Aus Feinden werden Freunde

Scotts POV

Ich liebe Achterbahn fahren. Vor allem mit Emmett. Der macht jeden Spaß mit. Doch die Achterbahnfahrt, die ich selbst erlebe, die meines Lebens, ist ganz und gar nicht so lustig. Man rast von einem Höhepunkt, direkt in den nächsten Tiefpunkt.

Und der, dass Renesmee entführt wurde und nun bei Alec ist und auf seiner Seite sein soll, macht mich krank. Den Marsch Richtung La Push bekomme ich kaum mit. Nur dank Emmett, der mich regelrecht hinter sich herzieht, kann ich der Familie folgen.

Jacob hatte ich ja schon kennengelernt, aber nicht den Rest seines Rudels. Und es sind viele Wölfe. Aber können wir dem wirklich standhalten, was auf uns zu kommt?

Und ich erstarre, als Edward sagt, sie seien da. Als ich Renesmee erhasche, glaube ich nochmal zu sterben. Die Wut in ihrem Gesicht kenne ich nicht. Und schon gar nicht diese roten Augen. Das ist nicht meine Renesmee, wie ich sie kenne. Was haben sie nur mit ihr gemacht?

Wie sie sich gibt, wie sie spricht, mit ihrer Familie, das ist nicht meine Carlie. Oder als sie Emmett anzischt, weil er sie Knirps nennt. Vor der Entführung war es gang und gäbe.

„Hey. Sag ihm nicht, was er zu tun und zu lassen hat. Ich habe es gehasst, dass ihr mich immer so bevormundet habt, wie ein kleines Kind. Ich bin so glücklich, endlich frei zu sein", giftet sie Carlisle an.

Der Angesprochene ist wie vor dem Kopf gestoßen. Noch nie hatte Renesmee ihm widersprochen, geschweige denn so mit ihm geredet. Sie hat ihren Großvater verehrt. Davon ist nichts mehr zu sehen.

Für mich läuft ab da an, alles nur noch in Trance ab. Wie Renesmee den jungen Wolf so einfach mir nichts, dir nichts tötet, wie sie versucht Bellas Schild zu schwächen, Emmett sie wegstößt. Wie Renesmee wiederum zum Gegenangriff ansetzt und plötzlich von dem Schild weggeschleudert wird. Ich habe gar nicht mitbekommen, wie sich die Farbe verändert hat, bis diese Vampirin um die Ecke kommt.

Ich kenne sie nicht, aber anscheinend alle anderen. Hinzu kommen drei weitere Vampire, wo ich den Namen Aro hören konnte. Aber das war doch der Typ, der einst Renesmee mit nach Italien schleppte. Warum hilft er uns nun?

Plötzlich kommen Alec, Renesmee und Levin ins Streiten. Doch nur kurz, denn was dann passiert, wird mich ewig verfolgen und alles ändern. Sie blickt zu mir, aber nicht mit dem sonst so verliebten Blick. Nur, als hätte sie etwas gesehen, was sie kannte. Nicht mehr.

Aber es wird noch schlimmer. Sie legt Alec eine Hand auf die Wange und küsst ihn auf die Stirn. Ich fühle mich wie in einem falschen Film, denn genau so schafft es Renesmee immer wieder mich zu beruhigen, wenn ich wütend bin. Oder wenn ich traurig bin. Sie müssen irgendwas mit ihr getan haben. So etwas würde sie mir nie antun. Oder? Alice nimmt mich tröstend in den Arm, doch das kann mich nicht trösten.

Renesmee ist ihm regelrecht verfallen und macht, was er sagt. In diesem Fall, versucht sie das Schild von Bella und Renata zu durchdringen. Und Carlie muss als vollendeter Vampir noch stärker sein, als zuvor, denn sie schafft es tatsächlich fast, das scheinbar undurchdringbare Schild zu durchbrechen.

Doch bevor das geschieht, hört man Aro das Kommando ‚Jetzt' sagen und von allen Seiten stürmen Vampire auf die Anderen ein. Renesmee wird von einem dabei vom Schild gerissen. Es ist Demetri von den Volturi, erklärt mir Alice. Genauso, wie sie mir sagt, dass dieser große Kerl, der selbst Emmett in den Schatten stellt und gerade auf Alec einprügelt, Felix ist. Wie gern würde ich mit ihm Plätze tauschen und meinerseits meine Wut an Alec auslassen.

Aber das ist nicht möglich. Wir sind regelrecht gefangen unter der sicheren Kuppel des Schilds und müssen dem Treiben zusehen. Meine Augen sind dabei nur auf Renesmee gerichtet, wie sie animalisch auf die Vampire einschlägt und so ohne Weiteres den Kraftprotz Felix einige hundert Meter weit weg befördert.

