Titel: Lebenslänglich – Die Rückkehr -

Autor: Eve

Rating: P 18

Beta: Lady of the Dungeon

Typ: Harry Potter Fanfiction

Pairing: Lucius Malfoy/Hermine Granger

Warnung für dieses Kapitel: Hurt, Folter, Violence

Disclaimer: Leider gehört Lucius immer noch nicht mir. Alle Charaktere gehören Frau Rowling. Die Idee zu dieser Story ist aber von mir!

Kapitel: Fünf

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3. Januar

Gehorsam hob Hermine die Hände über den Kopf und drehte sich langsam um. Sie wusste durchaus, wann Widerstand zwecklos war, und im Moment schien es das Beste zu sein, erst einmal zu tun, was dieser Mann verlangte. Später konnte sie die Dinge vielleicht immer noch zu ihren Gunsten verändern, und überhaupt war es doch gar nicht so schlecht, dass sie in diese Falle getappt war. Wenigstens brachte es sie in die Lage, ihre Ermittlungen weiterzuführen. Diesen Gedanken fand Hermine außerordentlich tröstlich. Er hielt sie davon ab, in Panik zu geraten. Sie wollte sich nicht von ihrer Angst überrollen lassen. Das war unprofessionell, auch wenn sie erst gar nicht in diese fast aussichtslose Lage geraten wäre, wenn sie sich professioneller verhalten hätte.

In ihren hastigen Überlegungen hatte Hermine natürlich nicht bedacht, dass sie diese Bande von Mördern, der sie auf die Spur gekommen war, keinesfalls im Alleingang besiegen konnte. Für ängstliches Zögern oder gar Pessimismus war jetzt einfach keine Zeit, sagte sie sich entschlossen.

Der Mann, dem sie in die blassen Augen blickte, nachdem sie sich langsam um 180 Grad gedrehte hatte, musterte sie nur kurz von oben bis unten und bedeutete ihr mit seinem Zauberstab, ihre Tasche fallen zu lassen. Nach kurzem Zögern ließ sie die Tasche auch tatsächlich auf den Boden gleiten. Ein zweiter Mann löste sich aus dem Halbdunkel und trat auf sie zu. Mit einer schnellen Bewegung hatte er ihre Tasche gepackt, und ohne sie aus den Augen zu lassen, kehrte er wieder zu seinem Kumpan zurück.

„Sieh nach ob sie irgendetwas von Wert bei sich hat", wies Hermines Bewacher an und zeigte mit dem Kinn auf die Tasche. „Vielleicht hat sie ja so etwas wie einen Ausweis dabei, und wenn nicht, ist es auch nicht schlimm. Ich hab bisher einfach Jeden zum Sprechen gebracht", grinste der Mann verschlagen in ihre Richtung. Kalte Augen musterten sie sorgfältig und Hermine überlief ein eisiger Schauer angesichts dieses abschätzenden Blickes. Sie überlegte indessen fieberhaft, wie sie aus dem Schlamassel wieder herauskam, in den sie sich geritten hatte.

Sie musste, nachdem sie eventuell noch mehr über diese Gruppe von neu auferstandenen Todessern heraus bekommen hatte, auf jeden Fall flüchten, und je eher sie das tat, um so besser. Apparieren schied jedenfalls aus, denn das hatte sie instinktiv, gleich, als sie hier ankam, schon probiert, und es war ihr nicht gelungen. Dummerweise hatten diese Kerle daran gedacht eine Apparationssperre zu wirken, also musste sie die Höhle auf normalem Wege verlassen, falls ihr überhaupt eine Flucht gelang.

„Aha, was haben wir denn da?" Hermines gefälschter Interpolausweis wurde triumphierend in die Höhe gehalten. Nach einem Blick auf das weiße Plastikkärtchen schossen bei dem Mann beide Augenbrauen in die Höhe, und ein Grinsen machte sich auf seinem Gesicht breit, welches unbeschreiblich niederträchtig aussah.

„Weißt du, wer uns hier ins Netz gegangen ist?", wollte er von seinem Kumpel wissen und als der, Hermine immer noch nicht aus den Augen lassend, verneinend mit dem Kopf schüttelte, sprudelte es aus dem anderen heraus. „Das ist Hermine Jane Granger, verfluchtes, widerwärtiges Schlammblut, Busenfreundin von Harry Potter, Trägerin des goldenen Merlinordens zweiten Grades, und seit langem Aurorin im Dienste des gottverdammten Zaubererministeriums."

