AN: Danke für die lieben Reviews… Bin etwas überrascht, aber zu gleich sehr erfreut.. Wünsch mir für die Zukunft weiter solch Beteiligung…

Abschied… für immer?

Bellas POV

Armer Jasper. Seine Fähigkeiten bringen ihm wahrscheinlich gerade nur Schmerzen und Leid, da schon in mir hunderte verschiedene Emotionen toben.

Da war die Freude, Charlie wiederzusehen, nach 18 endlosen Jahren. Ich hatte ihn wirklich sehr vermisst. Vor allem die Ungewissheit, was er so macht und wie es ihm geht, machte es mir wirklich schwer. Aber jetzt wieder endlich in seinen Armen zu liegen, ist unbeschreiblich schön.

Auch wenn er früher ein Gefühlsklotz war, ist es heute umso schöner, ihn so herzlich zu sehen. Wie er Renesmee vorhin umarmt hat. Was mir allerdings die Frage stellt, wie oft sich die beiden schon gesehen haben? Es sah jedenfalls so aus, als hätten sie eine innige Beziehung zueinander. Inniger, als ich sie je zu Charlie hatte.

Stören tut es mich natürlich nicht, aber irgendwas ist da doch. Hhmm. Ich will es ja nicht zugeben, aber ich glaube, sowas nennt man…? Also.. Eifersucht? Ich, eifersüchtig auf meine Tochter? Wohl eher auf diese innige Beziehung. Ganz ruhig, Bella. Du hast ja nicht gerade dazu beigetragen, dass es zwischen dir und Charlie inniger werden könnte.

Aber ich bin ja auch froh, dass zum einen Renesmee jemanden hatte, wie Charlie, aber auch, dass er jemanden hatte. Ich werde später nochmal mit ihm darüber reden. Jetzt genieße ich erstmal die Nähe zu meinen Eltern. Ich glaube, so lange haben wir uns noch nie umarmt. Reneès Augen können auch wieder strahlen.

Was ihr wohl sehr schwer fällt, nachdem sie weiß, dass Renesmee sie verlassen wird. Ob sie sich so fühlt, wie ich, als ich Renesmee in ihre Arme legte? Ich hoffe es nicht, denn dieser Schmerz ist unsagbar groß und zerreißt einen innerlich.

Als wenn sie meine Gedanken lesen kann, streicht sie mir lächelnd übers Gesicht.

„Es ist das Beste für sie. Vielleicht nicht für mich, aber wie du vor 18 Jahren, will ich nur das Beste für sie. Aber ich habe eine Bitte."

Mein Blick deutet ihr, die Bitte zu stellen.

„Bitte lass mich in Kontakt mir ihr bleiben. Ich weiß nicht, wie du es geschafft hast, aber ich halte es nicht aus, nicht mit ihr sprechen zu können."

Oh, es war genauso schwer für mich und noch viel schwerer. An manchen Tagen habe ich mir Pläne gemacht, wie ich mich für ein paar Tage von den Cullens losreißen könnte, um wenigstens einen Blick auf Renesmee zu erhaschen, aber Edward war stets an meiner Seite. Und war er es nicht, war es irgendjemand anderes aus der Familie.

Jasper und seine blöde Fähigkeit fand es sogar raus. Konnte er doch spüren, dass ich etwas Unerlaubtes vorhatte. Aber ich versuche diese Jahre jetzt auszublenden, am besten zu vergessen, denn jetzt beginnt meine Existenz als Vampir. Mit meiner Tochter.

„Du kannst sie anrufen, wann immer du willst. Wir bekommen es sicher auch irgendwie geregelt, dass wir uns auf neutralem Boden wiedersehen können. Ich will dich genauso wiedersehen, wie Charlie und Phil. Die letzten Jahre habe ich nicht nur Renesmee vermisst, Mom", sage ich mit bebender Stimme.

Reneè kullern ein paar Tränen die Wange hinab. Und wenn ich es nicht besser wüsste, könnte man denken, Charlie hat auch mit den Tränen zu kämpfen. Dass ich das noch erleben darf.

Renesmee hat gerade mit ihrer Freundin telefoniert, um eine Abschiedsfeier zu organisieren. Das wird sicher nochmal sehr schwer für sie. Aber ich denke, es ist besser so. Seufzend lehnt sie sich in die Couch zurück, wobei Edward ihr liebevoll die Hand auf die Schulter legt. Sein Lächeln bringt selbst Renesmee in ihrer Lage zum Schmunzeln. Ich kann sie verstehen.

„Was machen wir jetzt?", fragt sie in die Runde.

„Wie wärs mit packen?", kommt es von Alice mit einem wohlwissenden Blick.

Renesmee schaut Alice fragend an, bis ich merke, dass sie ihre Gedanken liest.

