überraschenderweise ihren und Severus' Zauberstab und ließ sie langsam los.

Das letzte, was Hermione hörte, war Simba, die scharf fragte: „Kann mir einer mal erklären, was hier eigentlich los ist?"

Der Gang vor dem Raum war leer. Keine Soldaten, kein Licht, nur Dunkelheit und Stille. Oder vielleicht doch nicht so still. Als sie lauschend dastand, schien ihr, als höre sie ein Scharren und Keuchen und unterdrücktes Stöhnen, wie von einem weidwunden Tier. Nur dass sie wusste, es war kein Tier. Vorsichtig wandte sie sich in die Richtung des Geräusches und näherte sich ihm, den Zauberstab mit der Hand bedeckend, so dass nur ein schwaches Licht zwischen ihren Fingern hervortrat.

„Severus?", fragte sie leise.

Er stand vornüber gebeugt an der Wand und würgte. Und obwohl sich in seinem Magen offensichtlich nichts mehr befand, konnte er nicht aufhören. „Hau ab, Gryffindor!", stieß er hervor und selbst diese wenigen Worte ließen seine Stimme brechen.

Hermione haute nicht ab. Sie schlang ihren Arm um seine Hüfte und hielt ihn fest. Sein Körper zuckte und zitterte unter ihrer Berührung wie ein Pferd, welches kurz vorm Durchdrehen stand.

„Verdammt! Geh weg! Geh doch einfach fort!"

„Ich gehe nicht fort, also kannst du dich gleich damit abfinden und dich beruhigen", murmelte sie leise und drückte ihm seinen Zauberstab in die Hand, die nicht damit beschäftigt war, sich in die Mauer zu krallen. Instinktiv fasste er danach und presste ihn an sich. Dann holte er tief Luft, reinigte mit einem unsicheren Schwung alles, was er von sich gegeben hatte, vom Boden, schob Hermione fort und ließ sich an der Wand hinunter sinken, als hätte er jegliches Gefühl in den Beinen verloren.

Sie kniete sich neben ihm nieder. „Es tut mir Leid, dass ich an dir gezweifelt habe", sagte sie gepresst.

Er stieß nur ein schnaubendes Lachen aus, ohne einen Funken Amüsement. „Es tut dir Leid? Ich habe dich geschlagen, mach die Augen auf, Mädchen!"

„Ich weiß, warum du es getan hast."

In dem schwachen Licht konnte sie sehen, wie bleich sein Gesicht war. Schweißtropfen glitzerten auf seiner Stirn, ungeachtet der kühlen Umgebung. Er schloss seine Augen. Als er sie wieder öffnete, war soviel Verachtung – Selbstverachtung – in diesen schwarzen Tunneln zu erkennen, so viel Ekel vor sich selbst, dass es Hermione den Atem nahm.

Seine Hände schlossen sich um ihr Gesicht. „Du weißt überhaupt nichts, Gryffindor", stieß er hervor. „Du weißt nichts, und das ist gut so."

„Ich weiß, dass…"

Er ließ sie nicht ausreden. „Mit diesen Händen, Hermione, die jetzt an deinem Kopf liegen, habe ich Leute umgebracht. Ich habe sie bewusst und wissend getötet und du siehst mich so vertrauensvoll an, als sei ich der Held auf dem weißen Pferd."

„Du hast getan, was niemand sonst hätte tun können. Dumbledore…"

„Verdammt, es geht nicht um Dumbledore, den alten Narren! Weißt du nicht, dass es meine Schuld ist, dass Potters Eltern tot sind? Und nicht einmal sie und Dumbledore sind die einzigen…"

Hermione hatte das Gefühl, ihn zu verlieren. „Severus, hör zu…"

„Mit diesen Händen, kleine, naive Gryffindor, habe ich den Brief geschrieben, der Charity in die Winkelgasse lockte, wo die Todesser sie schnappten. Mein Brief, meine Schrift, ihr Vertrauen in mich waren es, die sie umbrachten. Wie kannst du noch immer neben mir sitzen, verdammt noch mal? Wie kannst du es noch ertragen, nach all dem, was du über mich weißt, was ich getan habe, was ich dir angetan habe?"

„Freunde lassen einander nicht im Stich!", murmelte Hermione. „Wer ist Charity?"

