Highschool Time
Bellas POV
Es sind einige Wochen vergangen, seit Scott und Renesmee ihren fast verheerenden Ausflug machten. Für einen Augenblick dachte ich wirklich, dass Edward Scott nach Alaska schicken würde. Aber ich denke, ihm wurde schnell bewusst, dass er nicht nur die ganze Familie in Trauer stürtzen würde, nein, auch seine Tochter hätte er mit dieser Aktion verloren.
Die Strafe, die er ihnen dann auferlegt hat, war angemessen und beide haben sie akzeptiert und brav eingehalten. Edward hatte jetzt damit gerechnet, dass die Bahn für ihn frei sei, die nächsten Nächte bei Renesmee zu verbringen. Doch da machte unsere Tochter ihm einen Strich durch die Rechnung. Für die ersten zwei Wochen durfte nur ich bei ihr sein, bis ich sie überreden konnte, Edward aus seiner Misere zu befreien, denn er freute sich wirklich sehr darauf.
Wir genossen die Nächte, als könnten wir Zeit nachholen, die wir verloren hatten. Renesmee hat sich so in mein Leben eingebrannt, dass ich manchmal vergesse, dass wir die ersten 18 Jahre ihres Lebens verpasst haben.
Manchmal sitzen Edward, Renesmee und ich da, meine Kleine berührt unsere Wangen und zeigt uns Erinnerungen aus ihrer Kindheit. Oft hatte ich dabei das Gefühl, in Tränen auszubrechen, als sie sich zum Beispiel daran erinnerte, wie sie im Alter von vier Jahren zusammen mit Renée in ihrem Bett liegt und sich eine Geschichte vorlesen ließ. Renée kam kaum dazu, einen Absatz komplett zu lesen, ohne dass Renesmee eine Frage dazu stellte. Sie war einfach sehr neugierig.
Sie zeigte uns auch ein paar schöne Erinnerungen aus ihrer Schulzeit und danach traurige Gesichter. Dabei wurde uns mal wieder bewusst, wie sehr sie ihre Freunde aus Phoenix vermisste. Und es machte die Sache noch schwerer, da es für sie nicht einfach war, in Highlands Freunde zu finden. Obwohl sie offener war, als die Meisten von uns.
Deshalb war es gut, dass sie und Scott dem Baseball beziehungsweise Softball Team beigetreten sind. Scott hatte sich schnell ins Team gefunden. Jungs sind da einfach unkomplizierter. Renesmee tat sich da etwas schwerer, da Mädchen Zicken sind.
Natürlich waren Renesmee, wie auch Scott, aufgrund ihrer Fähigkeiten, Beste in ihren Mannschaften. In Renesmees Mannschaft schienen daraufhin einige Spielerinnen Angst zu haben, aus dem Team zu fliegen und machten meiner Tochter das Leben schwer. Aber da geschah etwas, weshalb wir Renesmee erlaubten, ins Softball Team einzusteigen. Denn in der Mannschaft gab es auch viele nette und aufgeschlossene Mädchen, die sich freuten, dass Renesmee nun dabei war und sie gegenüber den Anderen verteidigten.
Ich weiß noch ganz genau, wie ihr Gesicht strahlte, als sie uns davon berichtete. Seit diesem Tage fühlen wir alle uns immer mehr zu Hause in Highlands.
Das erste Spiel von Renesmee war ein Highlight für die ganze Familie. Alice ließ es sich nicht nehmen, für alle Trikots anzufertigen, mit Renesmees Namen und Nummer auf dem Rücken. Und wie eine normale amerikanische Großfamilie gingen wir zu dem Spiel. Schnell weiß ich wieder, warum Renesmee sich in Highlands so schwer tat. Wir wurden angestarrt von allen Seiten, als wir unseren Platz auf der Tribüne einnahmen.
Selbst Rosalie war genervt von den vielen Blicken, denn das Getuschel war nun mal für uns alle zu hören. Einige positiv, einige negativ. Für manche waren wir die Freaks, für die allein erziehenden Mütter waren unsere Männer einfach das Schönste auf Erden. Edward berichtete mir später, dass ein paar sogar mit den Gedanken spielten, wie sie Esme beseitigen könnten, um bei Carlisle zu landen. Wer möchte denn nicht einen erfolgreichen und gut aussehenden Arzt wie Carlisle als Mann haben.
Witzigerweise sollte sich das Ganze bei Scotts erstem Spiel umdrehen und unsere Männer in Rage bringen. Wir mussten den Männern regelrecht die Münder zuhalten, um sie vom Knurren abzuhalten.
