Titel: Lebenslänglich – Die Rückkehr -
Autor: Eve
Rating: P 18
Beta: Lady of the Dungeon
Typ: Harry Potter Fanfiction
Pairing: Lucius Malfoy/Hermine Granger
Warnung für dieses Kapitel: Triggerwarnung
Disclaimer: Leider gehört Lucius immer noch nicht mir. Alle Charaktere gehören Frau Rowling. Die Idee zu dieser Story ist aber von mir!
Kapitel: Sieben
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5. Januar (12:10 Uhr)
„Dann, Mr. Potter, wird aus unserem Deal nichts werden." Lucius lehnte sich äußerlich völlig gelassen wirkend wieder zurück. Immerhin wusste er, dass eine Einigung Potters letzte Option war und diesen Umstand wollte er unbedingt für sich nutzen.
Harry wand sich auf seinem Stuhl, als leide er unter großen Schmerzen. Er hatte natürlich schon vorher überlegt, was er Malfoy im Gegenzug für seine Hilfe anbieten würde anbieten können. Das Einzige, was für ihn angemessen erschien, war ein monatlicher Ausgang von ein paar Stunden unter Bewachung. Dies schien unter gewissen Umständen vertretbar, und genau dieses Angebot machte er dem Slytherin nun.
„Ihre Freiheit kann ich Ihnen nicht geben. Dazu bin ich nicht befugt. Das Einzige, was ich Ihnen im Gegenzug für ihre großzügige Hilfe geben kann, ist ein garantierter Ausgang. Einmal im Monat, wohin sie möchten unter Bewachung und zwar für genau zwei Stunden. Mehr ist nicht drin." Nun war es an Harry sich zurückzulehnen, allerdings nicht ganz so entspannt, wie Lucius das vorhin getan hatte.
Sein Gegenüber schüttelte energisch den Kopf und seufzte.
„Kommen Sie mir nicht mit so einem Kinderkram, Potter. Sie brauchen mich. Sie sind nicht hier, weil Sie noch so viele andere Möglichkeiten haben. Denken Sie, das weiß ich nicht? Ich will meine Freiheit zurück. Meinetwegen sichere ich ihnen zu, dass ich mich für den Rest meines Lebens nicht mehr in diesem Teil der Welt, ihrer Welt aufhalten werde. Aber ich will frei sein. Dies ist meine einzige und unverhandelbare Bedingung", betonte Lucius nachdrücklich.
„Lucius, bitte", warf jetzt Severus vermittelnd ein. Für seinen Geschmack pokerte sein Freund viel zu hoch, und Miss Granger würde eventuell die Leidtragende in diesem kleinen Machtspiel sein.
„Nein!", erklärte Lucius entschlossen in Severus' Richtung. „Ich werde meine Meinung nicht ändern. Garantieren Sie mir meine Freiheit und ich kümmere mich um das Problem!"
Harry sprang auf. Er konnte jetzt einfach nicht mehr sitzen bleiben. Seine Gedanken rasten. Er durfte diesen ehemaligen Todesser, dieses gefährliche, machtbesessene Individuum, doch nicht einfach frei lassen. Würde sich dieser Mann nicht wieder gegen diejenigen wenden, gegen die er die meiste Zeit seines Lebens gekämpft hatte? Harry machte sich keinerlei Illusionen darüber, warum Lucius Malfoy in den letzten Minuten des Krieges die Seiten gewechselt hatte. Da war ganz klar eiskaltes Kalkül im Spiel gewesen. Malfoy hatte es schon immer verstanden, sich aus allen Schwierigkeiten herauszuwinden. So, wie gerade jetzt auch.
Harry tigerte einige Male auf und ab. Ihm war bewusst, wie dämlich er sich hier verhielt und dass ihn zwei Augenpaare wahrscheinlich ziemlich spöttisch dabei verfolgten, wie er einen sichtbaren Pfad in Lucius' guten Perserteppich trat.
Mit einem tiefen Seufzen blieb Harry nach einer erneuten Wanderung neben seinem Stuhl stehen und setzte sich wieder.
„Ich weiß nicht, wie ich Ihre Freilassung begründen soll. Abgesehen davon, dass ich keinerlei Befugnis habe, sie zu erwirken."
