Autor: Noir13 / SeKaYa

Disclaimer: Alle bekannten Personen, Namen, Orte und Begriffe sind Eigentum von J. K. Rowling. Die Charakterisierung ist jedoch größtenteils auf meinem Mist gewachsen.

Hauptcharakter: Dorcas Meadowes

Nebencharaktere: Alastor Moody, die Prewetts, Kingsley Shacklebolt, Dawlish, Scrimgeour, Fenwick, Dearborn, Gawain Robards, Janet Carter, ...

Rating: PG12

Anmerkung: siehe Kapitel 1

Kapitel: 12 / 13


September 1974


"Wer nicht tapfer eine Gefahr abwehren kann,

ist der Sklave des Angreifers."

(Aristoteles)


Der inoffizielle Geheimclub – offiziell waren sie ein Verein, wie Moody immer wieder betonte – hatte sich in Moodys Haus versammelt. Es war nur ein Kurzbesuch und ein Kurzgespräch, denn Fenwick war auf dem Weg zur nächsten Schicht, während Dearborn von seiner kam. Moody und Dorcas derweil machten beide Schichten und hatten sich für fünf Minuten entschuldigt. Zumindest bei sich selbst, aber es gab auch keinen Vorgesetzten, der wichtig wäre.

Sie waren in ein kleines Streitgespräch vertieft.

"Und ich sage, der alte Knacker verschweigt uns was!", fauchte Dorcas und schlug mit der Hand auf den Tisch.

Dearborn warf ihr einen fast pikierten Blick zu. "Du solltest ihn wirklich nicht alten Knacker nennen, Dorcas, selbst wenn du wütend bist."

Dorcas hob eine Augenbraue, erwiderte jedoch nichts. Für sie war Dumbledore ein alter Knacker – und es war auch nicht im geringsten Übertrieben. Der Kerl musste bald jenseits der Hundert sein. Wenn man dann nicht 'alter Knacker' sagen durfte, wann dann?

Fenwick sah es ähnlich. Er grinste. "Genau, Meadowes, wenn schon, dann ist er ein seniler alter Sack, und so solltest du ihn auch nennen."

Dearborn schnappte fast empört nach Luft ob dieser eindeutigen Respektlosigkeit, aber dann wiederum musste er sich im Klaren darüber sein, dass die wenigsten Auroren Respekt zollten, wenn es darum ging, dass man ihnen Informationen vorenthielt. Vor allem als ein scheinbarer Verbündeter. Außerdem: Nicht einmal Moody, der ja ein Freund von Dumbledore war, schien sich darüber aufzuregen.

Dennoch konnte Dearborn nicht schweigen. "Benjy! Hör auf, ihr Flausen in den Kopf zu setzen!"

"Aber ist doch wahr!"

"Während ihr euch mit Kindereien in den Haaren habt", brummte Moody, "werde ich dann einfach mal darüber nachdenken, was uns der 'senile alte Sack', wie ihr ihn ja so schön nennt, verschweigt..."

Nun war es an Dorcas empört zu sein. "Schmeiß mich mit denen nicht unter einen Hut, Moody!"

Moody grinste. Die anderen beiden schienen davon nicht viel mitzubekommen – sie waren immer noch in der Namensthematik (Fenwick war momentan dabei, Dumbledore als "Methusalem von Anno Tuck" zu bezeichnen) – und Dorcas überlegte sich Mittel und Wege, Moody das Grinsen vom Gesicht zu wischen. Das war vermutlich leichter gedacht, als getan, und das war das Problem.

Sie hätte, rein theoretisch, all die kleinen Gemeinheiten loslassen können, bei seinem neuem Namen, Sprengmeister, angefangen bis hin zu Bemerkungen über ehemalige Beziehungen. Nur sie war nicht der Typ dafür. Ihr Bruder hätte, Gryffindor durch und durch, behauptet, das läge daran, dass sie eine von den naiven Hufflepuffs war – nur Slytherins schlugen unter die Gürtellinie. Die Wahrheit war, gerade weil sie eine Hufflepuff war, würde sie diese Dinge tun, rein aus Prinzip. Nur Respekt war so hinderlich...

