Emotionen

Jaspers POV

Es ist wie damals, als Edward Bella verlassen hat. Als wir sie verlassen haben. Ich würde am liebsten aus dem Raum rennen, um den vielen verschiedenen und schmerzhaften Emotionen meiner Familie auszuweichen. Würde Alice nicht krampfhaft meine Hand halten, wäre ich längst verschwunden.

Oder auch nicht? Ich konnte weder meine Frau, noch den Rest meiner Familie jetzt im Stich lassen. Ich glaube ohne meine Gabe, wäre im Hause Dwyer längst ein kleiner Krieg ausgebrochen.

Ich werde nie vergessen, wie stark Edward damals drunter gelitten hatte. Sein Schmerz damals, war vergleichbar mit dem, mit dem Bella zu kämpfen hatte, als sie Renesmee an ihrer Mutter abgab. Aber nicht nur Edward hatte drunter gelitten, Bella und ganz Forks den Rücken zu kehren.

Es verging kein Tag, an dem ich mir nicht die Schuld daran gab, auch wenn Edward mir immer wieder beteuerte, dass ich nicht der Grund war. Aber der Schmerz von Alice, die sehr drunter litt, nicht mehr bei ihrer besten Freundin zu sein, ließ mich Monate glauben, mein Angriff auf Bella hätte uns alle aus Forks vertrieben.

Nur gut, dass sich das nochmal alles zum Guten gewendet hat, auch wenn viele Personen enorm leiden mussten.

Aber es wäre ein Illusion, zu glauben, dass alles gut war. Denn kaum hatten sich Edward und Bella wieder vereint und konnten endlich zusammen glücklich sein, begann das nächste Drama. Erst die pure Freude über die Hochzeit, dann die Schwangerschaft, in der die ganze Familie, auch Rosalie, um Bella bangte und ständig Angst hatte, sie würde sterben.

Was folgte war pure Freude, dass Bella, naja mehr oder weniger überlebte, aber nun ohne Zweifel eine von uns war und eine wunderschöne Tochter gebar. Aber diese Freude war von kurzer Dauer. Bis sie Reneè Renesmee in die Arme legte und sie abermals einen schwerwiegenden Verlust einstecken musste.

Und nun sitzen wir hier in Phoenix, um Renesmee zu holen. Denn ohne Zweifel, kann sie, wenn auch nur ein Halb-Vampir, nicht weiter bei Reneè und Phil Leben. Es wäre zu gefährlich. Zum einen, weiß sie noch gar nicht, was wirklich in ihr steckt. Aber das ist nicht die größte Gefahr, die nicht nur sie betrifft, sondern all die Menschen, die um sie herum sind.

Diese Gefahr ist noch nicht jedem Bewusst, aber gewiss Edward. Mein Bruder. Ich beobachtete ihn schon eine ganze Weile. Für jeden muss es so aussehen, als wenn ihm das, was Renesmee gerade durch macht, völlig egal ist, so teilnahmslos sitzt er da.

Aber so ist es ganz und gar nicht. Ich fühle seinen Schmerz und seine Schuldgefühle, dafür, was er, seiner Meinung nach, Renesmee angetan hat. Es ist aber etwas anderes, was ihm momentan noch mehr beherrscht und warum er so da sitzt, als wäre ihm alles egal.

Angst dominiert ihn. Große Angst, seine Tochter erneut zu verlieren. Jetzt wo sie so langsam ihre Kräfte entwickelt und wer weiß, was sie noch für Fähigkeit entwickelt, ist sie natürlich was ganz Besonders, nicht nur für uns.

Die anderen sind sich dessen sicher auch bewusst, aber sie haben momentan mehr damit zu tun, Renesmee zu beruhigen. Die Tatsache, dass sie Phoenix, und damit verbunden all ihr Freunde, Scott, Phil und Reneè, verlassen muss, trifft sie härter, als Realität, dass Bella und Edward ihre Eltern sind und sie ein Vampir wird.

