Autor: Noir13 / SeKaYa

Disclaimer: Alle bekannten Personen, Namen, Orte und Begriffe sind Eigentum von J. K. Rowling. Die Charakterisierung ist jedoch größtenteils auf meinem Mist gewachsen.

Hauptcharakter: Dorcas Meadowes

Nebencharaktere: Alastor Moody, die Prewetts, Kingsley Shacklebolt, Dawlish, Scrimgeour, Fenwick, Dearborn, Gawain Robards, Janet Carter, ...

Rating: PG12

Anmerkung: siehe Kapitel 1

Kapitel: 8 / 13


Mai 1974


"Aus dem Chaos sprach eine Stimme zu mir.

"Lächle und sei froh – es KÖNNTE schlimmer kommen!"

Ich lächelte und war froh –

und es kam schlimmer!"

(unbekannt)


"VERDAMMT!" Dorcas warf genervt ein Glas gegen die Wand. "Warum erwischen wir die nie?"

Es war einfach zum Aus-der-Haut-fahren. Da traten diese Kerle nur in Herden auf, und trotzdem schafften sie es nicht, auch nur einen von ihnen in die Finger zu bekommen. Sie hatte gehofft, dass es dieses Mal klappte. Es war nicht das erste Mal, dass sie den Typen begegneten – die trieben sich schon seit Anfang des Jahres herum, auch wenn sie erst in letzter Zeit aktiver wurden.

Dorcas vermutete, dass diese Kerle hinter den Morden an ihrer Familie steckten.

"Reg dich ab", versuchte einer der Prewetts sie zu beruhigen. "Bones tickt aus, wenn du noch mehr Geschirr zerdepperst. Wir haben sowieso schon so wenig und Crouch wird uns auch kein neues gestatten."

Noch so ein Ärgernis. Das Jahr war wirklich eines der schlechtesten, die sie je erlebt hatte. Nichts klappte, wie es sollte. Alles ging den Bach runter. Wenn es so weiterging, konnten sie die Zentrale dicht machen. Kaum Personal, kaum Ausrüstung und kaum etwas daran zu ändern. Crouch musste verdammt stolz auf seinen Sparplan sein: Sie sparten demnächst eine ganze Abteilung.

"Wieder auf dem Teppich?", fragte der andere Prewett. "Ja? Gut. Moody will dich sehen – unten."

Dorcas blinzelte. "Unten?"

"Ähm, ja, unten. Also, in der Mysteriumsabteilung. Er hat irgendwas gedeichselt, damit die Kosten für eine neue Unterabteilung nicht bei uns enden, sondern bei denen – die haben ja genug Kohle."

Immer noch verwirrt machte sie sich auf den Weg. Sie hasste es, durch das Ministerium zu gehen, denn meist traf sie Leute, denen sie für gewisse Dinge den Hals umdrehen könnte. Oder ihnen zumindest einen Tritt verpassen, aber das durfte sie nicht. Crouch war momentan auf der Liste ganz oben. Und das mit weitem Abstand. Dass Moody schon freiwillig mit den Nervensägen, die unaussprechbar waren, zusammenarbeitete, war Hinweis genug. Crouch gehörte in einen Sack gestopft und zum Mond geschossen.

Die Mysteriumsabteilung war mysteriös wie immer. Dorcas hasste den Eingangsbereich, weil es einfach keine Klarheit darüber gab, ob etwas Ausgang oder Eingang war. Zudem konnte sie nicht einmal ihre Fähigkeit, Bürotüren anzustarren und daraus Erkenntnisse zu gewinnen, einsetzen.

Freundlicherweise nahm Moody sie in Empfang. "Da bist du ja endlich!"

"Ja, ja, was gibt's?", brummte Dorcas. "Ich hatte gerade einen wundervollen, mittleren Wutanfall."

