A/N: Es geht weiter… Aber beim nächsten Mal hätt ich schon gern wieder ein, zwei Meinungen… Bitte… Ist doch gar nicht schwer… LG Sam
Die Strafe
Carlisles POV
Ich kann es noch immer nicht fassen, dass Renesmee und Scott wirklich so eine Dummheit begehen konnten. Unser lang aufgebautes und wohlbehütetes Geheimnis hätte zerstört werden können. Innerhalb weniger Stunden.
Mein Gefühl trog mich also nicht, als Renesmee gestern zu uns kam und uns weiß machen wollte, dass sie versuchen wollte, mit Scott auf die Jagd zu gehen. Dabei hatte sie uns in den vergangenen Tagen immer wieder gesagt, dass es ihr mittlerweile egal ist.
Hinzu kam auch noch Jaspers ungutes Gefühl. Und seinem Gefühl konnte man trauen. Alice hatte nichts gesehen, dass wir Renesmee nicht hätten trauen können. Wie falsch wir doch lagen.
Bella schien ebenfalls die ganze Zeit über ein schlechtes Gefühl gehabt zu haben, denn ihr besorgtes Gesicht sprach dabei Bände. Nach einigen Stunden hielt sie es nicht mehr aus und versuchte, Renesmee über ihr Handy zu erreichen, doch es sprang gleich auf Mailbox. Gleiches mit Scotts Handy.
Die beiden sollten ihre Handys anbehalten, was die Sorge um ein weiteres steigerte.
Jasper ortete die Handys. Wir fielen aus allen Wolken, als er uns sagte, dass sie am Flughafen wären. Edward war sofort auf dem Weg dorthin und berichtete uns, dass die Handys ausgeschaltet in Renesmees Wagen lagen, der am Flughafen geparkt war.
Wir ahnten, dass sie mit dem Flugzeug verreist waren, hofften aber bis zum Schluss, dass sie nicht so unvernünftig waren. Doch leider platzten diese Hoffnungen, als ich ihre Kreditkarten prüfen ließ. Sie hatten Tickets nach Phoenix gebucht, so wie sie sich einen Leihwagen gemietet hatten.
Edward wollte sofort los, doch ich hielt ihn auf. In seinem Zustand, furios und wütend, hätte er noch viel mehr Aufsehen erregt. Wir hofften darauf, dass sie wirklich ihren Rückflug einhielten. Der würde in zehn Stunden landen.
„Was wollen sie nur in Phoenix? Renée und Phil sind doch in Forks?", fragte Esme, während Edward am telefonieren war.
Dann erzählte uns Bella, dass Renesmee kurz erwähnt hätte, dass Scott seine Familie vermisste. Er hatte stärkere Erinnerung an sein Menschleben, als wir alle. Das muss natürlich hart für ihn sein. Entschuldigt dennoch nicht ihr Verhalten. Ihr unüberlegtes Handeln hätte uns alles kosten können.
Jasper machte dann im Internet eine schockierende Entdeckung. Er war auf diversen Seiten unterwegs, wo aktuelle Nachrichten aus Phoenix zu lesen waren. Dort entdeckte er eine Nachricht, die wir sofort den beiden zuordnen konnten.
‚Raub in der Blutbank!', war die Überschrift.
Dazu ein kurzer Text, da die Nachricht erst ein paar Minuten alt war.
Also brauchte Renesmee wohl Blut. Hoffentlich ging es ihr gut. Sie kommt mittlerweile sehr lange ohne aus. Und zu unserem Unmut lässt sie immer öfter ihre morgendliche Ration aus.
Etwa eine Stunde später wurde der Artikel aktualisiert. Mit einem Video. Diesmal mit einer anderen Überschrift.
‚Geist verantwortlich für Blutraub?!'
Warum Geist, sahen wir in dem Video. Man konnte eigentlich nur einen Blitz sehen, der sich hin und her bewegte. Das Ganze war nicht mal fünf Sekunden lang. Dennoch erkannten wir, dass es Scott war. Für das menschliche Auge, aber auch für die Technik, nicht zu erkennen.
Wir alle atmeten befreit aus. Allerdings war uns bewusst, dass unsere Existenz noch immer in Gefahr war. Wir konnten aber nur noch abwarten. Und dieses Warten wurde zu einer langen Qual. Ich konnte genau sehen, wie Edwards Wut minütlich anstieg.