Jedenfalls war Renesmees Spiel ein Erfolg, auch wenn Edward sie, mittels seiner Gedanken, etwas zurückhalten musste, da sie bei ihren ersten Versuchen am Schlagmahl, gleich bei jedem ersten Wurf des Pitchers den Ball über den Zaun schlug. Bei den nächsten Malen ließ sie auch einige Strikes zu, um allerdings im letzten Versuch dennoch den Ball zu treffen.
Eigentlich war nach dem Spiel geplant, ein wenig zu feiern, doch Renesmee hatte andere Pläne, denn die Mannschaft wollte gemeinsam den Sieg feiern, wo Renesmee natürlich nicht fehlen durfte, welche mich ein wenig an Alice erinnerte, als sie uns sagte, dass sie nicht mit uns käme.
Ich muss zugeben, dass es für mich sehr komisch war, als wir alle wieder zu Hause waren, nur Renesmee nicht. Aber ich freute mich für sie.
Und nun liegen wir wieder mal in ihrem Bett, Edward zu ihrer Linken, ich zu ihrer Rechten. Heute hatte Renesmee wieder ein Spiel, welches sie natürlich gewonnen haben, wobei sich Renesmee mehr anstrengen musste als sonst, deshalb schlief sie auch schon tief und fest. Alice schaffte es nicht mal mehr, Renesmee Haare zu föhnen, da sie fast im Stehen einschlief.
Edward streicht durch ihr feuchtes Haar und ist mal wieder völlig in Renesmees schlafendes Gesicht versunken. Renesmee meckert gelegentlich, da sie sich oft wie ein Weihnachtsgeschenk fühlt, wenn sie aufwacht und sieht, wie wir sie beobachten. Aber es ist einfach zu faszinierend.
„Sie gewöhnt sich langsam an das Leben", wirft Edward leise hinein.
Ich kann nur glücklich nicken.
Nach einer Stunde dreht sich Renesmee so lange, bis ihr Kopf an meiner Burst liegt, ihr Arm über meinen Bauch und auch ihr Bein schlängelt sich um meins. Ich schaue zu Edward, der ein beleidigendes Gesicht zieht. Heute bin ich dran, denn was geschehen ist, passiert jede Nacht.
Es entbrennt ein regelrechter Kampf zwischen uns, an wen sich Renesmee in der Nacht schmiegt. Aber schon bald wird er enden, denn die drei Monate sind fast rum. Die beiden haben sich super geführt und Edward will ihnen zwei Wochen vor den drei Monaten ihre Strafe erlassen.
Am nächsten Morgen geht es wie immer in die Schule. Viele Schüler haben uns mittlerweile akzeptiert, was wir wohl unseren Jüngsten zu verdanken haben. Renesmee wird von vielen Schülern begrüßt, welche uns ebenfalls zuwinken und grüßen.
Mr. Grissom wirkt heute fröhlicher als sonst. Der alte Knaus ist sonst immer sehr ernst und genau, was den Unterricht angeht. Aber heute ist er kaum wiederzuerkennen. Und so wie Renesmee kichert, weiß sie auch warum.
„Was geht hier vor?", frage ich sie.
Zusammen mit Alice stecken wir die Köpfe ineinander.
„Es hat geklappt", freut sich Renesmee.
Alice klatscht freudig in die Hände und auch ich bin begeistert. Edward und Scott belächeln uns nur. Unser Plan ist also aufgegangen. Denn wie am Anfang von Miss Sidle angeboten, hat Renesmee die Nachhilfe angenommen, auch wenn sie sie mittlerweile gar nicht mehr brauchte, da Jasper und Carlisle diese Wissenslücke bei Renesmee schon gefüllt haben.
Aber wir wollten es ausnutzen, um Miss Sidle und Mr. Grissom endlich zu verkuppeln, denn es wurde langsam schon unerträglich, wie sich die beiden anhimmelten, es sich aber nicht einstanden. Von Jasper holten wir uns noch die Bestätigung, was die beiden füreinander fühlten.
Renesmee hatte den Auftrag, Ms. Sidle auszufragen, aber ihr gleichzeitig von Mr. Grissom zu erzählen. Es war schwer, etwas aus ihr herauszubekommen, doch Ms. Sidle konnte Renesmee irgendwann nicht mehr standhalten und erzählte ihr ein wenig von einem Mann, den sie begehrt, aber es nicht für möglich hielt, dass er das Gleiche empfinde. Da täuschte sie sich aber sehr.
