Autor: Noir13 / .Ya.

Disclaimer: Alle bekannten Personen, Namen, Orte und Begriffe sind Eigentum von J. K. Rowling. Die Charakterisierung ist jedoch größtenteils auf meinem Mist gewachsen.

Hauptcharakter: Dorcas Meadowes

Nebencharaktere: Alastor Moody, die Prewetts, Kingsley Shacklebolt, Dawlish, Scrimgeour, Fenwick, Dearborn, Gawain Robards, Janet Carter, ...

Rating: PG12

Anmerkung: siehe Kapitel 1

Kapitel: 13 / 13

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Epilog: Oktober 1974

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"Wer aufhört, besser werden zu wollen, hört auf, gut zu sein."

(Marie von Ebner-Eschenbach)

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Der 20. Oktober 1974.

Der Tag auf den sie so lange gewartet hatte. Dorcas konnte nicht umhin, stolz auf sich zu sein. Weniger darauf, dass sie Aurorin war - das war nebensächlich, reine Formalität - nein, sie lebte. Sie hatte das Mentorenjahr geschafft. Größtenteils unverletzt.

Das Jahr war ereignisreich gewesen, wie man es von einem Aurorenjahr erwarten durfte. Sie hatte nicht nur neuartige Abwehranlagen entwickelt und getestet, sie hatte auch an einer Undercover-Mission teilgenommen, einem interministeriellen Kleinkrieg beigewohnt – den sie natürlich gewonnen hatten, wenn es denn einen Gewinner gab – und generell alles getan, um sich das Leben aufregender zu gestalten und es gleichzeitig Dawlish zur Hölle zu machen. Sie hatte gehört, dass Dawlish sich versetzen lassen wollte, wenn sie so weiter machte. Ein Grund mehr, sich jetzt erst richtig ins Zeug zu legen.

Neben diesen Errungenschaften hatte sie noch andere Dinge vorzuweisen: Moodys uneingeschränktes Vertrauen, sowohl in sie als Person als auch in ihre Fähigkeiten. Kingsleys Freundschaft – er hatte ihr doch tatsächlich, zur Feier des Tages, eine Tasse Kaffee aufgehoben! Und natürlich die Gewissheit, mit allem fertig werden zu können, denn sie hatte gelernt, die Prewetts zu durchschauen. Meistens zumindest.

Und jetzt war der Tag gekommen, an dem sie ganz offiziell die marineblaue Uniform der Auroren tragen durfte, sich in ihre kleine Aurorenspelunke setzen und sich freuen konnte, am Leben zu sein. Sie wusste es endlich zu schätzen.

Carter neben ihr schien ähnliche Gefühle zu haben. Selbst den Verlust ihres Auges nahm sie mit etwas wie Humor hin – sie weigerte sich, eine magische Sehhilfe zu benutzen, wenn es nicht nötig war, und trug nun stolz die Augenklappe, die Dorcas ihr zum Verlassen des St. Mungo's geschenkt hatte.

"Alles in allem war das Jahr gut", sagte Carter mit einem Grinsen.

Robards sah sie ein wenig ungläubig an. "Du hast ein Auge verloren."

"Aber kein Bein!" Carter lachte. "Vielleicht sollte ich mir einen Papagei besorgen, was meint ihr?"

"Solange du das Holzbein weglässt..." Dorcas grinste ebenfalls. "Vielleicht können wir deine Uniform ein bisschen aufpeppen. So mit Goldschmuck und so was."

"Nur, wenn ich auch einen Säbel und eine Muskete bekomme!"

"Psst!", machte Robards. "Bones ist da."

Sofort war Dorcas still und sah zum Podium. Es war fast genauso wie vor einem Jahr. Die Auroren, die Mentoren, Bones und Moody... und doch war es so anders. Moody zum Beispiel grinste ihr unauffällig zu, Fenwick und Dearborn wirkten stolz auf ihre Rekruten, Scrimgeour warf ihr einen tödlichen Blick zu.

Ja, sie waren sich alle sehr viel näher gekommen. Dorcas grinste.

