Lebenswandel

Renesmees POV

Ein paar Tage zuvor

Noch nie in meinem Leben fühlte ich mich so elend wie heute. Was ist nur los mit mir? Vor ein paar Minuten bin ich noch mit Scott am kuscheln und im nächsten Moment habe ich das Gefühl zu verbrennen.

Klar macht Scottie mich heiß, aber so schlimm war es noch nie. Beziehungsweise war es nie schlimm, sondern sehr viel mehr angenehm.

Ich bin nur froh, dass wir schon bei mir zu Hause sind, denn irgendwie wird es immer schlimmer. Ich nehme kaum mehr wahr, wie Scott nach mir ruft, denn mein Blick, aber auch meine Gedanken sind völlig verwaschen. Seine Worte kommen zwar laut, aber unverständlich bei mir an.

Ich spüre, dass nun auch meine Eltern da sind. Auch ihre Worte verstehe ich kaum. Nur, dass sie Scott weg schicken. Aber warum? Ich brauch ihn doch. Ich würde am liebsten aufspringen und ihn zurück holen, aber ich schaffe es nicht mal mehr meine Augen zu öffnen.

Sekunde für Sekunde habe ich das Gefühl weiter abzudriften. Und schon bald bin ich wieder in meiner Traumwelt, die für mich oftmals, so real rüber kommt, als wäre es echt. Immer die gleichen Figuren. Immer wieder geht es um diese acht schönen Geschöpfte, die aussehen wie Menschen, sich aber nicht wie sie verhalten.

Ich weiß nicht wie lange ich weg war, aber irgendwann höre ich die Stimmen meine Eltern. Der Versuch meine Augen zu öffnen, scheitert kläglich. Mir ist immer noch so heiß, dass ich das Gefühl habe in mir tobt ein Feuer. Meine Muskeln schmerzen, als hätte 24 Stunden im Fitness Studio verbracht.

Und plötzlich fühle ich etwas Wundervolles auf meiner Stirn. Hätte nie gedacht, dass ein feuchtes Tuch, mir solche Freude bereiten kann. Es lässt mich jedenfalls etwas klarer denken, auch wenn ich es noch immer nicht schaffe, meine Augen zu öffnen.

Waage nehme ich wahr, was meine Eltern bereden. Wow. 45°C. Ich muss wirklich krank sein.

Das Bett bewegt sich und ich spüre die Lippen meines Vaters an meiner Wange. Dies erkenne ich sofort, denn ohne seinen obligatorischen Kuss, kann ich abends gar nicht einschlafen.

Ja ich weiß, ich weiß. Das ist eigentlich was für Kinder, aber ich liebe meinen Dad nunmal, genau wie meine Mom. Außerdem weiß niemand davon. Nicht mal Scott.

Die nächsten Worte sind wieder sehr verschwommen. Aber was ich merke, ist, dass meine Eltern seit langem mal nicht einer Meinung sind. Ich höre nur noch Worte wie, Großvater, Krankenhaus, Bella, Cullens. Warte mal. Bella? So heißt doch das Mädchen aus meinen Träumen?

Oh man. Ich muss wirklich kranker sein, als ich dachte. Am besten ich versuche einfach weiter zu schlafen, damit ich schnell wieder gesund werde und nicht noch verrückt werde.

Herrlich. Dad muss mich in die Wanne getragen haben, denn dort wach ich kurz auf. Kaltes Wasser um mich herum, was sich für mich für einen Moment der Erlösung anfühlt. Es tut so gut, dass ich schnell wieder in den Schlaf drifte.

Das nächste Mal, als ich aufwache, schaffe ich es zwar erneut nicht meine Augen zu öffnen oder sonst irgendwelche Glieder zu bewegen, aber dennoch spüre ich, dass nun mehr Leute im Raum sind. Jemand betatscht mich, schiebt mir was in den Mund. Vielleicht ist es ein Arzt.

Wieder sind die Worte sehr verschwommen die ich höre. Er meint doch nicht 51°C, oder? Nee dann müsste ich ja schon tot sein.