„Professor Burbage, deine Professorin für Muggelkunde. Er…" Severus knirschte mit den Zähnen. „Voldemort war der Meinung, sie müsse für ihre Verbrechen bestraft werden. Und weißt du, was ihr Verbrechen war?"

„Sie schrieb einen Artikel über die Gleichberechtigung von Muggeln und Magiern", flüsterte sie.

„Ganz genau. Und er… Voldemort befahl mir… ausgerechnet mir…!" Er hieb seinen Kopf gegen den harten Stein des Ganges. „Er befahl mir, sie in die Falle zu locken. Und ich tat es, bei Merlin, ich tat es, obwohl ich wusste, dass es ihr Todesurteil wäre. Ich hatte keine Zeit und Gelegenheit, den Auroren eine Warnung zukommen zu lassen. Ich habe sehenden Auges diesen Brief geschrieben. Der Elf hat Recht gehabt, Hermione. Es ging um ihr oder mein Leben. Und ich wählte meins."

Hermione konnte nicht verhindern, dass ihr Tränen die Wangen hinunterliefen und seine Finger benetzten. „Du hattest keine Wahl, Severus. Du musstest dich für dich entscheiden, du musstest dein Leben über ihres stellen, weil du für den Sieg wichtiger warst, so grausam das klingen mag."

„Mir ging es nicht um meine Rolle als Spion, Hermione. Ich hatte einfach Angst um mein verdammtes, jämmerliches Leben! Bestimmt hätte ich ihn hinhalten können, aber ich tat es nicht. Tat es nicht, weil ich zu feige war… Ich schrieb diesen verdammten Brief, bat sie, mich zu treffen, und sie kam einfach so… voller Vertrauen in mich, so wie du, Gryffindor. Wieso könnt ihr nicht sehen, wenn euch jemand gefährlich wird? Wieso spürt ihr die Gefahr nicht?" Er schrie sie an, ohne ihr Gesicht loszulassen. In seinen Augen flackerte es.

„Weißt du, was sie mit ihr gemacht haben? Mit Charity? Sie hängten sie über dem Tisch in Malfoy Manor auf, über den großen Dinnertisch und dieses verrückte Miststück Bellatrix amüsierte sich und Voldemort hatte seinen Spaß mit ihr… und schließlich tötete er sie und dann… dann ließ er sie von Nagini fressen…" Seine Stimme verhallte, und er presste Augen und Lippen zusammen, als könne er die Erinnerung abschalten, den Schrecken, den Wahnsinn.

Hermione beugte sich vor und umarmte ihn, drückte sich mit ihrem ganzen Gewicht gegen ihn, um zu verhindern, dass er vor ihr floh. Doch zum ersten Mal, seit sie ihn kannte, erschrak er nicht vor engem Körperkontakt, im Gegenteil, er zerrte sie noch näher an sich heran und presste sie an sich, dass ihr die Luft wegblieb. Sein Körper wurde regelrecht geschüttelt, doch er barg seinen Kopf in ihren Haaren und sprach weiter, als könne er jetzt, wo seine Dämonen wieder frei waren, nicht aufhören, über sie zu reden.

„Und soll ich dir noch etwas sagen, Gryffindor?" Er war jetzt so heiser, dass Hermione glaubte, er müsse weinen, doch da er sie nicht losließ und ihr Gesicht an seine Brust presste, konnte sie ihn nicht anschauen – wollte es auch gar nicht, weil ihr klar war, wie gedemütigt und elend er sich sowieso schon fühlte. „Ich war froh, als Charity endlich tot war. Ich war froh und dankbar, nicht mehr hören zu müssen, wie sie schrie und weinte und mich – immer wieder mich! – anflehte, ihr zu helfen… Severus, bitte, bitte… genau wie Dumbledore… sie flehte mich an, sie endlich, endlich zu erlösen, zu töten… Und ich konnte nichts tun, musste gelassen bleiben, unbeeindruckt, gleichgültig…"

Hermione zitterte mittlerweile genau wie Severus und es war ihr gleichgültig, dass ihre Tränen das schwere Leder seiner Jacke durchweichten, doch sie weinte nicht nur um Charity Burbage, die sie gut gekannt hatte, weil sie mehrere Jahre in ihrem Kurs war. Genauso sehr weinte sie um Severus, der mit so viel Schuld und Qualen und Erinnerungen kämpfte, dass es ihn irgendwann zerbrechen würde. Doch er war noch immer nicht fertig.

