Erdrückende Angst
Bellas POV
Es ist wahrlich keine einfache Zeit ohne Edward und Renesmee. Aber sie brauchen diese Zeit miteinander. Bei mir und Renesmee bestand schon immer eine Bindung, die schon in Phoenix sekündlich stärker wurde und jetzt unzertrennlich scheint.
Doch Edward hatte diese Bindung noch nicht. Er hatte es ihr aber auch nicht leicht gemacht und sie einige Male sehr enttäuscht. Dass sie ihm nicht mit offenen Armen begegnete, kann man ihr nicht verdenken.
Deshalb befand ich es besser, die zwei den Trip alleine machen zu lassen. Auch wenn ich im Nachhinein doch sehr gerne mitgeflogen wäre, so begeistert, wie Renesmee, aber auch Edward klangen.
Alice und Rose, aber vor allem Emmett tun ihr Bestes, um mich abzulenken.
Wir Frauen schauen gerade Jasper und Emmett beim Wii spielen zu. Obwohl Emmett den größeren Körpereinsatz zeigt, gewinnt Jasper jedes Spiel. Plötzlich wird Alice neben mir ganz steif, ihre Augen weiten sich. Eine Vision. Wie gerne würde ich mich mal in ihren Kopf hineinversetzen, wenn sie eine dieser Visionen hat.
Ihr Körper entspannt sich wieder, allerdings bleibt ihr starrer Blick. Er sieht sogar noch angespannter aus, als vorher.
„Was hast du gesehen, Alice?", fragt Jasper, der wohl Alice enorme Gefühlswandlung mitbekommen hat, sich dem Spiel abwendet und sich vor Alice kniet, dabei Emmett sogar zu seinem ersten Sieg verhilft.
Sein besorgter Gesichtsausdruck dabei macht mir Angst.
„Die Volturi kommen", sagt sie leise und blickt mich mit entschuldigender Miene an.
Ich weiß nicht, was in dem Moment alles in mir vorgeht. Jasper kann es wohl am besten beschreiben. Angst, Panik, Sorge sind nur ein paar der vielen. Ich spüre, wie Jasper alles gibt, um uns zu beruhigen, doch als Alice Vision erst mal richtig gesackt ist, steigt neue Panik in mir auf.
„Wann, Alice?", fragt Carlisle, was ich auch gern wüsste.
Ich habe gar nicht bemerkt, wie er und Esme zu uns gestoßen sind. Eleazar und Carmen kommen ebenfalls.
„Ich weiß es nicht. Es steht noch nicht genau fest."
„Kommen sie hier her, oder sind sie auf dem Weg nach Las Vegas?", will Emmett wissen.
Mit weit aufgerissenen Augen warte ich auf Alice Antwort. Es wäre so schon ein ungleicher Kampf, aber nur zu zweit, wäre es für die Volturi ein Leichtes. Was immer sie auch vorhaben.
„Es wandelt sich immer. Mal sehe ich sie in Las Vegas aufmarschieren, mal hier im Schloss."
„Ich denke, es ist besser, wenn ihr Edward anruft und sie zurückkommen", empfiehlt Eleazar. Carlisle stimmt ihm nickend zu.
So schnell kann gar keiner gucken, wie Alice ihr Handy zückt und Edward anruft.
„Alice?", höre ich die besorgte Stimme meines Mannes.
„Edward, die Volturi, sie kommen."
Ich kann nur erahnen, was in dem Moment in Edward vorgeht. Seine Ängste, die er gerade erst beiseiteschieben konnte, keimen mit Grund wieder auf. Und noch hat er Renesmee nicht über die Volturi aufgeklärt. Das will er auf dem Rückflug machen, wie er es ihr versprochen hat. Er will, dass sie die Tage in Las Vegas genießt und nicht übermäßig in Sorge verfällt.
„Wann…"
„Das steht noch nicht fest. Auch nicht, ob sie nach Las Vegas oder Denali kommen. Es tut mir Leid, Edward, aber es ist besser, ihr kommt zurück nach Hause."
„Es ist nicht deine Schuld, Alice. Gib mir bitte Bella", sagt er mit zusammengepressten Zähnen.
