Kapitel Neun: Die Auseinandersetzung
Lily starrte in den Spiegel über ihrem Schminktischchen; ihr Gesicht, eine Maske der Verzweiflung. Tränen schimmerten auf ihren Augen.
"Ich bin eine Schlampe", sagte sie laut und Tränen strömten über ihre Wangen. Sie stand so für einige Minuten da, weinte leise und ihre Gedanken überbordeten.
Was hatte sie getan?
Du bist mit Potter ausgegangen.
Du hast ziemlich viel mehr getan, als nur das, du kleine Nutte! Und du hast es gemocht. Du hast ihn deinen Busen anfassen lassen. Du hast seine Hände zwischen deine Beine gelegt. Du mochtest es.
Ja! Zugegeben! So war es! Und ich mochte es!
Billiges Flittchen.
Lily spürte wie ihr ein Schluchzer aus dem Halse entfuhr und sie warf sich auf ihr Bett, während sich immer noch die Geschehnisse des Tages in ihrem Kopf abspielten.
Alles war gut gewesen bis zu dem Moment, als er sie in der heulenden Hütte geküsst hatte. Es war wirklich seine Schuld. Hatte er nicht versprochen nichts zu versuchen? Nun, er hatte sie geküsst. War das kein Versuch zu etwas?
Aber sie war diejenige, die das ganze weitergeführt hatte. Sie hatte ihn mit offenem Mund geküsst und mit der Zunge; sie hatte ihn auf sich gezogen.
Sie hätte das aber nicht getan, wenn er sie nicht geküsst hätte!
Lily fühlte sich elend. Sie hatte es GEMOCHT, was mit James in der heulenden Hütte geschehen war. Sie hatte jede Minute davon genossen. Aber noch schlimmer als das, sie hatte IHN gemocht.
Das Wissen, dass sie James mochte, nagte so sehr an ihr wie sie es erlaubt hatte -- was IHRE Schuld war --, dass das in diesem kleinen Raum auf jenem Sofa hatte geschehen können. Weil sie wusste, dass sie ihm egal sein würde, wie es ihr ging.
Sie fühlte sich ganz krank beim Gedanken, was er gerade tun würde. Zweifellos erzählte er gerade allen seinen Kollegen wie er sie begrabscht hatte, wie sie ihn zwischen ihre Beine gezogen hatte, wie sie ihn dazu bewegte, sie dort zu berühren.
Lily drehte sich auf ihren Rücken und wischte sich die Augen ab. Sie wusste immer noch nicht, wie sie es geschafft hatte, das Date zu einem Ende zu bringen. Sie spürte eine neue Welle Tränen in ihr hochkommen, als plötzlich ein hartnäckiges Klopfen ihre Gedanken unterbrach.
Sie wischte ihre Augen noch einmal ab und fragte dann: "Wer ist da?"
"Wir sind es!" Clarissa und Marianne. Zweifellos waren sie BRENNEND darauf zu hören, wie alles abgelaufen war. Lily stöhnte in Gedanken. Sie wollte ihnen nicht jetzt gegenüberstehen, nicht mit ihren Fragen. Aber sie wusste sie würden ihr keine Ruhe mehr geben, bis sie nicht alles bis ins letzte Detail ihnen erzählt haben würde.
Widerstrebend stand sie vom Bett auf und öffnete die Tür. Clarissa und Marianne stürmten in das Zimmer, beide bereit alles zu erfahren.
"Also?", fragte Clarissa atemlos und warf sich auf den Stuhl beim Schreibtisch von Lily. "Was ist passiert?"
"Wohin hat er dich genommen?", fragte Marianne, während sie auf dem Bett saß. "Habt ihr euch geküsst?"
"Ist er ein guter Küsser?"
"Hast du seinen Hintern angefasst?"
All diese Fragen kamen blitzschnell und hörten dann ebenso abrupt auf, alsbald Marianne und Clarissa zu realisieren schienen, dass Lily nicht nur schwieg sondern als auch resolut auf den Boden starrte.
"Lil?", fragte Clarissa. "Was stimmt nicht?"
Es war einfach zuviel. Lily fühlte, wie ihr ein weiterer Schluchzer entfuhr, und sie brach in Tränen aus.
"Lily!", sagte Marianne.
