Titel: Lebenslänglich – Die Rückkehr -

Autor: Eve

Rating: P 18

Beta: Lady of the Dungeon

Typ: Harry Potter Fanfiction

Pairing: Lucius Malfoy/Hermine Granger

Warnung für dieses Kapitel: Gewalt, Folter, Hurt

Disclaimer: Leider gehört Lucius immer noch nicht mir. Alle Charaktere gehören Frau Rowling. Die Idee zu dieser Story ist aber von mir!

Kapitel: Zwölf

~~~~~~~~~~~~LM/HG~~~~~~~~~~~

6. Januar (14:15 Uhr)

Mit zur Schau gestellter Gelassenheit und innerer Genugtuung sah Malfoy zu, wie Avery, völlig überrascht von diesem plötzlichen Akt körperlicher Gewalt, wie eine Puppe in sich zusammensackte, während er mit beiden Händen seine blutende Nase hielt. Zwischen den Fingern rann der rote Lebenssaft unablässig hindurch. Dennoch konnte Lucius nicht anders, als noch einen brutalen Fußtritt in Averys Bauch zu landen, der den Mann, der ohnehin schon am Boden lag, dumpf aufstöhnen und sich zusammen krümmen ließ. Dies fand Lucius nur gerecht für die Qualen, die der Zauberer Hermine hatte zukommen lassen. Mitleid für seine Feinde war Malfoy ohnehin völlig fremd. In der Vergangenheit war Lucius auch dafür bekannt gewesen, eiskalt und berechnend seine Ziele zu verfolgen und für ihre Verwirklichung nicht gerade rücksichtsvoll vorzugehen. Er war loyal zu denen, die es seiner Meinung nach verdienten und gnadenlos unbarmherzig zu den Menschen, die nicht auf derselben Seite standen wie er. Es machte meist nicht viel Unterschied, dass es sich bei den Personen, die Lucius' Rache zu fürchten hatten, auch um ehemalige Verbündete handelte, denen der Zauberer aus für ihn völlig logischen Gründen seine Gunst entzog. Der Aristokrat mochte zwar zur Zeit auf der Seite der Guten stehen, aber er war noch immer derselbe Mensch, der einstmals ein bedingungsloser Gefolgsmann des Dunklen Lords gewesen war, mit all seinen guten, aber auch sehr vielen schlechten Charaktereigenschaften.

In Lucius schwelte kalte, gnadenlose Wut, die er einfach nicht länger in sich verschließen konnte. Sie entlud sich in diesem einzigen brutalen Faustschlag. Soviel also zum schönen Plan, unerkannt hinein zu schleichen, Hermine zu befreien und unerkannt und unentdeckt wieder hinaus zu schleichen, wisperte eine spöttische Stimme in seinem Kopf. Nun, immerhin hatte er ein wenig Vergeltung geübt, was ihm eine nicht geringe Genugtuung verschaffte. Alles andere würde sich eventuell finden.

Giles Avery hatte sich Malfoys Zorn schon in dem Augenblick zugezogen, als Lucius die Höhle betrat und den ehemaligen Todesser erkannte. Keinen Augenblick lang hatte Lucius geglaubt, er stünde Mr. X persönlich gegenüber. Avery hatte nicht das Zeug zum Anführer. Er besaß weder das geniale Organisationstalent für diesen Job, noch strahlte er die geeignete Autorität aus, ganz zu schweigen davon, dass er eher ein mittelmäßiger Zauberer war. Nein, Lucius vermutete, dass Avery eher die rechte Hand von X sein könnte, obwohl er, Lucius, dies Avery ebenfalls nicht zutraute. Immerhin hatte aber Lucius in Avery schon einmal eine Person gefunden, die ihm womöglich weiterhelfen konnte. Er würde diesen Bastard einfach wie eine Küchenschabe am Boden zertreten, sobald er ihm gesagt hatte, was er wissen wollte.

Allerdings liefen die Dinge dann anders und Lucius hatte gar keine Gelegenheit mehr Avery zu befragen. Er brauchte es auch nicht, weil die Gruppe der Neuankömmlinge praktisch sofort zu der an die Wand geketteten Gefangenen geleitet wurde. Offenbar war Hermine die Hauptattraktion und auf dem Weg zu ihr pägte sich Luicus, der sich aufmerksam umsah die Örtlichkeiten ein.