Moody winkte ab und suchte die richtige Tür. Das dauerte eine Weile, aber schließlich befanden sie sich in etwas, was nur als 'Labor' zu beschreiben war. Es war eine äußerst unangenehme Mischung aus Krankenhauszimmer, Operationssaal und Tränkelabor. In der Mitte war ein Tisch, auf dem jemand lag. Oder besser, ein ehemaliger Jemand, denn die Person war tot.

Den Hinweis, dass einer der Unsäglichen mit einer äußerst gefährlich aussehenden Gerätschaft daneben stand, hielt Dorcas für sehr ausschlaggebend, neben der großen Fluchwunde im Oberkörper. Und natürlich diese äußerst ungesunde Farbe.

"Einer von den Bastarden", erklärte Moody knapp. "Haben ihn erwischt, bevor die anderen ihn mitgenommen haben – war sofort nach dem Apparieren tot."

Dorcas nahm das zur Kenntnis. "Und was ist das hier?"

"Die Muggel haben was ähnliches, nennen sie Gerichtsmedizin. Wir sind noch am Überlegen, in wie weit wir das nutzen, ich meine, es ist nicht unsere Aufgabe, irgendwelche kleinen Morde aufzuklären..." Moody zuckte die Schultern. "Jedenfalls, wir haben ein paar Sachen herausgefunden, die vielleicht interessant sein könnten."

Er führte sie zu einem Tisch, auf dem Kleidung und etwas, was eine Maske sein könnte, ausgebreitet waren. Dorcas sah sich die Dinge genauer an. Die Maske war etwas, was sie kannte – immerhin bemerkte man so etwas, wenn man immer wieder gegen Maskierte kämpfte. Die Kleidung schien sehr einfach zu sein und wies rein gar nichts auf, was irgendwie auf Persönlichkeit schließen ließ. Ein wenig wie eine Uniform, nur dass oftmals selbst bei Uniformen persönlicher Schnickschnack eingebaut wurde.

"Das ist noch nicht alles. An seinem Arm war, bis nach seinem Tod, ein Zeichen – wir haben versucht es zu rekonstruieren, aber es ist kaum zu erkennen."

Moody zeigte ihr eine Skizze von etwas, was man mit ein wenig Phantasie für einen Luftballon mit Schnur hätte halten können. Es könnte aber auch alles andere sein. Dorcas vermied es, ein Urteil zu fällen.

"Ich habe ein mieses Gefühl", bemerkte Moody. "Irgendwas ist da im Busch, und ich weiß, dass es mir nicht gefallen wird."

Dorcas nickte und starrte auf die Skizze in ihren Händen.


"Hältst du das für eine gute Idee?" Dorcas klang zweifelnd. "Ich meine, ich bin auch nicht die gesetzestreuste Person, die du finden kannst, aber ist das hier nicht... mh... unter der Gürtellinie? Ich meine, es ist Quidditch!"

Ihr Mentor sah sie vernichtend an. "Ein Grund mehr, warum es nicht unter der Gürtellinie sein kann. Bei Quidditch wäre sonst alles unter der Gürtellinie."

Dorcas schwieg. Sie hatte nichts dagegen, sich ein Quidditchspiel anzusehen, noch dazu in der Dienstzeit. Dass sie nichts dafür bezahlen musste, war auch nur ein Bonus – nur dass auch niemand sonst zahlte, dämpfte ihre gute Laune. Aber vermutlich war das die einzige Möglichkeit, um das Spiel zu überwachen. Crouch würde niemals das Geld für Karten genehmigen, und momentan noch weniger als sonst.

Vor allem, weil die Karten teuer waren. Es war immerhin ein Spiel, das mehr oder weniger entscheidend für die Mannschaften bei der Weltmeisterschaft im Sommer war.

"Wer spielt?", fragte Dorcas, als sie sich durch die Menge auf der Tribüne schoben. "Ich hatte in letzter Zeit zu viel zu tun, um mich genauer damit zu beschäftigen. Asche auf mein Haupt."