„Sie sind auf eigene Faust hier, stimmt's?", sagte Lucius wissend. „Es gibt keinen Zaubergamot und kein Ministerium in dessen Auftrag Sie handeln?"
„Nein", antwortete Harry ehrlich, in der Hoffnung, dass Malfoy einsah, dass seine Forderung total überzogen war und er sich vielleicht doch auf den von Harry vorgeschlagenen Deal einließ.
„Tja, dann kann ich Ihnen leider nicht helfen", versetzte Lucius mit bedauerndem Gesichtsausdruck.
„Lucius, Ausgang einmal im Monat hört sich doch auch gut an", versuchte Snape die Situation zu retten.
„Willst du mich verarschen, Severus?"
Lucius fiel für einen kurzen Moment aus der Rolle des feinen Aristokraten mit Stil, gelassener Würde und vor allen Dingen, gewählter Aussprache. Er reagierte unheimlich ungehalten darüber, dass nicht einmal sein bester Freund verstand, dass er einfach die Gelegenheit ergreifen musste, seine Freiheit wiederzuerlangen. Mit steinerner Miene wandte sich Lucius wieder Harry zu, nicht ohne vorher Severus, der über Lucius' Ausbruch verärgert die Lippen zusammen presste, mit einem warnenden Blick zu bedenken.
„Meine Freiheit! Nichts mehr und nichts weniger!
Immerhin muss ich mir die Hände für Sie dreckig machen, ganz zu schweigen von eventuellen Toten, die ich mir auf mein Gewissen lade. Das hat seinen Preis!", erklärte Malfoy gebieterisch und schnitt Harry, der etwas erwidern wollte mit einer rigorosen, endgültigen Handbewegung das Wort ab.
„Meine Freiheit! Es ist mir egal, wie Sie es anstellen und das ist mein letztes Wort."
Harry fluchte im Stillen vor sich hin. Warum hatte er sich nur eingeredet, dass es eine gute Idee war, herzukommen. Er würde in der Hölle, falls es eine gab, dafür schmoren, aber er wusste auch, dass ihm nichts anderes übrig blieb, als Malfoys Forderung nachzugeben, wenn Hermine noch eine Chance haben sollte.
„Gut, Ihre Freiheit. Sie werden sie bekommen. Aber nur, wenn Miss Granger unversehrt bleibt und wenn sie X ausfindig machen", antwortete er schweren Herzens und fühlte regelrecht, wie sich die Schlinge um seinen Hals zuzog.
„....und ich will den unbrechbaren Eid. Sie müssen schwören, dass Sie nicht einfach still und leise verschwinden, ohne vorher Ihre Aufgabe erledigt zu haben."
Obwohl es Harry zutiefst zuwider war, dass er überhaupt solche Gedanken hegte, hoffte er, als er Lucius Malfoy seine Freilassung zusicherte, dass dieser vielleicht bei seinen Nachforschungen auf irgendeine zufällige Art und Weise ums Leben kam, und er somit dieses Problem aus der Welt hatte. Vielleicht fand sich ja irgendein alter Rivale, der sich an dem Slytherin rächen wollte. Nun, was ihn, Harry anging, so konnte dieser alte Feind mit Malfoy machen was er wollte, solange dieser ihm vorher die gewünschten Informationen gab.
Severus Snape atmete vernehmlich aus, während Lucius keinerlei Regung zeigte, von einem nervösen Zucken um seine Mundwinkel einmal abgesehen.
„Mein Wort als Malfoy reicht Ihnen wohl nicht", schmunzelte Lucius.
„Nein, in diesem Falle reicht es tatsächlich nicht. Ich muss Gewissheit haben, denn ich riskiere meinen Hintern für Sie und Sie müssen mir schwören, nach getaner Arbeit, die sie natürlich im Verborgenen erledigen müssen, England für immer den Rücken zu kehren."
Lucius nickte zustimmend. „Vielleicht setzte ich mich ja in der Karibik zur Ruhe. Da gibt es ein paar schöne Inselchen, es ist warm dort ....", sinnierte er, den Blick in die Ferne gerichtet.