Nachdem Malfoy sich noch einmal überzeugt hatte, dass er den schwarzmagischen Zauberer bewusstlos geschlagen hatte und somit von Avery vorerst keine Schwierigkeiten zu erwarten waren, wandte er sich der immer noch am Boden liegenden Hermine zu. Sie schien bewusstlos zu sein. Ihr Atem ging flach und ihre Augen waren geschlossen.

Sein Herz krampfte sich unwillkürlich zusammen, als er sah, in was für einem erbarmungswürdigen Zustand sie war. Eigentlich hätte er sie sich greifen, sie von ihren Ketten befreien und sofort mit ihr verschwinden müssen, aber der Anblick, den sie bot schockte sogar ihn, der während Voldemorts Glanzzeiten genügend Gelegenheit gehabt hatte, den hässlichen Anblick von gefolterten Menschen ertragen zu lernen. Erschüttert ließ er sich neben ihr auf die Knie nieder und zog sie behutsam in seine Arme. Vorsichtig wischte er ihr die verschwitzten und vor Schmutz starrenden Haarsträhnen aus dem blassen, verschwollenen Gesicht und betete darum, dass sie aus ihrer tiefen Ohnmacht, in die der Cruatus sie getrieben hatte wieder aufwachte. Er verdrängte die eiskalte Wut, die immer noch wie ein Vulkan in ihm schwelte und flüsterte eindringlich in ihr Ohr, „Hermine komm zu dir, bitte!"

Hinter ihm kam es zu tumultartigen Aktivitäten, als die neu angekommenen Zauberer, verschreckt durch die kürzlichen Ereignisse erst einmal laut zu beratschlagen begannen, wie sie sich verhalten sollten. Glücklicherweise kam erst einmal niemand auf den Gedanken, die Todesser zu informieren, die nicht weit entfernt um diverse Lagerfeuer versammelt waren.

Lucius machte sich keine Illusionen darüber, dass dies lange so bleiben würde. Sehr bald schon würde er sich gegen eine Übermacht wütender, rachsüchtiger und brutal vorgehender Zauberer zu verteidigen haben, und es war besser, Hermine von ihren Ketten zu befreien und eventuell einen Vorsprung herauszuschlagen, oder sich zumindest eine vorteilhafte Verteidigungsportion zu suchen. Außerdem hoffte er, dass Severus sich mittlerweile so weit erholte hatte, dass er ihm gefolgt war und ihm vielleicht, wenn er den Zauber am Einfang irgendwie außer Kraft setzen konnte, bald zu Hilfe eilen würde.

Lucius beugte sich besorgt über Hermine und fühlte den Puls an der Halsschlagader. Er schlug unregelmäßig, aber dennoch kräftig. Offenbar war es nicht leicht, die junge Frau in den Tod zu treiben und dafür war Lucius sehr dankbar. Er ignorierte vorerst Hermines schlechten Zustand, ihre Verletzungen, die teilweise verheilt, teilweise auch frisch waren, ihre eingesunkenen Augen, ihre blasse, kränklich aussehende Haut und konzentrierte sich zunächst auf die Ketten, die an ihren ebenfalls fast bis zum Knochen aufgeschürften Handgelenken befestigt waren. Er hoffte inständigst, dass sein unzureichender Zauberstab genügend Magie freisetzte, um die Schlösser der Ketten zu sprengen, denn er hatte keine Lust, Avery oder sonst wen nach dem Schlüssel zu durchsuchen.

Lucius murmelte den entsprechenden Spruch und stellte erfreut fest, dass seine eigene Magie, die Zeit gehabt hatte, sich zu regenerieren, zusammen mit der des Zauberstabes offenbar ausreichte, jedenfalls für banale Dinge. Mit einem hässlichen und viel zu lauten Rasseln fielen die Ketten von Hermines Armen, und das plötzliche Fehlen des schweren Eisens an ihren Extremitäten oder vielleicht auch das sanfte Zurückstreifen ihrer Haare bewirkte, dass sie die Augen langsam öffnete.

„Lucius?", kam es dünn von ihren Lippen, während sie ungläubig das nicht zugeschwollene Auge wieder schloss, um es jedoch im nächsten Moment wieder aufzureißen. Sie starrte ihn wie eine plötzlich aufgetauchte Fata Morgana unbläubig an.

