AN: Vielen Dank, erneut für die Reviews… Macht weiter so…

starchild: Tut mir Leid dich enttäuschen zu müssen, aber mir ist es nicht möglich, öfter als einmal die Woche zu updaten. Die 3 Kapitel beim letzten Mal, waren nur, weil ich hier hatte vergessen zu posten.. Allerdings garantiere ich dir und allen anderen wöchentlich zu updaten…

Neuanfang

Renesmees POV

Du denkst, es kommt nicht mehr schlimmer? Wer das glaubt, wird meistens bestraft. So wie ich. Meine Eltern sind nicht meine Eltern. Gut, das habe ich abgehakt. Bella und Edward sind meine Eltern und so wie Bella mit mir leidet, wie es eben eine Mutter tun würde, kann ich mir immer mehr vorstellen, sie wirklich als Eltern zu akzeptieren.

OK. Das mit dem Vampir sein ist irgendwie verrückt. So unwirklich, aber ich spüre es immer wieder. Die Vision von Alice, die ich gesehen habe, ich kann plötzlich Gedanken lesen und nicht zu vergessen der Schild. Dass das die Kräfte meiner Eltern sind, wundert mich nicht. Aber das alles habe ich nun auch mit mir vereinbart.

Die Sache mit Scott ist dabei nicht ganz so einfach. Ich liebe ihn über alles. Dann auch noch zu wissen, dass er mich dennoch liebt, ist umso schlimmer. Ich kann noch nicht realisieren, dass es ein Uns nicht mehr geben wird.

Und zum Höhepunkt kommt mein geglaubter Onkel Charlie durch die Tür hinein geschneit. Aber er ist nicht mein Onkel, sondern mein Opa. Dass er mich belogen hat und dazu zähle ich auch, dass er mir nicht erzählt hat, wer er wirklich ist, trifft mich schlimmer, als dass meine Großeltern sich für meine Eltern ausgegeben haben.

Charlie und ich hatten nie das typische Onkel-Nichte-Verhältnis. Wir waren beste Freunde. Er kam zu meinen Meisterschaftsspielen und in den Ferien war ich bei ihm. Zu den Feiertagen lud Reneè ihn nach Phoenix ein. Unser damaliger Schwur basierte also nur auf einer Lüge. Zumindest von seiner Seite her. Ich habe ihm immer die Wahrheit gesagt, selbst wenn es mich in Schwierigkeiten brachte.

Aber hinterher betrachtet, hatte auch er seine Beweggründe, dies zu tun. Was hätte er sagen sollen? ‚Renesmee, ich bin dein Grandpa.' Ich hätte ihn wahrscheinlich ausgelacht, oder so. Dennoch schmerzt es.

Trotz dieser ganzen Lügen brennt ein größerer Schmerz in meiner Brust. Phoenix zu verlassen ist ein Albtraum für mich. Und dann bewahrheitet sich auch noch fast Alice Vision. Als ich vor Becky stehe und sie mich so wütend macht. Aber Dad, der Retter in der Not, kann die Katastrophe noch abwenden.

Schlimmer wird es dann auf der Bühne. Die Gesichter meiner Freunde. Noch nie habe ich diesen Ausdruck in ihren Augen gesehen. Sie sind enttäuscht von mir, wütend, aber vor allem traurig.

Als Scott auf die Bühne springt, glaube ich zu träumen. Ich dachte ich würde ihn nie wieder sehen. Aber als er meine Hand ergreift, kommt sofort wieder dieses unbeschreibbare Gefühl auf, dass ich nur in seiner Nähe, mit seinen Berührungen verspüre.

Er weiß gar nicht, wie froh ich gerade bin, dass er bei mir ist. Egal was jetzt kommt, er ist an meiner Seite. Als Scott mir endlich in die Augen sieht, höre ich seine Gedanken so klar.

Du schaffst das, Sunshine. Ich bin bei dir.

Durch seine Ermutigung fange ich tatsächlich an. Aber laufend ruft wer dazwischen. Ich glaube, sie werden mir die Lüge nie abkaufen. Zu meiner Überraschung hilft mir Grandpa Carlisle aus der Misere. Ich lächele ihm dankend zu, als er nach seiner Erklärung wieder die Bühne verlässt.

Ich kann's nicht fassen. Wir hatten doch schon alles so genau geplant? denkt Alisha.

Und wie sollen jetzt die Mustangs die Meisterschaft gewinnen? Ohne sie auf jeden Fall nicht. Das kann nur von Brandon sein, der größte Fan unseres Teams.