„Vorerst haben Sie noch eine Aufgabe und denken Sie daran, Sie müssen Erfolg haben, sonst werde ich Ihren aristokratischen Hintern höchstpersönlich nach Askaban verfrachten, und Sie werden dort in einer feuchtkalten, dunklen Zelle für den erbärmlichen Rest Ihres Lebens verrotten", drohte Harry nachdrücklich.
„Ich bin mir ziemlich sicher, dass Sie das tun würden und unendliches Vergnügen dabei hätten, aber dieser Fall wird nicht eintreten. Ich werde Erfolg haben, Potter", versprach Lucius und in diesem Moment gab es niemanden in diesem Raum, der von diesen Worten nicht überzeugt war, da sie mit solcher Nachdrücklichkeit ausgesprochen worden waren.
„Dass hoffe ich für Sie und vor allen Dingen für Miss Granger, Malfoy", antwortete Harry, stand auf, reckte seine rechte Hand Malfoy entgegen, der sie ohne zu zögern ergriff, während Severus in Ermangelung eines eigenen Zauberstabes, den er natürlich vor Betreten von Malfoy Manor hatte abgeben müssen, den seines ehemaligen Schülers nehmen musste, um den unbrechbaren Schwur zu vollziehen.
Nach der Zeremonie versprach Harry innerhalb der nächsten zwei Stunden wiederzukommen, um den präparierten Zauberstab zu bringen und Lucius und Severus heimlich aus dem schwer bewachten Herrenhaus zu lotsen.
Sobald Harry die Tür von Malfoys Arbeitszimmer hinter sich geschlossen hatte, wandte sich Severus ungehalten an seinen Freund.
„Bei Merlins Bart, Lucius, was wäre passiert, wenn er nein gesagt hätte? Ich dachte, dir liegt etwas an Miss Granger?"
„Selbstverständlich liegt mir was an ihr, Severus."
Lucius drehte sich bei diesen Worten zu Severus herum und dieser nahm den äußerst gehetzten und besorgten Ausdruck auf Lucius' Gesicht wahr. Malfoy hatte seine Maske, die er für Harry Potter eisern aufrecht gehalten hatte, abgelegt. Nun schien es, als würde Lucius unter der Wucht der Gefühle, die durch ihn hindurch rauschten schier zusammenbrechen. Er musste unter extremer Anspannung gestanden haben, die jetzt langsam aus dem großgewachsenen Körper des Anderen wich, denn Lucius' Schultern sackten nach vorn und er machte einen abgekämpften Eindruck.
„Ich hätte es auch getan, wenn er meine Forderung nicht akzeptiert hätte", gab Lucius müde zu und wischte sich mit einer erschöpften Bewegung über das Gesicht. „Verstehst du denn nicht, dass ich das tun musste? Ich hab einfach hoch gepokert, geblufft und gewonnen. Hauptsache ist, dass ich dieses Haus endlich verlassen kann. Dass ich nicht bis zum Ende meiner Tage in diesem nutzlosen Kasten vergammeln werde. Noch dazu habe ich eine Aufgabe und ich schwöre, ich werde dem Wicht, der Hermine das angetan hat, mit Vergnügen langsam die Haut vom Körper ziehen", kündigte Lucius wütend an und sein Gesicht verzerrte sich zu einer grimmigen Miene. Es war ihm schwer gefallen, bei Potters Erzählungen äußerlich völlig gleichgültig zu bleiben. Am liebsten hätte er mit einigen Gegenständen um sich geworfen, vor Wut und Frustration, weil er nicht da war, um sie zu beschützen. Obwohl sie das wohl auch nicht zugelassen hätte. Verdammte Emanzipation! Narzissa hätte sich niemals zu solch gefährlichen Unternehmungen hinreißen lassen. Seine Anspannung brach sich in gewohnter Weise bahn, indem er den großen leuchtendroten Briefbeschwerer, der einen Feuerdrachen darstellte, von seinem Schreibtisch nahm und mit aller Kraft an die Wand warf.
