Kapitel 23: Hermione XI

Mich in Severus Snape zu verlieben, war das Einfachste, das ich je in meinem ganzen Leben getan hatte. Nach diesem ersten Kuss bei unserem ersten Date … Das war der Punkt, an dem ich wusste, dass ich dabei war, mich in ihn zu verlieben. Nun, ich hatte es die ganze Zeit schon gewusst, aber das war der Zeitpunkt, zu dem ich es in meinem Herzen wusste. Den ganzen Weg zurück nach Hogwarts wollte ich singen, während wir miteinander gingen und uns an den Händen hielten. Es war wundervoll.

Einige Monate später, nachdem ich die Abschlussprüfung durchgeführt und die Prüfungsbögen meiner erschöpften Schüler eingesammelt hatte, saßen Severus und ich in seinem Büro. Während wir nach draußen auf die kleinen und älteren Schüler schauten, die auf der Wiese ein Schläfchen hielten und dankbar waren, dass die Schule in ein paar Tagen aus war, sagte ich ihm, dass ich ihn liebte. Lächelnd sah er zu mir hin und sagte: „Ich liebe dich auch." Er hatte darauf gewartet, dass ich es sagte. Ich grinste ihn an, dann trat ich zu ihm, um ihn leidenschaftlich zu küssen. Küssen, beschloss ich, war etwas viel Intimeres als Sex, obgleich sich die Leute üblicherweise zuerst küssen, ehe sie Sex miteinander haben. Man braucht keine Worte, wenn man seine Lippen gegen die eines anderen drückt, und der eigene Atem sich mit seinem vermischt.

Drei Jahre später bat er mich, ihn zu heiraten, und natürlich sagte ich ja. Zu diesem Zeitpunkt konnte ich mir nicht vorstellen, mein Leben mit irgendjemand anderem zu verbringen. Meine Beziehung mit Ron war in den ersten ein oder zwei Jahren schwierig gewesen, aber inzwischen hatten wir uns daran gewöhnt, einfach Freunde zu sein. Dennoch wusste ich nicht, was er tief drinnen wirklich empfand, aber zumindest konnten wir die Gesellschaft des jeweils anderen ohne eine peinliche Kluft zwischen uns genießen. Harry und Ginny heirateten ebenfalls, und Severus und ich waren beide bei ihrer Hochzeit.

Einige Jahre später wurde Harrys und Ginnys erstes Baby geboren. Sein Haar war sofort als rot erkennbar. Sie nannten ihn James, wie ich bereits vorher wusste, und ich dachte an den kleinen Jungen, der er in drei Jahren sein würde. Als er geboren wurde, war ich im Krankenhaus, und eine Stunde nach seiner Geburt wurde ich eingeladen, ihn und seine Mutter zu sehen.

Ich betrat das Zimmer und sah Ginny, die sich im Krankenhausbett aufsetzte. Sie sah müde, aber strahlend aus (ist das nicht immer so?) mit Klein-James in den Armen. Er schlief; seine Brust hob und senkte sich mit kurzen Atemzügen. Harry saß auf der Bettkante und hatte einen Arm um Ginnys Schultern gelegt. Zu diesem Zeitpunkt wurde mir klar, dass dieses Bild der Zukunft mehr ähnelte als der Vergangenheit. Ich trat hinzu und sah zu James hin, und dann fluteten meine Erinnerungen an Adeline an die Oberfläche.

Mama", hatte sie gesagt, als sie mich zum ersten Mal gesehen hatte. Ich vermisste sie. Ich wollte sie. Als ich zu Harry und Ginny sah, realisierte ich, dass ich dringend ein eigenes Baby wollte. Ehe ich gewusst hatte, dass ich Kinder hatte, dass ich Adeline hatte, hatte ich nicht viel darüber nachgeacht, ob ich Kinder wollte oder nicht. Andere Dinge waren mir wichtiger gewesen. Zum einen zu lernen und dann eine gute Karriere zu machen. Ich hatte mir vage gewünscht, Ron zu heiraten, hatte aber angenommen, dass sich alles von selbst regeln würde. Wenn die Zeit reif war, würden wir über Kinder reden, und ich würde wissen, ob ich welche wollte. Und während der letzten paar Jahre hatte ich mir nicht viele Gedanken darüber gemacht, weil ich wusste, dass Adeline und noch eines letztlich kommen würden … Aber James war nur ein Jahr älter als Adeline. Ich sah ihn an und gratulierte Harry und Ginny, machte einige Fotos. Als ich ins Wartezimmer zurückkam, wo Severus saß und eine Zeitung las, setzte ich mich neben ihn.

„Natürlich ein gesunder Junge", sagte ich lächelnd (wir verwendeten dieses ‚natürlich' öfter und öfter, wie es schien). „Sie haben ihn James genannt. Er ist viel kleiner als in meiner Erinnerung."

„Nun, so sind Babies zu Anfang", verwies Severus, faltete seine Zeitung zusammen und sah mich an. „Klein."

Dann hielt er inne und betrachtete meinen Gesichtsausdruck. Er war vage, nahm ich an, und etwas wehmütig. Eine Augenbraue hob sich. Ich sah ihn an und kaute an einem Halblächeln, dann sagte ich: „Ich will ein Baby."

„Nun, direkt dort drüben ist eins." Severus streckte mit einem leichten Grinsen die Hand aus und deutete auf das Zimmer, in das jetzt einer nach dem anderen weitere Gäste, Freunde und Familie strömten, um die junge Mutter und ihr Kind zu sehen. Ich wollte an ihrer Stelle sein.