„Ja, Cara, ich bin's", Lucius lächelte sie erleichtert mit einer Zuversicht an, die er überhaupt nicht empfand. Dennoch war er so unglaublich froh, dass sie halbwegs am Leben war und ihn sogar erkannte, dass er unwillkürlich ein zärtliches Kosewort für Hermine gebrauchte, welches er noch niemals ihr gegenüber benutzt hatte und es ihm überhaupt nicht merkwürdig vor kam, dass er es verwendete. Es fühlte sich einfach richtig an, auch wenn sie im Moment garantiert keine Zeit für Zärtlichkeiten hatten. Eine unerklärliche Wärme ergriff sein Herz, und er konnte gar nicht anders, als ihr zu zeigen, wie viel sie ihm bedeutete. Wenngleich sie im Moment dies wohl gar nicht zu schätzen wusste und auch nicht merkte, wie sehr er sich ihr dadurch offenbarte.

Hermine hingegen war sicher, dass sie nur träumte. Es konnte nicht sein, dass ausgerechnet der Mann, den sie in einer tiefen Depression vorgefunden und zurückgelassen hatte, der Mann, der eigentlich wieder bei lebenslänglichem Arrest in Malfoy Manor einsitzen müßte, jetzt hier war und sie tatsächlich von all ihrem Leid erlösen und retten sollte. Mit jedem anderen hatte sie gerechnet, aber ganz bestimmt nicht mit ihrem ehemaligen, kurzzeitigen Liebhaber.

„Lucius, bist du das wirklich?" Sie zupfte ihn zaghaft am Arm, darauf gefasst, dass da gar nichts war und ihre Hand lediglich nur eine Handvoll Luft ergreifen könnte. Doch was sie fühlte, war warm, fest und definitiv vorhanden.

„Ja, leibhaftig, und wenn du nicht doch gerne hier bleiben willst, sollten wir jetzt verschwinden", mahnte Lucius unruhig und versuchte Hermine mit sich nach oben zu ziehen.

Da war kein Gedanke mehr an den Rest seines Auftrages. Er wollte Hermine zunächst in Sicherheit wissen, ehe er sich mit Mr. X beschäftigte. Selbst mit diesem Abschaum Avery, der immer noch in seliger Bewusstlosigkeit am Boden lag, wollte sich Lucius nicht weiter abgeben. Sein Augenmerk war zu einhundert Prozent auf Hermine und ihre Rettung gerichtet.

Allerdings hatte er die Rechnung ohne Giles Avery gemacht, der sich nun langsam von Lucius' Faustschlag und dem darauf folgenden, erbarmungslosen Fußtritt erholte, und der den Slytherin, zusammen mit Hermine, ganz bestimmt nicht so einfach gehen lassen würde.

„Hier geblieben, Malfoy", ächzte Avery und richtete sich mühevoll wieder auf. Aus einer ver borgenen Lasche in seinem Stiefel zog Giles böse grinsend einen zweiten Zauberstab und richtete ihn auf Lucius und Hermine.

„Glaubst du ernsthaft, du könntest hier einfach so raus marschieren und das Schlammblut mitnehmen?", grollte der ehemalige Todesser mit tiefer Stimme.

Lucius umfasste Hermine mit einem Arm und presste sie mit aller Kraft an sich. Die junge Frau konnte nur mit Mühe stehen und klammerte sich ihrerseits an den groß gewachsenen Mann an ihrer Seite. Mit der anderen Hand hielt Lucius nun ebenfalls seinen Zauberstab auf Avery gerichtet.

„Wenn du uns gehen lässt, werde ich dich nicht töten", erklärte Lucius mit eiskalter Stimme. Sein Gesicht war zu einer leblosen, entschlossenen Maske erstarrt. Lucius hatte nichts zu verlieren, aber alles zu gewinnen. Er war bereit jeden aus dem Weg zu pusten, der sich ihm in den Weg zu stellen wagte. Mit eiserner Kompromisslosigkeit würde er sich seinen Weg bahnen. Immerhin wusste er, dass sein Stab zumindest einen bösartigen Fluch zu wirken bereit war. Er würde Hermine keinesfalls hier lassen. Entweder entkamen sie beide ― oder keiner von ihnen.

Avery war mindestens ebenso entschlossen, Lucius und Hermine nicht entkommen zu lassen. Seine braunen Augen funkelten geradezu vor Entschlossenheit. Außerdem wusste Avery, dass er eine nicht unbeträchtliche Anzahl Mitstreiter im Rücken hatte, denen es sicherlich ein Vergnügen war, den beiden auf genussvolle Art und Weise zum Sterben zu verhelfen.

