Neues Leben

Renesmee POV

Ich weiß nicht mehr genau was passierte, aber in dem einen Moment knallte in mir eine Sicherung durch, spürte, wie mir das Blut zu Kopf stieg und ich mich auf Levin und Alec stürzte. Ihre Gedanken waren widerwertig, aber zugleich Angst einflößend. Ich fürchtete um das Wohl meiner Familie.

Und mit einem plötzlichen Ruck schiebt mich Levin von sich und ich fliege einige Meter durch den Raum, bis ich an einer harten Wand lande. Ich verliere dabei die völlige Kontrolle über mein Körper, bekomme vor Panik keine Luft.

Mom kommt mit einem verzweifelten Blick auf mich zu und ist geschockt. Ich möchte ihr sagen, dass es mir, naja, gut geht, aber ich kann meine Lippen nicht bewegen. Und zum ersten Mal kann ich ihre Gedanken lesen. Sie muss ihr Schild völlig heruntergelassen haben, aber warum nur?

Sie glaubt ich sei tot. Und erst jetzt sehe ich in ihren Gedanken, mich, wie sie auf mich runter blickt. Meine Augen sind geschlossen. Aber warum kann ich sie dann sehen?

Mein Kind. Meine Kleine. Sie darf nicht tot sein. Ich brauche sie.

Mom, will ich rufen, doch es kommt nichts heraus. Ich bin wie gelähmt. Hinter Mom sehe ich, wie die Anderen die Denalis befreien, aber auch, wie Alec und Levin sich wieder aufrappeln. Alec sieht mich wieder mit seinem süffisanten Lächeln an, was ich ihm am liebsten aus dem Gesicht schlagen möchte. Und im nächsten Moment, lässt Mom mich aus ihren Armen gleiten.

Ihr Blick ist leer, genau wie ihre Gedanken. Der Rest der Familie hat es ebenfalls betroffen.

„Na Renesmee. Ist es nicht ein schöner Anblick, deine Familie?"

Ich möchte ihn anschreien, ihn schlagen, doch nichts passiert. Stattdessen wirft mich Levin über seine Schulter und rennt davon. Tagelang laufen wir ohne einen Stopp. Ich werde herumgereicht, wie ein Stück Fleisch, da sie selbst nicht Rast machen, um zu jagen. Das erledigen sie nebenbei.

Noch immer habe ich nicht die Kontrolle über mein Körper zurück, nur langsam kehrt Leben, oder wie man es auch nennen will, zurück. Ich kann es fühlen, dass ich kein Halbvampir mehr bin, denn zum ersten Mal verspüre Durst. Nicht nach Esmes heiß geliebter Schokolade, wenn ich daran denke, wird mir gerade schlecht, nein, ich durste nach warmem süßen Blut. Und was mich am meisten erschreckt, ist die Tatsache, dass ich jetzt am liebsten einen Menschen aussaugen möchte.

Was ich zuvor verabscheut habe, ist nun mein größter Wunsch. Eine Woche lang haben sie mich leiden lassen, mich zusehen lassen, wie sie Mensch um Mensch aussaugen und sich satt trinken, während mein Hunger nach Blut weiter stieg, bis Alec mir endlich etwas gab.

Er stellte dieses blutende Mädchen vor mich. Ich konnte nicht anders, als über sie herfallen. Für den ersten Moment, galt es nur den Durst zu löschen. Nur wage rief sich mir in den Kopf, dass es falsch war. Aber ich konnte nicht aufhören. Und erst, als sie vollkommen blutleer war, merkte ich, dass etwas nicht stimmte mit ihr. Das Blut war unrein. Alec muss dem Mädchen bewusst etwas verabreicht haben, um mit mir etwas zu machen.

Ich merke, wie ich stärker werde, aber mein Wille wird immer schwächer.

Zum ersten Mal nach über einer Woche machen wir Halt. Und es sieht so aus, als seien wir an unserem Ziel angelangt, denn versteckt im dichten tiefen Wald gelangen wir an ein Lager, wo weitere Vampire schon auf uns warten. Und es sind viele. Sie schauen mich merkwürdig an und in ihren Gedanken kann ich nur eins sehen.

Angst. Nicht vor Alec, nicht vor Levin. Vor mir. Alec hat ihnen erzählt, was ich mit Jane gemacht habe.