"Wir haben also festgestellt, dass Dumbledore, wie auch immer ihr ihn jetzt nennen wollt, uns etwas verschweigt", sagte Moody, als schließlich wieder Ruhe eingekehrt war. "Das ist eine allgemeine Tatsache. Thema des Schweigens wird vermutlich diese Bande von Irren sein, mit der wir uns herumschlagen müssen."

"Ein Grund mehr, uns alles zu sagen, was er weiß", knurrte Fenwick. "Immerhin sind wir es, die denen die Flüche in den Arsch jagen müssen!"

Dorcas nickte. "Besser kann man es kaum ausdrücken."

Dearborn sah zweifelnd drein, stimmte aber nickend zu. Moody grollte missmutig.

"Dann sind wir ja so weit wie bisher."

Dorcas verschränkte die Arme. "Nicht unbedingt. Wir könnten einfach verlangen, dass er mit der Sprache rausrückt. Entweder er sagt uns, was los ist, oder er kann die Idee eines Ordens knicken. Immerhin war er es, der uns angesprochen hat, oder sehe ich da was falsch?"

Fenwick hob eine Augenbraue. "Meadowes, du bist dir sicher, dass du keine Slytherin bist...?"


Verdammte Bastarde! Dorcas duckte sich unter einem Fluch weg und sprang hinter einigen Mülltonnenin Deckung. Hinter ihr explodierte etwas und einige Splitter trafen ihre Schulter.

"Sieht schlecht aus."

Dorcas wirbelte mit erhobenem Zauberstab herum. Carter hatte sich neben ihr in Sicherheit gebracht und spähte nun über ihre Deckung hinweg ins Schlachtgetümmel.

Das war definitiv nicht so, wie sie es geplant hatten. Es hatte eine ganz normale Razzia sein sollen. Etwas Einfaches. Nichts mit übermäßigem Chaos, nur so ein bisschen. Normal eben. Stürmen, fluchen, verhaften. Aus. Nichts Großes, nur so ein kleines Hinterhofscharmützel. Nicht das hier. Das war alles andere als normal und einfach. Das war ein verfluchter Hinterhalt.

"Du blutest, Dorcas", stellte Carter fest, als sie zu ihr hinunterblickte.

Dorcas sah auf ihre Schulter. Ihr gesamter Ärmel schien in Blut getränkt, aber vermutlich sah es weitaus schlimmer aus, als es war. Den Schmerz hatte sie sogar fast vergessen.

"Weiß ich selbst, Carter", knurrte sie. "Konzentrier dich lieber auf den Kampf!"

Carter warf ihr einen Blick zu, bevor sie sich daran machte, den nächsten Gegner ins Land der Träume zu befördern. Oder ins Jenseits. Dorcas kümmerte das nicht, Hauptsache, der Gegner war außer Gefecht. Sie waren sowieso schon in der Unterzahl, da mussten sie sich nicht auch mit übermäßiger Moral aufhalten. Hier ging es gerade um mehr als Recht und Unrecht – hier ging es um Leben und Tod.

"Verdammt, wo ist Moody?!", grollte Dorcas und schickte dem nächstbesten Todesser einen Fluch in die Brust. "Wir hätten uns nicht trennen dürfen, als die Bastarde aufgetaucht sind – blutige Hölle noch mal!"

Den Gegner trennen. Das war so ein einfaches, taktisches Manöver. Standardprozedur: Gegner trennen, Gegner schwächen. Und so wie es war, waren genau diejenigen, die normal diese Taktik anwandten, genau Opfer eben jener. Was zur Hölle war bloß los?

"Kannst du was sehen?", fragte Dorcas und spähte zwischen zwei Mülltonnen hervor. "VERDAMMT! Weg hier!"