„Malfoy, du warst schon immer ein größenwahnsinniger, arroganter Mistkerl. Siehst du nicht, wo du dich befindest und mit wem du es hier zu tun hast?" Avery vollführte eine kreisförmige Bewegung mit dem Arm, die die ganze Höhle umfasste.

Lucius entging durchaus nicht, dass er in einer ausweglosen Situation steckte. Aus den Augenwinkeln nahm er wahr, wie sich eine Menge Zauberer langsam in einem Kreis um sie herum versammelte. Seine Ohren vernahmen leises, empörtes Geflüster, und er brauchte seinen Blick nicht von Avery abzuwenden, um zu sehen, wie viele Zauberstäbe bedrohlich auf sie gerichtet waren.

„Lucius!",wisperte Hermine an seiner Seite. Sie war sich ebenfalls im Klaren darüber, in welch einer missratenen misslichen Lage sie waren. „Lass mich hier und sieh zu, dass du hier raus kommst", raunte Hermine ihm zu und versuchte sich von seinem Griff zu befreien.

„Ich denke gar nicht daran, entweder wir beide oder keiner", informierte sie Lucius entschlossen und presste sie nur noch stärker an sich. Nach allem, was er durchgemacht hatte, würde er sie keinesfalls zurück lassen. Ein Malfoy war viel zu stolz, einfach aufzugeben. Außerdem war es selbst dazu zu spät. Er würde es höchstwahrscheinlich auch ohne sie nicht schaffen, lebend hier heraus zu kommen.

„Lucius!" Hermine verzog schmerzhaft ihr Gesicht. Lucius' Arm presste ihr die Luft aus den Lungen. Sie hatte noch eine Information für ihn, die sie ihm dringend geben musste. Doch er reagierte nicht auf sie. Seine ganze Aufmerksamkeit war von anderen Dingen in Anspruch genommen.

Jetzt wäre eine gute Gelegenheit für dich, Severus, dachte Lucius, während er überlegte, wo die eine Schwachstelle war, an der er ansetzten konnte, um sich den Weg freizuschießen. Severus ließ sich unendlich Zeit, um aufzutauchen. Verdammt, es musste ihm doch schon lange so gut gehen, dass er sich auf den Weg machen konnte, um Lucius zu folgen. Lucius hatte dem Freund magische Wegzeichen hinterlassen, die es ihm ermöglichten den Weg in die Höhle zu finden. Für Snape sollte es eigentlich ein Kinderspiel sein, die Banne um den Felsen aufzuheben. Er war als Fluchbrecher wesentlich erfahrener als Lucius.

Leider war weit und breit nichts von Snapes weiter wehender schwarzer Robe zu sehen, und Lucius entschloss sich, nicht länger auf ein Wunder zu warten.

„Avery, du bist ein Schwachkopf, wenn du glaubst, dass ich mich ausgerechnet von dir und ein paar gedungenen Schergen aufhalten lasse", erwiderte Lucius gewohnt arrogant, und in einer fließenden Bewegung riss er seinen Zauberstab nach oben und feuerte schnell hintereinander einige gezielte Flüche in die Menge. Auch, wenn es so aussah, als hätte Lucius wahllos auf die ihn umstehenden Zauberer gezielt, so war dem nicht so. Nacheinander brachen fünf Männer von mehreren Sectumsempri getroffen, blutüberströmt und laut vor Schmerzen schreiend zusammen.

Avery riss nun ebenfalls seinen Zauberstab in die Höhe, aber sein hastig hervor gestoßener Fluch traf lediglich den Schildzauber, den Lucius schnell vor sich aufgebaut hatte.

Nun brach in der Tat die Hölle los. Während Lucius und Hermine unter dem von Lucius aufrecht erhaltenen Schild schnell durch die Menge eilten, trafen unzählige Flüche den unsichtbaren Bann um die Beiden. Dennoch brach der Zauber nicht zusammen. Lucius hatte viele Jahre Zeit gehabt, seine Magie zu sammeln. Das, was er nicht durch das Apparieren von Großbritannien nach Portugal verbraucht hatte, leitete er jetzt in diesen Abwehrschirm. Er wusste instinktiv, dass er angesichts der feindlichen Übermacht auf gar keinen Fall auf andere Weise fliehen konnte. Es war unmöglich gleichzeitig die schlaff in seinen Armen hängende Hermine festzuhalten, sie mitzuziehen, Flüchen auszuweichen und gleichzeitig selbst zu feuern. Seine einzige Chance lag darin, einen Zauber um sie beide zu wirken, der stark genug war, die ausnahmslos schwarzmagischen Flüche abzuhalten und diesen Schutzschild wie einen Rammbock zu benutzen, um sich durch die unentwegt auf sie schießenden Zauberer zu schieben.