Alec und Levin haben ihren Griff um meine Handgelenke weiter verstärkt und werden von mehreren Vampiren flankiert, denn sie wissen, so bald ich wieder vollkommen bei Kräften bin könnte ich versuchen zu fliehen. Allerdings weiß ich nicht, ob ich da an Levin vorbei kommen würde.

Dieser Kerl hat Kraft. Nicht die gewöhnliche Kraft wie jeder Vampir sie hat. Nicht umsonst, hat mich sein Stoß an die Wand umgebracht. Er braucht nur mit dem Finger schnippen, um jemanden zu zerquetschen, ohne ihn nur zu berühren.

„Wir möchten dir jemanden vorstellen, Renesmee", sagt Alec fröhlich und zieht mich in eine der Behausungen, wo mehrere Vampire sitzen und uns schon erwarten.

„Ihr habt es wirklich geschafft", sagt eine der Frauen, die mich an Rosalie erinnert, nur mit dunklerem Haar.

Unglaublich. Sie haben das Cullen Kind wirklich entführen können. Somit steht unserem Ziel nichts mehr im Wege.

„Ich bin Chyna", stellt sie sich vor.

Irgendwas kommt mir an ihr bekannt vor. Ich weiß nur nicht was.

„Sie ist die Schwester einer alten Bekannten", grinst er und gibt ihr einen Handkuss.

Und plötzlich spüre ich etwas auf mich einwirken. Ich bin noch zu schwach um mein Schild aufzubauen. Nur ein flackern und es verpufft wieder. Gleichzeitig fängt mein Kopf an zu schmerzen. So schlimm, dass ich das Gefühl habe, er explodiert bald.

„Was macht ihr mit mir?", schreie ich sie an.

Levin und Chyna lachen nur, während sich Alec zu mir kniet, als ich mich auf dem Boden krümme und mir den Kopf halte.

„Wir richten nur die Familienverhältnisse. Schon bald wirst du Daddy Edward und Mommy Bella vergessen und zu mir gehören."

„Das wird nie geschehen", kriege ich zwischen meinen zusammengepressten Zähnen hervor.

Doch Alec hat nur ein müdes Lächeln für mich. Mittlerweile weiß ich was sie mit mir machen und ich kann mich nicht mal dagegen wehren. Ich merke, wie unwichtiger meine Familie mir wird, aber gleichzeitig mein Verlangen bei Alec zu bleiben, steigt.

Was mit mir geschieht, kann ich nicht erklären, doch nach weiteren Tagen ist es vergessen. Ich gehöre nun zu ihnen. Ich kann mir gar nicht mehr erklären, wie ich mich doch tatsächlich wohlfühlen konnte bei den Cullens. Sie haben mich doch nur eingesperrt, mich nichts machen lassen.

Erst Alec muss es mir immer wieder sagen, was für ein ödes Leben ich hatte. Bei ihm geht es mir viel besser. Ich bin ich selbst, sagt er mir immer wieder.

Von Tag zu Tag steigen meine Gefühle für ihn, aber auch meine Schuldgefühle für das, was ich seiner Schwester angetan habe. Doch Alec sieht es ab, als ein notwendiges Übel, um unser Ziel zu erreichen.

Wir sind die Casottis. Benannt nach einem kleinen Ort in Italien, wo wir uns niederlassen werden, wenn wir die Welt an uns gerissen haben.

Zwei Wochen ist es nun her, dass ich bei meiner neuen Familie bin. Und ich kann glücklicher nicht sein. Alec und ich, wir kommen uns immer näher, auch wenn dies Levin sehr missfällt. Er glaubt, ich würde Alec nur schöne Augen machen, um ihn einzuwickeln und dann zu fliehen. Dabei gibt es für mich doch keinen Grund zu fliehen.

„Hey Renesmee", begrüßt mich Alec, als er in mein Zimmer kommt.

Er kommt nah an mich heran und gibt mir einen Kuss auf die Stirn. Das ist neu, aber es gefällt mir. Aber auch seine Gedanken, die ihm dabei durch den Kopf gehen. Er wünscht sich wirklich mehr. Wie ich mir auch. Doch kaum, dass ich mich ihm nähern möchte, kommt Chyna in mein Zimmer.

