Titel: Lebenslänglich – Die Rückkehr -
Autor: Eve
Rating: P 18
Beta: Lady of the Dungeon
Typ: Harry Potter Fanfiction
Pairing: Lucius Malfoy/Hermine Granger
Warnung für dieses Kapitel: keine
Disclaimer: Leider gehört Lucius immer noch nicht mir. Alle Charaktere gehören Frau Rowling. Die Idee zu dieser Story ist aber von mir!
Kapitel: Neun
~~~~~~~~~~~~LM/HG~~~~~~~~~~~
5. Januar (14:00 Uhr)
Lucius schluckte den riesigen Kloß in seinem Hals herunter und nickte, während Severus neben ihm die Luft scharf einzog. „Ich bin einverstanden, unter der Bedingung, dass ich den Teil meines Körpers auswählen darf, den du für deine Dienste erhält."
„Och nöö", jammerte Ahriman und stampfte, wie ein ungezogenes Kind mit dem Fuß auf. „Warum seid ihr Menschen immer so danach bestrebt, mir jeglichen Spaß zu verderben? Ich wette, du wählst etwas total Unwichtiges, etwas, was du nicht mal vermissen wirst, wenn es fort ist?"
„Es ist mein Recht, zu bestimmen was ich gebe, denn ich muss es freiwillig geben", erklärte Lucius bestimmt und sah dem Dämon fest ins Gesicht. Nicht zum ersten Mal beglückwünschte er die Genauigkeit, die sein Vater in den meisten Dingen an den Tag gelegt hatte. Er hatte wirklich alles zu dem Thema Shalakka Dämonen herausgefunden und aufgeschrieben, was es zu wissen gab und Lucius war schlau genug gewesen, auch wirklich alle seine Aufzeichnungen darüber zu lesen, auch wenn sie ihm, vor Jahren, als er sie bekam, nicht so wichtig erschienen. Nebenbei beglückwünschte er sich natürlich auch über seinen brillantes Gedächtnis, welches nach so langer Zeit immer noch alles genau gespeichert hatte.
„Du!", sagte Ahriman und stupste Lucius mit einem krallenbewehrten Zeigefinger unsanft in die Brust. „...bist wirklich ein schlauer Mann, Lucius Malfoy. Du kennst dich aus mit den Regeln und Gesetzen, die zwischen unseren beiden Spezies herrschen, was wirklich bedauerlich ist. Denn so bekomme ich heute wieder nicht das Körperteil, was ich mir wünsche". Die roten Augen in dem weiblichen Gesicht leuchteten begehrlich auf, während der Blick tiefer glitt und an Lucius' Körpermitte hängen blieb. Der presste in einer plötzlichen Bewegung heftig seine Beine zusammen. Ganz sicher würde er sich nichts abschneiden lassen und schon gar nicht sein edelstes Körperteil. Ich konnte mich einfach nicht beherrschen. lach
„Mein Blut", presste er hervor. „Es ist mein Blut, welches du bekommen wirst und nur soviel, dass ich noch in der Lage bin, diesen Ort auf meinen eigenen Beinen zu verlassen", erklärte er bestimmt und wieder zog Severus neben ihm die Luft scharf ein.
„Vielleicht will ja dein Begleiter noch was spenden?" Ahriman gab nicht so leicht auf. Aber Lucius trat ein wenig vor Severus und verdeckte so den direkten Blick des Monsters auf seinen Freund. „Nein", erklärte er entschieden, bevor Severus dazu kam selbst zu antworten. Snape schloss den schon geöffneten Mund wieder. Immerhin war er mit Lucius einer Meinung und somit erübrigte sich eine Antwort.
„Spielverderber!", bezichtigte ihn Ahriman halbherzig. „Langweilig, alle wollen nur Blut geben. Wo sind die schönen Zeiten hin, als man uns Arme, Beine, Augen und sogar manchmal Penise geopfert hat?", fragte Ahriman und reckte theatralisch die Arme gen Höhlendecke, während er näher schritt, die Lippen hochzog und sein furchteinflößendes Gebiss bleckte. Offensichtlich überlegte er, wo er am besten Lucius Blut entnehmen könnte und ließ dabei nicht im Unklaren auf welche Weise er Lucius Blut konsumieren wollte.
