Autor: Noir13 / .Ya.

Disclaimer: Alle bekannten Personen, Namen, Orte und Begriffe sind Eigentum von J. K. Rowling. Die Charakterisierung ist jedoch größtenteils auf meinem Mist gewachsen.

Hauptcharakter: Dorcas Meadowes

Nebencharaktere: Alastor Moody, die Prewetts, Kingsley Shacklebolt, Dawlish, Scrimgeour, Fenwick, Dearborn, Gawain Robards, Janet Carter, ...

Rating: PG12

Anmerkung: siehe Kapitel 1

Kapitel: 3 / 13


Dezember 1973


"Schwachheiten schaden uns nicht mehr,

sobald wir sie kennen."

(Max Tau)


Dorcas war recht zufrieden mit sich. Nicht nur, dass sie Dawlish eins hatte auswischen können, nein, Moody hatte es nebenbei auch Scrimgeour heimgezahlt. Nicht zu vergessen, dass sie vor Prewett'schen Hausbesuchen nun sicher war. Definitiv, die Idee war eine ihrer besseren gewesen. Moody hatte ihr in dem Punkt recht gegeben.

Es war ein verdammt gutes Gefühl, den Feind mit den eigenen Waffen zu schlagen. Scrimgeour würde nie wieder auf einen Besuch zu Moody kommen, nur um ihn danach zu verspotten. Nicht seit dem kleinen Fiasko neulich.

"So gute Laune, Dorcas?"

Angesprochene drehte sich um und sah direkt in das Gesicht des obersten Kaffeediebs der Zentrale. "Shacklebolt."

Dorcas überlegte, ob sie ihn zusammenfalten sollte, aber andererseits hatte Shacklebolt ihnen in ihrem Anti-Scrimgeour-Dawlish-Feldzug geholfen – nur auf Drängen der Prewetts, aber Hilfe war Hilfe. Für irgendwas sollte das wohl zählen. Also nur minimaler Missmut.

"Ich habe eine Tasse Kaffee ergattert", bemerkte Dorcas und hob die Tasse mit dem wunderbar dampfenden Inhalt ein wenig hoch, jedoch weit genug außer Reichweite von Shacklebolt, damit er sich nicht plötzlich auf ihren hart erkämpften Kaffee stürzen konnte. "Außerdem zieht Dawlish immer noch so eine Fleppe, da kann man nur gute Laune haben, oder?"

"Tatsächlich." Shacklebolt drehte den Kopf und musterte Dawlish' verkniffenes Gesicht, das er in letzter Zeit immer machte, wenn Dorcas im selben Raum war. "Sehr nachtragend, der Mann."

"Gut so, ich will diesen Anblick nämlich so lange genießen, wie ich kann!" Dorcas grinste bösartig. "Ich habe auch schon einen Plan für Weihnachten. Hab ich mit den Karotten ausgeheckt – ich meine Gemüse gegen Fallobst, da kann ich nur gewinnen!"

Shacklebolt sah verwirrt drein, aber Dorcas ignorierte ihn. Wenn er nicht mit ihren Andeutungen klar kam, dann war das eben so. Nicht jeder konnte die kleinen Gemeinheiten verstehen, die Moody ihr anvertraute. So auch die Sache mit der Obstverbindung. Außerdem, Shacklebolt verdiente eine gewisse Unwissenheit – er hatte es einst gewagt, ihr den Kaffee zu stehlen!

"Ich nehme an, du weißt den genauen Grund für seine Miene", sagte er und sah Dorcas von der Seite her an. "Ich nehme an, du hast persönlich etwas damit zu tun."

"Ich würde sagen, du hast recht." Dorcas grinste. "Ich werde es dir nur nicht verraten – die genauen Vorgänge sind, sagen wir, eine persönliche Angelegenheit zwischen Team Fallobst und Moody und mir."

"Wieso Fallobst? Nicht, dass ich sie für übermäßig intelligent halte, aber..."

"Zerbrich dir nicht den Kopf, Shacklebolt. Das geht dich nämlich nichts an."

Dorcas winkte und marschierte – mit ihrem Kaffee – aus der Cafeteria.


Nachtruhe. Etwas, was Dorcas immer wieder vermisste. Das hinderte sie jedoch nicht daran, immer wieder wie ein Stein zu schlafen. Moody war nicht begeistert.

