Autor: Noir13 / .Ya.

Disclaimer: Alle bekannten Personen, Namen, Orte und Begriffe sind Eigentum von J. K. Rowling. Die Charakterisierung ist jedoch größtenteils auf meinem Mist gewachsen.

Hauptcharakter: Dorcas Meadowes

Nebencharaktere: Alastor Moody, die Prewetts, Kingsley Shacklebolt, Dawlish, Scrimgeour, Fenwick, Dearborn, Gawain Robards, Janet Carter, ...

Rating: PG12

Anmerkung: siehe Kapitel 1

Kapitel: 10 / 13


Juli 1974


"Lass Mut deinen Wegweiser sein und fürchte nichts."

(Jack McDevitt "Gottes Maschinen")


"Wozu müssen wir uns darum kümmern?", fragte Dorcas und versuchte, mit Moody Schritt zu halten.

Ihr Mentor war in gereizter Stimmung und hatte noch einen Zahn zugelegt, was die Geschwindigkeit betraf. Er bewegte sich nun nicht mehr mit normaler Aurorengeschwindigkeit fort – Dauerlauftempo – sondern schien bereits halb zu sprinten. Und das mit einem Gebären, das einem Spaziergänger neidisch gemacht hätte. Dorcas' Auftreten war weniger vollendet.

"Wir sind für Schwarzmagier zuständig", fuhr Dorcas fort, ohne Moodys Schweigen zu beachten. "Wozu sind die Pappnasen der Eingreiftruppe denn da? Wir haben doch Leute, die für den gewöhnlichen Wald- und Wiesenzwist zuständig sind!"

"Haus und Hof", korrigierte Moody knurrend. "Hier geht es nicht um normale Gaunerei, es geht um häuslichen Streit mit gewissen Komplikationen."

Dorcas seufzte. Gewisse Komplikationen konnten alles sein. Von einfacher Ganzkörperklammer bis zu den Unverzeihlichen. Nun, vielleicht keine Ganzkörperklammer, aber etwas in der Art. Gab genug Zauber, die als harmlos eingestuft waren, mit denen man gewisse Komplikationen verursachen konnte.

Dearborn zum Beispiel machte sich bei Einsätzen einen Spaß daraus, die Gegner mit Erstklässlerzaubern zu traktieren. Wingardium Leviosa war eine verdammte Waffe in Dearborns Händen – er brauchte keine Schockzauber und ähnliches um den Feind in die Flucht zu schlagen.

"Geht's noch ungenauer?", wollte Dorcas wissen. "Nicht, dass ich am Ende eine Ahnung habe, worum es geht!"

"Halt dich einfach an den Plan", brummte Moody.

"Welchen Plan?"

"Genau."

Sie seufzte erneut. Wilde Improvisation aufgrund von gewissen Komplikationen. Manchmal hatte sie ihren Mentor so gern, dass sie ihm den Hals umdrehen konnte. Natürlich hielt sie rein gar nichts von Plänen, aber sie hielt genauso wenig von wilder Improvisation. Zumindest dann nicht, wenn sie absolut gar nichts über die Mission wusste. Bei einem Überfallkommando wusste sie, was das Ziel der Angelegenheit war. Sie wusste sogar, worum es ging. Aber hier?

"Dir ist hoffentlich klar, dass ich keine Ahnung davon habe, oder, Moody?" Dorcas versuchte, zumindest ein Fitzelchen Information aus ihrem Mentor herauszuquetschen. "Ich kenne die grobe Gesetzeslage, aber ich weiß nicht, was erlaubt ist, und was nicht."

"Ich werde es dir früh genug sagen", meinte Moody zuversichtlich.

"Ich habe befürchtet, dass du das sagen würdest."

"Schön." Moody blieb stehen und drehte sich zu ihr um. "Regel Nummer eins: Flüche sind verboten. Und ich meine die magischen, du darfst so viele "verdammt"s benutzen, wie du willst."

Wenigstens das. Dorcas war jedoch noch immer nicht wirklich überzeugt, dass die ganze Angelegenheit ohne Gerichtsverhandlung wegen Gefangenenmisshandlung zu Ende gehen würde.

"Regel Nummer zwei: Sei mindestens so nett, wie du es zu Crouch bist."

"Du widersprichst dir selbst!" Dorcas schnaubte. "Ich würde Crouch aus reiner Nettigkeit zum Mond fluchen, und das weißt du auch! Und wenn es auch nur bei einer Drohung bleiben würde, weil ich sonst nach Askaban wandere."

Moody grinste. "Eben." Er setzte den Weg in Richtung Zellentrakt fort. "Ich habe nie behauptet, dass du nicht auch drohen darfst..."

Mit weitaus mehr Zuversicht folgte Dorcas ihm. Das Verhör würde vielleicht doch nicht so katastrophal werden, wie sie befürchtet hatte.


Dorcas musste an sich halten, um nicht vor Lachen umzukippen, als sie in Moodys Büro kam. Es war auch zu amüsant gewesen – die gesamte Zentrale minus Dawlish und Scrimgeour machte den Eindruck, Opfer eines Heiterkeitszaubers geworden zu sein.