Ich war nicht wütend, aber sehr enttäuscht. Von Scott, so wie von meiner Enkelin, der ich mehr Verantwortung für unser Geheimnis zugetraut habe.
„Es war sicher seine Idee. Renesmee würde so etwas nie tun", beteuerte Edward in diesem Moment noch. Wie er sich doch getäuscht hat.
Bella und Esme versuchten alles, um ihn zu beruhigen. Auch ich befürchtete, dass er Scott zu hart angehen könnte, noch bevor dieser sein Handeln erklären konnte. Als Alice uns sagte, dass sie gleich ankommen würden, gingen wir hinaus, um sie in Empfang zu nehmen.
Scott stieg als Erster aus und warf uns einen entschuldigenden, aber vor allem verängstigten Blick zu. Renesmee hatte gar Angst, aus dem Wagen zu steigen. Als Scott ihr behilflich war, traute sie sich nicht, uns anzuschauen. Und obwohl ich recht enttäuscht mit ihnen war, schmerzte es mir, Renesmee so zu sehen.
Als sie uns dann erklärten, wo sie genau waren und warum, hatte ich Verständnis. Allerdings konnten wir sie nicht so davon kommen lassen. Wir mussten ihnen zeigen, dass solches Handeln Konsequenzen für sie haben würde. Sie sollten ihre Lehre daraus ziehen, um nie wieder so dumm zu handeln.
Edwards vorschnelle Entscheidung war geteilter Meinung. Jasper und Emmett waren zwar anfangs geschockt, doch ihre überbeschützende große Bruder-Mentalität vereinte sich mit Edwards Idee.
Bella, Esme und meine Töchter waren natürlich dagegen. Sollte es zu einer Abstimmung kommen, wäre ich entweder die Stimme zum Gleichstand oder zum Gewinn der Frauen. Aber es ging mir nicht darum, eine Seite anzunehmen.
Natürlich sollten sie bestraft werden, aber nicht für die Ewigkeit ihrer Existenz. Und wie sehr Renesmee unter der Trennung von Scott leiden würde, haben wir schon schmerzlich erfahren. Das wäre keine Strafe, das wäre Folter.
Nachdem Edward die beiden auf ihre Zimmer geschickt hat, setzen wir uns, um über eine Strafe zu sprechen. Lange Zeit sitzen wir da und geben uns unseren Gedanken hin. Wobei, wenn ich mir Bella anschaue, glaube ich eher, dass sie gerade mit ihrer Tochter mitleidet. Edwards Strafe hat sie am meisten geschockt.
„Dein Vorschlag steht nicht zur Debatte, Edward. Scott gehört zur Familie und wird nicht von uns verstoßen."
Bevor er protestieren kann, rede ich weiter.
„Ich bin ganz und gar deiner Meinung, dass sie bestraft werden sollten. Aber mit Scott nach Alaska zu schicken, bestrafst du die ganze Familie und dich am meisten. Oder glaubst du wirklich, dass Renesmee dir das je verzeihen würde?"
Sein Verstummen zeigt mir, dass er vor Wut, soweit nicht gedacht hatte. Auch Emmett und Jasper lassen bei dieser Feststellung die Köpfe hängen.
Wieder kehrt eine lange Stille ein.
„Warum bestrafen wir sie nicht, indem sie einen Monat lang das Haus aufräumen müssen. Und die Autos, versteht sich."
„Emmett", tönt es von jedem.
Ich bin mir nicht sicher, ob es Emmetts Ernst war, oder ob er nur die Stimmung lockern wollte, die zum zerreißen angespannt ist. Man kann es spüren, als hätten man Jaspers Fähigkeit.
Bevor noch jemand einen Vorschlag machen kann, hören wir im Obergeschoss eine Tür aufgehen. Anhand der Härte der Schritte erkenne ich sofort, dass es Scott ist. Sekunden später steht er in unserer Mitte.
Sein Gesicht zeigt Bedauern, aber auch Angst. Angst, seine Renesmee zu verlieren. Er möchte etwas sagen, das sehe ich ihm an. Aber er ringt um Fassung.