„Sie waren gestern zusammen essen. Eigentlich nichts besonderes. Doch Miss Sidle hat ihn danach noch zu sich eingeladen, wie ich ihr beigepflichtet habe, und sie haben sich geküsst. Heute Abend wollen sie sich wieder treffen", grinst Renesmee.
Wir drei kichern wie pubertierende Teenager und werden erst von Mr. Grissoms Räuspern unterbrochen. Das Klingeln zur Stunde haben wir wohl überhört. Aber so gut, wie Mr. Grissom drauf ist, schenkt er uns dabei sogar noch ein Lächeln.
Später bei Ms. Sidle erleben wir Ähnliches. Sie strahlte ja schon immer, aber ein wenig Traurigkeit war dennoch in ihren Augen zu sehen. Heute allerdings nicht. Sie lächelt Renesmee an und nickt ihr dankend zu.
Ach ist das schön, zwei solche Menschen zusammenzuführen.
Nach dieser Stunde war große Pause angesagt. Und kaum, dass wir in den Speisesaal treten, fängt Renesmee an zu kichern. Ich schaue sie an und schenke ihr einen fragenden Blick. Doch sie zuckt nur mit den Schultern und kichert weiter. Und im Gegenzug höre ich Edward inbrünstig knurren. So laut, dass ich Angst habe, dass auch andere etwas mitbekommen haben.
Ich blicke zu ihm und was ich sehe, bereitet mir Sorgen. Sein Blick versteinert, seine Mundwinkel in einer geraden Linie. Seine Wangenknochen bewegen sich, was mir zeigt, dass er verbissen die Zähne knirscht.
„Was ist los, Schatz?", frage ich ihn und fahre ihm beruhigend über den Unterarm.
„Oh sprich Daddy jetzt bloß nicht an. Er muss sich gerade zusammenreißen, Darril nicht den Kopf abzureißen", erzählt Renesmee unter weiterem Kichern.
Neben mir bleibt Alice plötzlich stehen und starrt ins Leere. Und als ihre Vision endet, fängt sie genauso an zu lachen wie Renesmee, die sich bald am Boden krümmt vor Lachen. Emmett, Rosalie und Scott schauen uns nur verwundern an, während Jasper ein seichtes Lachen auf seinen Lippen trägt und Edward auf die Schulter klopft. Doch mein lieber Gatte fletscht nur die Zähne.
„Wir gehen", sagt er daraufhin und zieht mich Richtung Ausgang.
„Was ist denn los?"
Doch er antwortet mir nicht. Ich höre nur Renesmee zu den anderen flüstern; „Daddy ist wieder eifersüchtig auf so einen kleinen Menschenjungen."
Daraufhin bleibe ich abrupt stehen und sehe ihn ernst an. Mittlerweile haben wir schon den Parkplatz erreicht. Ich lehne mich an Edwards Volvo und verschränke die Arme vor der Brust.
„Darril", presst er unter zusammengepressten Zähnen hervor.
Ich kenne nur einen Darril und der hängt seit Wochen mit den Augen an mir fest. Also daher weht der Wind. Zeit, etwas Spaß zu haben.
„Was ist mit Darril", frage ich ganz unschuldig.
Jetzt kneift Edward auch noch die Augen zusammen. Kein gutes Zeichen. Aber wir sind hier draußen alleine.
„Dieser dumme pubertierende Junge."
„Wer?"
„Du weißt genau, wen ich meine."
„Nein", sage ich und zwinker ihm zu.
„Er wollte dir jetzt einen Brief überreichen. Und nachdem er das getan hat, gab er dir in Alice Vision einen Kuss auf die Wange", knurrt er diesmal lauter und bin froh darüber, da er so etwas Dampf ablassen konnte.
„Und das ist so schlimm?", reize ich ihn weiter.
Sein Blick, der vorher auf alles und nichts gerichtet war, hält jetzt fest an mir. Ich erwidere seinen Blick mit gleicher Intensität. Es entwickelt sich ein regelrechter Starrkontest. Den ich natürlich verliere. Edwards wütendem und versteinertem Blick kann keiner standhalten. Renesmee verliert meistens schon nach wenigen Sekunden und brach, wie ich jetzt, in Lachen aus.
Selbst als ich mich wieder beruhigt habe, schaut er mich böse an, seine Arme ebenfalls vor der Brust verschränkt. Das heißt für mich, ich muss nun auch starke Register ziehen, um meinen lieben Edward, zu einem zahmen Löwen zu machen.