„Du weißt, was ich meine", sagte ich und gab ihm einen neckenden Klapps auf die Hand. Einen Augenblick später nahm ich ebendiese Hand in meine und umklammerte seine Finger mit meinen. Sie zitterte leicht.

„Hast du Angst?", fragte ich und sah ihn leicht ungläubig, aber auch amüsiert an. Mein Herz schmolz für ihn.

„Nein", antwortete er, aber ich wusste, dass er log. Ich lehnte mich zu ihm und küsste ihn, dann sagte ich: „Du bist ein wunderbarer Vater."

„Noch nicht", antwortete er mürrisch und rutschte etwas auf seinem Platz herum.

„Bald", sagte ich, dann teilte ich ihm mit, was ich wenige Minuten zuvor gedacht hatte: „James ist ein Jahr älter als Adeline."

Sein Blick traf wieder meinen, und er sagte: „Ein Jahr?"

„Etwa", sagte ich und hielt seine Hand fester.

„Ah", antwortete er und sah weg.

„He, jetzt", sagte ich leise, streckte die Hand aus und zog sein Gesicht zurück zu meinem. „Ich war dort. Alles ist prima. Es ist wundervoll."

Severus nickte und sagte: „Dessen bin ich mir sicher", und hob eine Hand, um mir eine lose Haarsträhne hinter das Ohr zu stecken. Ich neigte den Kopf zur Seite an seine Hand und schloss die Augen.

„Ich kann es nicht erwarten, sie kennenzulernen", flüsterte Severus, und ich lächelte.

Adeline wurde genau elf Monate und vierzehn Tage nach James geboren. Als die Krankenschwester sie mir zum ersten Mal in die Arme legte – sie schrie sich nicht mehr die Seele aus dem Leib, wie sie es im Augenblick ihrer Geburt getan hatte – und unsere Blicke sich trafen, war ich dem Weinen nah. Ich habe dich zehn Jahre lang geliebt, dachte ich, und jetzt sehen wir uns wieder. Ich sah Severus auf, der neben mir stand. Seine Augen waren ebenfalls feucht und voller Wunder. Er sagte mir, er habe nie gedacht, jemals Kinder zu haben, bis ich kam. Also mein künftiges Ich.

„Adeline", flüsterte ich und streichelte das feine Haar auf ihrem runden kleinen Kopf. Zwei Jahre schienen so bald. Ich wollte, dass sie für immer ein Baby blieb. Severus kniete sich neben mich und legte eine Hand auf mein Bein, dann beugte er sich vor und küsste Adelines Kopf.

Etwa zwei Jahre später erwachte ich eines Morgens und mir war übel im Magen. Adeline schrie in ihrem Zimmer, aber sie hatte nur mich aufgeweckt. Severus war dabei, ein bemerkenswertes Maß an Taubheit zu entwickeln. Ich knuffte ihn in die Seite und taumelte dann ins Bad hinüber, wo ich mich mehrfach übergab, ehe ich mich etwas besser fühlte. Als ich mich langsam aufrichtete und mich im Spiegel betrachtete, wusste ich es.

Ich bin schwanger", sagte ich tonlos zu meinem Spiegelbild und spürte eine verstörende Mischung aus Aufregung und Angst. Ich sah mich im in dem Bad um, fuhr mir mit den Händen durch die Haare, drehte mich einige Male und wusste, dass ich in einigen Monaten gehen würde. Das Abenteuer würde noch einmal beginnen. Außer, dass ich dieses Mal … die ältere Hermione war.

Ich bin die Frau, in die Severus sich verliebt hat, dachte ich mit einem kleinen Kichern und starrte wieder mich selbst an. Meine Hände glitten über meinen Bauch, und ich zog mein Shirt hoch, um meinen Bauchnabel zu betrachten. Ich glaubte nicht, dass ich schon dicker aussah, das hätte ich ohnehin nicht sollen. Noch nicht. Ich erinnerte mich daran, als ich mit Adeline schwanger gewesen war, und ich stellte mir mich selbst jetzt so vor und lächelte. War Zeitreisen schlecht für Föten? Hoffentlich nicht. Dann wiederum sagte Severus, dass es mir gut ging. Zum ersten Mal war er an der Reihe, mich wegen der Zukunft zu beschwichtigen. Es war sehr viel weniger beruhigend.

Ich hörte, dass Adeline zu weinen aufhörte, hörte Severus, der ihr ein paar leise Worte zumurmelte. Ich vernahm seine Schritte, als er den Flur entlang zurück in unser Schlafzimmer kam. Die Badezimmertür öffnete sich knarrend, und mit einem zögerlichen Lächeln sah ich zu Severus.

„Morgenübelkeit?", fragte er. Ich nickte. Er sah aus, als sei er zwischen Stirnrunzeln und Lächeln hin- und hergerissen. Es war ein witziger Gesichtsausdruck, und ich lachte, dann ging ich zu ihm hin und schmiegte mich in seine Arme.

„Alles ist prima – du hast mir das selbst so viele Male gesagt", sagte ich, drehte mich um und lehnte mich an ihn zurück, dann spähte ich rückwärts zu ihm auf.

„Ja", sagte er mit einem leisen Seufzen und beugte sein Gesicht herab, um meine Stirn zu küssen. „Ja, das stimmt."

„Es wird alles noch einmal von Neuem passieren", sagte ich ernst und zog Severus' Arme enger um mich.

„Ja", stimmte er erneut zu. „Die andere Seite der Geschichte."

„Hmm", sagte ich. „Lass uns frühstücken gehen."