Würde sie auf der richtigen Seite kämpfen, würden jetzt sicher ganz andere Gefühle in mir aufsteigen.

„Rückzug", ruft sie, wie eine Chefin des Clans.

An der Seite der anderen will sie flüchten, doch nicht, ohne mir und der gesamten Familie einen vernichtenden Blick zuzuwerfen. Ihre blutroten Augen glühen wie nie. Trinkt sie etwa von Menschen?

„Ja", antwortet mir Edward niedergeschlagen.

„Sie hat es mir klar und deutlich über ihre Gedanken gezeigt", erklärt er mir weiter. Es nimmt ihn wirklich sehr mit und ich denke er hat noch einige Sachen in ihren Gedanken gesehen, die er uns verschweigt.

„Wir sollten ihnen folgen, jetzt, wo Alec angeschlagen ist", sagt Emmett und läuft los, bleibt allerdings am Schild hängen.

„Was soll das?", richtet er sich an Aro.

„Wenn wir ihnen jetzt folgen, rennen wir ins Verderben."

„Bitte? Das waren doch nur 25 Vampire. Zusammen mit euch und den Wölfen sind wir doppelt so viele", kommt es von Jasper.

„Wohl wahr. Aber glaubt ihr wirklich, dass das alles ist, was sie zu bieten haben? Bei Fehlschlagen ihrer Mission warten in Missouri dreimal so viele Vampire nur darauf, in die Schlacht zu gehen."

„Woher hast du diese Information, Aro?", fragt nun Carlisle.

„Wir konnten einen Spion in Alecs Armee schleusen", antwortet Aro und blickt zu Dolton. Er weiß es, sich Infos über andere Clans zu besorgen.

„Sämtliche Clans die mir bekannt sind und ihr auch schon informiert habt sind auf den Weg hierher und müssten in den nächsten Stunden hier eintreffen. Zudem hat Chelsea noch jemanden gesucht, und wie ich mittlerweile weiß, auch gefunden, um Renesmee wieder zu dem zu machen, wer sie war."

„Was meinst du?", fragt Edward.

„Das kann euch Chelsea selbst erklären. Nur versprecht mir, wenn Renata gleich ihr Schild fallen lässt, nicht den Casottis hinterher zu laufen. Wir müssen nun nach einem Plan arbeiten, sonst sind wir alle verloren."

„Casottis?", fragt Esme.

„Ist das nicht ein kleines Städtchen in Italien?", erwähnt Carmen.

„Das ist es. Dort plant Alec, sich mit seinem neuen Volk und seiner neuen Frau niederzulassen", informiert uns Caius.

Wenn er mit neuer Frau Renesmee meint, hat Alec sich geschnitten. Das werde ich verhindern. Egal wie. Und ich weiß eine ganze Familie dabei hinter mir zu haben. Edward nickt mir darauf beipflichtend zu.

„Deshalb nennen sie sich die Casottis. In Missouri ist ihr amerikanisches Hauptquartier. Aber schon jetzt planen sie in jedem Land, auf jedem Kontinent", erzählt Marcus weiter.

„Aro", höre ich eine weibliche Stimme auf der anderen Seite der Kuppel.

Dort stehen einige Vampire die ich noch immer nicht kenne, bis auf Felix und Demetri.

„Chelsea. Da bist du ja."

Renata lässt auf Aros Blick ihr Schild nieder, welches durch Bellas gestärkt wurde. Renata, wie auch Bella, sacken danach in die Knie. Es muss ihnen jegliche Energie geraubt haben. Edward ist sofort an der Seite seiner Frau.

„War sie es?", fragt Aro Chelsea.

„Ja. Es war Chyna", antwortet diese.

„Dann musst du Chiara sein", richtet er sich an die Frau, die neben Chelsea steht.

„Aro was geht hier vor? Chelsea, Chyna, Chiara?", Carlisles Gesicht ist dabei so unwissend wie nie. Auch die anderen umstehenden Vampire der Cullens und Denalis sind ratlos.

Einzig Bella und Edward beteiligen sich nicht daran. Sie sind wahrscheinlich noch immer zu geschockt, was da eben passiert ist. Und wenn mein Drang, Renesmee wieder zu Vernunft zu bringen und wieder an meiner Seite zu haben, nicht so dominant wäre, würde ich ebenfalls so sein. Aber auch die Beiden werden bald zu Sinnen kommen und zusammen werden wir sie zurückholen.