„Beruhige dich, Lucius!" ermahnte ihn Snape und drückte ihm ein übervolles Glas alten, bernsteinfarbenen Cognac in die Hand, den er sich aus den geheimen Vorräten Lucius' eingegossen hatte. „Potter hat nur davon gesprochen, dass du Informationen einholen sollst. Du hast keine Lizenz zum Töten von irgendwelchen größenwahnsinnigen, mordlustigen Zauberern bekommen", erinnerte der der Tränkemeister seinen Freund.
„Ich beruhige mich erst, wenn das Schwein tot zu meinen Füßen liegt, und was Potter mir zugesteht oder nicht, das interessiert mich nicht. Ich tue das, was ich für richtig halte und mit Verlaub, Severus, ich traue diesen Hohlköpfen einfach nicht zu, dass sie der Lage Herr werden und nehme die Dinge selber in die Hand", erklärte Lucius wutschnaubend und stürzte seinen Cognac mit großen Schlucken hinunter, während Severus theatralisch seufzte.
Der alte Lucius war also wieder zurückgekehrt und mit ihm seine himmelschreiende Arroganz, dachte Severus. Es war bekanntermaßen zwecklos, den Freund zur Besonnenheit zu ermahnen. Das Einzige, was er tun konnte, war mitzukommen und ihn eventuell von schweren Fehlern abzuhalten oder auch nicht. Das würde er einfach vor Ort entscheiden, beschloss Severus.
„Himmel, ich wage gar nicht daran zu denken, was ihr in der Zwischenzeit, in der wir hier reden und auf Potter warten, alles passieren kann", schnaubte Lucius in sein Glas. Er versuchte, sich nicht allzu sehr zum Narren zu machen; auch wenn Severus sein einziger Freund war und ihm über die Jahre immer treu zur Seite gestanden hatte, wollte er nicht, dass der Andere zu sehr in seine Gefühlswelt involviert wurde.
Was er für Hermine empfand, ging nur ihn selbst etwas an. Es war über die Jahre schon schwer genug gewesen, sie weitestgehend aus seinen Gedanken zu verbannen.
Nachdem sie ihn damals verlassen hatte und er dachte, er würde sie niemals wieder sehen, war er verzweifelt gewesen. Tagelang hatte er sich in seinem Schlafzimmer eingeschlossen. Er konnte gar nicht begreifen, wie dieses Mädchen, nein, diese junge Frau es fertig gebracht hatte, ihn in den paar Wochen, die sie bei ihm war, um den kleinen Finger zu wickeln. War es nur seine Einsamkeit, die dies bewirkt hatte? Lechzte er nur nach körperlicher Befriedigung, die er mit ihr ausleben konnte, oder gingen die Gefühle etwa tiefer? Er wusste es nicht so recht. Er fand es schon merkwürdig, dass er sich nach der Gesellschaft eines Schlammblutes sehnte. Das konnte doch nur heißen, dass er anfing wirklich verrückt zu werden, oder?
Doch das dumpfe Brennen in der Magengegend, welches er empfand, wenn er an sie dachte, ging nicht weg. Es wurde mit der Zeit zwar erträglicher, aber die Leere und der Druck waren eigentlich immer da. Er sehnte sich nach ihr. Nach dem frischen Duft ihrer Haare, der Berührung ihrer schlanken Hände, nach dem leisen Stöhnen, welches sie von sich gab, wenn er sie an gewissen Stellen berührte, nach ihrem manchmal feurigen und dann wieder nachdenklichen Blick aus ausdrucksvollen braunen Augen, nach ihren hitzigen Streitgesprächen, einfach nach ihr. Er vermisste sie mit jeder Faser seines Herzens und wurde immer deprimierter, weil er erkannte, dass es diesmal selbst für ihn unmöglich sein würde, das zu bekommen, was er sich wirklich wünschte. Wenn er sich gedankenverloren in die Haut seiner Unterarme ritzte und ruhig und entspannt zusah, wie sein Blut hell und rot in dünnen Rinnsalen den Körper verließ, hatte er nur einen Gedanken, dieses Leben, in dem es keine Zukunft und kein Glück mehr für ihn gab, für immer zu verlassen.