"Was ist geschehen?", sagte Clarissa, stand von dem Stuhl auf und ging zu ihr herüber. Sie legte einen Arm um Lily. "Setz dich."
Marianne machte Platz auf dem Bett; Lily ließ es zu, dass Clarissa sie auf die Bettmitte setzte und sie sich rechts neben ihr Platz nahm.
"Was ist los?", fragte Marianne mit einer schneidenden Stimme. "Hat James etwas getan?"
"War er unhöflich zu dir?", sagte Clarissa und nahm das Thema in regelrechter Empörung auf.
"Er versuchte nicht dich zu--", begann Marianne.
"Falls er es getan hat, schwöre ich, werde ich ihm seine Männlichkeit auf mikroskopische Größe hinunterschrumpfen lassen", brummte Clarissa.
"Erzähl es uns, Lily", sagte Marianne wieder und ihre Stimme beruhigte sich wieder, "was ist passiert?"
Lily schniefte und rang nach Worten.
"Es war--großartig", würgte sie hervor, brach wieder zusammen und sank gegen die Schulter von Clarissa.
Marianne und Clarissa tauschten Blicke aus.
"Wenn es großartig gewesen war, Lily", sagte Clarissa langsam, "wo ist dann das Problem?"
Ein weiterer, herzzereissender Schluchzer und dann brüllte Lily: "Ich bin eine SCHLAMPE!"
"Was?", fragten Clarissa und Marianne gemeinsam.
"Ich bin eine -- eine Schlampe", wiederholte Lily und erhob sich von Clarissas Schulter.
"Ihr -- ihr habt nicht -- du und James--", begann Marianne.
"Nein!", sagte Lily empört.
"Wie kannst du dann eine Nutte sein?", fragte Clarissa und ihr Ton wechselte zu einem eines schimpfenden Elternteiles, das gerade sein Kind zurechtweist.
"Weil--weil--", sagte Lily zögernd, "ich ließ ihn--ich ließ ihn--Dinge machen."
"Welche Art von Dingen?", fragte Marianne nicht einmal mehr darum bemüht, sich betroffen zu stellen, dafür eher fast lächerlich gespannt. Lily war zu sehr mit sich selbst beschäftig, um das zu bemerken.
"Unter mein--T-Shirt", schluchzte sie. "Und--und--über meinen Jeans."
"Das ist alles?", fragte Clarissa augenrollend.
"Was meinst du mit 'das ist alles'?", fragte Lily entsetzt und ihre Wut half ihr zumindest, wieder zu ihrer Stimme zu finden. "Es war unser erstes Date! Ich ließ ihn diese Dinge schon beim ersten Date tun! Nein, ich ließ ihn nicht nur diese Dinge tun, ich unterstützte es!"
"Komm schon Lily", sagte Marianne in offensichtlicher Bewunderung.
"Halt die Klappe!", sagte Lily und mehr Tränen formten sich in ihren Augen.
"Mochtest du es?", fragte Clarissa.
"Was?" Lily war schockiert. Weshalb trösteten ihre beiden besten Freunde sie nicht? Stattdessen nahmen sie sie in die Mangel und stellten ihr peinliche Fragen.
"Ja", murmelte sie. Noch mehr Tränen.
"Was ist dann das Problem?", fragte Marianne. "Er war danach nicht unhöflich zu dir, oder?"
"Nein", sagte Lily elend. "Er war--unglaublich. Bezaubernd. Er--er hielt meine Hand und sagte er habe eine w-wunderschöne Zeit gehabt und, dass er mich w-wieder sehen wolle. Er -- er fragte mich wieder, ob ich mit ihm ausgehen würde. Er brachte mich hierhin und--und küsste mich zum Abschied. Es war-- großartig."
"Was hast du gesagt?", fragte Clarissa.
"Ich habe zugesagt", sagte Lily immer noch heulend.
Clarissa und Marianne tauschten Blicke aus.
"Ich kann immer noch nicht sehen, wo das Problem liegt", sagte Marianne und ihre Stimme klang ein wenig sanfter.
"Ich m-mag ihn", sagte Lily traurig. "Sehr sogar."
"So?", sagte Clarissa.
"Ich will ihn nicht mögen!", sagte Lily verzweifelt. "Ihr wisst, wie er ist! Er ist fast so schlimm wie Sirius Black!"
"Niemand ist so schlimm wie Sirius Black", sagte Marianne trocken.