Was dann passiert, macht mir Angst. Jemand schreit laut nein und eine andere Person lässt sich auf mich nieder. Nicht zu doll, so, als würde die Person mit mir leiden. Zumindest lässt mich das schluchzen drauf schließen. Aber wer ist das? Die Haare die ich im Gesicht spüre gehören jedenfalls nicht zu meiner Mom.

Dann höre ich nur Dads aufgeregt Stimme, wie ich sie das letzte Mal bei der Party gehört habe. An den Tag möchte ich gar nicht denken.

Sie ist nicht DEINE Tochter."

Das war nicht mein Dad. Aber was hat das wieder zu bedeuten?

Sie wird eine von uns", ist das nächste, was ich klar verstehe und so langsam mache ich mir Sorgen um meinen Verstand.

Ich höre nur noch einmal die überbesorgte Stimme meiner Mom, spüre kurz danach einen Stich und drifte zurück in einen tiefen Schlaf.

Dieses schmerzverzerrte Gesicht von Bella. Edward steht hinter ihr, seine Hand sanft und stützend an Bellas Rücken haltend. In ihren Armen liegt ein Baby. Ihr Baby.

Sie legt es jemanden in die Arme. Das Gesicht der Frau nicht zu erkennen, streicht Bella liebevoll über die Wange.

Ich liebe dich Renesmee. Wir werden dich immer lieben", sagt nicht die Frau, sondern Bella.

Woah. Schon wieder einer dieser Träume. Aber noch nie, hatte Bella diese Worte gesagt. Das sie meinen Namen sagte, war sicher nur ein Zufall. Schließlich ist es ja auch mein Traum.

Ich fühle mich schon viel besser. Wie lange habe ich wohl geschlafen?

Nur langsam mache ich die Augen auf. Die Angst, es erneut nicht zu schaffen, lässt dies wie in Zeitlupe geschehen. Selbst das gedimmte Licht blendet mich und es dauert einen Moment, bis ich mich daran gewöhnt habe.

So langsam bemerke ich, wie gut ich mich fühle. Ich kann wieder meine Arme bewegen, wo ich mir gleich mal mit der Hand an die Stirn fasse. Das letzte Mal als ich das tat, brannte es wie Feuer, aber diesmal ist die wärme angenehm normal.

Zeit aufzustehen. Ich setzte mich auf und merke erst jetzt, dass ich doch nicht allein im Raum bin. Aber es ist nicht meine Mutter, sondern dieses wunderschöne Mädchen oder sollte ich eher Frau sagen, aus meinen Träumen. Aber, wie..???

Ich glaube sie sieht mir an meinem verdatterten Gesicht an, wie irritiert ich bin, denn sie lächelt mir einfühlsam zu. So, wie sie mal in meinen Träumen dem Baby in ihren Armen zu gelächelt hat.

„Wer bist du?"

Bitte sag nicht Rosalie. Bitte sag nicht Rosalie. Bitte….

„Ich bin Rosalie."

Nein! Ok Renesmee ganz ruhig. Du bist wahrscheinlich nur noch immer im Fieberwahn und bist am träumen.

„Und was machst du hier?", frag ich sie mal.

„Das erkläre ich dir am besten, mit allen Anderen. Sie warten im Wohnzimmer."

Schluck. Aber doch nicht etwa DIE Anderen.

„Die Anderen?"

„Komm, Renesmee. Sie warten unten. Dann wird sich alles aufklären."

„Woher kennst du meinen Namen?"

„Ich war bei deiner Geburt dabei und habe mich um dich gekümmert, als es deiner Mutter noch nicht so gut ging."

„Oh. OK."

Nichts ist OK. Wie kann sie bei meiner Geburt dabei gewesen sein? Was ist hier nur los? Hoffentlich sind Mom und Dad da. Muss zugeben, dass mir gerade sehr mulmig ist. Scott würde mir jetzt gut tun. Wenn er bei mir ist, habe ich nie Angst. In seiner Gegenwart fühle ich mich einfach sicher und geborgen.

