couchkartoffel
Gut geträumt? Hoffe doch…
Hhmm.. Passt ja irgendwie zu diesem Kapitel…
Viel
Spaß
Renesmees Geheimnis
Bellas POV
Diese Melodie erweicht mein Gemüt. Das erste Entsetzen weicht einem stolzen Lächeln. Dennoch frage ich mich, wie Renesmee dieses Lied spielen kann. Nicht nur, dass sie in dem Alter so das Piano beherrscht. Erstaunen lässt mich und Edward, dass sie DIESES Lied spielt. Niemand außer uns beiden kennt es.
Sicher haben es die gesamten Cullens schon mal klingen hören, aber sie wussten nicht, dass es Edward für mich geschrieben hat.
Ich schaue Reneè an, die vor Rührung Tränen in den Augen hat. Es war wohl ein sehr intensiver Moment.
„Mom?", bitte ich sie um eine Erklärung.
Sie kommt auf uns zu und streicht Renesmee liebevoll über die Wange. Den Blick an mich gewandt, setzt sie sich auf die Couchlehne und bekommt ihr Lächeln nicht mehr aus dem Gesicht.
„Diesen Tag werde ich nie vergessen. Phils Schwester hatte Renesmee zu ihrem fünften Geburtstag dieses Klavier geschenkt. Allerdings interessierte sie sich nicht die Bohne dafür. Aber eines Morgens wurden Phil und ich von erst sinnlosem Geklimper geweckt. Innerhalb von Minuten spielte sie dieses Lied, als hätte sie nie etwas anderes getan. Plötzlich konnte sie Klavier spielen."
Dass wir uns alle überwältigt und verwundert anschauen, steht außer Frage. Wie ist das möglich? Klar ist meine Tochter etwas Besonderes, aber das, was da passiert war, ist ein Wunder. Oder doch nicht? Hat es etwas mit dem Vampirblut zu tun, das durch ihre Venen fließt? Es wäre für mich die einzige Erklärung.
„Sie hat nur dieses eine Lied gespielt. Wir haben versucht, sie dazu zu bringen, mal etwas anderes zu spielen, aber sie weigerte sich strickt dagegen. Es kam auch nur weitere dreimal vor, dass wir sie haben spielen hören, aber immer nur dieses Stück."
Ich denke, es ist an der Zeit, die anderen aufzuklären, denn sie starren uns an in der Hoffnung, wir wüssten mehr.
„Das ist unglaublich", sind meine ersten Worte.
„Unmöglich", folgt von Edward.
„Was? Warum schaut ihr so?", fragt uns Alice, die wohl noch nicht sehen kann, was wir gleich zu erzählen haben.
„Hast du nicht das Lied auch einige Male gespielt, Sohn?", kommt die nächste Frage von Esme, bevor wir die erste beantworten können.
Edward dreht sich mit einer Mixtur aus verschiedenen Gefühlen, zu Esme. An Jaspers verwirrtem Gesicht kann man sehen, wie viel verschiedene Gedanken und Gefühle durch unsere Köpfe geistern. Wie müssen gerade ein witziges Bild abgeben, denn so sprachlos waren wir noch nie.
„Edward, Bella? Erklärung, bitte", holt uns Rosalie aus den Gedanken.
„Das ist das Lied, welches ich für Bella geschrieben habe, als ich sie kennengelernte", findet Edward als erster seine Stimme wieder.
„Aber wie kommt dann Nes… Renesmee dazu, es zu spielen?", fragt Carlisle.
„Ich habe dafür keine Erklärung. Die Noten gibt es nur in meinem Kopf. Aufgenommen habe ich es auch nie. Es ist eigentlich unmöglich…."
Selbst meinem sonst so selbstsicheren Edward verschlägt es die Sprache.
„Aber wie ist das dann möglich?", fragt Reneè.
Sie hat sich zwar an mich gewandt, die Frage ging aber an alle. Doch keiner kann ihr darauf eine Antwort geben.
Plötzlich knallt die Eingangstür auf. Vor Schreck werfe ich mich Edward in die Arme, bis ich Emmett erkenne, über seine Schulter hängt ein großer Hirsch.
„Entschuldigt die Verspätung, aber hier in Phoenix findet man entweder nur Schlangen und so'n Zeug, oder es sind Massen von Touristen unterwegs. Musste schon den Bundesstaat verlassen", grinst Emmett.
Wahrscheinlich war ihm kein Tier genug für Renesmee. Er legt das tote, aber noch warme Tier ab, während Carlisle und Jasper alles vorbereiten, um dem Tier das so wichtige Blut abzuzapfen.
