A/N: Danke für eure Review. Schaut mal in mein Profil, dort gibt es erstens endlich ein Bild, wie ich mir meine Renesmee vorstelle und zweitens ein paar Bilder, wo Edward und Renesmee ihre Tage verbringen. Take care!!!

Vater – Tochter Bindung

Edwards POV

Das, was das Gesicht meiner Tochter ausdrückte, als ich sie das letzte Mal sah, wollte ich eigentlich nie wieder sehen. Geschockt, traurig, verletzt, und wieder habe ich es verursacht. Bellas Mimik fügte sich dem mit Renesmee völlig mit ein.

Zudem kommt noch die Sorge hinzu, dass ich wieder etwas machen könnte, was schlimme Folgen hätte. Auch wenn ich ihre Gedanken nicht lesen kann, weiß ich genau, was in dem Moment in ihr vorging. Und ich war wirklich nahe dran, es zu tun.

Ich will alles in der Welt tun, um meine Familie zu beschützen. Koste es, was es wolle. Nur wähle ich dank meiner Emotionen und Gefühle wieder mal den falschen Weg.

Eigentlich wollte ich Emmett am liebsten aus dem Fenster befördern, als er mich aufhielt, nachdem ich Renesmee so angefahren habe. Aber jetzt im Nachhinein bin ich ihm, Rosalie, Jasper und Esme dankbar. Ihre Worte haben mich realisieren lassen, dass ich meine Tochter, aber auch den Rest der Familie, in Gefahr bringen könnte, würde Renesmee die Gefahr nicht kennen.

Ich hatte aber auch meine Gründe, warum ich es ihr noch nicht erzählen will. Sie sollte sich erstmal hier einleben, glücklich werden. Ich sehe es doch klar in ihren Augen, dass es ihr noch immer schwerfällt. Und ich wollte nicht, dass sie in ständiger Angst lebt, auch wenn sie sagt, wie sicher sie sich in unserer Umgebung doch fühlt.

Jetzt sitze ich hier allein im Schnee, blicke hoch zu den grauen Wolken über Denali und schmolle, so wie Emmett es betitelt, vor mich hin. Eigentlich schmolle ich nicht, ich denke nach. Aber Renesmees freudige Laute, die aus dem Schloss kommen, unterbrechen meinen inneren Small Talk. Ich nähere mich dem Schloss etwas, um die Gedanken der Anderen zu hören.

Sie freut sich so sehr über ihr Zimmer. Wenn Edward doch jetzt ihr Gesicht sehen könnte. So voller Freude. Sind Esmes Gedanken.

Wusst ich doch, es wird ihr gefallen. Sie ist schließlich eine Cullen. Freut sich Alice.

Und ich bin nicht dabei. Ein toller Vater bin ich.

Was mich schon am Flughafen überraschte, ist ihre Begeisterung für schnelle Autos. Ich kann mir Emmetts grinsendes Gesicht bestens vorstellen, denn seine Gedanken springen gerade auf und ab. Ich hätte mich über den VW aber auch sehr gefreut. Emmetts Gedanken kreisen eine ganze Weile um das Auto, so konnte ich genau sehen, wie der Wagen aussieht.

Dennoch bleibe ich bei meinem Volvo. Ich weiß gar nicht, was immer alle gegen meinen Volvo haben. Zuverlässig, schnell und nicht zu auffällig. Wir ziehen so schon sämtliche Blicke auf uns.

Ich höre nur noch das powervolle Aufröhren eines Motors, wohl der VW, denn alle anderen Motorgeräusche sind mir bekannt. Renesmee und Emmett beginnen eine Spritztour. Und Emmetts verängstigte Gedanken lassen darauf schließen, dass nicht er am Steuer sitzt.

Sofort mache ich mich auf zum Schloss, denn ich muss Bella erklären, warum ich so störrisch reagiert habe.

Um Blicke und dämliche Sprüche zu vermeiden, springe ich durchs Fenster in unser Zimmer, wo meine Schönheit mit dem Rücken zu mir sitzt, aber in dem Moment, wo ich lande, dreht sie sich zu mir und lächelt. Wieso lächelt sie? Müsste sie nicht eigentlich stinkwütend mit mir sein?

Ich gebe ihr einen kurzen Kuss auf die Lippen und setze mich neben sie. Ganz selbstverständlich nimmt sie meine Hand, wobei sich unsere Finger ineinander verflechten. Ich liebe es, wenn sich unsere Finger so vereinigen.

„Du bist nicht böse mit mir?", frage ich vorsichtig, denn sollte sie es wirklich nicht sein, werde ich sie auch nicht dazu bringen. Doch sie schüttelt nur lächelnd ihre wunderschöne braune Haarpracht.