Moody drehte den Kopf und starrte sie an. "Was ist mit dir denn los?"

"Was meinst du?"

"So ein Spruch – Asche auf mein Haupt. Ist doch nicht mehr normal, ist das." Moody schüttelte den Kopf und klopfte seine Taschen ab. "Also, wer hat dir eine Gehirnwäsche verpasst?"

Dorcas verzog das Gesicht. "Kingsley auf Kaffee. Nuschelte irgendwas in der Richtung, ich glaube, es ging darum, dass er den Kaffee alle getrunken hat und nun keinen neuen finden konnte, um sich jenseits des normalen Kaffeezustands zu katapultieren. Bin mir aber nicht sicher."

Moody schüttelte erneut den Kopf und gab seine Suche auf. Dorcas konnte es verstehen – sie fand in ihrer Zivilkleidung auch kaum etwas, weil alles in den normalen Taschen endete. Ihre Aurorenroben waren extra so manipuliert, dass sie praktisch nur noch aus Taschen bestanden – irgendwo musste man immerhin Zauberstab, Zettel und Stift, einen medizinischen Notfallkoffer, Kaugummi, diverse Waffen wie Messer und Sprengstoff und all diesen kleinen Krimskrams unterbringen, den ein Auror täglich benötigte. Vermutlich hatte Kingsley in seine Robe einen Kaffeeautomaten eingebaut.

"Ich hasse Zivilkleidung", brummte Moody, als er letztendlich doch noch sein als Pfeife getarntes Spezialspickoskop hervorholte. "Man findet nie etwas."

Dorcas nickte. "Du sagst es. Ich habe letztens einen Schuldschein wiedergefunden – erinner mich demnächst daran, dass ich Robards wegen der Wette in unserem siebten Schuljahr anspreche. Er müsste mir inzwischen mit Zins und Zinseszins siebenundzwanzig Galleonen, dreizehn Sickel und fünf Knuts schulden. Gibt ein gutes Mittagessen." Sie sah Moody von der Seite her an. "Wo wir gerade dabei sind... wie wäre es?"

Moody starrte ausdruckslos auf das Spielfeld. "Wie wäre es mit was, Meadowes?"

"Eine kleine Wette. So unter Kollegen oder Freunden oder Auroren, was alle mehr oder minder dasselbe ist, soweit es uns betrifft, hoffe ich."

Ihr Mentor brummte und beobachtete die Spieler, die nun aufs Feld flogen. Dorcas wusste bereits, dass sie eine Wette in der Tasche hatte und begann, nach einem Zettel zu suchen. Das war der Grund, warum jeder Auror, der etwas auf sich hielt, Zettel und Stift dabei hatte. Nicht, wie viele dachten, um Aussagen und ähnliches zu notieren – nein, um Wettscheine zu schreiben.

"Schottland gewinnt", beschloss Moody.

"Einfach aus Prinzip oder weil du daran glaubst?", grinste Dorcas, schrieb jedoch Moodys Tipp auf den endlich gefundenen Zettel. "Dann halte ich wohl dagegen und behaupte, dass Wales gewinnt." Sie notierte es. "Welcher Betrag?"

"Ein Mittagessen", sagte Moody, ohne das Spielfeld aus den Augen zu lassen – seine Pfeife würde sich melden, wenn es schwarzmagische Aktivität gab, so konnte er sich offenbar dem Spielverlauf widmen. "Im Tropfenden Kessel oder wo auch immer du magst."

"Fein." Dorcas lehnte sich ein wenig zurück, bis sie mit dem Rücken an ein Geländer stieß und genoss das Spiel.

Im Endeffekt war es egal, wer gewann. Die Zeit, um außerhalb der Zentrale ein richtiges Mittagessen zu sich zu nehmen, gab es nicht. Es war aber ein netter Zeitvertreib. Meistens.

