Omnia vincit amor.
Auf seinem Weg in Rons Zimmer lauschte Harry angestrengt, ob irgendeiner der anderen Hausbewohner schon wach war und er Gefahr lief, entdeckt zu werden. Immer an der Wand entlanggehend wich er geschickt den knarrenden Dielen aus, die es im Fuchsbau zu Hauff gab. Als er endlich die Zimmertüre hinter sich zugezogen hatte atmete er erleichtert auf. Er hatte in den letzten Tagen seine Schleich- Technik zwar perfektioniert, aber in so einem großen Haushalt wusste man nie, ob nicht doch zufällig jemand gerade auf dem Weg ins Bad war oder von frühmorgendlichen Gelüsten getrieben in die Küche schlich. Zweimal war er bereits fast Arthur in die Arme gelaufen. Jedes mal hatte er sich gerade noch verstecken können, aber langsam bekam Harry das Gefühl, Ginnys Vater wollte ihn einfach nicht sehen.
Sie hofften inständig, das Molly es einfach erlaube würde, dass das Pärchen in einem Bett schlafen durfte. Aber er hatte erkennen müssen, dass sie in manchen Dingen unnachgiebig sein konnte. Auch Harry gegenüber dem sie normalerweise fast alles durchgehen ließ. Und so hatten er und Ginny Ron und Hermine überredet, Nachts heimlich die Betten zu tauschen. Natürlich nicht ohne Hintergedanken, denn sie hofften nach wie vor, dass die beiden Sturköpfe sich ihre Gefühle endlich eingestanden und einen Schritt aufeinander zugingen.
Harry sah kurz zu Rons Bett. Sein bester Freund hatte sich im Schlaf um seine Bettdecke gewickelt und schnarchte. Die roten Haare standen ihm wirr vom Kopf ab und auf der Backe hatte er Abdrücke von seinem Kopfkissen. Wiedereinmal verfluchte sich der Junge, der gerade durchs Haus geschlichen war und nur noch in sein Bett wollte, keine Kamera zu haben um dieses Bild für die Nachwelt festzuhalten.
Morgen, so schwor er sich, Morgen in der Winkelgasse wäre es das erste was er sich besorgen würde.
Mit diesem Gedanken ging er zu seinem Bett, faltete die Decke auseinander und kuschelte sich in die frisch gewaschenen Laken. Seine Letzten Gedanken als er einschlief galten der rothaarigen Schönheit, die er im anderen Zimmer hatte zurücklassen müssen und deren süßer Geruch immer noch an ihm haftete.
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„Harry! Ron! Los Aufstehen"
Müde brummte Ron irgendetwas das nach ,Ihr könnt mich alle mal´ klang in sein Kopfkissen, bevor er sich murrend auf die andere Seite drehte um in Ruhe weiter zu schnarchen. Doch keine Chance, denn schon stürmten Ginny und Hermine in das Zimmer, die Rothaarige warf sich mit Schwung auf den noch friedliche schlummernden schwarzhaarigen. Hermine ging schnurstracks auf das Fußende von Rons Bett zu und zog ihm mit einem fiesen Grinsen im Gesicht die Bettdecke weg. Schreiend versuchte dieser, sie festzuhalten und zog nun seinerseits so fest an der Decke ,dass Hermine das Gleichgewicht verlor und auf ihn fiel.
Währenddessen hatte Harry schlaftrunken seine Liebste in eine feste Umarmung gezogen und küsste sie leidenschaftlich, so dass beide nichts von dem was um sie herum geschah mitbekamen. Hätten sie jedoch nur einen Augenblick ihre Augen zum anderen Bett schweifen lassen, so wären sie Zeugen eines Ereignisses geworden ,an das sie beide schon kaum mehr zu hoffen gewagt hatten.
Als sie sich nach einigen Minuten atemlos wieder voneinander lösten war Ron bereits im Bad und Hermine in die Küche geeilt um einen Kaffe zutrinken.
Sie hatte gehofft, die Schulbriefe wären bereits angekommen. Da dies jedoch nicht der Fall war, setzte sie sich an den Tisch, wartete auf ihre Freunde und vertiefte sich in den Tagespropheten, als eine verschlafene Molly Weasely gähnend die Küche betrat.
„Guten Morgen Miss Weasely."
„Ach Hermine, du bist es. Guten Morgen. Du bist aber mal wieder früh dran."
Molly begann sofort zauberstabwedelnd durch die Küche zu wirbeln und das Frühstück zuzubereiten. Hermine beobachtete sie grinsend. In den letzten Wochen hatte sie die ältere Frau immer wieder morgens beobachten können und wusste langsam um ihre Eigenheiten.
„Ja, natürlich, ich bin eben nach wie vor kein Langschläfer. Ich hab auch schon Kaffee gemacht"
„Bei Merlin, Hermine, du bist ein Engel. Ich wüsste wirklich nicht, was ich ohne dich machen sollte."