Alice reicht mir traurig ihr Handy. Ich würde ihr gerne tröstende Worte sagen, doch ich habe mit mir zu kämpfen, dass mir keine einfallen.
„Hey", melde ich mich leise.
„Bella…"
„Schon OK. Bring unsere Tochter schnell nach Hause."
„Das werde ich, Liebes. Mach dir nicht zu viele Gedanken. Wir wissen nicht, was sie wollen."
„Sollte das nicht eigentlich mein Part sein?", versuche ich zu lächeln.
„Ich bin der Mann, du die besorgte Mutter", versucht er belustigt zu klingen. Vergeblich, denn seine Sorge ist weiter deutlich zu erkennen.
„Kann ich kurz mit ihr sprechen?"
„Natürlich."
„Mom?"
„Hey Schatz. Wie geht es dir?", stelle ich die blödsinnige Frage.
„Ich habe Angst. Dads Gedanken spielen verrückt, das macht mir noch mehr Angst."
„Es tut mir so leid, Renesmee."
„Aber es ist doch nicht deine Schuld."
„Renesmee, wir müssen uns auf den Weg machen", höre ich Edward aus dem Hintergrund.
„Wir sehen uns später, Schatz. Mach dir nicht zu viele Gedanken. Es wird alles gut gehen."
Wenn ich doch nur selber dran glauben könnte.
„OK, Mom. Ich liebe dich. Dad will dich noch mal sprechen. Bye."
„Bye, Schatz."
„Hey", meldet sich Edward wieder.
„Hey. Seid vorsichtig, OK? Und versuche ruhig zu bleiben, Edward. Renesmee ist völlig verängstigt und weiß um deine Angst. Denk immer daran, sie kann deine Gedanken lesen."
„Es ist schwer, momentan meine Gedanken für mich zu behalten. Jetzt merke ich erst, wie schwer es für meine Geschwister sein muss, ihre Gedanken für sich zu behalten, wenn sie mir was verheimlichen wollen."
Eine kurze Pause. Edward versucht sicher, seine Wut zu mäßigen.
„Ich habe einfach große Angst um sie."
„Das verstehe ich. Und glaub mir, damit stehst du nicht alleine da. Es ist die Hölle für mich, jetzt nicht bei euch zu sein. Kommt schnell nach Hause. Hier ist sie am sichersten."
„Wir sind auf dem Weg. Wir sehen uns schon bald, Liebste."
„Bye, Edward. Ich liebe dich."
„Ich liebe dich auch. Bye."
Ging es mir eben noch dreckig und schlecht, geht es mir nun tausend Mal schlechter. Nicht nur das Wissen, dass die Volturi auf dem Weg sind und Renesmee und Edward nicht bei mir sind, ist schwer genug. Aber zu wissen, welche Ängste Renesmee gerade durchmacht und dass selbst mein furchtloser Ehemann eine Heidenangst hat, die ich noch nie bei ihm gesehen habe, macht das alles zu einem schrecklichen Martyrium.
Kaum dass ich aufgelegt habe, spüre ich die Blicke, die schon die ganze Zeit auf mir ruhen. Sie wollen mir Wärme und ihr Mitgefühl spenden, ich sei nicht allein, doch ich fühle mich so einsam wie noch nie.
Jasper hat Alice, Rose hat Emmett, Esme hat Carlisle und ich stehe hier alleine. Meine kleine Familie schwebt in Gefahr und ist nicht bei mir.
„Warum fühlst du dich einsam, Bella?", fragt Jasper und sofort spüre ich seine Kraft auf mich wirken.
Alice scheint enttäuscht zu sein, zumindest kann ich ihr Gesicht so deuten, als sie auf mich zukommt.
„Bella, wir sind alle für dich da. Das weißt du doch. Wir sind eine Familie."
„Ich weiß, Alice. Aber ich brauche sie. Ich brauche meine Tochter und meinen Mann. Ohne sie werde ich mich immer einsam fühlen."
Versteht sie es denn nicht? Natürlich sind die Cullens meine Familie, aber Edward und Renesmee sind meine eigene kleine Familie. Ich spüre leichte Wut, die Jasper sofort besänftigt und mir aufmunternd zulächelt. Er hat meine Einsamkeit die letzten Tage sicher deutlich gespürt.
