couchkartoffel

Oh.. I'm so sorry… Kann einfach nicht die Spannung aus meiner Story nehmen.. Das krieg ich nicht fertig…

Deine Fragen werden gleich heut mal beantwortet… Denke ich doch…

Viel Spaß..

Enthüllungen

Bellas POV

Wir laufen jetzt schon eine Stunde durch Phoenix, ohne eine Spur von Renesmee. Wie vom Erdboden verschluckt, was unmöglich sein kann. Aber wir befürchten, dass Renesmee unwissend ihre Spur verwischt hat. Wir kennen ja noch immer nicht das ganze Ausmaß ihrer Fähigkeiten.

Ich hoffe nur, sie stellt nichts Dummes an. Das muss eine Mutter sagen, wenn das Kind wegläuft, oder? Aber ich mach mir wirklich Sorgen. Mir behagt es gar nicht zu wissen, dass sie alleine hier rum läuft, total verstört. Ihr verzweifeltes Gesicht, als sie erfuhr, dass sie ein Vampir wird, ist dabei fest in meine Gedanken gebrannt.

Nach einer weiteren halben Stunde höre ich, wie uns Japser zu ruft, dass er eine Spur entdeckt hat. Keine Minute später stehen wir an einer Lichtung des dichten Waldes am Standrand von Phoenix.

„Seht ihr?", sagte Jasper und zeigt auf Fußspuren, die enden, wo Reifenspuren beginnen.

„Jemand hat sie hier abgeholt", stellt Emmett fest.

„Und wenn sie nicht freiwillig eingestiegen ist?", frage ich besorgt.

Edward nimmt mich seitlich in den Arm und lächelt mir aufmunternd zu. Wie kann er mir jetzt nur dieses Lächeln zu werfen?

„Liebes, deine Besorgnis lässt deinen sonst so verschärften Verstand dämmen."

Edward Cullen. Macht er sich lustig über mich? Zu spüren bekommt er das, indem ich ihm in den Bauch kneife.

„Ouch. Hey, wofür war das denn?"

Da ich ihm keine Antwort gebe, scheint er zu merken, dass eine Aufklärung ganz gut wäre.

„Die Spuren zeigen keinen Kampf an. Hätte sie sich gewehrt, wären die Fußspuren nicht so geordnet. Und da dieser jemand ein Mensch ist, und du vorhin sehen konntest, was für eine Kraft Renesmee hat, hätte sie sich sehr gut gegen denjenigen wehren können, hätte sie nicht gewollt, in dieses Auto zu steigen."

Klingt logisch. Und jetzt, wo Jasper mal wieder meine Stimmung hebt, kann ich die Spuren genauso gut lesen. Das ist wahrscheinlich ein Schwachpunkt von mir, dass wenn ich Angst habe oder mir Sorgen mache, mein Verstand nicht mehr klar zu denken weiß.

Wir wollen uns gerade aufmachen, den Spuren zu folgen, als mein Handy klingelt. Ein Blick auf das Display und in mir kommt erneut Angst auf.

„Reneè", sage ich und blicke Edward an.

„Geh schon ran. Vielleicht ist sie wieder zu Hause", macht er mir Mut.

Ich mache, was er mir sagt und nehme ab.

„Mom? Hast du was von ihr gehört? Ist sie zu Hause? Geht es ihr gut?", schieße ich ihr einen Haufen Fragen an den Kopf.

Edward nimmt mich augenblicklich fester in den Arm und auch der Rest meiner Familie kommt näher auf mich zu, mit tröstenden Blicken. Aber auch im Interesse, was Reneè mir sagen will.

„Ihr Freund Scott hat mich gerade angerufen. Sie hatte sich mit ihm versteckt. Sie wollte eigentlich nicht, dass er uns anruft. Aber irgendetwas stimmt nicht mit ihr. Er meint, dass Fieber ist wieder ausgebrochen. Kommt schnell nach Hause, Scott bringt sie hier her."