Sie ist ständig in der Nähe, wenn Alec und ich in einem Raum sind. Für mich wirkt sie fast wie ein anhänglicher Symbiont. Sie ist für mich sehr schwer zu lesen. Komischerweise, als ich noch schwach war und sie zum ersten Mal traf, konnte ich ihre Gedanken ganz klar sehen. Doch jetzt sind sie nur verschwommen und bereiten mir Kopfschmerzen.

„Renesmee, Schatz, du musst mir einen Gefallen tun."

„Der wäre?"

„Ich möchte, dass du bei Jacob Black anrufst."

Ich musste erst überlegen, wen er meint, bis es mir wieder einfiel, wer Jacob war und erinnerte mich an einen ‚Ausritt' mit ihm. Aber kaum, dass ich daran denke, bekomme ich wieder diese Kopfschmerzen.

„Alles in Ordnung mit dir?", fragt Chyna besorgt, als ich mir die Schläfen reibe.

Auch Alec sieht mich besorgt an.

„Nur Kopfschmerzen", antworte ich. „Warum soll ich ihn anrufen?"

„Wir müssen sie beseitigen. Sie können gefährlicher werden als so mancher Vampir. Mit ihnen sollten wir anfangen."

Mich schaudert der Gedanke. Doch Sekunden später begreife ich, dass es notwendig ist, um unser Ziel zu erreichen. Alec gibt mir ein funkelndes Handy und ein Zettel mit einer Nummer darauf. Wie er mich dabei anlächelt, ich könnte schmelzen. Für einen Moment vergesse ich, was ich eigentlich tun sollte, bis Chyna sich räuspert.

Kurz bevor sie dies tat, blitzte ein Bild vor meinen Augen auf, von einem anderen Vampir. Es muss ein Vegi sein, denn seine Augen sind golden. Auch er hatte ein unwiderstehliches Lächeln auf den Lippen. Er kam mir sehr bekannt vor, aber sein Name wollte mir nicht einfallen. S… Sc…. Hhmmm. Mir fällt es einfach nicht ein.

„Renesmee?", holt mich Alec aus meinen Gedanken.

„Oh. Entschuldige."

„Keine Sorge. Du solltest jetzt nur anrufen, denn in zwei Wochen wollen wir angreifen, und bis dahin ist noch einiges tun. Tu so, als ob du noch bei den Cullens leben würdest und noch immer das kleine anhängliche kleine Kind wärest."

Ein Knurren weicht meiner Kehle. Ich hasse es, wenn er mich daran erinnert. Ich bin sicher kein kleines Kind.

Ich reiße ihm den Zettel aus der Hand, was ihm nur zum Grinsen bringt. Chyna macht es sich auf einem Sessel bequem, als gehöre das Zimmer ihr. Hier in Iron County, Missouri, haben wir unser amerikanisches Hauptlager. Hier wird uns so schnell niemand finden. Wir, die Oberen, wie Alec uns nennt, haben jeder ein eigenes Zimmer, deshalb nervt es mich, dass Chyna mir laufend folgt. Doch mir ist es nicht gestattet, sie rauszuschmeißen. Vielleicht muss ich Alec noch um meinen kleinen Finger wickeln.

Denn ganz eindeutig hat er, zusammen mit Levin das Sagen. Zusammen mit Chyna und drei weiteren Vampiren gehöre ich zu Alec und Levins verlängerte Arme, auch wenn Alec mir via seiner Gedanken deutet, dass ich vom Stellenwert her, zu ihm und Levin gehöre. Was mir ehrlich gesagt sehr gefällt.

Umso leichter fällt mir der Anruf. Nach fünfmal klingeln geht Billy ran. Der alte Mann war auch schon mal schneller.

„Hi Billy. Hier ist Renesmee. Ist Jacob da?", frage ich übertrieben freundlich.

„Hey Kleine. Ja ist er. Kleinen Moment."

Oh wie ich es hasse Kleine genannt zu werden. Das haben die Cullens auch immer zu mir gesagt, oder Knirps. Eindeutig bin ich wohl nicht mehr die Kleine.

„Ja?"

„Hey Jake. Hier ist Renesmee", fällt mir die übertriebene Freundlichkeit gar nicht schwer.

„Nessie. Was verschafft mir die Ehre?"

Gott ist der Junge aufgedreht. Aber immer schön mitspielen, Renesmee.

„Also ich wollte fragen, ob ich in zwei Wochen für ein paar Tage bei euch vorbei schauen darf?"

„Ehrlich?"

