Autor: Noir13 / .Ya.
Disclaimer: Alle bekannten Personen, Namen, Orte und Begriffe sind Eigentum von J. K. Rowling. Die Charakterisierung ist jedoch größtenteils auf meinem Mist gewachsen.
Hauptcharakter: Dorcas Meadowes
Nebencharaktere: Alastor Moody, die Prewetts, Kingsley Shacklebolt, Dawlish, Scrimgeour, Fenwick, Dearborn, Gawain Robards, Janet Carter, ...
Rating: PG12
Anmerkung: siehe Kapitel 1
Kapitel: 7 / 13
April 1974
"Niemals aufgeben! Niemals kapitulieren!"
(Galaxy Quest)
"IN DECKUNG!"
Dorcas war bereits in einen Hauseingang gehechtet, noch bevor Moody die erste Silbe gebrüllt hatte. Es war auch nicht nötig. Es war die einzig logische Möglichkeit in dieser Situation. Sie knirschte mit den Zähnen. Es hatte eine Routinemission sein sollen. Und was war es jetzt? Ein verdammter Straßenkampf! Und das auch noch in der Winkelgasse. Einziges Plus war, dass es an der Ecke Nockturngasse war – hier waren weniger Zivilisten.
"Alle in Ordnung?", rief Moody von der anderen Straßenseite herüber, seine Stimme über den Lärm der Explosion nur schwer zu verstehen.
Dorcas drehte leicht den Kopf, um sich einen Überblick zu verschaffen. Gegenüber war Moody, zwei Türen weiter spähte Fenwick aus einem Ladenfenster. Hinter ihr war ein anderer Auror – ihr fiel der Name nicht ein, sie hatte wenig mit ihm zu tun gehabt – in Deckung gegangen. Wo war Carter?
"Carter fehlt!", schrie Dorcas Moody zu, aber eine erneute Explosion übertönte sie.
Hektisch versuchte sie, die verdammten Schwarzmagier in ihre Schranken zu weisen, mit den übelsten Flüchen, die ihr einfielen, aber lange würde es nicht währen. Sie musste Carter finden, und sei es nur ihre Leiche. Aber sie musste es tun – Fenwick und Moody hatten genug mit den Schwarzmagiern zu tun, die sie alle zur Hölle jagen wollten. Dorcas warf einen kurzen Blick zurück.
"Gib mir Rückendeckung!", verlangte sie von ihrem namenlosen Kollegen, bevor sie in die Mitte der Straße rannte, immer wieder Deckung hinter Mauerbrocken suchend.
"Carter! CARTER!"
Sie schoss einen Fluch über ihre Schulter, irgendwo in die wage Richtung des Gegners, ohne wirklich darauf zu achten, ob sie traf. Etwas traf ihre Schulter. Dorcas warf sich flach zu Boden und robbte hinter einige Geröllstücke. Irgendwo im hintersten Winkel ihres Bewusstseins bemerkte sie, dass Crouch wegen dem ganzen Chaos hier einen Aufstand machen würde – das Bild half ihr ein wenig, den Schmerz in ihrer Schulter an den Rand ihres Bewusstseins zu schieben.
Sie musste immer noch Carter finden. Das war leichter gesagt als getan: Die Gasse war ein Trümmerfeld. Zerbrochene Fenster, Mauerstücke, Geröll, Staub und Flüche. Keine geeignete Umgebung für eine Suche.
Dorcas kniff die Augen zusammen. War das eine Aurorenrobe...? Sie gestattete sich einen kurzen Blick zurück – der andere Auror hielt ihr wirklich gut den Rücken frei, das musste sie zugeben – bevor sie losrannte. Im Zickzack über die Straße, bevor sie sich neben der vermeintlichen Aurorenrobe zu Boden warf. Hinter ihr ertönte ein Schrei, der abrupt beendet wurde. Dorcas schluckte. Sie brauchte sich nicht umzudrehen, um zu wissen, dass ihr Kollege von einer grünen Verheerung einen verfrühten Tod gefunden hatte.
"Verdammt", murmelte sie und tastete abwesend nach der Robe. Sie wusste nicht, ob sie hoffte, dass die Robe leer war oder dass ein Körper darunter war. "Verdammt, verdammt."
Unter der Robe befand sich ein Körper. Ein regloser Körper. Dorcas versuchte, einen klaren Gedanken zu fassen – sie wusste, dass sie für erste Hilfe ungeeignet war und sie war sich auch nicht sicher, was sie tun würde, wenn sie feststellte, dass selbst erste Hilfe zu spät war. Schließlich gab sie sich einen Ruck. Sie konnte zumindest versuchen, zu helfen, und sei es nur, indem sie feststellte, ob es noch etwas zu helfen gab.