„Vergiss es. Meine Sachen kommen alle mit. Nichts wird weggeschmissen", sagt sie in einem erzieherischen Ton.

Alice schmollt. Auch ohne Gedanken lesen zu können, weiß ich, wie gerne Alice, Renesmees Kleiderschrank ausgemistet hätte, um gleich daraufhin neue Klamotten zu kaufen. Ich kenne das zu gut, denn mindestens einmal im Monat macht sie das bei allen Familienmitgliedern. Ein Hoch auf Carlisles schwarze Kreditkarte.

Nicht das ich das Vermögen der Cullens ausnutze würde, denn das übernimmt Alice für uns. Es ist uns immer wieder ein Vergnügen ihr zuzusehen, mit welcher Freude sie an solche Sachen geht. Wenn ich mich da an meinen 18. Geburtstag zurückerinnere.

So fatal es danach auch wurde, hatte Alice ihn wirklich wunderschön gestaltet. Genau wie meine Hochzeit mit Edward. Was Schöneres habe ich noch nie gesehen. Sie hat wirklich ein Talent dafür. Darum weiß ich aber auch, wie es sie wurmt, dass sie nicht diese Abschiedsfeier organisieren darf.

Wir Frauen gehen hoch in Renesmees Zimmer, um ihre Sachen zu packen. Es dauert allerdings nicht lange, da haben Rose und Alice in Vampirgeschwindigkeit zumindest Renesmees Kleidung eingepackt. Renesmee packt derweil viele Erinnerungsstücke ein.

Ich sehe ihr an, wie schwer es ihr fällt. Ein Lächeln blitzt auf meinem Gesicht, als sie unter ihrem Kopfkissen ein Shirt hervor zieht, dass sicher Scott gehört. Sie zieht einmal den Duft des Shirts ein und muss ebenfalls lächeln, aber schon in der nächsten Sekunde schlägt ihr wieder die Realität ins Gesicht und leise Tränen über ihre Wange huschen.

„Habe ich ihn wirklich für immer verloren?", fragt sie in die Runde, ohne aufzuschauen.

Ich setze mich neben sie aufs Bett und greife nach ihrer Hand. Ein Blick in ihr trauriges Gesicht lässt mich kaum Worte finden. Zur Verstärkung kommen Esme, Reneè, Alice und Rosalie, die sich mit auf das Bett setzten.

„Du sagst, du hast in seinen Gedanken gelesen, dass er dich noch immer liebt!?", ist eigentlich eher eine Feststellung, als eine Frage.

Zur Bestätigung nickt sie.

„Aber genauso verabscheut er mich dafür, dass ich ein Vampir bin."

„Halbvampir", fügt Alice schnell hinzu, was Renesmee ein leichtes Lächeln auf die Lippen zaubert.

„Wenn er dich wirklich noch liebt und dich vorher schon so liebte, wie Reneè es mir beschrieben hat, bin ich mir sicher, dass noch nicht alles verloren ist. Eure Verbundenheit spürt man regelrecht. Und wie besorgt er war, als es dir so schlecht ging… Das ist wahre Liebe. Und glaub mir, ich weiß wovon ich Rede."

Dabei grinst meine vampirische Familie. Aber auch Reneè versteht, was ich meine.

„Meint ihr wirklich, dass wir irgendwann noch mal eine Chance haben?"

„JA!", kommt es aus aller Munde.

Alice Antwort war sogar so energisch, dass ich glaube, sie weiß schon wieder mehr als wir. Hhmm.

„Er braucht jetzt etwas Zeit, um es zu verdauen. Nicht jeder nimmt es auf, wie deine Mutter", sagt Esme mit einem überdeutlichen Schmunzeln.

„Wie hast du denn damals drauf reagiert? Wie hast du Dad genau kennengelernt? Erzähl mir alles", fordert Renesmee energisch und bringt mal wieder alle zum Lachen.

In den nächsten Stunden erzähle ich ihr, wie ich Edward damals kennengelernt habe, dass er mich am Anfang am liebsten getötet hätte. Es ist schön, nochmal an diese Zeit zu denken. Auch Reneè ist fasziniert, alles noch mal zu hören. Anders wie Esme, Alice und Rosalie, war sie ja nicht live dabei, als James mich jagte und danach auch noch Victoria Rache schwörte.

Zum ersten Mal seit Langem muss ich auch wieder an Jacob denken. Meinen besten Freund. Aber kann ich ihn noch so nennen? Nachdem Renesmee mit Reneè nach Phoenix ging und ich mit den Cullens nach Denali, habe ich nie wieder etwas von ihm gehört, oder gesehen. Was er wohl macht?