Da Phil noch immer nicht zurück ist, wollen wir es erstmal mit dem Blut des Hirsches versuchen. Renesmee geht es immer schlechter, wir müssen jetzt schnell handeln. Esme hilft mir, sie etwas aufzusetzen, wobei ihr Wimmern immer lauter wird. Es sind nicht die Schmerzen, sondern eher die Schwäche, die sie so fertig macht.
Carlisle hat nun ein Glas vorbereitet und hält es ihr an den Mund. Reneè redet Renesmee zu, etwas zu trinken, doch diese weigert sich, trotzdessen sie kaum wach ist, vehement. Ich schließe die Augen, als Reneè nun etwas rabiater Renesmees Mund hält. Mittlerweile versteht sie, dass es notwendig ist.
Irgendwie schaffen sie es, dass Renesmee ein Glas von dem so wichtigen Elixier trinkt. Im ersten Moment sieht auch alles noch ganz gut aus. Sie sinkt zurück in die Kissen, ihr Zittern nimmt ab. Doch plötzlich schießt sie hoch und rast in Vampirgeschwindigkeit in das kleine Gästebad.
Während Reneè und ich uns geschockt anstarren, folgen Carlisle, Rosalie und Edward unserer Tochter ins Bad. Es ist unüberhörbar, dass sie sich übergibt. Und als ich ebenfalls am Bad ankomme, bricht es mir ein weiteres Mal das Herz, als Renesmee über der Toilette gebeugt würgt und Rosalie ihr die Haare nach hinten hält, während Edward sie festhält, damit sie nicht fällt.
Als nichts mehr da war, was hätte raus kommen können, trägt Edward Renesmee ins Wohnzimmer und will sie auf das Sofa legen, doch Renesmee krallt sich urplötzlich um seinen Hals und will ihn nicht mehr loslassen. Hilfesuchend sieht er mich an, doch ich zucke nur grinsend mit der Schulter. So legt er sich mit ihr auf das Sofa, Renesmee in seinen Armen.
„Phil ist in zwei Minuten da", lässt uns Alice wissen.
Doch ich kann meinen Blick nicht von dem Bild lassen, was sich vor mir bietet. Mein Mann, mit unserer Tochter im Arm. Wie lang habe ich darauf warten müssen. Edward hat sich in seine Situation auch reingefunden und scheint sogar Gefallen dran gefunden zu haben. Zumindest spricht sein Lächeln bände.
Kurz hoch geschaut zu Emse, sehe ich das gleiche stolze Lächeln, wie es Edward und wahrscheinlich auch ich inne habe. Aber schnell werden wir zurück auf den Boden geholt, als Renesmee anfängt zu zittern. Diesmal am ganzen Körper.
Phil ist mittlerweile eingetroffen und Carlisle bereitet alles vor. Ich hoffe, nein ich flehe, dass Renesmee diesmal anders reagiert und sie das Menschenblut verträgt. Trotz des Zitterns, ist es diesmal viel einfacher, Renesmee das Blut einzuflößen, zu geschwächt sich dagegen zu wehren.
Alle im Raum warten gespannt, dass sich etwas tut. Ihre Reaktion ist diesmal tatsächlich anders. Ihr Körper entspannt sich völlig, selbst der Griff um Edward lässt nach, dessen Blick traurig wirkt, als der Kontakt abreißt. Renesmees Atmung normalisiert sich wieder. Und schneller als gedacht, fällt ihre Körpertemperatur auf ein gesundes Maß. Aber nicht auf die eines normalen Vampirs.
Nach einigen Minuten bangen, löst sich die krampfhafte Stille in ein erleichtertes Ausatmen. Selbst Phil und Reneè schienen so lang die Luft angehalten zu haben.
„Es scheint alles wieder normal zu sein. Also für Renesmees Verhältnisse. Sie schläft", informiert uns Carlisle.
„Ich denke ihr Vampire schlaft nie", wirft Phil ein.
„Das stimmt auch. Aber Renesmee ist halb Mensch halb Vampir. Sie hat Eigenschaften beider Spezies. Sie wird sicher nicht mehr soviel Schlaf brauchen wie ein Mensch. Warum bringt ihr sie nicht hoch in ihr Zimmer?"
„Damit sie wieder stiften geht?", kommt es von Alice.
„Wir bleiben bei ihr", finde ich meine Stimme wieder.
„Warum lasst ihr sie nicht einfach liegen, wo sie jetzt ist. Sie sieht zumindest sehr entspannt aus und Edward scheint es auch so gut zu gehen", sagt zu aller Überraschung Reneè, die sich mittlerweile sehr gefasst verhält.