„Edward, Liebster. Wie kann ich dir böse sein, wenn du doch nur versuchst, unsere Tochter zu beschützen."

Ich wusste, sie würde mich früher oder später verstehen.

„Aber ich habe Angst, du machst wieder irgendwas Unbedachtes, was uns allen viel Schmerz bereiten wird, Edward. Ich will und kann dich nicht wieder verlieren. Und schon gar nicht jetzt, wo wir unsere Tochter wieder haben", sagt sie mit halb flehendem Blick. Der Schmerz von damals klar und deutlich in ihrem so zarten Gesicht wieder zu erkennen. Ich habe ihr damals eine Narbe zugefügt, die sie nie wieder los wird.

„Deswegen bin ich vorhin geflohen, um nichts Dummes zu tun und Renesmee noch mehr zu verletzen. Ich musste nachdenken, wobei mir Jasper und Emmett einige Stunden Grübeln erspart haben. Rosalie hat es auf den Punkt getroffen und mich überzeugt, dass Renesmee über die Volturi bescheid wissen sollte. Ich werde gleich später mit ihr reden."

Bella atmet erleichtert aus, aber ich sehe noch immer Zweifel in ihren Augen.

„Bella, Liebes, sieh mich an."

Sie macht was ich sage und für einen Moment versinke ich in ihren funkelnden Augen, vergesse dabei kurz, warum ich sie gebeten habe, mich anzusehen.

„Bitte glaube mir, dass ich dich und Renesmee nie verlassen werde. Ich werde immer bei euch sein und wir werden eine glückliche Familie sein. So, wie es schon vor 18 Jahren hätte sein sollen."

Ihr glückliches Gesicht verrät mir, dass sie mir glaubt, obwohl ich ihr Vertrauen nicht mehr verdient habe. Ich meine es aber äußerst ernst. Keine Sekunde möchte ich mehr mit Bella und Renesmee missen. Ohne sie bin ich nichts, verloren in einer Welt voll Trauer, eine leere Hülle.

Von Weitem höre ich schon Renesmees Auto. Bella ebenfalls.

„Lass uns ins Wohnzimmer gehen", sagt sie mir.

„Geh schon mal vor, ich komm gleich nach."

Doch Bella, wie sie nun mal ist, verschränkt die Arme vor ihrer Brust und sieht mich fragend an. Um das Bild noch zu perfektionieren, zieht sie ihre zierliche Augenbraue hoch und tippt mit ihrem rechten Fuß auf den Boden. Damit bringt sie mich nur noch mehr zum Lachen.

„Eine kleine Überraschung. Versprochen, ich komm gleich nach", sage ich ihr verzückt und schenke ihr noch einen Augenblick lang meine Lippen.

„Damit kommst du nicht immer durch, Mister. Lass mich nicht zu lange warten."

Ich nicke ihr nur schmunzelnd zu und schiebe sie zur Tür raus.

Schnell erledige ich das, was ich zu tun habe, um meine beiden Frauen zu überraschen. Auch wenn ich mir sicher bin, dass der Rest der Familie nicht so begeistert sein wird, dass ich ihnen Renesmee für ein paar Tage stehle.

Ich lasse mir ein wenig Zeit, um ins Wohnzimmer zu gelangen und höre ein Handy klingeln.

„Es ist Scott", sagt Renesmee.

Jetzt ist es wohl besser, noch nicht ins Zimmer zu gehen, denn ich will vermeiden, dass Renesmee sich unwohl fühlt, bei ihrem Telefonat mit ihren Freund. Denn ich habe momentan selber das Gefühl, dass es Renesmee in meiner Gegenwart etwas unangenehm ist. Vor allem nach unserem letzten Aufeinandertreffen. Aber ich kann mich nicht losreißen und muss das Gespräch mit anhören.

„Scottie?"

„Carlie?"

„Oh Scott", schluchzt Renesmee.

Nicht weinen, Schatz, "höre" ich Esme.

„Hey Sunshine. Nicht weinen. Ich dachte, du freust dich, mich zu hören."

„Ich freu mich auch", bringt meine Tochter gerade noch so raus.

„Bist du gut angekommen? Geht es dir gut?", fragt Scott hastig.

In seiner Stimme klangen viel Freude und Erleichterung mit. Erleichterung wohl, weil er dachte, wir würden ihr sonst was antun. Sein Vertrauen zu uns ist wohl noch nicht hundertprozentig.

„Es ist wirklich toll hier. Ich hab ein riesen Zimmer."