Er hat gewartet, bis Renesmee eingeschlafen ist, denn Renesmees leises Schluchzen ist einer rhythmischen Atmung gewichen.
„Ich möchte mich entschuldigen, für das, was ich getan habe. Das hätte nicht passieren dürfen. Ich habe meine Schwester und meine Eltern sehr vermisst und wollte unbedingt sicher gehen, dass es ihnen gut geht", sagt er mit zusammengekniffenen Augen und macht eine kurze Pause, in der Edward gerne etwas sagen will, doch ich halte ihn mit einer Handbewegung auf.
Lass ihn ausreden, Sohn. Widerwillig nickt er mir zu.
„Natürlich entschuldigt das nicht unser Handeln. Aber bitte bestraft Renesmee nicht. Ja, sie hat mich überredet. Aber ich hätte sie aufhalten müssen. Doch ich konnte nicht. Die Vorstellung, meine Familie nur einmal wiederzusehen, hat mich meinen Verstand ausschalten und für einen Moment vergessen lassen, welche Folgen es haben könnte.
Es tut mir sehr leid, euch enttäuscht zu haben und unser Geheimnis so zu gefährden. Das war nicht meine Absicht. Ich nehme jede Strafe an, aber bitte verschont Renesmee. Sie hat es nur für mich getan."
Ich muss gestehen, Scott solche starken Worte nicht zugetraut zu haben. Es sind ehrliche Worte, die alle beeindruckt haben.
Esme steht auf und umarmt Scott. Ihren Sohn, wie sie mir es schon öfter sagte. Ihre Liebe für diese Familie ist unbeschreiblich. Und Scott hat sie schnell in ihr Herz geschlossen. Sie spürte von Anfang an, wie schwer ihm die Trennung seiner menschlichen Familie fiel. Und meine Frau war es, die am meisten dafür tat, dass er sich bei uns heimisch spürte.
Für dieses große Herz liebe ich sie. Ich darf mich glücklich schätzen, Esme kennenzulernen und zu meiner Frau nehmen zu haben.
„Ich verstehe deine Gründe, Scott", beginne ich.
„Aber wir können euer Handeln nicht unbestraft lassen. Wir sind uns aber einig, niemanden wegzuschicken. Das würde die ganze Familie bestrafen."
Er nickt mir zu und lässt einen befreiten Seufzer von sich. Auch Bella ist erleichtert, denn sie wusste, dass Edward noch immer diese Idee hatte. Aber da ich es jetzt offiziell gemacht habe, wird er nicht mehr dagegen angehen können. Können schon, aber das würde er nicht wagen.
Auf meine Gedanken hin blickt er mich wütend an. Doch ich ignoriere es, um ihn nicht weiter anzustacheln.
Plötzlich hören wir von oben, wie sich Renesmee in ihrem Bett hin und her wendet.
„Nein, Dad. Bitte schick' ihn nicht weg. Ich brauch ihn doch. Bitte…", hören wir sie alle in ihrem Schlaf weinen.
„Tu mir das nicht an. Ich kann nicht ohne ihn leben…."
Wir schauen uns alle betroffen an. Wir hätten wissen müssen, wie sehr selbst nur der Gedanke daran, dass Scott nach Alaska geschickt werden würde, sie belastet. Jetzt hat sie schon Albträume davon.
Bella steht auf, um zu ihrer Tochter zu gehen. Edward ebenfalls.
„Nicht", sagt sie bestimmend und schaut ihren Mann wütend an.
Niedergeschlagen lässt Edward sich zurück in die Couch fallen, im Wissen, dass er jetzt gegen Bella nicht angehen könnte. Und so schmerzhaft, wie Jasper schaut, muss er sehr verletzt sein.
Gespannt lauschen wir, was oben geschieht.
„Schsch, mein Schatz. Alles ist gut. Es war nur ein Albtraum", hören wie Bellas beruhigende Stimme, unter Renesmees Schluchzen.
„Ich will nicht, dass uns Scott meinetwegen verlassen muss. Das würde ich nicht überleben, Mom. Ich liebe ihn doch. Das würde Dad doch nicht tun, oder?"
In solchen Momenten wird uns erst wieder bewusst, wie jung und unschuldig Renesmee noch ist. Sie muss noch viel lernen. Und bekanntlich lernt man aus Fehlern. Und ich bin sicher, dass unsere Jüngsten in der Familie aus diesem waghalsigen Fehler lernen werden.