Ich hasse sie. Ich hasse sie. Nein, natürlich hasse ich sie nicht, aber warum tut sie uns das an? Sie weiß genau, wie wir uns aufs College gefreut haben. Auch wenn Becky jetzt wütend auf mich ist, weiß ich, dass sie es irgendwann verstehen wird.

Der Abschied von meinen Freunden war schwer. Einige haben mir viel Spaß gewünscht, andere einfach nur geweint. Manche haben mir böse Blicke zugeworfen. Aber als ich ihnen sagte, dass sie es eh nicht so meinten, mussten sie selbst lachen.

Ich genoss die Zeit mit Scott, die mir blieb und versuchte auszublenden, dass wir uns eine lange Zeit nicht sehen werden. Wir waren nur einen Tag getrennt, nachdem er erfahren hatte, was ich bin. Aber dieser eine Tag war für mich die Hölle. Was wartet dann wohl jetzt auf mich? Ich hoffe, meine neue Familie kann mich ablenken.

Dass mir der Abschied von meinen, naja, jetzigen Großeltern so schwer fällt, hätte ich nicht gedacht. Ich kann ihnen aber auch nicht ewig böse sein. Sie taten das, wovon sie dachten, dass es das Beste für mich wäre. Und ich will auch nicht, dass sie ewig ein schlechtes Gewissen haben. Dafür haben wir alle die ersten 18 Jahre meines Lebens viel zu sehr genossen. Es waren schließlich schöne Jahre, die ich ganz bestimmt nicht missen möchte.

Der Abschied von Scott war schmerzhaft. Ich wollte ihn nicht loslassen, da ich große Angst hatte ihn so für immer zu verlieren, aber seine Gedanken machen mir Mut. Er wünscht sich noch immer eine Zukunft mit mir und vertraut mir. So wie ich ihm vertraue.

Das letzte Mal seine Lippen zu spüren, war nicht das sonstige Vergnügen, es war schmerzhaft, denn zu wissen, dass es das letzte Mal für lange Zeit ist, war wie kleine Nadelstiche ins Herz. Als unsere Hände den Kontakt verlieren, ist es, als würde etwas zwischen uns brechen. Doch hoffe ich, dass es nur Einbildung ist. Die Vorstellung, nicht mehr mit Scott diese Verbundenheit zu teilen, wie wir sie die letzten Jahre hatten, ist für mich unvorstellbar. Für mich stand fest, mit ihm bis in alle Zeiten zusammen zu sein.

Ich klammere mich so an Bella, dass ich denke, ihr sicher damit schon Schmerzen zuzufügen, aber sie lächelt mir immer wieder aufmunternd zu. Noch vor ein paar Tagen war die Vorstellung, dass sie meine Mutter ist, völlig absurd. Doch jetzt, wenn ich sehe, wie sie mich aufbaut, sich so sehr bemüht, mir bei meinem Leid zu helfen und selbst mitleidet, zeigt sie wirklich ihre wahren Muttergefühle.

Allerdings ist es für mich schwer, sie als Mutter zu sehen. Eine Verbindung besteht schon. Emotional habe ich sie auch schon völlig als meine Mom akzeptiert, aber äußerlich ist es schwer. Und auch irgendwie witzig. Sie ist wie ich 18. Also vom Körperlichen her.

Altere ich dann weiter? Es gibt noch so viele Fragen. Aber momentan will ich sie gar nicht stellen und lieber an Scott denken.

Am Gate wartet schon der Rest der Familie. Auch sie lächeln mir aufmunternd zu. Esme nimmt mich leicht in dem Arm, während Edward mir ahnungslos einen Kuss auf die Stirn gibt. Er überrascht mich immer wieder. Mal ist er der Vater, den man nur hassen kann und dann ist er wieder so liebevoll. Seine Gedanken zeigen mir aber seine vollkommene Liebe zu mir und Bella. Aber er hat Angst. Doch ich konnte noch nicht sehen wovor.

Ich bin nicht überrascht, dass wir, als die 1. Klasse aufgerufen wird, los marschieren. Die Cullens und Economy Class? Unvorstellbar. Selbst, nachdem ich sie erst ein paar Tage kenne. Hhmm. Ich bin ja dann jetzt auch eine Cullen, oder?

Mit neun Personen nehmen wir gleich drei Sitzreihen in Beschlag. Natürlich sitze ich bei meinen Eltern. Bella überlässt mir den Fensterplatz, als wenn sie ahnt, dass ich mich zwischen ihr und Edward noch etwas unbehaglich fühlen würde.

Kaum sitzen wir, muss ich ihr gleich meine Frage stellen, die mir seit eben im Kopf schwirrt.