Ich verabschiede mich erst gar nicht von Reneè und lege einfach auf.

„Was ist mit ihr, Carlisle?", frage ich ihn, dachten wir doch, dass ihre Verwandlung im gröbsten, was das Körperliche angeht, abgeschlossen sei.

„Ich habe keine Ahnung. Lasst uns schnell zurück zum Haus, dann kann ich mir ansehen, was nicht stimmt."

Und so rasen wir zurück zu Reneè und Phil, die schon vor ihrem Haus auf uns warten. Kaum sind wir da, fährt ein schwarzer VW Touareg vor. Ich kann sofort Renesmees Präsenz spüren, allerdings kann ich auch spüren, wie schwach sie ist.

Wir Vampire stehen halb im Haus, da so langsam die Sonne aufgeht. Und da keine Wolken in Sicht sind, bleibt uns nichts anderes übrig, als zuzuschauen, wie Phil dem Wagen entgegen läuft und ihn stoppt.

Aus der Fahrerseite springt Scott, der sofort an die hintere Tür geht, wo auch Phil schon steht. Der hat aber keine Chance, als Scott Renesmee selbstverständlich in seine Arme nimmt. Sein Gesichtsausdruck wütend. Scott erinnert mich ein wenig an Emmett. Sein Körper war ebenfalls gut mit Muskeln bestückt, wenn auch nicht so kräftig wie bei Emmett. Die gleichen dunklen Haare, recht kurz gehalten.

„Coach warum bringen wir sie nicht in ein Krankenhaus? Sie sehen doch, wie schlecht es ihr geht?"

„Das geht nicht, Scott", sagt Phil grimmig, als beide an uns vorbei gehen.

Renesmees Freund bemerkt uns erst gar nicht, so besorgt scheint er um sie zu sein. Aber wenn ich einen Blick auf meine Tochter werfe, tu ich das auch. Ihr Gesicht kreidebleich und schweißbedeckt. Anders als vor ein paar Stunden, zittert ihr ganzer Körper. An Carlisles Gesichtsausdruck merke ich, dass erneut etwas nicht stimmt.

Scott legt Renesmee behutsam auf das Wohnzimmersofa. Carlisle geht sofort an ihre Seite und fängt sich einen vielsagenden Blick von dem Jungen ein.

„Wer sind sie?", fragt Scott fuchtig, als Carlisle Renesmee Puls misst.

Ihm scheint wohl nicht zu gefallen, dass ein anderer Mann seine Freundin anfasst.

„Ich bin Arzt und will nur mei… Renesmee untersuchen."

Fast hätte Carlisle sich verraten und das passiert eigentlich nie. Auch ihm scheint die ganze Sache sehr zuzusetzen, vor allem, weil er mittlerweile genauso ahnungslos ist wie wir.

Scott nimmt Carlisles Worte widerstandslos wahr, aber weicht nicht von Renesmees Seite. Mittlerweile hat er uns auch gesichtet und blickt uns argwöhnisch an. Ihm brennt die Frage auf den Lippen, wer wir sind, aber ein Blick zu Phil, lässt ihn weiter schweigen. Er scheint, einen großen Respekt vor Phil zu haben.

Ihm ist sicher nicht entgangen, wie besorgt wir alle drein schauen. Ich stehe mit Edward an meiner Seite am Ende des Sofas und beobachte genau Carlisles Untersuchungen. Gleichzeitig versuche ich jegliche Regung in Edward wahr zu nehmen, da er sicher in Carlisle Gedanken rum spukt.

Was auch kurz danach geschieht. Edward wirft ein unterdrücktes Knurren aus, bevor Carlisle anfangen kann zu sprechen.

„Nimmt Renesmee Drogen?"

„Was?", stoße ich hervor, wie auch alle anderen im Raum.

Wie kommt er nur auf diese Idee? Meine Tochter nimmt keine Drogen. Aber woher will ich das nur wissen? Ich war ihr ganzes Leben nicht bei ihr. Aber irgendwie weiß ich es.

