Autor: Noir13 / .Ya.

Disclaimer: Alle bekannten Personen, Namen, Orte und Begriffe sind Eigentum von J. K. Rowling. Die Charakterisierung ist jedoch größtenteils auf meinem Mist gewachsen.

Hauptcharakter: Dorcas Meadowes

Nebencharaktere: Alastor Moody, die Prewetts, Kingsley Shacklebolt, Dawlish, Scrimgeour, Fenwick, Dearborn, Gawain Robards, Janet Carter, ...

Rating: PG12

Anmerkung: siehe Kapitel 1

Kapitel: 5 / 13


Februar 1974


"Niemand weiß, wie weit seine Kräfte gehen, bis er sie versucht hat."

(Johann Wolfgang von Goethe)


Sie wusste, dass sie 'draußen' hasste. Sie wusste, dass sie Feldtraining hasste. Sie wusste, dass sie Schlammschlachten hasste.

Sie wusste, dass es an den Rekruten lag.

Als sie im zweiten Jahr gewesen war, hatte sie mit freudiger Erwartung jedem Feldtraining entgegengeblickt. Es machte ihr nichts aus, sich im Schlamm zu wälzen, Flüche zu brüllen und allgemein geschunden nach Hause zu gehen. Jetzt fürchtete sie diese Tage.

Es lag alles an den Rekruten. Zu dieser Jahreszeit war es kalt, feucht, matschig, und oft nebelig. Damit kam sie klar. Womit sie nicht klar kam, waren die Rekruten, die sie jedes Mal abbekam. In diesem Jahrgang waren die Prewett-Zwillinge, was sowieso schon die Hölle war, aber auch Kingsley Shacklebolt war in diesem Jahrgang und Dorcas musste sich jedes Mal gewaltsam davon abhalten, ihn zu erwürgen.

Seine gesamte Art brachte sie zur Weißglut. Und er sorgte für chronischen Kaffeemangel – und leider reichte das noch nicht aus, um einen Mord als Notwehr zu tarnen.

Heute hatte sie es geschafft, sich von den Prewetts zu befreien – sie fielen Moody zur Last – und musste sich nur mit Shacklebolt herumärgern. Und sie hatte eine Tasse Kaffee. Was könnte eine Aurorin glücklicher machen, als zu sehen, wie Rekruten sich im Schlamm wälzten, mit verfrorenen Gesichtern, und das Gesamte mit einer Tasse Kaffee zu genießen? Ein Kaffee in dieser Einöde war der Himmel auf Erden!

Leider hatte jede Medaille ihre Schattenseiten.

Shacklebolt war erstaunlicherweise mit der Übung fertig. Dorcas schob es darauf, dass er den Kaffeegeruch drei Meilen gegen den Wind wahrnehmen konnte, und er bereits unter Entzugserscheinungen leiden müsste. Es war mindestens zwei Stunden her, seit er die letzte Kanne leergemacht hatte.

"Ich weiß, was du jetzt planst, Shacklebolt!", bemerkte sie und sah den Rekruten vor sich misstrauisch an – die Tasse vorsichtshalber fester umklammernd.

"Tatsächlich? Ich bezweifle, dass du weißt, was ich plane, dass ich tue, da ich weiß, dass du denkst, dass du weißt, was ich plane zu tun und deshalb nicht tue, was du denkst, dass du weißt, dass ich plane -"

Dorcas bekam Kopfschmerzen "Halt die Klappe, Shacklebolt!"

Er schwieg. Dorcas rückte ein wenig weg. Sicherheitsabstand einhalten. Dorcas und ihr Kaffee zuerst!

"Was willst du eigentlich?", brummte Dorcas, als Shacklebolt weiterhin nur dastand. "Du kriegst meinen Kaffee nicht, verdammt! Und jetzt MARSCH! Geh weiter üben!"

Shacklebolt zeigte sich gänzlich unbeeindruckt von ihren Worten – aber er gehorchte trotzdem. Dorcas wusste instinktiv, dass etwas Unangenehmes geschehen würde. Sie hatte bereits einige Erfahrungen mit Auroreninstinkt und sie wusste, dass sie ihren Gefühlen trauen konnte.

Gerade noch rechtzeitig warf sie die Kaffeetasse in die Luft, bevor sie in einem bunten Regen aus Scherben und Kaffee auf Dorcas niederging.


Eigentlich hatte sie sich vorgenommen, diese Räume, dieses Gebäude, erst wieder aufzusuchen, wenn die Hölle gefror. Und selbst dann nur unter Protest. Aber irgendwie hatten sie es geschafft, sie hier einzusperren. Wegen ein paar Kratzer. Zugegeben, es waren vielleicht keine kleinen Kratzer, aber es waren Kratzer. Große. Tiefe. Blutige. Kratzer.

Dorcas fluchte.

Sie hasste Krankenhäuser. Sie hasste Heiler. Sie hasste es, Patient zu sein. Sie hasste es, dass die Prewetts ihr Blumen geschickt hatten. Eigentlich fiel es in die Kategorie 'Unkraut' – es war Löwenzahn – und es war eine Anspielung auf ihre Zähigkeit, denn Unkraut verging nicht. Sie hasste es, dass man sie nicht einmal Kaffee trinken ließ.

Sie hatte sich zumindest erhofft, durch diesen Aufenthalt an Kaffee zu kommen. Aber angeblich schadete es ihrer Gesundheit. Ha! Was wussten die schon?