„Heiße ich denn jetzt auch Cullen?", platzt es aus mir heraus.

Da vor uns und hinter uns ebenfalls Cullens sitzen und sie genau hörten, was ich fragte, wird es plötzlich ganz still.

In Alice, Esme und Emmetts Gedanken lese ich ein ganz schnelles Ja. Rosalie, Carlisle und Jasper folgen ihnen auf dem Schritt. In Edwards Gedanken sehe ich, wie er auf das Willkommensschild in Phoenix schaut und wütend wird. Damit wäre meine Frage also auch beantwortet. Bellas Gedanken brauche ich gar nicht lesen zu können, so voller Stolz, wie sie mich gerade ansieht.

„Wir möchten dir diesen Namen sicher nicht aufdrängen. Schließlich wissen wir, wie viel dir Reneè und Phil bedeuten, aber es würde mich voller Stolz erfüllen, wenn du den Namen deines Vaters annimmst", sagt mir Bella und streicht mir über den Handrücken.

Ich sehe in den Augen meiner Eltern, wie wichtig das für sie beide ist. Renesmee Carlie Cullen. Hört sich ja gar nicht mal so schlecht an. Zudem müsste es ja auch mein Name sein, schließlich sind sie meine Eltern. Meine Familie.

„Ich würde gern euren Namen annehmen, wenn ihr nichts dagegen habt."

„Natürlich nicht", sagt Edward.

Gut. Dann bin ich jetzt wohl eine Cullen.

„Leg den Gurt an, Renesmee. Es geht gleich los", weißt mich Bella darauf hin.

„Ist das nicht unnötig, wenn wir unsterblich sind?"

„Schsch", zischt es plötzlich von vorne und hinten.

Bella schaut mich erst besorgt und aufmunternd an. Sie hat wohl gemerkt, wie ich zusammengezuckt bin.

„Renesmee, es ist ganz wichtig für uns, nicht aufzufallen", beginnt sie.

Deshalb ist es wichtig, uns wie Menschen zu verhalten. Unser wahres Gesicht darf niemand erfahren, darum schließen wir uns auch so aus. Leben nicht in Großstädten.

Wow. Bellas Gedanken hören sich ernst an. Ich hab wohl noch einiges zu lernen.

„Oh OK. Ich versuch mein Bestes", sage ich ihnen.

„Du hast es zum Glück nicht ganz so schwer", lacht Emmett.

Ich brauche ihn nur fragend anschauen, schon prasseln viele Antworten auf mich ein. Es ist noch sehr schwer, die vielen Gedanken auseinander zu zerren, aber die meines Vaters höre ich am deutlichsten.

Würden wir uns so verhalten, wie es ein Vampir nur tun muss. Nehmen wir zum Beispiel jetzt hier im Flugzeug. Wir bräuchten eigentlich nicht sitzen, tun es aber, um nicht aufzufallen. Wir blinzeln ab und zu, obwohl wir es nicht tun müssen. Ab und zu bewegen wir unsere Beine oder Arme, nur um uns den Menschen anzupassen. Wir brauchen auch nicht atmen, tun es aber, weil wir unsere wahre Gestalt nicht zeigen können. Verstehst du, was ich meine?

Ich nicke ihm nur zu. Und in Edwards Gedanken sehe ich, dass er mir glaubt. Wie alle anderen auch.

Wir helfen dir schon dabei, Knirps.

„Knirps?", frage ich Emmett.

„Naja. Du bist doch unser Knirps", grinst er durch seinen und Rosalies Sitz hindurch.

Schön, dass sich auch alle anderen dran erfreuen.

„Wenn ich mich nicht irre, ist Alice die Kleinste. Nichts für ungut, Alice", lache ich ihr zu.

„Nee, aber die Jüngste."

„Hhmm. Ich dachte Dad ist 17. Ich bin 18", flüstere ich.

Emmett wäre wohl nicht Emmett, wenn er sich geschlagen geben würde.

„Für mich bleibst du Knirps", sagt er und setzt sich, als wäre das Gespräch damit beendet.

„Und du für mich Emmy."

Grrr. Sie weiß wohl nicht, mit wem sie sich da anlegt. Emmett der Streichekönig. Und sie kennt meine Tricks noch nicht.

„Dann vergiss aber auch nicht, dass ich deine Gedanken lesen kann", sage ich sehr leise, im Wissen, dass Emmett mich trotzdem hört.

Edward, der Emmetts Gedanken ebenfalls sah, lacht mit mir, während die Anderen sich nur verwundert ansehen.