„Renesmee nimmt ganz bestimmt keine Drogen", schreit Reneè aus vollem Leibe.

Edward löst sich von mir und nimmt sich Scott zur Brust. Ich nehme hingegen die Chance wahr und stürze an Renesmees Seite. Ihre zitternde Hand nehme ich in meine und wische ihr mit einem Tuch, was Reneè gebracht hatte, Schweiß von der Stirn.

„Was hast du getan?", kommt es von Edward.

„Beruhige dich, Sohn", sagt Esme, die neben ihm steht und ihm beruhigend ihre Hand auf die Schulter legt.

Ich wusste, dass es ihm nicht leicht fiel, als er von Scott abließ, aber es würde alles nur noch viel schlimmer machen. Scott nimmt etwas Abstand und sieht zu mir, wie ich seine Freundin bemuttere.

„Wie kommst du darauf, dass sie Drogen nimmt, Carlisle?", fragt Phil und ich bin froh, dass er ruhig sprach, ohne die angeheizte Stimmung noch weiter zu strapazieren.

„Sie hat Entzugserscheinungen!"

Erneut bricht aus allen Mündern ein lautes ‚Was?' aus, gefolgt von Scotts Aussage:„Das ist nicht möglich."

Diesmal war es Phil, der auf Scott zu stürmte und ihm an den Kragen packte.

„Ich hab dich gewarnt, Scott. Wenn ich dich nochmal dabei erwische…"

„Ich schwöre Coach. Ich habe das Zeug nie wieder angefasst und Renesmee ganz bestimmt auch nicht. Nachdem, was passiert war, hat sie panische Angst nochmal mit sowas in Kontakt zu geraten."

Von was redet er da? Edwards Hände haben sich wieder zu Fäusten geballt und es braucht schon den starken Emmett, um ihn aufzuhalten. Er weiß wahrscheinlich schon, worum es geht.

„Klärt uns mal jemand auf?", fordere ich.

Reneè schaut betrübt zu Boden und Phil scheint dies auch nicht ganz angenehm zu sein. Was war nur passiert, dass sie so reagieren?

„Vor über ein Jahr, haben wir Renesmee ein Wochenende allein gelassen, um nach L.A. zu fliegen. Wir haben ihr vertraut, dass sie am Abend nur mit ein paar Freunden weg gehen will."

Edward hat gerade enorme Schwierigkeiten sich zusammen zureißen. Es muss also schlimmer sein, als ich es vermuten würde.

„Als wir zurück kamen, erfuhren wir, dass sie auf einer Party waren, wo auch Drogen im Spiel waren. Renesmee war noch völlig high am Tag danach."

„Wie bitte?", platzt es aus mir heraus.

„Es war nicht ihre Schuld. Jemand hat etwas in ihren Drink getan", verteidigt sich Scott.

„Und wer sagt uns, dass du es nicht warst?", faucht ihn Rose an.

„Er sagt die Wahrheit", kommt es diesmal ganz ruhig von meinem Mann.

„Und woher wollen wir wissen, dass sie nicht abhängig von dem Zeug geworden ist? Ich meine, wir wissen nicht, wie sie auf Drogen reagiert? Also ihr wisst schon", sagt Alice den letzten Satz eher an uns gerichtet.

„Ist sie nicht", sagt Phil.

Wir schauen ihn argwöhnisch an und fordern mimisch eine Erklärung. Ich allerdings setzte mich wieder zu Renesmee, als ich sie wimmern höre. Auch Reneè ist wieder an ihrer Seite, als Phil weiter redet.

„Nach diesem Vorfall hatten wir etwas an Vertrauen verloren. Zu Scott, aber auch zu Renesmee. Wobei sie mir immer wieder schwor, dass sie nicht wusste, auf was für eine Party sie da geht. Jedenfalls mache ich seitdem monatlich einen Drogentest bei den beiden."