„Schön, dass Sie die wichtigsten Eckdaten meines Lebenslaufes im Kopf haben. Das Schlammblut verbitte ich mir, allerdings", kritisierte Hermine ungerührt und verfluchte gleichzeitig die Abteilung des Ministeriums, die für Ausweisfälschung zuständig war. Konnte man ihr nicht neben einer erfundenen Identität auch einen neuen Namen verpassen? Nein, man hatte einfacherweise ihren Namen auf das falsche Dokument gepresst, und somit war ihre Tarnung, falls es überhaupt jemals eine war, aufgeflogen.

„Nun, Hermine Jane Granger. Es freut mich, Sie in unserer bescheidenen Behausung begrüßen zu dürfen", freute sich ihr Bewacher hämisch und deutete eine spöttische Verbeugung an, die Hermine mit einem verachtungsvollen Blick quittierte. „Ich gehe davon aus, dass wir Jemand eine große Freude machen, wenn er Sie zu Gesicht bekommt. Ursprünglich hatten wir ja nur auf irgendeinen dummen, magisch begabten Menschen gehofft, der so dämlich ist, den Portschlüssel zu aktivieren. Dass uns solch eine Prominenz ins Haus fliegt, hätten wir uns niemals träumen lassen", fügte er freudig hinzu, winkte ungeduldig mit dem Zauberstab und bedeutete ihr, an ihm vorbeizugehen, während der andere Mann mit ihrer Handtasche die Führung übernahm.

Während Hermine sich bemühte auf den Weg zu achten und nicht über die faustgroßen Steine auf dieser unebenen Fläche zu stolpern, versuchte sie so viele Details ihrer Umgebung wie nur möglich aufzuschnappen.

Sie befand sich tatsächlich in einer überdimensional großen Höhle. Wenn sie den Kopf in den Nacken legte, konnte sie das Deckengewölbe nicht sehen. Auch das Ende, oder den Anfang der Felsenwände könnte sie nicht ausmachen. Sie war sich sicher, sich nicht mehr in den Karpaten zu befinden und fragte sich, wieweit sie von ihrem ursprünglichen Einsatzort entfernt war. Zusammen mit ihren beiden Begleitern schritt sie an einem unterirdischen See entlang. Das Wasser plätscherte gelegentlich leise gegen das geröllübersäte Ufer. Hermine konnte nicht annähernd schätzen wie tief der See war, die Wasseroberfläche sah dunkel und und für menschliche Blicke undurchdringlich aus. Es dauerte eine halbe Stunde, bis sie den See fast umrundet hatten, und erst, als sie ihr Ziel schon fast erreicht hatten, sah Hermine das Loch in der Felsenwand, auf das sie ihre Bewacher zu drängten.

Die Felswände wurden enger, sobald sie den Eingang zu einer weiteren, kleineren Höhle durchschritten hatten. Auch hier herrschte dieses diffuse Halbdunkel, an das sich ihre Augen nur schwer gewöhnen konnten. Sie schätzte, dass irgendwelche Steine im Fels den Lichteffekt verursachten, denn niemand hatte eine Leuchtquelle in den Händen.

Nach einem kurzen Marsch erweiterte sich der Gang wieder, und Hermine blieb abrupt stehen. Ein reichlich bizarres Bild bot sich ihr. Von der Decke, die hier nicht ganz so hoch und gut zu erkennen war, ragten zahlreiche lange, weißlich schimmernde und an den Enden gefährlich zugespitzte Stalaktiten und vom Boden senkrecht empor wuchsen, als entsprechende Gegenstücke, ebenso lange Stalagmiten. Es schien, als habe man einen hell glitzernden Steinwald vor sich. Der Schein einiger kleinerer Lagerfeuer, um die eine Handvoll Männer saßen, verliehen diesem Bild fast etwas Märchenhaftes. Hermine seufzte. Leider war sie weit davon entfernt, irgendetwas Märchenhaftes zu erleben.

Sämtliche Anwesende waren ganz in Schwarz gekleidet. Auch die für Zauberer typische Robe fehlte bei keinem der Männer. Niemand allerdings trug eine dieser silbernen Todessermasken, was Hermine etwas Sorge bereitete. Offensichtlich hatten sie nicht vor, ihr Opfer wieder gehen zu lassen, wenn sie ihr so sorglos ihre Gesichter präsentierten. Diesen unangenehmen Gedanken schob sie mit Vehemenz wieder in den hintersten Winkel ihres Verstandes. Sie musste jetzt einfach einen kühlen Kopf bewahren. Noch war nichts verloren, sprach sie sich selbst kämpferisch Mut zu. Das unangenehme Bohren einer Zauberstabspitze in ihren Rücken, erinnerte sie daran, weiterzugehen.