Hätte ich es sonst gesagt?

„Ja, ehrlich. Der Rest der Bande will jagen gehen und dabei mal etwas weiter weg. Und du weißt ja, wie sehr ich das Jagen hasse."

Wie sich die Zeiten ändern können. Wobei es mir Alec hier wirklich leicht macht. Schon nach einer Woche, weiß er, dass ich knackige junge Männer bevorzuge. Und diese Lieblingsspeise kann er mir nicht verwehren.

„Öhm. Klar kannst du vorbei kommen. Lass mich das nur mit deiner Mutter klären."

„Nein. Also das brauchst du nicht. Sie hat mich ja auf die Idee gebracht. Außerdem ist sie gerade mit Edward beschäftigt. Du verstehst, was ich meine."

„Igitt. Verschone mich", ist er genauso angewidert wie ich.

„Ich bring auch ein paar Freunde mit, wenn es OK ist. Wir werden so in zwei Wochen bei Dämmerung eintreffen."

„Sicher. Kein Problem."

Er denkt sicher, dass es Menschen sind, dieser Idiot. Wahrscheinlich glaubt er, weil mich meine ach so tolle ehemalige Familie einsperrte, dass ich keine Vampirfreunde habe. Der wird sein blaues Wunder erleben.

„Danke, Jake. Ich freu mich schon", lasse ich meine Stimme fröhlich klingen.

„Und ich mich erst. Bis bald meine Kleine", oh wie ich es hasse.

„Bye Jakey", sage ich und lege auf.

Dabei blicke ich wohl so angewidert, da Alec mir das Handy aus der Hand nimmt und mich liebevoll ansieht.

„Das war sehr gut. Ich bin stolz auf dich", sagt er und küsst mich diesmal auf die Wange.

Wow. Ein unbekanntes Gefühl durchfährt mich. Alecs Grinsen wird nur breiter. Danach blickt er zu Chyna, die ebenfalls grinst. Sie freut sich für uns.

Die nächsten Tage sind wir schwer damit beschäftigt, die Neuankömmlinge zu trainieren und die neugeborenen Vampire zu bändigen. Alec hält allerdings nicht viel von ihnen und zieht lieber mehr und mehr routinierte Vampire zu uns.

Und ich bin sprachlos, wen er alles dazu bringen konnte, sich uns anzuschließen. Es sind wirklich einige talentierte Vampire dabei, die uns auf alle Fälle unterstützen werden.

Und dann ist es soweit. Alec, Levin und ich, sowie Chyna, Marius und Carlton, zwei der anderen drei Oberen, und zwanzig anderen Vampiren, machen wir uns zu Fuß auf den Weg nach La Push. Orfrey, der Letzte im Bunde, der Oberen, bleibt zurück im Hauptlager. Mit seiner Fähigkeit, dem wahrnehmen von Gefahr, brauchen wir ihn dort. Falls in La Push etwas schief gehen sollte, was ich schwer bezweifle, würde er uns mit einer weiteren Nachhut folgen.

Es dauert nicht lange, bis wir da sind. Wir werden schon erwartet. Also gehe ich davon aus, dass die Cullens, die Wölfe von meinem Verschwinden informiert haben und so von unserem Plan Wind bekamen. Ich frag mich so wieso die ganze Zeit, warum ich diesen Besuch ankündigen sollte. Wären wir einfach gekommen und hätten sie überrascht, wäre es doch viel besser.

Doch ich kann Alecs Beweggründe in seinen Gedanken nicht lesen. Auch nicht bei Levin, dem ich so wieso ungern begegne. Alec kann ihm noch so gut zu reden, er wird mich nie mögen. Aber solange ich Alec habe, soll mir das egal sein.

Wir haben schnell die zwei schwächsten Wölfe ausgemacht und erledigen sie. Doch sie konnten ihr Rudel warnen. Aber das wird gar nicht nötig sein. Ich kann die Gedanken der Cullens, Denalis und der Wölfe sehr gut ausmachen. Sie sind klarer, als die von Alec, Levin Chyna. Und ich dachte schon es stimmt etwas nicht mit mir.

Hallo, Daddy. Sende ich meinem Vater, der in meine Richtung sieht und einer Statue gleicht, so verkrampft ist er.

An seiner Seite stehen all die bekannten Gesichter. Alice, Jasper, Emmett, Rosalie und so weiter. Mutter darf natürlich nicht fehlen. Furchtbare Wut steigt in mir auf.