Ohne auf Carters Antwort abzuwarten, packte sie ihre Kollegin am Ärmel und hechtete hinter den Mülltonnen hervor, mitten in offenes Gelände, aber es war allemal besser als das, was ihrer Deckung passierte. In einer ohrenbetäubenden Explosion wurde alles, was dort war, in Fetzen gerissen. Selbst die Hauswand dahinter wurde von der Explosion durchschlagen. Carter starrte mit geweiteten Augen auf die Verheerung, aber Dorcas riss sie bereits zu Boden, als auch schon ein Fluch über ihre Köpfe hinweg zischte.

"Hölle, das ist nicht normal!", keuchte Carter. "Wer war das eben?"

Dorcas hatte keine Antwort. Sie wusste nur, dass sie so schnell wie möglich hier weg mussten. Mit einem Satz war sie auf den Beinen.

"Such Moody, er soll verdammt noch mal den Rückzug anordnen – die sind uns über!"

Sie hasste es, dem Feind das Feld überlassen zu müssen, aber sie wusste auch, wann sie geschlagen war. Und der Feind war übermächtig. Irgendetwas ging nicht mit rechten Dingen zu. In den bisherigen Kämpfen hatte es nie so einen deutlichen Stärkeunterschied gegeben, sie waren immer auf einem Level gewesen, mit dem man es aufnehmen konnte.

Wenn diese Explosion nun ein Zeichen dafür war, welche Stärke diese Todesser wirklich hatten, dann sah ihrer aller Zukunft ziemlich schwarz aus.

Carter zerrte an Dorcas' Robe und deutet in eine Rauchwolke. "Da ist Moody!"

Dorcas fragte gar nicht erst, wie Carter das sehen konnte – vielleicht hatte sie auch einfach nur Moodys donnergrollenden Bass gehört, der Merlin und die gesamte Welt verfluchte, in die Tiefen der neunten Hölle schicken wollte und generell am Rande eines Ausbruchs wandelte – sondern packte ihre Kollegin und hetzte über den Hof. Als sie hinter einem gesprengten Mauerrest kurzzeitig Deckung suchten, entdeckten sie Robards, der gerade in einem Duell mit zwei Todessern war. Carter machte eine Handbewegung in Richtung Dorcas, bevor sie lossprang, um Robards zu helfen.

Ein gleißender Lichtblitz zwang Dorcas dazu, die Augen zu schließen, und als sie sie wieder öffnete, waren sowohl Carter als auch Robards verschwunden. Sie fluchte, machte sich jedoch erneut auf die Suche nach Moody. Verdammt, er war jedes Mal nur eine Handbreit entfernt, wenn man ihn nicht brauchte, aber wenn man etwas von ihm wollte, war er am anderen Ende der Welt.

Oder in der Hölle.

Dämonenfeuer. Dorcas warf sich instinktiv platt auf den Boden, auch wenn das nicht viel nützen würde. Ob Moody das überstand – es schien unwahrscheinlich. Dämonenfeuer war nicht umsonst eine der gefährlichsten Dinge, die man loslassen konnte. Vor allem dann, wenn es unter Kontrolle geriet. Dorcas spürte die Hitze der feurigen Ungetüme, die über sie hinwegfegten, doch sie wusste es besser, als sich zu entspannen.

Sie spürte, wie die Flammen über sie hinwegschossen. Es würde nicht lange anhalten, doch vorerst hatten die lodernden Biester ein anderes Opfer gefunden. Einen Todesser, sofern die schwarze Robe ein Indikator war. Dorcas kniff die Augen zusammen und versuchte die Schreie aus ihrem Kopf zu verbannen. Es war unmöglich.

Vorsichtig robbte sie weiter. Sie wusste nicht, ob es noch einen Sinn hatte, nach Moody zu suchen, denn er war im direkten Weg des Dämonenfeuers gewesen, sofern sie es beurteilen konnte, aber sie musste es zumindest versuchen. Sie musste herausfinden, ob es noch etwas zu retten gab.