Ich ziehe mich fix um, denn was immer mich da unten erwartet, muss ich nicht mit meinen verschwitzten Schlafklamotten den Leuten gegenüber treten. Als ich mir mein Shirt übern Kopf ziehe, wird mir leicht schwindelig. Nur dank Rosalie lande ich nicht auf dem Boden. So langsam verliere ich die Hoffnung, dass es ein Traum ist. Aber wenn es kein Traum ist, warum geht es mir, bis auf das kleine Schwächeln eben so gut?

Wir gehen die Treppe runter und Rosalie lässt mich nicht los. Ist vielleicht auch gut so, denn selbst das kurze Stück schlaucht mich. Erst als ich die letzten Stufen erreiche, sehe ich, wer alles in unserem großen Wohnzimmer sitzt. Ich habe es fast geahnt, aber immer noch gehofft, dass es nicht Bella, Edward, Carlisle, Esme, Emmett, Alice und Jasper sind. Aber vielleicht heißen sie ja auch gar nicht so.

„Mom?"

Vielleicht gibt sie mir eine Erklärung. Sie springt schnell von der Couch auf und läuft auf mich zu. Ihr Gesicht irgendwie merkwürdig. So kenne ich sie nicht. Klar hat und macht sie sich Sorgen, aber selbst dann schafft sie es zu lächeln.

Ich frage sie, wer die Leute sind, aber meine Eltern wissen es mal wieder unangenehme Sachen weiter zu schieben. Und dass ihnen irgendetwas unangenehm ist, sehe ich sofort.

Als ich ihnen sage, dass ich Durst habe, schauen mich vor allem die Besucher geschockt an.

„Was ist denn los? Warum seid ihr alle so angespannt? Hab ich in meinem Fieberwahn was Dummes angestellt?"

Dad macht ein überaus seltenes ernstes Gesicht und sagt mir das ich nichts angestellt habe. Was ihn aber wieder etwas zum lächeln bringt, ist mein Bitte nach einem Sandwich und mein leichtes blinzeln. Ich weiß wie ich meinem Daddy um den Finger wickeln kann. Nicht das ich das immer ausnutze.

Als ich ein knurren hören, drehe mich auf der Suche nach meinem süßen Wollknäul.

„Wo ist Emmy, Mom?"

„Er ist im Garten. Er war etwas nervös bei den vielen Gästen."

Kein wunder. Das bin ich auch.

Ich stehe auf, um meinen Süßen rein zu holen, ich hasse es, wenn er das draußen ausharren muss, falle ich auch schon wieder zurück auf die Couch. Hui. Was immer ich auch hatte, hat seine Spuren hinterlassen. Aber der Drehwurm ist schnell weg. Stattdessen steht dieser Halbgott, mit den blonden Haaren vor mir und redet mit mir.

„Sind sie Arzt oder so?"

Sag bitte nicht ja. Sag bitte nicht ja. Sag bitte…

„Ja. Dr. Carlsile Cullen."

Verdammt.

„Oh. Äh…. Cooler Name."

Renesmee du wirst verrückt. Das ist alles nicht wahr. Toll jetzt führe ich schon in meinem Kopf Selbstgespräche. Ich bin verrückt.

Unterbrochen wird mein ‚Gespräch' von Emmy, der wie ein Irrer, nein nicht zu mir, sondern zu diesem großen Kraftprotz zu läuft und bellt, als hätte er ihm auf den Schwanz getreten.

„EMMY", rufe ich.

Mein braver Junge hört und sieht mich treu doof an. Langsam trottet er auf mich zu und legt seinen Kopf auf meinen Schoss. So kriegt er mich immer.

Dad bringt mir mein Lieblingssandwich. Natürlich ohne die Rinde. Das hat er sich nach den vielen Jahren Gemecker endlich gemerkt.

„Warum hast du deinen Hund Emmy genannt?", fragt mich der große Typ.