Damit hätte ich jetzt nicht gerechnet. Bis eben beherrschte mich noch meine Wut, wie sie sowas hatten zulassen können. Meine Tochter und Drogen, nein daran möchte ich nicht denken.

„Sie sind natürlich immer negativ ausgefallen. Und das habe ich auch nicht anders erwartet. Auch wenn ich damals Scott am liebsten sonst wo hin befördert hätte, weiß ich, dass er Renesmee nie etwas Schlimmes will. Und wenn ihr gesehen hättet, wie er sich Wochen danach um Renesmee gekümmert hat, würdet ihr es verstehen. Sie nimmt keine Drogen, Carlisle. Es muss etwas anderes sein."

Genau in diesem Moment, schießen mir Bilder und Emotionen in den Kopf. Es dauert einen Moment, bis ich sie zu ordnen kann. Sie kommen von Renesmee. Wie macht sie das? Ich merke auch, wie sie den Griff um meine Hand festigt. Weitere Bilder fließen auf mich ein.

Renesmee bei dieser Feier. Ihr Gesicht, als sie die vielen fremden Leute sieht und Scott sie fragt, ob sie wieder gehen wollen und sie sofort ja sagt. Zuvor hat ihr aber jemand ein Glas in die Hand gedrückt. Als sie raus gingen war es leer. Er hatte also wirklich keine Schuld.

Plötzlich sehe ich Bilder von mir und Edward. Wie… Wie ist das möglich? Sie sind von unserem ersten Treffen, unserem ersten Kuss. Ich sehe uns auf unserer Hochzeit und den Flitterwochen. Auch wie mein Bauch immer runder wird und es mir immer schlechter geht. Das letzte, was sie mir zeigt, sagt mir, was wir zu tun haben, damit es ihr bald besser geht.

Als ich aus diesem Trance breche, schauen mich viele fragende Gesichter an. Edward gar besorgt. Ich scheine also, weit weg gewesen zu sein.

„Geht es dir gut, Liebes? Ich hab dich ein paar Minuten versucht anzusprechen, aber du hast nicht reagiert."

Ich lächele ihm erleichternd zu und küsse sanft seine Lippen. Seine Verwunderung über meinen Gefühlsschwung ist deutlich in seinem Gesicht zu erkennen. Jasper schaut mich ebenfalls erstaunt an, als er meine erleichterten Gefühle spürt.

Ungern, aber ich muss es tun, drehe ich mich zu Scott und schaue ihn mit finstere Miene an. Es hat nicht die Bedeutung, wie es den Anschein haben mag, aber es geht nicht anders.

„Ich muss dich jetzt bitten zu gehen, Scott."

„Wieso?"

„Damit wir Renesmee helfen können."

„Ich bleibe."

Bevor Edward losstürmen kann, halte ich ihn an der Schulter. Ich blicke zu Phil und Reneè, in der Hoffnung, dass sie mich unterstützen, auch wenn ich deutlich ihr Unverständnis erkennen kann. Nur wäre es fatal, ihnen vor Scott zu sagen, was Renesmee braucht, damit es ihr besser geht.

„Fahr nach Hause, Scott. Ich bin mir sicher, Renesmee geht es bald besser und dann kann sie dir alles erklären", kommt es von Phil sehr ruhig.

„Bitte tun sie mir das nicht an, Coach. Sie hat mir wahnsinnig gefehlt die letzten Tage. Außerdem hat sie mir vorhin solch verwirrende Sachen erzählt."

Sofort gehen bei allen die Alarmglocken los. Was hat Renesmee ihm nur erzählt?

„Wovon sprichst du?", fragt Reneè leise, ihre Angst nicht zu überhören.

„Es war alles sehr verfahren. Sie war völlig durch den Wind, als sie bei mir anrief und mir sagte, ich solle sie an der Waldlichtung abholen. Sie hatte die ganze Zeit geweint und nur einzelne Wörter raus bekommen, wie Mom, nicht, Leute, Vampire. Naja. Irgendwann habe ich gemerkt, dass sie noch immer hohes Fieber hat und habe sie angerufen."