„Und das war alles noch nicht das Schlimmste, Gryffindor…", flüsterte er kaum verständlich. Rodolphus… Rodolphus Lestrange zeigte mir kurz darauf sein Denkarium… um mir zu zeigen, was mir entgangen war, weil ich nicht da war, als sie sich… mit Charity vergnügten… kurz bevor sie sie kopfüber über den Dinnertisch aufhängten." Severus zog Hermione noch näher, hielt sie noch enger an sich gepresst, zitterte, wenn das ging, noch stärker. Er holte stöhnend Luft. „Ich habe mich in meinem ganzen Leben noch nie einer Frau aufgedrängt, bei Merlin. Ich habe nie eine Frau belästigt, weder sexuell noch anderweitig, das schwöre ich bei allem, was mir heilig ist. Und Rodolphus und sein verdammter Bruder und Bellatrix und Avery haben sie…" Er schüttelte verzweifelt den Kopf, unfähig, weiterzusprechen.

Es war auch unnötig, dass er das tat. Hermione konnte sich leider nur zu gut vorstellen, was die Todesser der armen Frau angetan hatten, was sie erlitten hatte, bevor sie endlich getötet wurde. Grausamkeit schien keine Grenzen zu kennen. „Deshalb hast du mich geschlagen. Du wolltest verhindern, dass er mich seinen Soldaten überlässt", flüsterte sie.

Severus packte sie plötzlich an den Schultern und schob sie so weit fort, dass er ihr ins Gesicht sehen konnte. Sein Gesicht war verzerrt vor ungeahnten Emotionen und hässlich vor Schmerz, doch Hermione konnte nicht anders als die Hand auszustrecken und an seine Wange zu legen.

Sein Blick war wild. „Ich hätte dich eher mit eigenen Händen getötet als zuzulassen, dass diese Männer dich anrühren." Er starrte sie ohne zu blinzeln an. „Es klebt schon so viel Blut an diesen Händen, und wieder wäre es das Blut von jemandem, der mir vertraut." Er schüttelte sie. „Das muss aufhören, Gryffindor. Du musst aufhören, mir zu vertrauen."

Hermione schüttelte langsam den Kopf. „Das kann ich nicht", sagte sie. „Du kannst mir genauso gut sagen, ich solle mit dem Atmen aufhören."

Severus ließ sie los und fuhr sich fahrig durch das Gesicht, rieb sich die brennenden Augen. Er war so erschöpft, dass er sich am liebsten hingelegt und geschlafen und vergessen hätte, doch er war sich sicher, dass ihn die Alpträume übermannen würden, sobald er die Augen schloss und außerdem war das weder die Gelegenheit noch der Ort, um seinem Bedürfnis nachzukommen. Und diese sture, kleine Löwin war noch immer nicht vor ihm davongelaufen, wie es jeder vernünftige Mensch tun würde. Dann konnte es auch nicht schaden, sie noch einmal an sich zu ziehen, zu spüren, dass da jemand an ihn glaubte, der noch nicht lange tot und begraben war.

Sie seufzte auf, als er noch einmal die Arme um sie schlang, doch sie wehrte sich nicht. Zum ersten Mal erlebte sie, dass er schwach war und sich auch Schwäche gestattete und ob es ihm bewusst war oder nicht, es gab von seiner Seite aus keinen größeren Vertrauensbeweis. Sie bemerkte, dass sein Atem nach endlosen Minuten wieder ruhiger und tiefer wurde, auch wenn noch gelegentlich ein Zittern durch seinen Körper lief. Schließlich räusperte er sich und hob den Kopf. „Steh auf, Gryffindor, du erdrückst mich", sagte er in dem schwachen Versuch, zu seinem knurrigen Ich zurückzukehren.

Hermione erhob sich sofort, wenn auch widerwillig. Ihr wurde heiß, weil sie die Nähe zu dem Tränkemeister viel zu sehr genossen hatte. „Du solltest langsam wissen, dass ich meine Hände nicht von dir lassen kann", antwortete sie in einem ebenso jämmerlichen Versuch, die alte Leichtigkeit zwischen ihnen wieder herzustellen. „Du hast es mir im Tower ja oft genug vorgehalten. Gehen wir zurück?"

„Haben wir eine andere Wahl?"