In dem Moment bin ich sehr froh, ihre Gefühle nicht wahrnehmen zu können. Aber es braucht keinen Empath, um zu sehen, wie sie leidet. Ihr leidendes Gesicht spricht für sich.

Ihr Gesicht ähnelt dem, welches Alice hatte, als Edward uns berichtete, das wir Forks verlassen. Nur hat die kleine Renesmee viel mehr zurück zu lassen. Kleine Renesmee. So klein ist sie ja nun wirklich nicht mehr. Aus ihr ist eine wunderschöne Frau geworden, die weiß, was sie will und es auch ganz deutlich verkündet.

„Ihr könnt machen, was ihr wollt, aber ich werde Phoenix nicht verlassen", schreit sie uns zu.

„Aber es ist zu gefährlich, Renesmee. Versteh das doch", versucht Bella sie zu beruhigen.

„Für wen? Für mich, oder für euch, weil ihr euch hier nicht zeigen könnt", sagte sie mit einem sarkastischen Lächeln.

Bella wusste zu dem nichts zu sagen. Sie schaute stattdessen betreten zu Boden. In ihr tobte der Schmerz, Renesmee das an zu tun, was Edward gewissermaßen damals mit ihr tat. Sie von ihrer wichtigsten Person, Scott, weg zu reißen.

Ich merkte neben mir, wie Alice zusammen zuckte. Wahrscheinlich hat sie eine Version. Und ehe ich mich versehe, ist sie an Renesmees Seite.

„Nicht wir sind in Gefahr, aber alle die du liebst. Scott, Phil, Reneè und… Becky."

„Becky? Wie kommst du jetzt auf sie?"

„Ich hatte gerade eine Version", sagt Alice und legt ihre Hand behutsam auf Renesmees Schulter, die daraufhin zusammen zuckt.

Aber nicht vor Schreck. Ihre Augen sehen genauso distanziert aus, wie die von Alice, die eine Vision hat. Als die Vision zu Ende zu sein scheint, schlägt sich Renesmee die Hand vor dem Mund und leise Tränen weichen aus ihren Augen.

„Hast du gesehen, was ich gesehen habe?", fragt Alice verwirrt.

Doch Renesmee antwortet ihr nicht.

„Was hab ich getan?"

Alle sind völlig verwirrt. Genau wie ich. Konnte Renesmee gerade Alice Vision durch ihre Berührung sehen?

„Alice? Was hast du gesehen?", will Carlisle wissen.

„Ich weiß nicht, wann es passieren sollte, jedenfalls hatte Renesmee nicht auf uns gehört und ist hier geblieben. Sie gerät in streit mit ihrer Freundin und hat ihre Kraft unterschätzt, als sie sie zur Seite schieben wollte…"

Weiter brauchte Alice nicht reden. Den Rest konnten wir uns alle denken. Edward, der Alice Gedanken lesen konnte, hatte gerade starkes Mitgefühl mit seiner Tochter und für das, was sie tun würde.

„Es muss nicht passieren, Renesmee", sagt Edward ihr.

Mit ihren traurigen Augen sah sie zu ihm auf. Es brauchte wirklich nicht meine Fähigkeit, um zu wissen, was sie gerade fühlt.

„Aber ich kann sie doch nicht verlassen. Ich kann Scott nicht verlassen."

„Es ist zu gefährlich!"

„Aber…", doch Edward unterbrach sie, indem er auf sie zu ging und sanft an den Schultern packte.

Sie versuchte sich diesmal nicht zu befreien. Ihre Angst, dass sie ihm erneut durch die Luft schleudern könnte, war wohl zu groß. Es ist schon ein Spektakel für sich, Vater und Tochter, Auge in Auge zu sehen. Renesmee Wut, aber auch Angst im Gesicht, stand dem von Edward Sorge und flehenden Blick gegenüber.

„Renesmee, es geht nicht nur um deine Freunde, die in Gefahr wären. Es geht vor allem um dich. Wir können dich nicht hier lassen."

„Dann bleibt doch hier", sagt sie schon fast mit einem schmollenden Blick, als würde sie ihren Vater um den kleinen Finger wickeln wollen.

