Vivere Militare Est
~ Leben heißt kämpfen ~
Autor: Noir13 / .Ya.
Disclaimer: Alle bekannten Personen, Namen, Orte und Begriffe sind Eigentum von J. K. Rowling. Die Charakterisierung ist jedoch größtenteils auf meinem Mist gewachsen.
Hauptcharakter: Dorcas Meadowes
Nebencharaktere: Alastor Moody, die Prewetts, Kingsley Shacklebolt, Dawlish, Scrimgeour, Fenwick, Dearborn, Gawain Robards, Janet Carter, ...
Rating: PG12
Anmerkung: Diese Story stützt sich auf nichts als leere Luft, abgesehen von den spärlichen Informationen aus den Büchern, die man so besitzt. Ein Großteil der Charaktere ist demnach praktisch unbekannt (außer für diejenigen, die meine anderen Geschichten kennen) und die Zeitlinie muss auch nicht dem entsprechen, was dem Original entspricht.
Kapitel: 1 / 13
Inhalt:
Es ist 1973. Dorcas Meadowes steht vor der letzten großen Hürde, bevor sie sich endlich "Aurorin" nennen darf. Neben dem üblichen Hickhack der Kollegen gibt es leider auch ein paar Gestalten, die auf der Straße für Unruhe sorgen...
Prolog:
Oktober 1973
"Selbst ein Weg von tausend Meilen beginnt mit einem Schritt."
(asiatisches Sprichwort)
Der 15. Oktober 1973.
Dorcas Meadowes strich sich ein wenig nervös den Umhang glatt und starrte auf das Podium. Kurz huschte ihr Blick zu dem Rekruten neben ihr und ihr Blick verfinsterte sich. Ausgerechnet John Dawlish! Sie hätte jeden anderen Rekruten lieber neben sich gehabt. Allein der Gedanke, dass sie sich im Feld auf diesen Kerl verlassen musste, ließ Übelkeit in ihr hochkommen. Sie wandte den Blick ab und sah zu den anderen Rekruten ihres Jahrgangs. Zumindest Robards und Carter waren ihr sympathisch - mehr oder minder. Manchmal gingen selbst die beiden ihr auf die Nerven. Aber wenn Carter durchhielt, dann war Dorcas nicht die einzige Frau, die in ihrem Jahrgang war. Das allein war Grund genug, sie nicht zu vergraulen. Nun, Dawlish würde kaum einer vermissen. Dawlish war so unsympathisch wie Moody paranoid. Dennoch, Dorcas war nicht der Typ um anderen etwas Böses an den Hals zu wünschen, zumindest nichts übermäßig Böses - das eine oder andere Missgeschick würde kein Problem sein. Dorcas warf Dawlish einen beinahe gehässigen Blick zu, als sie daran dachte, wie leicht es sein könnte, Dawlish den einen oder anderen Denkzettel zu verpassen.
"Psst, es geht los", erinnerte Carter, die neben ihr stand, sie, und Dorcas richtete ihren Blick erneut auf das Podium, das nun zwei Personen betraten.
Dorcas erkannte sie sofort. Natürlich, sie hatte zwei Jahre Aurorenausbildung hinter sich, hatte mehr als einmal ihre Namen gehört, hatte sie gesehen, im Training, in der Zentrale, in der Zeitung. Wenn sie ihre Namen nicht gewusst hätte, hätte sie sich sofort als dienstuntauglich melden können - wer diese beiden nicht erkannte, musste wirklich in einer anderen Welt leben.
Amelia Bones und Alastor Moody. Die beiden Köpfe der Zentrale. Inoffiziell, natürlich. Offiziell gab es noch den Leiter der Zentrale, aber Dorcas hatte ihn nur selten gesehen, und die meiste Zeit war er in seinem Büro - ein Schreibtischauror, wenn man so wollte. Welche Formulare es auch waren, die er bekämpfte, er war ein Profi darin, wenn man den Gerüchten trauen durfte. Dorcas erinnerte sich nicht an seinen Namen, weil er für die richtigen Auroren unwichtig war.
