Kampf um Renesmee
Alice POV
Eigentlich habe ich meine Gabe immer geliebt. Als Erste zu wissen, was passiert, herrlich. Vor langer, langer Zeit, als ich meine erste Vision von Bella hatte, konnte ich mein Glück kaum fassen. Nicht nur eine beste Freundin gefunden zu haben, nein, sie warf auch noch Augen auf meinen einsamen Lieblingsbruder.
Das, womit die Probleme erst begannen, kam mir nicht gleich zu geflogen. Aber das ist längst Geschichte.
Meine neusten Visionen handeln derzeitig nur von Renesmee. Und deshalb verfluche ich meine Gabe momentan. Nicht wegen Renesmee. Ich liebe meine süße Shopping Gefährtin. Nein. Ich hasse meine Gabe, weil alle Augen auf mich gerichtet sind, in Erwartung einer neuen Vision. Als wenn ich mir den Druck nicht schon allein mache. Einzig Renesmee scheint mir diesen Druck nicht zu machen.
Sie lächelt mir zu, als sie meine Gedanken hört. Edward hingegen bleibt starr, wie ein Stein. Aber ich habe Verständnis für ihn. Seine größten Befürchtungen werden wahr. Das einzig Gute ist, dass ich noch nicht gesehen habe, wie die Volturi sie wegschleppen, nur Aros Worte ‚Sie wäre eine wundervolle Erweiterung der Volturi', und sein Gesicht ließ kaum Widerworte zu. Und immer wieder Caius wohlwissendes Grinsen. Sie haben noch ein Ass im Ärmel, das mir Angst macht, dennoch will ich endlich wissen welches.
Carlisle, Eleazar, Jasper und Tanya sind die ganze Zeit am Telefonieren, in der Hoffnung auf Verstärkung. Aber selbst, wenn all unsere Freunde und Verbündeten rechtzeitig kommen könnten, liegen die Chancen bei einem Kampf so gut wie bei null. Tolle Aussichten, oder?
Aber schon die Hälfte winkt ab, bei der Idee einen Kampf mit den Volturi zu führen. Die Gruppe der Helfer halbiert sich erneut, da die Zeit zu knapp ist für sie, uns rechtzeitig zu erreichen. Wir haben Freunde auf allen Kontinenten. Selbst im sonnenverwöhnten Australien.
Es gibt dennoch loyale Freunde, die sich sofort auf den Weg begeben. Hoffentlich pünktlich.
Renesmee übt die ganze Zeit, ihr Schild unter Kontrolle zu bringen. Und ich bin wirklich erstaunt, in welcher kurzen Zeit, sie es geschafft hat ihr Schild über eine große Fläche zu spannen.
„Lass uns mal was versuchen, Mom", sagt Renesmee und nimmt die Hand ihrer Mutter.
„Versuch dein Schild mit meinem zu verbinden."
Kaum hat sie es gesagt, flackert der Schild auf. Es war sonst, mit dem bloßen Auge kaum zu erkennen, doch jetzt ist es das wunderschönste, was ich je gesehen habe. Nicht nur ich bin davon begeistert. Jeder schaut auf das Farbenspiel, welches der Schild hervorbringt.
Garrett, Charlotte, Peter und die Rumänen Stefan und Wladimir, die gerade eingetroffen sind, staunen auch nicht schlecht. Noch atemberaubender wird es, als die beiden den Schild ausbreiten und uns miteinschließen. Unter der Kuppel von Farben zu stehen, ist einfach wow. Ich war lange nicht so sprachlos wie jetzt.
Der Einzige, der nicht unter der Kuppel steht, ist Dolton. Als er versucht, ebenfalls einzutreten, ist es, als würde er gegen eine transparente Wand laufen. Auch der der zweite Versuch scheitert. Alle schauen sich überrascht oder vielmehr entsetzt an. Bis auf Renesmee. Kichert sie etwa?
„Hast du gewusst, dass das passiert?", fragt Edward geschockt.
„Gehofft", antwortet sie knapp.