„Das verstehen wir, Liebes. Sie sind bald zurück", sagt Esme einfühlsam und zieht mich in eine zärtliche Umarmung.
Dank Esmes wunderschönem Lächeln geht es mir etwas besser. Kein Wunder, dass Carlisle sie so bedingungslos liebt. Esme ist sicher auch die Person, die mich am besten versteht. Sie kennt den Schmerz, wenn dein Kind in Gefahr schwebt. Sie kennt die Einsamkeit, wenn deine Geliebten nicht bei dir sind.
Trotz des Familienbandes brauche ich jetzt etwas Ablenkung. Ich möchte weder an mein schlechtes Gewissen den Cullens gegenüber denken, noch an die Angst um Edward und Renesmee.
„Ich gehe jagen", lasse ich verlauten.
„Aber nicht allein, Bella. Das ist in der momentanen Situation zu gefährlich", mahnt Carlisle.
„Ich komme mit dir", ruft Rosalie schnell, bevor sich jemand anderes meldet. Alice bleibt mitten in ihrem Versuch hängen.
Es tut mir wahnsinnig Leid, ihr das Gefühl gegeben zu haben, dass ich sie nicht als Familie ansehe. So ist es nicht.
Rose wirft Alice einen Blick zu, der sie endgültig verstummen lässt. Mein schlechtes Gewissen wird größer, denn mehr als eine Person möchte ich jetzt wirklich nicht bei mir haben. Ich wäre am liebsten allein gegangen, aber das ist leider nicht möglich.
Es überrascht mich erst jetzt, dass Rosalie sich so schnell bereit erklärte mit mir jagen zu gehen. Auch wenn sich unser Verhältnis grundlegend zum Positiven verändert hat, ist unsere Freundschaft lange nicht so intensiv, wie die mit Alice.
Aber sie versteht vielleicht wohl am ehesten, zusammen mit Esme, was gerade in mir vorgeht.
Als ich mich auf den Weg mache, bleibe ich neben Alice stehen. Ich wollte am liebsten weg, aber so konnte ich sie nicht zurücklassen. Also ziehe ich sie in meine Arme. Sie scheint überrascht zu sein, festigt aber sogleich die Umarmung.
„Es tut mir Leid, Alice. Natürlich seid ihr meine Familie, aber…"
„Schon OK, Bells. Du bleibst ja trotzdem meine beste Freundin", hört sie sich schon wieder viel fröhlicher an.
Ich nicke, um ihr zu deuten, dass es mir genauso geht. Nichts auf der Welt könnte unser Band, als beste Freunde, zerreißen.
„Geh schon. Sonst bist du zu spät zurück, wenn deine Liebsten kommen", zwinkert sie mir zu.
Sicher hat sie mein Zuspätkommen in einer Vision gesehen.
Rosalie und ich rennen los, aber erst, nachdem sie Emmett noch einen langen Kuss geben konnte, der wohl nur dank Alice unterbrochen wurde. Wir laufen in einem schnellen Tempo, da wir beschlossen haben etwas Nahrhaftes zu jagen und das bekommt man nicht in den kargen Wäldern Denalis. Würden wir nur dort jagen, würde es dort schon bald kein einziges Tier mehr geben.
Nach einer Stunde erreichen wir den Wrangell – St. Elias National Park, der an der Grenze zwischen Alaska und Kanada liegt. Gleich neben dem Kluane National Park. Also jede Menge Wild, das wir jagen können.
Den ganzen Weg über haben wir geschwiegen. Ich denke Rosalie wusste, dass ich jetzt erst mal nicht reden wollte, wobei mich die Anderen sicher zum Reden förmlich gezwungen hätten.
Rosalie erwischt gleich mal ein großes Karibu, während ich mich mit einem ausgewachsenen Elch begnüge. Sein Blut beruhigt für eine Weile den Schmerz in meiner Kehle, aber schaffe es nicht, den Schmerz in meinem Herzen zu übertünchen.
Eigentlich war ich auch nicht wirklich durstig, aber ich brauchte die Ablenkung und die Jagd würde mir gut tun, vor der bevorstehenden Ankunft der Volturi.