„Nein. Das würde dein Vater nicht tun. Er war nur sehr besorgt um dich und Scott. Und wir wissen doch alle, wie impulsiv dein Daddy werden kann, wenn er sich um dich sorgt", sagt Bella mit einem heiteren Klang in der Stimme.
Und es ist nichts schöner, als dann Renesmee lachen zu hören. Auch Edward muss schmunzeln, nachdem Alice ihn angestupst hat. Wir alle wissen, dass Edward emotionale Entscheidungen nicht immer die Richtigen sind.
Edward wirft mir einen vernichtenden Blick zu. Er weiß genau, worauf ich anspiele. Entschuldige, mein Sohn. Es war nicht fair, daran zu erinnern, als er Bella verlassen hatte. Damals war es auch eine emotionale Entscheidung, nachdem Jasper Bella anfallen wollte.
„Denkst du, Dad hat mich noch immer lieb?", fragt Renesmee in einer Stimme, die einer schmollenden Zehnjährigen gleicht.
Schneller als ich blinzeln kann, schießt Edward die Treppe hoch und endet in Renesmees Zimmer. Ihr Schluchzen wird lauter, als sie ihren Vater sieht.
„Egal, was passiert, egal was du machst, Renesmee Carlie Cullen, ich bleibe dein Vater und werde dich immer vom tiefsten Herzen lieben. Bezweifle bitte nie meine Liebe, auch wenn ich manchmal der mieseste Vater der Welt bin."
Zwei Körper prallen aufeinander und ein Schniefen. Ich bin mir sicher, dass sich Vater und Tochter fest umarmen. Esme drückt meine Hand und lächelt mir zu. Daraufhin kann ich nicht anders, als ihr einen Kuss auf die Stirn zu geben.
„Das wird schon wieder", sagt sie mir und ihrer Intuition kann man vertrauen.
„Du bist kein mieser Vater. Nur… etwas.. naja… überfürsorglich", sagt Renesmee schüchtern.
„Aber dafür liebe ich dich. Auch wenn alle sagen, Vampire haben kein Herz. Unsere Familie hat definitiv ein großes Herz. Und du ganz besonders, wenn es um Mom und mich geht. Ich liebe dich, Dad."
„Aaww. Die drei sind einfach zu süß", freut sich Alice und wischt sich eine imaginäre Träne von der Wange, womit sie uns alle zum Lachen bringt.
„Komm. Die anderen verfolgen uns mit Spannung. Gehen wir nach unten und dann erzähle ich euch, was ich mir als Strafe ausgedacht habe."
Sofort kehrt wieder Stille ein.
„Aber… aber du schickst doch nicht Scott weg, oder?", bricht Renesmees Stimme bei jedem Wort.
Alle warten gespannt auf Edwards Antwort. Auch wenn wir als Familie die meisten Entscheidungen zusammen treffen, hat Edward dennoch das letzte Wort über seine Tochter.
„Nein. Das war eine emotionale Entscheidung", sagt er und ich kann etwas Amüsantes in seiner Stimme hören. Auch ich muss darüber schmunzeln, als er meine Gedanken wiedergibt.
„Aber Strafe muss sein. Es war nicht in Ordnung, was ihr getan habt und daraus müsst ihr eure Lehren ziehen. Spring auf."
Und Sekunden später kommen die drei die Treppen hinab. Renesmee allerdings huckepack auf Edwards Rücken. Ein schönes Bild. Vor allem, weil meine Enkelin noch verschlafen aussieht und ihre Kleidung zerknüllt ist. Ich glaube, würde Jasper seine Frau nicht festhalten, würde sie Renesmee sofort zum Umziehen zwingen.
Was jeden von uns traurig macht, sind die noch immer feuchten Augen und Wangen von Renesmee. Als sie sie sich mit ihrem Ärmel etwas trocken wischt, kann man Alice leise fluchen hören. Alice ist und bleibt Alice.