Ich bekomme ein leicht schlechtes Gewissen ihm gegenüber, aber ich hatte mehr damit zu tun, weiter zu existieren, ohne mich von dem Kummer und Schmerz, dass meine Tochter nicht bei mir ist, auffressen zu lassen. Das hat mich mehr beschäftigt, als alles andere.

Die letzten Stunden, bis wir zur Abschiedsfeier aufbrechen, verbringen wir im Wohnzimmer. Renesmee sitzt zwischen Reneè und Phil und genießt die vorerst letzten Stunden mit ihren Großeltern. An Reneè gekuschelt, schauen wir uns weitere Videos von Renesmees Kindheit an. Es ist schön zu sehen, dass sie trotz des Vampirseins, noch immer rot anläuft. Ich kenne da einige in meiner Familie, denen das ebenso gefällt.

Alice hat dafür gesorgt, dass wir alle in angemessener Kleidung auftreten. Selbst für Phil und Charlie hat sie ein passendes Outfit rausgesucht. Ihre Gesichter sind zum Schießen, nachdem Alice mit ihnen fertig ist. Selbst Renesmee lacht herzhaft.

Als es dunkel wird, und somit die Sonne verschwindet, können wir endlich aufbrechen. Umso näher wir der Schule kommen, umso unruhiger wird meine Tochter. Es ist ihr ins Gesicht geschrieben, wie schwer es ihr fällt, ihren Freunden gleich von ihrem Abschied zu erzählen. Dabei versucht Emmett alles Mögliche, um sie abzulenken. Ein paar Mal schafft er es sogar, aber jedes Mal fängt er sich einen Schlag in den Nacken von Rose ein.

An der Schule angekommen, merke ich mal wieder, wie die Zeit vergangen ist. Es ist alles viel moderner, als wie ich noch in Phoenix zur Schule ging. Auch wenn ich mir die Wagen betrachte, die vor der Schule parken. Einer neuer, größer, schneller als der andere. Wenn ich mich dann an meinen alten, rostigen roten Truck erinnere, muss ich schmunzeln.

„Ich kann das nicht", sagt Renesmee, als wir aussteigen wollen.

„Doch du schaffst das", muntert sie Rosalie auf.

„Wir sind alle bei dir. Du brauchst keine Angst haben. Wenn du ihnen erzählst, was wir vorhin besprochen haben, werden sie es schon verstehen", erkläre ich ihr und drücke sanft ihre Hand.

Wir hatten vorhin noch einen kleinen Krisenrat, um eine glaubwürdige Geschichte rüber zu bringen. Wir hätten es auch ganz einfach machen können und den Tod von Renesmee vortäuschen, aber sie hat schon genug durchgemacht. Sie sollte mit uns gehen, im Wissen, dass sie irgendwann ihre Freunde wiedersehen kann.

Ich hoffe wirklich, dass sie ihre menschlichen Eigenschaften für immer behält. Dass sie sich frei bewegen kann und nicht wie wir, unser wahres Gesicht vor der Sonne verbergen muss. Ihre Kräfte wird sie schon bald unter Kontrolle haben, dafür werden wir schon sorgen.

Renesmee hat meine und Alice Hand fest umklammert, als wir den Eingang der Turnhalle passieren. Musik dröhnt uns entgegen. Ein Junge steht dort und mustert uns von oben bis unten. Als er Renesmee erkennt, bricht ein breites Grinsen in seinem Gesicht aus.

„Nessie! Wurde auch Zeit. Schließlich bist du der Höhepunkt dieser Feier", sagt er in einem viel zu netten Ton.

„Den werde ich nicht vermissen", flüstert sie mir uns Ohr, worauf hinter uns ein Gelächter ausbricht.

„Hi Tom. Sind schon alle da?"

„Jetzt wo du da bist, fehlt eigentlich nur noch Scott. Hast du ihn nicht mitgebracht?"

Dafür könnte ich ihn jetzt killen. Renesmees Miene fällt augenblicklich zusammen. Darum ziehe ich Renesmee an dem Jungen vorbei. Als er uns aufhalten will, höre ich Renesmee zum ersten Mal knurren. Ok. Nicht so animalisch, wie man es von uns kennt, aber dennoch ein Knurren.

„Sie gehören zu mir, Tom", sagt sie und lässt ihn sprachlos stehen.

Edward wirft ihm einen vernichtenden Blick zu, der den Jungen zum Stolpern bringt. Irgendwie kann ich mir ein Lächeln nicht verkneifen. Ich finde es einfach ergreifend, wie Edward Renesmee verteidigt. Sicher war nicht alles so korrekt, wie er sich verhalten hat, aber ich weiß, warum er es tat. Renesmees Sicherheit ist ihm am wichtigsten.