Sie schüttelte den Kopf. „Nicht wirklich." Er machte eine stillschweigende Kopfbewegung, um ihr zu bedeuten, voranzugehen, doch sie blieb noch einmal stehen. „Du wirst es nicht hören wollen, Severus, und ich werde es auch nicht noch einmal sagen. Aber für mich bist du der tapferste Mann, den ich je kennengelernt habe."

Er schnaubte und ein Muskel in seiner Wange zuckte, doch er gab keinen höhnischen Kommentar ab. Und das, dachte Hermione, sagte schon eine Menge über seine momentane Gefühlswelt aus.

Sie legten die Strecke bis zu dem kargen Raum in Schweigen zurück, nur das harte Klacken ihrer Schritte war zu hören. Fast schon befürchtete Hermione, sie hätten sich verirrt, doch da war sie, die hölzerne Tür, und sie stieß sie auf. Simba Faulkes wirbelte herum; sie war allein in dem Raum. Auf dem Tisch waren Speisen und Getränke verteilt, doch sie hatte offensichtlich nichts davon angerührt und war wie eine Löwin, der sie ihren Spitznamen zu verdanken hatte, unruhig hin- und hergelaufen. „Hermione! Wie geht es dir?" Sie eilte ihnen entgegen.

Sie musterte ihre Studentin aufmerksam und ließ dann ihren Blick zu dem Tränkemeister schweifen. „Severus, nicht wahr? Du warst einige Jahre über mir." Er gab keine Antwort, bedachte sie nur mit einem kalten Starren. Simbas Hand umfasste Hermiones Schulter. „Fyg'hnt und Har'mny haben mir eine ziemlich seltsame Geschichte erzählt, von dem, wie ihr hierhergekommen seid und warum. Und ich habe es so verstanden, dass du Hermione geschlagen hast, um sie irgendwie zu beschützen." Ihr Gesicht wurde hart, jegliche Freundlichkeit verschwand. „Ich weiß nicht genau, wieso du glaubtest, du könntest Hermione schützen, indem du sie windelweich prügelst, aber solltest du das in meiner Anwesenheit noch einmal machen, Snape, dann gnade dir Merlin!"

„Lassen Sie ihn in Ruhe, Professor", bat Hermione. „Wir haben das bereits geklärt. Und wie auch immer es aussehen mag, Severus ist mein Freund."

„Dann hat er eine seltsame Art, seine Freundschaft zu zeigen", murmelte Simba, zog ihren Zauberstab, richtete ihn auf Hermione und fuhr fort: „Finite Incantatem!"

„Ich stehe nicht unter dem Imperius!", sagte Hermione heftig.

„Sicher ist sicher", antwortete ihre Professorin und ignorierte die bösartigen Blicke des Tränkemeisters. „Und jetzt erzählt ihr mir, wieso ihr hier seid!"

Hermione starrte sie ungläubig an. „Sie sind seit zwei Tagen verschwunden und fragen, warum nach Ihnen gesucht wird?"

„So ein Unsinn!" Liz Faulkes hob ihre Augenbrauen. „Ich bin seit genau…" Sie warf einen Blick auf ihre Uhr. „…acht Stunden hier. Du hast mich doch noch gesehen, als ich vorhin meine Schuhe angezogen habe. In einer Stunde gibt es Frühstück!"

Hermione schüttelte den Kopf wie ein Wackeldackel. „Sie irren sich, Professor. Sie sind jetzt über 48 Stunden fort! Severus, sag doch was!"

Er rieb sich die Stoppeln am Kinn. Obwohl er noch entsetzlich blass und seine Augen rot unterlaufen waren, waren zumindest seine Gedanken wieder klar. „Dieser… Elf…", grollte er. „Fyg'hnt. Er sagte etwas davon, dass die Zeit hier anders vergeht als bei uns. Und dass selbst Menschen eine weitaus höhere Lebenserwartung haben. Ich denke, er sagt die Wahrheit. Sie sind seit mindestens zwei Tagen verschwunden, Faulkes, höchstwahrscheinlich noch länger. Genau wie wir, wenn ich davon ausgehe, dass Sie glauben, erst acht Stunden hier zu sein und wir meiner Schätzung nach auch gefühlte zwei Stunden die… Gastfreundschaft genießen durften."