Nachdem man die Neuankömmlinge bemerkt hatte, wendeten sich sämtliche Köpfe in ihre Richtung. Neugierig wurde sie gemustert und nach einer Weile erhob sich ein leises Raunen. Offenbar erkannten manche der Männer sie, obwohl sie selbst bis jetzt nicht ein einziges bekanntes Gesicht gesehen hatte. Bilder der wenigen Todesser, nach denen nach wie vor noch gesucht wurde, befanden sich selbstverständlich in ihrem Kopf. Doch keiner der Anwesenden war mit ihnen identisch. Nachdem einer ihrer Begleiter einen nah sitzenden Mann aufgefordert hatte, den Boss zu informieren, dass sie einen wertvollen Fang, nämlich Miss-Schlammblut-Granger gemacht hatten, wurde sie weiter geführt.

Die Spitze des Zauberstabes in ihrem Rücken, die sie unsanft um die Lagerfeuer herum dirigierte, stieß sie wieder unangenehm schmerzhaft in die Rippen, und Hermine stolperte vorwärts, tiefer in den Hintergrund der Höhle. Dort in einer Felsnische hielten sie endlich an. Hermine drehte sich trotz des bedrohlich nah auf sie gerichteten Zauberstabes um.

„Könnte mir jetzt endlich einmal jemand sagen, was Sie eigentlich von mir wollen und warum ich hier bin?" Sie versuchte dieser Frage einen energischen Ton zu verleihen, obwohl ihr mittlerweile die nackte Angst über die Beine nach oben kroch. Das, was sie von den dunkel gekleideten Männern gesehen hatte, flößte ihr Angst ein. Sie hatte ausnahmslos in entschlossene, harte, unbarmherzige Gesichter geblickt. Ihr schien, als würde nur ein falsches Wort genügen, damit sich mindestens drei Leute in eindeutiger Mordabsicht auf sie stürzten. Neben den üblichen Zauberstäben, die bei den Meisten gut sichtbar aus Hosen- oder Robentaschen herausragten, gab es aber noch sehr bedrohlich aussehende Waffen aus Muggelproduktion, die hier und da zu ordentlichen Stapeln zusammengefasst waren, beziehungsweise von Einigen dieser wild aussehenden Bande bewacht wurden.

„Du hast gar nichts zu fragen", wies sie einer ihrer Begleiter süffisant zurecht und schubste sie in Richtung Felswand. Während er sich bedrohlich über sie beugte und sie mit seinen großen Händen hart um die Oberarme fasste, zischte er drohend: „Schlammblüter haben hier nur ihren dreckigen Mund aufzumachen, wenn sie was gefragt werden. Ist das klar?"

Hermine roch den fauligen Atem des Mannes nah bei sich. Sie spürte die Hitze, die von ihm ausging und fühlte den Schmerz, als er ihr seine Finger brutal in den Oberarm grub. Sie dachte nicht weiter darüber nach, als sie auch schon reagierte und ihm ihr Knie, mit viel Kraft in die Weichteile rammte. Mit einem überraschten Stöhnen ließ der Mann los, der mit ihrem entschlossenen und ziemlich schmerzhaften Angriff nicht gerechnet hatte, und sank wimmernd, die Hände in seinen Schritt gepresst, vor ihr auf die Knie. Ehe jedoch Hermine dazu kam, ihm den Rest zu geben und ihn, wenn auch nur für kurze Zeit, mit einem Kinnhaken ins Traumland zu befördern, ertönte ein schneidendes, „Stupor" und im nächsten Moment wurde sie hart an die schroffe Felswand hinter ihr gepresst. Zischend entwich die Luft aus ihren Lungen, von der Gewalt des Angriffs, dem sie ausgesetzt war.