Rosalie scheint auch nicht sehr durstig zu sein, schaut sie mich doch nach ihrem zweiten Karibu fragend an. Ich sehe auf die Uhr, wir haben jetzt doch noch drei Stunden. Deshalb gestalten wir unseren Rückweg etwas langsamer.
„Du vermisst sie, oder?", unterbricht Rosalie die Stille.
„Die letzten 18 Jahre war ich keine Minute von Edward getrennt. Und Renesmee habe ich jetzt erst wieder bekommen. Ich hätte nicht gedacht, dass es schwer für mich sein könnte, von beiden getrennt zu sein. Jetzt trifft es mich umso härter."
„Dass du die beiden hast gehen lassen, war auch sehr selbstlos von dir. Du wusstest sicher schon vorher, dass du sie vermissen würdest, wusstest aber auch, dass sie die Zeit brauchen. So wie ich Edward kenne und deine Tochter kennenlernen durfte, werden die zwei ihre Zeit genutzt haben", lächelt sie mir aufmunternd zu.
„Ich glaube auch. Beide hörten sich am Telefon so fröhlich an, wie nie zuvor."
„Siehst du. Und mach dir um die Volturi keine Gedanken. Das stehen wir gemeinsam durch. Nichts und niemand wird Renesmee von UNS reißen."
Wie sehr sie das ‚uns' betont, überwältigt mich. Das zeigt mal wieder, wie integriert Renesmee schon in die Familie ist. Und jeder würde sein Leben geben, um Renesmee zu beschützen.
Doch wir reden hier nicht über irgendeinen Gegner. Es sind die Volturi, die gerne ihre Macht ausspielen. Die, die mich schon als Mensch in meinen Albträumen verfolgten. Und jetzt sind sie vermutlich hinter meiner Tochter her.
Aber Rosalie hat recht. Wir sollten abwarten, was sie wollen, wenn sie kommen. Vielleicht ist es nur ein Höflichkeitsbesuch. Aber gerade jetzt, wo zufälligerweise Renesmee in unsere Familie zurückgekehrt ist, wäre das unwahrscheinlich.
Besonders, weil Aro seine Besuche bisher immer angekündigt hat und bisher hat uns kein Brief erreicht.
Als wir zurück sind, erwarten uns die Denalis, Alice, Jasper und Esme in der Empfangshalle, die an dem gemeinsamen Wohnbereich grenzt.
„Wo ist Carlisle?", frage ich Esme, Emmett wird sicher unterwegs sein, Edward und Renesmee abzuholen.
„Er ist mit Emmett, Renesmee und Edward abholen. Es ist besser, wenn jetzt niemand von uns alleine unterwegs ist. Wir wissen noch immer nicht, wann die Volturi kommen."
„Gibt es irgendetwas Neues?", will ich von Alice wissen, doch sie schüttelt nur ihren Kopf, was ihr schon zerzaustes Haar noch etwas wirrer aussehen lässt.
Sie schaut mich entschuldigend an, als würde sie sich die Schuld geben. Alice ist die Letzte, der ich die Schuld geben würde, da sie wie alle anderen Cullens alles für Renesmee geben würden. Plötzlich erhellt sich ihr Blick und sie sieht mich freudig an.
„Sie sind in 30 Sekunden da."
„Wer? Die Volturi?", fragt Dolton mit überraschter Miene.
„Als würde ich mich so freuen, die Volturi zu sehen, du Quatschkopf. Renesmee und Edward meine ich", strahlt Alice über beide Ohren.
Ich merke, wie sich fast selbstständig meine Mundwinkel anheben und sich ein breites Grinsen in meinem Gesicht bildet. Als ich Emmetts Jeep höre, geht meine Atmung vor Aufregung schneller, mein Herz wäre längst zersprungen, so freue ich mich. Jasper legt mir schmunzelnd eine Hand auf die Schulter. Er spürt nicht nur meine Freude, sondern auch Erleichterung.
Kaum, dass sich die Eingangstür öffnet, läuft mir schon Renesmee entgegen. Meine Arme weit ausgestreckt, um sie in Empfang zu nehmen. Ihre feste Umarmung schmerzt ein wenig, da sie sicher vor lauter Aufregung ihre Stärke nicht ganz kontrollieren kann.