„Du kannst mein Blut aus meinem Arm entnehmen." Schnell hatte Lucius den Ärmel hochgezogen und hielt den linken Unterarm, der noch immer bandagiert war, in die Höhe. Ahriman seufzte. „Nicht mal beißen lassen willst du dich. Es macht absolut keinen Spaß mit dir Geschäfte zu machen"
„Ich steh nicht so sehr auf Beißen", entschuldigte sich Lucius ungerührt. Nach einem weiteren lauten Seufzer nahm Ahriman den Arm mit einer schnellen, fast nicht zusehenden Bewegung. Mit dem Nagel seines kleinen Fingers schlitzte er die weißen Mullbinden in einem Zug von oben bis unten auf. Locker vielen die Teile vor Lucius Füße. „Oh, auf deinem Arm befinden sich ja mehr Narben, als Knochen unter meinem Thron!", teilte Ahriman interessiert mit und strich einmal leicht über das dichte Narbengewebe, welches auch, die schwarze Todessertätowierung in unzähligen feinen weißen Linien durchzog. „Dann fällt eine neue Narbe ja gar nicht auf", maulte er unglücklich und im selben Moment schlitzte derselbe Nagel, wie vorher tief durch Lucius Haut. Brennender Schmerz durchzuckte den Blonden. Es war eine Sache, sich immer wieder vor lauter Verzweiflung die Haut zu ritzen, um zu sehen, ob man noch am Leben war, oder hier ein williger Blutspender für einen dunklen Dämon zu sein, der wer weiß was mit seinem Blut vorhatte.
Plötzlich hatte Ahriman eine blau leuchtende Viole in der Hand. Diese hielt er an Lucius' Wunde, dessen Blut in wahren Bächen aus seinem Arm austrat und wie ein leuchtend roter Fluss sich sprudelnd seinen Weg über die weiße Haut bahnte. Geduldig hielt Lucius still und sah zu, wie sein Lebenssaft seinen Körper verließ. Er fühlte, dass Severus von hinten an ihn heran getreten war und ihm die Hand auf die Schulter legte. Der Freund gab ihm stumm Kraft und Lucius lehnte sich leicht in diese Berührung. Es tat gut, nicht allein vor diesem rotäugigen, blutdurstigen Dämonen zu stehen.
Nachdem die Phiole zur Hälfte voll war und Lucius schon ein leichtes Schwindelgefühl verspürte, verschloß der Dämon die Flasche. Er zog Lucius Arm schnell an sich heran, eine grüne, vorn gespaltene Zunge, kam aus seinem Mund und ehe Lucius überhaupt Gelegenheit hatte zu reagieren, leckte der Dämon über die von ihm zugefügte Wunde. Diese verschloß sich sofort und das Blut versiegte. Angeekelt zog Lucius den Arm weg und rollte schnell den Ärmel seines Hemdes darüber.
„Ach, Mensch. Ich wollte dir nur einen Gefallen tun. Ich habe die Wunde wieder verschlossen. Sie wird nicht weiter bluten", seufzte der Dämon beleidigt.
„Dämonen tun nichts ohne Hintergedanken", klärte Lucius Ahriman auf. „Ich hätte jetzt gerne meine Fragen gestellt", fuhr er fort und trat einen Schritt zurück. Es war besser einen kleinen Sicherheitsabstand zu halten, wer weiß, was diesem Ding noch alles einfiel.