Vor Anstrengung lief Lucius der Schweiß in Strömen über das Gesicht. Das Salz darin brannte in seinen Augen. Er hatte keine Zeit dem abzuhelfen.

Mit aller Kraft drängte Lucius vorwärts. Wie durch eine unsichtbare Hand wurden seine Gegner aus dem Weg geschleudert, sobald sie von dem unsichtbaren Schild berührt wurden. Sie brachen sich eine Bahn durch die Menschenmenge, und ehe die anderen es sich recht versahen, hatten sie die Zauberer hinter sich gelassen. Mit Hermine im Arm, die mehr schlecht als recht versuchte mit seinen langen, ausholenden Schritten mitzuhalten, hastete Lucius den steinigen Weg zurück zum Tunnel. Der unsichtbare Schirm um die Flüchtenden glühte noch immer vereinzelt auf, wenn Flüche ihn trafen. Doch die Angriffe waren viel zu ungezielt, um tatsächlich Schaden anzurichten. Lucius wusste, würden diese Holzköpfe sich einigen und seinen Schild gezielt an einem Punkt beschießen, war es nur eine Frage von Sekunden, bis der Schildzauber zusammenbrach. Aber solange wollte er nicht warten. Sein Ziel war es, den dunklen, schmalen Gang zu erreichen und durch ihn zur Oberfläche zurück zu fliehen. Da der Weg durch den Fels sehr eng war, konnten nur maximal zwei Personen nebeneinander laufen und es war dann leichter für den Zauberer, die Verfolger durch einige gezielte Flüche entsprechend lange aufzuhalten. Lucius gesamte Hoffnung galt Severus, der ihnen bis dahin von der Erdoberfläche her entgegen kommen sollte.

Mit weit ausgreifenden Schritten eilte er weiter, dem dunklen Loch entgegen, welches der Eingang zum Tunnel war.

Hermine, die kaum noch die Kraft hatte, sich auf den Beinen zu halten, stolperte plötzlich. Da Lucius selbst sich zu sehr auf den Tunneleingang konzentriert hatte, glitt sie ihm aus seinen verschwitzten Händen. Mit einem dumpfen Schmerzenslaut schlug Hermine auf den steinigen Boden, und obwohl Lucius sofort umgekehrte, um sie wieder auf die Füße zu ziehen, war es schon zu spät.

Mit einem Aufschrei, der schon fast nichts Menschliches mehr an sich hatte, warf sich Avery, der die Verfolger anführte, auf Hermine und begrub sie unter seinem Körper. Mit einer Geschwindigkeit, die Malfoy dem etwas dicklichen Avery niemals zugetraut hätte, kam dieser wieder auf die Füße und zog Hermine mit sich nach oben.

Wie einen Schutzschild hielt der Schwarzmagier die teilnahmslos wirkende Frau vor sich.

„Na, Malfoy, was wirst du jetzt tun? Hol sie dir, falls du dich traust!, keuchte Avery bösartig. Mit einem wölfischen Grinsen starrte er Lucius an. Beide hatten den Zauberstab erhoben. Lucius jedoch hatte noch immer den Bann um sich. Um einen Fluch abzufeuern, musste er zumindest eine Strukturlücke schaffen, und das verschaffte der Gegenseite eine ausgezeichnete Möglichkeit ihn ebenfalls zu treffen. Abgesehen davon, dass er vielleicht Hermine verletzen konnte, wenn er sich verschätzte. Lucius überdachte in Windeseile seine Möglichkeiten.

„Na, Großkotz, Angst, das wertlose Schlammblut zu treffen?", provozierte Avery weiter, und um das Maß endgültig voll zu machen, leckte er mit seiner Zunge über Hermines blau geschlagene Wange. Hermine drehte den Kopf angewidert zu Seite, konnte aber nicht verhindern, was Avery mit ihr machte.

Etwas in Lucius zerbrach. Heißer, ungezügelter, bodenloser Hass wallte in ihm auf, sein Blut brodelte vor Rachsucht, und sein männlicher Stolz schien ihn schier zu zerreißen. Hermine war sein, auch wenn sie selbst das sicher anders sehen würde. Aber für ihn war sie seine Geliebte, die Frau, für die er bereit war alles zu tun, und Avery hatte soeben eine unsichtbare Grenze überschritten; dies konnte und wollte Lucius einfach nicht tolerieren.