„Wag das nicht noch einmal, Schlammblut", drohte der andere der beiden. Ohne sich um seinen Kumpan zu kümmern, der sich vor Schmerzen am Boden wand, schritt er an diesem vorbei, riss sie brutal wieder vom Boden hoch, was ihr diesmal, da sie wieder ein wenig Luft in die Lungen bekam, aufschreien ließ und drückte sie nach hinten. Ein schauriges Rasseln ertönte und Hermine fühlte, wie ihr Arm zur Seite gerissen wurde. Eiserne Handschellen an langen Ketten schlossen sich um ihr Handgelenk. Dasselbe passierte ebenso grob ausgeführt mit ihrem anderen Arm. So stand Hermine, die Arme weit vom Körper ausgestreckt, an der Felswand. Aber das war noch nicht alles. Mit einem üblen Grinsen auf den Lippen erhob sich nun der Mann, dem sie das Knie in den Unterleib gerammt hatte, und der sich in der Zwischenzeit umständlich auf die Beine rappelte, neben sie und betätigte einen verborgenen Mechanismus. Mit einem erneuten, lauten Klirren, strafften sich die locker hängenden Ketten und zogen ihre Arme unbarmherzig nach oben. Mit unwiderstehlicher Gewalt wurde Hermine fast von den Füßen gerissen, was ihr einen Schmerzenlaut entlockte, den sie heldenhaft zu unterdrücken suchte.

„Das kommt davon, wenn man nicht tut, was man gesagt bekommt. Du Luder", erklärte ihr Opfer, welches verdächtig breitbeinig vor ihr stand und funkelte sie wütend aus kleinen, hinterhältig blitzenden Schweinsaugen an.

„Niemand hat mir gesagt, dass ich mich nicht gegen bösartiges, heimtückisches Gewürm verteidigen darf", stöhnte Hermine unter Schmerzen. Nur mühsam konnte sie sich auf den Zehenspitzen aufrecht halten. Ihr ganzes Gewicht hing momentan an ihren gefesselten Handgelenken. Das scharfkantige Metall schnitt ihr ins Fleisch, und sie fühlte wie warme Flüssigkeit die Unterarme hinab lief.

Mit einem wütenden Aufschrei wollte sich der Beleidigte erneut auf sie stürzen, als er mit einem resoluten „Halt", zum Stillstand gebracht wurde.

„Wir brauchen sie lebend, Harold. Tot nutzt sie uns nichts, und vorerst darfst du sie auch nicht schlagen", erklärte eine befehlsgewohnte Stimme aus dem Hintergrund, und als der mit Harold Angesprochene, seine Wut notgedrungen zügelnd beiseite trat, keuchte Hermine erschrocken auf.

„Giles Avery!" Nun hatte sie doch noch jemanden gefunden, dessen Foto sie kannte. Avery hatte damals beim Kampf im Ministerium, als Harrys Pate sein Leben lassen musste, seinen Verbündeten Lucius Malfoy als Deckung benutzt und war, während alle sich auf die Gefangennahme von Malfoy konzentrierten, erfolgreich geflüchtet. Seit diesem Zeitpunkt fehlte jede Spur des bekannten Todessers. Auch beim alles entscheidenden Endkampf war er nicht zu sehen gewesen.

„Ja, verehrtes Schlammblut, eben derselbe", erklärte Voldemorts ehemaliger Gefolgsmann aalglatt und trat näher.

„Hermine Granger. Ich freue mich Sie zu sehen", sprach Avery entzückt und lächelte kalt.

„Ich kann nicht sagen, dass ich mich freue", erwiderte Hermine und musterte Avery nicht minder kalt.

„Nun, nichtsdestotrotz sind Sie hier, und ich muss sagen, der Anblick, den sie mir gerade bieten, gefällt mir", entgegnete Avery fast belustigt und lehnte sich entspannt neben sie an die Felswand.

„Genießen Sie den Anblick, so lange er noch dauert", riet ihm Hermine hoheitsvoll. „Sämtliche relevanten Stellen sind bereits informiert, es wird nicht lange dauern, bis man meinen Aufenthaltsort kennt und Sie in Gewahrsam nimmt", flunkerte sie.

Avery lachte spöttisch auf „Miss Granger, sind Sie wirklich so naiv? Niemand wird uns hier finden und ich bezweifle, dass Sie in nächster Zeit irgendjemand vermissen wird."

„Warum haben sie mich überhaupt hierher gelockt?", versuchte Hermine das Gespräch in eine andere Richtung zu lenken.

„Nun, wir wollten eigentlich nur irgendjemanden hierher locken. Wir brauchten einfach einen Boten. Aber da Sie uns jetzt wunderbarerweise ins Netz gegangen sind, verändert das natürlich die Lage. Jetzt haben wir eine Geisel, und das ist sehr viel besser, als das, was wir ursprünglich vor hatten", erzählte Avery mit stolzgeschwellter Brust.