Das wahre Opfer war weniger heiter, aber es war auch ein äußerst gemeiner Streich gewesen. Er trug eine gewisse Handschrift, wie Dorcas gestehen musste, und diese war in leuchtend grellen Buchstaben von der Größe eines Blockhauses.

"Was gibt's, Meadowes?" Moodys Stimme erklang von der anderen Seite eines Papierstapels her. "Ich hoffe, es dauert lange."

Dorcas fragte erst gar nicht. Der Papierkram sprach bereits Bände: Berichte, kleinere Anzeigen, Memos, und natürlich die ganzen Briefe aus dem Beschwerdekasten. Vermutlich stammte über die Hälfte von letzteren von Dawlish und Scrimgeour und betrafen sie selbst.

Nun, das musste eine Dorcas Meadowes nicht kümmern.

"Crouch will, dass wir ermitteln", sagte sie und vertraute darauf, dass Moody bereits wusste, worum es ging. Sie lag nicht falsch.

"Kann er knicken", brummte Moody. "Die Personalkosten für diesen ganzen Ermittlungskram sind zu hoch... Spurensicherung und der ganze Schwachsinn."

Dorcas grinste. "Nun, er meint, es wäre ein Auror."

Moody kam hinter dem Papierstapel hervor. "Soso, ein Auror, ja?" Er schüttelte den Kopf. "Das macht es nur noch schlimmer, Meadowes."

Sie hob eine Augenbraue. "Tatsächlich?"

"Natürlich! Weißt du, wie viel Arbeit das ist, die eigenen Leute zu durchleuchten und das möglichst unauffällig? Der ganze Papierkram? Die verdammten Überstunden? So viel Geld haben wir nicht!" Moody schnaubte und wandte sich, missmutig, wieder seinem Papierberg zu.

"Na so was!"

Dorcas musste an sich halten, um nicht zu laut lachen ob Moodys Worten. Sie wussten doch eigentlich alle, wer der Schuldige war, und selbst wenn nicht, die Hauptverdächtigen bildeten auch keinen allzu großen Kreis. Eigentlich war die gesamte Ermittlungsarbeit eine Sache von fünf Minuten, zumindest in diesem speziellen Fall. Man könnte es nebenbei beim Mittagessen erledigen. Man könnte sogar soweit gehen, dass man nichts ermitteln musste, weil es bereits bekannt war.

Aber Moody würde einen Teufel tun, und Crouch helfen. Man lieferte keine Kollegen und gute Freunde ans Messer – vor allem nicht dann, wenn man selbst mitgelacht hatte.

"Und was soll ich ihm jetzt ausrichten?", grinste Dorcas wissend.

Moody sah nachdenklich auf. "Nun... sag ihm, wir haben weder das Geld, noch die Zeit, noch das Personal oder die Ausrüstung dafür." Ein finsteres Leuchten schlich sich in seine Augen. "Drei von den Sachen sind mit dem Mangel an ersterem zu begründen, also, wenn er da etwas tun würde..."

"Schon verstanden." Dorcas schüttelte leicht den Kopf. "Du bist wirklich ein Musterbeispiel eines Slytherins, Moody."

Er hob eine Augenbraue. "Und du bist ein wundervolles Beispiel dafür, dass man Klischees nicht glauben sollte, Meadowes."

Dorcas machte sich grinsend auf den Weg zu Crouchs Büro.


Dorcas hetzte den Flur entlang, stürmte durch die Zentrale, riss die Tür zu Moodys Büro auf, warf sich auf einen freien Stuhl, überhörte Moodys geknurrtes "Du bist zu spät!" und fragte: "Was habe ich verpasst?"

Bones sah von den Unterlagen auf, die sie gerade durchgesehen hatte. Ihre Augen hatten sich missbilligend zusammengezogen, doch gleichzeitig umspielte ein amüsiertes Lächeln ihre Lippen. Dorcas ignorierte Bones – zumindest nach außen hin – und sah Moody abwartend an. Ihr Mentor war deutlich verärgert. Na gut, er hatte sie vor mehr als einer Viertelstunde erwartet, aber es war nicht Dorcas' Schuld, wenn die Prewetts ihr auflauerten. Zumindest war sie der Ansicht, dass es unter die Kategorie "auflauern" fiel. Die Prewetts konnten einem einfach nicht zufällig auf dem Gang begegnen.

"Wir waren gerade dabei, die Informationen zu diskutieren, die unser Informant besorgt hat", sagte Moody brummig.

Dorcas hatte keine Ahnung, wer dieser ominöse Informant war – Namen zu nennen war eine gefährliche Angelegenheit, wenn es um Spione und Agenten ging – aber sie wusste, was die Informationen beinhalten würden: Neuigkeiten über diese Sekte oder was auch immer es war, was diese Schwarzmagier da trieben. Und Informationen über den Feind waren immer von Interesse.