„Emmett denkt in Renesmee ein neues Opfer seiner Streiche zu haben", klärt Edward die Anderen auf und sie stimmen ins Lachen mit ein.

Nur Emmett nicht, der die beleidigte Leberwurst spielt. Was ihm aber einen tröstenden Kuss von Rosalie einbringt.

Wann schaut sie sich nur endlich die DVD an? Ich kann's gar nicht abwarten. Sicher hat Scott ihr irgendwas Romantisches drauf gespielt. Die beiden sind so süß.

Alice. Ich drehe mich zu ihr um, da sie mit Jasper und Esme hinter uns sitzt. „Ups", sagt sie nur und lächelt verlegen.

„Ihr seid wirklich süß", grinst sie weiter.

„Kannst du nicht schon mal rein schauen?"

Ob sie Jasper mit diesem schmollenden Lächeln auch immer um alles bittet? Wenn ja, sagt er sicher nie Nein.

„Alice!", fährt Edward sie an.

„Oh man. Du verdirbst einem auch jeden Spaß", sagt sie geknickt. Es ist das erste Mal, dass ich sie nicht lächeln sehe.

„Ich würd's mir ja gerne ansehen, aber ich habe weder mein Laptop hier, noch einen tragbaren DVD-Player", sage ich ihr entschuldigend.

Da tippt mir jemand auf die Schulter. Ich drehe mich um und da reicht mir Emmett seinen tragbaren DVD-Player.

„Bitte schön, Knirps."

„Danke", funkele ich ihn mit schmalen Augen an.

Oh, jetzt hab ich aber Angst.

„Das solltest du auch haben", sage ich noch und entreiße ihm das Gerät.

Ich setze mich wieder und in der Zeit hat Alice längst die DVD aus meinem Rucksack genommen. Und so, wie sie mir dabei zulächelt, kann man ihr gar nicht böse sein.

„Macht sie das immer so?", frage ich in die Runde, wobei alle laut ‚Ja' sagen.

Alice zieht dabei ihre Unterlippe hervor und tut so, als würde sie gleich anfangen zu weinen. Da steht Jasper auf und drückt ihr einen Kuss auf die Wange.

„Aber dafür lieben wir sie ja so", sagt er verliebt und grinst Alice schelmisch an.

Diese Familie ist echt verrückt. Ich hoffe doch sehr, dass ich das mit dem Gedankenlesen bald ganz unter Kontrolle kriege, weil manche Gedanken möchte, ich einfach nicht mitbekommen. Ist ja gut und schön, wie sexy Emmett Rosalies Ausschnitt findet. Dennoch will ich ganz bestimmt nicht wissen, was er alles mit ihr machen möchte, wenn wir in Denali sind.

Ich muss schmunzeln, als ich mir die DVD-Hülle nun näher betrachte. Auf dem Cover ist mein Lieblingsbild von mir und Scott. Er in seinem Baseball-Hemd, so wie ich in meinem Softball-Shirt. Beide grinsen wir um die Wette, da unsere Teams die Meisterschaft gewonnen haben. Das gab es noch nie an unserer Highschool.

Auf der DVD selbst steht einfach nur ‚Für meine Liebste' mit einem, naja, ich denke es soll ein Herz sein. Malen ist nicht so sein Fall. Aber er hat's versucht.

Ohne Probleme bekomme ich den DVD-Player gestartet, da Emmett alles im kleinsten Detail in Gedanken durchgeht. Bella scheint es auch sehr zu interessieren, denn sie rückt immer näher an mich heran. Als ich den Player in unsere Mitte stelle, lächelt sie mir dankbar zu. Warum sollte ich sie auch davon ausschließen. So was teilt man doch auch mit seiner Mutter, oder?

Und mit seinen Tanten und Großmutter, wie es mir scheint, denn kurzerhand wurden die Plätze getauscht, so dass hinter Bella, Edward und mir nun Rosalie, Alice und Esme saßen. Naja. Vielmehr stehen sie mittlerweile und blicken gespannt zum Bildschirm.

Wie nun auch ich.

Scott war schon immer ein Tüftler. Zu jeder Gelegenheit bastelte er mir ein Video. Material hatte er genug, da nach mir und seinem Baseballschläger, seine Kamera sein liebstes Stück war. Er nahm alles möglich auf.

Leise Musik erklang. Yiruma. Scott weiß, wie sehr ich die Stücke von dem talentierten Pianisten liebe.

Und schon tritt Scott ins Bild, mit einem Lächeln, in welches ich mich schon verliebt hatte, als ich noch nicht mal wusste, was Liebe ist. Und jedes Mal, wenn er mir dieses Lächeln schenkte, wurde meine Liebe zu ihm größer und größer.