„Wie?", fragen Carlisle, Bella und noch einige mehr.
„Ich hab ihn gedanklich nicht reingelassen", grinst sie.
Dolton wird plötzlich und merkwürdigerweise ganz blass um die Nase.
„Ich bin erstaunt. Deine Tochter ist ein Wunder. Ich kann noch immer nicht sehen, welche Kräfte sie besitzt", erwähnt Eleazar.
Dann tritt Emmett aus dem Schild hinaus.
„Lass es Emmett", warnt Edward.
„Wir müssen es testen, Edward."
Emmett nimmt Anlauf und rennt auf den Schild, mit der Schulter voran, zu. Er prallt zwar ab, aber der Schild flackert und verliert an Kraft. Renesmee schwankt benommen. Dolton macht es Emmett nach und schafft es, den Schild zu durchdringen. Bella muss Renesmee stützen, da es sie einiges an Kraft kostete.
Edward und Jasper müssen sich zügeln, nicht auf Dolton loszugehen. Aber Dolton hat uns nur gezeigt, wie unbeständig dieses doppelte Schild ist und wir uns nicht drauf verlassen können. Die Enttäuschung ist in allen Gesichtern deutlich zu erkennen.
Eine Brise frischen Blutes steigt mir in die Nase und man hört, wie auch alle anderen Vampire den Duft tief einatmen. Carlisle war kurz weg und kommt jetzt mit einer großen Flasche Blut zurück und drückt sie Renesmee in die Hand. Zum Erstaunen aller Cullens trinkt sie die 2 Liter Flasche in einem Zug aus und verzieht dabei keine Miene.
Im Gegenteil. Sie sieht erleichtert aus und sofort kehrt ihr süßes pausbäckiges Rot ins Gesicht zurück. Der Wille ist ihr deutlich ins Gesicht geschrieben, sich nicht einfach so kampflos aufzugeben. Dabei erinnert sie mich so sehr ein meinen kampfeslustigen Bruder Emmett.
Peter, Garrett, mein liebster Jasper und Emmett versuchen, eine Strategie auszuklügeln, aber ihre Gesichter verraten mir nicht viel Zuversicht. Bis auf Emmett, der sich jedem Kampf positiv stellt, egal wie aussichtslos es ist. Da hat er viel mit den Rumänen gemeinsam, die sich schon sehr auf einen Kampf freuen, welchen wir jedoch vermeiden wollen.
Allerdings sehe ich nicht sein gewohntes Grinsen im Gesicht. Rosalie ist schon ganz besorgt. Aber nicht nur sie.
Die Zeit vergeht. Der Wind peitscht immer härter gegen die Fenster und ein Blick hinaus, zeigt mir, dass sie bald kommen. Es hat begonnen zu schneien.
Edward hat sich mit Bella und Renesmee nochmal in Renesmees Zimmer zurückgezogen. Sein leidendes Gesicht, als sie die Treppe hoch gingen, wird mir ewig im Gedächtnis brennen. Esme geht es nicht anders.
Ich versuche mich weiter zu konzentrieren, um etwas zu sehen, was uns weiterhelfen könnte, doch weiter, als Caius dämliches Grinsen komme ich nicht. Stattdessen höre ich den Stimmen in Renesmees Zimmer zu.
„Egal, wie es heute ausgeht, vergiss nie, dass wir dich lieben und immer geliebt haben. Es tut mir…"
„Hör auf…. Bitte rede nicht von Abschied. Ich bleibe bei euch. Ich liebe euch", höre ich Renesmee wütend schluchzen.
Bei uns im Raum wird es plötzlich ganz still. Jeder hat gehört, was Edward und Renesmee sagten. Nicht nur wir Frauen schauen alle betrübt und sind mitgerissen, von den emotionalen Worten. Ich kann nicht mal meine sonst immer bestehende gute Laune finden.
„Es tut mir Leid, dass ich es euch am Anfang so schwer gemacht habe, aber ich liebe euch wirklich, und ich will nicht, dass einem von euch etwas passiert."