"Hey! Aufwachen!", brüllte Moody ihr ins Ohr.

Dorcas öffnete verschlafen die Augen. "Was'n los?"

Moody knurrte etwas, was wie "tot" klang.

"Wer is' tot?" Dorcas sah Moody blinzelnd an, noch halb in ihrer Traumwelt.

Ihr Mentor rollte entnervt mit den Augen. "Du!"

Nun war Dorcas doch hellwach, schon allein wegen der doch ziemlich seltsamen Idee, dass sie tot sein könnte. "Wieso? Ich lebe doch noch...?"

Moody, offenbar wenig begeistert von ihrer Begriffsstutzigkeit, verließ das Zimmer – Dorcas hörte ihn die Treppe runter in die Küche poltern. Mit einem kurzen Blick auf die Uhr stellte sie fest, dass es beinahe Zeit für ihr Morgentraining war. Wobei es draußen so aussah, als könnte es glatt sein. Vielleicht sollte sie ihr Lauftraining heute mal im Ministerium durchführen. Das brachte diese Bürohengste sowieso immer auf die Palme. Dorcas grinste.

Kurz darauf war sie frisch geduscht und angezogen unten in der Küche, den Zauberstab in einer praktischen Halterung – Moody hatte ihr beinahe den Kopf abgerissen, als sie ihn in ihre Hosentasche gestopft hatte – und musterte Moodys finsteres Gesicht.

"Du hast mir immer noch nicht erklärt, warum ich tot sein soll", bemerkte sie beinahe desinteressiert, während sie das Essen auf Gifte untersuchte. "Ich denke eigentlich, dass ich noch nicht das Zeitliche gesegnet habe – wobei ich wahrscheinlich nicht mal wissen würde, wie man etwas segnet..."

Moody grummelte und setzte sich ebenfalls an den Tisch. "Es mag wohl sein, dass du inzwischen vorsichtig mit dem Essen bist und auch deinen Zauberstab sicher aufbewahrst, aber an deiner allgemeinen Wachsamkeit müssen wir noch arbeiten, Meadowes. Dringend."

Dorcas schnaubte. Es war nicht so, als wäre sie ein absoluter Naivling wie Fudge, der es nicht einmal bemerkte, wenn eine Bombe unter seiner Nase losging. Überhaupt, sie war wachsamer als ein Großteil der anderen Rekruten – was wollte Moody eigentlich? Sie untersuchte ihr Essen auf Gifte, sie hatte ihren Zauberstab immer in Reichweite, sie sah sich immer um. Was sollte sie denn noch tun? Wachsamkeit war das eine, paranoider Verfolgungswahn etwas anderes. Dorcas hasste es, wenn Moody Dinge behauptete, die nicht stimmten.

"Du schläfst", erklärte Moody nach ein paar Augenblicken, in denen Dorcas nur finster gestarrt hatte. "Ziemlich tief, würde ich sagen."

"Ziemlich normal, würde ich sagen", konterte Dorcas schlechtgelaunt.

"Ziemlich unvorsichtig, würde ich behaupten", grollte Moody. "Du hast nicht einmal gemerkt, dass ich ins Zimmer gekommen bin! Du hast nicht einmal reagiert, als ich dich geweckt habe!"

Dorcas dachte darüber nach. "Wenn ich die Zeit finde, werde ich darüber meditieren. Das bedeutet, dass du mir die Lösung für das Problem sagen solltest, da ich ja nie Zeit habe." Sie fuhr sich durch die Haare und seufzte. "Aber wenn es dich glücklich macht, ich werde zumindest schon einmal Bewegungsmelder und Alarmanlagen installieren, so als erste Maßnahme..."

Moody knurrte.


Dorcas betrachtete den Weihnachtsbaum. Sie war sehr zufrieden mit sich selbst. Es war einer der seltenen Augenblicke, wo Moody nicht in der Nähe war – Sondermission oder etwas Derartiges, jedenfalls hatte eine Rekrutin da nichts zu suchen. Am Ende würde sie das Wichtigste so oder so erfahren, also war das kein Problem für sie und sie konnte sich in aller Ruhe der Weihnachtsdekoration widmen. Geschenke gab es natürlich auch, wobei Dorcas beschlossen hatte, ein kleines Experiment zu starten.