Tja. Was sag ich ihm. Das ich den Hund nach ihm benannt habe, weil ich, wenn ich von ihm Träume, mir immer wünsche einen großen Bruder wie ihn zu haben? Aber erstmal will ich alle Namen wissen, auch wenn ich sie wohl sicher schon kenne. Und so kommt es auch, als der Doc mit alle vorstellt. Genau wie in meinen Träumen. Träum ich denn noch immer.

Plötzlich sticht es in meinem Kopf, al hätte jemand ein Messer in meinen Schädel gestochen. Es ist kaum auszuhalten. Aber genauso plötzlich wie es gekommen war, ist es plötzlich weg. Was passiert nur mit mir?

Bella, Edward, Japser und Alice werfen sich fragende Blicke zu. So langsam geht mir diese Heimlichtuerei gegen den Strich. Irgendwas stimmt hier nicht. Wenn sie mal nicht sogar wissen, was es mit meinen Träumen auf sich hat.

„Mag mir jetzt vielleicht mal jemand erklären, was hier vor sich geht? Es ist schließlich nicht normal, dass ein Arzt gleich sein ganzes Personal mit bringt. Und ihr seht auch nicht gerade alt genug aus, als würdet ihr schon arbeiten", fordere ich.

„Wir sollten ihr es endlich erzählen", sagt Bella, die mir direkt in die Augen schaut.

„Was erzählen? Bist du so was wie eine Schwester?"

Denn das habe ich immer in ihr gesehen. Sie sieht mir so verdammt ähnlich, dass es mir schon unheimlich ist.

„Nein, nicht deine Schwester", sagt sie in einem bitteren Ton.

„Ich bin deine Mutter."

„Bitte was?", schießt es aus mir raus.

Das ist doch wohl ein mächtig großer Scherz, der überhaupt nicht witzig ist.

„Ich bin deine Mutter."

„Ja, klar", lasse ich meinen Sarkasmus sprießen.

„Ich bin noch im Fieberdelirium, oder? Das ist alles nur ein Traum."

Denn was anderes kann das das doch alles nicht sein. Mom ist meine Mom.

„Nein."

Geschockt sehe ich zu meiner Mutter. Das hat sie gerade nicht wirklich gesagt.

„Bella ist deine Mutter", sagt sie mir unter Tränen.

Auch mir kommen jetzt die Tränen, vor Angst, Panik. Was passiert hier gerade?

„Was? Wie soll das möglich sein, Mom. Sie ist doch genau so alt wie ich."

„Meine Gestalt mag so aussehen, als wäre ich sie so alt wie du, dennoch bin ich viel älter."

Was erzählt sie da für einen Unsinn. Denkt sie ich glaub noch an Märchen und dem Weihnachtsmann?

„Bist du in einen Jungbrunnen gefallen, oder wie?", kann ich mittlerweile meine Wut nicht mehr unterdrücken.

Es braucht viel, diese Seite bei mir zum Vorschein zu bringen. Aber ich hab jetzt echt genug. Kann nicht mal mehr neben meinen Eltern sitzen, die bei dem ganzen Spiel mitmachen. Sind sie denn überhaupt meine Eltern?

„Kein Jungbrunnen", sagt mir Bella.

„Was dann?", will ich endlich wissen.

„Setzt dich bitte. Das ist eine längere Geschichte."

„Nein, Danke. Ich stehe lieber."

Bestimmt setzte ich mich nicht. Im stehen kann ich schneller flüchten, denn das will ich nur noch. Ganz schnell hier raus.

„Du bist noch geschwächt, bitte."

Trotz meiner Wut, kann ich die Besorgnis in ihrer Stimme hören. Na gut. Ich setzt mich, aber nur um endlich die Wahrheit zu erfahren. Aber ich setzte mich nicht zu meinen, ja was sollen sie denn jetzt sein, wenn sie nicht meine Eltern sind.

Bevor ich weiter nachdenken kann, fängt Bella an zu erzählen.

„Vor circa 20 Jahren bin ich nach Forks gezogen, weil ich meiner Mutter Reneè und ihrem neuen Mann Phil etwas Zweisamkeit schenken wollte."