Glücklicherweise hatte er trotz aller Bemühungen sich umzubringen überlebt, und vielleicht bestand eine kleine Chance, dass, wenn er sie finden und sie wohlbehalten aus den Klauen dieses Monsters befreien würde, sie bei ihm blieb. Dies wünschte er sich mehr als alles andere. Der Gedanke setzte sich wie ein Parasit in seinem Kopf fest, sobald er Potters Angebot gehört hatte. Dies motivierte ihn dazu, sich Potter entgegenzustellen und auf seine Freilassung zu pochen. Der Gedanke an Hermine und ein vielleicht glückliches Leben mit ihr weitab der Zaubererwelt ließ ihn die Kraft finden, zu kämpfen, und diese Kraft, so schwor er sich, würde ihn aufrecht erhalten, solange, bis er sie gefunden hatte. Und selbst, wenn sie es ablehnte mit ihm zusammen zu sein, dann hatte er wenigstens die Genugtuung, sie am Leben und in Sicherheit zu wissen, bis sie sich den nächsten Gefahren stellte. Warum konnte sie nicht so einen harmlosen Job wie zum Beispiel Maßschneiderin bei Madame Malkins ergreifen, fragte er sich schon zum wiederholten Mal.
Weil, wenn sie Schneiderin wäre, dann hättest du sie gar nicht näher kennen gelernt, sagte eine Stimme in seinem Kopf und er gab ihr Recht. Es war so schon erstaunlich, mit welcher Präsenz sie seit drei Jahren in seinem Leben und vor allen Dingen in seinen Gedanken war.
Selbstverständlich würde er sich nicht nur damit begnügen, herauszufinden wo und von wem Hermine gefangen gehalten wurde. Es bestand keinerlei Zweifel für ihn, dass er derjenige sein würde, der wie ein todbringender Sturm über diejenigen hereinbräche, die ihr zu schaden versuchten. Lucius riesengroßes Ego war ihm in diesem Fall eine große Hilfe, da er nicht den geringsten Gedanken daran verschwendete, dass er eventuell allein gegen eine Menge ziemlich böser Kreaturen würde kämpfen müssen und vielleicht sogar sein Leben dabei verlor.
„Wir sollten das Nötigste zusammenpacken. Potter wird bald zurückkommen", drang Severus Stimme in Lucius Gedanken, und er nickte abwesend.
„Natürlich, mein Freund. Es wird nur ein paar Minuten dauern", versprach er und schickte sich an, das Zimmer zu verlassen. Im Herausgehen legte er seine Hand auf Severus' Schulter.
„Danke, Severus!"
„Wofür?" Snape zog eine Augenbraue nach oben.
„Für alles, deine Freundschaft, dafür, dass du die ganzen Jahre über immer für mich da warst und mich mehr als einmal vor dem Tod gerettet hast, und natürlich für deinen Alkoholschmuggel", zählte Lucius auf und grinste schief beim bei der Erwähnung des letzten Postens.
Severus grinste ebenfalls und überspielte das Gefühl der Sentimentalität, welches sich plötzlich zwischen ihnen auszubreiten drohte, wie ein großes, weißes Laken. „Ich weiß nicht, warum dies niemand all die Jahre gemerkt hat", sinnierte Severus.
„Vielleicht, weil irgendjemand deiner Vorfahren Pirat war und dir das schmuggeln einfach im Blut liegt?", scherzte Lucius.
„Ich denke nicht so. Vielleicht bin ich nur ein recht guter Zauberer, der Dinge vor anderen verbergen kann", untertrieb Severus und schubste Lucius leicht in Richtung Tür.
„Geh und verabschiede dich von deinem Haus. Du wirst es wohl niemals wieder betreten."
„Da gibt es nicht viel zu verabschieden. Severus. Ich hasse mittlerweile jede einzelne Ecke, jeden Gegenstand, jedes Zimmer in diesem Haus und bin überaus froh, niemals wieder hierher zurückkehren zu müssen", winkte Lucius gelassen ab und verschwand durch die Tür.
Nach kurzer Zeit war er schon wieder zurück. Bei sich trug er eine kleinere Louis Vuitton-Reisetasche, die er auf den Stuhl, in dem vor kurzem noch Harry Potter gesessen hatte, fallen ließ. Mit einigen langen Schritten durchmaß er den Raum und klappte das große Porträt seines Vaters, welches über dem marmornen Kamin hing, zurück. Er murmelte ein paar Worte und einer der roten Backsteinziegel in der Wand klappte zur Seite.