Warum ist sie so wütend, höre ich Jaspers Gedanken, an Edward gerichtet.

„Sie-sie ist wütend auf uns. Irgendwas stimmt nicht mit ihr", antwortet er.

„Mit mir ist alles in Ordnung. Noch nie war mir alles so klar, wie seit drei Wochen. Ich bin jetzt da, wo ich hingehöre. Wo ich mein Leben leben kann, wie ich es schon immer wollte."

„Ruhig, Renesmee", hält mich Alec zurück und lächelt mir wieder zu.

„Aber Renesmee", höre ich meine Mutter.

„Was haben sie nur mit ihr getan?", kommt es von Esme.

Ich schalte ihre Gedanken aus, denn sie machen mich wahnsinnig. Ihre scheinheilige Sorgen.

„Bella hat ihr Schild über sich und die Anderen gezogen. Ich komme nicht hindurch", sagt mir Alec verärgert.

So einfach würden sie es uns nun auch nicht machen. Aber vielleicht kann ich meine liebe Mami dazu bringen, es aufzulösen.

Wir nähern uns ihnen, dabei kommt ein junger ungestümer Wolf auf uns zugelaufen. Er will Alec angreifen, doch bevor er ihm zu nahe kommt, packe ich ihn, breche ihm das Genick und werfe ihn zurück in den Wald.

Geschockte Ausrufe kommen uns entgegen, genauso wie wütende Gedanken, über die ich nur müde lächeln kann.

„Was haben sie nur mit dir gemacht, Knirps", höre ich von Emmett.

Das macht mir nur wütender. Was glaub er eigentlich, wer er ist?

„Nenn mich nicht, Knirps", zische ich ihn an.

„Aber.."

„Emmett, reize sie nicht", unterbricht ihn Carlisle.

„Hey. Sag ihm nicht, was er zu tun und zu lassen hat. Ich habe es gehasst, das ihr mich immer so bevormundet habt, wie ein kleines Kind. Ich bin so glücklich endlich frei zu sein", gifte ich sie an.

Das sitzt. Bella sieht aus, als fällt sie gleich in Ohnmacht. Ihr Schild flackert für einen Moment. Vielleicht kann ich dem ja nachhelfen. Was allen anderen verborgen bleibt, nur mir nicht, ist, wo das Schild am Boden endet.

Ich trete drauf zu, dabei bin ich nur noch wenige Meter von Bella und Edward entfernt. Mit meiner ausgestreckten Hand berühre ich das Schild. Was keiner weiß, auch nicht Alec, dass ich weiß, wie ich dem Schild, und somit auch Bella, Energie entziehen kann. Eine schmerzhafte Angelegenheit. Aber nicht für mich.

Ich konzentriere mich darauf es zu tun und merke schnell, wie die Energie auf mich einströmt und sehe genüsslich zu, wie sie bei Bella schwindet.

„Was tust du ihr an?", knurrt Daddy.

„Nichts", tue ich unschuldig und lächle teuflisch.

Dabei sehe ich zu spät, wie Emmett auf mich zugestürmt kommt und mich wegschubst.

„Das hättest du nicht tun dürfen", knurre ich ihn an und stürme diesmal auf ihn zu.

Doch plötzlich flackert das Schild erneut, ein bläulicher Farbton kommt hinzu, und als ich eigentlich auf Emmett springen will, pralle ich auf das Schild und werde einige Meter weit zurückgeschleudert. Einer der vielen Vampire will mir aufhelfen, doch ich bin viel zu wütend, um mir helfen zu lassen und schiebe ihn nur weg.

„Was zum Teufel war das", brülle ich, als ich zurück zu Alec und Levin laufe.

Sie sehen ebenso überrascht aus wie ich.

„Das kann sie nicht alleine gewesen sein", informiere ich sie.

.

„Das hast du recht, liebe Renesmee", sagt jemand dessen Stimme ich nicht kenne. Alec allerdings schon.

Hinter Jacobs Haus kommt eine Frau hervor, die mich siegessicher angrinst. Sie habe ich schon mal gesehen, als mich Aro aus Denali entführte.

„Renata?", fragt Alec.

„Du siehst richtig, Alec."

„Aro würde dich nie gehen lassen."

„Wer sagt denn, dass er nicht hier ist?", höre ich die Stimme Aros.