Es sollte sich sicher enthusiastisch anhören, doch es klang eher traurig. Lange ist nur Renesmees Schluchzen zu hören. Die Anderen leiden gedanklich mit ihr.

„Ich vermiss dich, Scottie", sagt sie leise.

„Und ich dich erst. Ich freu mich so, deine Stimme zu hören."

Wieder schweigen sie einen Moment.

„Deinen Eltern, also deinen Großeltern geht es gut. Sie haben mich gestern Abend noch zum Essen eingeladen. Der Coach war so nett wie noch nie zu mir", höre ich ihn lachen.

„Wirklich?"

So geht das Gespräch eine Weile weiter. Sie unterhalten sich über die weiteren Reaktionen von ihren Freunden. Dass sie am nächsten Tag noch immer alle sehr traurig waren.

Meine Eltern und Geschwister schleichen sich leise aus dem Raum. Aber so vertieft, wie Renesmee in ihrem Gespräch ist, würde sie nicht mal einen Flugzeugabsturz neben sich mitbekommen. Als sie mich sehen, wie ich dem Gespräch lausche, grinsen alle.

Die Idee ist so klasse, Edward. Renesmee wird sich freuen und es wird seinen Zweck erfüllen. Grinst Alice mich an. Sie hat gesehen, was ich vorhabe, und springt förmlich auf und hab. In ihren Gedanken sehe ich, welchen Spaß Renesmee haben wird.

Rosalie schaut mich noch etwas verächtlich an. Ihr hat es ganz und gar nicht gefallen, wie ich mich jüngst Renesmee gegenüber verhalten habe. Und ich stimme mit ihrer Reaktion überein. Was man unter Rosalies düsterer Miene nicht vermutet, ist pure Freude, dass Renesmee nun bei uns ist. Sie hat sie sehr vermisst, hat die Jahre sehr oft an das kleine Baby, was sie einst in ihren Armen hielt, gedacht und ist wie Esme völlig begeistert, sich um das Wohl von Renesmee zu kümmern. Aber vor allem ist Rosalie darauf bedacht, das Gemüt meines Kindes fröhlich zu stimmen.

Ihr ist es genauso wichtig, wie allen anderen und auch mir, dass Renesmee bei uns glücklich wird. Mit meinem Verhalten habe ich allerdings nicht wirklich dazu beigetragen.

„Und wie ist es so unter den vielen Vampiren?", fragt Scott so leise, dass selbst ich es kaum höre. Was im Anbetracht dessen, dass ihn sonst sämtliche Vampire hören würden, auch keine schlechte Idee ist.

„Meine Familie ist wirklich klasse. Sie haben mich so herzlich hier aufgenommen. In einer Nacht haben sie mir ein Traumzimmer eingerichtet mit allem, was mein Herz begehrt. Dass ich ein neues Handy habe, hast du ja schon bemerkt. Und stell dir vor, was Emmett mir geschenkt hat."

„Was? Denk dran, ich kann nicht, so wie du, Gedanken lesen", lacht er.

„Einen weißen GTI in einer getunten spezial Edition. Die Felgen, ein Traum. Und schnell wie der Blitz. Der Wahnsinn, oder?"

„Oh ja. Und die Anderen?"

„Anderen?"

„Vampire? Ist was für dich dabei?", fragt er mit amüsierter Stimme.

„Scott. Das ist nicht witzig."

„Sorry."

„Angenommen. Außerdem mag ich die Anderen nicht. Kate ist glaube ich ganz nett und Carmen und Eleazar auch. Aber drei andere waren nicht so begeistert über meine Ankunft."

„Ach die werden dich schon bald mögen. Es gibt niemanden, der dich nicht mag. Das geht einfach nicht."

Ich wette, Renesmee ist gerade tiefrot angelaufen. Und so wie sie und ihre Mutter kichern, liege ich vollkommen richtig.

„Ich liebe dich, Scott. Und würde alles geben, damit du jetzt hier sein könntest."

„Ich weiß. Ich wäre jetzt auch gerne bei dir. Wir schaffen das schon, OK?"

„OK", gibt Renesmee kläglich von sich.

Vorsichtig schaue ich durch den Türspalt und sehe, wie Bella Renesmee tröstet. Der Geruch Renesmees salziger Tränen ist enorm.

„Sunshine ich muss jetzt zum Training und du weißt, wie sauer der Coach werden kann."

„OK."

„Hey. So hört sich aber kein Sunshine an. Wo ist meine kleine flotte Summ, Summ?"

Renesmee lacht ein wenig. Das ist Balsam für meine Seele.