Sie tastete sich weiter vor, darauf hoffend, dass die verdammten Schwarzmagier sie ignorierten oder am besten ganz vergessen hatten. Sie konnte jetzt wirklich kein Fluchduell gebrauchen. Als sie Carters leblose Gestalt vollständig von umliegenden Geröllstücken befreit hatte, begann sie, nach einem Puls zu suchen. Entweder es gab einen oder es gab keinen. Im ersten Fall würde Dorcas sich Sorgen über das 'was dann?' machen, beim zweiten gab es kein 'danach', also entfiel die Frage.
Dorcas betete stumm, als sie nach einem Puls tastete.
Carter lebte.
Dorcas trommelte mit den Fingern auf den Tisch im Briefingraum. Es war eine weitere Mission geplant und normalerweise würde sie solche Gelegenheiten willkommen heißen, aber etwas verdarb ihr den Spaß daran.
Der Mangel an geeigneter Ausrüstung, zum Beispiel.
"– ist die Aktivität der verdammten Schwarzmagier gestiegen. Eine großangelegte Razzia in der Nockturngasse ist längst überfällig, Bones! Verfluchte Hölle, ich wohne da, ich weiß, dass es ein verdammter Hexenkessel ist!" Moody schlug mit der flachen Hand auf den Tisch. "Die behelligen mich nur nicht, weil die Angst vor meinen Abwehranlagen haben!"
Dorcas verkniff sich ein Grinsen. Sie wusste genau, welche Abwehranlagen Moody meinte – sie hatte geholfen, diese zu entwickeln und aufzubauen. Gleichzeitig wusste sie aber auch, wie ernst die Lage war. Sie logierte immerhin in Moodys Haus, wenn sie also nicht bemerkte, was auf der Straße los war, konnte sie gleich ihre Sachen packen.
"Ich weiß, ich weiß", murmelte Bones müde. "Nur haben wir nicht die Leute dafür. Ein Großteil ist im St. Mungo's wegen diesen 'Aktivitäten' und die Zweitklässler sind noch nicht gut genug, um sie einzusetzen. Von den Erstklässlern ganz zu schweigen."
"Lass mich raten", brummte Moody missmutig. "Aufgrund der zu hohen Personalkosten wurden die Löhne gesenkt und einige haben sich daraufhin abgeseilt, ja?"
"Unter anderem." Bones rieb sich die Stirn. "Ich weiß wirklich nicht, wie das weitergehen soll. Wir haben weniger als nichts und sollen den Frieden wahren!"
Dorcas hob die Brauen. "Eigentlich, wenn wir es bürokratisch nehmen, müssen wir nur Schwarzmagier jagen. Und das bedeutet, wir warten, bis sie was angestellt haben, was die Kompetenzen der Polizeibrigade und Eingreifzauberer übersteigt."
Alle starrten sie an. Moody schüttelte den Kopf, während Bones seufzte.
"Rein theoretisch ist das korrekt", sagte sie. "Aber das Problem ist, dass wir auf eine Krise zusteuern. Das bedeutet, dass alle verfügbaren Einheiten immer mehr uns unterstellt werden."
"Hätten wir dann nicht die Leute für eine Razzia?" Dorcas versuchte, das Problem zu finden. Es gab eins, dessen war sie sich sicher, nur welches? Wenn sie sowohl Eingreifzauberer als auch die gesamte magische Polizeibrigade unter sich hatten, womöglich auch die Leute von Magische Katastrophen und Unfälle im Notfall, dann hatten sie doch genug Personal, selbst wenn viele Auroren fehlten – oder galt die Finanzkrise nicht nur für die Aurorenzentrale, sondern für die gesamte AMS?
"Wir könnten genug Leute zusammenkratzen, nur wäre das ein ziemlich jämmerlicher Haufen", sagte Moody.
"Einmal abgesehen von der Ausrüstung", fügte Bones düster hinzu.
Moody starrte sie an. "Was ist damit? Sag nicht – nein! Wir brauchen das Zeug!"
"Tut mir Leid, Moody, so ist es eben."
"Haben wir noch Bomben?", fragte Dorcas besorgt.
Bones schüttelte den Kopf. "Nein, sind gestrichen."
"Trankausrüstung?"
"Von den Blutsaugern aus der Verwaltung einkassiert."
"Haben wir wenigstens noch genug Besen?"
"Gingen an Magische Spiele und Sportarten, Moody."
"Und... und... die magisch verstärkten Schlagstöcke, die sie uns mal angedreht haben...?"
"Von den Fluchbrechern geklaut und verkauft. Sind jetzt bei der Polizeibrigade."
"Verdammt noch mal!", polterte Moody. "Was haben wir eigentlich?"
"Einen kaputten Dosenöffner in der Kantine", meinte Dorcas grimmig. "Und den haben wir geklaut."