Hey Sunshine. Ja wenn du dieses Video siehst, bin ich eine lange Zeit weg. Zwei Wochen ohne dich, wie soll ich das nur aushalten. So sehr ich mich ja auf dieses Baselball-Camp gefreut habe, vermisse ich dich jetzt schon. Das letzte Mal, dass wir so lange voneinander getrennt waren, war, als du bei deinem Onkel Charlie warst. Und das war die schlimmste Zeit meines Lebens.

Ich musste jeden Tag an dich denken und so wird es dieses Mal auch sein. Sicher bekomm ich ärger mit den Coaches, weil ich mich gar nicht konzentrieren kann."

Er zeigt sein bestes Schmollgesicht, welches ich jetzt am liebsten küssen würde. Genauso wie ich ihn damit immer rum kriege, schafft er es mit mir. Und wie niedlich er doch blinzeln kann.

Aww. Ist das süüß. Wieder mal Alice. Ich glaub mit ihr werde ich mich noch sehr gut verstehen.

Ein wirklich entzückender Junge. Genau so jemanden hat sie sich verdient. Noch hatte ich nicht viel mit Esme zu tun. Aber sie war immer sehr aufrichtig zu mir und tröstete mich. Obwohl sie ein Vampir ist, strahlt sie eine Wärme aus, in der ich mich sehr wohl fühle.

Er scheint sie wirklich zu lieben. Ich hoffe es für ihn, sonst lernt er mich richtig kennen. Ich hätte mich gerne mehr an Rosalie erinnert. Es mag sich komisch anhören, aber zu ihr habe ich irgendwie eine besondere Verbindung. Vielleicht wirklich, weil sie in den ersten Tagen meines Lebens so für mich da war. Auch in meinen Träumen war sie für mich was Besonderes.

In Bellas Augen spiegeln sich die Gedanken der anderen drei wieder. Sie strahlt über beide Ohren. Edward? Tja, der tut so, als würde er nichts mitbekommen. In seinem Kopf spielt die ganze Zeit das Lied ‚Row your boat'. Also muss er etwas denken, was ich nicht hören soll. Schade.

Zurück zum Video.

Ich hoffe doch, du wirst mich auch ein wenig vermissen, aber ich wünsche dir schöne Ferien mit deiner Familie…"

Tja. Nur nicht mit der Familie, an die er in dem Moment denkt.

Aber wir schaffen das schon. Wirst sehen, die Zeit vergeht wie im Flug und schon bald haben wir uns wieder in den Armen, ich kann dich wieder küssen und…."

An diesem Punkt stelle ich den Ton aus. Das muss meine neue Familie nun wirklich nicht mit anhören. Typisch Scott. Unverbesserlich dieser Kerl. Wobei ich das, wovon er da redet, sehr liebe.

„Warum wirst du denn so rot?", fragt Rose mich lachend.

„Wie ihre Mutter damals. Wie schön", freut sich Alice und meine Röte im Gesicht steigt weiter an.

„Alice!", schimpft Esme.

Bella hingegen legt einen Arm um mich und sieht mich mitfühlend an.

„Ich habe es damals gehasst. Sie haben mich damit immer aufgezogen."

„Ja, weil du auch bei jeder Gelegenheit rot angelaufen bist", meldet sich nun auch noch Emmett dazu.

„Und ich habe es geliebt", höre ich nun Edward, der sich zu Bella beugt und ihr einen Kuss auf die Wange gibt.

So wie Bella jetzt schaut, sehe ich aus, wenn ich verlegen bin und rot anlaufe.

„Aber an dir sieht es ebenfalls sehr entzückend aus", zwinkert er mir zu.

„Hör auf Edward. Siehst du nicht, dass sie gleich vor Röte explodiert", lacht Rosalie.

Ich rutsche weiter in meinem Sitz hinab, in der Hoffnung, ganz verschwinden zu können.

„Entschuldige, aber das liegt in der Familie. Ich hoffe, du wirst damit umgehen können", sagt Bella lächelnd und ich nicke ihr dankbar zu.

Scott war im Video endlich fertig mit den Sachen, die er mit mir machen möchte, wenn wir uns wieder sehen.

Ich liebe dich, Carlie und vermisse dich. Bis bald."