„Scott, meine Eltern hören zu.", kichert Renesmee. Ihr ist wohl bewusst, dass ich sie selbst von sehr weit weghören kann.

„Ups."

„Geh schon, bevor Phil dich auf die Bank versetzt."

„Vergiss nicht, Carlie, ich liebe dich und das werde ich immer tun, egal wo du bist."

„Ich dich auch. Ich ruf dich bald wieder an."

„Mach das."

„Und grüß Phil, ja?"

„Mach ich."

„Bye, Scottie."

„Bye, Sunshine."

„Lieb dich."

„Und ich dich erst."

Und beide legen auf. Das klick Zeichen ist der Startschuss für Renesmees Zusammenbruch. Bella fängt sie auf, als sie beide gemeinsam zu Boden gehen und Renesmee bitterlich weint. Sie scheint Scott mehr zu vermissen, als sie es sich anmerken gelassen hat.

Ich sprinte an ihre Seite und streiche durch ihre samtes Haar. Sie bemerkt mich und sieht mich mit verweinten Augen an. Ihr Schmerz so deutlich ins Gesicht geschrieben, dass ich fast daran zerbreche. Daran merke ich wieder, wie stark sie wirklich ist.

Es tut mir alles so Leid, mein Schatz. Ich wollte dir nie solch einen Schmerz zufügen. Ich verspreche dir, dich nie wieder so vor dem Kopf zu stoßen, wie heute Morgen. Außerdem werde ich alles Mögliche tun, dich glücklich zu machen, damit meine ich auch, dein Glück in der Liebe. Ich weiß noch nicht wie, aber ich werde etwas tun. Ich möchte dich glücklich sehen, nicht mit Tränen und Schmerz in den Augen. Ich möchte dein Vater sein.

„Aber du bist doch mein Vater."

„Nein Renesmee. So wie ich mich verhalten habe, tut es kein Vater. Phil hat dir sicher nie so weh getan."

„Hat er schon, in dem Moment, als er sich mein Vater nannte, obwohl er es nicht ist. Aber ich bin ihm nicht mehr böse, da ich weiß, dass er es getan hat, um mich zu beschützen und ich sehe es in deinen Gedanken, dass auch du nur das bezweckst. Du bist mein Vater."

Ich reiße Renesmee regelrecht aus Bellas Armen, um sie in meine zu schließen. Ich habe das Gefühl, als würden auch mir die Tränen kommen. Renesmees Körper bebt vom Schluchzen. Ich schaue in Bellas Gesicht und sie lächelt ihr Lächeln, was mich immer aufbaut, wenn es mir schlecht geht. Sie streift mir durchs Haar, was so gut tut, dass ich wieder lächeln kann.

Renesmees Weinen beruhigt sich wieder und löst sich leicht aus meinen Armen. Mit ihren so beruhigenden braunen Augen sieht sie uns an.

„Geht es wieder?", fragt Bella und Renesmee nickt.

Und plötzlich blitzt es. Es dauerte eine Hundertstel, bis ich merke, dass es von der Tür kam. Dort steht Alice mit einem Grinsen und einer Kamera.

„Ihr seid einfach zu süß", sagt sie und verschwindet wieder.

Ich wische Renesmee die letzten Tränen von der Wange, während Bella Renesmees Haare ordnet, die von den vielen Umarmungen zerzaust wurden. Das Gefühl in meiner Brust schwillt immer mehr an, das Gefühl von Stolz. Und es wächst immer weiter, um jede Minute die Renesmee bei uns ist.

„Renesmee, Bella, ich habe eine kleine Überraschung für euch. Die letzten Tage waren alle sehr hektisch. Wir hatten kaum Zeit für uns drei. Ich denke, wir brauchen etwas Zeit für uns, damit wir uns näher kommen. Wie fändet ihr es, wenn wir für ein paar Tage verreisen. Nur wir drei, Renesmee bestimmt das Ziel."

Renesmee schaut erst schockiert, aber so wie sich dann ein breites Grinsen in ihrem Gesicht bildet, schätze ich, war sie positiv schockiert. Bella lächelt nur. Aber ich erkenne, dass sie über etwas nachdenkt. Mal wieder nagt es an mir, dass ich ihre Gedanken nicht lesen kann.

„Bella?"

„Ich denke es ist besser, wenn nur ihr zwei euch auf eine kleine Reise begebt", sagt sie mit einem Ausdruck im Gesicht, der keine Widerworte zulässt. Zumindest weiß ich es.

„Mom du musst aber mitkommen."

„Nah. Ich denke es ist etwas Vater-Tochter-Zeit", lächelt sie ihrer Tochter zu.