„Wir können uns leider nicht an einem Ort wie Phoenix niederlassen. Zu viele Menschen, zu viel Sonne."

Als Renesmee den Blick auf den Boden wendet und ihr erneut Tränen die Wangen hinab kullern, spüre ich, wie arg das Edward zusetzt.

„Sieh mich an, Schatz."

Wow. Wie Edward das sagt, kommt es rüber, als hätte er nie etwas anderes gesagt. Bella schaut ebenso überrascht, ist aber auch gleichzeitig erfreut, dass Edward endlich aus seiner Starre erwacht ist.

Renesmee scheint es genauso überrascht zu haben, denn ihr Blick wandert sofort wieder zu dem flehenden Blick ihres Vaters. Als er auch noch ihre Tränen mit dem Daumen weg wischt ist es um die Frauen im Raum geschehen. Esme, Bella, Rose und meine sonst so flippige Alice sieht man deutlich an, dass sie Tränen vergießen würden wenn sie können. Und selbst Reneè laufen die Tränen.

Allerdings nicht nur über die Szene, die sich gerade vor uns ab spielt, sondern vor allem, weil sie jetzt realisiert, dass Renesmee sie verlassen muss. Gut das bei ihr und Phil meine Kraft sofort anschlägt. Bei Edward ist das schon etwas schwieriger. Aber vor allem Renesmee würde ich jetzt gerne ein paar beruhigende Wellen senden. Sie ist aber einfach nicht zu erreichen.

„Du bist etwas ganz besonderes", fängt Edward an, auf Renesmee einzureden, die darauf schon etwas genervt reagiert, doch Edward lässt ihr keine Zeit zum griemen.

„Aber nicht nur für uns. Es gibt dort draußen Vampire, die leben nicht nach unserer Lebensweise. Die Töten Menschen, um sich zu ernähren. Und sie würden auch Menschen töten um an dich zu kommen."

„Aber was wollen die dann von mir? Ich weiß doch nicht mal mit meiner Kraft umzugehen. Und eine besondere Fähigkeit habe ich doch auch nicht."

Daraufhin zog Edward nur die Augenbraue hoch.

„Und was war das eben mit Alice? Ich konnte zwar ihre Gedanken lesen, aber niemand konnte ihre Vision per Berührung sehen", sagt er recht stolz.

Resigniert schaute Renesmee zur Seite. Sie scheint zu begreifen, dass es keine andere Lösung gibt.

„Renesmee ich würde alles tun, um dich glücklich zu machen, aber bitte lass uns dich in Sicherheit bringen. Dir beibringen mit deinen Kräften umzugehen."

„Alles?", fordert sie ihn heraus.

Bella muss sich ein Grinsen verkneifen, wie gewitzt ihre Tochter doch ist.

„Ich weiß, dass du mich mehr hasst, als jeden anderen auf der Welt.."

„Ich hasse dich nicht. Ich bin nur extrem wütend."

„Verständlich. Was ich sagen will. Du und deine Mutter, ihr seid mir das wichtigste auf der Welt. Und ich würde alles für euch tun, damit wir endlich gemeinsam glücklich sind."

„Also wirklich alles?"

Renesmee schafft es wirklich jedem im Zimmer ein Lachen auf zu zwingen. Emmett würde am liebsten los prusten, doch Rose hält ihm den Mund zu, da sie ganz genau weiß, wie wichtig dieses Gespräch zwischen Vater und Tochter gerade ist. Und mit Esmes böses Blick, schafft sie es auch Emmett zu Vernunft zu bringen.

„Alles", antwortet Edward, mit der Angst im Nacken, was Renesmee will, denn ihr Gesicht verspricht einiges.

„OK. Dann will ich Scott mitnehmen."

„NEIN!", wird Edward laut und löst sich von Renesmee.

„Du hast gesagt alles. Und ich kann nicht glücklich mit euch werden, wenn die Lieben meines Lebens nicht bei mir ist", wird Renesmee noch lauter.