Ich wollte schon das Video ausmachen, als ein anderes Video beginnt. Das war so eins, wovon ich gesprochen hatte. Ein Musikvideo mit vielen Clips aus unserer Beziehung. Er hatte aber auch nichts ausgelassen. Schön peinlich, wenn deine Mutter, Tanten und Oma sich das mit anschauen. Wobei man Esme wirklich schlecht als Oma bezeichnen kann. Sie sieht kaum aus wie 30 und wäre noch für meine Mutter zu jung.

Zum Schluss drückte Scott der Kamera noch einen Kuss auf die Linse, wobei ich mir wieder gewünscht hatte, die Linse zu sein. Ich vermisse ihn nämlich schon genauso sehr. Wortlos mache ich den Player aus, reiche ihn Emmett, während sich hinter mir wieder alle setzen.

In ihren Gedanken lese ich, dass sie jetzt lieber nichts sagen wollen, worüber ich ihnen sehr dankbar bin. Bella hingegen macht das einzig richtige, was eine Ma tun kann und nimmt mich in den Arm. Seit unserer Zusammenführung habe ich noch nie eine Umarmung so genossen.

„Auch wenn du es mir nicht glauben magst, aber ich weiß, wie es dir jetzt geht. Und ich würde dir gerne den Schmerz abnehmen, aber…"

„Ich glaube dir, ich hab's in den Gedanken der anderen gesehen, wie Dad dich damals verlassen hat", sage ich ihr und kann es mir nicht verkneifen, Edward einen bösen Blick zuzuwerfen.

„Sei nicht zu böse mit ihm, er wollte mich nur beschützen."

„So wie ich jetzt Scott und meine Freunde?", will ich wissen und Bella nickt zur Bestätigung.

„Aber du konntest dich von allen verabschieden", sagt sie bitter.

Ich wusste, sie wird es mir ewig übel nehmen. Aber was hab ich mir auch gedacht? Dass sie es einfach so vergessen kann? Sie hat zu dem Zeitpunkt die schlimmste Zeit ihres Lebens durchgemacht, hat gelitten wie eh und je. Und zu allem Übel auch noch mit dem Hund Jacob so eine tiefe Freundschaft geschlossen, dass ich sie fast an ihn verloren hätte…

„Wer ist Jacob?", frage ich an meine Eltern gerichtet.

„Nicht so wichtig", sagt Edward, während Bella meint:„Ein alter Freund."

Und komischerweise drehen sich plötzlich alle Gedanken um mich herum um ganz andere Dinge. Am schlimmsten ist Alice laufendes La-La-Gesinge.

„Lass dir mal was neues einfallen, Alice", sage ich gähnend, da ich merke, wie müde ich eigentlich bin.

Und wenn ich zurückdenke, weiß ich auch gar nicht mehr, wann ich das letzte Mal geschlafen habe. Irgendwie bin ich sogar froh, anders, als meine Vampirfamilie schlafen zu können, denn ich würde jetzt wirklich gerne ein paar Stunden nicht daran denken, wie sehr ich Scott vermisse und, was für harte Zeiten ohne ihn noch auf mich zu kommen.

Da ich noch immer in Bellas Armen liege, hat sie es natürlich mitbekommen und positioniert mich so, dass mein Kopf auf ihrer Schulter ruht. Erst jetzt merke ich, dass ihre Haare komischerweise genauso duften, wie meine. Aber ich bin jetzt einfach zu müde, um sie darauf anzusprechen.

Als ich wieder aufwache, ist um mich herum alles hektisch. Die Motoren sind aus, also sind wir wohl schon gelandet. Wow. Und ich hab nichts davon mitbekommen.

„Na Schlafmütze. Auch endlich wach?"

Ich glaube, Emmett will sich bei mir unbeliebt machen. So eine gute Laune kann ich gar nicht verkraften, wenn ich gerade erst aufgewacht bin.

„Lass sie in Ruhe, Emmett", funkelt Edward seinen Bruder an.

Ok, ok. Super Daddy. Bleib cool.

Ich kann also auch die Gedanken lesen, die gar nicht für mich bestimmt sind. Die Sache wird ja immer cooler.

„Gut geschlafen?", fragt mich Bella.

„Ein großes, weiches Bett wäre mir natürlich lieber", lächele ich ihr zu, aber die paar Stunden Schlaf taten mir wirklich gut.

Alice dreht in Gedanken gerade völlig durch. Sie waren ja auch auf meine Ankunft nicht vorbereitet.

Oh Gott, oh Gott. Wir haben noch so viel zu erledigen. Nessie braucht ein Zimmer, ein Bett. Und vor allem Klamotten. Sie mag ja einen guten Stil haben, aber es geht noch besser.

„Alice!", stoppe ich sie im Einklang mit Edward.