Und so liegen dann die beiden auch, mehrere Stunden. Ich sitz auf dem Boden und spüre, wie Edward meinen Nacken massiert. Allerdings schaue ich gespannt auf den Bildschirm, denn dort laufen weiter Videos von Renesmee.
Ich bekomme mein Lächeln gar nicht mehr aus meinem Gesicht, so rühren mich diese Bilder. Aber es schmerzt gleichzeitig, zu wissen, dass ich hätte dabei sein müssen und diese besonderen Momente in Renesmees Leben verpasst habe.
Mittlerweile ist der Nachmittag angebrochen, Reneè und Phil schlafen auf der kleinen Couch. Mich wundert, dass sie nicht schon eher einschliefen, schließlich waren die letzten Stunden aufregend und anstrengend genug.
Hinter mir kommt plötzlich Bewegung auf.
„Sie wacht auf", flüstert Edward leise.
Die Vampire unter uns schrecken sofort hoch, unser Blick auf Edward und Renesmee gerichtet. Reneè und Phil bekommen erst nichts mit, werden aber von Esme sanft geweckt. Noch läuft alles ganz normal, als sie ihre Augen öffnet. Doch als sie sieht, in wessen Armen sie liegt, schreckt sie hoch und fällt von der Couch.
Ich will ihr auf helfen, doch sie wehrt sich vehement und sucht den Abstand zu uns Vampiren, nähert sich aber auch nicht ihren bis dahin geglaubten Eltern. Sie stellt sich aufrecht und schaut einmal durch das Wohnzimmer in alle Gesichter. Ihr Blick ist nicht mehr geschockt, wie noch vor einer Minute, sondern eher….. ernüchternt?
„Also ist es diesmal doch kein Traum", sagt sie niedergeschlagen und senkt den Kopf.
„Diesmal?", frage ich und gehe langsam auf sie zu, um sie nicht unnötig zu ängstigen.
Doch bevor ich sie erreiche rennt sie die Treppe hinauf. Edward und ich wollten hinterher laufen.
„Ihr könnt da bleiben. Ich lauf nicht wieder weg. Hat eh keinen Zweck vor der Wahrheit davon zu laufen", sagt sie noch und verschwindet in ihrem Zimmer.
Wir schauen uns alle verwirrt an. So wie Reneè und Phil gucken, haben sie auch keinen blassen Schimmer, was das gerade war.
Edward will wieder hoch laufen um nachzusehen, doch ich halte ihn auf. Ich vertraue Renesmees Worten. Sie wird gleich wieder zu uns kommen und uns hoffentlich aufklären. Vielleicht erfahre ich auch so, warum sie so seltsam reagiert hatte, als wir ihr alles erzählten. Manche Details schockten sie gar nicht.
Und wie von mir erwartet kommt Renesmee wieder. Nur hat sie jetzt eine Truhe im Arm, die ihr normalerweise hätte viel zu schwer sein müssen. Deshalb kann ich Reneès und Phils geschockte Gesichter zu gut verstehen. Sie stellt die Truhe auf den Wohnzimmertisch, der unter dem Gewicht fast zusammen bricht.
„Ist das nicht die Truhe aus deinem Schrank?", fragt Reneè.
„Genau. Ich hab sie nie einen Zentimeter bewegt bekommen", stellt sie erstaunt fest.
Kein Wunder, die Truhe besteht aus massivem Eichenholz. Selbst für Emmett wäre sie zu schwer, wäre er noch ein Mensch.
Renesmee zieht eine Kette unter ihrem Shirt hervor, an der ein Schlüssel ist, der wohl zur Truhe gehört. Und ich liege richtig, als sie den Deckel hebt. Was da wohl drin ist?
Ich habe mit einigem gerechnet, aber nicht mit den Heftern, die sie in ihren Händen hält. Und schon gar nicht damit, dass sie anfängt sie auszuteilen. Jeder bekommt einen. Erst Rosalie, dann Alice, Jasper, Emmett, Esme und Carlisle. Ich sehe, wie Rose ihren öffnet und sich die Hand vor den Mund schlägt. Ein Anblick, den ich von ihr noch nie gesehen habe. Genauso wenig, wie von den anderen fünf, die es Rosalie gleich tun.
Renesmee stellt sich vor mich und Edward und gibt uns ebenfalls einen Hefter. Nach den Reaktionen der Anderen, traue ich mich gar nicht, hinein zu schauen. Zu recht. Als ich meinen Hefter öffne, sehe ich ein selbstgemaltes Bild. Ein Portrait von mir. Aber wie ist das möglich? Renesmee hat mich nie zuvor gesehen. Außer bei ihrer Geburt. Aber es ist unmöglich, dass sie sich diese genauen Details, die man auf dem Bild sehen kann, merken konnte.