Renesmee will protestieren, doch Bella legt nur ihren Zeigefinger auf Renesmees Lippen.

„Keine Widerrede. Ihr besprecht jetzt, wohin es geht und Alice und ich werden eure Sachen packen", kommt es grinsend von Bella. Sie gibt mir und Renesmee noch einen Kuss auf die Stirn, und verschwindet zur Tür hinaus.

„Und, wohin geht's?"

„Hhmmm", macht Renesmee und grübelt. Wie sie ihre Finger nachdenklich gegen ihr Kinn tippelt, ist ein entzückendes Bild. Ein Bild, was ich mir tief ins Gedächtnis prägen muss, da es mich mit einem erfrischenden Gefühl erfüllt.

„Wie wär's mit Miami. Da gibt's tolle Strände."

„Zu sonnig, Schatz."

„Hhmm. Dann kann ich Australien sicher auch streichen?!"

Ich nicke entschuldigend. Sie macht ein schmollendes Gesicht, wo ich fast nachzugeben drohe. Sie macht erneut diese Geste mit ihrem Finger gegen das Kinn. Sie überlegt und überlegt. Und plötzlich erhellt sich ihr Gesicht.

„Las Vegas!!!", kreischt sie und aus verschiedenen Richtungen hören wir ein ‚Yeah'. Vergessen sie denn, dass Wolken dort sehr, sehr selten erblickt werden?

„Das stimmt schon, Dad. Aber Las Vegas wird auch erst des Nachts interessant. Am Tage bleiben wir im Hotel, zumindest du", zwinkert sie mir zu, „und sobald die Sonne untergegangen ist, lassen wir es krachen. Las Vegas schläft nie. Wir können Achterbahn fahren, shoppen, shoppen,…"

Ich will auch mit. Das ist so unfair. Regt sich Alice auf.

„Wir können ins Casino gehen…"

„Bist du dazu nicht ein wenig zu jung?"

Sie zuckt nur unschuldig mit den Schultern. Ich wette, irgendwer aus meiner Familie ist schon dabei, uns neue Ausweise zu organisieren. Ist Las Vegas wirklich die richtige Stadt, um mit meiner 18-jährigen Tochter Zeit zu verbringen, damit wir uns näher kommen?

„Natürlich. Oh bitte, Dad."

Ich vergesse immer wieder, dass ich nicht mehr der einzige Gedankenleser in der Familie bin. Renesmee lässt ihre Wimpern klimpern und zieht einen Schmollmund, mit dem sie wohl alles bekommt.

Nun sag schon ja, Eddie. Emmett, wie oft soll ich ihm noch sagen, dass ich es hasse so genannt zu werden.

Du kannst gar nicht nein sagen, Edward. Du willst sie doch nicht wieder enttäuschen, oder? Wir recht Rosalie doch hat.

Und zur Bestätigung, dass ich nicht nein sagen werde, ist Alice Vision.

Viele blinkende Lichter. Das New York, New York. Es ist Nacht, oder wie es in Las Vegas wohl genannt wird, Tag. Renesmee und ich sitzen in der Achterbahn, die auf dem Hotel Casino ist. Renesmees Lächeln erhellt die halbe Stadt. Ihre Augen leuchten vor Freude. Mein Gesicht ähnelt dem ihren.

„Auf nach Las Vegas", grinst mich Renesmee wohlwissend an.

Gesagt, getan. Alice kommt kaum später ins Wohnzimmer und zerrt uns zu Emmetts Jeep, da er uns zum Flugplatz fährt. Wir verabschieden uns von allen, wobei es allen sehr schwer fällt, Renesmee schon wieder gehen zu lassen, auch wenn es nur für ein paar Tage ist. Bella fällt der Abschied groteskerweise nicht ganz so schwer. Wahrscheinlich im Wissen, was die Tage in Las Vegas, mir und Renesmee bringen würden.

Renesmee sitzt schon im Auto, als Carlisle mich noch mal zur Seite zieht.

„Pass' auf sie auf, Junge. Denk immer daran, dass sie ihre Kräfte noch nicht ganz unter Kontrolle hat. Sobald in dir nur der Funken an Zweifel keimt, kommt zurück. Ich muss zugeben, ich lasse euch ungern so früh schon alleine unter so viele Menschen, aber ich weiß, dass ihr diese Zeit braucht. Und du dafür sorgen wirst, dass nichts geschehen wird."

Ich nicke ihm zu und steige in den Jeep. Renesmee ist völlig aufgekratzt und wurmt Emmett damit, welchen Spaß sie haben wird. Und es zeigt seine Wirkung. Zum ersten Mal grinst Emmett nicht in Gegenwart von Renesmee. Trotzdem erdrückt er sie fast, als sie sich am Flugplatz verabschieden. Er wünscht ihr viel Spaß und legt mir die Hand auf die Schulter.