"Komm schon, Lily", sagte Clarissa. "Da ist nichts falsches dabei, wenn du James magst."
"Aber was ist, wenn er mich nur benutzt?", fragte sie traurig. "Du weißt schon, um seinen Freunden etwas zu beweisen oder--oder was auch immer?"
"Du denkst ein Typ, der zwei Jahre lang nach dir gejagt hat, hat das nur getan, um unter deine Unterwäsche zu gelangen?", fragte Marianne ungläubig. "Das ist keine Beleidigung, Lily, aber wenn James dich nur für das wollte, hätte er schon vor einer Ewigkeit aufgegeben."
"Oh, danke", sagte Lily sarkastisch.
"Was Marianne meint", fuhr Clarissa fort, "ist, dass es eigentlich ziemlich offensichtlich ist, dass er dich mag. Zugegeben, er ist schon mit ein paar wenigen Anderen ausgegangen--"
"Die Betonung liegt auf ein paar wenigen", sagte Marianne sicher. "Glaub mir, wie sehr James auch immer beliebt ist, er hat seinen Docht bei nicht SO vielen Mädchen eingetaucht (Anm. d. Übers.: Im Deutschen würde es wieder etwa soviel heißen wie 'er hat seine Möglichkeiten noch nicht wirklich ausgeschöpft'...).
"Das ist GENAU das Bild von ihm, auf das ich gehofft habe, danke", sagte Lily bitter.
"SO ODER SO", sagte Clarissa und warf Marianne einen bösen Blick zu, "James mag dich, klar? Er mag dich sehr. Er hat dich wieder gefragt, ob du mit ihm ausgehst, oder?"
"Schön, ja", sagte Lily. "Aber wenn er--"
"Wenn er mit Sirius und Remus darüber redet gibt es da nichts, das du tun könntest", sagte Marianne. "Und nur so nebenbei, erzählst du es uns gerade."
"Das ist etwas anderes", erwiderte Lily störrisch.
"Nein, ist es nicht", sagte Clarissa. "Wenn James jetzt der ganzen Schule erzählt, was passiert ist, dann wissen wir, dass er ein taktloser Idiot ist, der es verdient, dass man seine Geschlechtsteile auf mikroskopische Größen schrumpft. Aber wenn er es nur seinen nächsten Freunden erzählt, sagt das gar nichts."
"Wunderbar", sagte Lily. "Also bin ich in der Vorhölle und warte, um zu sehen, ob James es in der Schule rumerzählt. Wenn er es tut, werde ich noch mehr gedemütigt."
"Wenn er das tut, würde er unter Demütigungen leiden, die deine wie ein normales Picknick aussehen lassen würden, Lil", sagte Marianne aufrichtig, nahm Lilys Hand und drückte sie. "Ich meine ernst."
Lily schaute ihre beiden Freunde an und lächelte ein wässeriges Lächeln.
"Danke", sagte sie schniefend. "Ich habe einfach--Ich habe noch nie einen Jungen das an mir tun lassen. I meine so-- so früh."
"Lily du MUSST aus dieser engstirnigen Einstellung herauskommen", sagte Clarissa. "Wieso sollten die Jungs die Einzigen sein, die scharf auf das sind?"
"UND die Einzigen sein, die etwas damit machen?", fügte Marianne hinzu. "Da ist nichts Falsches dabei, was du mit James getan hast. Wenn du weiter gegangen wärest und ihr dort zusammen geschlafen hättet, wäre nichts dabei gewesen. Ein Mädchen verdient es genauso, etwas davon abzubekommen, wie jeder andere Kerl auch."
"Marianne!" Aber Lilys Stimme fehlte die Überzeugungskraft, und sie lachte nervös.
"Was?", fragte Marianne. "Ich habe Recht und du weißt es. Ein Junge kann beim ersten Date vögeln und er ist der Hengst, aber wenn es ein Mädchen tut ist sie eine Nutte? Ich jedenfalls, kann mich mit dieser Einstellung nicht anfreunden, und du solltest es auch nicht. Es geht verdammt noch mal niemanden etwas an, wer mit wem schläft. Alles was zählt ist, dass das Mädchen ein paar Vorkehrungen trifft."
"Du denkst also ich sollte James mir guten Sex geben lassen und dann darüber hinwegkommen?", fragte Lily.