Der Bann um ihn herum erlosch, und im gleichen Moment raste mit einem hässlichen Zischen ein rotgoldener Fluch auf Averys Kopf zu. Der Zauberer fand keine Zeit mehr zu reagieren. Zu sehr hatte er sich auf Hermine in seinen Armen konzentriert und sich darauf verlassen, dass Malfoy nicht auf ihn schießen würde, solange er die Hexe als Geisel vor sich hielt. Mit einem widerlichen Klatschen traf der Fluch Avery an der Stirn, fraß sich in Sekundenschnelle durch seinen Kopf hindurch und trat am anderen Ende als leises Ploppen wieder aus.

Für einen Moment erstarrte jegliche Bewegung, jedweder Laut erstarb. Man hörte nur Hermines erschrecktes Keuchen, als Giles Avery sie losließ und mit einem ungläubigen Ausdruck, wie ein Stein zu Boden sank

„Leg dich nicht mit Leuten an, die eine Nummer zu groß für dich sind", fauchte Lucius wütend in Averys Richtung. Leider konnte der Mann Lucius nicht mehr hören, aber da waren noch eine ganze Menge anderer Zauberer, an die diese Warnung durchaus ebenfalls gerichtet war. Ehe die Meute darauf reagieren konnte, dass der ehemalige Todesser einen der ihren gemeuchtelt hatte, bewegte sich Lucius einige Schritte nach vorn und zog mit einer besitzergreifenden Geste fest in die Arme. Die junge Frau war noch immer ziemlich benommen, hatte aber soviel Geistesgegenwart, sich an ihrem Retter festzuhalten. Lucius wirkte fast zeitgleich den schützenden Bann um sie und wandte sich in Fluchtrichtung, um endlich den Gang, von dem sie nicht mehr weit entfernt waren, zu erreichen.

Eine Stimme, die überlaut, durch einen Zauber verstärkt, zu ihm drang, ließ ihn jedoch schlagartig inne halten.

„Du willst doch nicht etwa gehen, bevor du mir guten Tag gesagt hast, VATER!"

Lucius' vor Anstrengung gerötetes Gesicht, wurde kreidebleich, als er die Stimme seines tot geglaubten Sohnes hörte. Hermine eng an sich gedrückt und den Zauberstab eisern mit der anderen Hand umklammernd, drehte er sich langsam um.

„Draco? Das kann nicht sein!", entfuhr es Malfoy ungläubig. Seine Augen suchten den Mann, der ihn eben mit Dracos Stimme angesprochen hatte.

Auf einer Erhebung, ein wenig weiter entfernt und im diffusen Halbdunkel der Höhle kaum zu erkennen, stand eine hochgewachsene Gestalt. Als sie merkte, dass die Aufmerksamkeit sämtlicher Anwesenden auf sie gerichtet war, hob sie eine behandschuhte Hand und zog sich die Maske, die bisher ihr Gesicht und damit ihre Identität verborgen hatte, langsam herunter.

Langes, weißblondes Haar fiel locker auf schmächtige Schultern.

Ein blasses, fein geschnittenes Gesicht mit strahlend blauen Augen und einem schmalen, verkniffen wirkenden Mund offenbarte sich. Die Ähnlichkeit mit Lucius war tatsächlich verblüffend. Es war, als starre man in ein jüngeres Antlitz des älteren Zauberers. Auch der letzte Zweifler wusste in diesem Augenblick, dass der tot geglaubte Sprössling Lucius Malfoys doch noch am Leben war.

„Draco! Merlin, das kann einfach nicht wahr sein", stammelte Lucius erschüttert und hatte Mühe auf den Beinen zu bleiben.

Dreizehn lange Jahre hatte er geglaubt, sein Sohn sei auf dem Schlachtfeld gestorben. Dreizehn lange Jahre hatte er sich die Schuld für diesen Tod gegeben, und dreizehn lange Jahre hatte er um seinen Sohn getrauert.

Und nun stand sein Junge hier und schien quicklebendig: Eine schreckliche Ahnung, die eigentlich schon fast Gewissheit war und ihn wahrhaft würgen ließ, stieg in ihm auf.

„Du bist Mr. X", entfuhr es Malfoy, während sein jüngeres Spiegelbild teuflisch über das blasse Gesicht grinste und wortlos nickte.

Tbc.