Bitte… Was? Reneè ist ihr Mom? Das wird ja immer besser und besser. Mom, nein ich kann sie nicht mehr Mom nennen. Reneè will mit ihrer Hand trösten, so wie sie es immer tat. Doch das würde im Moment alles nur noch schlimmer machen und ich ziehe meine Hand vor ihr weg. Ihr schmerzenden Blick ist mir natürlich nicht egal, aber ihr Schmerz, ist gegen meinen einen winziger Klacks.

„Dort in Forks lebte ich bei meinem Dad Charlie, deinem Großvater."

Und noch jemand kommt in den Kreis der Verrückten. Jetzt habe ich sogar einen Großvater. Moment ich habe jetzt sogar Großeltern. Bis jetzt hatte ich ja keine. Nur schade, dass ich mich nicht drüber freuen kann.

„In der High School lernte ich diesen geheimnisvollen Jungen kennen. Ich war so fasziniert von ihm, dass ich nicht merkte, in welcher Gefahr ich bei ihm schwebe. Dass er mich aber gleichzeitig genauso anziehend fand, wusste ich ebenso wenig. So nach und nach, entdeckte ich weitere Merkwürdigkeiten an ihm. Seine Augen wechselten die Farbe, seine Haut eiskalt, er war so schnell und geschickt. Bis ich wusste, er ist ein Vampir."

OK. Jetzt wird's lächerlich. Ein Vampir? Die sind doch nur ein Mythos. Komm schon. Aber so wie sie es erzählt, ohne mit der Wimper zu zucken, gar ein Lächeln im Gesicht, fühlt es sich so wahr an. Aber das kann doch nicht sein.

„Wir haben uns ineinander verliebt", sagt sie und schaut Edward verliebt an, so sie es in meinen Träumen auch immer tun.

„Wir haben geheiratet und… Na du weißt schon. Eins kommt zum anderen. Als ich mit dir schwanger war, gab es einige Komplikationen, deshalb musste mich dein Vater verwandeln und ich wurde zum Vampir. Du hingegen zeigtest keine Anzeichen, dass du ein Vampir bist. Schnell fand Carlisle heraus, dass du zum größten Teil ein Mensch bist."

Das ist doch alles nicht wahr. Bitte schlag mich jemand, dass ich aus diesem Albtraum erwache.

Als hätte es wirklich jemand getan, kommt erneut dieser stechende Schmerz in meinem Kopf. Er ist so extrem, dass es nur real sein kann.

„Dadurch, dass durch deine Adern menschliches Blut floss, warst du in zu großer Gefahr, um bei uns zu leben. Deswegen befanden wir es für sicherer, dass du bei Reneè und Phil aufwächst, um ein menschliches Leben führen zu können."

OH MEIN GOTT. Sie haben mich damals weg gegeben? Jetzt weiß ich auch, wer die Frau war, die Bella das Baby gab. Und das Baby war ich. Jetzt macht alles einen Sinn.

Aber moment.

„Floss?"

„Was meinst du?"

„Du hast gesagt, durch meine Adern floss menschliches Blut", sage ich energisch.

Was will sie damit andeuten?

Sie scheint aber keine Antwort raus zu kriegen. Stattdessen kommt Edward, mein Vater, auf mich zu. Ich weiche daraufhin etwas zurück. Wenn alles wahr ist, ist er immerhin ein Vampir. Er scheint es zu merken und geht vor mir auf die Knie.

„Das Fieber, was du die letzten Tage hattest, war keine Krankheit, es war ein Symptom von vielen, dass du eine von uns wirst. Ein Vampir."

Nein. Nein. Wach endlich auf Renesmee. Das kann nicht real sein.

„Das ist nicht wahr. Ihr verkohlt mich doch. Das ist alles nicht wahr. Mom? Dad?", doch meine Eltern, zumindest glaubte ich es seien meine Eltern schauen nur betrübt zu Boden.

Das heißt doch nicht etwa, dass dieser ganze Kram wahr ist.

Ich schaue zu Bella, meiner Mutter, und schon im nächsten Moment steht sie neben mir. Die Geschwindigkeit, mit der sie auf mich zu kam, war alles andere als normal. Sie sagt mir auch nochmal, dass es kein Scherz ist. Aber das kann einfach nicht sein.