Amelia Bones trat nach vorn ans Rednerpult, den Blick über die zukünftigen Auroren schweifen lassend. Dorcas richtete sich unbewusst ein wenig auf, als Moody dem Beispiel folgte. Einen Augenblick lang hatte Dorcas das Gefühl, Moody würde sie direkt anstarren, doch dann war es schon wieder vorbei.
"Rekruten!" Bones ließ ihren Blick über die versammelten Rekruten schweifen, sah zu den ebenfalls versammelten Auroren. "Auroren. Heute ist der Tag der Mentorenzeremonie. Euch allen sollte bewusst sein, was für ein Schritt dieser Tag in eurem weiteren Leben ist. Ihr mögt noch keine richtigen Auroren sein, Kadetten, aber dies ist der erste Schritt. In einem Jahr, um diese Zeit, werdet ihr offiziell zu Auroren ernannt, aber dieses eine Jahr wird das härteste in der gesamten Ausbildung werden."
Dorcas nickte unbewusst. Die Gerüchte über das Mentorenjahr waren offenbar wahr - wenn selbst Bones es sagte. Wenn Moody es als tatsächlich so hart eingestuft hätte, dann wäre es höchstwahrscheinlich unschaffbar.
"Das Mentorenjahr - die letzte Hürde, die ihr zu meistern habt." Bones' Blick war hart. "Es mag harsch klingen, aber es ist durchaus möglich, dass einige von euch dieses Jahr nicht überleben. Das Mentorenjahr bedeutet, dass ihr eure erste Felderfahrung sammelt, den Alltag eines Auroren kennen lernt. Ihr werdet mit euren Mentoren auf Missionen und Einsätze gehen, ihr werdet recherchieren, infiltrieren und immer wieder weiter trainieren." Sie strich sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht. "Ihr wisst, was es bedeutet, Auror zu werden. Nun werdet ihr erfahren, was es heißt, Auror zu sein. Das Leben als Auror ist hart und gefährlich. Wenn ihr wirklich willens seid, euer Leben zu riskieren, dann könnt ihr diesen Job schaffen. Auror zu sein bedeutet, sein Leben nach dem Beruf auszurichten. Euer Privatleben wird nicht mehr privat sein, denn es wird sich zwischen einem Einsatz und einer Mission abspielen. Ferien und Urlaub gibt es nicht. Feiertage sind gestrichen. Krankfeiern nur, wenn ihr auf dem Zahnfleisch daherkriecht. Dieser Job ist die Hölle, aber es lohnt sich - und es gibt keinen Weg zurück. Einmal Auror, immer Auror. Selbst wenn ihr im Ruhestand seid oder tot, wenn ihr versetzt werdet oder im Krankenhaus liegt."
Bones fuhr fort mit ihrer Ansprache, aber Dorcas hörte nicht mehr so aufmerksam zu wie zuvor. Im Grunde kam nun auch nur noch der organisatorische Teil. Bis die Mentoren verteilt wurden konnte Dorcas sich anderen Dingen zuwenden. Zum Beispiel sich die Auroren, die als Mentoren in Frage kamen, genauer anzusehen.
Da war Benjy Fenwick, einer ihrer Ausbilder. Wenn sie ehrlich war, dann wollte sie ihn nicht unbedingt als ihren Mentor haben. Er war zwar gut - natürlich war er das, sonst würde er die Rekruten nicht trainieren - aber er war nicht das, was Dorcas wollte. Dorcas wollte einen Mentor, der sie forderte, der sie durch die Tretmühle jagte und sie praktisch dazu zwang, besser zu werden. Fenwick erfüllte zwar viele ihrer Kriterien, aber er war einfach nicht das, was sie suchte.