„Wir werden alles daran setzten, dass es zu keinem Kampf kommt. Denk dran, bisher hat Alice keinen gesehen. Nicht wahr, Alice?", höre ich meinen liebsten Bruder.
„Du hast es erfasst", antworte ich ihm.
Leises Lachen blitzt aus verschiedenen Richtungen. Dennoch bleibt Edward sehr ernst.
„Aber sollte einer der Volturi auch nur daran denken dir wehzutun, kann ich mich nicht mehr halten. Und so wird es auch den Anderen gehen."
„Du sagst es, Bruder", kommt es kampfeslustig von Emmett.
„Das will ich aber nicht", klagt Renesmee.
„Du verstehst nicht, wie wichtig du für alle bist, oder?"
Kurzes Schweigen. Ich kann hören, wie Renesmees Tränen auf den Boden prasseln und Bella ihr über den Rücken streicht. Wie viele Tränen muss Nessie noch vergießen?
„Wir lieben dich, Renesmee, egal wie dieser Tag heute endet", schluchzt Bella hervor.
„Ich weiß", sagt Renesmee leise.
„Und ich bin glücklich, bei euch zu sein. Wirklich. Ihr alle seid meine Familie. Hört ihr das?"
Ein lautes ‚Ja' schallt durchs Schloss und ich glaube, dass selbst ein paar Denalis mit einstimmen.
„Ich will keinen von euch verlieren, also strengt euch an", sagt Renesmee mit fester Stimme.
„Sonst was, Knirps?", fordert Emmett unsere Kleine heraus.
„Frag lieber nicht, Emmett", warne ich ihn zu spät, da ich einen kleinen Wirbelsturm in einer Vision sehe, der da gleich die Treppe hinunter geschossen kommt. Renesmee. Sie springt auf Emmett zu und beide fallen zu Boden.
Emmett kann sich kaum halten vor Lachen, doch Renesmee ist gar nicht zum Lachen zumute und sieht ihren bärigen Onkel böse an. Als Emmett es realisiert, wird sein Blick ernst.
„Bitte Emmett. Mach nichts Dummes, OK?"
Ich denke, schon allein, dass sie ihn nicht Emmy nannte, zeigt, wie ernst sie es meint. Emmett nickt, steht mit Renesmee auf und nimmt sie fest im Arm. Esme steht traurig daneben und wartet ungeduldig, dass sie endlich ihre Enkelin umarmen kann. Wir Cullens nutzen die Chance zu einer großen Familienumarmung. Selbst Carlisle und mein Liebster rücken zusammen, als würde es das letzte Mal sein, dass wir so zusammen sind.
Und wie es das Schicksal so bestimmt, bekomme ich in dem Moment eine Vision. Die Volturi vor den Toren des Schlosses. Renesmee bebt bei den Bildern, wobei Edward ein lautes Knurren entfährt.
„Sie sind gleich da", verkünde ich.
Wie immer machen die Volturi ein riesen Drama aus ihrer Ankunft. Anstatt wie jeder normale Mensch, ich meine natürlich Vampir, mit dem Auto zu kommen, stampfen sie durch den hohen Schnee. Dabei ärgert es mich, dass ihre dämlichen Kapuzen auch noch ihr Gesicht vor den Schneeturm schützten. Uns konnte es nur recht sein, dass sie zu Fuß kommen. Das gibt uns noch etwas Zeit.
Selbst aus dem Anklopfen machen sie ein riesen Ding. Aber es ist schon mal bemerkenswert, dass sie sich überhaupt bemühen zu klopfen, anstatt einfach rein zu stürmen. Dreimal klopft es. Zwischen jedem Klopfen eine längere Pause, in der Renesmees zusammenzuckt und sich alle bereit stellen.
Bella verzieht ihr Gesicht, aber nicht vor Schmerz, sondern vor Mitleid, das sie für ihre Tochter empfindet. Ich fühle ebenfalls mit ihr.