Pass' auf sie auf. Sonst gibt's Haue. OK?

Ich nicke, wie schon Carlisle zuvor, Emmett zu, unsere Blicke ernst. Sein oberstes Gebot ist momentan, Renesmee in Sicherheit zu wissen.

„Und setz den im MGM beim Roulette auf die rote 17", zwinkert er mir zu und schnippst mir einen 1.000 Dollar Chip zu, der aus dem MGM stammt.

Ich frage erst gar nicht, woher er den hat. Was ich auch so weiß, ist die Bedeutung hinter der Zahl und der Farbe. Rot war schon immer Rosalies Lieblingsfarbe, drum wunderte ich mich über die Farbe ihres neuesten BMWs. Die 17 ist der Tag des Monats, an dem Rosalies menschlicher Geburtstag war.

Ein Gutes, ein Mitglied der Familie Cullen zu sein, du kommst zu jeder Zeit an Alles. So wie an einen Privatjet, samt Pilot. Dass wir mit dem nicht auch nach Phoenix geflogen sind, lag einfach daran, dass der Jet zum falschen Zeitpunkt repariert werden musste.

Ich hätte den Jet auch selber fliegen können, aber ich wollte schon beim ersten Schritt in das Flugzeug meine ganze Konzentration auf Renesmee legen. Auch wenn sie, kaum das wir abgehoben sind, wieder einschläft. Aber nicht irgendwie, sondern mit ihrem Kopf in meinem Schoß. Aber schon dieser Kontakt zeigt für mich den ersten Erfolg, dass sie sich wohlfühlt.

Da wir in Denali am Nachmittag losgeflogen sind, kommen wir zum rechten Zeitpunkt in Las Vegas an. Zur Dämmerung. Auch Renesmee hat ein perfektes Timing, sie wacht bei der Landung auf und schaut mich mit ihren verschlafenden Augen an. Sie scheint noch wacher zu werden, als sie aus dem Fenster sieht und die leuchtende Stadt erblickt.

Renesmee kommt ins schmunzeln, als sie unseren Mietwagen sieht. Einen Volvo. Ich kann einfach nicht anders. Sicher fahren wir ins MGM, ein wirklich anschauliches Hotel, samt Casino, wo ich später Emmetts Chip einsetzen werde. .

Wir beziehen gemeinsam eine Suite. Da ich nicht schlafe, ist es kein Problem, dass nur ein Bett darin steht. Renesmee strahlt und strahlt. So habe ich es mir vorgestellt. Renesmee will keine Zeit vergeuden und zieht mich, nachdem ich die Koffer abgestellt habe, wieder aus dem Zimmer. Ich kann noch gerade so den Umschlag ergreifen, in dem unsere neuen Ausweise sind.

Bevor wir uns ins Getümmel stürzen, gehen wir noch was Essen. Zumindest Renesmee. Ich schaue ihr beim Essen zu. Schon wie damals, bei dem ersten Essen mit Bella, schau ich ihr bei jedem Bissen vergnügt zu.

Neben uns sitzt ein älteres Paar, wobei uns die Frau schon die ganze Zeit beobachtet.

Hach. Welch ein bezauberndes Paar. Sicher haben sie hier ihre junge Liebe besiegelt. Aber wo sind ihre Ringe. Der Mann trägt einen, aber sie?

Ich kann mich nur aus ihren Gedanken reißen, da Renesmee sich verschluckt hat. Sicher, wegen dessen, was sie eben gehört hat. Ich klopfe ihr leicht auf den Rücken, bis sie mir das Zeichen gibt, dass es wieder geht.

Wollen wir gehen? Sie nickt eifrig, ich drücke dem Kellner einen 100-Dollarschein in die Hand und wir verlassen schnell das Restaurant.

Sobald wir ein neues Casino betreten müssen wir unsere Ausweise zeigen und werden jedes Mal schief angeguckt. Aber selbst, als der Wachmann unsere Identität per Handy kontrollieren ließ, kam immer dasselbe heraus, dass wir Renesmee und Edward Cullen sind, Alter 22.

Emmett wird es freuen, dass aus seinen 1.000 Dollar tatsächlich 100.000 Dollar wurden. Wenn da mal nicht Alice ihre Finger im Spiel hat.

Später bestätigt sich noch Alice Vision in der Achterbahn auf dem New York New York. Wir nehmen allerdings sämtliche Achterbahnen mit. Kein einziges Mal zeigt sie nur ein Anzeichen von Angst. .