Kaum kommen wir richtig in die Turnhalle, kommen viele Mädchen auf uns zu gelaufen und umarmen Renesmee. Sie freuen sich, dass sie wieder gesund ist und bedanken sich für die Party. Aber schon die nächsten Fragen sind über ihre hübschen Begleiter. Na das wird ein Spaß. Ein Blick in Edwards Gesicht verrät mir alles. Sein überbreites Grinsen und seine emporstehende Brust lassen mich fast seine Gedanken lesen. Beziehungsweise, was der Haufen von Mädchen über ihn denkt.

Darum stelle ich gleich erstmal klar, dass Edward nicht zu haben ist. Ich schmiege mich in seine Arme, bevor sich unsere Lippen zu einem längeren Techtelmechtel treffen. Edwards Grinsen unter unserem Kuss, lässt mich nur erahnen. Wie enttäuscht jetzt manche Mädels im Raum sind, oder mich am liebsten tot umfallen sehen würden.

In solchen Momenten strotze ich vor Glück, dass Edward wirklich mich will und nicht eines der viel hübscheren Mädchen.

Aber hier geht es heute nicht um mich, sondern um meine Tochter, die sich wohl etwas unbehaglich fühlt, zwischen ihren Freundinnen, die sie fast erdrücken vor Fragen. Zur Rettung kommt ihr ein dunkelhaariges Mädchen, dass mich vom Aussehen her und ihrer Art sich zu bewegen sehr an Alice erinnert.

Alisha.

„Oh Gott. Danke, Alisha. Ich dachte, ich ersticke gleich."

Wusst ich's doch. Meine Familie bemerkt es ebenfalls und schmunzelt. Alice scheint total begeistert zu sein, jemanden zu treffen, die ihr nicht nur im Äußerlichen so sehr ähnelt. Darum beginnt sie auch gleich ein Gespräch mit Alisha, wodurch Renesmee stehen gelassen wird. Es scheint sie aber nicht zu stören.

„Ich schau mich mal kurz um", sagt sie, und ehe ich etwas sagen kann, ist sie auch schon weg.

Sicher hält sie Ausschau nach Scott. Ich hoffe für sie, sie wird ihn finden.

„Sind das alles ihre Freunde?", fragt Esme meine Mutter.

„Die meisten ja", antwortet Reneè mit einem Blick zu mir.

„Sie ist ein sehr offener, herzlicher und aktiver Mensch. Es gab Tage, da habe ich sie morgens aus dem Haus gehen sehen und erst abends wieder angetroffen. Was das angeht, ist sie ganz anders als du."

Hhmm. Das stimmt. Herzlich mag ich sein, aber sicher nicht offen und aktiv. Ich denke aber, dass es vor allem der Einfluss von Reneè und Phil war, der sie so werden lassen hat, wie sie jetzt ist. Und ich bin ihnen sehr dankbar dafür. Auch wenn es momentan nicht so rüberkommen mag, bin ich Reneè mehr als dankbar für das, was sie für mich, aber vor allem für Renesmee getan haben. Ich denke, besser hätte meine Tochter nicht aufwachsen können. Außer natürlich bei ihrer richtigen Mutter.

Bevor ich weiter darüber nachdenken kann, kommt Alice auf uns zu gelaufen. Ihr panischer Blick verheißt nichts Gutes.

„Wo ist Nessie?", fragt sie.

Edward ist weg, bevor sie die Frage zu Ende gestellt hat.

„Was hast du gesehen, Alice?", will nicht nur Carlisle wissen.

„Es wird jetzt passieren, mit Becky. Sie will Renesmee jetzt darauf ansprechen, warum sie weggelaufen ist und verliert die Geduld."

Oh nein. Bitte nicht. Wir hätten auf sie hören sollen, nicht zu dieser Abschiedsfeier zu gehen.

„Sucht sie. Wir teilen uns auf. Und versucht so ruhig wie möglich zu wirken", sagt Carlisle.

„Ich denke, ich weiß, wo sie ist. Zumindest spüre ich nur eine Person die verärgert und besorgt auf einmal ist", kommt es von Jasper und schon sind wir unterwegs.

Es dauert zum Glück nicht lange, bis wir sie gefunden haben.

Sag mir endlich, warum du weglaufen wolltest, Ness. Und was soll diese Party jetzt?", wütet Becky.

Edward ist schon da, steht allerdings noch etwas auf Abstand. Genau wie wir.

„Jasper?"

„Bin schon dabei."

Vielleicht kann er Becky besänftigen, damit sie Renesmee nicht weiter reizt.

I-ich war im Fieberwahn. I-ich weiß davon gar nichts", versucht sich Renesmee rauszureden.

Da haben wir wieder eine Gemeinsamkeit. Lügen war auch nie meine Stärke.