Zusammen mit Bella und Esme, steht Renesmee am hintersten Ende der Empfangshalle. Jasper, Emmett, Edward und Garrett stehen in der Mitte und schirmen die drei ab. Die Flanken, oder wie man es auch sonst in einem Schloss nennen kann, bilden die Rumänen, Irina und Kate auf der einen Seite. Dolton, Peter, Charlotte und Carmen auf der anderen.
Carlisle, Tanya und Eleazar bilden das Empfangskomitee. Ein paar weitere Neulinge der Denalis haben sich um uns herum verteilt. Zusammen mit Rosalie, stehe ich zwischen der Mitte, wo mein Schatz steht, und dem Ende, mit Renesmee.
Tanya öffnet die große Tür und jeder in der Empfangshalle hält den Atem an. Gleichzeitig strömen Ruhe und Gelassenheit durch den Raum. Aber ich glaube, Jasper Gabe erreicht nicht mehr jeden im Raum. Alle sind bis zu den Zehenspitzen angespannt.
Als Tanya beiseite tritt, geht auch die zweite Tür auf. Das erste Mal, seitdem wir hier sind. Wir schaffen es auch, uns durch die eine Tür ins Schloss zu begeben. Ich sag ja, dramatischer Auftritt.
Noch ist kein Gesicht zu erkennen. Sie Kapuzen ihrer dunklen Kutten sind bei allen tief ins Gesicht gezogen. Aus meiner Vision weiß ich aber, dass die beiden ersten Kuttenträger Felix und Demetri sind. Und schon dahinter treffen die drei mächtigsten Volturi ein.
Marcus, Caius und Aro.
Aro, als Anführer, mit der tief schwarzen Kutte in der Mitte. Hinter ihm tätschelt Renata seine Schulter. Tsk, als wenn ihr Schild mit dem von Bella und Renesmee mithalten könnte. Lächerlich.
Weiter hinten erkenne ich schon die Teufelszwillinge. Alec und Jane. Ob Bella schon ihr Schild über uns gezogen hat? Ich bin schon ein wenig nervös, weshalb ich mir nicht sicher bin, ob das ihr Schild ist.
„Ja", antwortet Renesmee auf meine Gedanken. Und ich bin gleich ein wenig beruhigt, so kann uns die Teufelsbrut Alec oder Jane mit ihren Fähigkeiten erstmal nicht außer Gefecht setzen. Alec, der uns alle erblinden lassen kann und Jane, die ihre Kraft schneller als ihr Bruder anwenden und einem mental solche Schmerzen zufügen kann, ich möchte nicht dran denken.
„Willkommen", begrüßt Tanya den unwillkommenen Besuch.
„Ihr habt uns erwartet?", höre ich Aros Stimme.
In dem Moment, als Aro seine Stimme erhob, richten sich alle Volturi auf. Wir halten uns bereit. Jeder Muskel, jede Faser gespannt, sehen wir, wie sie alle gleichzeitig ihre Kapuzen abnehmen. Man, beim Synchronschwimmen, wäre das eine glatte 10,0.
Ein leises Kichern höre ich hinter mir. Renesmee. Ein wohltuender Laut.
„Natürlich. Die liebe Alice hat sicher schon unsere Ankunft gesehen, nicht wahr?"
Aro hat seinen Blick an mich gewandt. Ruhig bleiben Alice und einfach nicken. Er braucht nicht zu sehen, welche Angst du hast. Ich schaffe es tatsächlich, ihm zuzunicken, als wäre nichts gewesen.
„Was verschafft uns die Ehre, alter Freund", kommt Eleazar zur Sache, worüber ich dankbar bin, denn Aros Spielchen treiben einem zum Wahnsinn.
„Ich habe gehört, dass die Familie Cullen Zuwachs bekommen hat?!"
Als Aro das sagt, hört man ein unterdrücktes Knurren, was ich sofort als Edwards erkenne.
„Wollt ihr mir eure Tochter nicht vorstellen? Edward? Bella?"
Ich kann noch keine richtige Gefahr erkennen, Edward.