Edward deutet mir, dass Scott nichts ahnt und das kann ich aus seinem Gesichtsausdruck auch deuten.

„Sicher hat sie das nur im Fieberdelirium gesagt", lächelt Reneè ihm zu, was ihr sehr, sehr schwer fiel.

„Sicher. Was sollte es sonst mit den Vampiren auf sich haben", lacht er.

Es dauerte einen Moment, bis wir begreifen, mit lachen zu müssen, um es wirklich nur als Scherz dastehen zu lassen. Aber Scott scheint es uns abzunehmen. Trotzdem macht er keine Anstalten zu gehen.

„Geh jetzt, Scott, oder du sitzt das nächste Spiel auf der Bank."

„Das ist mir völlig egal. Ich möchte bei meiner Freundin bleiben."

Das könnte von Edward kommen. Genauso stur wie er.

„Und wenn ich dir sage, dass im nächsten Spiel Talentscouts anwesend sind: Soweit ich weiß, hast du noch kein Stipendium. Das ist deine letzte Chance, Scott. Und ich dachte, du wolltest mit Renesmee zusammen studieren."

Wow. Da hat Phil schwere Geschütze aufgefahren. Und so wie Scotts Mimik fällt, hat er es geschluckt. Grummelig verschränkt er die Arme vor der Brust und überlegt. Nicht lang, da er auf Renesmee und mich zu kommt.

„Kann ich mich von ihr verabschieden?", fragt er forsch.

Ich stehe auf und gehe beiseite. Edward hätte ihm am liebsten gezeigt, dass man mit mir so nicht redet, aber eine beruhigende Geste von mir und er entspannt sich wieder.

Scott beugt sich über Renesmee und gibt ihr einen langen Kuss auf die Stirn. Edward mag es nicht gefallen, mir hingegen blüht das Herz auf, wenn ich sehe, wie liebevoll er zu ihr ist. Wie Edward es damals war und auch noch heute zu mir ist.

Danach flüstert er ihr ins Ohr, was eigentlich nur für Renesmee bestimmt ist.

„Ich liebe dich, Carlie. Werd schnell gesund, mir fehlen unsere Kuschelstunden", flüstert er und gibt ihr noch einen Kuss auf die Wange.

Während wir Frauen vergnügt grinsen, schauen meine männlichen Vampire eher grimmig drein. Ich freue mich, dass Renesmee so einen liebenswürdigen Freund hat. Um ganz ehrlich zu sein, erinnern mich die zwei an Edward und mich. Umso mehr schmerzt es mich, zu wissen, dass sich die Wege der beiden bald trennen werden. Das wird mir Renesmee nie verzeihen.

Scott verabschiedet sich noch von uns und macht sich recht widerwillig aus dem Staub. Reneè blickt uns verwirrt an und erst jetzt merke ich, dass Esme, Alice, Rosalie und ich recht unpassend für sie lächeln, schließlich haben sie es nicht mitbekommen.

„Wir konnten hören, was er gesagt hat", kläre ich sie auf.

„Er hat sie Carlie genannt?!", kommt die Feststellung von Emmett, was sich bald wie eine Frage anhört.

Daraufhin fangen wiederum Reneè und Phil an zu grinsen.

„Bella, Schatz, du bist nicht die einige, die den Spitznamen Nessie nicht mag", lacht Reneè.

„Oh ja", beginnt Phil und sein Gesicht erhellt sich, wie noch nie, seitdem wir hier sind.

„Ich glaube, sie war gerade mal fünf, konnte aber schon fließend lesen. Da hatte sie gerade ihre Lesephase und hat ein Buch nach dem anderen in sich hineingesogen. Einen Abend kam sie ganz wütend die Treppen hinunter gestampft, rief uns beide zu sich und stand vor uns, mit den Händen in die Hüften gelehnt. Das war sehr amüsant.

Und dann wütete sie los.