Komm schon, Renesmee, Du warst klar bei der Sache. Lüg mich nicht an", sagt sie barsch und fuchtelt mit den Händen rum.

Renesmees Bewegungen werden immer unruhiger. Ich denke, sie ist wirklich dabei, die Fassung zu verlieren. Ich will gerade auf sie zu gehen, da macht Edward den ersten Schritt und legt seinen Arm, kumpelhaft um Renesmees Schulter.

Hi. Ich bin Edward. Und wer bist du?", fragt er übertrieben freundlich.

Be-be-becky", antwortet sie stotternd.

Mein Mann weiß es eben, Frauen durcheinanderzubringen. Auch wenn es mir natürlich nicht wirklich gefällt, wie Becky ihn bald sabbernd ansieht. Aber es hat seinen Zweck, denn Renesmee wird wieder ruhiger und scheint froh zu sein, Edward nah bei sich zu haben.

Bist du eine Freundin von Renesmee?", fragt Edward.

J-ja. Und woher kennt ihr euch?", fragt sie neugierig.

Ich erklär dir das später vor allen, OK? Ich will es nicht dreimal erklären", antwortet Renesmee gereizt, woraufhin sie Edward enger an sich drückt, was auch Becky nicht entfällt.

Na darauf bin ich gespannt", sagt sie noch, dreht sich um und geht.

Jetzt drehen sich Renesmee und Edward zu uns um, und ich sehe erneute Tränen im Gesicht meiner Tochter. Ich hoffe, das hat bald ein Ende für sie. Ich gehe auf sie zu und nehme sie in meine Arme. Reneè und Rosalie streichen ihr liebevoll über den Rücken, während mich Edward mit verletztem Blick ansieht. Ihm scheint der Schmerz von Renesmee genauso wenig zu behagen.

„Bringen wir es endlich hinter uns. Ich will hier nur noch raus und keine Fragen mehr beantworten müssen", sagt Renesmee und steuert mit mir eingehakt Richtung Bühne.

Kurz davor lässt sie von mir ab. Sie will das wohl allein durchziehen. Ich hauche ihr noch einen Kuss auf die Stirn und flüstere ihr ins Ohr: „Es wird alles gut. Versprochen!"

Sie lächelt mich gequält an und geht dann hoch. Mit einem Handzeichen bittet sie den D.J., die Musik auszumachen. Kaum ist das geschehen, richten sich alle Augen zu der kleinen Bühne, auf der Renesmee steht und aussieht, als würde sie gleich zusammenbrechen.

„Hey Leute. Könnt ihr bitte mal alle näher kommen. Ich habe etwas zu verkünden", versucht sie noch stark zu wirken.

Sie schaut nicht zu ihren Freunden, sondern direkt in unsere Richtung. Um es genauer zu sagen, blickt sie direkt in meine Augen und ich versuche, ihr so viel Kraft wie möglich zu übermitteln.

„Wer sind diese Leute, die du da mitgebracht hast?", ruft einer der Jungs.

Edward wirft ihm einen wütenden Blick zu, der ihn gleich einen Kopf kürzer macht.

„Das sind ähm… Freunde von mir, Studenten."

„Freunde? Ich dachte, wir sind deine Freunde?", höre ich Becky rufen.

„Und das seid ihr auch. Mehr, als ihr glaubt", gibt sie noch in einen Flüsterton hinzu.

„Was ist los, Ness? Warum sind wir hier?", fragt ein Mädchen, das ziemlich besorgt drein schaut.

„Ich werde nach Alaska gehen."

„Wann?"

„Heute Abend noch."

„WAS?", rufen glaube ich, alle Leute zusammen.

Und schon beginnt das wilde Durcheinander. Alle sprechen, schreien durcheinander. Jasper zuckt vor Schmerz zusammen und Edward ballt die Fäuste.

„Warum?""Wir wollten doch zusammen den Abschluss machen.""Bedeuten wir dir gar nichts?""Was ist mit Scott?""Warum Alaska?", sind nur einige der viele Fragen.

Renesmee steigen die Tränen in die Augen und ich merke, dass sie am liebsten von der Bühne springen will, genauso, wie ich zu ihr laufen möchte. Aber wieder ist jemand schneller als ich. Nur diesmal ist es nicht Edward.

Scott springt plötzlich auf die Bühne und nimmt Renesmee, ohne ihr in die Augen zu schauen, das Mikro aus der Hand.

„HEY!", brüllt er.

„Beruhigt euch mal. Seht ihr nicht, dass es Renesmee nicht gerade leicht fällt?"

Plötzlich wird es ganz still im Raum. Das Einzige, was man hört, sind die schnellen aufgeregten Atemzüge der Menschen im Raum, aber am lautesten höre ich Renesmees Herz pochen. Und es pocht noch lauter, als Scott ganz verstohlen ihre Hand ergreift. Noch immer schaut er sie nicht an.