Ich merke, wie sich meine Wangen immer mehr mit Tränen bedecken. Das ist ein einziger Albtraum. Ich muss hier ganz schnell raus, bevor ich zusammenbreche. Scott.

„Ich.. Ich geh auf mein Zimmer."

Doch ich komme nicht weit, weil Edward mich erst mit Worten und dann mit seiner Hand aufhält. Ich habe aber keine Lust mehr mir weiter diesen Quatsch anzuhören. Eigentlich will ich ihn nur abschütteln. Als ich das tue, fliegt er im hohen Bogen durch die Wohnung. Was, wie habe ich das gemacht?

Oh Gott. Er kommt zurück. Sicher wird er sich jetzt rächen, doch er lächelt mich an. Ich versteh die Welt nicht mehr.

„Hab keine Angst Renesmee. Ich würde dir nie etwas antun. Meiner eigenen Tochter könnte ich doch kein Haar krümmen."

Hat er mich gerade seine Tochter genannt? Nein. Ich muss hier schnellstens weg.

„Ich geh auf mein Zimmer. Das muss ich erstmal verarbeiten."

Was nicht gelogen ist, denn was die mir da alle gerade an den Kopf geknallt haben, war ja nicht grad wenig, auch wenn ich es noch immer nicht glauben kann. Aber warum würden sie mir sonst so was erzählen?

Dass ich anders bin, als meine Freundinnen habe ich schon immer gewusst. Ich wurde nie krank, bis auf jetzt. Im Sport war ich manchmal besser als die Jungs. Selbst Scott konnte oft nicht mit mir mithalten. Aber ich dachte einfach nur, dass ich eine gute, sehr gesunde Sportlerin bin.

Nicht zum ersten Mal, flüchte ich aus meinem Fenster. Das haben Mom und Dad, nein sie sind ja nicht meine Eltern, noch nie mitbekommen. Wie soll ich ihnen jetzt nur begegnen? Sie haben mich mein ganzen Leben angelogen und mich glauben lassen, ich wäre ihre Tochter. Bis vor ein paar Minuten glaubte ich die besten Eltern auf der Welt zu haben. Sie waren es ja auch, aber das überschreitet auch meine Gemütsgrenze.

Ich steige vom Dach und, mist, bleibe in der Regenrinne hängen. Das wird böse enden. Ich falle rückwärts aus 3 Meter höhe gen Boden. Gleich kommt der Schmerz, aber plötzlich stehe ich auf beiden Beinen. Wie zum Teufel ist das möglich? Selbst wenn ich mit den Beinen voran gefallen wäre, müsste ich mir mindestens ein Dutzend Bänder gerissen haben.

Das hat doch nicht etwa was damit zu tun, dass ich angeblich zu einem Vampir werden soll? Lächerlich. Das ist nicht möglich. Quatsch.

Wohin soll ich jetzt nur? Benutze ich mein Beetle, hören sie drin den Motor und halten mich auf. Egal. Dann muss ich zu Fuß gehen. Sportlich bin ich, also lauf ich zu Scott. Er ist der Einzige dem ich jetzt noch vertrauen kann.

Als ich los laufe, die nächste Kuriosität. Neben mir ist alles verschwommen, ganz merkwürdig. Und ehe ich mich versehe bin ich schon am Pit's, dass Diner, wo ich mich sonst immer mit Scott und unsere Freunden treffe. Aber das Pit's ist doch 10 km von zu Haus entfernt. Was ist das nun wieder?

Unmöglich, dass ich innerhalb von 5 Minuten diese Distanz gelaufen bin. Oh nein, oh nein. Das hat sicher auch was damit zu tun.

„Hey Ness. Alles OK bei dir?"

Ich schaue hoch und blicke Becky, einer Freundin von mir, in die Augen. Hinter ihr sehe ich, dass das Diner zu ist. Wahrscheinlich hat sie es gerade abgeschlossen. Sie ist die Tochter vom Inhaber und geht mit mir auf die gleiche Schule.