Erst schenke ich ihm mein schönstes Lächeln, was ihm eigentlich immer zu bester Laune verhilft. Gerade hilft es mir aber nicht. Okay. Als nächstes lasse ich meine Augen flattern und meine Wimpern klimpern. Doch auch das zeigt keine Regung in ihm. Wären meine Augen noch braun wie früher, hätte es ihn sicher erweicht.
Gut. Das heißt, ich muss wohl was ganz anderes ausprobieren, was so gar nicht Bella-like ist. Aber erstens mag ich es nicht, wenn mein Edward solch schlechter Laune ist und zweitens wird es nicht nur zu seinem Vergnügen sein.
Ich nehme erst seine eine Hand und dann die Andere. Erst wehrt er sich dagegen, doch als ich ihn verführerisch ansehe, überrasche ich ihn so, dass seine Kräfte weichen. Nun küsse ich beide Handrücken, wie Edward es sonst bei mir tut, und lege seine Hände dann an meine Wangen. Kurz schließe ich die Augen, um den Moment zu genießen.
Ganz langsam öffne ich sie wieder und sehe, dass sich Edwards Blick schon ein wenig entspannt hat. Aber ich bin noch nicht am Ziel. Ich lege also seine Hände an meine Taille, lasse sie weiter runterrutschen über meine Hüften, bis sie an meinem Po ruhen, wo ich seinen Griff festige. Ich kann seine Verblüfftheit förmlich spüren. Trotz keiner Notwendigkeit geht sein Atem schneller. Meinen Blick lasse ich noch auf dem Boden verharren, bis ich ihn langsam nach oben schweifen lasse.
Edwards Blick spiegelt nun weder Wut noch Verblüfftheit wider. Leidenschaft und Lust ist das Einzige, was mir seine Augen zeigen. Genau das, was ich momentan fühle.
„Küss mich", hauche ich über meine Lippen, die Sekunden später mit Edwards versiegelt sind.
Seine Hände verstärken den Druck an meinem Po, so wie seine Lippen auf meinem Mund. Doch schon bald wandern seine Hände meinem Rücken entlang, bis eine Hand an meinem Nacken ruht und die andere in meinen Haaren. Unser Kuss wird immer leidenschaftlicher. Schon lange fechten unsere Zungen einen Kampf um Dominanz aus, den ich Edward gerne gewinnen lasse, denn diese Küsse liebe ich am meisten. Dann küsst mich Edward mit allem, was er hat, denn manchmal vergisst er, dass ich nicht mehr das sterbliche, verletzliche kleine Mädchen bin.
Unsere Nasen berühren sich, dabei komme ich in den Genuss seiner Atemluft, die mich wie immer hypnotisiert. Meine Hände bleiben nicht untätig und noch auf Edwards Hüften. Ich kann es nicht lassen, es zu nutzen, dass Edward wieder eines seiner etwas weiteren Hemden anhat. So ist es mir ein Leichtes, drunter zu kommen und begierig seine nackte Haut zu berühren.
Dabei spüre ich jeden einzelnen seiner Muskeln und erwische mich dabei, wie ich leicht aufstöhne. Als wäre das ein Haltesignal, bricht Edward den Kuss abrupt hab, löst meine Hände von seinem Rücken und streicht mir eine Strähne aus dem Gesicht, die sich vor lauter Knutscherei gelöst haben muss.
Er sieht mich mal wieder mit seinem schiefen Lächeln an, welches ich wohl noch in Hunderten von Jahren lieben werde. Mit seinen vor Leidenschaft glühenden Augen schüttelt er seinen göttlichen Kopf. Was liebe ich nur diesen Mann.
„Bella, Bella, Bella… Etwas abgeschweift sind wir, oder?", lacht er mich an.
„Hat es gewirkt?", frage ich.
Darauf verzieht er verwirrt sein makelloses Gesicht.
„Es hat also gewirkt", lache ich. Aber er versteht noch immer nicht.
Manchmal möchte ich einfach mit ihm irgendwo im Gras liegen und ihn knuddeln. Gerade wenn er mal nicht der allwissende Vampir ist und so verdattert schaut wie jetzt.
„Darril", erinnere ich ihn und kaum, dass die ersten vier Buchstaben meinen Mund verlassen, knurrt er aus vollem Leibe.
„Edward. Muss ich dir noch mal zeigen, dass es nur einen gibt, der meine Aufmerksamkeit erregt? Ich liebe nur dich und da können noch so viele menschliche Schönheiten aufkreuzen. Niemand kommt an dir vorbei", versuche ich, sein Ego aufzubauen, wobei ich weiß, dass er das nicht nötig hat.