"Moody meinte, du bist vertrauenswürdig genug, um nicht alles sofort an die große Glocke zu hängen", fuhr Bones fort. "Wir wollen nicht, dass es allgemein bekannt wird, bevor wir genaueres wissen. Fehlinformationen, mangelhafte Informationen, all das kann nur zu leicht den Tod bedeuten."

Als ob sie das nicht wüsste! Ihr Mentor hieß nicht umsonst mit zweitem Vornamen Paranoia – nun, eigentlich hieß er Nathaniel, aber das war unerheblich. Dorcas unterdrückte ein Grinsen. Alastor Nathaniel "Paranoia" Moody. Hatte einen gewissen Klang. Sie wollte sich gar nicht ausmalen, wie er seine Kinder nennen würde, wenn er welche hätte. Vielleicht Vigilance und Paranoia? Zuzutrauen wäre es ihm.

"So? Und was hat der Kerl nun herausgefunden?" Dorcas ging einfach davon aus, dass der Informant ein Mann war, denn sonst hätte sie mit zu vielen Umschreibungen arbeiten müssen. "Etwas Wichtiges? Ich hoffe, es ist nützlich."

"...Meadowes." Moody sah sie fast entnervt an. "Wenn du rechtzeitig gekommen wärst, wären wir schon längst bei der Sache. Würdest du dich also mal in Stille üben und zuhören?"

Dorcas warf ihrem Mentor einen finsteren Blick zu, schwieg jedoch. Bones beachtete den kleinen Schlagabtausch, wenn man es denn so nennen konnte, nicht einmal, sondern beschäftigte sich mit ihren Dokumenten. Vermutlich kannte sie sie bereits auswendig.

"Seid ihr soweit?", fragte sie schließlich.

Moody und Dorcas brummten gleichzeitig.

"Schön." Bones sah auf. "Es ist nichts Bahnbrechendes, aber es könnte später einmal nützlich werden. Wir wissen jetzt auch, was genau dieses Zeichen darstellt, das ihr im Mai gefunden habt. Hier ist eine Kopie." Sie reichte Dorcas ein Bild. "Es ist ein Totenkopfemblem. Vermutlich steht es in Verbindung mit den Namen der Gruppe – die Bedeutung der Schlange haben wir noch nicht aufgeschlüsselt. Der Mist ist, selbst wenn alle Mitglieder dieser Sekte es in den Arm tätowiert haben, es verschwindet kurz nach dem Tod und auch sonst ist es offensichtlich nicht immer zu sehen."

Dorcas starrte auf das Bild. Es zeigte einen Totenkopf, aus dessen Mund eine Schlange hervorquoll. Oder zumindest sah es auf den ersten Blick so aus – man könnte es auch so sehen, dass die Schlange ausgespuckt wurde. Oder, wenn der Künstler nicht viel von seinem Metier verstand, dass die Schlange verschlungen wurde, nur eben anders herum. Alles in allem war es nicht mehr als eine makabere Spielerei mit Symbolen. Totenkopf gleich Tod, Schlange gleich... ja, gleich was? Es gab viele Interpretationen für Schlangen, und noch einmal mehr, wenn man in Betracht zog, dass diverse Wappen und ähnliches Schlangen beinhalteten. Darüber kamen sie nicht weiter. Sie reichte das Bild Moody, der es ebenfalls kritisch betrachtete – zumindest kannte er es bereits.

"Also ein Totenkopfemblem", sagte Dorcas. "Steht in Verbindung zum Namen der Gruppe. Wie heißt das Symbol?"

"Sie nennen es 'Dunkles Mal'. Unser Informant hat uns nicht mehr dazu sagen können." Bones blätterte einen Moment. "Die Gruppe selbst scheint aus einer anderen hervorgegangen zu sein. Vielleicht auch nur eine simple Namensänderung. Früher nannten sie sich, wenn wir den Quellen trauen können, 'Ritter von Walpurgis'."

Nachdenklich runzelte Dorcas die Stirn. "Ritter von Walpurgis? Ist das nicht –"

"Grindelwald", sagte Moody finster. "Vermutlich die versprengten Reste von dem, was er zurückgelassen hat, in neuer Form zurückgekehrt. Das hat uns gerade noch gefehlt."

Sie warf ihrem Mentor einen scharfen Blick zu. "Aber Grindelwald ist besiegt! Er sitzt im Gefängnis – Nurmengard. Wir würden es wissen, wenn er ausgebrochen wäre!"

"Es ist auch nicht sein Zeichen. Und er hätte den Namen nicht geändert. Nein, wir haben es hier mit einem Emporkömmling zu tun, der Grindelwalds Werk weiterführen will – ohne Grindelwald." Moodys Blick war hart. Er schien sich an etwas zu erinnern.

"Wie heißen sie jetzt?", fragte Dorcas an Bones gewandt.

Bones sah ihre Gegenüber an. "Sie nennen sich selbst 'Todesser'. Den Namen dürft ihr interpretieren, wie ihr wollt."