Tick ... Tack… Tick… Tack…

Gelangweilt folgten Fawkes Augen dem Pendel der großen Standuhr, die seiner Stange gegenüber an der Wand im Büros von Albus Dumbledore hing.

Hin...Her... Hin...Zurück...

Langsam kam der Phoenix sich vor, als ob er beim Tennis wäre und fragte sich, ob man denn nicht nur einen Tennisarm sondern auch ein Tennisgenick bekommen konnte. Sein Nacken zeigte jedenfalls schon erste Anzeichen dafür an. Aber was sollte er denn auch sonst machen?

Heute oder vielleicht auch morgen würde er wieder ein mal in Flammen aufgehen um aus seiner eigenen Asche wieder auferstehen zu können. Klingt für außen stehende wahrscheinlich aufregender als es für den Vogel wirklich war. Denn in Wirklichkeit war die Zeit vor und nach seinem Bradtag immer die langweiligsten des Jahres da er nichts machen konnte, außer dem Pendel mit den Augen zu folgen und zu warten, dass zu jeder vollen Stunde aus dem Kästchen am oberen Ende des Pendels dieser kleine, komische Vogel herausgeschossen kam, um für jede Stunde „Kuckuck" zu rufen.

Ihm war dieser Vogel ausgesprochen suspekt. Denn obwohl er schon seit einigen Jahren in diesem Kästchen wohnte, ihm genau gegenüber, hatte er ihn nie gesehen, außer eben wenn der große Stecken der Uhr ganz nach oben zeigte.

Tick...Tack...Tick...Tack...

Normalerweise kam wenigstens Dumbledore ab und an vorbei um nach ihm zu sehen und sich leise mit ihm zu Unterhalten oder ihm seine Gedanken und Sorgen mitzuteilen. Und einmal war auch ein Schüler da gewesen... Harry, wenn Fawkes sich nicht irrte. Ja, genau, Harry Potter, den Jungen, den er dann auch gerettet hatte.

Doch im Moment waren noch Ferien und selbst der Schulleiter hatte sich einige Tage freigenommen.

Tick...Tack...

Verdammte Uhr. Verdammt. Verdammt. Eigentlich sollte ich als Phoenix mehr Geduld haben... Aber demnächst... demnächst werde ich die verdammte Uhr einfach verschwinden lassen... wo anders hinbringen. Mindestens an den Nordpol. Dann muss ich auch diesen unhöflichen Vogel nicht mehr sehen.

In diesem Augenblick gesellte sich zu dem ewig wiederkehrenden Geräusch der tickenden Uhr ein weiteres. Leise Schritte von undeutlichen Worten begleitet näherten sich durch den Aufstieg der Türe.

Endlich passiert hier etwas... die können mich ja auch nicht einfach stundenlang hier alleine herumsitzen lassen! Ich bin schließlich wichtig! Und ich muss beschäftigt werden. Ich bin mal gespannt, wer das jetzt ist. Das eine ist auf jeden Fall der alte Mann. Aber das andere? Vielleicht dieser große, blonde Mann, der immer mal wieder herkommt, wenn es keiner mitbekommt – außer mir... Wobei... diese Stimme ist eigentlich unverkennbar... ja, jetzt weiß ich es! Dieser unhöfliche Kerl, der mich noch nie gestreichelt hat und immer so merkwürdig riecht. Merkwürdig aber eigentlich nicht schlecht. Aber irgendwie erinnert er mich immer an eine ... Fledermaus...

„Albus, ich kann nichts machen! Es ist nicht mehr in meiner Macht, irgendetwas an dieser Entscheidung zu ändern! Sie haben sie gemeinsam gefällt und mich vor vollendete Tatsachen gestellt! Wir waren alle völlig überrascht!"

„Vielleicht ist es aber auch nicht so schlecht, wie ich es im ersten Augenblick gesehen habe! Severus, sie wissen nichts, oder? Sie werden nichts erfahren bevor der Tag gekommen ist?"

Hallo? Haaallllo!!!! Ich sitz hier!! Schenkt mir Aufmerksamkeit!!

„Nein, werden sie nicht. Es ist damals so verfügt worden, dass..."

Sag mal! Ignorieren die mich eigentlich? Warum kümmert sich denn keiner um mich? Die können doch nicht einfach hier reinkommen, ein Kaffeekränzchen abhalten und sich nicht um mich kümmern!! Verdammt, mir tut alles weh, ich werde gleich mal wieder abbrennen und keiner schaut nach, ob es dem Phoenix gut geht, oder ob man etwas für ihn tun kann.