Aber der Schmerz ist mir egal. Der geht vorüber. Meine Tochter ist wieder bei mir. So wie Renesmee ihr Gesicht in mein Haar vergräbt, verberge ich meins in ihrer Schulter. Ihr Duft wirkt beruhigend auf mich. Zusätzlich spüre ich eine Hand auf meinem Rücken, die nur Edwards sein kann.
Ich blicke zu ihm auf und hoffe auf sein aufbauendes, blendendes Lächeln, mit dem er mich immer verzaubert. Doch in seinen Augen erkenne ich einfach nur die blanke Angst. Das letzte und einzige Mal, dass ich diesen Ausdruck in seinen Augen sah, war, als James hinter mir her war.
Nur ist es nicht ein berauschender Tracker der es auf meine Familie abgesehen hat. Wenn die Volturi mir ihrer ganzen Wache auftauchen, haben wir keine Chance.
Jasper versucht sein Bestes, um die angespannte Lage etwas zu beruhigen. Erst, als ich Edward mein bestes Lächeln schenke, scheint er sich zu lockern.
„Hattest du schöne Tage, Renesmee?", fragt Esme.
Renesmee pellt sich langsam aus meiner Umarmung, versucht dabei zu verstecken, wie sie sich die Tränen wegwischt, und dreht sie sich zu Esme. Als diese Renesmees verweinte Augen sieht, zieht Esme sie in ihre Arme und streicht ihr beruhigend über den Rücken.
„Och Kleines. Mach dir nicht zu viele Gedanken. Es wird alles gut gehen", tröstet Esme ihre einzige Enkeltochter.
Edward begrüßt nun mich, mit einem verlangenden Kuss. Ich kann seine Wiedersehensfreude auf meiner Zungenspitze spüren. Ich lasse mich sogar kurz hinreißen, um mich herum, für einen Moment, alles zu vergessen.
Kurz darauf merke ich, wie allen Renesmees Armband auffällt.
„Ist das nicht schön?", ist sie begeistert und ich freue mich, dass ihr Gesicht etwas an Angst verliert.
„Lasst uns setzen und besprechen, wie es weiter geht", sagt Carlisle, nachdem die Wiedersehensbegrüßungen abgeschlossen sind.
Renesmee setzt sich zwischen mich und Edward, wo sie meinem Empfinden nach am sichersten ist. Beide halten wir Renesmees Hände, die leicht zittern und ihre Angst nur verdeutlichen.
„Wissen wir schon, wie viele kommen?", fragt Eleazar.
„Aro, Marcus, Caius und die komplette Wache", antwortet Alice.
„Sind sie auf einen Kampf aus?", will Tanya wissen.
Bevor Alice antworten kann, entfährt aus Edwards Kehle ein stechendes Knurren, gleichzeitig verstärkt sich Renesmees Griff um meine Hand. Ihr Körper bebt. Ein leises Schluchzen wird nur durch meine Schulter gedämpft. Ihre Reaktionen machen mir Angst. Alice muss etwas Schreckliches gesehen haben. Und so wie sie mich anschaut, traurig und Sorge ins Gesicht geschrieben, bestätigt sich mein Gedanke.
„Sie wollen Renesmee. Aro ahnt, was noch für Kräfte in ihr schlummern. Mehr, als wir uns vorstellen können. Es würde ihn unangreifbar machen", sagt sie mit erstickter Stimme.
„Wir lange haben wir noch Zeit, Alice?"
„Nicht mehr lange, Edward. Sie kommen in den nächsten 24 Stunden, wenn der schwere Schneesturm aufzieht."
„Ich frage mich, wie Aro in so kurzer Zeit von Renesmee erfahren konnte", überlegt Carlisle. Und nicht nur er.
„Wir haben uns in Las Vegas ganz unauffällig verhalten. Wie Menschen eben. Wir konnten in ihren Gedanken sehen, dass sie uns keine weitere Beachtung schenkten, nachdem sie uns für ein Paar in den Flitterwochen hielten", stupst Edward Renesmee lächelnd an. Doch sie kann sich anders, wie der Rest der Familie, kein Lächeln abringen. Das von Edward schwindet auch schnell.