Mal wieder hatte Moody eine Besprechung, wo ein Rekrut nichts zu suchen hatte. Oft kam Dorcas trotzdem mit, einfach, um die Leute zu verärgern. Die 'Leute' waren meist Typen wie Crouch und Scrimgeour, also war es in Ordnung. Heute hatte Moody aber darauf bestanden, dass sie nicht mitkam. Und Moody hatte eine sehr eindrucksvolle Art und Weise, auf etwas zu bestehen.
Dorcas nutzte also die Zeit und sammelte Informationen. Zum Beispiel sah sie sich die Aktenablage genauer an – alle Berichte landeten früher oder sehr wahrscheinlich später hier. Es war also eine gute Möglichkeit, über alle Tätigkeiten in der Zentrale auf dem Laufenden zu bleiben.
Dawlish hatte mal wieder Langeweile gehabt: Der Bericht wies einige Seiten mehr auf als nötig gewesen wäre, von der Beamtensprache ganz zu schweigen. Caradoc Dearborn hatte offenbar keine schwarze Tinte mehr gehabt und beschlossen, in Rot zu schreiben. Es wirkte ein wenig wie Blut – aber Dorcas wusste, dass Dearborn nicht der Typ für solche Sachen war. Robards' Bericht war so normal, dass er langweilig war.
"Heute mal nicht Moodys Schatten spielen, Meadowes?"
Dorcas sah auf und sah Fenwick auf sich zukommen. Der erste Tag nach dem Aufklärungsdesaster in der Winkelgasse war er ein wenig mies gelaunt gewesen – nicht nur, dass sie einen Kollegen verloren hatten, nein, er hatte auch noch seine Rekrutin ins Krankenhaus bringen müssen. Das schlug aufs Gemüt.
Er schien sich jedoch erholt zu haben, denn er wirkte so, wie immer. Kurz dachte Dorcas an ihr Gespräch mit Moody vor einem Monat – war es wirklich erst vor einem Monat gewesen, dass sie die Nachricht bekommen hatte...? – und sie befand, dass jede andere Reaktion unnatürlich gewesen wäre.
"Wie geht's Carter?", fragte sie, ohne auf Fenwicks vorherige Frage einzugehen.
Er würde die Antwort bereits wissen, wenn er auch nur ein wenig Ahnung hatte. Und er hatte viel Ahnung, vor allem, was das Erhaschen von Gerüchten betraf. Jemand, der einfach nur schnell vorbei eilte, beachtete kaum jemand. So erfuhr Fenwick alles, was auch nur im Entferntesten von Interesse war. Moodys Besprechung gehörte bestimmt dazu.
"Den Umständen entsprechend", meinte Fenwick schulterzuckend und warf seinen letzten Bericht achtlos auf den Stapel. "Nicht sehr glücklich mit der Lage, aber wer wäre das nicht? Sie hat nach dir gefragt."
"Auf einen Besuch kann sie lange warten", grollte Dorcas, die bereits wusste, wo es hinführen würde. "Ich werde das verdammte Gebäude nur dann freiwillig betreten, wenn die Hölle zufriert. Und dann überlege ich mir das trotzdem noch einmal genau."
Fenwick grinste. "Das habe ich ihr auch gesagt."
Grummelnd griff Dorcas nach Dawlish' Bericht, um ein paar Eselsohren hineinzumachen – irgendwer musste dafür leiden, dass man sie so leicht durchschauen konnte, und Dawlish war immer eine gute Wahl dafür.
"Wann kommt sie wieder?"
Der Auror zuckte mit den Schultern. "Die Heiler sagen, sie soll sich mindestens noch einen Monat schonen, noch mal drei Wochen warten und dann langsam wieder anfangen zu arbeiten. Und am besten hinter einem Schreibtisch."
"Was zur Hölle...?" Dorcas schüttelte den Kopf. "Sag mal, was bitte verlangt denn solche Extreme?"
"Sie hat ein Auge verloren, Meadowes."
Dorcas dachte nach. Ja, als sie Carter gefunden hatte, war da ziemlich viel Blut im Gesicht gewesen, aber sie hatte sich nichts dabei gedacht. Ein Auge also. Das könnte problematisch werden. Carter würde zwar nicht blind sein, aber ihre räumliche Wahrnehmung wäre beeinträchtigt. Ein guter Auror konnte das zwar wieder hinbiegen, aber das dauerte eine gewisse Zeit.
"Sie ist in zwei Wochen wieder hier", fuhr Fenwick fort. "Meint, sie könnte gut genug sehen, um zumindest ein wenig Schreibtischarbeit zu machen. In drei Wochen will sie dann wieder ins Feld."
"Oh, gut", sagte Dorcas nur. "Sag mir dann Bescheid, ja? Ich schenk' ihr eine Augenklappe."