„... und nicht vor diesem Tag! Und spätestens danach müssten wir vermutlich eine ähnliche Entscheidung treffen, wie bereits getroffen wurde. Vielleicht ist es richtig, so wie es nun ist weil es dann unauffälliger ist."

„Mhhh... vermutlich hast du recht. Das ist eine der wenigen Sachen, bei denen du mehr über die Hintergründe weißt als ich – auch wenn mir das nicht gefällt." Dumbledore kratzte sich nachdenklich am Bart und betrachtete die Silber glänzende Oberfläche seines Denkariums in dem immer wieder Bilder auftauchten, verschwanden und herumwirbelten. Schloss kurz die Augen und rieb sich über selbige, bevor er sich mit besorgtem Blick wieder zu Professor Snape umwandt.

„ Severus, wir können nichts machen als auf diese Sache ein besonderes Auge zu haben. Aber nicht zu auffällig, wir haben immer noch das Problem, dass wir nicht wissen, wer aus der Schule als Spion für Tom dient."

Snape nicke. „Werde ich auf jeden fall, dass hätte ich auch ohne deine Aufforderung getan, da kannst du dir sicher sein."

„Ich habe nichts anderes von dir erwartet. Aber nun zu einem anderen Thema. Hast du etwas über die verbleibenden Horcruxe herausbekommen können?" Dumbledore hatte mittlerweile hinter seinem Schreibtisch Platzgenommen und drehte eines seiner Zitronenbonbons zwischen den Fingern, bevor er es sich in den Mund schob.

Hallo? Hallo!!! Verdammt noch mal, der arme, alte wehleidige Phoenix sitzt immer noch auf seiner Stange und Langweilt sich! Bei Merlin und meinen beiden fehlenden Schwanzfedern! Kümmert euch um mich!!! Ich sterbe – na ja, ich werde danach wiedergeboren, aber erst mal sterbe ich! Und es wird nicht angenehmer je öfters man das macht.

„Nagini befindet sich nach wie vor in seiner Nähe, an sie werden wir vermutlich erst ganz am Ende herankommen. Huflepuffs Becher - ich habe da eine Spur, aber das ist alles noch ein bisschen wage im Augenblick, Slytherins Ring ist zerstört, das Medallion auch genauso das Tagebuch. Damit hätten wir noch zwei übrig."

„Ein Gegenstand von Gryffindor und Tom selbst."

„Exakt. Und wir haben keinen Schimmer , um was es sich handelt."

„Wir sollten das im Orden besprechen. Endlich alle einweihen, von denen wir sicher sein können, dass sie nicht in Voldemorts Diensten stehen."

„Der dunkle Lord könnte Verdacht schöpfen, wenn einer seiner Spione von der Bewegung im Orden mitbekommt."

„Dann müssen wir diese Zusammenkunft aus dem Hauptquartier abziehen und an einem anderen Ort abhalten – ich hätte da auch schon eine Idee wie und wann wir es machen", sagte Dumbledore wissend lächelnd und steckte sich nun endlich das Bonbon in den Mund.

„Direktor?"

„Lass dich Überraschen mein Guter – ich will doch die Überraschung nicht schon jetzt verderben!"

„Albus!"

„Severus", kicherte der Direktor nun los. „Severus, ich weiß , dass du Überraschungen nicht magst. Ich werde es dir trotzdem nicht sagen."

War ja mal wieder klar, dass sich keiner für mich interessiert!!! Ich sitz hier, einsam, allein, verlassen, von keinem geliebt, kurz vor dem sterben und keiner Liebt mich!! Ich geh jetzt ins Licht. So. Ich hab keine Lust mehr!!

„...Albus, ich glaub dein Phoenix hätte gerne ein bisschen Aufmerksamkeit."

Pffh...jetzt kann er auch wegbleiben! Nein, nein, nein... ich lass ich jetzt nicht von dir streicheln... pfhhhh...geh weg!!...oh...mhhh...ja, genau da ... ok, ich gebs ja zu ... s tut gut... ok... jaaa...streicheln unterm Schnabel!!

„Na mein kleiner... hab ich mich zu wenig um dich gekümmert? Entschuldige bitte, dass wollte ich nicht! Aber ich kümmer mich jetzt ganz doll um dich die nächsten Tage..."

Na toll...ausgerechnet jetzt!

In diesem Augenblick ging Fawkes mit einem zischen in Flammen auf und zerfiel zu Asche um aus ihr wieder als kleines, hässliches Küken aufzuerstehen und zu einem hübschen, launigen Phoenix zu werden.