Ganz unerwartet löst sich Renesmee von Esme und Bella und geht in menschlicher Geschwindigkeit auf Aro zu. Sie sieht sich jedes Gesicht der Volturi genau an und ich wette, sie durchforstet alle Gedanken, um etwas herauszufinden. Schlaues Kindchen.
Kurz vor Aro, gesellt sich Edward zu Renesmee, wodurch sich ihre krampfhafte Haltung auflöst. Bei ihrem Vater fühlt sie sich am sichersten.
„Darf ich?", fragt Aro und streckt seine Hand nach Renesmee aus.
„Du darfst, aber das funktioniert eh nicht", antwortet sie mit jugendlichem Leichtsinn, womit sie einige zum Lachen bringt. Allerdings nicht Bella, deren schweres Atmen ich hinter mir hören kann.
Die Volturi finden es weniger lustig. Selten begegnet jemand Aro in diesem Ton. Oder es ist die für sie erschreckende Tatsache, dass Aro tatsächlich nichts sehen kann, als er seine Hand an Renesmees Stirn legt.
„Erstaunlich. Du hast die Gabe deiner Mutter. Die Schönheit ebenfalls. Du bist wirklich eine bezaubernde Erscheinung, Kind. Sag mir, wie ist dein Name?"
Renesmee lacht höhnisch auf und sagt:"Du weißt ihn doch schon."
Ich habe Aro noch nie so perplex gesehen. Als er registriert, warum Renesmee es wusste, fängt er sich wieder.
„Ein Wunder. Du hast zwei Gaben. Sehr mächtig. Du wärest auf meinem Schloss in Volterra sehr nützlich. Mit deinen Gaben…"
„Niemals, Aro. Renesmee ist meine Tochter. Sie wird immer bei mir und Bella bleiben. Dort wo sie hingehört.
„Aber das war nicht immer so. Renesmee war nicht immer eure Tochter, sondern die von den Menschen Renée und Phil Dwyer. Liege ich da richtig?"
Ein Aufschrei geht durch den Raum, der aus Bellas und Renesmees Kehle kommt.
„Woher…"
„… ich davon weiß?"
„Ihr solltet nicht jedem Vampir trauen, der sich wie ihr ernähren will."
Bevor Aro weiter reden kann, stürzt sich Edward auf Dolton und beißt sich fest in dessen Kehle.
„Verräter", brüllt er.
Noch ehe Emmett Edward unterstützen kann, ziehen Felix und Demetri Dolton von Edward weg, der völlig in Rage ist und nur von Carlisle und Eleazar zurück gehalten werden kann. Jasper muss Emmett beruhigen. Selbst Rosalie will auf ihn los, doch ich halte sie am Arm. Eleazar und Carlisle haben ganz schön zu tun, um Edward zu bändigen.
„Ich hab es schon immer geahnt", flüstert Kate.
„Seitdem er hier ist, erstattet er Aro wöchentlich Bericht, wenn er auf der Jagd ist", giftet Edward. Dolton muss seine Gedanken gut vor Edward geheim gehalten haben.
„Nun, was Dolton getan hat, steht hier nicht zur Debatte. Ihr dagegen habt unser Geheimnis an Menschen weiter getragen.."
„…die uns nicht verraten werden", fällt Edward Aro ins Wort.
Renesmee ist ein paar Schritte zurück gewichen und steht jetzt vor Jasper, Garrett und Emmett, der ihr beschützend die Hand auf die Schulter legt.
„Woher nehmt ihr die Gewissheit, dass diese Menschen die Existenz der Vampire nicht weitertragen werden?", fragt Aro weiter. Die anderen Volturi hören ihm einfach nur zu, ohne dabei eine Miene zu verziehen. Bis auf Caius, dessen Grinsen langsam das aus meiner Vision annimmt.
„Vertrauen, Aro. Diese Menschen gehören zu unserer Familie", versucht es Carlisle.
Renesmee zuckt zusammen, bevor Aro anfängt weiter zu sprechen. Konnte sie etwas in seinen Gedanken sehen?