„Und was hatten Sie ursprünglich vor?", bohrte Hermine und versuchte nebenbei einen festeren Stand auf ihren Zehenspitzen zu erreichen, damit sie den Zug auf ihre Handgelenke vermindern konnte. Kleine Schweißtropfen bildeten sich auf ihrer Stirn und rannen ungehindert ihr Gesicht hinunter.

„Eigentlich wollten wir jemanden haben, der eine mündliche Botschaft überbringt. Wie das Wort ‚Bote' ja eigentlich schon sagt", belehrte sie Avery in hochnäsigem Ton.

„Ach, ich dachte das Dahinmetzeln der Bewohner eines ganzen Dorfes und das Heraufbeschwören eines Morsmodre wäre schon die Botschaft gewesen?", sinnierte Hermine.

Avery lachte überheblich. „Naja, wenn Sie es so sehen wollen? Im Grunde war es eigentlich nur das Vorspiel, eine Übung, ein Zeichen dafür, dass es noch ein paar Auserwählte gibt, die mit einigen wenigen Mitteln ihre Überlegenheit gegenüber Muggeln demonstrieren wollten." Er winkte ab. „Keine große Sache, eigentlich."

Hermine wurde es schier übel, als sie diese absolut respektlos und kalt hervorgebrachten Worte hörte. „Sie mieser Bastard! Sie bezeichnen den kaltblütigen Mord an unzähligen Menschen als Nichtigkeit? Sie werden für alles bezahlen, das schwöre ich Ihnen", zischte sie ihm bebend vor Wut ins Gesicht und spukte ihm dann in selbiges.

Ungerührt wischte sich Avery den Speichel mit dem Ärmel seiner Robe ab, holte in der gleichen Bewegung aus und schlug Hermine mit dem Handrücken ins Gesicht. Blut spritzte aus ihrer Nase.

„Wage es noch einmal, mich zu beschimpfen oder gar anzuspucken, und du wirst leiden, wie noch nie in deinem beschissenen Leben", knurrte der Todesser sie an.

Hermine fühlte, wie ihr rechtes Auge zuschwoll und ihr neben den Schweißtropfen nun auch das Blut aus ihrer Nase in den Mund lief. Ganz zu schweigen von dem Schmerz, der in ihrem Gesicht explodiert war. Keuchend versuchte sie ihre Lippen zusammenzupressen, was ihr nur teilweise gelang, weil sie durch die lädierte Nase nicht genügend atmen konnte. Sie durfte sich nicht so gehen lassen. Sie war viel zu impulsiv und provozierte noch die Grausamkeiten der wiederauferstandenen Todesser. Sie sollte sich einfach nur zurückhalten, was ihr schwer fiel, angesichts der Dinge, die sich ereignet hatten.

Avery stieß sich schwungvoll von der Wand ab, an der er bis jetzt gelehnt hatte und stellte sich breitbeinig, mit verschränkten Armen, vor sie.

„So Schlammblut, die Plaudereien mit dir machen zwar Spaß, aber jetzt ist es erst einmal vorbei mit den Freundlichkeiten. Durch deine Anwesenheit hier sind wir jetzt in der Position, Forderungen an das Ministerium zu stellen. Vielleicht wollen dich ja deine Kollegen wieder zurück haben, und das auch noch möglichst in einem Stück?", frotzelte er genüsslich, während er ihr mit der Hand ein wenig Blut vom Gesicht wischte und es angewidert auf ihrer Kleidung wieder abwischte.

Hermine antwortete diesmal nicht.

Avery schien auch keine Antwort erwartet zu haben.

„Wir brauchen jetzt erst mal einen Beweis, dass du in unserer Hand bist und natürlich auch, dass wir es ernst meinen", überlegte er.

„Niemand wird sich von Ihnen erpressen lassen. Was auch immer Sie vorhaben, es wird Ihnen nicht gelingen. Niemals wieder werden wir uns von dunklen Mächten beherrschen lassen", hielt Hermine Avery tapfer und leidenschaftlich vor. Ganz egal, was man mit ihr machen würde, sie würde sich eher selbst umbringen, als dazu benutzt zu werden, dem Bösen wieder Tür und Tor in der magischen Welt zu öffnen. Dies stand unverbrüchlich für sie fest.

