Kapitel 24: Severus XII
„In Ordnung dann", sagte Hermione, die neunzehn Jahre alte Hermione, und setzte sich auf das Bett und überkreuzte die Beine in Vorbereitung auf die Zeitreise. Sie sah zu mir auf, und dann war sie weg. Ich spürte einen Moment der Wehmut … Diese fünf Monate waren stressig gewesen, hatten aber auch Spaß gemacht. Es hatte Spaß gemacht, Hermiones Gesichtsausdruck zu beobachten, als sie Adeline zum ersten Mal gesehen hatte. Spaß zu beobachten, wie ihr klar wurde, dass ich jemand war, den sie lieben konnte. Spaß, sie wegen Dingen zu necken, die ihr nicht ganz angenehm waren. Spaß, sie mit Adeline zu beobachten und zu realisieren, dass sie darauf gewartet hatte, wieder bei diesem kleinen Mädchen zu sein, seit sie zurückgekommen war.
Dann erschien Hermione auf dem Bett. Sie lag auf der Seite, die Hände um einen Bauch geschlungen, der viel größer war als zu der Zeit, als sie gegangen war. Unsere Blicke trafen sich, und sie seufzte – es klang erleichtert – und sagte: „Severus."
Schnell trat ich zu ihr. Sie setzte an, sich aufzusetzen, und dann war sie in meinen Armen, und ich küsste sie. Meine Hand liebkoste ihren Bauch, dann zog ich sie dicht an mich. „Mmm", stöhnte sie und erwiderte leidenschaftlich meinen Kuss.
Wir lösten uns voneinander und sahen einander einen kurzen Augenblick lang an, der sich wie eine Ewigkeit anfühlte, dann zog ich sie in meine Arme und stand auf. „Zeit, in den Krankenflügel zu gehen", sagte ich und küsste sie erneut.
„Du wusstest es", sagte sie lächelnd und boxte mir leicht mit dem Ellenbogen in die Rippen. „Du wusstest es und hast es mir nicht gesagt!"
„Hat letztlich doch keinen Unterschied gemacht", verwies ich lächelnd und trug sie den Flur hinunter, aus unseren Räumlichkeiten und in die Korridore von Hogwarts.
„Ich kann gehen, weißt du", betonte sie, während ich sie zum Krankenflügel trug.
„Nein, kannst du nicht, Missus Granger", antwortete ich und grinste auf sie hinab.
In wenigen Augenblicken waren wir dort, und ich legte meine Frau auf eines der Betten. Madame Pomfrey was schon bei mir, ehe ich auch nur den Krankenflügel erreicht hatte. Dann schob sie mich beiseite. Ich trat zurück und sah zu, während die Krankenschwester einige Zauber warf, dann brachte sie einen Trank, den Hermione einnehmen sollte. Alles war von Adelines Geburt her vertraut. Außer, dass Hermione mir dieses Mal nicht alles über dieses Baby erzählt hatte, wenn er oder sie zwei Jahre alt war. Außer, dass die Zukunft jetzt ein großes, offenes, leeres Loch darstellte. Ich schauderte und beschloss, jetzt nicht darüber nachzudenken. Die Zukunft zu kennen, hatte mich gelassen gemacht.
Ich hätte mir diese zehn Jahre lang jedoch keine Sorgen machen müssen, denn die Geburt verlief reibungslos. Nun, so reibungslos, wie eine Geburt sein kann. Nur wenige Stunden später war ich Vater eines kleinen Jungen, Adelines neugeborenem kleinen Bruder. Zuvor hatten wir entschieden, dass wir ihn Hugo nennen wollten, wenn es ein Junge war, und er würde wie Adeline meinen Familiennamen bekommen, weil es einfach misslich wäre, zwei Kinder mit unterschiedlichen Nachnamen zu haben, wenn sie zur Schule gingen. Wäre es ein Mädchen geworden, hätte sie auf Hermiones Wunsch Rose geheißen. Ich hatte den Namen Adeline gewählt, daher war Hermione nun an der Reihe.
Als sein Haar trocken war, sah es dunkelbraun aus, und seine Augen waren nussbraun. Im Gegensatz zu den meisten Babys kam er schweigend ans Licht der Welt. Nachdem Madame Pomfrey ihn gesäubert hatte, öffnete er die Augen und sah sich neugierig auf der Welt um. Er war in eine Decke gewickelt und wurde Hermione in die Arme gelegt. Ich trat näher zu Hermione, mein Blick gefangen von diesem winzigkleinen Körper, auf dessen Geburt ich zehn Jahre lang gewartet hatte. Eine sehr lange Schwangerschaft, dachte ich für mich.
„Hugo", flüsterte ich, nahm Hermiones Hand und drückte sie. Hugo starrte zu mir hinauf.