Auch er kommt hinter dem Haus hervor, zusammen mit Marcus und Caius.

„Nicht nur deine Kräfte sind gewachsen, mein junger Freund", kommt es von Aro.

Was mich gerade beängstigt, dass ich keiner ihrer Gedanken mehr lesen kann. Das Schild ist mächtig. Mächtiger, als das, was ich mit Bella aufbauen konnte. Aber ich war damals auch noch ein Halbvampir.

„Renata war sehr ehrgeizig in den letzten Monaten, nach dem sie gesehen hat, wozu Bella und Renesmee fähig waren. Wenn du uns nicht verlassen hättest, um die Weltherrschaft zu planen, hättest du es mitbekommen. Aber du warst schon immer ein ungestümer Junge. Immer mit dem Kopf durch die Wand."

Mir gefällt es gar nicht, wie die Volturi uns angrinsen. Irgendwas führen sie im Schilde.

„Hier stimmt was nicht, Alec. Wir sollten verschwinden", rate ich ihm.

„Nein. So schnell gebe ich nicht auf."

„Bist du blind? Das Schild können wir nicht durchbrechen."

„Dann streng dich an und durchbreche es", sagt er wütend, ohne mich anzublicken.

Plötzlich wirkt Alec so fremd. Selbst Levin ist von Alec überrascht. Ich blicke zu den Vampiren unter dem Schild. Da fällt mir plötzlich jemand auf. Es ist der Junge, der mir in meine Gedanken aufblitzte. Doch noch immer fällt mir sein Name nicht ein. Aber er kommt mir sehr bekannt vor. Sein Blick wirkt traurig, warum auch immer.

„Sie hat recht, Alec. Das ist unmöglich", pflichtet mir nun Levin bei.

„Ich sagte Nein. Und nun tu was, um dieses Schild zu durchbrechen."

Diesmal sieht mich Alec allerdings an. Und was ich sehe, erschreckt mich. Er ist voller Zorn. Ich kann gar nicht ausmachen, auf wen sich der Zorn widerspiegelt. Dennoch kann ich ihn so nicht weiter sehen. Ich lege ihm eine Hand auf die Wange. Es dauert nicht lange, bis er sich etwas beruhigt. Um ihn vollends zu beruhigen, drücke ich ihm einen Kuss auf die Stirn.

Das Echo folgt sofort, denn die Cullens geben ein wütendes Knurren von sich. Ich verstehe nur nicht warum. Der Junge sieht mich verletzt an und wird von Alice in den Arm genommen.

„Was hast du ihr nur angetan?", wütet nun Jasper.

„Nichts", sagt Alec unschuldig.

Ich versuche nun das zu tun, was Alec von mir wollte und lege meine Hand langsam auf das Schild. Nur weil ich etwas von meiner Energie in das Schild leite, stößt es mich nicht ab. Es braucht auch einiges, um mich ganz hineinzuklicken, bis ich es unter Kontrolle habe.

„Sie hat es gleich durchbrochen", kommt es von Renata kläglich, deren Kräfte schwinden, wobei meine steigen.

„Jetzt", höre ich wage und fast im gleichen Moment werde ich vom Schild weggerissen.

Bis ich begreife, was passiert, stürmen andere Vampire von allen Seiten, auf unsere Vampire zu. Alec liegt am Boden, benommen. Jemand schlägt immer wieder auf ihn ein. Erst denke ich es ist Emmett, doch dann erkenne ich die Gestalt. Es ist Felix.

„Wer hätte das gedacht, kleine Renesmee. Nun stehen wir auf der guten Seite und du auf der Bösen", lacht mir Demetri zu.

Ich stoße ihn von mir und stürme auf Alec und Felix zu. Mit einem kräftigen Schlag, beförder ich ihn einige Meter von uns weg. Alec ist weiterhin zu benommen, um seine Kraft einzusetzen. Ohne sie sind wir nicht Siegesfähig.

„Rückzug", rufe ich.

Ich schaue zu Levin, Chyna, Marius und Carlton, die mir alle beipflichtend zu nicken. Levin nimmt Alec auf seine Schulter und wir rennen davon. Mein letzter Blick geht zu den Cullens, die noch immer sicher unter dem Schutz des Schildes stehen und mir betrübt nachsehen.

Keine Sorge. Man sieht sich wieder.

TBC