„Ich denke schon, dass Mr. Potter Wert darauf legt, dass du lebend zurück kommst, und wer weiß, vielleicht sind unsere Forderungen ja auch sehr moderat", hielt Avery ihr hinterhältig grinsend entgegen.

Eine Bewegung von der Seite her lenkte in diesem Augenblick seine Aufmerksamkeit und auch die von Hermine ab. Ein großer Fels, der anscheinend ein gut getarnter, verborgener Zugang war, schob sich lautlos zur Seite und offenbarte einen weiteren, engen Zugang zur Höhle. Eine von Kopf bis Fuß in tiefes Schwarz gehüllte Gestalt trat heraus und schritt ebenso lautlos näher.

Hermine blinzelte krampfhaft mit ihrem verschwollenen Auge, in der Hoffnung, Einzelheiten zu erkennen. Als die Gestalt näher kam, stellte sie bedauernd fest, dass selbst das Gesicht mit einer schwarzen Maske verhüllt war: es waren nur Schlitze für die Augen und den Mund erkennbar, kein Stückchen Haut war zu sehen. Die Hände der Person steckten in schwarzen Handschuhen, und auch der Hals war durch den hohen Kragen der Robe bedeckt. Etwa einen Meter von Hermine entfernt verharrte der Neuankömmling, und sein Blick richtete sich unverwandt auf Hermine, die sich unter diesem starren Blick höchst unwohl fühlte.

Avery, der sofort als der Vermummte aufgetaucht war, den Kopf ehrerbietig gesenkt hatte, trat nun auf ein Handzeichen an den Neuankömmling heran. Einige Worte wurden gewechselt, deren Bedeutung Hermine nicht hören konnte, auch wenn sie noch so angestrengt lauschte. Offenbar war nicht Avery, wie Hermine ursprünglich angenommen hatte, das Oberhaupt der neuen Todesservereinigung, sondern dieser Mann, der seine Identität nicht offenbarte. Dies legte für Hermine den Schluss nahe, dass sie auch ihn vielleicht erkennen könnte.

Nach kurzer Beratung kam Avery wieder zu ihr zurück, während der Vermummte genauso lautlos verschwand, wie er gekommen war. Noch während der Fels wieder auf seinen ursprünglichen Platz zurück rollte, zog Avery ein langes, gefährlich scharf aussehendes Messer, welches er in einer Lederscheide an seiner Seite getragen hatte.

„Was haben Sie vor?", keuchte Hermine. Der Drang zu flüchten überkam sie. Nur leider verhinderten die eisernen Fesseln, dass sie sich wie der Wind entfernen konnte.

„Der Beweis, dass wir dich gefangen haben. Du erinnerst dich?", erwiderte Avery sanft und sah sie mit einem Blick an, der Hermine den Angstschweiß auf die Stirn trieb. Unruhig glitten seine Augen über ihren Körper, während er geschickt das Messer in seinen Händen wirbelte.

„Nun, ich denke, ich werde dir etwas nehmen, auf das du gut verzichten kannst, denn du hast ja noch mehr davon", überlegte er und trat näher.

Er langte über Hermine Kopf und griff nach einer ihrer Hände. Hermine versuchte sich zu wehren, aber Averys Körper presste sie fest und unbeweglich zurück an den Fels. Keuchend versuchte sie ihm auszuweichen, aber es gab kein Entrinnen und dann kam der gewaltige Schmerz, der alles, was sie bisher in dieser Richtung kannte, in den Schatten stellte.

Hermine schrie, bis sie keine Luft mehr in ihren Lungen hatte, dann versank sie in einer erlösenden Ohnmacht.

Mit einem diabolischen Lächeln trat Giles Avery von dem nun schlaff in den Fesseln hängenden Körper zurück. Gelangweilt wischte er die dreißig Zentimeter lange Klinge des Messers an Hermines Jacke sauber und steckte sie mit einer schwungvollen Bewegung wieder in die Scheide zurück. In der anderen Hand hielt er triumphierend einen von Hermines Fingern.

„Ich denke, das ist genau das Richtige, um Harry Potter den Tag zu versüßen", schmunzelte er vergnügt. Mit einem abschließenden verächtlichen Blick auf Hermine wandte er sich ab und beauftragte einen der Männer, die Hermine her gebracht hatten, die blutende Wunde zu versorgen. Es wäre fatal, wenn ihre wertvolle Geißel am Ende noch verblutete.

Tbc.