Edward, Bella und Renesmee nehmen auf der kleinen Couch Platz, Renesmee zwischen ihren Eltern. Sie wirft uns allen ein schüchternes Lächeln zu, verharrt dabei etwas länger auf Scott als auf uns. Danach legt sie allerdings ihren Kopf auf Bellas Schulter und hängt förmlich an ihren Arm. Die beiden haben ein sehr tiefes, inniges Mutter-Tochter-Verhältnis.
„Ich denke, es bringt nichts mehr, euch weiter Vorwürfe zu machen, das habt ihr nun zu Genüge gehört und ich sehe euch an, dass ihr unsere Worte gut aufgenommen habt", beginnt Edward.
„Das haben wir", sagen Scott und Renesmee gleichzeitig und bringen somit alle zum Schmunzeln.
„Aber Strafe muss sein. Ich werde keinen von euch nach Alaska schicken. Aber es wird dennoch eine Trennung geben."
Nicht nur ich schaue geschockt auf. Was hast du vor, Edward? Tu ihr das nicht an.
„Nicht das, was ihr denkt. Für die nächsten zwei Monate wird Renesmee alleine in ihrem Zimmer schlafen. Zumindest wird Scott die Nächte nicht mehr bei Renesmee verbringen. Und keine Alleinausflüge mehr. Es wird jederzeit jemand bei euch sein."
„Aber Dad…"
Doch Edward unterbricht Renesmee nur mit einer Handbewegung.
„Wenn ihr euch benehmt, lasse ich mit mir reden, die Zeit zu verkürzen."
Dieses Grinsen auf Edwards Gesicht. Es kann nur eins bedeuten. Er bestraft seine Tochter und zieht daraus seinen eigenen Vorteil. Denn ich bin mir sicher, wenn nicht Scott die Nächte bei Renesmee verbringt, wird es Edward sein. Raffiniert.
Diesmal schaut Renesmee mich an. Erst geschockt, doch dann ebenfalls schmunzelnd. Er liebt dich mein Schatz. Lass ihm das Vergnügen. So wird es nicht mal eine Strafe für dich sein. Auch du wirst es genießen. Sie nickt mir lächelnd zu.
Edward sieht mich an. Er hat meine Gedanken natürlich ebenfalls gehört. Und an seinem Gesichtsausdruck erkenne ich, dass er noch eine Entscheidung fällt. So leicht kommt Renesmee wohl doch nicht davon.
„Eure Autos sind für die nächsten zwei Monate ebenfalls tabu. Ihr geht nirgendwohin, ohne Begleitung und sagt mir oder Carlisle immer bescheid, wo es hingeht. Verdient euch unser Vertrauen zurück."
„Dad, ich verspreche dir, wir werden so etwas nie wieder machen. Das war dumm und ich werde auch keine Entschuldigung mehr für unser Tun suchen. Es war falsch und wird nie wieder vorkommen."
Renesmee sieht ihren Vater ernst an, dessen Blick nicht weniger ernst ist.
„Das glaube ich dir auch, mein Kind. Aber es muss sein. Ich hoffe, du kannst mich verstehen."
Renesmee nickt kläglich und zwingt sich ein Lächeln auf. Zeit für mich, etwas zu sagen.
„Edward hat seine Strafe verkündet, aber ihr versteht hoffentlich, dass auch ich noch etwas dazu sagen möchte", sage ich und versuche dabei so ruhig wie möglich zu klingen. Ich will Renesmee nicht noch mehr Angst machen.
„Ich sehe die Reue in euren Augen, so wie die Enttäuschung über euch selbst. Was auch so sein sollte, denn was ihr getan habt, war sehr falsch. Es hätte alles auffliegen können. Ihr hattet wirklich Glück. Jasper hat dafür gesorgt, dass das Video vernichtet wurde."
„Danke", sagen beide und richten sich an Jasper, der es mit einem Nicken quittiert.
„Es bringt auch nichts mehr, euch weiter ein schlechtes Gewissen einzureden. Es ist geschehen und kann nicht mehr ungeschehen gemacht werden. Ihr habt euch entschuldigt und schon jetzt draus gelernt. Ich möchte nur noch einmal sagen, wie wichtig es ist, unser Geheimnis zu wahren, um so frei wie möglich leben zu können."
„Ich verspreche es, Grandpa", sagt sie mit einem überaus bezaubernden Lächeln.
Sie weiß genau, dass sie mich mit diesem Namen immer weich bekommt. Es macht mir wieder bewusst, was für eine große und herzliche Familie ich habe.