Ahriman hingegen leckte sich noch einmal genüsslich über die Lippen und lächelte verschlagen. „In der Tat, eigentlich wollte ich nur mal am lebenden Objekt überprüfen, ob du auch so gut schmeckst, wie du aussiehst. Und ich muss feststellen, dass ich es sehr bedauere, dass du keinen weiteren Körperkontakt willst.", jammerte Ahriman und führte den empört schnaubenden Lucius an die Seite, schräg hinter dem Thron. Dort stand, verborgen von einigen schmierig-wabbelnden rosa leuchtenden Erhebungen, die wie dicke Gewebeklumpen aussahen, ein weiß-marmoriertes Becken – ähnlich einem Denkarium.
„Sieh hinein, Lucius Malfoy und stelle deine Fragen", befahl ihm Ahriman ernst und blieb abwartend neben ihm stehen.
Lucius betrachtete seine unmittelbare Umgebung mit den ekelerregenden, sich leicht bewegungen Klumpen mit Abscheu, ehe er auf das kleine, leere Becken zu trat. Mit einer fahrigen Bewegung schlug er sein Haar nach hinten, damit es ihm nicht in die Augen fiel und womöglich verdeckte, was das Becken ihm zeigte. Er konzentrierte sich und überlegte krampfhaft.
Ihm waren nurr zwei Fragen gewährt worden und er musste eine Menge Informationen aus diesen zwei Fragen herausholen.
„Wo befindet sich Miss Hermine Granger zur Zeit?"
Es gab eine Menge Fragen, aber diese schien ihm am wichtigsten.
In dem Becken bildeten sich durchsichtige Nebelschwaden. Lucius kniff seine Augen zusammen und sein Kopf beugte sich nach unten. Ganz verschwommen, nahm er auf dem Grund des Beckens ein Bild auf, welches allmählich schärfer wurde. Jedoch nicht so gestochen scharf war, wie er es gerne gehabt hätte. Es sah aus, wie eine Felsformation. Nackter, grauer Fels, in dem am unteren Teil ein großes Loch klaffte. Dieses Loch wurde von einigen hoch schlagenden Wellen immer wieder halb überspült. Aha, eine Grotte, dachte sich Lucius und starrte weiter angestrengt in das Becken, um noch mehr Einzelheiten auszumachen. Doch das Bild kam nicht näher und veränderte sich auch nicht. Nach einigen Augenblicken verschwand es wieder.
„Dies war die Beantwortung der ersten Frage", erklärte der Dämon neben Lucius und sah ihn beifallheischend an. „Das war viel zu ungenau", regte sich Lucius auf und zeigte anklagend auf das Becken. „Dieser Ort kann überall sein. Ich verlange, dass mir genauere Informationen auf meine Frage gegeben werden"
„Du hast nichts zu verlangen, Lucius Malfoy", zischte der Dämon böse und trat nah an Lucius heran, so nah, dass Lucius jede einzelne lange Wimper an den großen Augen des Dämons erkennen konnte. „Du hast eine Frage gestellt und das Becken hat dir geantwortet. Mehr wird es dir nicht zeigen und wenn du deine bisher sehr angenehme Höflichkeit nicht bei bei behälst dann überlege ich mir, ob ich dir das Stellen der zweiten Frage überhaupt gestatte. Ich verlange Respekt, Lucius Malfoy. Keine Frechheiten mehr. Ist das klar?", zischte Ahriman, jetzt überhaupt nicht mehr amüsiert und starrte Lucius finster an. Sein gesamter Körper strahlte reine Bosheit und eine gewisse Bedrohung aus und Lucius bekam einen Vorgeschmack darauf, wie es sein würde, wenn er den Dämon weiter reizte.
„Gut, dann die zweite Frage", lenkte Lucius ein und wandte sich wieder dem Becken zu. Seine Hände umkrampften verzweifelt den Rand des Beckens. So hatte er sich das nicht vorgestellt. Er hatte die Möglichkeiten überschätzt. Jetzt aber musste er eben das Beste aus seiner Situation machen und somit kam es jetzt auf die zweite Frage an.
„Wie gelangt Mr. X zu Hermine", wollte er nach kurzem Zögern wissen und hoffte, dass ihm nicht das gleiche Bild, wie eben gezeigt wurde und er auch noch einen Blick auf diesen ominösen Mr. X erhaschen konnte.
