Autor: Noir13 / .Ya.
Disclaimer: Alle bekannten Personen, Namen, Orte und Begriffe sind Eigentum von J. K. Rowling. Die Charakterisierung ist jedoch größtenteils auf meinem Mist gewachsen.
Hauptcharakter: Dorcas Meadowes
Nebencharaktere: Alastor Moody, die Prewetts, Kingsley Shacklebolt, Dawlish, Scrimgeour, Fenwick, Dearborn, Gawain Robards, Janet Carter, ...
Rating: PG12
Anmerkung: siehe Kapitel 1
Kapitel: 9 / 13
Juni 1974
"Damit du erreichst, was du begehrst,
musst du Methoden anwenden, die neu und in deiner Zeit unerhört sind."
(Merlin in: Geoffrey von Monmouth)
"Erklär mir noch einmal, warum ich mir das antun sollte", sagte Dorcas mit einem angewiderten Blick auf ihre Garderobe. "Und bring ein paar gute Gründe an – das da grenzt an seelische Grausamkeit!"
Moody schüttelte den Kopf. "Du bist die einzige verfügbare Aurorin dafür. Und glaub mir, wenn ich sage, dass du die einzige bist."
"Bei den Klamotten wäre ich auch nicht verfügbar." Dorcas rümpfte die Nase. "Es ist ein Kleid, Moody."
"Natürlich ist es das – du sollst dich schließlich als ganz normale Hexe ausgeben, Meadowes. Die tragen Kleider und –"
"Mörderschuhe", sagte Dorcas entsetzt, als sie ihr neues Schuhwerk entdeckte. "Moody, ich werde sterben, wenn ich die Dinger tragen soll! Ich breche mir das Genick!"
Objekt ihres Entsetzens war ein paar hochhackiger Schuhe. Die Absätze waren, ihrer Meinung nach, äquivalent zu Stelzen, wobei sie vermutlich mit richtigen Stelzen besser gefahren wäre. Und die Schuhe liefen vorne so spitz zu, dass Dorcas wirklich zu dem Schluss kam, dass es Mordwaffen waren. Wer damit einen Tritt bekam, hatte ein Lock im Oberschenkel – oder anderen Teilen der Anatomie. Kein Wunder, dass die normale Hexe keine Messer mit sich herumtrug: Solche Schuhe erforderten einen Waffenschein.
"Es führt kein Weg dran vorbei, Meadowes." Moody grinste.
Dorcas knurrte. Wenn sie diese Mission tatsächlich überlebte, dann würde sie sich spezielle Schuhe dieser Art anfertigen lassen. Mit Stahlverstärkung und einem Metallabsatz. Und dann würde sie Moody sein Grinsen heimzahlen. Mit Blut, wenn es sein musste. Sie konnte nur hoffen, dass die Prewetts keinen Wind davon bekamen, aber sie wusste bereits, dass diese Hoffnung vergebens war.
"Das werde ich dir irgendwann heimzahlen, Moody. Dann, wenn du es am wenigsten erwartest, schlage ich zu. Oder trete zu, je nachdem, in welcher Stimmung ich bin. Ich hoffe, du bist dir dessen bewusst, dass meine Rache fürchterlich sein wird."
"Momentan ist eher dein Aussehen fürchterlich", meinte Moody noch breiter grinsend. "Du solltest etwas mit deinen Haaren machen – und vielleicht auch mal das, was man allgemein hin 'Make-up' nennt, benutzen."
Schockiert war eine Untertreibung. "Schminke? Ich bin doch kein verdammter Clown!" Dorcas wollte sich gar nicht vorstellen, wie sie mit Kriegsbemalung aussehen würde. "Und was sollte diese Bemerkung zu meinen Haaren? Die sind wunderbar so, wie sie sind!"
Moody hob die Brauen. "Dorcas, es existiert da etwas, das sich 'Frisur' nennt. Ich erwarte ja nicht, dass du im normalen Alltag darauf achtest, aber so siehst du wie eine Vogelscheuche mit Kleid aus. Benutz diese geniale Erfindung namens 'Bürste' wenigstens dieses eine Mal – das wirkt Wunder."
Dorcas grollte. "Sonst noch was?"
"Dein Undercover-Name", sagte Moody sachlich. "Deine Vorschläge sind vollkommen ungeeignet. Avada Kedavra ist definitiv nicht drin, genauso wenig Aska Ban oder dergleichen. Du brauchst einen normalen Namen – du bist undercover."
"Ach? Und wie soll ich mich nennen? Mary-Ann Smith?"
"Keine schlechte Idee." Dorcas funkelte ihn vernichtend an. "Aber gut, ein anderer Name, Meadowes... dein Zweitname, vielleicht? Und dann ein Nachname, der nicht allzu bekannt ist."
Sie seufzte ergeben. "Na schön. Ich nenne mich Jepedina Llewellyn."
Moody sah ein wenig erstaunt drein, nickte aber nur.
So weit war es mit ihnen also schon gekommen. Dorcas verzog das Gesicht. Es war nicht unüblich, dass Auroren auch noch mitten in der Nacht im Ministerium waren – es gab schließlich eine Erfindung, die sich 'Nachtschicht' nannte – aber das hier war ungewöhnlich. Eine geheime Mission im Ministerium. Oder besser: eine Diebestour im Ministerium.
Moody hatte ihnen mitgeteilt, dass sie sich heute die nötige Ausrüstung besorgen würden. Wenn Crouch sie nicht freiwillig herausgab, mussten sie sie eben unfreiwillig entwenden. So in der Art jedenfalls.