Seine Hand fährt an meine Wange und seine Augen glühen vor Begierde. Ganz langsam nähert er sich erneut meinen Lippen und küsst mich zärtlich.
Für einen Moment steht die Zeit still, während wir uns in die Augen sehen. Ich glaube zu spüren, dass auch meine Augen vor Verlangen nach Edward leuchten. Wir sind jetzt schon so lange zusammen, natürlich nicht verglichen mit dem Zeitraum wie bei Esme und Carlisle, verliebe ich mich selbst nach 20 Jahren jeden Tag neu in ihn. Als wäre er mir gerade zum ersten Mal über den Weg gelaufen und seine anziehende Ausstrahlung hätte mich erneut gepackt.
„Wie ich dich doch liebe, Bella. Kein Tag vergeht, an dem ich dankbar bin, dass du bei mir bist, meine Existenz an meiner Seite verbringst, mich liebst, mir wieder das Gefühl gibst, ein Mensch zu sein. Ich kann mich nicht glücklicher schätzen."
Seine Worte schaffen sich wieder mal ihren Weg durch Knochen und Mark. In solchen Momenten fühlt es sich wieder an wie früher, als ich noch Mensch war und mein Herz anfing zu flattern, wenn er mich küsste. Nur schaffte er es diesmal mit seinen Worten.
„Ich liebe dich, Edward."
Mehr kann ich gerade nicht antworten. Es ist schon lange her, dass Edward mich so sprachlos machte. Und an seinem Lächeln erkenne ich sofort, dass ihm dieses mehr als bewusst ist. Mit seinem Daumen fährt er meine Lippen nach, über die ich mir gerade noch mit meiner Zunge gefahren bin.
Er will zu einem erneuten Kuss ansetzen, als wir hören, wie die Tür des Speisesaals mit einem heftigen Ruck aufgeht. Sekunden später öffnet sich die Tür der Schule und Renesmee kommt auf uns zugestürmt.
„Nein", sagt Edward, woraufhin auch immer.
„Oh bitte, Dad. Mom sagt sicher ja", beginnt Renesmee auf halben Weg und bleibt neben mir, mit schmollenden Gesicht stehen.
Manchmal hasse ich es, wenn die beiden ihre gedanklichen Gespräche abhalten. Oftmals vergessen sie dabei, dass wir Anderen ihre Gedanken nicht hören können wie sie. Schlimmer wird es dann, wenn Renesmee es ihren Vater gewährt, in ihre Gedanken zu schauen. Soweit haben sie es mittlerweile schon in ihrem Training geschafft, was weiterhin täglich eine Stunde einnimmt.
„Und wozu werde ich sicher ja sagen?", will ich vehement wissen.
„Nein", wiederholt sich Edward.
„Oh bitte, Dad", fleht Renesmee weiter, woraufhin Edward ihr den Mund zu hält, da sie lauter als erlaubt Edward Dad nannte.
Sie versteht auch sofort und schaut uns beide entschuldigend an, dreht sich dann aber zu mir.
„Paige gibt heut Abend eine Party und hat uns eingeladen."
„Dich und Scott?", frage ich.
„Nein, uns alle. Selbst unsere Alten Jasper, Emmett und Rosalie", zwinkert sie mir zu, da sie die drei gerne damit aufzieht.
„Ich weiß nicht, ob das so eine gute Idee ist, Schatz", muss ich leider sagen.
„Wieso nicht? Es gibt keinen Alkohol. Paiges Eltern werden da sein. Sie hat mich sogar drum gebeten Granny und Grandpa einzuladen, damit ihre Eltern etwas Gesellschaft haben. Wolltet ihr nicht auch, dass wir uns nicht zu sehr von den Menschen abkapseln? Wäre es nicht auffällig, wenn wir alle absagen?"
Renesmee zieht wirklich alle Register.
„Vielleicht kann ich so noch mehr Freunde finden. Und euch würde das sicher auch gut tun", legt sie nach.
Und irgendwie hat sie ja recht. Ich sehe vorsichtig zu Edward, dessen gute Laune schon wieder weit, weit entfernt ist.
„Sie hat recht, Edward. Es würde uns allen gut tun."
Edward erwidert meine Worte nur mit einem Grummeln. Ich weiß nicht, wo dabei sein Problem liegt. Wegen der vielen pubertären Jungs, die mit Renesmee oder mir flirten könnten? Dabei vergisst er wohl immer, dass alle Mädchen unserer Schule in ihn verknallt sind. Aber für Edward ist es auch schwer, all ihre Gedanken, Fantasien auszublenden. Doch um unserer Tochter Willen sollten wir es probieren.