„Er ist beschämt", lässt uns Jasper wissen, und beantwortet somit meine Frage, warum er sie nicht ansieht.

„Lasst Renesmee erklären, warum. Sie wird sicher ihre Gründe haben", sagt er immer leiser werdend.

Jetzt schaut er ihr zum ersten Mal verlegen in die Augen und deutet ihr, zu beginnen.

„Du weißt noch nicht, was sie da will?", fragt wieder dieser Junge, der vorhin schon mal dazwischen rief.

„Halt endlich deine Klappe dahinten und lass sie aussprechen", ruft Emmett.

Er bäumt sich förmlich auf und der Typ sinkt endgültig ins Nichts. Auch besser so.

„Danke Emmy", sagt Renesmee mit einem Grinsen im Gesicht. Emmett freut sich zum ersten Mal, so genannt zu werden. Alle anderen schauen nur verwundert in unsere Richtung.

Aber das interessiert mich weniger. Mein Blick bleibt starr auf Renesmee und ihren festen Druck um Scotts Hand, der nicht weniger wird.

Renesmee räuspert sich, wohl eher, um sich noch mal Mut zu machen.

„Ich habe die einmalige Chance bekommen, schon jetzt, in einem sehr renommierten College in Alaska anfangen zu studieren. Es kam sehr kurzfristig und ich kann einfach nicht nein sagen."

„In Alaska? Ich dachte da gibt's nur Schnee."

Boah. Ich hab's langsam satt, diese ewigen Zwischenrufe.

„Klappe, Josh", ruft Scott.

„Aber ich dachte, du, Scott, Amber, Becky, Brandon und ich, wollten zusammen auf die PC (Phoenix College) gehen. Zusammen studieren?", fragt Alisha, die nun gar nicht mehr so fröhlich aussieht, wie noch vor ein paar Minuten.

Zu meinem Erstaunen geht nun auch noch Carlisle auf die Bühne. Na nun bin ich gespannt. Mit einem Blick fordert er von Scott das Mikro, der es sofort bereitwillig abgibt.

„Guten Abend", begrüßt Carlisle die Schüler in seinem typischen Doktorton.

„Mein Name ist Dr. Cullen. Ich bin wahrscheinlich der Grund dafür, dass Renesmee nicht auf das hiesige College gehen wird. In Alaska bin ich Direktor eines kleinen, aber sehr innovativen Colleges, welches sich ganz besonders begabten Schülern annimmt. Wie eben Renesmee. Ich freue mich schon sehr, sie bei uns auf dem College willkommen zu heißen", sagt er noch und verschwindet wieder von der Bühne. Aber nicht, ohne Renesmee aufmunternd zu zuzwinkern.

Einige Mädchen schauen ihm staunend hinterher. Wohl eher wegen seines Aussehens, als wegen dem, was er gerade erzählt hat.

„Nicht schlecht, Dr. Cullen", empfängt Esme ihren Mann mit einem zärtlichen Kuss.

„Danke Carlisle", sage ich ihm.

„Das war das Mindeste, Bella."

„Das ist doch Kacke", ruft erneut jemand dazwischen.

„Bist du damit einverstanden, Scott?"

„Sicher nicht. Aber ich will Renesmee sicher nicht im Weg stehen, eine steile Karriere zu starten. Schneller, als ihr gucken könnt, wird sie zurückkommen und Dr. Renesmee Carlie Dwyer sein."

Im Moment stört es mich nicht, dass er sie Dwyer genannt hat. Mir gefällt es, wie er sie weiter verteidigt. Was mich am meisten freut und Edward zum Brodeln bringt, ist, wie Scott Renesmees Gesicht packt, sie an sich ran zieht und sie liebevoll küsst.

Rosalie, Esme und Alice höre ich nur ‚aww' sagen. Bei unseren lieben Herren hört es sich eher wie ein Knurren an.

Es scheint, als habe die Meute die Lüge geschluckt. Wobei der Kuss der beiden auf der Bühne sie wohl endgültig überzeugt hat.

„Sie sind nicht glücklich drüber, haben es aber geglaubt und wollen jetzt noch mal so richtig mit Renesmee feiern", berichtet Jasper und lässt mich so befreit ausatmen.

Dabei schweift mein Blick wieder hoch zu meiner Tochter, die Scott gerade tief in die Augen sieht. Im Scheinwerferlicht sehe ich ihre Tränen glitzern, aber nicht lange, denn Scott wischt sie ihr gefühlvoll von der Wange. Wie gern würde ich jetzt ihre Gedanken lesen.