„Nun gut", versuche ich mich wieder zu fangen, um noch ein paar ernste Worte los zu werden.
„Edward ist mir schon ein paar Punkte voraus, die ihr jetzt zu beachten habt. Für dich Renesmee heißt es ab so sofort, jeden zweiten Tag eine Ration Blut. Wir wissen alle, dass du immer länger ohne Blut auskommst. Aber ich denke, euer Trip hat bewiesen, dass es so besser ist. Und wenn du diese Ration zu dir nimmst, hat immer ein Zeuge dabei zu sein. Verstanden?", klinge ich etwas forscher als ich wollte. Aber die Worte müssen zu ihr durchdringen.
Sie nickt mir zu und zieht sich enger an Bella heran, sodass ich meine harten Worte gleich wieder bereue. Doch Esmes Berührungen können mich beruhigen.
„Es ist keine Strafe, Schatz. Nur eine Vorsichtsmaßnahme, OK?"
„OK", antwortet sie nun schon wieder mit einem Lächeln.
„Es soll aber nicht nur ein Tag der Strafen sein. Ihr habt auch bewiesen, dass ihr eure Kräfte sehr gut unter Kontrolle habt. Worauf wir sehr stolz sind und euch belohnen möchten. Wir wollten euch eigentlich vor zwei Tagen sagen, aber da habt ihr ja euren kleinen Ausflug gemacht", lächle ich ihnen zu.
Renesmee strahlt über beiden Ohren. Sie weiß schon, worum es geht, wobei Scott noch etwas verwirrt ist.
„Vielleicht könnt ihr auch so auch besser mit eurem vergangenen Leben arrangieren. Ab Montag seit ihr für das Training der Highlands Highlanders angemeldet."
Ich habe es noch gar nicht ausgesprochen da kommt Renesmee schon auf mich zugesprungen und umarmt mich fester, als ich es ihr zugetraut habe.
„Danke", flüstert sie mir ins Ohr.
Ich verstärke die Umarmung und genieße es, sie in meinen Armen zu haben. Das kam in letzter Zeit einfach zu selten vor.
„Du hättest nur fragen sollen. Von mir bekommst du immer eine Umarmung", lacht sie und küsst mich auf die Wange.
Sie löst sich von mir und tut Gleiches mit Esme.
„Ist es das, was ich denke", fragt Scott an alle gerichtet. Doch nur zwei können ihm die Frage beantworten und Renesmee ist gerade viel zu sehr mit Esme beschäftigt.
„Ja das ist es", zwinkert ihm Edward zu.
„Cool. Danke. Aber das heißt nicht, dass wir zusammen kein Baseball mehr spielen, oder?"
„Spinnst du? Ich würde es niemals missen wollen, dich fertigzumachen", brummt Emmett lachend.
„Wenn ich mich recht entsinne, hat unser Team das letzte Mal gegen Scott, Renesmee, Bella und Edward verloren?!", erinnert ihn Rosalie, woraufhin Emmett sich wieder grummelnd zurück in die Couch lehnt und alle laut loslachen.
Das wiederum veranlasst Renesmee, sich auf ihren großen Bruder zu stürzen, der sie gekonnt auffängt.
„Ach Emmy. Wenn du willst, spiele ich das nächste Mal in deinem Team. Vielleicht gewinnt ihr dann", lacht sie.
Aber das bringt nun Alice, Rose und Jasper auf den Plan. Da sie allesamt auf einer Couch sitzen, stürzen sie sich auf Renesmee und kitzeln sie ab.
„Hört auf… Das ist unfair… Mom, hilf mir."
„Oh nein. Das hast du dir selber eingebrockt", sagt Bella, verschränkt ihre Arme vor der Brust und grinst in sich hinein. Ich nehme dabei gerne in Augenschein, wie Edward seine Liebste in seine Arme schließt. Diesen entspannten Gesichtsausdruck brauche ich, um selber in letzter Zufriedenheit zu leben.
Ich will gerade Esme meinerseits in die Arme schließen, als Scott vor mir steht. Esme steht auf und umarmt Scott kurz.
„Gräme dich nicht zu sehr, mein Sohn. Wir lieben dich dennoch", sagt sie und küsst ihn auf die Stirn.