Auf jeden Fall lief alles darauf hinaus, dass das St. Mungo's nicht zu ihren bevorzugten Aufenthaltsorten gehörte. Sie hätte sich lieber inmitten von Schwarzmagiern, bei einem Kampf auf Leben und Tod, wiedergefunden als hier. Es durfte auch ruhig eine regelrechte Übermacht an Schwarzmagiern sein – nach oben setzte Dorcas da keine Maßstäbe. Alles musste besser sein, als im St. Mungo's zu liegen, von nichts eine Ahnung zu haben und von den Prewetts belächelt zu werden. Dafür würden sie natürlich büßen.

Dorcas wartete mit eiserner Geduld auf den Schichtwechsel. Einen besseren Zeitpunkt, um zu fliehen, gab es nicht. Sie musste nur vorsichtig sein, oder schnell. Am besten aber beides.

Die Stunde schlug. Dorcas raffte sich aus ihrem Bett auf, warf sich ihren Umhang über und schwankte zur Tür. Die Übelkeit, die in ihr aufstieg, hatte sicherlich etwas mit ihrer Umgebung zu tun. Auch der kalte Schweiß, der ihr über den Rücken lief. Es konnte gar nicht anders sein.

Dorcas starrte die Tür eine Weile an, bevor sie sich daran erinnerte, sie zu öffnen. Keine Zeit verlieren! Sie schwankte und stolperte den Gang entlang, so schnell wie es ihre Beine vermochten, und das war im Vergleich zu ihrer Normalgeschwindigkeit entsetzlich langsam. Sie musste sich auf Schritttempo beschränken, aber immerhin kam sie voran.

Nur kam sie nicht weit.

Inzwischen wusste jeder im St. Mungo's, dass Dorcas eine der starrköpfigen Patienten war. Jeder wusste, dass sie versuchen würde, zu fliehen. Jeder wusste es. Deshalb wurde Dorcas' Zimmer regelmäßig kontrolliert. Wenn sie fehlte, wurden sofort die Sicherheitskräfte alarmiert.

Dorcas' Flucht endete genauso schnell wie die Fluchtversuche zuvor. Immerhin, sie hatte es auf drei Meter näher an die Freiheit geschafft als die Tage zuvor. Sie war definitiv auf dem Weg der Besserung.


Dorcas pflügte mit neuem Enthusiasmus durch die Zentrale. Endlich wieder daheim! Natürlich war dies nicht ihr erster Tag aus dem St. Mungo's, aber Moody hatte darauf bestanden, dass sie mindestens noch zwei Tage zu Hause blieb – die Heiler waren so verrückt gewesen, zu sagen, dass sie eine Woche das Bett hüten sollte! Und das Beste am Tag war, dass eine Feldmission geplant war.

"Du kommst nicht mit", erklärte Moody ihr ruhig.

Sie fiel aus allen Wolken. "WAS?!"

Moody sah sie nur an. Dorcas brauchte einige Zeit, um das zu verarbeiten.

"Ha, ha, ein guter Witz, Moody, wirklich", sagte sie erbost. "Erschreck mich doch nicht so! Ich dachte für ein paar Sekunden, du meinst das ernst!"

Moody starrte weiter.

"Du... du meinst das wirklich ernst?" Dorcas war schockiert. "Willst du mir allen Ernstes weiß machen, dass ich bei diesem Einsatz nicht mitkommen werde?" Sie schüttelte den Kopf. "Das kannst du nicht machen!"

"Meadowes..."

"Nichts Meadowes!", polterte Dorcas. "Ist es wegen diesem Kratzer von neulich? Der ist verheilt!" Sie holte Luft. "Ich bin bereit, Moody! Ich kann kämpfen! Lass mich ins Feld, Moody!"

Sie zuckte ein wenig zusammen, als sie wütend aufstampfte – aber sie ignorierte den dumpfen Schmerz in ihrem Knie. Moody sollte ja nicht glauben, dass sie schwach war. Selbst wenn die Mühe umsonst war. Moodys Gesicht teilte ihr bereits mit, dass sie eine verlorene Schlacht kämpfte. Aber sie würde trotzdem kämpfen, denn eine Dorcas Meadowes ging immer mit ihrer Mission unter. Sieg oder der gnadenlose Untergang – in der Hölle des Papierkrams. Außerdem war Dawlish in der Zentrale. Was war, wenn seine bloße Anwesenheit einen schlechten Einfluss auf sie hatte? Sie könnte ihm ähnlich werden!

Dorcas schauderte.

"Verdammt, Moody!", versuchte sie es mit dem Mut der Verzweifelten. "Das kannst du nicht machen! Die Pflaume ist hier!"

Sie merkte, dass sie in die Lächerlichkeit abrutschte, aber in diesem Augenblick war ihr das egal. Diese Dinge mussten einfach gesagt werden. Doch Moody schüttelte nur den Kopf. Offenbar war er nicht gewillt, sinnlosen Argumenten zu lauschen.

"Vergiss das Fallobst", sagte er. "Hier geht es nicht darum, dir eins auszuwischen – momentan sind wir sowieso noch quitt – hier geht es um Sicherheit. Hier geht es um Effizienz." Er ließ diese Worte ein wenig einwirken. "Meadowes, du weißt genau, dass wir nichts riskieren können. Wenn deine Verletzung, und du brauchst nicht so zu gucken, ich weiß, dass sie noch nicht vollständig geheilt ist, sich bemerkbar macht, und wir mitten im Feld sind, was dann?" Er seufzte leicht. "Weißt du, wenn das kein Überfallkommando wäre, würde ich dich ja mitnehmen, als Nachhut oder etwas in der Art, aber hier geht's wirklich aufs Ganze."

Dorcas nickte niedergeschlagen. Gegen so viel verdammte Vernunft konnte sie nichts ausrichten. Logik war auch für sie ein ernstzunehmender Gegner.