„Familie. Renée Dwyer und Charlie Swan mögen Bellas Eltern sein. Mit Phil Dwyer als Stiefvater auch. Aber was ist mit diesem Scott? Der junge Mann gehört nicht zur Familie."
„Gehört er wohl", schreit Renesmee dazwischen.
„Ach ja?", fragt Aro und gleitet auf Renesmee zu.
„Du liebst diesen Menschen?"
Renesmee nickt.
„Du würdest alles für ihn tun?"
Wieder nickt sie und schaut auf den Boden. Emmett verstärkt seinen Griff an Renesmees Schulter und zieht sie enger an sich heran. Ohne weitere Worte wendet sich Aro von ihnen ab und schwebt förmlich zu seinen Leuten zurück.
„Gesetz ist Gesetz", sagt Marcus plötzlich.
„Ich stimme dir zu, Bruder", sagt Aro. Wie gern würd' ich ihm sein dämliches Grinsen aus dem Gesicht schlagen.
„Diese Menschen mögen Familie sein, das erlaubt es euch dennoch nicht, unser Geheimnis an sie weiter zu tragen. Ihr kommt um eine Strafe nicht herum."
„Sie werden uns nicht…"
„Schweig, alter Freund", unterbricht Aro Carlisle in einem barstigen Ton. Carlisle ist geschockt von Aros Ton. Ich glaube Freunde, sind sie nicht wirklich.
„Renesmee, Kind, trete bitte hervor."
Diese zögert und wird von Emmett nicht losgelassen.
„Schon OK, Emmie", sagt sie dann und geht auf Aro zu.
Diesmal alleine. Edward ist nicht mehr zu beruhigen, dabei brauchen wir gerade jetzt seine ruhige Art. Seine Augen funkeln vor Wut.
„Ich frage dich, Renesmee Carlie Cullen, möchtest du zusammen mit meinem Zirkelauf unserem Schloss in Volterra leben? Ich würde dich gerne an meiner Seite schätzen. Deine Kräfte sind von unbezahlbarem Wert. Hier wären sie doch nur Verschwendung. Komm mit uns."
Aros Augen leuchten, als würde er ein Ja erwarten.
„Nein danke. Ich habe eine Familie, die mich liebt und die ich liebe."
„Mit dieser Antwort habe ich gerechnet. Aber ich bin mir sicher, dich noch umstimmen zu können."
Ich blicke zu Caius. Sein Lächelns sieht jetzt aus, wie das aus meiner Vision.
„Sag mir, Kind, hat man dich aufgeklärt, was es für Folgen hat, wenn du die Existenz von Vampiren verrätst?"
„Nein."
„Diese Menschen müssen getötet werden", sagt er diesmal verbissen.
„Nein, bitte nicht."
„Das könnt ihr nicht machen, Aro. Ihr habt kein Recht dazu. Renesmee ist kein Gegenstand, welchen man verschachern kann. Diesen Handel werde ich nicht zulassen", sagt Edward wütend.
Welchen Handel? Ich bin verwirrt. Warum kann ich nichts vorhersehen, wenn es dringend notwendig ist?
Aro macht eine Handbewegung, sofort machen sich Heidi, Chelsea und Felix auf und rennen aus dem Schloss. Sekunden später kommen sie zurück. Nur nicht allein. Über ihren Schultern hängen Charlie, Phil, Renée und Scott.
„Die Familie wäre somit komplett", grinst Caius.
Aus jeder Kehle, die nicht zu den Volturi gehört, kommt ein lautes Knurren. Unsere Menschenfreunde werden vor Aro achtlos abgelegt. Phil scheint bewusstlos zu sein. An seiner Stirn prangt eine ordentliche Platzwunde. Der Geruch seines herrlich duftenden Blutes steigt mir in die Nase und benebelt sicher nicht nur mich. Das ist gar nicht gut.