„Dir selbst Kaffee kochen?" fragte diese schmunzelnd Denn kaum jemand wusste um die Tatsache, dass die sonst immer aktive Molly Weasely morgens ohne Kaffe nicht in die Gänge kam.
Währendem Gespräch hatte sie den Tagespropheten zur Seite gelegt und den Tisch gedeckt, und das keine Minute zu früh, denn eben betraten Harry und Ginny händchenhaltend den Raum.
„Morgen Mum"
„Guten Morgen Miss Weasely."
„Morgen Ihr zwei. Wo habt ihr denn Ron gelassen?"
„ Der ist noch im Bad.", antwortete Harry genervt.
„Bitte? Noch im Bad? Ich dachte er ist da direkt nachdem wir euch aufgeweckt hatten hin?"
„Ja, stimmt." nickte Harry und nahm einen Schluck aus seiner Tasse bevor er fortfuhr.
„Was treibt er denn so lange da drinnen? Normalerweise braucht er doch höchstens fünf Minuten morgens."
„Mhh...", Ginny nahm einen Schluck Kaffee, bevor sie weitersprach. „Wir haben ihn auch gefragt, was er in Merlins Namen denn so lange treibt. Er hat dann irgendwas genuschelt, von wegen er könnte so doch nicht vor die Tür gehen, glaub ich. So wirklich verstehen konnte man ihn nicht... ."
„Oh..." erstaunt konnten die beiden beobachten, wie bei Ginnys letzten Worten Hermines Wangen nach und nach einen rötlichen Schimmer bekommen hatte Worauf hin Harry seiner Freundin einen erstaunten Blick zuwarf.
„Ähm, Minchen? Bist du in Ordnung,?"
„Was? Achso, ja, ich war nur in Gedanken... ähm.. habt ihr schon gesehen, was der Tagesprophet wieder geschrieben hat? Sie haben die Listen für die „Sichere" Verhaltensweise wieder verlängert. Sie schreibe zum Beispiel, dass man auch bei Muggeln darauf achten soll, wie sie sich Verhalten und wie sie gekleidet sind. Und ein eindeutiges Zeichen dafür, dass etwas nicht stimmt, wären verschiedenfarbige Socken oder ähnliches. Das ich nicht lache, wenn ich mir überlege, wie oft ich und meine Freundinnen uns in der Grundschule einen Spass draus gemacht haben, Schuhe zu tauschen oder einfach so mal mit verschiedenfarbigen Socken aus dem Haus zu gehen..."
Hermines Redefluss dem Harry und Ginny ungläubig hatten wurde jäh von Miss Weasely unterbrochen.
„Ron? Bei Merlin, bist du krank? Hast du dich erkältet? Soll ich dir einen Tee machen?"
Unbemerkt von den anderen hatte Ron die Küche betreten. Seine noch nassen Haare standen ihm wirr vom Kopf ab, er trug ein rotes T-shirt und blaue Bermudas. Das einzige was nicht in das Gesamtbild passte, war der grüne Schal, den er um seinen Hals gewickelt hatte und durch dessen Anblick seine Mutter aufgeschreckt worden war.
„Nein Mum, alles klar..." nuschelte er mir rotem Kopf und warf seinen kichernden Freunden böse Blicke zu.
„Ja ja, alles klar - Ronald Weasely, lüg mich nicht an! Es hat dreißig Grad und die Sonne schein und du versuchst mir hier zu erklären, dass du freiwillig einen Schal anziehst?"
„Mum...ich..."
„Ich hab euch alle großgezogen! Und glaub mir, ich habe einen sechsten Sinn dafür entwickelt, wenn irgendetwas nicht stimmt! Und jetzt mach gefälligst den Mund auf oder den Schal ab!"
Während dieser Worte war Ron immer mehr in sich zusammengesunken. Seine Freunde, die froh waren, nicht im Zentrum der überfürsorglichen Molly zu stehen unterdrückten mittlerweile ihr Lachen und schauten ihn erwartungsvoll an. Ron jedoch schien mit seinen blicken denen von Snape in nichts nachstehen zu wollen.
„Mum... mir geht es gut. Ich will den Schal aber nicht ausziehen!"
„So. Da zieht man dich siebzehn Jahre lang groß. Tröstet dich, ist für dich da, kann Nachts nicht schlafen vor lauter Sorgen, hab dir jahrelang den Hintern geputzt, deine Unterhosen gewaschen, deinen Dreck weggeräumt, und das ist der Dank dafür?!?" Molly stand mit zornesrotem Gesicht und in die Seiten gestemmten Händen vor ihrem jüngsten Sohn. „ Also, was ist? Ich warte auf eine Antwort?!"
„Mum... Ich..." begann Ron stammelnd.
„Du willst also nicht mit mir reden? Gut. Dann geh ich eben, wenn ich nicht gebraucht werde. Falls du deine Meinung irgendwann ändern solltest, kannst du mir ja eine Postkarte schicken."