„Ich mache Renesmee etwas zu essen", richtet sie sich an mich und gibt mir einen kurzen Kuss, bevor sie in die Küche entschwindet.
Während Alice, Jasper, Emmett und Rose Renesmee noch immer in der Mangel haben, setzt sich Scott, mit einem lauten Seufzen neben mich.
„Ich möchte mich noch mal entschuldigen, Carlisle und dir danken, dass du mich in deiner Familie aufgenommen hast. Ich kann jetzt mit meinem Menschleben abschließen, wo ich weiß, dass es meinen Eltern und meiner Schwester gut gehen wird. Auch ohne mich. Und ich kann mir nichts Besseres vorstellen, als deiner Familie anzugehören, den Cullens."
„Das weiß ich zu schätzen, Scott. Du gehörtest aber schon zur Familie, als du noch ein Mensch warst. Als Freund und zukünftiger Mann meiner Enkelin hättest du kaum eine Wahl gehabt. Aber ich bin froh, wie du nun darüber denkst und dass eure Reise in dem Fall doch ein Gutes hat. Und ich vertraue dir, was die Zukunft angeht. Ich kann deine Ehrlichkeit in deinen Augen sehen, mein Sohn."
In die letzten zwei Worte versuche ich so viel Kraft, wie möglich zu setzen, damit er versteht, was ich meine. Für mich ist er mittlerweile ein Sohn, wie Emmett, Edward und Jasper. Und seine Reaktion zeigt mir, dass er es versteht.
„Danke, Carlisle", sagt er und reicht mir seine Hand, welche ich gerne annehme.
Abrupt hört Renesmees Lachen auf. Edward, wie auch seine Tochter, schauen gespannt zu Alice, die ins Nichts starrt. Eine Vision. Ich versuche im Gesicht der beiden Gedankenleser zu erkennen, ob die Vision etwas Gutes oder Schlechtes zu bedeuten hat.
Und als beiden anfangen zu grinsen, kann es nur etwas Gutes bedeuten. Renesmee schaut zu Scott und ihr Lächeln wirkt glücklich. Tränen bilden sich in ihren Augen. Aber vor Freude. Als die Vision endet, springt Alice auf und lässt einen alicetypischen Freudenschrei aus.
„Was..", zu mehr kommt Scott nicht. Er kann aber auch an Renesmees Blick auf ihn erkennen, dass es etwas mit ihm zu tun hat.
Sie kommt auf uns beide zu und setzt sich auf Scotts Schoß. Ihr Gesicht wirkt so glücklich wie noch nie. Minuten vorher glich es noch einem Trauergesicht. Sie hebt ihre Hände und legt sie an meine und Scotts Wange. Und sofort strömen viele Bilder auf mich ein.
Zuerst sind es wohl Bilder aus dem vorigen Leben bei beiden. Renesmee und Scott spielen mit einem kleinen Mädchen. Maggie, Scotts Schwester. Renesmee zeigt es mir, um die nächsten Bilder zu verstehen, die zu Alice Vision gehören.
Eine junge Frau liegt im Krankenhaus. Allerdings sieht sie für eine Patientin recht glücklich aus. Und dann kommt auch der Grund. Zwei Krankenschwestern bringen zwei Neugeborene in das Krankenzimmer. Folgen tun ihnen ein junger Mann und ein älteres Ehepaar.
Die Krankenschwestern legen die zwei Bündel in die Arme der jungen Frau.
„Wir gratulieren ihnen, Mrs. Peters. Ihr Junge und ihr Mädchen sind kerngesund und wie sie sehen putzmunter", sagt die blonde Krankenschwester.
„Ich bin so stolz auf dich, Maggie. Sie sind so wunderschön, wie ihre Mutter."
Die junge Mutter strahlt übers ganze Gesicht und es dauert nicht lange, bis die ersten Tränen laufen. Ihr Blick fällt auf das ältere Ehepaar. Auch die Frau hat Tränen in den Augen und der Mann sieht sehr stolz aus. Er sieht so aus, wie ich mich gefühlt habe, als ich von Renesmee erfuhr.
„Eure Enkel, Mom, Dad", sagt Maggie.
Die Frau tritt näher ans Bett und streicht den Babys übers Gesicht.