Irgendwann gegen 4.00 Uhr morgens sind wir zurück auf unserer Suite. Renesmee fällt sofort ins Bett. Ich telefoniere in der Zeit mit Bella und berichte ihr, welch schöne Zeit ich schon mit unserer Tochter hatte.

Nachdem ich Bella auf Wiedersehen gesagt habe und ihr versprochen habe, Renesmee zu sagen, dass sie ihre Mutter auch bald anruft, sehe ich meiner Tochter lange beim Schlafen zu. Wie so ein einfaches Ereignis wie Schlaf, für mich eine der besten Augenblicke meines Lebens sein kann, können wohl nur die wenigsten verstehen.

Doch zu sehen, wie sich der Brustkorb meiner Tochter rhythmisch hebt und senkt, im Einklang mit ihrem Herzschlag, wie sie ihre Mundwinkel zu einem Lächeln verzieht, wohl wegen eines schönen Traumes, das Leben zu sehen, welches noch in ihr steckt, ist für einen Vampir, aber vor allem für mich, ein Erlebnis… Man kann es nicht in Worte fassen.

„Wow..", werde ich aus meinen Gedanken gerissen.

Renesmee sitzt hellwach in ihrem Bett und schaut mich überwältigt an. Erst jetzt merke ich, dass längst die Sonne über Las Vegas aufgegangen ist und in unsere Suite scheint. Selbst in ihren Augen kann ich die Reflexion meines Glitzerns sehen.

„Du siehst…. einfach... wunderschön aus", sagt sie die Worte ihrer Mutter damals.

Ich öffne leicht mein Hemd, um ihr zu zeigen, dass dieser Effekt unseren ganzen Körper betrifft. Ihr verblüfftes Gesicht wandelt in ein ernstes, resignierendes Gesicht.

„Du verstehst jetzt endgültig, warum wir nicht in Phoenix bleiben konnten, oder?"

Sie nickt traurig zur Bestätigung und senkt ihren Kopf. Dieses traurige Gesicht sollte doch eigentlich hier tabu sein.

„Aber wir sind hier nicht in Phoenix, sondern Las Vegas. Dieses Hotel ist besser als jeder Freizeitpark. Hast du Lust auf Kino?"

Sie nickt wieder, aber diesmal erfreuter.

„Dann mal Abmarsch unter die Dusche, junge Dame. Ich bestell dir schon mal was zum Frühstück."

„Wohl eher Mittag", sagt sie grinsend und rennt ins Bad. Ein Blick auf die Uhr bestätigt ihre Aussage, denn es ist fast zwölf.

Ich bestelle Renesmee ihr Essen und Sekunden später klopft es an der Tür. Das ging ja schnell. Als ich die Tür öffne, steht dort allerdings nicht der Zimmerservice, sonder ein Kurier.

„Mr. Cullen?"

„Ja?"

„Für sie."

Er überreicht mir ein Paket, auf dem ein Aufkleber prangt ‚kühl aufbewahren' und kaum halte ich es in meinen Händen, steigt mir unwiderstehlicher Duft in die Nase, der meine Kehle in Flammen aufgehen lässt.

Ich unterschreibe schnell, denn ich bin mir nicht sicher, wie lange ich mich noch unter Kontrolle habe.

Nicht der Kurier löste in mir diesen Blutdurst aus, sondern das Paket. In dem befindet sich eine kleine Kühlbox, wie auch ein Brief, auf dem ich deutlich Carlisles Schrift erkenne.

Edward,

ich habe mich darum gekümmert, dass du und Renesmee jeden Tag um die gleiche Zeit, frisches Blut aus dem Dessert Palms Hospital bekommt. Es wird dir und Renesmee den Aufenthalt in Las Vegas erleichtern. Die Tierpopulation in Nevada ist nicht sehr hoch und ich denke, nein ich weiß es von Alice, dass du Renesmee nicht aus den Augen lassen möchtest.

Wir wünschen euch noch schöne Tage, ihr habt es euch verdient,

Carlisle und Familie

Meine Familie denkt wirklich an alles, denn ich muss zugeben, mir keine Gedanken darum gemacht zu haben. Was Alice wohl gesehen hat.

Das Essen kommt zum rechten Zeitpunkt, als Renesmee fertig aus dem Bad kommt. Manchmal bin ich überrascht, wie erwachsen sie doch aussieht. Ich warte auf den Moment, bis man sie als meine große Schwester betitelt.