„Er ist endlich da", sagte Hermione. „Die Zukunft ist da."
„Ja", antwortete ich. „Die Zukunft."
Ich sah Hugo an und fragte mich, ob jetzt, da Hermione zurückgekehrt war, das Zeitreisen abgeschlossen war … Würden wir erfahren, warum und wie es geschehen war? Ich hatte den Raum unter mehreren Überwachungszaubern, aber ich würde eine Zeitlang keine Gelegenheit haben, sie zu überprüfen. Würden sie etwas offenbaren? Zehn lange Jahre. Und jetzt war es vorbei. Bis jetzt war alles in Ordnung. Es war, als sei Hermione einfach wilkürlich, spontan in der Zeit zurückgereist, ohne einen offensichtlichen Grund. Und sie hatte mit ihrem vergangenen Ich die Plätze getauscht. Ich beschloss, nicht darüber nachzudenken, was ziemlich einfach war, weil mein neugeborener Sohn in Hermiones Armen schlief.
Hermione schlief ebenfalls bald ein, und ich nahm Hugo in meine Arme. Er war so weich, so warm, und ich erinnerte mich daran, wie ich Adeline zum ersten Mal gehalten hatte. Am Morgen würde sie Hugo kennenlernen. Ich ging in der bis auf Hermione leeren Krankenstation umher und wiegte das jetzt schlafende Baby. Madame Pomfrey wich uns nicht von der Seite, und ich gab mein Bestes, sie zu ignorieren, und bat sie schließlich, Hermiones Eltern zu holen.
Plötzlich lag, auf dieselbe Art, wie die Zeitreise bei Hermione passiert war, kein neugeborenes Baby mehr in meinen Armen. Stattdessen befand sich ein Junge im Teenageralter mit wirrem braunem Haar in meinen Armen. Er sah seltsam vertraut aus.
„Du kannst mich runterlassen", war das Erste, das er sagte, und ich war so schockiert, dass ich gehorchte.
„Wer bist du, und wo ist mein Sohn?", fragte ich, sobald der Junge sich aufgerichtet hatte. Er trug Hogwartsroben. Slytherin, bemerkte ich, aber niemand, den ich erkannte.
„Ich bin Hugo", sagte er grinsend. „Äh, entschuldige, dass ich dich unterbreche."
Er sah zu Hermione hinüber, dann wieder zu mir. „Sie schläft."
Ich starrte ihn an. Hugo. Er war Hugo. Ich starrte ihn an.
„Ah …", seufzte der Junge, fuhr sich mit der Hand durch die Haare und sagte: „Ich entschuldige mich noch einmal, aber du wirst die Information brauchen, die ich dir gebe. Ich bin ein Zeitreisender. Den größten Teil meiner Kindheit über mache ich spontane Zeitreisen. Da ich jetzt in Hogwarts bin, lerne ich, es zu kontrollieren, wenn ich wechsle, was verflixt nützlich ist. Du wirst mich in den ersten paar Jahren wahrscheinlich genau im Auge behalten wollen. Üblicherweise wechsele ich nur innerhalb weniger Jahre innerhalb meiner Kinderzeit, denn wenn ich mit meinem älteren Ich wechsle, habe ich bereits die Kontrolle darüber, und technisch kann ich nur mit meinen Ichs in der Vergangenheit die Plätze tauschen. Ich meine, ich kann nicht absichtlich mit einem zukünftigen Ich tauschen, weil technisch gesehen die Zukunft noch nicht passiert ist. Was für dich wahrscheinlich nicht viel Sinn ergibt, weil sie sowieso nicht geändert werden kann … Egal, erschrick nicht, wenn ich an einem einzigen Tag von zwei Monate zu zwei Jahre zu fünf Jahre zu acht Jahre alt wechsle … Nun, vielleicht habe ich das nie gemacht, aber du verstehst, was ich meine. OH! Was du am dringendsten wissen willst … Mamas Zeitreise. Nun, das war ich. Ich nehme an, dass mein ungeborenes Ich mit dem Ei getauscht hat, das in Mama war … Aber es hat sie mitgerissen. Ja?"
„Du bist Hugo?", sagte ich und sah den Jungen an. Er hatte haselnussbraune Augen, dieselben wie die, in die ich gerade geschaut hatte. Slytherin. Hmm. Ich überlegte, ob er mit Harrys Kindern klarkam – die alle zu Gryffindors vorbestimmt waren.
„Ich bin Hugo", sagte er grinsend. „Papa. Egal, das ist alles, also gehe ich jetzt. Du und Mum genießt es, mich wieder als Neugeborenes zu sehen, also kein Grund zur Sorge um mein neugeborenes Ich. Bin ich goldig?"