„Versteh doch. Es ist zu gefährlich für ihn zwischen so vielen Vampiren. Dort wo wir hin gehen, leben noch mehr Vampire und dort ist immer ein schwächerer Vampir dabei, der ihn sich jederzeit holen könnte."

Und da hat er recht. In den letzten Jahren haben sich den Denalis mehr heimatlose Vampire angeschlossen. Manche waren einfach noch nicht so stark wie wir, aber verabscheuen es, Menschen zu töten, und sich deshalb den Denalis und uns anschlossen.

Aber warum erinnert mich das gerade so sehr an den 13. September 2005? Den Tag werde ich nicht vergessen. Ich hatte so viele Situationen überstanden, aber damals war ich schwach, so wie Edward es gerade beschrieb. Und beinah wäre es nie dazu gekommen, dass Renesmee überhaupt entstanden ist.

„Sollten wir die Entscheidung nicht Scott überlassen, ob er mit mir mitkommen will oder nicht?"

„Was meinst du denn wie er darauf reagieren würde, wenn er erfährt, dass du ein Vampir bist."

„E-er wird… mich trotzdem lieben."

Es ist deutlich zu sehen, dass sich Renesmee da doch nicht mehr so sicher ist. Und ich bin es auch nicht. Denn nicht jeder reagiert so wie Bella damals. Ihre gelassene, furchtlose Reaktion hat uns damals alle geschockt.

„Was hast du gesagt?", fragt Renesmee plötzlich Edward.

Wir schauen uns alles überrascht an, denn Edward hatte kein Mucks von sich gegeben.

„Ich hab nichts gesagt", bestätigt er nochmal.

„Du hast gesagt, dass er mich ganz bestimmt nicht mehr lieben wird, wenn er es erfährt und wie ein kleiner Junge davon läuft."

„I-iich hab das nicht gesagt. Ich habe es nur gedacht", sagt er zur Verblüfftheit von uns allen.

„WAS?", schreit der ganze Raum.

„Sie kann Gedanken lesen?", fragt Alice neben mir.

Einen Augenblick lang ist alles still. Keiner vermag etwas zusagen, alle Augen auf Renesmee gerichtet, der das wahrlich nicht angenehm ist. Geschocktheit ist das meiste, was die Anderen fühlen. Bei Edward pocht gar etwas stolz.

„Versuch es nochmal", feuert er sie an.

Sie scheint es wirklich zu versuchen. Doch plötzlich sackt sie in die Knie und hält sich die Ohren zu.

„Geht aus meinem Kopf, geht aus meinem Kopf", schreit sie immer wieder.

Wahrscheinlich hört sie die Gedanken aller aus dem Raum und kann ihre Kraft noch nicht kontrollieren´. Bella läuft auf sie zu, doch bevor sie ihre Tochter erreicht, bildet sich ein Schild um Renesmee, wie wir es sonst nur von Bella kennen.

„Was hast du gemacht, Bella?", fragt ein geschockter Carlisle.

Doch Bella ist genauso geschockt und voller Sorge, da Renesmee noch immer auf dem Boden knickt und sich krampfhaft die Ohren zu hält, als könnte sie so die Stimmen ausblenden.

„Ich war das nicht", verteidigt sie sich.

„Das muss sie allein gemacht haben."

„Na klar. Sie hat das von ihren Eltern geerbt", kommt der kluge Spruch von Emmett.

Doch keiner geht darauf ein. Keiner weiß was er tun soll. Bella und Edward stehen um Renesmee und schauen verzweifelt hin und her, bevor sich diesmal um Bella ein Schild bildet. Ich weiß nicht, wie sie es macht, aber es verbindet sich mit dem von Renesmee.

Sofort nimmt das Gesicht ihrer Tochter. Doch ist zu gefangen in ihrer Angst und Panik.

Bella zieht Edward mit unters Schild.

Wäre es nicht so eine schreckliche Lage, wäre es ein himmlisches Bild, die kleine Familie und diesem wunderschönen Schild zusammen zu sehen.