Der Nebel bildete sich erneut und zeigte ein Hochplateau, von dem aus man in der Ferne und weit in der Tiefe das wässrig-stürmische Grau eines tosenden Ozeans zu sehen war und welches von einigen mächtigen Bäumen mit weit heraus ragender Krone und einer sehr charakteristischen dicken Borke, gesäumt war. Dort materialisierte sich eben ein schlanker hochgewachsener Mann. Leider war der Zauberer von Kopf bis Fuß in dunkle , alles verhüllende Kleidung gewandet und das Bild war reichlich unscharf, so dass Lucius keine Einzelheiten erkennen konnte. Was er aber erkannte, war, dass dieser Mann sich an den Rand des Plateaus begab, mit seinem Zauberstab eine wellenförmige Bewegung ausübte und damit einen mannsgroßen Fels bewegte. Darunter war ein dunkles Loch zu erkennen, in das der Mann ohne zu zögern stieg. Das Becken fühlte sich wieder mit weißem Nebel und das Bild verblasste. Lucius starrte noch geschlagene fünf Minuten auf das Nichts vor ihm, ehe er seufzend den Kopf hoch nahm.
Ein Wort formte sich in Lucius Kopf. Portugal! Hermine befand sich in Portugal. Er war ganz sicher. Er hatte die Bäume auf dem Plateau erkannt. Korkeichen! Sie waren charakteristisch für eine ganz bestimmte Gegend in Portgual. Er wusste das, weil er schon einige Male in seinem Leben dort war. Eines seiner Ferienhäuser befand sich in dieser Region, was für ihn von Vorteil war, da er dort also auch sofort eine Unterkunft hatte, zu der er apparieren konnte und dies war eine große Zeitersparnis und würde helfen, Hermine noch vor der Frist ausfindig zu machen. Er würde diese Grotte finden, koste es was es wolle. Lucius rieb sich die Augen, welche von dem angestrengten Starren brannten. Dieser Mann, den er da gesehen hatte, erinnerte ihn an jemand. Aber er wusste nicht an wen. Nun, er würde mit Sicherheit herausfinden, wer dieser Mann war, denn immerhin würde dieser Mann durch seine Hand sterben.
„Ist sie noch am Leben?" fragte er, in der irrigen Hoffnung, dass ihm das Becken auch noch eine dritte Frage gewährte.
„Du hattest deine beiden Fragen, Lucius Malfoy", sprach Ahriman und verschränkte seine Arme in einer schlangengleichen Bewegung vor seiner großen Oberweite.
„Ich hätte es wirklich gern gewusst", seufzte Lucius. Der Gedanke, dass er vielleicht zu spät kommen könnte, nagte unaufhörlich an ihm. Er wusste nicht, was er tun würde, wenn sie tatsächlich schon tot war. „Ich hätte gerne gewusst, ob es ihr wenigstens gut geht", sinnierte er fast verzweifelt weiter. Seine Beine wurden weich und er musste sich am kalten Stein des Beckens abstützten. Eine kleine Schwäche von dem fehlenden Blut herrührend, dachte er, während er alle seine Kräfte zusammen nahm und sich wieder hoch stemmte. Eine hämisch klingende Stimme in seinem Hinterkopf flüsterte allerdings, dass er Angst hatte, Angst zu spät zu kommen. Angst zu versagen, Angst sie zu verlieren. Obwohl er sie ja eigentlich niemals hatte, nicht so, wie man eine Geliebte, eine Partnerin, hatte. Aber das spielte für ihn keine Rolle.
„Sagen sie es ihm", ließ sich Severus tiefe Stimme vernehmen und der Schwarzhaarige trat aus dem Hintergrund auf Ahriman zu. Der schüttelte mit dem Kopf, so stark, dass die feuerroten Haare, wie lebende Flammen um seinen Kopf züngelnden.
„Der Deal war zwei Fragen gegen sein Blut. Ich habe meine Abmachung erfüllt und jetzt geht", erklärte er abweisend.