"Also, was brauchen wir?", fragte Moody im Flüsterton. "Habt ihr die Liste?"
"Ja, hier", sagte einer der Prewett-Zwillinge und holte ein Stück Pergament hervor. "Als erstes steht hier... ja, genau, einige Tränke."
Moody nickte. "Die Tränke, die wir brauchen, finden wir am ehesten in der Mysteriumsabteilung. Also los, ich will das heute Nacht über die Bühne bringen."
Dorcas verkniff sich jeden Kommentar und folgte Moody und den Prewetts nach unten. Ein Glück, dass Moody ihre sogenannte 'Gerichtsmedizin' dort eingerichtet hatte – so hatten sie eine Zugangsberechtigung zu den Räumlichkeiten. Selbst wenn man sie dort fand, sie hatten die Befugnis, dort zu sein.
Es änderte nichts daran, dass sie sich hier außerhalb des Gesetzes bewegten.
Zum Glück war Dorcas nicht Dawlish, denn sonst hätte sie sich inzwischen selbst verraten, angezeigt, verhaftet und eingekerkert. Dorcas würde durchaus zu semi-legalen Mitteln greifen, wenn es von Nöten war. Und wenn sie hier die Illegalität aufteilte, wurde es zumindest semi-legal. Wenn man eine seltsame Art der Mathematik verwendete.
"Was für Tränke sind das?", fragte Dorcas, als sie im Tränkelabor der Mysteriumsabteilung standen und sich umsahen. "Das die hier aber auch keine Ordnung haben...!"
Die Auroren hatten zwar auch keine Ordnung, aber es existierte ein geordnetes Chaos, wo jeder alles fand, was er brauchte. Und man konnte sich immer über neue Entdeckungen freuen.
"Einige Gegengifte", murmelte Moody und untersuchte einige Phiolen. "Heiltränke. Eventuell ein paar Sachen für die Spurensicherung und so."
"Verstehe." Dorcas grinste. "Packen wir alles ein, was auch nur im Entferntesten nützlich erscheint!"
Zum Glück erwischte sie später niemand, als sie voll beladen mit Phiolen, Fläschchen und Flakons ihren Weg zurück in die Zentrale machten. Es wäre äußerst schwierig gewesen, diese Beweislast wegzuerklären.
"...er meint also, dass wir gerüstet sein sollten." Moody nahm einen Schluck Kaffee – zum Glück hatte Kingsley seine Raubzüge noch nicht auf das Haus ausgeweitet. "Ich stimme ihm da zu. Das ist keine kleine Gruppe von Spinnern, das sind Terroristen der übelsten Sorte. Irgendwas ist da im Busch. Und niemand scheint das zu bemerken."
"Die anderen?"
"Na, Caradoc und Benjy haben auch dieses Gefühl, dass was nicht stimmt, aber der Rest merkt bisher noch nichts davon. Amelia glaubt aber auch, dass da noch was auf uns zukommt, nur eben nichts in der Größenordnung."
Dorcas seufzte. Das bedeutete, sie standen praktisch allein da. Dumbledore konnte vor sich hin munkeln und schlechte Laune machen, aber sie mussten schließlich mit den Konsequenzen der Ignoranz zurande kommen. Das Budget würde gekürzt bleiben, sie würden keine Aufrüstung betreiben können, sie mussten ins Feld und gegen einen Feind kämpfen, den niemand so wirklich ernst nahm. Wenn sie nichts dagegen unternahmen, würde man leichtes Spiel haben, die Auroren fertig zu machen und das Ministerium zu stürzen.
"Meadowes, du weißt, dass ich dir vertraue. Du bist ein verdammt guter Kerl und du hast das Herz auf dem rechten Fleck. Manchmal bist du noch ein wenig grün hinter den Ohren und einige deiner Vorschläge finden nicht meine Zustimmung, aber du bist schon jetzt ein verdammt guter Auror, was das betrifft. Ich hoffe, du verstehst das." Moody sah sie ernst an. "Ich sage dir das hier nur, weil ich weiß, dass du, selbst wenn du nicht zustimmen solltest, es geheimhältst. Ich kann mich da auf dich verlassen, nicht wahr?"
Dorcas nickte verwundert. "Natürlich. Ich sage nichts."
Das schien Moody zu genügen. "Dumbledore plant einen geheimen Orden. Nichts, was mit dem offenen Kampf zu tun hat, aber eben eine Gruppe von Leuten, die Informationen sammelt und die weiterleitet. An uns. Und sie würden ein paar Jobs übernehmen, für die wir zu auffällig sind."
Dorcas ging das Gehörte noch einmal durch. Sie war sich klar, dass Moody ihr praktisch anbot, dieser Gruppe beizutreten – er musste wirklich glauben, dass es was verändern könnte – und eigentlich sah sie darin auch keine Probleme. Ihr kam ein Gedanke.
"Ist so eine Geheimorganisation nicht illegal?", fragte sie, fast ein bisschen belustigt. "Ich meine, ich bin nicht Dawlish, aber falls mich ein akuter Anfall von Pflichtbewusstsein überkommt, nicht dass ich mich selbst wegen Mitgliedschaft in so einer Vereinigung noch selbst verhaften muss..."
Moody nickte nachdenklich. "Ein guter Einwand, Meadowes, wirklich." Seine Miene erhellte sich mit einem Mal. "Aber du hast schon die Lösung gebracht. Weißt du was? Wir lassen es unter 'Verein' laufen – niemand kann uns verbieten, in unserer Freizeit unseren Hobbies nachzugehen, oder?"
Dorcas lachte.