„Edward, du musst versuchen, dass sie sich nur auf dich konzentriert", sagt Bella und lässt Edward platz, damit er sich vor seiner Tochter knien kann.

Diesmal ist er es, der Renesmees Gesicht in beide Hände nimmt und sie verzweifelt ansieht. Es schmerzt ihn sehr, seine Tochter so zu sehen.

„Sieh mich an, Renesmee."

Zu meinem Verblüffung schaute sie sogar gleich hoch.

„Höre nur auf meine Stimme", sagt er sanft.

„Versucht eure Gedanken zu mäßigen", kommt es von Carlisle an uns alle gerichtet.

Schwerer gesagt als getan. Ich geb' mein bestens, um alle zu beruhigen und tatsächlich flacht die Hysterie etwas hab. Es ist gleich angenehmer im Raum.

Vater und Tochter schauen sich noch immer tief in die Augen. Und so langsam entspannt sich Renesmees Miene. Bis sie ihre Hände von den Ohren nimmt und sich Edward um den Hals wirft. Jetzt wäre ich gern ein Gedankenleser, denn ich hätte zu gern gewusst, was er ihr ‚zugeflüstert' hat. Bella sieht so aus, als würde sie es auch gern wissen wollen. Belässt es aber bei einem zufriedenen Grinsen.

Das Schild verblasst, so schnell wie es gekommen war. Renesmee richtet sich auf, belässt aber ihren Blick auf Edward.

„Bitte! Ich kann ohne Scott nicht. Genauso wenig, wie du ohne Bella", sagt Renesmee flehend.

Sie weiß genau, dass Edward jetzt schlecht sagen kann. Denn es ist war. Ohne Bella ist Edward ein Wrack. Genau wie jeder ander von uns. Ich mag mir gar nicht vorstellen nur einen Tag von Alice getrennt zu sein.

„Versteh doch, Schatz. Es ist einfach zu gefährlich für ihn."

So wie Renesmees Tränen nun laufen, scheint sie es akzeptieren, dass es einfach zu gefährlich ist, für einen Menschen unter so vielen Vampiren zu leben. Bella streicht ihr liebevoll über den Rücken, doch ich glaube kaum, dass Renesmee das jetzt wahr nimmt.

„Ich will es ihm aber sagen. Ich kann nicht einfach verschwinden. Er soll die Wahrheit erfahren", sagt sie ernst und sicher.

„Bist du dir sicher? Menschen reagieren nicht einfach auf uns", antwortet Edward.

Ich bin nur froh, dass er jetzt etwas einlenkt. Es ist schwer genug für sie.

„Ich möchte, dass er weiß warum ich gehe. Er wird nicht so reagieren, wie du es dir erhoffst. Vielleicht kann ich ja doch irgendwann mit ihm zusammenleben, wie du mit Bella."

Edward wollte sofort protestieren, aber Bella hielt ihn mit einem bösen Blick auf. Diese Blick sehe ich zum ersten Mal auf ihren Gesicht. Ich denke, sie stimmt mit Edward nicht ganz überein. Aber wer soll es ihr auch verdenken. Sie hat es miterleben müssen, wenn dein Seelenverwandter plötzlich verschwindet.

„Er wird gleich da sein", verkündet meine kleine Elfe neben mir.

Ich muss mir ein Grinsen verkneifen, wie aufgeregt sie es uns berichtet. Aber so ist sie nun mal und so lieben wir sie alle.

„Er konnte nicht mehr zu Hause warten und wird in zwei Minuten hier sein", beantwortet sie Edwards Frage, die er sicher gleich stellen wollte.

Und wie Alice es voraus gesehen hat, steht er 120 Sekunden später vor der Tür. Noch bevor er klingeln kann, reißt Renesmee die Tür auf. Ohne groß drüber nach zu denken, wirft sie sich ihm in die Arme.

Was natürlich nach hinten los geht, da sie ihre Kraft noch immer nicht in Griff hat. Sie reißt Scott mit sich und zusammen fallen sie auf den Boden. Scott unter Renesmee begraben. Aber zu aller Überraschung grinst Scott nur und scheint sich nicht verletzt zu haben. Renesmee hingegen, schaut geschockter denn je. Denn sie hat sich mal wieder selbst bewiesen, wie gefährlich sie noch für ihre Umwelt ist.