„Außerordentlich", sagte ich und starrte Hugo immer noch ungläubig an. Kein Bedarf für diese Überwachungszauber.
„Nur, damit du es weißt, ihr beide seid tolle Eltern", sagte Hugo grinsend. „Meine Schwester hasst es, dass ich manchmal älter als sie sein kann."
„Severus?", murmelte Hermione leise, und Hugo und ich sahen sie beide an. Hugo bewegte sich zuerst, trat zu ihr hin und setzte sich auf die Bettkante, um sie zu umarmen.
„Viel Spaß mit mir als Baby, Mama", sagte er. „Papa wird es erklären, aber ich wette, du willst dein Baby jetzt zurückhaben. Später gibt es noch eine Menge Spaß mit den Zeitreisen."
Dann war das Baby wieder zurück, lag neben Hermione und sah jetzt ein wenig überrascht und wach aus. Nachdem er seine neue Umgebung ein für paar Augeblicke betrachtet hatte, begann er zu weinen. Sofort hob Hermione ihn in ihre Arme. In diesem Moment kam Madame Pomfrey mit Hermiones Eltern im Schlepptau wieder herein.
Während sie sich darauf vorbereitete, Hugo zu stillen, starrte Hermione zu mir auf und sagte: „Was ist gerade passiert?"
„Anscheinend kann unser Sohn zeitreisen", sagte ich trocken, dann sah ich zu den Grangers hinüber, die sich vorsichtig näherten, um auf Hermione und Hugo zu schauen.
„Dies ist Hugo, Mum, Dad", sagte Hermione und strahlte mit noch immer leicht verwirrtem Ausdruck das Baby an.
„Er tauscht die Plätze mit sich selbst", sagte ich. „Sein Teenager-Selbst hat gerade mit seinem Baby-Selbst die Plätze gewechselt, um mir das zu erklären. Er ist in Slytherin."
„Slytherin?", fragte Hermione und sah auf das Baby, das an ihrer Brust nuckelte. „Dieser kleine Kerl?"
„Ich glaube nicht, dass das viele negative Auswirkungen auf ihn hat", antwortete ich und dachte an Hugos wildes Grinsen. Er schien mehr wie einer der Weasley-Zwillinge mit vierzehn als wie ich mit vierzehn. Ich hielt das für eine gute Sache.
Einige Minuten später kamen Harry und Ginny ebenfalls herein; beide sahen ein wenig verschlafen aus. Dies war nicht überraschend, da es drei Uhr früh war. Die Grangers hatten den Plätzetausch verpasst, daher machte ich mir nicht die Mühe, ihnen zu erklären, worüber wir gesprochen hatten. Später würde dafür genug Zeit sein. Nach einer Stunde scheuchte Madame Pomfrey alle Besucher hinaus, und nachdem sie Hermione gründlich untersucht hatte, sagte sie, wir könnten in unsere eigenen Räumlichkeiten zurückkehren, und sie käme am Morgen für eine weitere Untersuchung wieder. Hermione war kurz davor, wieder einzuschlafen, daher reichte ich Hugo der Krankenschwester und half Hermione, zurück zu unseren Räumen zu gehen. Sobald wir da waren, steckten wir Hugo in seine Wiege, die wir über Nacht in unserem Schlafzimmer behielten, damit wir Adeline nicht weckten, wenn wir in der Nacht durch ihr Zimmer gingen. Und ich hatte gerade angefangen, es zu genießen, wieder acht Stunden in der Nacht schlafen zu können …
Unter die Decke gekuschelt, schlief Hermione schnell ein, aber ich blieb ein wenig länger wach und beobachtete Hugos Schlaf. Ich trat zu seiner Wiege hin und kniete nieder, gerade nah genug, dass ich ihn atmen hören konnte.
„Ich liebe dich", flüsterte ich ihm zu und betrachtete seine flatternden Wimpern. Und ich hatte gedacht, dass das Abenteuer nun vorüber sei. Es begann gerade.
Ende
Anmerkung der Übersetzerin
Allen Leserinnen und Lesern, die diese oft recht verwirrende Geschichte tapfer bis zum Ende gelesen haben, meinen herzlichen Dank. Ebenso bedanke ich mich bei all denen, die durch Kommentare, Favoriteneinträge und Empfehlungen ihre Freude an der Geschichte zum Ausdruck gebracht habe. Ich hoffe, Ihr hattet so viel Spaß beim Lesen wie ich beim Übersetzen.
Bis zur nächsten Übersetzung wird es eine Weile dauern, denn wie immer will ich ein Stück Vorlauf haben, um später jede Woche regelmäßig hochladen zu können. Wenn es in meiner Macht steht, wird "Fridays for Fanfiction" weitergehen.
Bis dahin Euch alles Gute – man liest sich!