"Nein", sagte Clarissa. "Wir denken nur, dass, wenn du mit ihm Sex haben WILLST, du keine Schuldgefühle haben oder dich komisch dabei fühlen solltest. Also ich meine, du solltest keinen Sex haben bevor du nicht bereit bist--"
"Aber wenn du bereit BIST, fühl dich nicht schuldig es tun zu wollen", beendete Marianne.
"Ich--ich- habe nur--", Lilys Stimme brach ab. Egal wie sehr sie der eher lässigen Philosophie über Sex ihrer beiden Freundinnen glauben wollte -- allerdings war es eine sehr logische Philosophie -- sie selbst hatte immer gedacht, dass wer auch immer mit ihr zuerst Sex hatte, jemanden sein würde, den sie liebte. Das sie sich für diese Person aufsparen würde. Sie zwang sich weiterzufahren und war dankbar, dass sie zumindest aufgehört hatte zu weinen.
"Ich wollte nur sicher sein", sagte sie. "In der Sache mit James. Das ist alles."
"Dagegen ist nichts einzuwenden", sagte Marianne. "Aber, Lil, versprich uns bitte einfach, dass du aufhörst dich immer komisch zu fühlen, wenn du solche Dinge tust, einverstanden? Es fühlt sich gut an, was ist dabei? Du bist keine Nutte, um Himmels Willen!"
"In keiner Hinsicht", sagte Clarissa. "Nicht einmal annähernd."
Lily lächelte dankbar ihre beiden Freundinnen an und umarmte sie.
"Danke", sagte sie und wieder kamen Tränen ihn ihre Augen.
"Also, wie war es?", fragte Marianne grinsend. "War er gut?"
"Marianne!", sagte Lily und schlug sie mit einem Kissen.
*-*-*
Zu den Reviews:
gereon: Oh, jetz kack ich mir gleich in die hosen (Erik).
Choooo: Mal wieder danke... :D
Grizza: Jo, finde ich persönlich auch schwierig, an das Original heranzukommen. ;D
Soulsister: Hoffen, das ist schnell genug! ;)
VanillaCherry: Hihi, danke!
Jessy Black: dwarvesofmoria presents: Chapter 9 :D
Bis zum nächsten Mal! plz review...
Lily starrte in den Spiegel über ihrem Schminktischchen; ihr Gesicht, eine Maske der Verzweiflung. Tränen schimmerten auf ihren Augen.
"Ich bin eine Schlampe", sagte sie laut und Tränen strömten über ihre Wangen. Sie stand so für einige Minuten da, weinte leise und ihre Gedanken überbordeten.
Was hatte sie getan?
Du bist mit Potter ausgegangen.
Du hast ziemlich viel mehr getan, als nur das, du kleine Nutte! Und du hast es gemocht. Du hast ihn deinen Busen anfassen lassen. Du hast seine Hände zwischen deine Beine gelegt. Du mochtest es.
Ja! Zugegeben! So war es! Und ich mochte es!
Billiges Flittchen.
Lily spürte wie ihr ein Schluchzer aus dem Halse entfuhr und sie warf sich auf ihr Bett, während sich immer noch die Geschehnisse des Tages in ihrem Kopf abspielten.
Alles war gut gewesen bis zu dem Moment, als er sie in der heulenden Hütte geküsst hatte. Es war wirklich seine Schuld. Hatte er nicht versprochen nichts zu versuchen? Nun, er hatte sie geküsst. War das kein Versuch zu etwas?
Aber sie war diejenige, die das ganze weitergeführt hatte. Sie hatte ihn mit offenem Mund geküsst und mit der Zunge; sie hatte ihn auf sich gezogen.
Sie hätte das aber nicht getan, wenn er sie nicht geküsst hätte!
Lily fühlte sich elend. Sie hatte es GEMOCHT, was mit James in der heulenden Hütte geschehen war. Sie hatte jede Minute davon genossen. Aber noch schlimmer als das, sie hatte IHN gemocht.
Das Wissen, dass sie James mochte, nagte so sehr an ihr wie sie es erlaubt hatte -- was IHRE Schuld war --, dass das in diesem kleinen Raum auf jenem Sofa hatte geschehen können. Weil sie wusste, dass sie ihm egal sein würde, wie es ihr ging.