„Neuer Deal! Mein Blut gegen zwei weitere Fragen", erklärte Severus energisch und wickelte bereits den Armel seines Hemdes nach oben, nachdem er die Robe einfach von den Schultern gestreift und zu Boden fallen lassen hatte.
„Nein, Severus. Das wird nicht nötig sein", Lucius schüttelte mit dem Kopf und richtete sich krampfhaft wieder auf. Er musste einfach noch ein bisschen durchhalten. Irgendwann konnte er sich Schwäche erlauben, aber nicht jetzt. Nicht wenn sein Freund vorhatte, einen gefährlichen, vielleicht lebensbedrohenden Handel mit einem Dämon einzugehen. Auch, wenn er selbst diesen Handel ohne zu zögern getätigt hatte. Dies war seine Sache, sein Kreuzzug. Severus musste dies nicht tun.
„Haben wir einen Deal?", fragte Snape ohne auf Lucius zu achten und ging noch einen Schritt näher auf den abwartend, dastehenden Arihman zu.
Ahriman sah seine erneute Chance gekommen und nickte, ohne seinen Blick von den schwarzen Augen Severus' zu nehmen. „Deal! Aber nur eine Frage sei gewährt, Severus Snape".
Severus hatte keine Gelegenheit mehr diesem nicht akzeptablen Abkommen zu widersprechen.
Mit einer schnellen Bewegung, griff Ahriman in den Nacken Snapes und zog ihn blitzschnell, mit ungeheurer Kraft an sich heran. Ehe es Severus oder der erschrockenen hinzuspringende Lucius noch verhindern konnte, hatte der Dämon bereits seine Zähne in Severus' Hals gebohrt und schmatzte laut, als sein Blut in seinen Mund lief. Ächzend versuchte sich Severus aus dieser Verbindung zu lösen, sah aber schnell ein, dass er es riskierte eine Teil seines Halses in des Dämons Mund zu lassen, wenn er jetzt versuchte, sich loszureißen. Also stützte er sich mit beiden Händen an den schmalen Schultern der Kreatur ab und krächzte in Lucius' Richtung.
„Stell schon Deine Frage, Lucius, schnell!"
Lucius hatte seinen Zauberstab gezogen und zielte auf die beiden ineinander verschlungenen Individuen vor ihm. Leider musste er einsehen, dass er Severus nicht helfen konnte und als Severus ihn bat die so teuer erkaufte Frage zu stellen, brachte er es einfach nicht übers Herz, dieses überaus großzügige Angebot seines besten Freundes nicht anzunehmen.
„Wie ist Hermine Grangers Gesundheitszustand?", wollte er an das Becken gewandt wissen.
Wieder kam der bekannte Nebel auf und dann sah Lucius das Innere der Höhle. Ehe er überhaupt etwas erkennen konnte, wechselte das Bild noch einmal und dann sah er Hermine. Er nahm jedenfalls an, dass sie es war, denn das kleine, in Lumpen gehüllte Bündel Mensch, welches da an Ketten gefesselt auf dem steinernen Boden hockte, sah eigentlich nicht so aus, wie die Frau, die er erst vor ein paar Tagen im St. Mungo gesehen hatte. Aber die buschigen Haare, die jetzt unordentlich, ja geradezu wirr von ihrem Kopf hingen, ließen keinen Zweifel daran, wer da gepeinigt und gefangen auf dem Boden hockte. Lucius schloss stöhnend die Augen. Sie hatte sich bewegt, also lebte sie noch. Allerdings ging es ihr nicht gut, das konnte er sehen, so undeutlich das gesamte Bild auch war. Das schmutzige Braun auf ihrer zerissenen Kleidung und der teilweise bloß gelegten Haut, war nicht nur Dreck gewesen. Er erkannte geronnenes Blut, wenn er es sah.