„Kann ich mal dein Handy benutzen?"

„Klar Ness. Geht es dir wieder besser? Scott hat und erzählt wie krank du warst. Siehst auch noch ganz schön blass um die Nase aus", sagt sie mir mit einem Lächeln.

Oh Becky, es ist alles andere als OK bei mir. Am liebsten würde ich ihr alles sagen, aber irgendwas hindert mich davon. Sie reicht mir ihr Handy und ohne Probleme wähle ich Scotties Nummer.

„Wer weckt mich um diese Zeit?", fragt Scott am anderen Ende mit verschlafener Stimme.

Muss ich ihn wohl geweckt haben. Trotz seine noch brummigen Stimme, fühle ich mich gleich besser ihn zu hören.

„Scott? Ich bin's, Renesmee."

„Carlie, Schatz. Geht es dir besser? Warum rufst du nicht mit deinem Handy an?"

Ich kann ihm gar nicht antworten, da meine Unterlippe bebt und mir erneut die Tränen kommen.

„Carlie? Was ist los?", fragt er mich so einfühlsam, wie ich ihn noch nie gehört habe.

Er hat sicher gemerkt, dass etwas nicht stimmt.

„Kannst du mich abholen", frage ich mit bebebender Stimme.

„Ich bin sofort bei dir, Sunshine."

Er weiß genau, dass er mir mit diesem Spitznamen ein Lächeln ins Gesicht zaubern kann. Aber anstatt eines Lächelns, erfährt mir ein Schluchzen.

„Wo bist du, Sunshine?"

„Hol mich bitte an der Lichtung ab", schluchze ich.

„Bin in 10 Minuten bei dir", sagt er mir und ich kann im Hintergrund hören, wie er sich wohl gerade anzieht, aber nicht auflegen will.

„Bye Scottie.", sage ich und will schon auflegen, um mich auf dem weg zu machen, als Scott nochmal nach mir ruft.

„Carlie?"

„Ja?"

„Es wird alles gut. Ich liebe dich.

„Ich liebe dich auch", sage ich unter Tränen und reiche Becky endlich ihr Handy wieder.

„Ness, wenn du willst bringe ich dich auch zu Scottie."

„Nein, nein. Da werden sie mich sicher suchen", sage ich viel schnell, als zu begreifen, was ich da gerade gesagt habe.

„Wer, Ness? Bist du von zu Hause abgehauen?"

Meine weiteren Tränen verraten mich. Becky packt mich bei den Schultern.

„Bitte, Becky. Sag ihnen nicht, dass du mich gesehen hast. Bitte", flehe ich.

„Was ist denn nur passiert?"

„Das kann ich dir nicht erzählen. Das würdest du mir eh nicht glauben", lache ich höhnisch.

Sie scheint zu überlegen, was sie am besten tun soll. Mein flehender Blick scheint sie wohl zu überzeugen.

„OK, Ness. Aber bitte melde dich bei mir, damit ich weiß, dass es dir gut geht."

Ich nicke nur und umarme sie. Ohne ihr noch mal in die Augen zu schauen, denn das würde nur noch mehr Schmerzen verursachen, drehe ich mich um und laufe los. Ich hoffe nur, diesmal nicht mit einer Geschwindigkeit, die völlig unnormal ist.

Ich komme jedenfalls schneller als erwartet an der Lichtung an. Hoffentlich hat Becky nichts mitbekommen. Sicher bin ich mir, dass sie meinen… also Reneè und Phil nichts sagen wird.

Sind die beiden wirklich nicht meine Eltern? Aber es fühlt sich nicht so an. Sie waren immer für mich da. Haben für mich gesorgt, waren wegen mir besorgt. Kamen zu meinen Softballspielen, wie zu meinen Schultheater Aufführungen. Phil war der typische Dad, als er von Scott erfuhr und ihn sich zur Brust nahm. Genau wie Reneè, die mich sofort zum Frauenarzt schleppte, um mir die Pille verschreiben zu lassen.