Es tut mir Leid, Sunshine", fängt Scott an.

Wie er sie Sunshine nennt, da geht wirklich die Sonne auf. Die beiden verbindet wirklich eine besondere Liebe.

Das war nicht fair von mir. Ich war nur geschockt."

Er will zu einem erneuten Satz ausholen, doch Renesmee stoppt ihn mit ihren Lippen, die sie fest auf seine presst. Mittlerweile sind Alice und Rose an meine Seite getreten und drücken meine Hände. Sie sind genauso erfreut wie ich, über das, was auf der Bühne passiert. Wie Renesmee Scott in den Nacken greift, um den Kuss zu festigen. Was wohl eher unnötig war, denn so, wie er seine Arme um sie geschlungen hat, wollte er nicht fliehen.

Erst als Scott die Puste ausgeht, lassen sie voneinander ab. Beide Augen funkeln einander an.

Versprich mir, mich nicht zu vergessen, OK. Wir telefonieren, chatten usw.. Vielleicht kannst du mich dann auch bald besuchen….", diesmal unterbricht Scott sie und legt seinen Zeigefinger auf ihre Lippen.

Wie könnte ich dich vergessen. Ich werde dich immer lieben, egal wie weit weg du bist. Mein Versuch dich zu hassen, um von dir weg zu kommen, ist kläglich gescheitert. Ich bin abhängig von dir", zwinkert er ihr zu.

Hab ich das nicht in ähnlicher Form schon mal Edward sagen hören? Ich blicke zu ihm und sein schelmisches Grinsen verrät mir, dass er genau das gleiche denkt.

„Genug Trübsal geblasen. Jetzt wird abgedanct",ruft der D.J. ins Mikro.

„Ness. Der Song ist für dich. Ich weiß, wie sehr du ihn liebst."

Und ich mag es, wie du deine Hüfte zu dem Song bewegst", murmelt er so vor sich hin, dass es ein normaler Mensch nicht hörte.

Wir und Renesmee haben es eindeutig gehört.

„Soll ich ihn jetzt oder später umbringen", wütet Emmett.

„Später", klingt Rosalie mit ein.

Renesmee und Scott springen Hand in Hand von der Bühne und bewegen sich zu der Musik, die mich an was erinnert.

„Ihr Klingelton", klärt mich Jasper auf.

Ach ja, genau. Infinity. So langsam gefällt mir der Song auch. Aber nicht, wie sich die Leute hier da zu bewegen. Selbst Rosalie scheint etwas erschrocken, als sich die Mädels nah an den Jungs bewegen und mit ihren Reizen spielen. Renesmee ist nicht weniger in Aktion.

„Ich würde dich auch gern mal so tanzen sehen", raunt mir Edward ins Ohr.

Ehe ich was erwidern kann, zieht er mich auf die Tanzfläche. Unser Tanzstil ist allerdings eher altmodisch und erinnert mich an den Schulball. Auch wenn ich diesmal nicht auf Edwards Füßen stehen muss, um mir nicht die Füße zu brechen.

Nicht nur wir mischen uns unter die ‚Jugend'. Ich sehe Alice mit Japser neben mir, so wie Emmett mit Rosalie im Arm. Selbst Carlisle und Esme bewegen sich zur Musik. Einzig meine Eltern und Phil schauen dem Treiben lieber zu, auch wenn es Reneè unter den Fingernägeln juckt.

Es folgen ein paar weitere, mir unbekannte Lieder. Ich schaue zu Renesmee und Scott, die Eins geworden zu sein scheinen. Die letzten Momente habe ich alle darum gebeten, den beiden etwas Zeit für sich zu geben. Ich schalte mich auch völlig raus.

Dass sie sich wieder vertragen haben, war eindeutig zu sehen. Aber das wird den Abschied wohl noch schwieriger machen. Und der wird jetzt kommen, denn wir müssen uns auf den Weg zum Flughafen machen.

Scott fährt mit Renesmee, mir und Edward mit. Ich muss immer wieder in den Rückspiegel schauen und freue mich, wie verliebt sich die zwei anschauen. Sie sind einfach zu süß. Edward bleibt die ganze Zeit still. Ich hingegen unterhalte mich etwas mit Scott und versichere ihm nochmal, dass ihm der Kontakt zu Renesmee immer erlaubt sei.

Er scheint die Angst über uns Vampire etwas verloren zu haben. Zumindest steht ihm nicht mehr der Angstschweiß auf der Stirn. Und schon gar nicht scheint er Abscheu gegenüber Renesmee zu haben, so wie er sie gerade mit dem Blick aufsaugt.

Allerdings ändern sich ihre Blicke, als wir am Flughafen ankommen. Aber nicht nur ihrer. Jasper hat einiges zu tun, vor allem um Reneè aufzubauen. Sie weint schon die ganze Zeit leise Tränen und hält krampfhaft an Phil fest.