„Nicht so stürmisch, mein Wirbelwind", lacht Scott.

„Alles in Ordnung? Hab ich dich verletzt? Es tut mir Leid, Scottie", bricht Renesmee verzweifelte Stimme bei jedem Wort.

„Mir geht gut. Super, wo ich jetzt sehe, dass es dir wieder besser geht."

Sein Grinsen weicht langsam von seinem Gesicht, wo er sieht, dass seine Freundin noch immer nicht drüber lachen kann. Er schiebt sie ein wenig zur Seite und steht gemeinsam mit ihr auf. Erst ist er noch verwirrt, als er uns dann erblickt, keimt seine Wut, dass er Renesmee vorhin verlassen sollte, wieder auf.

„Geht es dir wirklich gut?", fragt Renesmee wieder.

„Was ist denn nur los, Sunshine? Mir geht's prima. So leicht kriegst du mich nicht unter", schaut er sie kurios an und küsst sie auf die Stirn.

Doch Renesmee findet keine Worte, um ihn zu antworten. Dafür tritt ihre Mutter in Erscheinung.

„Lasst uns erstmal reingehen", sagt sie mit einem gequältem Lächeln auf den Lippen.

Scott schaut sie mit hochgezogener Augenbraue an, aber folgt ihr ins Haus, mit Renesmee an seiner Seite, die seine Hand fest umklammerte. Und so wie sein Gesicht plötzlich aussah, vielleicht ein wenig zu fest. Doch er scheint Manns genug zu sein, um es auszuhalten.

Zusammen mit Renesmee nimmt er auf einem Sessel platz. Wie verliebt die beiden sind, sieht man schnell. Ja, selbst ich als Mann, kann es bei den Zwei Turteltauben sofort erkennen. Wie Nessie sich an seine Schulter schmiegt und er seine Hand an ihrer Seite auf und ab fahren lässt. Den Mädels scheint es zu gefallen. Den Jungs wiederum gar nicht. Carlisle reagiert am gelassensten, Emmett würde seine unsere kleine Nichte am liebsten von Scotts Schoss reißen.

Und Edward. Oh in ihm brodelt es. Aber ich denken, dass gehört sich so für einen Vater. Und unter den Umständen, kann ich seine enorme Reaktion verstehen. Bella versucht ihr Bestes um ihn in Zaum zu halten.

Es ist gut zu merken, dass sich in Scott eine gewissen Unsicherheit breit macht. Die bösen Blicken scheinen ihre Wirkung zu haben.

„Könnt ihr bitte aufhören, Scott so anzustarren? Er hat euch nichts getan", wütet Renesmee.

Das saß. Zumindest geben die Blicke von Emmett, Carlisle und mir etwas nach. Ja ich konnte es mir auch nicht verkneifen. Schließlich ist sie meine kleine Nichte. Auch wenn sie lange nicht mehr so klein ist.

„Willst du mir nicht deine neuen Freund vorstellen?", fragt Scott.

„Das sind nicht meine Freunde."

Ein Stoß von Geschocktheit und Trauer geht durch den Raum. Aber es liegt daran, weil Renesmee es sagte, als würde sie uns verabscheuen und nie unsere Freunde sein wollte. Worüber ich ihr momentan nicht mal böse sein kann. Von heut auf Morgen ändert sich ihr komplettes Leben. Und ich muss sagen, sie hatte ein wirklich sehr schönes Leben. Sie dort raus zureißen ist die Hölle.

„Das ist meine Familie", sagt sie nun und diesmal geht ein Hauch von Erleichterung durch den Raum, gepaart mit etwas Traurigkeit, die von Phil und Reneè ausgehen.

Auch wenn sie nicht die Eltern von Renesmee sind, die sie Jahre lang ausgegeben haben, gehören sie dennoch zur Familie. Ich hoffe wir können das Reneè noch begreiflich machen, denn sie hat daran wirklich sehr zu knabbern.