Wales bekam das erste Tor reingezimmert.


Es war eine seltene Gelegenheit. Nicht oft hatte Dorcas die Möglichkeit, Moody irgendetwas heimzuzahlen, ohne dafür verantwortlich zu sein. Was gab es schöneres als kameradschaftliche Schadenfreude? Dafür wagte sie sich auch einmal in die Höhle des Löwen.

Oder auch: das St. Mungo's.

Ein ans Bett gefesselter Moody, das bedeutete ein ans Bett gefesselter Mentor und natürlich auch ein ans Bett gefesselter Kommandant. Und wie jeder wusste, wenn die Katze außer Haus war, tanzten die Mäuse. Und Dorcas, zwar keine Maus, aber Rekrutin, hatte beschlossen, Moody auf der Nase herumzutanzen und sich ein wenig an freundlichen Gemeinheiten zu laben.

In Momenten wie diesen war Dorcas nicht anzumerken, dass sie eine Hufflepuff gewesen war. Vorurteile würden sie nach Slytherin schicken – aber da residierte bereits ihr Mentor. Und Abwechslung war gut. Nicht jeder, der gemein war, konnte ein Slytherin sein. Sonst müsste man Hogwarts umbenennen.

Dorcas walzte mit der Fröhlichkeit eines Prewetts in Moodys Krankenzimmer. "Wow, Moody! Du siehst echt scheiße aus!"

In nicht allzu ferner Zukunft würde sie es sicherlich bereuen, das gesagt zu haben, aber es war einfach stärker. Außerdem, wann bot sich schon mal die Gelegenheit für so einen Spruch? Doch nur nach jeder zweiten Mission, die in einem Desaster endete.

"Dir auch ein 'Hallo', Meadowes", grollte Moody finster. "Und jetzt bring mich hier raus!"

Dorcas grinste in sich hinein. Sie hatte gewusst, dass er so reagieren würde – zumindest den letzten Teil – denn sie hätte genau dasselbe gesagt. Nur mit einer anderen Vehemenz. Sie hätte hysterisch geschrieen.

"Du weißt, dass ich das nicht kann, Moody", sagte sie, mit einer heuchlerischen Art von Mitleid. "Ich habe einfach nicht die Befugnisse. Du weißt doch, dass man meinem medizinischen Urteilsvermögen keinen Glauben schenkt..."

Das war nicht einmal gelogen. Egal, was Dorcas diagnostizierte, die Heiler prüften es doppelt, bevor sie ihr glaubten. Selbst wenn es ein einfacher Schnupfen war. Offenbar hatte ihre Vorstellung beim Erste Hilfe-Kurs mehr Eindruck hinterlassen, als sie zu Anfang geglaubt hatte. Nun, ihr sollte es recht sein. Moody musste ihr schließlich glauben.

"Dann besorg dir eine Befugnis von Bones!", polterte Moody. "Ich. Will. Hier. Raus. Verstanden?"

"Ja, sehr gut, du brauchst nicht zu schreien." Dorcas massierte übertrieben ihre Ohren. "Meine Güte, wenn du so weiter machst, krieg ich 'nen Gehörschaden."

"Gut." Moody trommelte mit den Händen auf dem Bettlaken herum. "Ich nehme an, das ist deine Rache dafür, dass ich dir im Februar nicht aus dieser Hölle geholfen habe, ja?"

"Mh-hm", machte Dorcas. "In gewisser Weise. Aber du weißt, dass Bones mir keine Befugnis geben würde, selbst wenn ich auf den Knien rumrutsche. Du kennst sie, und du kennst sie noch besser als ich."

"Ist das eine Anspielung?"

Dorcas hob beide Augenbrauen in leichter Überraschung. Eine Anspielung...? Dann grinste sie. Offenbar hatte sie ein neues Geheimnis über ihren Mentor aufgedeckt. Moody und Bones... wer hätte das gedacht?