Wir schauen uns beide an und müssen grinsen. Das wird noch lustig.

„Ach und Alice. Mir gefällt mein Stil. Und lass das mit Nessie. Ich hasse diesen Namen, oder seh' ich wirklich wie ein Monster aus?", sage ich ernst, kann mein Lachen aber nicht lange verbergen.

Wie alle anderen um mich herum auch nicht.

Manno. Dachte ich, ich hab endlich einen neuen Shopping Partner und dann sowas.

„Ich hab nie behauptet, wir können nicht zusammen shoppen gehen."

Sofort erhellt sich ihr Gesicht.

„Wirklich?"

„Klar. Aber ich entscheide, was ich mir kaufe. Du darfst mir natürlich Tipps geben."

Damit scheint sie sich zufriedenzugeben.

„Du weißt nicht, worauf du dich da eingelassen hast", warnt mich Jasper.

Anscheinend musste er sonst immer herhalten. Der Arme.

Kaum sind wir aus dem Flugzeug ausgestiegen merke ich nur eins. Kälte. Wahnsinnige Kälte, die mir gleich bis durch die Knochen schlägt. Schlagartig fangen meine Zähne an zu klappern und meine Körper an zu zittern. Na toll.

„Ist dir etwa kalt, Knirps?", lacht Emmett auch noch.

Dafür bekommt er von Rosalie und Bella eine Kopfnuss.

„Danke", bibber ich hervor.

Mir wird etwas wärmer, als ich eine dicke warme Jacke um mich spüre.

„Gleich wird dir wärmer, Renesmee", flüstert mir Edward ins Ohr.

Er kommt hinter mir hervor und wickelt noch einen Schal um meinen Hals. Zum Schluss macht er auch noch die Jacke zu und gibt mir einen Kuss auf die Stirn. Dass ich etwas überrascht bin, ist untertrieben. Wenn er so herzlich ist, kann man ihn nur lieben und verstehen, warum Bella so unsterblich in diesen Mann verliebt ist.

„Danke", sage ich noch immer verdattert.

Er lächelt mich nur schief an und nimmt mir meinen Rucksack ab. Bella und Alice haken sich grinsend bei mir ein und führen mich wohl zum Ausgang. Während Jasper, Emmett und Carlisle wohl die Koffer holen gehen. Gentlemen.

Am Ausgang erwartet mich der nächste Schock, auch wenn ich damit hätte rechnen müssen. Schnee. Jede Menge weißer, kalter Schnee, der an manchen Stellen höher war, als ich groß bin.

„Du hast wohl nicht mit so viel Schnee gerechnet", stellt Esme fest.

Ich kann nur mit offenem Mund den Kopf schütteln.

„Gewöhn dich lieber daran", lacht mir Alice zu.

Ha ha. Sehr witzig. Habe ich schon mal erwähnt, dass ich eine abgrundtiefe Abneigung zu jegliches Wetter habe, was nichts mit Sonne und Wärme zu tun hat? Als wenn nicht schon alles schlimm genug wäre.

„Cullen Express!", ruft jemand aus den Wagen, die vor uns halten.

Und was für Wagen. Ein roter Jeep Grand Cherokee . und ein weißer Bentley .com/photos/uncategorized/2008/04/01/bentley_continental_gt_ , wie ich ihn noch nie gesehen habe. Verdammt, ich bin im Autohimmel.

Ich sollte vielleicht erwähnen, dass ich Autos liebe. Dabei fällt mir ein, dass mein kleiner Flitzer noch in Phoenix steht. .

Sollte ich überrascht sein, dass mir aus dem Jeep Emmett zu winkt und aus dem Bentley Carlisle und Jasper? Natürlich nicht.

„Du sahst damals nicht so begeistert aus, als du dein Vorher-Auto bekamst", sagt Edward und stupst Bella an.

Ich frag lieber nicht, was ein Vorher-Auto ist.

„Wow. Sind das eure?", frage ich stattdessen.

„Und wir haben noch mehr", freut sich Emmett.

„Cool. Ich fahr bei dir mit", rufe ich und springe auf den Beifahrersitz des Jeeps. Ich liebe Jeeps.

Die kichernden Anderen verteilen sich in die zwei Wagen. Wobei meine Eltern natürlich mit mir im Jeep sitzen.

Ich weiß nicht recht. Entweder herrschen hier in Alaska andere Gesetze, oder ich lese den Tacho falsch. Wir fahren doch nicht wirklich 200 km/h schnell, auf einer Landstraße. Aber so wie die Bäume an mir vorbei pesen sind wir wirklich so schnell.