Nennt mich nie, nie, nie wieder Nessie. Ich hasse diesen Namen. Wie könnt ihr mich, nach einem Monster nennen?'

Ihr könnt euch ja vorstellen, welches Buch sie gerade gelesen hatte. Seit dem Tag nennen wir sie nicht mehr so, zumindest nicht vor ihr", grinst Phil und es freut mich sehr, dass Renesmee es genauso sieht wie ich.

Carlisle und Esme schmunzeln sich nur an, da er sehr stolz die Brust raus streckt, da Scott sie mit dem Namen nennt, den ich aus Charlie und Carlisle abgeleitet habe.

Aber schnell kommen wir wieder zum Ernst der Lage, als Renesmee diesmal lauter wimmert als sonst.

„Was war das gerade, Bella?", fragt mich Edward.

„Renesmee hat mir gezeigt, wie ich ihr helfen kann."

Wie nicht anders zu erwarten, schauen mich alle an, als sei ich verrückt. Bis auf Edward, der genau weiß, dass ich mir sowas nicht einfach ausdenken würde. Es redet auch niemand dazwischen, sie lassen mich einfach weiter erklären.

„Als ich ihre Hand nahm, strömten Bilder auf mich ein, wie ich Edward das erste Mal traf bis hin zu unserer Hochzeit, den Flitterwochen und der Schwangerschaft. Ich konnte sehen, wie schlecht es mir damals ging. Das letzte, was mir Renesmee gezeigt hat, war, als ihr mir das Blut gegeben habt."

„Natürlich", rief Carlisle wohl wissend.

„Sie braucht also Blut", schlussfolgert Esme.

„Aber wieso hat sie es sich nicht einfach geholt? Warum hat sie nicht Scott und einen anderen Menschen angefallen?"

Gute Frage, die Jasper da stellt. Ich hatte bei meiner Verwandlung zwar auch ziemliches Glück und habe damals den Menschen nicht angefallen, der uns bei meiner ersten Jagd über den Weg lief. Dennoch hatte ich Durst auf Blut und musste jagen.

„In den letzten Stunden haben wir ja schon gesehen, dass Renesmee anders ist, als alle anderen Vampire. Was sicher daran liegt, dass sie Kind eines Vampirs und eines Menschen ist. Es gibt keine Vergleichsmöglichkeit, da es noch nie ein Baby überlebt hat, da meistens schon die Mutter vor der Geburt gestorben ist. Ihr habt beide verdammtes Glück gehabt."

Diese Tatsache hatte ich immer wieder verdrängt, zu wissen, dass wir eigentlich hätten, beide Tod sein müssen. Und ich versuche es auch jetzt wieder beiseite zuschieben. Mir kreisen schon genug schlimme Sachen durch den Kopf.

„Ich bin mir fast sicher, dass Renesmee zwar Blut braucht, so wie ein Mensch etwas zu essen braucht, um seine Energie zu erhalten. Aber anders als bei uns, hat sie nicht den Drang danach. Ihr Gehirn sagt ihr nicht, dass sie Blut will. Nur ihr Körper sagt ihr irgendwann, dass er etwas braucht, was sich wie jetzt in Form von Entzugserscheinungen zeigt."

An Phil und Reneès Reaktion kann ich sehen, dass sie überhaupt nicht begeistert sind. Ich denke, die Vorstellung, dass Renesmee Blut braucht, dreht ihnen der Magen um, auch wenn sie sich bei mir schon dran gewöhnt haben.

„Also besorgen wir jetzt Blut, oder was?", kam es fix von Emmett, der am liebsten sofort los gelaufen wäre.

„Die Frage ist nur, was für welches", stelle ich in den Raum.

Auch Carlisle scheint sich diese Frage gestellt zu haben, denn er nickt mir zustimmend zu.

„Es ist das Beste, wenn wir beides besorgen. Emmett, du holst uns etwas vom Tier. Ich werde ins nächste Krankenhaus, um dort etwas zu besorgen. Wir müssen nicht unnötig auffallen."