Alle vier sind gefesselt und geknebelt. Charlie stützt Renée, die ganz schön fertig aussieht. Scott schaut sich in der Empfangshalle um, und als er Renesmee erblickt, schimmert Hoffnung in seinen Augen und er will aufstehen, um zu ihr zu gehen.
Doch Aro hält ihn an seinen Haaren fest, tritt ihm so in die Kniekehlen, dass er nicht nur vor Schmerz aufstöhnt, sondern auch auf die Knie fällt. Der Schmerz ist ihm deutlich ins Gesicht geschrieben. Das hindert allerdings nicht Renesmee daran, auf Scott zuzulaufen. Sie nimmt ihm den Knebel aus dem Mund und schaut ihn sich von oben bis unten an, ob er verletzt ist.
„Geht es dir gut?", fragt sie, als sie ihn etwas schmerzvoll, aber voller Sehnsucht in ihre Arme schließt.
Er nickt schwach, als sie wieder auseinanderfahren und sich traurig in die Augen blicken. So haben sich die zwei ihr Wiedersehen sicher nicht vorgestellt.
Was mussten die vier wohl schon alles über sich ergehen lassen? So wie sie aussehen, einiges.
Bella will zu ihren Eltern laufen, allerdings wird sie von Demetri aufgehalten.
„Sie müssen sterben. Sie kennen unser Geheimnis", grölt er.
„NEIN!", schreit Bella, gleichzeitig mit Renesmee und will an Demetri vorbei. Doch der lässt es nicht zu und schubst Bella unsanft beiseite.
„BELLA", ruft Edward besorgt, als wäre sie noch das verletzliche Mädchen von früher. Bella allerdings steht längst wieder. Sie schnaubt wutentbrannt.
„Du liegst falsch, Demetri", sagt niemand anderes, als Aro plötzlich und nimmt uns damit allen Wind aus den Segeln. Hat irgendjemand Gewalt über seinen Körper genommen?
„Das wird nicht geschehen, Aro", brüllt Edward, wohl auf Aros Gedanken.
„Ich denke, diese Entscheidung hat Renesmee zu treffen."
Renesmee ist noch vertieft in den himmelblauen Augen von Scott. Doch scheint sie gewiss mitbekommen zu haben, um was es geht. Sie trägt genau die kleine Denkerfalte auf ihrer Stirn, wie Edward, wenn er nachdenkt.
„Ich werde es tun. Aber bitte verschont sie."
„NEIN, Renesmee. Tu das nicht. Wir finden eine andere Lösung."
„Dad, ich muss es tun. Das bin ich ihnen schuldig. Wegen mir sind Renée, Phil, Charlie und Scott hier. Sie dürfen nicht sterben", sagt sie, während sie Scott einen Kuss auf einen Kratzer in seinem Gesicht gibt. Sein Gesicht spiegelt das wieder, was in mir vorgeht. Verwirrung.
Bella ahnt schlimmes, steht sie doch völlig apathisch neben Carlisle.
„Eine gute Entscheidung. Um es ganz offiziell zu machen, frage ich dich noch einmal. Renesmee willst du mit uns nach Volterra gehen und dem vampirischen Volk der Volturi beitreten? Die Menschen werden verschon, wenn du mit uns kommst."
In mir zieht sich alles zusammen und ich habe das Gefühl, meine Kehle schnürt sich zu. Esme und Rosalie greifen gleichzeitig nach meinen Händen, worüber ich froh bin. Emmett und Jasper knurren wie 100 Vampire gleichzeitig.
Bella wird von Carlisle gestützt. Sie sieht noch blasser aus als sonst. Keine Regung in ihrem Gesicht, als wenn sie es noch gar nicht richtig wahrgenommen hat, was Aro da von Renesmee verlangt.
Durch den Raum hallen nur noch Edward verzweifelte und flehende Worte an Nessie, Aros Gnadengeschäft nicht anzunehmen. Doch in ihren Augen kann ich ihre Entscheidung, für das Leben ihrer vier Lieblings Menschen, klar und deutlich sehen.
„Ich werde mit euch gehen."
„NEIN…"
TBC *teuflisch grins*