„Du bist schon auf dem richtigen Weg, alter Freund. Chelsea, magst du es unseren Freunden erklären?"

Ich habe noch immer nicht ganz realisiert, dass Aro mit seinen Volturi uns zu Hilfe geeilt ist. Das zeigt aber wieder, wie ernst die Lage ist.

„Natürlich, Aro. Ihr habt sicher die Frau gesehen, die an der Seite von Levin, Alec und Renesmee war?!"

Wie von selbst nicken wir im Takt. Diese Vampirin ist mir sehr wohl aufgefallen, denn sie hatte immer ein Auge auf Alec, Renesmee und… Ja und mir. Nur versteh ich nicht warum.

„Das war Chyna, meine Schwester. So wie es auch Chiara ist", sagt sie und deutet auf die rothaarige Vampirin neben ihr.

„Mit Schwestern meinst du…?"

„Ja, Eleazar. Blutverwandt. Wir wurden damals alle von demselben Vampir verwandelt. Aber in den Jahren als Neugeborene trennten sich unsere Wege schnell, da Chyna schon früh einen eigenen Kopf hatte."

„Und was hat das jetzt alles mit Renesmee zu tun?", will Rosalie wissen.

„Nun. Wir sind nicht nur Schwestern. Unsere Gaben ähneln sich ebenfalls. Wie ihr wisst, kann ich das Band zwischen Liebenden, wie auch das einer Familie spüren, es brechen und auch binden. Chyna kann das ebenfalls, nur in einer noch bestialischeren Weise. Während bei meiner Anwendung dieser Gabe, die Personen nichts bemerken, löst Chyna Schmerz in ihnen aus, wenn sie schwach werden und doch noch an den Anderen hängen."

„Du meinst also, da-dass Renesmee wohl möglich gelitten hat?", fragt Bella, die noch immer in den Armen Edwards liegt und mit dem Nerven am Ende ist.

„Ich befürchte ja, denn euer Band war mit das stärkste, was ich je gefühlt habe. Zu jedem Einzelnen in eurer Familie hat sie ein besonderes Band, was zu jedem sehr, sehr stark war und für mich kaum zu brechen war."

„War. Damit meinst du dieses Band existiert nicht mehr", stellt Jasper fest.

„Ja. Chyna hat wirklich ordentliche Arbeit geleistet. Zwischen euch war nichts mehr zu spüren. Bis auf dir", sagt sie und schaut mich an.

„Aber wie ist das möglich? Es war, als würde sie mich nicht kennen", erwidere ich.

„Mag sein. Dennoch war ein dünnes Band zu spüren, selbst wenn sie dich nicht mehr erkennt."

„Das ist aber nicht ihr einzige Fähigkeit", kommt es plötzlich von Eleazar und verblüfft damit selbst Chelsea.

„Was sagst du da?"

„Anscheinend hat nicht nur Alec dafür gesorgt, dass seine Kräfte stärker werden. Sie kann Vampire beeinflussen, in dem, was sie tun. Sie kann ihnen etwas in den Kopf setzen und sie glauben daran…"

„…wie Renesmee, die daran glaubt, dass es richtig ist, was sie jetzt tut", vollendet Tanya.

„Genau."

„Aber wie ist das möglich? Renesmee hat doch so ein starkes Schild", hat Carlisle die gleichen Gedanken wie ich.

Und auch die Anderen sind ratlos.

„Sie haben sie vergiftet."

Erschrocken drehen sich alle zu Edward um, der nun neben Bella steht, die von Esme getröstet wird.

„Bisher war es immer so, dass ich Renesmees Gedanken nur lesen konnte, wenn sie es zuließ. Doch es war jetzt anders. Ich konnte ihre Gedanken lesen, wenn auch nicht so klar und deutlich wie bei jedem Anderen. Sachen konnte ich sehen, die sie mir sicher nicht zeigen wollte, wie Alec sie zum Beispiel eine Woche hat dursten lassen und sie selbst dabei zusehen musste, wie um sie herum alle ihren Durst stillten.

Dann gaben sie ihr doch etwas und stellten ein junges Mädchen vor ihr. Renesmee konnte nicht widerstehen. In dem Moment, als sie das Mädchen leer saugte, merkte sie, dass etwas mit dem Blut nicht stimmte. Aber ihr Durst war zu stark, um aufzuhören. Nach diesem Moment wird es immer verschwommener und ihre Gedanken dunkler."

Was musste Renesmee alles durchmachen?

„Du glaubst also, dass sie diesem Mädchen etwas eingeflößt haben, dass Renesmee beeinträchtigt hat?", fragt Demetri.

„Ja."