„Netter Trick!" lobte Severus trocken, der aufmerksam Lucius' Tun beobachtet hatte.
„Stablose Magie, mein Freund. Ich kann damit nicht viel bewirken, aber für das Verbergen einiger weniger wichtiger Dinge reicht es", erklärte Lucius ungewöhnlich bescheiden über die Schulter. Er wusste, dass Severus Snape wesentlich gewandter im Anwenden dieser ungewöhnlichen Art von Magie war, als er.
Lucius holte einige zusammengerollte Pergamente und drei zweifellos mit Gold prall gefüllte lederne Beutel aus der entstandenen Öffnung, die er ebenfalls in seine edle Reisetasche packte. Kurz hielt er inne, schien sich an etwas zu erinnern und wandte sich noch einmal zu dem offenen Safe. Nach kurzem Suchen hatte er das kleine rote Schächtelchen gefunden, welches er keinesfalls zurück lassen wollte. Auch, wenn der Inhalt für andere wertlos war, für ihn besaß er einen ganz besonderen Wert, auch wenn dieser sentimentaler Natur war.
Er hatte gerade das Bild seines Vaters wieder an seinen Platz gerückt, als Harry eintraf, ihm wortlos den versprochenen Zauberstab überreichte und ihm mitteilte, dass für genau zwei Minuten sämtliche Zauber über Malfoy Manor außer Kraft gesetzt sein würden. Lucius würde Zeit genug haben, um wo auch immer er hin wollte zu apparieren. Wie der Auror das angestellt hatte, würde für immer ein Geheimnis bleiben.
Noch einmal sah sich Lucius in seinem luxuriösen Arbeitszimmer um, ergriff dann seine Tasche, nickte Potter ernst zu. „Sie werden von mir hören", erklärte er, während er Snape instruierte, wo sie sich treffen würden.
„Winkelgasse, Ecke Nockturngasse, in einer Stunde", raunte er seinem Freund zu und war in der nächsten Sekunde verschwunden.
Harry Potter und Severus Snape verließen auf herkömmlichem Wege das nun leere Haus.
Sie hatten das Grundstück noch nicht verlassen, als sich mit einem leisen Summen der magische Schild wieder über das Haus und den dazugehörigen Park spannte.
„Wie werden Sie Lucius' Abwesenheit erklären?", fragte Severus, während er neben Harry zum nächsten Apparierpunkt schritt.
„Gar nicht! Irgendwann wird man feststellen, dass es Lucius Malfoy fertig gebracht hat, zu fliehen. Ich werde bezeugen, dass er noch da war, als ich das Grundstück verließ", erklärte er seinem ehemaligen Lehrer zögernd und ein wenig blass im Gesicht. Dieser nickte ernst. Harry Potter würde bewusst lügen, um einen ehemaligen Todesser zu decken. Dies war, falls es herauskam, ein unentschuldbares Vergehen und strafbar. Potter riskierte alles.
„Lucius wird Erfolg haben", bemerkte Severus aus einer Laune heraus, dem niedergeschlagenen Mann neben sich ein wenig Hoffnung zu geben. Er wusste ziemlich genau, wie der sich jetzt fühlte, und obwohl er Zeit seines Lebens diesen Jungen nicht gemocht hatte, empfand er jetzt so etwas wie Mitleid mit ihm.
„Das will ich hoffen", seufzte Harry und fühlte sich schwach und ausgelaugt. Am liebsten würde er alles wieder rückgängig machen. Aber diesen Zeitpunkt hatte er definitiv verpasst. Nun musste er auf einen schwarzmagischen, unberechenbaren Zauberer mit Hang zur Grausamkeit vertrauen, und dieser Gedanke behagte ihm gar nicht.
„Haben Sie ein Auge auf ihn", bat er Snape noch einmal nachdrücklich. Severus nickte ernst, raffte seine schwarze Robe um sich und war im nächsten Moment verschwunden. Kurz danach folgte Harry.
Tbc.