Sie fühlte sich ganz krank beim Gedanken, was er gerade tun würde. Zweifellos erzählte er gerade allen seinen Kollegen wie er sie begrabscht hatte, wie sie ihn zwischen ihre Beine gezogen hatte, wie sie ihn dazu bewegte, sie dort zu berühren.
Lily drehte sich auf ihren Rücken und wischte sich die Augen ab. Sie wusste immer noch nicht, wie sie es geschafft hatte, das Date zu einem Ende zu bringen. Sie spürte eine neue Welle Tränen in ihr hochkommen, als plötzlich ein hartnäckiges Klopfen ihre Gedanken unterbrach.
Sie wischte ihre Augen noch einmal ab und fragte dann: "Wer ist da?"
"Wir sind es!" Clarissa und Marianne. Zweifellos waren sie BRENNEND darauf zu hören, wie alles abgelaufen war. Lily stöhnte in Gedanken. Sie wollte ihnen nicht jetzt gegenüberstehen, nicht mit ihren Fragen. Aber sie wusste sie würden ihr keine Ruhe mehr geben, bis sie nicht alles bis ins letzte Detail ihnen erzählt haben würde.
Widerstrebend stand sie vom Bett auf und öffnete die Tür. Clarissa und Marianne stürmten in das Zimmer, beide bereit alles zu erfahren.
"Also?", fragte Clarissa atemlos und warf sich auf den Stuhl beim Schreibtisch von Lily. "Was ist passiert?"
"Wohin hat er dich genommen?", fragte Marianne, während sie auf dem Bett saß. "Habt ihr euch geküsst?"
"Ist er ein guter Küsser?"
"Hast du seinen Hintern angefasst?"
All diese Fragen kamen blitzschnell und hörten dann ebenso abrupt auf, alsbald Marianne und Clarissa zu realisieren schienen, dass Lily nicht nur schwieg sondern als auch resolut auf den Boden starrte.
"Lil?", fragte Clarissa. "Was stimmt nicht?"
Es war einfach zuviel. Lily fühlte, wie ihr ein weiterer Schluchzer entfuhr, und sie brach in Tränen aus.
"Lily!", sagte Marianne.
"Was ist geschehen?", sagte Clarissa, stand von dem Stuhl auf und ging zu ihr herüber. Sie legte einen Arm um Lily. "Setz dich."
Marianne machte Platz auf dem Bett; Lily ließ es zu, dass Clarissa sie auf die Bettmitte setzte und sie sich rechts neben ihr Platz nahm.
"Was ist los?", fragte Marianne mit einer schneidenden Stimme. "Hat James etwas getan?"
"War er unhöflich zu dir?", sagte Clarissa und nahm das Thema in regelrechter Empörung auf.
"Er versuchte nicht dich zu--", begann Marianne.
"Falls er es getan hat, schwöre ich, werde ich ihm seine Männlichkeit auf mikroskopische Größe hinunterschrumpfen lassen", brummte Clarissa.
"Erzähl es uns, Lily", sagte Marianne wieder und ihre Stimme beruhigte sich wieder, "was ist passiert?"
Lily schniefte und rang nach Worten.
"Es war--großartig", würgte sie hervor, brach wieder zusammen und sank gegen die Schulter von Clarissa.
Marianne und Clarissa tauschten Blicke aus.
"Wenn es großartig gewesen war, Lily", sagte Clarissa langsam, "wo ist dann das Problem?"
Ein weiterer, herzzereissender Schluchzer und dann brüllte Lily: "Ich bin eine SCHLAMPE!"
"Was?", fragten Clarissa und Marianne gemeinsam.
"Ich bin eine -- eine Schlampe", wiederholte Lily und erhob sich von Clarissas Schulter.
"Ihr -- ihr habt nicht -- du und James--", begann Marianne.
"Nein!", sagte Lily empört.
"Wie kannst du dann eine Nutte sein?", fragte Clarissa und ihr Ton wechselte zu einem eines schimpfenden Elternteiles, das gerade sein Kind zurechtweist.
"Weil--weil--", sagte Lily zögernd, "ich ließ ihn--ich ließ ihn--Dinge machen."
"Welche Art von Dingen?", fragte Marianne nicht einmal mehr darum bemüht, sich betroffen zu stellen, dafür eher fast lächerlich gespannt. Lily war zu sehr mit sich selbst beschäftig, um das zu bemerken.
"Unter mein--T-Shirt", schluchzte sie. "Und--und--über meinen Jeans."