Ich schaue kurz rüber zu Edward, der gerade auf ein Bild von sich blickt. Alice zeigt mir ihr Bild ebenfalls. Es sieht aus, fast wie ein Foto. Und wo ich jetzt Alice Bild sehe, weiß ich, dass Renesmee es sich nicht von den kurzen Momenten nach ihrer Geburt merken konnte, da sie Alice gar nicht gesehen hatte.
Renesmee blickt uns derweil nervös an. Ich denke, sie will selbst endlich los werden, was das alles auf sich hat, doch lässt sie uns erstmal die Zeit, uns die Hefter etwas genauer anzusehen. Auf dem nächsten Blatt ist wieder ein selbstgemaltes Bild und dieses lässt meine Augen brennen, vor nicht kommen wollenden Tränen.
Darauf sind Edward und ich zusehen und in meinen Arme halte ich die paar Tage alte Renesmee. Ich kann mich genau an diesen Moment erinnern, denn Minuten später übergab ich Renesmee an Reneè. Das war das letzte Mal, dass ich Renesmee gesehen hatte.
„Das ist nicht möglich", höre ich von Esme, die es zwar sehr leise flüsterte, doch für uns nicht zu überhören.
Ähnliches kommt auch von den anderen. Und ich verstehe weshalb. Auf den nächsten Seiten sind Notizen, Texte die mein gesamtes Leben widerspiegelten, seit dem ersten Treffen mit Edward. Es ist so detailliert, an manche Dinge kann ich mich selber nicht mehr erinnern. Auch aus den letzten Jahren in Denali ist viel geschrieben. Woher sollte sie diese Details kennen?
„Ich hab das Gefühl, meine FBI Akte in den Händen zu halten", kann Emmett noch flachsen.
Rosalie hingegen scheint es nicht so lustig zu finden. Sie schaut irgendwie… verlegen?
„Rosalie und Emmetts Liebe ist sehr körperlich…", beginnt sie vorzulesen und macht an einem anderen Absatz weiter und ich kann sehen, wie Rose Augen anfangen zu glühen. Aber nicht vor Wut.
„Ihr Haar ist so wunderschön blond. Ihr Gesicht so samt und glänzend. Ich habe nie ein schöneren Menschen gesehen…"
Das macht selbst Renesmee verlegen.
„Er verkörpert das, was ich mir unter einen großen Bruder vorstelle. Wenn ich von ihm träume, fühle ich mich sicher, warum auch immer", liest Emmett aus seinem Hefter vor und so langsam kommt Licht ins Dunkle.
„Wenn Alice erscheint, habe ich am nächsten Tag immer gute Laune. Ich sehe sie fast immer strahlen. Ihre Shopping Sucht ist meiner definitiv überlegen", liest Alice mit einem breiten Grinsen, den auch Reneè folgen muss.
„Ach Jasper. Irgendwie ist er ja niedlich. Seine Augen haben was Verletzliches, aber auch etwas sehr Anziehendes. Kein Wunder, dass Alice so verliebt in ihn ist. Die beiden sind ein süßes Paar."
Jasper kommt leicht ins Stottern, als er die Komplimente Renesmees liest. Und auch Carlisle scheint es unangenehm zu sein, zu lesen, was bei ihm steht. Dennoch liest er es vor.
„Ich hoffe, Scottie und ich werden uns später noch genauso lieben, wie es Carlisle und Esme tun. Es ist beeindruckend, wie verbunden sie miteinander sind. Die kleinen Gesten, die sie sich immer noch zu werfen. Ein Zwinkern hier, ein flüchtiges Streicheln beim aneinander Vorbeigehen da, oder wenn Esme ihre Hand auf seinen Oberschenkel legt, unterm Tisch, wenn sie gemeinsam mit der Familie irgendwo sind.."
Oh wenn die beiden doch noch rot anlaufen könnten, sie würden gleich platzen vor Scham. Ihre ‚Kinder' finden es einfach nur zum Lachen.
„Edward ist mysteriös. Aus ihm werde ich nicht schlau. Was ich definitiv weiß, ist, dass er Bella über alles liebt und sein Leben für sie lassen würde. Er mag gut aussehen, aber aus irgendeinem Grund zieht es mich nicht an. Obwohl er so atemberaubend aussieht…"
Das ist gut zu wissen, denn wenn sie auch ihren Vater anziehend finden würde, hätten wir ein Problem. Aber von dem, was ich gehört und gesehen habe, hat sie nur Augen für ihren Freund Scott.