Letztendlich war sie es, die Rettung brauchte. Ein Flammendrache schoss mit weiß aufgesperrtem Rachen auf sie zu. Instinktiv duckte Dorcas sich noch mehr.

"Smàlaich teine!"

Sie wagte es, ein wenig aufzusehen. Ihre Augen weiteten sich ein wenig. Sie hatte ja gewusst, dass Moody mehr drauf hatte, als es zuerst schien – und es schien schon eine Menge zu sein – aber dass er Dämonenfeuer mit einem scheinbar lässigen Spruch abwehren konnte? Es war nicht so, als hätte er das Feuer gelöscht, auch wenn es wohl seine Absicht gewesen war, aber immerhin hielt er es momentan unter Kontrolle. Dorcas sprang auf die Beine, erst jetzt bemerkend, wie knapp das mit dem Dämonenfeuer wirklich gewesen war. Der Boden direkt vor ihr war mit 'vollkommen verbrannt' nur dann zu beschreiben, wenn man zu Untertreibungen neigte.

"Moody!", brüllte Dorcas und stürzte ihrem Mentor entgegen, der nun in ernsthafte Schwierigkeiten geriet, gleichzeitig das Dämonenfeuer unter Kontrolle zu halten und eine schwarzgewandete Gestalt zu bekämpfen.

Ohne nachzudenken, keinen Gedanken daran verschwendend, dass sie beinahe gestorben wäre, attackierte sie den Todesser, der mit Moody kämpfte. Fast alle ihre Flüche wurden abgeschmettert, aber selbst wenn sie nicht traf – Moody bekam mehr Freiraum, auch wenn sich das Dämonenfeuer in seinem magischen Griff noch immer wand und versuchte auszubrechen.

"MEADOWES, VERSCHWINDE DA!", brüllte Moody wütend, doch Dorcas ignorierte ihn.

Sie war vieles, und sie würde auch vieles tun, aber sie würde niemals einen Kollegen alleine lassen, ob er nun wollte oder nicht. Da brach die Hufflepuff mit ihr durch. Wen kümmerte es, ob es gefährlich war? Sie würde sich niemals verzeihen können, wenn sie ihren Mentor – und Freund – im Stich lassen würde.

Plötzlich war Fenwick an ihrer Seite. "Die anderen sind schon weg, Dearborn kommt gleich wieder", rief er ihr zu, bevor er sich am Kampf beteiligte. "Wir müssen Moody raushauen!"

Dorcas verstand auch ohne weitere Instruktionen, was Fenwick meinte. Moody konnte, auch wenn er das Gegenteil behauptete, nicht an zwei Fronten kämpfen, die ihn gleichermaßen bedrängten. Und je eher sie ihn entlasteten, desto eher konnte er dieses verdammte Dämonenfeuer zurück in die tiefsten Tiefen der neunten Hölle verbannen, dorthin, wo es hingehörte.

Fenwick und Dorcas teilten sich auf, um den Todesser von mehreren Seiten anzugreifen, sich aber auch gleichzeitig gegenseitig warnen konnten, falls ein anderer Todesser sie hinterrücks angreifen würde. Es dauerte nicht lange, da tauchte auch Dearborn an ihrer Seite auf. Zusammen schafften sie es, den Todesser lange genug von Moody abzulenken, um ihm Gelegenheit zu geben, das Feuer zu bannen.

Kaum waren die Flammen endlich erloschen, disapparierten die vier Auroren mit einem fast einheitlichen plop, einen manisch lachenden Feind zurücklassend.

Das kalte Lachen des Todessers rang ihr in den Ohren.


Dorcas schlug mürrisch mit ihrem Kopf immer wieder auf das Kissen. Die Heiler hatten ihr unter Strafe – einem längeren Aufenthalt – verboten, aufzustehen. Nicht, dass Moody besser dran war, aber es ging ums Prinzip. Wenigstens musste sie sich kein Zimmer mit Carter teilen, sie hatte gehört, dass sie ein wenig hysterisch geworden war, als sie gesehen hatte, dass Dorcas fast Opfer des Dämonenfeuers geworden wäre.