Moody war das perfekte Versuchsobjekt. Er misstraute allem und jedem. Bei ihm musste man nicht nur Sorge tragen, dass man vergiftet wurde, man musste sich auch vor wildgewordenen Mülleimern in Acht nehmen, wach sein, wenn man schlief, und nebenbei auch noch eine Abneigung gegen Pflaumen haben. Von der Tatsache, dass man nicht bei jedem stärkeren Wort rote Ohren bekommen durfte, einmal abgesehen. Inzwischen war es kein Problem mehr für sie.

Dorcas grinste. "Dieses Mal werde ich ihn zur Weißglut treiben..."

Bevor sie weiterhin ihren äußerst angenehmen Gedanken nachhängen konnte, wurde die Haustür aufgeschlossen – Moody war zurück. Dennoch, da sicher nun einmal sicher war und sicherer war besser, während Moody am sichersten war, zückte Dorcas ihren Zauberstab und ging in Deckung.

Tatsächlich, es war Moody.

"Meadowes, was soll das ganze Grünzeug hier?!", polterte er, kaum war er im Haus. "Wir sind Auroren – keine Unkrautzüchter!"

"Nenn es Tarnung", meinte Dorcas gelassen. "Ich fand es zu auffällig, falls es einen Eindringling geben sollte, wenn wir keine Deko haben. Das wiegt die Kerle in Sicherheit und macht sie unvorsichtig."

Moody machte nur "Hrmpf!" und ließ sich auf das Sofa fallen. Dorcas wartete geduldig auf die nächste Zurechtweisung – sie hatte sie den gesamten Monat schon gehört. Es gibt keine Feiertage für Auroren. Krankfeiern nur dann, wenn man nicht mal mehr Zahnfleisch zum Kriechen hat. Letztere kam besonders häufig, als Dawlish sich wegen einem "grippalen Infekts" krankschreiben ließ. Moody hatte getobt, dass die Aurorenzentrale von Weicheiern übernommen wurde. Natürlich hatte es in einem wüsten Fluchen geendet, aber der Anblick von Scrimgeours hochroten Ohren war die Lautstärke und die daraus resultierenden Gehörschäden durchaus wert gewesen.

"Und was ist das da? Da unter dem Baum?", knurrte Moody finster. "Erzähl mir nicht, dass das Geschenke sind!"

"Doch, doch, das sind welche. Dir mag es vielleicht entgangen sein, aber ich habe noch einen Bruder, eine Tante und einen Cousin. Und mein Bruder schickt mir immer ein Päckchen." Dorcas nickte zu einem leuchtend roten Paket. "Man erkennt es sofort an der Farbe – er war ein Gryffindor."

Moody schnaubte. "Gryffindor! Ein Hitzkopf! Ein Tölpel!"

"So in der Art." Dorcas ging schon lange nicht mehr auf Moodys Wüten gegen Gryffindors ein – für ihn waren das alles Idioten, die ihr Herz auf der Zunge trugen und überall den Helden markieren mussten. "Ich habe es auch schon überprüft, es ist absolut ungefährlich."

"Gut." Moody erhob sich und betrachtete voller Misstrauen den kleinen Stapel Geschenke, der offensichtlich für ihn bestimmt war. "Was soll das sein?" Er hob eines an. "Das tickt ja!"

Dorcas brachte sich vorsorglich in Deckung. Und nicht zu früh: Kaum eine Minute später erschütterte eine Explosion das Wohnzimmer. Die Bilder fielen von der Wand, der Kaminsims lag in Trümmern, Moodys Geschenke waren zerfetzt – Dorcas hatte die ihren aus der Gefahrenzone gebracht, immerhin hatte sie ihre auch schon geprüft – und der Baum stand in Flammen.

"Gute Arbeit, Moody", meinte Dorcas und kam grinsend hinter dem Sofa hervor. "Du hast soeben einen kleinen, harmlosen Wecker erlegt – was für ein Triumph, Mister stellvertretender Leiter der Aurorenzentrale!"

Sie hatte gerade noch genug Zeit, aus dem Zimmer zu fliehen, bevor Moody die Verfolgung aufnahm.