Ich denke nun bin ich an der Reihe etwas vorzulesen, auch wenn es mich momentan mehr danach drängt, zu wissen, woher sie diese Details kennt.
„Wenn ich Bella sehe, denke ich, in einen Spiegel zu blicken. Die Haare, die Augen, selbst in vielen Gesichtszügen sehe ich mich in ihr wieder. Sie und Edward erinnern mich auch sehr an Scottie und mich. Wie er sie behandelt, als gebe es keinen anderen Mensch mehr auf der Welt. Sein Drang, sie zu beschützen ist beängstigend, aber ich kenne es zu gut. Dennoch geben mir die zwei viele Rätsel auf. Wo ist das Kind geblieben, was Bella in ihren Armen hielt?"
Mehr kann ich nicht lesen. Zu sehr schmerzt es mir.
„Woher weißt du das alles? Hier stehen Sachen drin, die weiß ich nicht mal selber von mir?", fordert Emmett.
Renesmee schreckt ein wenig zurück, bei Emmetts forscher Frage. Aber sie scheint, seine Haltung zu verstehen und entspannt wieder. Erschöpft lässt sie sich in den Sessel zurückfallen und vergräbt ihr Gesicht in ihre Hände. Ihr scheint es nicht leicht zu fallen, darüber zu reden.
Bevor Reneè es schafft, stehe ich auf und setze mich auf die Lehne des Sessels. Ich lege vorsichtig meine Hand auf ihre Schulter. Vorsichtig, weil ich Angst habe, dass sie vor meiner Berührung zurückschreckt. Das würde mehr schmerzen, als das, was James mir damals angetan hat. Drum bin ich erleichtert, als sie die Berührung ohne jegliches Zucken zulässt.
„Egal, was es ist, Renesmee. Bitte erzähl es uns, damit wir das alles besser verstehen können. Keiner wird dich von uns verurteilen. Du brauchst keine Angst haben."
Sie sieht zu mir auf und ich bin mehr als überrascht, als ich die Tränen in ihren Augen sehe. Ich kann mich nur wiederholen. Renesmee ist definitiv anders, als alle anderen. Ihre Tränen machen mich gleichzeitig traurig. Wie viel Schmerz und Leid musste sie wegen uns schon ertragen?
Sie schaut mich überrascht an, als ich meine Hand an ihre Wange lege und ihre Tränen weg wische. Sie lässt es aber zu, womit ich nicht gerechnet habe. Dieses Gefühl ist unbeschreiblich. Und es steigert sich noch, als sie mir direkt in die Augen sieht.
„Ich habe Träume", schluchzt sie.
„Seit ich denken kann, träume ich von euch. Nur von euch. Jede Nacht sehe ich euch und eure Geschichten. Als würde des Nachts in meinem Kopf eine TV-Sendung laufen, nur mit dem Unterschied, dass dieses Fernsehen Gefühle überträgt, wie Schmerz und Leid, Liebe und Freud."
„Warum hast du uns nichts davon erzählt?", unterbricht Reneè Renesmee.
Renesmee lacht darauf höhnisch und verzieht schmerzvoll ihr Gesicht.
„Mom.. Ich meine Reneè", fängt sie verzweifelt an.
Ihr fällt schwer, die richtige Bezeichnung zu finden.
„Sag Grandma, Schatz", hilft Reneè, doch auch damit scheint sich Renesmee nicht wohl zu fühlen.
„Was hätte ich machen sollen? Ich bin schließlich davon ausgegangen, es wären nur Träume und nicht, dass es wahr ist. Versetzt euch in meine Lage. Ich dachte, ich wäre verrückt und ihr würdet mich in ne Klapse stecken."
Eine beklemmende Stille tritt ein, denn niemand will sich wohl in Renesmees Lage versetzen. Und ich will es genauso wenig, denn der Schmerz, den Renesmee davon trug, ist eindeutig in ihrem Gesicht zu erkennen.
Ich kann nicht anders, als sie in meine Arme ziehen. Sie will sich erst wehren, doch ich verstärke meine Umarmung und sie gibt nach. Ich spüre, wie ihre Tränen meine Shirt durchnässen und ihr Schluchzen stärker wird. Mein sanftes Kreisen über ihren Rücken nimmt sie wahrscheinlich nicht wahr, aber es beruhigt mich ein wenig.
Reneè kommt auf uns zu und nimmt uns beide in den Arm. Auch ihre Tränen spüre ich deutlich. So langsam wird mir erst das Ausmaß, welches wir angerichtet haben, klar. Aber was hätte ich tun sollen? Ich wollte doch nur das Beste für meine Tochter.
TBC