Diesmal läuft Renesmees Bluttrinken reibungslos ab. OK. Sie schaut erneut angewidert, aber nimmt mir das Glas sofort ab und bringt es hinter sich. Sie hat selber bemerkt, wie notwendig und leider auch abhängig sie von dem Blut ist. Kaum hat sie auch noch etwas menschliche Nahrung zu sich genommen, will sie auch gleich los, doch ich stoppe sie.

„Nicht so schnell", lache ich.

Sie schaut mich verwirrt an, als ich ihr Handgelenk nehme und ihr ein Armband anlege. Nicht irgendein Armband.

„Du hast auch so eins", bemerkt sie schnell.

„Und Jasper und Emmett. Rose und Mom haben es als Halskette, so wie Carlisle als Ring."

.

„Genau. Alice und Esme haben auch so eins. Ich dachte mir, du wärest eher der Typ für ein Armband. Dieses Wappen steht für die Familie Cullen. Der Löwe steht für den Mut, die Stärke, die Macht und die Unerschrockenheit. Die Hand steht für Vertrauen, Aufrichtigkeit und Gerechtigkeit. Das Kleeblatt für die Ewigkeit. Und der Winkelsteg für den Schutz der Familie. Für die Kampfbereitschaft, alles für die Familie zu tun. Jetzt bist du ganz offiziell eine Cullen."

Sie schaut eine ganze Zeit lang auf ihr Armband und berührt jedes einzelne Element mit ihrer Fingerspitze. Für einen Augenblick bin ich mir nicht sicher, ob es ihr gefällt, was ich ihr gerade geschenkt habe.

„Das ist.. wunderschön. Danke, Dad. Das bedeutet mir wirklich sehr viel. Ich werde es nie wieder abnehmen", sagt sie und wirft sich mir um den Hals.

Wieder einmal nehme ich den Geruch ihrer Tränen wahr, und spüre sie schon bald auf meiner Haut. Aber diesmal, weiß ich, sind es Freundtränen. Freudentränen, die ich verursacht habe.

Wir verbringen tatsächlich den ganzen Tag im Kino. Es ist mir egal, was dort läuft und ich glaube, Renesmee auch. Was wichtig war, wir verbringen wertvolle Zeit miteinander. Eine schöne Zeit, auch wenn wir sämtlich Blicke auf uns ziehen. Wir ignorieren die Menschen einfach. Es gibt nur Renesmee und mich, auch wenn mir Bella in diesem Momenten sehr fehlt. Sie hat schon so viel im Leben von Renesmee verpasst.

Sobald es dunkel wird, gehen wir durch die Straßen von Las Vegas, dem berühmten Strip entlang. Renesmee ist ganz begeistert von den Wasserfontänen vor dem Bellagio, die sich zu der Musik bewegen. .

In der Fremont Street leuchten Renesmees Augen, als das Lichterspiel am Tunneldach für Furore sorgt. .

Was ich etwas belächeln muss, war das Piratenschauspiel vor dem Treasure Island. .com/bc_20_bg_082502%

Ich weiß aus guter Quelle, dass es damals ganz bestimmt nicht so zu ging.

Was mir besonders viel Freude bereitet, dass ich Renesmee kaufen kann, was ich will, ohne größer Beschwerden, wie es ihre Mutter sonst immer tut. Renesmee freut sich stattdessen und umarmt mich nach jedem Kauf. Alice hat definitiv eine neue Shopping Freundin.

So geht es die nächsten Tage weiter. Achterbahn, shoppen, im Casino spielen, ins Kino gehen und reden. Was mir sehr wichtig ist. Ich will, dass Renesmee mir vertraut. So kann ich bei Renesmee die letzten Zweifel bereinigen, dass sie bei uns nicht zu Hause wäre. So wie es Renesmee schafft, mir meine Schuldgefühle zu nehmen, dafür, dass ich sie aus ihrem Leben in Phoenix gerissen habe und dass sie mich nicht hasst, für mein Verhalten, dass ich in Phoenix an den Tag gelegt hatte.

Wir kommen gerade von unserem fünften Tag wieder ins Hotel zurück. Renesmee lässt alle Tüten fallen und fällt erschöpft auf das große Bett. Kaum schließen sich ihre Augen, klingelt mein Handy.

Die ganzen Tage hat mich niemand angerufen. Wenn, dann haben wir in Denali angerufen. Ich bekomme sofort ein ungutes Gefühl, was sich verstärkt, als ich Alice Namen auf dem Display lese. Renesmee, erschrocken von meinen Gedanken, sitzt jetzt wieder hellwach und schaut mich verängstigt an, als ich abnehme.

„Alice?"

„Edward, die Volturi, sie kommen."

TBC