„Ist es nicht etwas zu sonnig für euch dort draußen?", sagt Phil und öffnet die Gardine, durch welche die morgendliche Sonne direkt auf Edward scheint.

Mir bleibt der Atem stehen, wie beim ersten Mal, als ich seine Haut wie Diamanten glitzern sehe. Dieser Anblick raubt mir immer wieder den Verstand. Und das weiß auch mein lieber Gatte, der mich wohl wissend angrinst.

Kaum lässt Phil die Gardine wieder zurück fallen, fällt auch meine Laune und die Angst, wie wir nun an das Blut kommen.

„Ich hole es", meldete sich Phil überraschend, der sich sofort den fragenden Blicken stellen muss.

„Was? Woher meint ihr, habe ich die Drogentests? Im Krankenhaus arbeitet ein guter Freund von mir", sagt er schulterzuckend und lässt uns keine Möglichkeit dazu, etwas zu sagen.

Ich vertraue ihm mittlerweile, da sich wirklich gezeigt hat, dass er einfach nur das Beste für Renesmee möchte.

Emmett hat sich mittlerweile auch vermummt und war bereit, los zu laufen. Carlisle gab ihm noch einige Anweisungen, Rose einen Kuss und schon war er zur Tür raus. Es war für ihn selbstverständlich und dafür liebe ich diese Familie so sehr.

Alice, Jasper und Rose setzten sich auf das eine freie Sofa, während ich mich mit Edward zu Renesmee knie. Esme und Reneè waren dabei, die Reste der Kommode zu beseitigen, die vor ein paar Stunden zu Bruch ging.

„Es wird alles gut werden", flüstert mir Edward mal wieder ins Ohr.

Er weiß ganz genau, wann ich diese Worte hören muss. Und ich hoffe, er hat recht. Für mich wird allerdings erst alles gut, wenn Renesmee mich akzeptiert hat, mich so lieben kann, wie ich sie liebe.

„Was ist das?", höre ich Esme Reneè fragen.

„Das sind DVDs von Renesmee. Ich dachte mir, irgendwann möchte Bella sehen, wie ihre Tochter groß geworden ist."

Das ließ mich aufhorchen. Glücklich sehe ich meine Mom an.

„Hast du was dagegen, wenn wir uns jetzt etwas ansehen?", frage ich hoffnungsvoll.

„Natürlich nicht, Kleines."

Und so schauten wir uns die nächste Stunde Kindervideos von Renesmee an. Mein Herz blühte regelrecht auf, zu sehen, wie Renesmee die ersten Worte brabbelte, die ersten Schritte machte und ganz stolz präsentierte, wie sie alleine Fahrrad fahren konnte. Schon dort konnte man sehen, dass sie anders war, als sie böse vom Rad stürzte, aber nicht eine Schramme davon trug.

Dies zu sehen, machte mich gleichzeitig natürlich sehr reumütig. Ich wäre gerne bei diesen wichtigen Stationen ihres Lebens dabei gewesen. Bilder sind nicht das gleiche, als wäre man dabei gewesen. Edward bemerkt meinen Gefühlswandel durch den tiefen Seufzer, der mir entfährt, und zieht mich in eine enge Umarmung.

Für einen Moment glaube ich, mir kommen die Tränen. Aber schon im nächsten Moment bleibt mir mein schon nicht mehr schlagendes Herz stehen, als eine mir sehr bekannte Melodie erklingt. Anhand, wie Edward ruckartig seinen Kopf zum Fernseher dreht, weiß ich, dass es ihm genauso geht.

Auf dem Bildschirm sieht man, wie die kleine Renesmee, ich schätze fünf Jahre jung, am Piano sitzt und ihre Finger über die Tasten fliegen. Gekonnt spielt sie ein Stück, das ich eigentlich nur von Edward kenne. Das war und ist noch immer sein Lied für mich. Was er mir vorspielte, als ich das erste Mal bei den Cullens zu Besuch war. Mein Lullaby.

TBC