„Lass uns die Anderen fragen, was sie davon halten", sage ich und im selben Moment geht die Tür der Schule erneut auf und der Rest der Familie kommt auf uns zu.
„Wir finden es eine gute Idee", ruft Alice begeistert.
Rosalie und Scott scheinen es auch eine gute Idee zu finden. Jasper und Emmett schauen hingegen nicht so erfreut. Jasper wohl, weil er trotz seiner starken Selbstbeherrschung noch immer Menschenaufläufe hasst. Und Emmett, weil jeder Junge an Rosalie kleben wird. Aber dennoch nicken sie uns bestätigend zu, dass es der Familie gut tun würde.
„Bitte, Dad", fleht Renesmee, verzieht ihre Lippen zu ihrem besten Schmollmund und wirft Edward ihren besten Welpenblick zu.
Er gibt keine Antwort, aber sein heftiges Ausatmen zeigt seine Resignation. Er muss sich der Mehrheit, aber vor allem dem Wohlbefinden unserer Tochter beugen. Und ich bin mir sicher, dass er es auch nur ihretwegen tut. Ansonsten würde er sich selbst der Mehrheit sträuben.
So kommt es also, dass wir am späteren Abend zu den Millers gehen. Paiges Familie ist eine der wohlhabenderen Familien in Highlands und besitzen ein beeindruckendes Grundstück, zumindest für Menschen beeindruckend. Nicht vergleichbar mit unserem neuen Zuhause.
Renesmee hängt die ganze Zeit an Edwards Arm und bedankt sich, dass wir zu der Party gehen. Er hat mittlerweile realisiert, wie wichtig ihr dieser Abend ist, und kann sich kaum sattsehen, an Renesmees Begeisterung.
Schon als wir mit unseren drei Wagen vorfahren, wird mir wieder klar, warum wir solche Zusammentreffen mit Menschen immer vermeiden. Ungewollt erregen wir Aufmerksamkeit und die Leute starren. Selbst Mr. und Mrs. Miller staunen nicht schlecht, als wir mit Emmetts Jeep, Edwards Volvo und Carlisle Mercedes vorfahren. Und das sind noch nicht mal die überteuren Schlitten.
Sie begrüßen uns dennoch herzlich. Paige freut sich, dass wir gekommen sind, genauso wie ihre Eltern, dass Esme und Carlisle uns begleiten. Die Eltern ziehen sich auch sogleich zurück. Renesmee wird von Paige an die Hand genommen und ins Haus gezerrt. Scott verabschiedet sich zu ein paar Teamkollegen.
Alice, Jasper, Emmett, Rosalie, Edward und ich stehen in der Mitte des Wohnzimmers, wo die Feier in vollem Gange ist und wissen nicht so recht wohin mit uns. In einer Ecke höre ich ein paar Mädchen kichern, die über uns, oder vielmehr über die Jungs tuscheln. Von einer anderen Stelle höre ich Jungs grölen, wie hammer scharf sie Rosalie finden und selbst mich und Alice ‚extrem' heiß finden. Also das erwartete Spiel.
Als könnten wir gegenseitig unsere Gedanken lesen, blicken wir zum Garten und bewegen uns schnell darauf zu. Die frische Luft wirkt Wunder. Der Garten ist sehr groß und gibt uns die Möglichkeit, uns etwas abzuseilen. In einer Sitzecke machen wir es uns gemütlich und schauen das Treiben aus sicherer Entfernung an.
Mein Blick sucht natürlich Renesmee, wie auch der von Edward. Als ich sie finde, weiß ich, dass sich der Abend schon gelohnt hat. Sie steht mit vielen Mädels in einem Kreis, Getränke in der Hand, und quatschen über dies und das. Dabei ist Renesmee schon voll mit integriert, als würde sie ewig in Highlands leben.
Die Mädels fragen sie auch über uns aus, dabei blickt sie zu uns und schenkt uns ihr schönstes Lächeln. Und ich weiß, es kommt von Herzen. In solchen Momenten ist einfach alles perfekt. Meine Tochter ist glücklich, ich bin glücklich und wenn Edward nicht die ganzen aufgeheizten Gedanken hören würde, wäre auch für ihn der Abend perfekt. Denn sein stolzes Lächeln verrät mir, wie sehr er sich für Renesmee freut.
Plötzlich kommt etwas auf uns zugeflogen, was Emmett auffängt. Ein Football. Wir schauen in die Richtung, aus der er kam, und sehen einen grinsenden Scott. Auch er blüht an dem Abend regelrecht auf.