„Konntest du denn nichts bei den anderen sehen?", fragt Carlisle.

Doch Edward schüttelt nur den Kopf.

„Renesmees Gedanken mögen zu mir durchdringen können, doch ihr Schild hat die Gedanken der Anderen bedeckt. Wobei ich mir nicht mal sicher bin, ob sie es bewusst getan hat."

„Alec hat sehr talentierte Vampire in seiner Armee. Mich würde es also nicht wundern, wenn dort auch jemand ist, der solch einen Trunk herstellen kann", glaubt Aro.

„Wenn wir Renesmee wieder zu ihrem Ich führen könnten, wäre es ein Vorteil, um Alec und sein Gefolge zu vernichten", sinniert Marcus.

„Und wie wollt ihr das anstellen? Habt ihr nicht gesehen, was sie aus ihr gemacht haben?", brülle ich in die Runde.

Alle haben sie tolle Ideen, wie man Alec vernichten kann. Aber wie, verdammt noch mal, holen wir Renesmee zurück? Die Renesmee, die wir alle lieben. Die ich so verdammt noch mal liebe.

„Da komme ich ins Spiel", meldet sich nun die Vampirin neben Chelsea.

Verwundert wird sie von allen angestarrt.

„Chyna ist die Jüngste von uns, war immer rebellisch. Ich, die Älteste, musste schon in unserem Menschenleben dafür sorgen, dass sie nicht aus der Bahn kommt, musste ihre Fehler begleichen. So setzt sich auch meine Kraft zusammen."

Eleazar nickt Chiara zu.

„Du hast die Kraft, Dinge rückgängig zu machen."

„Wie kann man sich das vorstellen?", fragt Carlisle.

„OK. Ich brauche einen Freiwilligen."

„Ich", ruft Emmett und läuft zu Chiara, bevor Rosalie ihn aufhalten kann.

„Gut. Ihr müsst mir allerdings vertrauen, auch wenn ich mich gleich unbeliebt machen werde. Chelsea? Würdest du ihm bitte den Arm abreißen."

Lauter Protest ist zu hören, alle wollen sie Chelsea aufhalten, doch Renata baut ihr Schild auf, hält dabei Bella fest und lässt die Anderen nicht raus, um zu Emmett zu gelangen. Wie konnten wir auch nur vermuten, dass die Volturi uns helfen würden? Emmetts Augen sind weit aufgerissen und nichts mehr von seiner Freude, über diesen Testversuch zu sehen. Nur pure Panik.

Entsetzt müssen wir mir mit ansehen, wie Felix Emmett festhält und Chelsea ihm tatsächlich den Arm abreißt. Rosalie schreit fürchterlich, um ihren Emmett. Doch wir können ihm nicht helfen. Alle Versuche enden an der Wand des Schildes. Emmett versucht mit Gewalt seinen Schmerz runter zu schlucken, um der Familie nicht noch mehr Schmerz zu bereiten.

„Ich sagte, vertraut mir", kommt es von Chiara.

Sie geht auf Emmett zu und legt ihre Hände auf seine Stirn. Und plötzlich sehen wir das, was gerade geschehen ist, verschwommen als Rücklauf. Obwohl Chelsea wieder etwas weiter danebensteht, sieht man, eine weitere Chelsea, in diesem verschwommen Rücklauf. Wie der eben noch am Boden liegende Arm Emmetts wieder an seine Schulter kommt. Und wusch, ist es so, als wäre nichts gewesen, bis auf, dass sich Emmett schmerzend den Arm hält.

Kaum, dass Renata das Schild auflöst, stürzt sich Rosalie auf ihren Mann und umarmt ihn aufgelöst.

„Schsch, Rose. Es geht mir gut", höre ich ihn, seine Frau trösten.

„Du könntest also rückgängig machen, was Chyna mit Renesmees Gedanken gemacht hat?", will Carlisle genauer wissen.

„Richtig. Aber wie ihr an Emmetts schmerzendem Arm sehen könnt, wird sie nicht vergessen, was geschehen ist, und was sie gemacht hat."

Und wir wissen alle, was das für Renesmee bedeutet. Sie würde aus eigenem Willen nie so etwas tun. Die Realität würde sie niederreißen. Doch jetzt gilt es erstmal, überhaupt so weit zu kommen.

Die Wölfe schlagen Alarm, im gleichen Moment, als ich fremde Vampire wahrnehme.

„Peter, Charlotte", höre ich Jasper, als die Vampire auf uns zu kommen.