"Das ist alles?", fragte Clarissa augenrollend.
"Was meinst du mit 'das ist alles'?", fragte Lily entsetzt und ihre Wut half ihr zumindest, wieder zu ihrer Stimme zu finden. "Es war unser erstes Date! Ich ließ ihn diese Dinge schon beim ersten Date tun! Nein, ich ließ ihn nicht nur diese Dinge tun, ich unterstützte es!"
"Komm schon Lily", sagte Marianne in offensichtlicher Bewunderung.
"Halt die Klappe!", sagte Lily und mehr Tränen formten sich in ihren Augen.
"Mochtest du es?", fragte Clarissa.
"Was?" Lily war schockiert. Weshalb trösteten ihre beiden besten Freunde sie nicht? Stattdessen nahmen sie sie in die Mangel und stellten ihr peinliche Fragen.
"Ja", murmelte sie. Noch mehr Tränen.
"Was ist dann das Problem?", fragte Marianne. "Er war danach nicht unhöflich zu dir, oder?"
"Nein", sagte Lily elend. "Er war--unglaublich. Bezaubernd. Er--er hielt meine Hand und sagte er habe eine w-wunderschöne Zeit gehabt und, dass er mich w-wieder sehen wolle. Er -- er fragte mich wieder, ob ich mit ihm ausgehen würde. Er brachte mich hierhin und--und küsste mich zum Abschied. Es war-- großartig."
"Was hast du gesagt?", fragte Clarissa.
"Ich habe zugesagt", sagte Lily immer noch heulend.
Clarissa und Marianne tauschten Blicke aus.
"Ich kann immer noch nicht sehen, wo das Problem liegt", sagte Marianne und ihre Stimme klang ein wenig sanfter.
"Ich m-mag ihn", sagte Lily traurig. "Sehr sogar."
"So?", sagte Clarissa.
"Ich will ihn nicht mögen!", sagte Lily verzweifelt. "Ihr wisst, wie er ist! Er ist fast so schlimm wie Sirius Black!"
"Niemand ist so schlimm wie Sirius Black", sagte Marianne trocken.
"Komm schon, Lily", sagte Clarissa. "Da ist nichts falsches dabei, wenn du James magst."
"Aber was ist, wenn er mich nur benutzt?", fragte sie traurig. "Du weißt schon, um seinen Freunden etwas zu beweisen oder--oder was auch immer?"
"Du denkst ein Typ, der zwei Jahre lang nach dir gejagt hat, hat das nur getan, um unter deine Unterwäsche zu gelangen?", fragte Marianne ungläubig. "Das ist keine Beleidigung, Lily, aber wenn James dich nur für das wollte, hätte er schon vor einer Ewigkeit aufgegeben."
"Oh, danke", sagte Lily sarkastisch.
"Was Marianne meint", fuhr Clarissa fort, "ist, dass es eigentlich ziemlich offensichtlich ist, dass er dich mag. Zugegeben, er ist schon mit ein paar wenigen Anderen ausgegangen--"
"Die Betonung liegt auf ein paar wenigen", sagte Marianne sicher. "Glaub mir, wie sehr James auch immer beliebt ist, er hat seinen Docht bei nicht SO vielen Mädchen eingetaucht (Anm. d. Übers.: Im Deutschen würde es wieder etwa soviel heißen wie 'er hat seine Möglichkeiten noch nicht wirklich ausgeschöpft'...).
"Das ist GENAU das Bild von ihm, auf das ich gehofft habe, danke", sagte Lily bitter.
"SO ODER SO", sagte Clarissa und warf Marianne einen bösen Blick zu, "James mag dich, klar? Er mag dich sehr. Er hat dich wieder gefragt, ob du mit ihm ausgehst, oder?"
"Schön, ja", sagte Lily. "Aber wenn er--"
"Wenn er mit Sirius und Remus darüber redet gibt es da nichts, das du tun könntest", sagte Marianne. "Und nur so nebenbei, erzählst du es uns gerade."
"Das ist etwas anderes", erwiderte Lily störrisch.
"Nein, ist es nicht", sagte Clarissa. "Wenn James jetzt der ganzen Schule erzählt, was passiert ist, dann wissen wir, dass er ein taktloser Idiot ist, der es verdient, dass man seine Geschlechtsteile auf mikroskopische Größen schrumpft. Aber wenn er es nur seinen nächsten Freunden erzählt, sagt das gar nichts."