„Das sind meine Onkel und Tanten. Jasper, Alice, Emmett und Rosalie", beginnt sie uns vorzustellen und richtet ihren Kopf zu uns, wo wir vier uns auf der Couch gemütlich gemacht hatten.

„Meine Großeltern Carlisle und Esme. So wie ähm meine Großeltern Phil und Reneè."

Das fiel ihr schon sehr schwer, dabei wartet wohl der schwierigste Part auf sie.

„Was? Phil und Reneè…"

„Bitte lass mich das zu Ende bringen. Es ist eh schon schwer genug."

Auch wenn er es nicht wirklich will, nickt er und lässt Renesmee weiter erzählen. Ihr trauriger Blick geht Richtung Bella und Edward, die neben unserer Couch standen. Es fiel ihr nicht leicht, aber Renesmee lächelte ihren Eltern zu, bevor sie die nächsten Worte beginnt.

„Und das sind meine Eltern."

Ich warte darauf, dass jeden Moment ein Ausbruch Scotts Gefühle geschieht, aber eher bin ich schockiert, da ich Belustigung in ihm spüre. Das bestätigt sich auch, als er anfängt zu lachen. Und wie er lacht. Renesmee schaut ihn nur irritiert an.

„Klasse Scherz, Carlie. Ich wäre fast drauf reingefallen. Nur zu dumm, dass deine Eltern…", bei den Wort Eltern machte er in der Luft Anführungsstriche," aussehen, als wären sie deine Geschwister."

Er lacht weiter, doch als er bemerkt, dass keiner mit ihm lacht, kommt leichte Panik in ihm auf. Er schaut zu Renesmee, die ihm nur nochmal mit einem Nicken bestätigt, dass es wahr ist.

„Bitte.. bitte erklär mir das. Das ist doch unmöglich. Sie sind doch kaum älter als wir."

Renesmee atmet nochmal tief durch. Sicher ist es ihr noch nie schwerer gefallen jemandem etwas zu sagen. Man erzählt ja auch nicht jeden Tag seinem Freund, dass man ein Vampir ist.

„Ich war nicht krank", beginnt sie.

„Renesmee du hast geglüht. Ich…"

Mit einem bösen Blick zeigt sie ihm, was sie von seiner erneuten Unterbrechung hält.

„Schon OK. Keine Unterbrechung mehr", lächelt er ihr zu und haucht ihr einen Kuss auf die Nase.

Das macht es ihr noch schwerer ihm die Wahrheit zu sagen.

„Wie gesagt, ich war nicht krank. I-ich habe mich verwandelt. Scott ich werde ein Vampir. Meine Eltern sind Vampire. Sie haben mich zu meinen Großeltern gegeben, weil ich bis vor ein paar Tagen noch ein normaler Mensch war. Und jetzt werde ich ein Vampir", bringt sie es schnell hinter sich.

Scott springt vom Sessel auf, dabei fällt Renesmee von der Lehne. Doch sie kann sich gekonnt abfangen und steht schnell wieder auf ihren Beinen.

„Du verkohlst mich doch, Carlie. Oder? Haben wir heute den 1. April? Echt witzig. Der Scherz ist dir gelungen", lacht er noch.

Im Gegensatz zu Renesmee, der die ersten Tränen laufen. So hat sie sich seine Reaktion sicher nicht vorgestellt. Lange hatte man nichts von Phil gehört. Es hat sich wohl dem Schicksal geführt. Diesmal kam er Renesmee zur Hilfe.

Er kam auf die Zwei zu und legte Scott die Hand auf die Schulter. Ganz ruhig, aber mit sehr ernstem Blick, schaut er zu Scott.

„Es ist wahr, mein Junge. Renesmee ist nicht unsere Tochter, sondern unsere Enkeltochter. Bella und Edward sind ihre Eltern. Genauso wenig hat Renesmee gescherzt, dass sie ein Vampir ist."