Ein ersticktes Gurgeln aus dem Hintergrund ließ ihn aufblicken. Severus war erschreckend blass geworden, blasser als sonst. Eigentlich schon kalkweiß. Er konnte sich kaum noch auf den Beinen halten und der Dämon hing an ihm und trank, als gelte es den Mann in seinen Armen völlig leerzusaugen. Lucius sah das blanke Entsetzen in Severus Augen stehen und dies brachte ihn in das Hier und Jetzt zurück.
„Aufhören, sofort!", donnerte Lucius und zog seinen Zauberstab. Ahriman schluckte geräuschvoll weiter.
„Sectumsempra!"
Lucius handelte sofort und legte seine gesamte Wut auf den unersättlichen Dämon und die Umstände, die es überhaupt erforderlich gemacht hatten, dass sie hier waren, gepaart mit einer entschlossen-leidenschaftlichen Willenskraft in den Fluch und einer der Gewebeklumpen in der Nähe verfärbte sich blutrot, als der Fluch mit einem hässlichen Zischen ihn traf. Blut spritzte meterweit und man konnte hässliche Wunden sehen, die sich quer über die gallertartige Oberfläche zogen. Offensichtlich musste man etwas nur mit aller Kraft wollen, dann klappte auch der Zauber, selbst mit diesem billigen, manipulierten Zauberstab, freute sich Lucius grimmig und zielte auf den nächsten Klumpen.
„NIIIIIIICHT!", schrie der Dämon und löste sich von Severus, der leise stöhnend in die Knie ging.
„Ich werde nicht zögern auf alles hier zu feuern und zu vernichten, wenn du ihn nicht in Ruhe lässt. Er hat mehr als genug bezahlt, Ahriman", drohte Lucius zornig, während in seinen Augen eine solch grimmige Entschlossenheit aufloderte, dass selbst der Dämon, der nicht so leicht aus der Ruhe zu bringen war und ohne Frage sehr viel mehr Möglichkeiten zur Vernichtung hatte, als Lucius sich das überhaupt vorstellen konnte, zu eingeschüchtert war, um mit einem Gegenschlag Lucius zu vernichten oder zumindest zu entwaffnen.
Versöhnlich hob Ahriman beide Hände. „Gut, gut. Die Sache ist mehr als genug bezahlt. Ihr beide solltet jetzt gehen", erklärte er, während er die restlichen Gewebeklumpen mit ängstlichen Blicken bedachte.
„Ja, in der Tat. Das sollten wir.", nickte Lucius und beugte sich zu seinem Freund herunter, der leicht schwankend auf seinen Knien saß. „Wird es gehen, Severus?"
„Es muss einfach", antwortete Snape und richtete sich mit Hilfe des blonden Zauberers wieder auf. Lucius schlang einen Arm um Snapes schmale Taille und stütze ihn, was dem Schwarzhaarigen überhaupt nicht gefiel. Viel zu viel Körperkontakt. Aber der Blutverlust war einfach zu groß und Severus fühlte, dass er allein einfach zu schwach war, um sich aufrecht zu halten.
„War das nicht ein bisschen viel Blut?", fragte er den Dämon ungehalten.
„Nun, ja Severus Snape. Du hast noch was gut. Wer weiß, wofür Du den Bonus eines Tages noch einmal brauchst.", sprach Ahriman kryptisch und wedelte mit den Händen, zum Zeichen, dass die Audienz vorbei war und die Beiden gehen sollten.
„Ich werde dich garantiert nicht brauchen, niemals!", erklärte Severus entschlossen und ließ sich ein wenig unwillig von Lucius Richtung Ausgang mitziehen.
„Wir werden sehen", murmelte Ahriman lächelnd und mit den geschmeidigen Bewegungen einer Katze kletterte er wieder auf seinen goldenen Thron. Nicht bevor er mit einer alles umspannenden Handbewegung wieder Ordnung in das bluttriefende Chaos, welches Lucius angerichtet hatte, gebracht hatte.
„Beehrt mich aber nicht sobald wieder", säuselte er noch, ehe die beiden Zauberer aus seinem Blickfeld verschwanden.
Tbc.