"Wunderbar", sagte Lily. "Also bin ich in der Vorhölle und warte, um zu sehen, ob James es in der Schule rumerzählt. Wenn er es tut, werde ich noch mehr gedemütigt."
"Wenn er das tut, würde er unter Demütigungen leiden, die deine wie ein normales Picknick aussehen lassen würden, Lil", sagte Marianne aufrichtig, nahm Lilys Hand und drückte sie. "Ich meine ernst."
Lily schaute ihre beiden Freunde an und lächelte ein wässeriges Lächeln.
"Danke", sagte sie schniefend. "Ich habe einfach--Ich habe noch nie einen Jungen das an mir tun lassen. I meine so-- so früh."
"Lily du MUSST aus dieser engstirnigen Einstellung herauskommen", sagte Clarissa. "Wieso sollten die Jungs die Einzigen sein, die scharf auf das sind?"
"UND die Einzigen sein, die etwas damit machen?", fügte Marianne hinzu. "Da ist nichts Falsches dabei, was du mit James getan hast. Wenn du weiter gegangen wärest und ihr dort zusammen geschlafen hättet, wäre nichts dabei gewesen. Ein Mädchen verdient es genauso, etwas davon abzubekommen, wie jeder andere Kerl auch."
"Marianne!" Aber Lilys Stimme fehlte die Überzeugungskraft, und sie lachte nervös.
"Was?", fragte Marianne. "Ich habe Recht und du weißt es. Ein Junge kann beim ersten Date vögeln und er ist der Hengst, aber wenn es ein Mädchen tut ist sie eine Nutte? Ich jedenfalls, kann mich mit dieser Einstellung nicht anfreunden, und du solltest es auch nicht. Es geht verdammt noch mal niemanden etwas an, wer mit wem schläft. Alles was zählt ist, dass das Mädchen ein paar Vorkehrungen trifft."
"Du denkst also ich sollte James mir guten Sex geben lassen und dann darüber hinwegkommen?", fragte Lily.
"Nein", sagte Clarissa. "Wir denken nur, dass, wenn du mit ihm Sex haben WILLST, du keine Schuldgefühle haben oder dich komisch dabei fühlen solltest. Also ich meine, du solltest keinen Sex haben bevor du nicht bereit bist--"
"Aber wenn du bereit BIST, fühl dich nicht schuldig es tun zu wollen", beendete Marianne.
"Ich--ich- habe nur--", Lilys Stimme brach ab. Egal wie sehr sie der eher lässigen Philosophie über Sex ihrer beiden Freundinnen glauben wollte -- allerdings war es eine sehr logische Philosophie -- sie selbst hatte immer gedacht, dass wer auch immer mit ihr zuerst Sex hatte, jemanden sein würde, den sie liebte. Das sie sich für diese Person aufsparen würde. Sie zwang sich weiterzufahren und war dankbar, dass sie zumindest aufgehört hatte zu weinen.
"Ich wollte nur sicher sein", sagte sie. "In der Sache mit James. Das ist alles."
"Dagegen ist nichts einzuwenden", sagte Marianne. "Aber, Lil, versprich uns bitte einfach, dass du aufhörst dich immer komisch zu fühlen, wenn du solche Dinge tust, einverstanden? Es fühlt sich gut an, was ist dabei? Du bist keine Nutte, um Himmels Willen!"
"In keiner Hinsicht", sagte Clarissa. "Nicht einmal annähernd."
Lily lächelte dankbar ihre beiden Freundinnen an und umarmte sie.
"Danke", sagte sie und wieder kamen Tränen ihn ihre Augen.
"Also, wie war es?", fragte Marianne grinsend. "War er gut?"
"Marianne!", sagte Lily und schlug sie mit einem Kissen.
*-*-*
Zu den Reviews:
gereon: Oh, jetz kack ich mir gleich in die hosen (Erik).
Choooo: Mal wieder danke... :D
Grizza: Jo, finde ich persönlich auch schwierig, an das Original heranzukommen. ;D
Soulsister: Hoffen, das ist schnell genug! ;)
VanillaCherry: Hihi, danke!
Jessy Black: dwarvesofmoria presents: Chapter 9 :D
Bis zum nächsten Mal! plz review...