Caradoc Dearborn, ebenfalls ein Auror, den sie nur zu gut aus der Ausbildung kannte, fiel erst recht weg. Er war zwar ein Experte, was Flüche, Zaubersprüche und auch Tränke betraf, aber er war einfach nicht der Kämpfer. Wenn Dorcas zwischen Dearborn und Fenwick wählen müsste, würde sie sofort Fenwick wählen. Dearborn war zu sensibel für Dorcas' Geschmack. Aber Dearborn war definitiv besser als die Alternative namens Rufus Scrimgeour.
Scrimgeour war ein Albtraum. Ein Bürokrat in der Verkleidung eines Kriegers, ein Politiker hinter der Maske eines Auroren. Ein Schreibtischlöwe. Dorcas betete, dass sie nicht das Pech haben würde, an ihn zu geraten. Scrimgeour mochte wie ein Auror aussehen, aber er besaß genauso sehr die Mentalität, die Dorcas mit Auroren in Verbindung brachte, wie Moody ein Eisverkäufer mit Clownsnase war. Wenn Dorcas' Mentor wirklich Rufus Scrimgeour werden würde, konnte sie sich gleich einen Todesfluch verpassen - das Ergebnis wäre auf lang oder kurz dasselbe. Wenn sie nicht an Langeweile starb, dann an Scrimgeours Persönlichkeit. Ein Tod im Feld, wie sie es wollte, war bei dem Schreibtischlöwen vollkommen ausgeschlossen.
"Kommen wir nun zum Hauptpunkt dieser Veranstaltung", sagte Bones nun. "Die Ankündigung, welcher Rekrut welchen Mentoren erhält." Sie holte eine Liste hervor. "Ich lese nun zuerst den Namen des Mentoren vor, danach den des Rekruten."
Dorcas spitzte die Ohren. Nun kam die Stunde der Wahrheit. Würde sie Glück haben? Oder würde sie an Scrimgeour geraten? Die meisten Namen, die nun genannt wurden, gingen vollkommen an Dorcas' Bewusstsein vorbei. Und schließlich war es soweit: Nur noch vier Rekruten waren übrig, Carter, Robards, Dawlish und sie selbst. Aber, wie Dorcas erkannte, es waren nur noch drei Mentoren anwesend. Was bedeutete das? Eine Doppelmentorenschaft? Einer musste gehen? Beinahe panisch blickte sie zur Seite, um Carter und Robards anzusehen. Beide hatten ebenso verwirrte Mienen wie sie selbst.
"Caradoc Dearborn", verlas Bones den nächsten Namen. "Gawain Robards!"
Robards lächelte kurz in Richtung von Dorcas und Carter, dann ging er hinüber zu Dearborn, der ihn mit einem warmen Lächeln und einem kräftigen Handschütteln in Empfang nahm.
"Benjy Fenwick", fuhr Bones fort. "Janet Carter."
Dorcas' Herz sank, als Carter zu Fenwick ging. Der letzte Mentor, derjenige, der übrig blieb, war Rufus Scrimgeour. Das bedeutete, entweder sie musste gehen, oder sie musste sich mit Scrimgeour herumschlagen. Beides für sie eigentlich keine Option. Sie schluckte, als Bones das letzte Mentorenpaar verkündete.
"Rufus Scrimgeour", sagte sie. "Dorcas Meadowes."
Zu sagen, dass Dorcas entsetzt war, war noch untertrieben. Sie überlegte, ob es nicht vielleicht doch besser wäre, gleich zu gehen. Scrimgeour. Ihr persönlicher Albtraum. Ausgerechnet. Ihr Glück, vermutlich. Widerwillig ging sie ein paar Schritte in Richtung ihres neuernannten Mentors. Sie spürte Dawlish' finsteren Blick im Rücken, spürte Scrimgeours abschätzige Musterung und zum ersten Mal seit zwei Jahren hatte sie das Gefühl, im falschen Job zu sein.