Ich verstand ihr Panik nicht. Sie redete davon, dass sie nicht noch eine Tochter so jung Mutter werden sehen will. Damals dachte ich, sie hätte sich vor lauter Panik nur versprochen, aber jetzt weiß ich, dass sie von Bella sprach.

Aber warum haben sie, meine Eltern, mich zurück gelassen? Nichts kann besser für ein Kind sein, als bei ihren Eltern auf zu wachsen. Auch wenn sie Vampire sind. Oh Gott. Ich fange langsam an diesen ganzen Stuss zu glauben.

Von weitem höre ich schon Scotties Auto, aber ich mich umdrehe ist noch nichts zu sehen. Erst 3 Minuten später kommt der Tourag zum Vorschein. Aber…? Klar Vampir Power. Was kommt noch?

Der Wagen steht noch nicht ganz, da springt Scott raus und ich werfe mich ihm in seine Arme. Er kommt leicht ins wanken, sicher war ich wieder viel zu schnell. Mein Gesicht vergrabe ich schnell in seine Schulter und schluchze schmerzhaft, während er mir über den Rücken streicht.

„Schsch. Ganz ruhig, Sunshine. Komm erstmal ins Auto. Es ist ganz schön kühl geworden", sagt er und legt mir noch seine Jacke über die Schultern.

Erst jetzt merke ich, dass ich nur in Jeans und Shirt losgelaufen bin. Ich wollte ja auch nur noch weg von dem ganzen Irrenhaus.

Wie kalt es wirklich ist, merke ich, als ich anfange zu zittern. Im Auto nimmt mich Scott gleich wieder in den Arm und versucht mich warm zu rubbeln. Sein Blick ist besorgt, wie damals bei der gesagten Party. Ich kann mich einfach nicht beruhigen, bin völlig aufgelöst.

Scott nimmt mein Gesicht in beide Hände und sieht mich mitfühlend an. Er versucht mir die Tränen aus dem Gesicht zu wischen, doch es kommen immer wieder neue nach.

„Willst du mir erzählen, was los ist?"

Ich nicke zur Antwort. Natürlich will ich ihm alles erzählen, damit er mir sagt, was für ein Unsinn ich rede. Doch ich bekomme kaum ein Wort raus.

„Meine Eltern… sie….nicht….Bella…. Vampire."

Sein Gesicht verzieht sich verdattert. Ich krieg einfach keine Sätze raus.

Mir wird auch schon wieder so schwindelig. Bitte nicht.

„Fahr Scott…. Weit weg…."

„Geht es dir gut?", fragt er mich.

Ich schüttel nur mein Kopf zu einem nein.

„Ich bring dich in ein Krankenhaus. Du bist glühend heiß. Deine Haut brennt ja fast."

„NEIN!!!", schreie ich mit letzter Kraft.

Ich drifte immer mehr in die Bewusstlosigkeit, dabei wollte ich doch endlich aus diesem Albtraum erwachen. Ich bin so schwach, dass ich in Scotties Arme falle und er mich hinlegt, mit dem Kopf auf seinem Schoss. Meine Augen fallen immer wieder zu.

„Was soll ich nur machen?", stellt er die Frage sicher er zu sich, als mir.

Ich höre noch wie er den Motor startet und in sein Handy spricht.

„Mrs. Dwyer? Hier ist Scott. Renesmee ist bei mir. Es geht ihr nicht gut. Ich bringe sie in ein Krankenhaus."

„…"

„Was? Wieso nicht? Sie braucht einen Arzt!"

„…"

„OK. Bin unterwegs."

Ich hätte ihn am liebsten angeschrien, mich nicht wieder zurück zu bringen, aber ich war mit meiner Kraft am Ende. Es ging gar nichts mehr. Aber vielleicht, wenn ich das nächste Mal aufwache, ist der Albtraum wirklich vorbei und ich kann wieder ein ganz normales Leben mit meinen Eltern führen. Und mit Eltern meine ich die beiden Personen, die die letzten 18 Jahre für mich da waren. Und niemand anderes.