Und so langsam wird's mir mulmig. Gleich treffe ich auf weitere Vampire. Die zwar Freunde der Familie sind, aber eben nicht meine Familie. Sie kennen mich noch nicht, was natürlich eine tolle Voraussetzung ist. Was wird mich nur erwarten?

Da fällt mir meine neue tolle Fähigkeit ein. Schauen wir doch mal in die Gedanken meiner Familie.

OK. Oder vielleicht auch nicht, denn Emmett kann's gar nicht abwarten, endlich mit Rose allein zu sein. Schönes Bett haben sie. Rose denkt auch an nichts anderes. Mein Gott.

Edward hat die gleichen Bedenken wie ich, wie denn wohl die anderen Vampire auf mich reagieren.

Ich bin überrascht, dass ich sogar die Gedanken von Alice, Jasper, Carlisle und Esme lesen kann, wo sie doch im Auto hinter uns sind.

Alice und Esme richten in Gedanken wohl gerade mein Zimmer ein. Die kleine Schwarzhaarige plant einen großen Kleiderschrank. Soll mir recht sein. Ich bin gespannt, wie mein Zimmer im Endeffekt aussehen wird.

Eigentlich hatte ich die Hoffnung schon aufgegeben irgendwelche Infos über mein neues Zuhause rauszufinden, aber Jasper und Carlisle enttäuschen mich nicht. Jasper steht in Gedanken, gerade in einem Gang, der sehr, sehr lang ist. An den Wänden hängen Gemälde mit Goldrahmen. Sieht sehr alt aus.

Carlisles Gedanken sind interessant, haben aber glaube ich doch nichts mit dem neuen zu Hause zu tun, denn er steht vor einem Schloss, welches mit Schnee bedeckt ist. Es sieht alt aus, aber nicht wuchtig.

Und bevor ich weiter in die Gedanken meiner Familie schauen kann, stehe ich vor diesem Schloss. Es wird immer besser. Dass ich vielleicht mal aus dem Wagen steigen sollte, merke ich erst, als Edward die Tür öffnet. Er lächelt mich an und hilft mir raus. Manieren hat er ja.

„Hier wohnen wir?", frage ich mit einer viel zu hohen Stimme.

Schön, dass sich mal wieder alle auf meine Kosten amüsieren. Dass mir das mittlerweile missfällt, zeige ich ihnen mit meinem bösesten Blick. Aber irgendwie scheint er nur das Gegenteil zu bewirken.

Alice nimmt meine Hand und zieht mich hinter sich her. Früher hätte ich mir ihrer Geschwindigkeit sicher nicht mithalten können. Wir passieren eine megagroße Eingangstür, die glaub' ich kein normaler Mensch geöffnet bekommt.

„Wir sind wieder da", brüllt Alice, als wir hineintreten.

Innen sieht es noch überwältigender aus. Und zu meiner Überraschung viel moderner als von außen. Alice nimmt meine Hand, als sie eine Vision bekommt. Auch ich sehe diese Vision.

Mehrere Leute kommen auf uns zu. Auch sie sind so schön, wie meine Familie. Na gut, nicht ganz so schön. Ihre Blicke sind starr auf mich gerichtet. Die meisten mit ernster Miene.

Die Vision reißt ab, als hinter uns nun auch die restlichen Cullens eintreffen.

Was riecht hier so merkwürdig? Ein Mensch?, höre ich jemandes Gedanken.

Ein Mensch? Was hat Carlsile nun wieder angeschleppt?

Edward tritt nah an mich heran, da er das sicher auch mitbekommen hat. Und schon höre ich einige Personen auf uns zu laufen. Und keine Sekunde später stehen die Vampire aus Alice Vision vor mir. Ihre wilden Gedanken treiben mich in den Wahnsinn. Ich muss mich an Edward festhalten, um nicht wieder in die Knie zu sacken.

Konzentrier dich nur auf mich, Renesmee. Blende ihre Gedanken aus. Hör auf meine Stimme.

Es hilft tatsächlich. Aber ich kann mich nicht lange konzentrieren, als einer der Vampire, eine Frau mit kinnlangen silbernen blonden Haaren, in Angriffsstellung geht.

„Ein Mensch, Carlisle? Wie konntest du nur?", wütet eine andere Frau, mit rotblonden gewelltem Haar.

Ein Knurrkonzert erfüllt den Raum. Ich hab das Gefühl, vor Angst zu zittern und ich weiß nicht, wie lange meine Knie noch standhalten. Meine Familie stellt sich plötzlich schützend vor mich.

So habe ich mir das alles irgendwie nicht vorgestellt.

TBC