„Wir bräuchten noch die Namen der zwei", meldet sich die andere Krankenschwester.
Maggie blickt zu ihren Eltern und dann zu dem jungen Mann.
„Willst du es ihnen sagen, Dan?"
„Nein, das überlasse ich dir. Ich weiß doch, wie sehr du darauf brennst", antwortet er und gibt Maggie einen zärtlichen Kuss.
Maggies Blick wandert wieder zu ihren Eltern.
„Darf ich euch vorstellen. Euer Enkel Liam Scott Peters und eure Enkelin Elisha Carlie Peters", sagt sie, aber ihre Stimme bricht bei den letzten Worten.
Ihre Mutter schlägt sich die Hand vor dem Mund, während ihr Vater seine Tränen nicht mehr unterdrücken kann.
Nach einer kleinen Familienumarmung strahlen sich alle glücklich an.
„Wieso Carlie und nicht Renesmee?", fragt Maggies Vater.
„Weil Scott es liebte, Renesmee Carlie zu nennen. Jedes Mal, wenn er sie mit dem Namen gerufen und über sie geredet hat, konntest du daraus hören, wie sehr er sie liebte", erzählt sie unter Tränen.
„Scott wäre stolz auf dich, mein Schatz", sagt die Mutter.
„Er ist stolz, dass weiß ich. Wie du damals an meinem Geburtstag gesagt hattest, er hat immer auf uns aufgepasst und sein Versprechen gehalten."
Maggie schaut nach oben, als könne sie dort jemanden sehen.
„Danke, Scott. Wir lieben dich und werden dich nie vergessen."
Und dann brechen die Bilder ab, denn Renesmee hat sich um Scotts Hals geworfen, der leise weint. Esme streicht ihm behutsam über den Kopf.
Ich schaue zu Jasper und er weiß sofort, was ich wissen möchte.
„Er ist glücklich. Aber vor allem erleichtert", wirkt Jasper entspannt.
Auch Scott beruhigt sich langsam wieder. Renesmee löst sich ein wenig von ihm und schaut Scott überglücklich in die Augen.
„Ich kann es nicht glauben. Sie wird wirklich Daniel heiraten, wie er es immer gesagt hat", findet er wieder seine Stimme.
„Dabei hat sie ihn immer so sehr gehasst, wenn er ihr sagte ‚Maggie, dich werde ich mal heiraten.' Wir haben sie dafür immer belächelt. Und doch wird es wahr. Und sie kriegen Zwillinge. So süß", kreischt Renesmee, wie es sonst nur Alice tut.
Edward lacht nur über meine Gedanken. Aber ich habe recht. Zur Bestätigung nickt er mir zu.
„Sie wirkt glücklich und nur das ist mir wichtig", sagt Scott und umarmt Renesmee energisch.
„So, jetzt aber genug mit dem ganzen Geknuddel. Zeit für Baseball", dröhnt Emmett und im rechten Moment hören wir einen Donner.
„Ach Emmy ist doch nur neidisch, weil ihn keiner umarmt", scherzt Jasper, bereut es aber sogleich, da Emmett ihn nun umarmt.
Nach minutenlangem Gelächter machen sich die Ersten von uns fertig, um das Gewitter lange genug auskosten zu können. Renesmee und Scott können sich allerdings kaum voneinander lösen. Aber sobald Emmett ihnen einen Baseball zuwirft, stürmen sie ebenfalls los.
Und so hat doch am Ende alles sein Gutes. Die zwei sind nicht aufgeflogen, Scott konnte mit seiner Familie abschließen und weiß nun sicher, dass es ihnen gut gehen wird. Mehr sogar als das.
Als ich damals Edward zu mir holte und ihn verwandelte, hätte ich nie daran gedacht, dass ich wieder eine Familie bekomme. Eine glückliche Familie aus zehn individuellen Vampiren. Somit sind wir einer der größten Zirkel, nach den Volturi.
Allerdings birgt es auch Gefahren. Jeder weiß, wie mächtig wir sind und wenn wir wollten, solche Macht an uns ziehen, wie die Volturi es tun. Dabei wollen wir nur leben, wie die Menschen, in einer glücklichen Familie. Und dafür werde ich auch weiterhin alles tun.
TBC