Simba setzte sich an den Tisch uns spielte geistesabwesend mit einer Frucht, die entfernte Ähnlichkeit mit einem Apfel aufwies. „Oh, verdammt, verdammt", murmelte sie und blickte dann zu Hermione auf. „Ich habe euch also Sorgen bereitet?"

Die junge Gryffindor nickte. „Ich habe das Aurorenbüro und die Eingreiftruppe verrückt gemacht. Und dann habe ich Severus um Hilfe gebeten, und er ist sofort gekommen."

Severus verschränkte die Arme vor der Brust. „Wie sind Sie eigentlich hierher gekommen, Faulkes?", fragte er barsch.

Sie betrachtete ihn einen Augenblick. „Ich bin spazieren gegangen. Ich hatte Kopfschmerzen und da ich Schmerztränke nicht vertrage muss ich sie anders loswerden. Also bin ich raus und hatte vor, eine kleine Runde zu drehen. Ich apparierte zu den Steinen von Avebury, dorthin, wo unsere andere Gruppe arbeitete, weil ich dachte, ich könnte mir ansehen, wie weit sie gekommen sind und mir ein Bild machen. Unsere Arithmantiker versuchen, den Sinn der Steine zu errechnen", fügte sie erklärend hinzu, als Severus die Stirn runzelte.

„Jedenfalls kam ich an und wanderte an einem der großen Steine entlang, als ich auf einer glatten Fläche ausrutschte, stürzte und mir den Kopf anschlug. Und das nächste Mal bin ich hier unten aufgewacht, während Har'mny und Fyg'hnt mir äußerst behutsam zu verstehen gaben, wer sie sind und wo ich mich befand. Sie waren zu mir sehr freundlich und erzählten mir von der Geschichte Stonehenges und Aveburys."

„Ja?", fragte Hermione mit leuchtenden Augen.

Liz Faulkes nickte, hob aber bedächtig die Hand. „Tatsache ist, sie gaben mir zu verstehen, dass ich zwei Möglichkeiten hätte. 1. Sie würden mir alles erzählen und ich bliebe für immer hier, denn Leute mit Arithmantik- und Runenkenntnissen wären willkommen. Oder 2. Sie würden mir zwar auch alles erzählen, aber wenn ich mich dagegen entscheiden würde, für immer hier zu bleiben, würden sie für die Zeit, die ich hier verbracht hatte, mein Gedächtnis löschen, bevor sie mich gehen ließen."

Severus lief ein paar Schritte auf und ab, in Gedanken versunken. „Da hast du es, Gryffindor", sagte er zu Hermione.

„Die scheinbar obliviateten und desorientierten Leute, die immer in anderen Grafschaften auftauchten?"

„Genau die."

„Erzählen Sie es uns?", wandte er sich an Simba.

„Nur wenn du dich endlich hinsetzt, du machst mich ganz nervös, Severus!", sagte die Professorin und hielt Hermione fest, die unbewusst Severus' Tigerei nachahmte.

Sie beobachtete, dass sich die beiden nebeneinander hinsetzten, ohne sich darüber Gedanken zu machen, als hätten sie das schon oft getan und es wäre nichts dabei. Sie kannte den Tränkemeister nicht besonders gut, denn wer kümmerte sich schon zu Schulzeiten um einen Jungen, der einige Jahre älter und nicht einmal der angesagteste Quidditchkapitän war? Doch sie wusste natürlich um seinen Ruf, und der war alles andere als menschenfreundlich. Sie hatte keine Ahnung, wieso der düstere Mann so offensichtlich gut mit einer ehemaligen Schülerin zurecht kam, und dann auch noch ausgerechnet einer Gryffindor, die Harry Potters engste Freundin war.

Doch da sie Hermione als intelligente und warmherzige junge Frau kennengelernt hatte, die jedoch, wenn es sein musste, stur mit dem Kopf durch die Wand marschierte, war es wohl nicht völlig abwegig, dass, wenn der berühmt-berüchtigte Severus Snape jemanden so nah an sich heran ließ, es gerade sie war. Simba verdrängte weitere Gedanken um dieses ungleiche Paar.

„Ich lasse jetzt mal alle Zahlenangaben beiseite, denn wie wir ja bereits festgestellt haben, läuft die Zeit vielleicht ein wenig anders ab. Übrigens ein interessantes arithmantisches Problem, meinst du nicht, Hermione? Ich frage mich, worin das begründet ist. Vielleicht eine gewaltige Magiequelle? Oder eine Art Raum-Zeit-Krümmung?"