Wir stehen vor der Flughafenkontrolle. Edward und Carlisle haben sich gerade nochmal bei Phil und Reneè dafür bedankt, für das, was sie die ganzen Jahre für Renesmee getan haben. Diese liegt in den Armen von Scott und will ihn gar nicht mehr loslassen. Mit wenig Worten wie immer verabschiede ich mich von Charlie.

Es tat gut, ihn wiederzusehen und zu wissen, dass es ihm gut geht. Carlisle und Edward passieren, wie schon Alice, Jasper, Emmett, Esme und Rosalie die Kontrolle. Nur noch Renesmee und ich stehen davor. Als Renesmee sich endlich mal von Scott losreißen kann, um sich von Charlie zu verabschieden, wende ich mich mal an meinen, vielleicht, zukünftigen Schwiegersohn.

„Du bist ist ein guter Junge, Scott. Renesmee kann sich glücklich schätzen. Ich sehe in deinen Augen, wie sehr du sie liebst."

„Das tue ich auch", sagt er leise.

„Gut. Ich weiß, dass es für euch nicht einfach wird, aber versuch stark zu bleiben. Für sie. Glaub an eure gemeinsame Zukunft."

„Kann es denn eine geben?"

Ich nicke ihm nur lächelnd zu und kann in seinen Augen Hoffnung erkennen. Renesmee umarmt gerade Reneè und Phil. Reneè murmelt entschuldigende Worte in Renesmees Ohr, doch diese schüttelt ihren Kopf.

„Bitte vergiss meine harten Worte. Ihr wolltet nur das Beste für mich. Ich werde zwar nicht so schnell vergessen, dass ihr mich angelogen habt, aber ihr hattet eure Gründe. Ich werde euch so vermissen", kommt sie ins Schluchzen.

„Wir werden dich auch sehr vermissen, Nessie", sagt Phil mit Absicht, um Renesmee etwas aufzumuntern.

Sie lächelt gequält und zieht ihre Großeltern noch mal fest an sich.

Bella das Boarding hat begonnen", höre ich von Weitem Edward rufen.

„Es tut mir Leid, Renesmee. Wir müssen los", sage ich ungern.

Phil, Reneè und auch Charlie geben ihr nochmal einen Kuss auf die Stirn. Was nur dazu führt, dass mehr Tränen über das hübsche Gesicht meiner Tochter laufen.

„Wir telefonieren, Schätzchen. OK?", sagt Reneè mit genauso vielen Tränen im Gesicht.

Renesmee nickt und löst sich von ihnen. Aber nur, um sich nochmal Scott in die Arme zu werfen.

„Ich hab Angst", schluchzt sie.

„Wovor?", stellt er die Frage, die ich mir auch stelle.

„Dass ich dich verliere."

„Hey. Das brauchst du nicht", lächelt er ihr zu und streicht über ihre nasse Wange.

„Ich denke, du kannst meine Gedanken lesen?", zwinkert er ihr zu.

Und so wie sich Renesmees Gesicht sich erhellt, können es nur positive Gedanken sein. Sie küsst ihn noch einmal so leidenschaftlich, dass selbst ich lieber verlegen nach unten schaue.

„Geh, Sunshine. Umso schneller können wir wieder telefonieren. Ach fast hätte ich es vergessen", sagte er und holt etwas aus seiner Jackentasche. Eine CD oder DVD.

„Ich wollte sie dir eigentlich erst geben, wenn ich ins Trainingslager fahre, aber nun bekommst du sie jetzt schon", freut er sich, steckt die CD in Renesmees Rucksack und gibt ihr einen langen Kuss auf die Stirn.

Ich ergreife ihre Hand und sie lächelt mir zu. Ihre Hand hält noch Scott, aber sie entziehen sich einander langsam, bis sie keinen Kontakt mehr haben. Als hätte dies einen Mechanismus ausgelöst, fängt Renesmee bitterlich an zu weinen. Aber sie versucht tapfer zu bleiben und winkt den Vieren zu.

Phil legt eine Hand auf Scotts Schulter, während Charlie Reneè hält. Ich winke ihnen ebenfalls zu, wobei mich der Anblick meiner Eltern wirklich sehr ergreift. Ich habe sie Jahre, sehr viele Jahre nicht mehr so gesehen.

Es ist kein gutes Gefühl, ihnen den Rücken zu kehren. Renesmee scheint es genauso zu gehen. Sie lässt gar nicht mehr ab von meiner Hand.

Ich hoffe, es wird Renesmee in Denali gefallen, auch wenn dort sicherlich schon der nächste Stress auf uns wartet.

TBC