Überhaupt, dieser Kampf war verdammt beunruhigend. Sie hatten inzwischen das stille Einverständnis erreicht (sie kommunizierten über Zettel, da sie, wie bereits erwähnt, nicht aufstehen durften), dass das Dämonenfeuer und die Explosion davor Werk des Todessers Nummer eins waren. Das bedeutete, dass sie es zumindest mit keinen Über-Magiern zu tun hatten. Nur normale Magier und einen Über-Magier, aber das war schlimm genug, befand Dorcas.

"Sag mal, Moody", sagte sie an ihren Mitgefangenen, Leidensgenossen und Mentor gewandt. "Was war das für ein Zauber, den du benutzt hast? Das war kein Latein..."

"Schottischer Fluch", brummte Moody missmutig. "Hab's vor Jahren mal irgendwo aufgeschnappt."

Dorcas drehte den Kopf. "Wenn du das so sagst, dann glaube ich es dir nicht. Wer hat es dir beigebracht? Dumbledore?"

Ihr Mentor schnaubte und schwieg grollend. Stille legte sich über das Krankenzimmer. Dorcas begann erneut, ihr Kopfkissen zu schlagen, während sie darüber sinnierte, wie sie dieser persönlichen Hölle entkommen könnte. Oder einem Heiler einen Streich spielen könnte. Noch besser, zwei Streiche! Und dann eine Briefbombe an die Prewetts schicken. Danach würde sie außerdem Kingsley verfluchen, bis dieser ebenfalls an ein Krankenbett gefesselt war, damit er ihr nicht mehr ihren Frühstückskaffee stahl. Kaffee war das einzig Gute an St. Mungo's (nachdem Moody die Heiler zusammengefaltet hatte, weil es eben keinen gab), und selbst hier war Dorcas normal bereit, Verzicht zu üben, um dem St. Mungo's fernzubleiben. Dennoch, wenn sie schon mal hier war, könnte sie sich ja an der einzig guten Sache erfreuen.

Kingsley war sie besuchen gekommen und hatte "um ihrer Gesundheit willen" ihren Kaffee getrunken. Moody hatte daraufhin seinen runtergekippt, sich verschluckt und Kingsley den gesamten Inhalt seiner Tasse entgegengespuckt. Vermutlich spielte die Tatsache, dass der Kaffee heiß gewesen war, auch eine Rolle. Seit dem hatte Kingsley sich doch nicht mehr hergewagt. Die Prewetts, die jeden Tag vorbeikamen, um ihr – und Moody – auf die Nerven zu gehen, bestellten aber jedes Mal Grüße von ihm.

"'s war Minervas Vater", sagte Moody nach einiger Zeit.

"Huh?" Dorcas sah in verdutzt an. "Was meinst du?"

"Der schottische Fluch", grummelte Moody entnervt. "Du hattest gefragt!"

"Das war vor einer halben Stunde!"

Moody zuckte nur die Schultern und sagte nichts mehr. Dorcas wandte den Kopf ab und starrte finster an die Decke. Minerva. Die einzige schottische Minerva, die sie kannte, war Minerva McGonagall, und das war ihre ehemalige Verwandlungslehrerin. Zum Glück hatte sie nichts mehr mit ihr zu tun. Aber dass der Vater ihrer Lehrerin solche Flüche kannte...?

Wobei, vielleicht war Fluch nicht das richtige Wort. Eigentlich war es mehr ein Zauber. Oder noch besser, ein Bann, denn damit hatte Moody das Feuer schließlich gebannt.

"Woher kennst du ihren Vater?", fragte Dorcas neugierig.

"War mit ihr in einem Jahrgang – waren befreundet. War in den Ferien mal bei ihr." Moody zuckte erneut die Schultern. "Nichts Besonderes."

"Du kennst schon Leute, Moody..."