„Um Merlins Willen, Faulkes!", fuhr sie Severus an. „Stellen Sie dem Mädchen nicht solche Fragen, sie hört sonst vor übermorgen nicht mehr auf zu plappern!"

Hermione wurde rot; tatsächlich hätte sie sich mit Begeisterung in diese Theorien gestürzt, wenn er sie nicht von vornherein gestoppt hätte. Simba lachte nur und tätschelte ihren Arm. „Die Elfen waren lange vor allen anderen vernunftbegabten Wesen da, zumindest laut Har'mny, der wohl so eine Art Chronist hier ist. Es folgte eine Menge Blabla á la paradiesische Zustände nur ohne Gott und Schlange und den ganzen Verführungsteil, den wir in unserer Bibel finden. Und dann kamen irgendwann die Menschen, aber sie blieben lange Zeit harmlos, selbst die magischen.

Doch irgendwann wurden sie immer mehr und begannen, Jagd auf die Elfen zu machen. Ein normaler Elf kann nicht wirklich von einem Menschen überrumpelt werden, dazu ist seine Magie zu stark, aber auch Elfen müssen ab und zu schlafen und dann war es wohl ein leichtes, sie zu töten, Sicherheitszauber hin oder her. Und wenn unter den Jägern noch ein magisch begabter Mensch dabei war, wurde es besonders schlimm. Sie jagten nicht nur aus Angst vor dem fremden Wesen sondern auch wegen ihrer Magie."

„Das Töten überlassen wir Ihnen, Sie beherrschen es um so viel besser", zitierte Severus leise die Worte Fyg'nhts.

Simba sah ihn fragend an, doch da er sich nicht erklärte, fuhr sie einfach fort. „Es hatte zu gleichen Teilen etwas mit Angst vor ihnen und der Gier nach ihren Fähigkeiten zu tun. Sie – die Menschen – glaubten laut Har'mny daran, dass die Elfen sich irgendwann zu Tyrannen erheben und sie unterdrücken würden. Es half auch nicht gerade, dass einige Elfen tatsächlich Vorstöße in diese Richtung unternahmen. Es gibt viele Legenden über Schlachten zwischen Elfen und Menschen und Har'mny sagte, die meisten sind tatsächlich geschehen. Allerdings konnte er mir nicht erklären, wieso die Elfen, die in meinen fantastischen Büchern vorkommen, immer groß und schlank und wahnsinnig gutaussehend sind." Sie lächelte.

„Fyg'hnt meinte, es liege daran, dass Menschen gern übertreiben. Jeder wüsste auch, dass Vampire völlig normal aussehen und keineswegs blass und blutleer oder wunderschön daherkämen und trotzdem halten sich diese Legenden hartnäckig. Wie auch immer… Es kam zu ziemlichen Blutbädern und irgendwann spalteten sich die Elfen in zwei Gruppen. Die einen wollten und konnten es nicht mehr ertragen und waren dafür, sich mit den Menschen zu arrangieren, zumal es immer mehr wurden und man ihnen nirgends mehr entfliehen konnte. Die anderen wollten sich keineswegs den Menschen unterordnen, lieber bis zum letzten Mann kämpfen."

„Ich werde mich unbedingt bemühen, diese tragische Geschichte bei Beedle unterzubringen", murmelte Severus.

Hermione stupste ihn in die Rippen, griff dann nach einem Krug, um sich etwas von den Getränken einzugießen und hielt dann inne, um Severus anzusehen. „Entschuldige", sagte sie. „Ich wollte nicht…" Sie wurde rot. Ohne zu überlegen hatte sie ihn behandelt wie Ron oder Harry – wieder einmal.

„Angst vor meiner Rache, Gryffindor?", fragte er, nahm ihr den Becher weg, schnüffelte an der Flüssigkeit und kostete vorsichtig. Er zog die Augenbraue hoch und trank ganz aus.

„Als ob eine Löwin jemals Angst vor einer Schlange gehabt hätte oder haben müsste", konterte sie und versuchte, ihm ihren Becher wegzunehmen. Selbstverständlich dachte er gar nicht daran, etwas wieder herzugeben, was er einmal erobert hatte.

„Gibt es noch ein Happy End bei der ganzen Sache?", fragte der Tränkemeister Simba, die vorsorglich gewartet hatte, bis sie mit ihrer Kabbelei fertig waren.