Langsam nimmt Scotts Gefühlslage wie erwartet Panikfahrt auf. Sein Puls rast und ich kann riechen, wie ihm vor Angst der Schweiß austritt. Ich frage mich, ob Renesmee seine Gedanken liest. Aber wahrscheinlich hat sie viel zu große Angst, zu sehen, was er wirklich dachte.

In seinem Gesicht, war noch nicht die völlige Überzeugung zu sehen, was auch Renesmee erkennt. Sie läuft in Vampisgeschwindigkeit in ihr Zimmer und kommt auch genauso schnell wieder zurück. Nun weicht schon jegliche Farbe aus seinem Gesicht.

Um ihn ganz zu überzeugen, bildet sie das Schild um sich. Ich bin erstaunt, wie schnell sie darüber Kontrolle gewonnen hat. Ich sag ja, sie ist eben was Besonderes.

Renesmee löst das Schild wieder. Ihr Gesicht mittlerweile völlig mit Tränen bedeckt.

„Wir können trotzdem noch zusammen sein", schluchzt sie.

Doch Scott schüttelt nun vehement den Kopf.

„Wir ernähren uns nicht von Menschenblut", doch das scheint alles nur noch schlimmer zu machen.

Langsam geht er einige Schritte zurück. Was mich jetzt wundert, ist das Renesmee nicht weiter versucht ich aufzuhalten. Seine Gedanken scheinen ihr keine Hoffnung mehr zu geben.

Sie fest sich in den Nacken und löst ihre silberne Kette. Als sie sie in der Hand hält, schaut sie sich diese nochmal an und reicht sie dann Scott.

„Wenn du mich nicht mehr lieben kannst, will ich sie nicht mehr", sagt sie und schluchzt schmerzhaft auf, dass selbst Alice zusammenzuckt.

„Ich hatte wirklich gehofft, dass unsere Liebe so stark ist, dass wir das durchstehen. Gemeinsam."

Scott schaut sie traurig an und ich kann spüren, dass es ihm wirklich sehr Leid tut.

„Aber wenn du mich noch immer liebst, warum bleibst du dann nicht bei mir?", sagt sie schnell und wahrscheinlich seine Gedanken gelesen.

Er zieht noch verwundert eine Augenbraue hoch.

„Ich kann deine Gedanken lesen", sagt sie knapp.

Auf seinen Lippen formt sich ein ‚O'.

In ihm kommt erneut Panik auf.

„Ich muss jetzt weg. Es tut mir Leid, Renesmee. Aber so können wir nicht zusammenbleiben. Ich habe den Menschen Renesmee geliebt, nicht den Vampir", sagt er und läuft los, ohne sich von Renesmee zu verabschieden.

Diese fällt auf ihre Knie und weint bitterlich. Bella ist sofort an ihrer Seite und zieht sie in ihre Arme. Sie wirft Edward einen bösen Blick zu.

„Sag jetzt besser nichts", knurrt sie ihn an.

„Hab ich nicht vor", sagt er ruhig und steht auf.

In ihm tobt eine Wut, wahrscheinlich auf sich selbst, aber auch auf Scott. Er geht auf seine beiden Frauen zu und zieht Renesmee in seine Arme.

„Es tut mir wirklich Leid, Renesmee. Ich hätte mich gerne geirrt", flüstert er in ihr Ohr.

Er übergibt sie wieder an Bella und drückt seine Tochter noch einen Kuss auf die Stirn. Dann will er plötzlich zur Tür hinaus.

„Was hast du vor?", fragt Carlisle, bevor ich es tun kann.

„Nur sicher gehen, dass er es für sich behält", sagt er noch und rast los.

„Ich werd' aufpassen, dass er nichts dummes anstellt", kommt es von Emmett und verschwindet ebenso.

Zurück bleibt eine gebrochen Renesmee in den Armen ihrer Mutter. Verloren ihre erste große Liebe. Der schmerz ins Gesicht geschrieben. Ich kann mir nun immer besser vorstellen, wie es Bella damals ergangen ist, als Edward sie verlassen hat.

TBC