Erneut senkte sich Schweigen über das Zimmer. Dorcas hing erneut ihren Gedanken nach. Wenn Moody solche Zauber in den Ferien gelernt hatte... warum hatte er ihr nichts davon gesagt? Sie musste älter sein als er, als er sie gelernt hatte. Warum hatte er sie ihm nicht beigebracht? Misstraute er ihr? Glaubte er, sie würde so etwas falsch einsetzen?

Oder war es etwas gänzlich anderes? Dorcas schielte zu ihm herüber. Sein Gesicht hatte sich verfinstert bei ihrer letzten Bemerkung, offenbar beschäftigte sie ihn immens. Obwohl das nichts war, was einen beschäftigen sollte.

Er sah sie an. "Was hältst du von diesem..."

"... Obertodesser mit pyromanischen Anwandlungen?" Dorcas hob eine Augenbraue. "Hatten wir das nicht schon diskutiert?"

"Nein", brummte er. "Ich meine... was glaubst du, wer das ist?"

"Woher soll ich das wissen?" Ihr Blick verfinsterte sich. "Ich hänge selten mit Psychopathen herum – außer natürlich, man benutzt einen weiten Maßstab, dann trifft es auf mehr als die Hälfte der Leute im Ministerium zu..."

Ein schmales Lächeln huschte über Moodys Züge, verschwand aber fast sofort wieder, und ein ernster Ausdruck trat in seine Augen.

"Also, wer zum Henker ist dieser Bastard? Du scheinst was zu wissen." Hätte sie sich aufsetzen können, hätte sie es getan und ihre Arme verschränkt. So hatte diese Geste aber einfach nicht die richtige Wirkung.

Moody grollte. "Natürlich weiß ich was. Der Kerl heißt Tom Riddle. Nun, abgesehen davon, dass er sich dieses Pseudonym zugelegt hat."

"Was?!"

Eigentlich war sie verärgert. Sie lagen hier schon drei-vier Tage, ohne ein wirkliches Gesprächsthema außer dem Kampf und dem ganzen Drumherum zu haben, und er rückte erst jetzt damit raus, dass er den Namen von dem Irren kannte? Den richtigen? Nicht dieses Pseudonym, dass er sich selbst verpasst hatte, sondern den wirklich echten Namen – und Moody fiel es nicht einmal ein, ihr das mitzuteilen?

"Tom Riddle. Slytherin, Jahrgang '45. Slytherins Quidditchkapitän und Jäger, Vertrauensschüler und soweit ich weiß auch später Schulsprecher."

"Aha, und woher weißt du das Moody?"

Moody sah sie ausdruckslos an. "War zwei Jahre unter mir. Waren zusammen in der Quidditchmannschaft, auch wenn wir uns nicht wirklich grün waren – obwohl wir Slytherins waren..." Er verzog das Gesicht. "Hätte wissen müssen, dass aus dem nichts Gescheites wird. War schon damals ein Bastard."

Dorcas hob eine Augenbraue. "Und du hast es mir nicht gesagt, weil...?"

"Weil ich es hasse, darüber zu reden. Fühl dich geehrt, du bist eine Ausnahme." Moody zögerte kurz. "Außerdem ist es nicht gerade ruhmreich, wenn man eine Zeitlang mit dem Feind zusammengearbeitet hat, selbst wenn es in der Schulquidditchmannschaft war..."

Sie blinzelte und schwieg. War das die ganze Geschichte dahinter? Dachte Moody etwa, sie würde ihm einen Strick daraus drehen?

"Und warum hast du mir nichts über diese schottischen Flüche erzählt?"

Nun wurde Moody leicht rot. "Wegen Minerva."

Dorcas zählte zwei und zwei zusammen und begann schallend zu lachen. Es war immer wieder herrlich amüsant, wenn sie von einer von Moodys Romanzen erfuhr, ohne dass sie ohne seine direkten Hinweise je darauf gekommen wäre.

Moody schaffte es meisterlich, sich selbst ins Aus zu katapultieren.