„Nicht wirklich. Die Elfen verstritten sich untereinander völlig und bekriegten sich schließlich sogar. Irgendwann kamen jedoch ein paar der vernünftigeren unter ihnen zu dem Schluss, dass es albern wäre, sich gegenseitig auszurotten, da ihre Population sowieso nicht die allergrößte war und sie einigten sich darauf, dass diejenigen, die mit den Menschen leben wollten, genau das taten und ihre Klappe hielten, während die anderen, die das nicht tun wollten, im wahrsten Sinne des Wortes in den Untergrund gingen."

„Und so entstanden schließlich die Haus- und Wildelfen? Und der schlimme Ruf, den die Wildelfen weghaben, stammt noch aus der Zeit, als sie und die Menschen sich gegenseitig die Köpfe eingeschlagen haben?", fragte Hermione aufgeregt.

„So sieht es aus", sagte Simba und nickte.

„Ich weiß nicht, das hört sich alles so unausgegoren an", fand Severus. „Wozu haben sie denn überhaupt diese Riesensteine aufgestellt? Und was bedeuten diese Runen?"

Simba grinste breit. „Diese Runen sind überhaupt keine Runen. Es ist Elfenschrift. Sie ist nicht dazu gedacht, von uns gelesen zu werden, sie ist für ihre „Sklavenverwandten", wie es Fyg'nht so nett ausgedrückt hat. Natürlich konnten wir sie nicht entziffern, weil sie sich ständig ändert. Immer, wenn sie den Hauselfen etwas mitteilen wollten, haben sie die angeblichen Runen hinterlassen. Stonehenge und alle anderen Steinkreise sind im Prinzip nichts anderes als überdimensionale schwarze Bretter."

„So ein Schwachsinn!", knurrte Severus. „Oder?" Er sah sie zweifelnd an.

„Das ist zumindest das, was Har'mny gesagt hat. Ob es wirklich stimmt oder nicht, wage ich nicht einmal im Ansatz beurteilen. Was ist los, Hermione? Du bist so ruhig."

„Ich weiß jetzt, warum uns anfangs die „Runen" so bekannt vorkamen", sagte Hermione. „Ich war mehrmals in der Küche in Hogwarts, wie ihr wahrscheinlich auch. Und ich könnte schwören, ich habe dort dieselbe Schrift gesehen und auf der Stelle wieder vergessen."

„Du kleine, unerträgliche Know-it-all!", knurrte Severus. „Du hast so was von Recht!"

„Kann ich das schriftlich haben mit Unterschrift?"

Um Merlins Willen, dachte Hermione perplex. War das ein – wenn auch schwaches – Lächeln, welches an den Mundwinkeln des Tränkemeisters zupfte? Sie holte tief Luft, um sich davon abzuhalten, ihn dümmlich anzustrahlen. Gut, dass er das nicht öfter machte. Es war eine tödliche Waffe.

„Ich…" Sie merkte, dass sie ins Stammeln geriet und setzte von neuem an. „Ich gehe also davon aus, dass die Warnung in dem Buch, welches dir Professor Ark gezeigt hat, von Druiden stammt, die gemerkt hatten, dass ab und zu Leute verschwinden? Und damals war es ja nicht so einfach, von einer Grafschaft wieder nach Hause zu kommen, besonders, wenn man desorientiert ist. Also sind bestimmt viele Leute nie wieder zurückgekehrt. Oder es stammt von Zauberern, die von ihren Hauselfen gewarnt wurden, dass dort etwas „Böses unter der Erde" ist."

„Hör auf zu plappern, Gryffindor. Weder Faulkes noch ich sind Longbottom und auch ohne deine Hilfe dahintergekommen", sagte Severus und stand auf, um unruhig hin- und herzulaufen. „Werden Sie also hierbleiben?", wandte er sich an Simba.

„Bist du verrückt? Natürlich nicht! Ich habe meinen Job, meine Familie, meine Studenten, die ich nicht verlassen kann. Nein, auf keinen Fall. Es wäre ja nett, die Elfen ein wenig zu erforschen, aber nicht um den Preis, dass ich nie wieder nach Hause komme."

„Dann werden sie uns also obliviaten, um ihr Geheimnis zu schützen", stellte er langsam fest und Hermione spürte, dass sie jegliche Farbe verlor.