"Rekruten", sagte Bones mit magisch verstärkter Stimme und schenkte der Runde ein stolzes Lächeln. "Dies ist der Augenblick der Wahrheit für euch. Wenn ihr diese Halle verlasst, seid ihr Auroren. Ihr habt gekämpft, ihr habt gelitten. Ihr habt eure Feuerprobe bestanden und seid nun Teil des Ganzen." Sie hielt einen Moment inne und mit belegter Stimme fuhr sie fort: "Aber nicht alle haben dieses Jahr ohne Wunden überstanden. Nicht alle, die vor einem Jahr bei uns waren, sind es auch heute noch. Gedenken wir derer, die nicht bei uns sein können, uns aber ein Beispiel dafür sein sollten, welche Opfer dieser Beruf von uns verlangt, und uns im Herzen an sie erinnern, wann immer wir zum Kampf gerufen werden."

Eine Schweigeminute setzte ein. Dorcas fielen viele ein, die im Verlaufe des letzen Jahres ihr Leben gelassen hatten. Da war ihre Familie, ihr Zwillingsbruder. Und die vielen Kollegen, die verletzt oder getötet wurden. Der namenlose Auror, der ihr in der Winkelgasse so formidabel Deckung gegeben hatte, als sie Carter gesucht hatte. Dorcas schluckte. Wie leicht hätte sie das sein können!

Ein Seitenblick zeigte ihr, dass Carter ähnliche Gedanken haben musste. Für Carter musste diese Realität sogar noch deutlicher sein als für sie selbst – statt einem Auge hätte es auch das Leben sein können.

"Ihr wisst, was es bedeutet, Auror zu sein", begann Bones schließlich von Neuem. "Es ist ein Leben des Kampfes, ein Leben des Verlustes. Den Weg, den ihr zu gehen habt, ist ein Weg der Entbehrung und der Gefahr. Dies ist nur der erste Schritt in eine Welt, in der euch nichts gegeben aber alles genommen wird. Ihr werdet euch neuen Prüfungen stellen müssen, neue Hürden überkommen. Das Lernen wird nie enden – und es wird nie genug sein. Es wird da draußen immer jemanden geben, der besser ist. Ihr werdet nach Perfektion in euren Flüchen und Schilden streben, aber diese zu erreichen wird niemandem von uns vergönnt sein, denn es wird immer neue Gefahren geben, die eure Schilde durchdringen, die gegen eure Flüche immun sind."

Bones ließ ihren Blick über die versammelten Auroren gleiten, sah jeden einzelnen direkt an und musterte jeden ehemaligen Rekruten. Schließlich nickte sie, augenscheinlich zufrieden.

"Ab heute seid ihr Auroren!", verkündete sie laut. "Ihr werdet gemeinsam kämpfen. Ihr werdet gemeinsam leiden und euch freuen, denn die Zentrale ist ab heute eure Familie. Der Beruf eines Auroren bedeutet, mit seiner Arbeit verheiratet zu sein – mit ganzem Herzen dabei zu sein. Und bald obliegt es euch, die nächste Generation Auroren auszubilden – dann schließt sich der Kreis. Aus Schülern werden Lehrer. Ihr werdet Erfahrungen sammeln, die ihr an die, die nach euch kommen, weitergeben werdet, ihr werdet Teil des Ganzen und ein Schritt auf dem langen Weg zum Frieden in unserer Gemeinschaft!"

Bones beendete ihre Ansprache und trat vom Podium, gefolgt von Moody. Zusammen schritten sie die Reihen der Rekruten ab, jedem persönlich die Hand schüttelnd und den offiziellen Ausweis der Auroren überreichend.

Als sie zu Dorcas kamen, sah Moody sie mit etwas wie Stolz in den Augen an, während er ihr mit einem kräftigen Händedruck zur erfolgreichen Ausbildung gratulierte. Dorcas strahlte ihren ehemaligen Mentoren an, während sie den Händedruck erwiderte. Es war ein starker Griff, der Vertrauen und Kameradschaft ausdrückte.

"Gut gemacht, Meadowes", sagte Moody und heftete ihr das glänzende Aurorenabzeichen an die Brust.