„Lust auf 'ne runde Football, großer Bruder?", fordert er Emmett heraus.
Hinter ihm warten ein paar andere Jungs, die sich wohl daran beteiligen wollen. Emmett wirft einen Blick zu Jasper und dann zu Edward. Alle drei nicken sich zu und springen dann lachend auf, um Scott Gesellschaft zu leisten. Eigentlich ist Edward nicht so für Football, aber zu einer Herausforderung von Scott kann er nicht nein sagen.
Einige Minuten später setzen sich mehrere Mädchen zu uns und fragen uns, nein nicht über unsere Jungs aus, sondern über unsere Mode. Wobei sie mit Alice auf eine redselige Modefrau getroffen sind. Rosalie bindet sich vorsichtig in das Gespräch mit ein. Ich halte mich da völlig raus. Das ist nun mal gar nicht mein Gebiet und schaue lieber meinem Liebsten beim ‚Spielen' zu.
Immer wieder schaut Edward zu mir rüber und lächelt mir zu. Bis sich mir plötzlich jemand in den Weg stellt und meine Sicht versperrt. Ich schaue hoch und blicke in das grinsende Gesicht von Darril. Oh nein.
So dicht bei mir, finde ich ihn noch schlimmer, als zuvor. Zehn Zentimeter kleiner als Edward, dennoch genauso viel Gewicht. Dunkelblondes Haar, welches dringend einen Schnitt benötigt. Seine unreine Haut lässt mich einen sicheren Abstand suchen.
„Hi Bella", lacht er mir zu und setzt seine Zähne frei, die von einer festen Zahnspange umgeben sind. Es wird immer besser und besser.
„Hi Darril", versuche ich freundlich zu wirken.
Ohne zu fragen, setzt er sich neben mich und ich versteife, als er näher rückt. Ich schaue wieder zu Edward, dessen Lächeln natürlich verschwunden ist. Allerdings lächle ich ihm zu und winke ihn ab, um ihn zu zeigen, dass ich die Situation unter Kontrolle habe. Er nickt mir zu und versucht sich wieder dem Spiel zu widmen. Ich weiß aber gleich, dass ihm dies nicht gelingen wird.
„Also Bella. Ich wollte dich schon immer mal fragen, naja, ob du nicht vielleicht, also, ob du eventuell mit mir, ein Date. Also ob du mit mir ausgehen würdest."
Sein Stottern zeigt mir, welche Überwindung ihn das gekostet hat. Der Ärmste. Alice und Rosalie hören mittlerweile nur noch meinem Gespräch zu, als dem ihrer Mädels. Auch Edward, Jasper, Emmett und Scott unterbrechen ihr Spiel. Selbst Renesmee reißt sich von ihren Freundinnen los und wartet gespannt auf meine Antwort. Wohl vielmehr auf meine Wortwahl, mit der ich Darril ein klares Nein verdeutlichen muss. Auch um ihn einigermaßen schadlos aus der ganzen Sache zu entlassen. Ich hoffe ich breche ihm nicht das Herz.
„Darril, du bist wirklich nett und süß", gut das ich vor lauter Lügen nicht mehr rot anlaufe, „aber du scheinst übersehen zu haben, dass ich schon einen Freund habe", sage ich und deute auf Edward, der ihm einen wütenden Blick zuwirft.
Emmett und Jasper stehen Edward zur Seite, ihre Ellbogen auf Edwards Schulter gelegt, starren sie in dieselbe Richtung. Oh man.
„Du würdest ihn doch sicher für mich aufgeben. Deine Blicke waren eindeutig. Du liebst mich doch genauso, wie ich dich", sagt er völlig überzeugt und lässt meine Augenbraue hoch schnellen.
Ich habe ihn heute zum ersten Mal überhaupt richtig gesehen. Vorher ist er mir nie aufgefallen, außer, dass er in Sozialkunde einen Tisch weiter neben mir sitzt und mich immer anstarrt.
Als ich ein Lachen höre, drehe ich mich in die Richtung, woher es kommt, und werde fuchtig, als ich sehe, dass sich Edward mittlerweile köstlich darüber amüsiert. Allerdings bringt er es noch fertig, mir ein sympathisierendes Lächeln zu schenken.
„Das kriegst du schon alleine geregelt. Ich vertraue dir", sagt er nur für Vampirohren, bleibt allerdings zu mir gewandt.
„Bella? Wann soll ich dich abholen?"
„Was?", hat mich Edward etwa so abgelenkt, dass ich etwas verpasst habe?