Ich verstehe immer mehr, warum er in Phoenix so heftig reagiert hat. Edward war sofort bewusst, dass so etwas passieren könnte. Ich denke, jeder wusste es, doch niemand wollte es wahr haben. Die Freude, Renesmee wieder in der Familie zu haben, ließ diese Angst verpuffen. So härter trifft es einen jetzt.
„Aber können wir sie denn nicht bekämpfen? Wir haben doch alle starke Fähigkeiten", wendet Renesmee ein.
Während einige Denalis über ihre Aussage lachen, steigt meine Sorge immer mehr. Ich bin mir sicher, dass Edward sie über die Volturi komplett aufgeklärt hat, dennoch scheint sie die ganze Gefahr noch nicht realisiert zu haben. Die Volturi sind unbesiegbar.
„Da sie mit ihrer kompletten Wache kommen, sind sie schier unbesiegbar", antwortet ihr Jasper schnell, bevor Dolton einen blöden Spruch schwafeln kann.
„Aber was ist mit meinem und Moms Schild? Sie können es doch nicht durchdringen, oder?", fragt sie kläglich weiter.
Wir hatten ja noch keine Zeit, sie mit ihren Kräften vertraut zu machen.
„Ihre Kräfte können zwar eurer Schild nicht durchbrechen, aber es ist kein Schutz vor körperlichen Einwirkungen", erklärt Carlisle.
„Emmett?", bittet er.
Renesmee steht auf, baut ihr Schild auf und wartet auf Emmetts Angriff. Mehr als ein Schubsen bringt Emmett nicht fertig, aber es reicht schon, um ihr zu demonstrieren, was Carlisle ihr erklärt hat. Renesmees Enttäuschung deutlich ins Gesicht geschrieben.
„Was machen wir nun?", fragt Renesmee leise.
Ich ziehe sie in meine Arme und spüre, wie sie sich an mich krallt, als würde sie Schutz suchen.
„Wir können nur abwarten und hoffen, dass wir sie überzeugen können, dass sie etwas Unrechtes tun. Aro darf seine Macht nicht ausnutzen, um uns ein Mitglied der Familie zu entreißen."
Wenn ich doch nur die gleiche Hoffnung wie Carlisle aufbringen könnte.
„Wir stehen euch bei, mein Freund. Bis zum bitteren Ende", verkündet Eleazar. Carmen, Kate und Tanya klingen überzeugt mit ein.
Und ich bin mir sicher, dass Irina und die Anderen uns ebenfalls beistehen werden. In solchen Momenten halten wir alle zusammen.
„Wenn wir ihre Kräfte unfähig machen können, sind sie dann besiegbar?", fragt Renesmee plötzlich.
„Wie meinst du das?", will Edward wissen.
„Na wie in Phoenix, als du und Mom in mein Schild eingedrungen seid. Wir können es sicher über alle ziehen, so könnten sie nicht mit ihren Kräften angreifen."
„Das mag sicher ein kleiner Vorteil sein, aber sobald sie angreifen, könnt ihr euer Schild nicht mehr nur über uns ziehen. Das könnt ihr nicht kontrollieren. Du schon gar nicht und selbst deine Mom schafft es nicht."
Ich weiß, dass Edward mich damit nicht angreifen wollte, er will ihr nur verdeutlichen, dass wir bei einem Kampf kaum eine Chance haben, diesen zu überstehen.
„Bisher sehe ich keinen Kampf. Es muss nicht dazu kommen", wirft Alice hoffnungsvoll ein.
„Aber irgendetwas stimmt nicht. Ich sehe die ganze Zeit Caius vor uns stehen, mit einem Grinsen, als wenn sie noch etwas in petto haben, mit dem wir nie rechnen."
Ich habe nicht Jaspers Kraft, aber das Entsetzen spüre ich dennoch in allen. Renesmees Angst zeigt sich mal abermals in Tränen wieder, die unwillkürlich auf meine Bluse prasseln. Edward sieht mich mitfühlend an und umarmt uns beide fest. Er stellt sich sicher die gleiche Frage, wie ich.
Warum können wir nicht einfach glücklich sein mit unserer kleinen Familie?
TBC