"Ah, Moment, Moment!", rief Bones. "Ich bin in der Zeile verrutscht, Entschuldigung - Rufus Scrimgeour und John Dawlish. So ist es richtig."
Dorcas drehte sich herum und starrte Dawlish entgeistert an, der nun mit einem breiten Grinsen im Gesicht zu Scrimgeour trat. Und was war mit ihr? War sie jetzt raus? Ohne Mentor konnte sie ihre Ausbildung vergessen. Das letzte Jahr war das wichtigste von allen! Sollte sie einfach daneben stehen und zusehen, wie sich ihr Lebenstraum in Luft auflöste?
"Kadett Meadowes", sagte Bones, als alle anderen bereits den Saal verlassen hatten.
Dorcas sah beinahe entmutigt zu ihr. Jetzt kamen wohl die Worte, dass es ihr Leid täte und dass Dorcas leider gehen müsse. Dorcas wollte das unter keinen Umständen hören.
"Ich denke, es hat keinen Sinn so", fuhr Bones fort, mit einem leichten Kopfschütteln und Dorcas erwartete die vernichtenden Worte. "Er hat sich mitten in meiner Ansprache verdrückt - sturer Kerl - und er meinte, ich solle dich nach der Veranstaltung einfach in sein Büro bringen, damit er es dir selbst sagen kann."
Dorcas blinzelte. Verdrückt? Der einzige, der zwischendurch gegangen war, war Moody - sie hatte es erst später bemerkt, sich aber nicht viel dabei gedacht. Und Moody wollte sie nun höchstpersönlich rausschmeißen? Vielleicht sollte sie das als eine Art Ehre betrachten, aber irgendwie war ihr nicht danach. Den ganzen Weg über waren ihre Gedanken woanders. Sie bemerkte kaum, dass Bones sie in Moodys Büro schob und danach ging.
"Meadowes, eh?" Dorcas sah auf. "Kannte deinen Vater, guter Auror, hätten wir brauchen können. Setz dich hin!" Moody selbst schrieb weiterhin beinahe mit persönlichem Groll gegen das Schreibutensil und die Welt einen Bericht. "Tut mir Leid, hätte vielleicht dableiben sollen, aber irgendwann muss ich diesen verdammten Bericht fertig kriegen und sonst hab ich keine Zeit. Setz dich gefälligst auf deine vier Buchstaben!"
Dorcas ließ sich nun ziemlich verwirrt auf den Stuhl vor Moodys Schreibtisch sinken. So gar nichts machte Sinn. Wieso hätte Moody dableiben sollen? Um ihr vor allen Leuten zu sagen, dass sie raus war? Dann war es so mit Sicherheit besser.
"Hab gehört, du wohnst in einem Apartment in London, Meadowes?"
"Ja...", sagte Dorcas irritiert. "Liegt ein wenig außerhalb des Zentrums."
"Mh, wirst du aufgeben müssen", meinte Moody leichthin und setzte schwungvoll seine Unterschrift unter den Bericht. "So, endlich fertig." Er sah auf und schien zum ersten Mal Dorcas' bittere Miene zu sehen. "Was soll der Blick? Ist nur eine Wohnung!"
"Das ist -", begann Dorcas, aber Moody unterbrach sie: "Ich geb dir meine Adresse, da kannst du den Kram hinbringen - hab da ein Zimmer frei. Ist besser, wenn wir unter einem Dach wohnen, das Jahr, dann ist der Job leichter. Nicht ständig dieses hin- und her mit dem Apparieren und so, wenn du verstehst. Ist nicht gut für die Schutzbanne."
"Was?" Dorcas blinzelte verwirrt. "Das Jahr?"
"Na, Mädchen, das Mentorenjahr! Glaubst mir, es ist sehr viel effektiver, wenn ich nicht ständig zu dir nach Hause apparieren muss. Auf Dauer schlägt das eh nur auf meine Laune." Moody grinste. "Meadowes, ich bin dein Mentor!"