„Wann soll ich dich morgen zu unserem Date abholen?"
Nun höre ich Renesmee ganz laut lachen, die samt ihrer Freundinnen zu uns rüber schaut und sich köstlich amüsiert. Sie zwinkert mir zu.
„Er hat sich schon alles wunderschön ausgemalt, wie du morgen mit ihm Essen gehst, mit ihm zusammen in den Pool seiner Eltern schwimmt und…", den Rest schalte ich lieber aus. Zeit dem Jungen von seiner Traumwolke zu reißen.
„Darril es wird kein Date geben. Ich bin glücklich mit Edward und will keinen anderen. So lieb und nett du auch bist", an Edward kommst du nie und nimmer ran, füge ich gedanklich zu.
„Aber.."
„Kein Aber, Darril. Und ich empfehle dir das Flirten jetzt zu lassen, denn lange kann ich meinen Freund nicht mehr zurückhalten", betone ich das Wort Freund extra laut und deute auf Edward, der mit seinem Blick versucht, Darril Schmerzen zuzufügen, wie wir es eigentlich nur von Jane kennen.
Ich höre, wie Darril schlucken muss und sich sein Herzschlag blitzartig in die Höhe schnellt.
„Ähm. OK. Man sieht sich in der Schule", sagt er und ist schneller verschwunden, als ich es ihm zu getraut habe.
Neben mir bricht ein lautes Gelächter aus, als Edward vor mir auftaucht. Er setzt sich zu mir und lächelt mich verschmitzt an.
„Du hast ihm Angst gemacht", verrät er mir.
„Ich?", frage ich unschuldig.
Edward nickt nur und haucht mir einen Kuss auf die Lippen. Seine Schulter bietet sich so an, dass ich mich bei ihm anlehne und wir gemeinsam das Geschehen beobachten, dabei vor allem unsere Familie im Auge haben.
Alle wirken so unsagbar glücklich und das mit Menschen. Jasper, Emmett und Scott toben noch immer mit einigen Schulkameraden und scheuen keinen Körperkontakt. Alice und Rosalie reden noch immer angeregt mit den anderen Mädchen, über dies und das, wobei ich Rosalie noch nie so sorglos mit Menschen umgehen gesehen habe.
Renesmee ist so glücklich mit ihren neu gefundenen Freundinnen, dass es mich gleich noch glücklicher, aber vor allem zufrieden macht.
Esme und Carlisle sitzen zusammen mit Mr. und Mrs. Miller auf der Veranda und lachen herzlich, bei den Gesprächen, die sie führen.
Edward legt den Arm um mich, woraufhin ich ihm wieder in seine leuchtenden Augen sehe und erkenne, dass auch er glücklich ist.
Es ist perfekt. Einfach perfekt. Edward bereut es nicht, hier hergekommen zu sein. Wir freuen uns beide für die ganze Familie.
Aber auch dieser schöne Abend muss mal ein Ende haben. Kurz nach Mitternacht sind wir zurück in unserem Haus. Renesmee ist mittlerweile so müde, dass sie von Emmett über die Schulter genommen wird und er sie ins Haus trägt. Doch kaum, dass wir die Eingangsschwelle übertreten, fährt uns ein Geruch in die Nase, der nicht zu uns gehört.
Emmett stellt Renesmee ab und geht wie Edward und Jasper in Kampfposition. Jasper aber löst die Haltung gleich wieder.
„Wer immer auch hier war, ist nicht mehr da", lässt er uns wissen.
Man kann die Aufregung förmlich spüren, selbst ohne Jaspers Kraft.
„Was ist das?", fragt Renesmee und deutet auf eine Rolle, die auf dem Wohnzimmertisch liegt.
Renesmee will sie sich erst greifen, doch Edward kommt ihr zuvor. Es sieht aus, wie zusammengerolltes Papier mit einer Schleife drum. Edward öffnet sie und entrollt das Papier, was aus zwei Teilen besteht.
Kaum, dass er es getan hat, knurrt er so laut, dass Renesmee sich die Ohren zuhält. Tränen schießen in ihre Augen, wohl, weil sie die Gedanken von Edward gesehen hat.
Ich stelle mich zu ihm, um zu schauen, was es ist und schrecke so gleich zusammen, kaum das ich ein Auge drauf geworfen habe.
Das Erste ist ein Bild. Ein Bild des Schreckens, auf dem unsere Denali Freunde sind. In Ketten und sie sehen nicht gut aus. Das Zweite ist nur eine kleine Notiz, mit großer Bedeutung.
Die Rache ist mein…
TBC