Seine Mutter hatte ihn resolut unterbrochen und war bei ihren letzten Worten Aus der Küche gerauscht. Ron starrte völlig verdattert auf die Stelle wo sie eben noch gestanden hatte, als Ginny auf einmal losprustete.
„Glückwunsch Ronnilein! So sauer war sie das letzte Mal als Fred und George ihr erklärt haben, dass sie auch alleine Kochen können und sie ihnen nicht jeden Mittag das essen vorbeibringen müsste!"
Die anderen beiden hatten mittlerweile auch nicht mehr an sich halten können und lachten mittlerweile Tränen.
„Ja, toll, super! Macht euch doch auf meine kosten lustig! Ist ja kein Problem, macht mir ja nichts aus" bockte er auf.
„Aber Ron...", begann Hermine, doch der Rothaarige unterbrach sie barsch.
„Sag bloß nichts! Du bist doch eh Schuld an dem ganzen Mist hier!"
„Ich bin was?"
„Ja verdammt, bist du!"
„Bin ich nicht!"
„Bist du doch!"
„Bin ich nicht!"
„Bist du doch!"
„Ach ja, und was soll ich bitteschön getan haben?"
„Mhhh, überleg doch einfach mal ganz scharf!"
Ginny und Harry hatten aufgehört zu lachen und das Wortgefecht gespannt beobachtet, hatten sie doch mittlerweile beide das Gefühl, dass hier irgendetwas im Busch sein musste.
„Ich... oh.. ohhhhh!" Hermine machte große Augen, wurde erst blaß und dann knallrot und senkte ihren Blick auf ihre Hände die sie in ihrem Schoß knetete.
„Tschuldigung..." nuschelte sie dann und versuchte Ron nicht anzuschauen der mit verschränkten Armen auf die braunhaarige heruntersah.
„Aha."
„Ron... es tut mir leid."
„Mhhh..."
„Verdammt Ron! Ich wollte das doch nicht!"
„Du hast es aber gemacht!"
„Und mich dafür entschuldigt."
Hermine war aufgestanden und hatte sich Ron gegenüber aufgebaut und sah ihn erst wütend und dann enttäuscht an.
„Weißt du Ron - ich kann es auch lassen..." flüsterte sie mit tonloser Stimme, drehte sich um und wollte gehen. Doch Rons Hand schnellte vor und zog sie zurück, so dass sie nun dicht vor ihm stand. Er hob eine Hand unter ihr Kinn und hob ihren Kopf so das sie ihn ansehen musste.
„Mine! Mine? Minchen, es tut mir leid... ich... ich wollte mich nicht mit dir streiten...aber, ich... du weißt schon..."
Er schaute Hermine schüchtern an, die langsam ihre Augen hob und ihm in die Seinen blickte. Langsam ließ er ihren Arm los und legte seinen statt dessen um ihre Taille.
Ginny und Harry verfolgten mit offenen Mündern gespannt jede Bewegung der Beiden, jede Regung in ihren Gesichtern. Unbewusst hatten sie unter dem Tisch ihre Hände gegriffen und gaben sich Halt in diesem Augenblick als die Luft zu knistern schien vor Spannung.
Ron und Hermine schienen in den Augen des jeweils anderen zu versinken in denen man jede Gefühlsregung ablesen konnten.
Unendlich lange Sekunden geschah nichts.
Braune Augen sahen in Grüne.
Grüne in Braune.
Versanken ineinander.
Hielten die Luft an.
Hermine hob eine ihrer Hände und fuhr mit den Fingern über Rons Wangen. Schenkte ihm ein verliebtes Lächeln. Überwand den Abstand, der noch zwischen ihnen herrschte, schlang ihre Arme um seinen Nacken.
Ron begann auch zu lächeln. Seine Augen begannen zu strahlen. Seine Lieder flatterten zu und er beugte sich ihr entgegen. Ihre Lippen berührten sich sanft und auch Hermines Augen fielen zu. Ihm entglitt ein erleichtertes seufzen als er Hermine endgültig an sich zog und sie den Kuss vertieften, alles um sich herum vergessend. Nur noch sie beide...
ände
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Omnia vincit amor. - Alles meistert die Liebe.
Vergil, eclogae 10, 69
und? Das erste richtige Kapitel g
Danke an alle, die mir ein Review hinterlassen haben:-) ich liebe es sie zu lesen, egal wie wenig ihr schreibt (hauptsache überhaupt was geschrieben, gelle;-) )
Auf das nächste Kapitel müsst ihr vermutlich eine woche länger warten, ich habe die nächsten wochen Prüfungen und werd wohl nicht so viel zum schreiben kommen... :-(
Ach ja, ich suche übrigens eine Beta. wenn jemand lust/ Zeit / Muße hat, meldet euch bei mir!
Liebe grüße, die Mordred