Viele weitere Vampire treffen in den nächsten Stunden ein. Einige sind dabei, die sich nie mit den Volturi verbünden würden. Doch Zeiten ändern sich, da kämpfen auch die Rumänen Vladimir und Stefan an Aros Seite. Seitdem Renesmee den Volturi damals zeigte, dass sie schlagbar sind, hat sich die Vampirwelt verändert. Die Angst vor den Volturi ist gewichen.

Dafür zeigen diese jetzt um so größere Klasse, in dem sie sich auch mit anderen Zirkeln verbünden, um Alec aufzuhalten. Wobei meine Priorität ist, Renesmee zu retten, auch wenn es nicht gerade danach aussieht, dass sie gerettet werden will. Sie wird wieder zu Vernunft kommen und wissen, wo sie hingehört.

Und wenn ich in die Gesichter aller Cullens schaue, weiß ich, dass sie das gleiche Ziel haben. Wir kümmern uns um Renesmee und die restlichen Vampire können sich Alec und sein Gefolge schnappen.

Carlisle entschuldigt sich noch bei Jacob für den Verlust dreier Wölfe. Dabei erschreckt es mich zu hören, wie jung sie noch waren. Keine 14. Die Wölfe zollen ihnen Respekt, indem sie sich aufreihen und den Mond anjaulen. Der Tod ihrer ‚Brüder' motiviert sie nur noch mehr für den Kampf, der uns bevorsteht.

Ich bin beeindruckt, wie viele Vampire zusammen kommen, um die Casottis zu vernichten. Namen wie Alistair, Kachiri, Benjamin, Maggie und Zafrina fallen. Und das ist nur ein Bruchteil von denen, die da sind. Mit dieser Menge an Vampiren, wobei einige wahnsinnige Talente haben, müssen wir es doch schaffen.

Chiara demonstriert dabei noch einige Male, was sie mit Renesmee vorhat. Allerdings stellt sich Emmett kein weiteres Mal als Modell zur Verfügung.

Es ist schon ein wahnsinniges Bild, als wir uns Seite an Seite auf den Weg nach Missouri machen. Aro, der sich mit seinen früheren Feinden, über die Taktik unterhält, Emmett, der mit seinem Konterpart Felix ausmacht, wie sie Alec am besten zerstückeln und zwischendrin die Wölfe. Dafür, dass sie uns Vampire unterstützen, begegnen ihnen alle Vampire mit dem gebührenden Respekt.

Bella und Edward sind dabei in ihrer eigenen Welt, ihrer Trauer, um das Leid ihrer Tochter, meiner großen Liebe Renesmee, ist förmlich spürbar. Sie brauchen Renesmee genauso sehr wie ich. Ohne sie…

„Du vermisst sie sehr, oder?"

Erschrocken drehe ich mich zur Seite, während wir laufen. Dort sieht mich Chiara liebevoll an. Als ihre Frage sinkt, nicke ich.

„Wir schaffen das schon. Mit deiner Liebe zu Renesmee und dem Detail, dass euer Band noch nicht komplett zerrissen ist, haben wir beste Chancen. Du wirst sie wiederbekommen", lächelt sie mir aufmunternd zu.

„Aber wird sie wieder die Renesmee sein, wie vor dem ganzen Desaster?"

„Mit der Hilfe ihrer Familie, und die wird sie kriegen, da bin ich mir sicher, gibt es beste Chancen, dass sie wieder so wird, wie früher. Aber, auch wenn ich es schaffe, das Band zwischen ihr und Alec zu brechen, müsst ihr Eures neu aufbauen. Aus Chelseas Erzählungen ist Renesmee eine sehr labile Person, sprich, wird sie das Geschehene schwer verarbeiten, sobald sie wieder sie selbst ist. Und dabei müsst ihr Renesmee helfen. So könnt ihr gleichzeitig ihr helfen und euer Band wieder aufbauen bzw. deins und Renesmees kräftigen."

Das steht außer Frage, dass wir ihr beistehen. Wir wollen doch alle, dass es wieder so wird wie früher. Doch uns ist allen bewusst, dass es nie wieder so werden kann, wie es mal war. Schließlich ist Renesmee vor vier Wochen gestorben. Oh Gott. Das wurde mir noch nie richtig bewusst, erst jetzt.

Jasper bemerkt meinen Gefühlsumschwung und sendet mir beruhigende Wellen.

„Danke, Jazz."

Wir durchqueren so viele Bundesstaaten. Idaho, Wyoming, South Dakota, Nebraska, Kansas. Und als wir dann Missouri erreichen, wächst in jedem die Spannung. Jasper hat keine Chance, alle zu beruhigen. Doch vielleicht ist die Spannung auch ganz gut. Jeder ist konzentriert und hat das gleiche Ziel.

TBC