Titel: Lebenslänglich – Die Rückkehr -

Autor: Eve

Rating: P 18

Beta: Lady of the Dungeon

Typ: Harry Potter Fanfiction

Pairing: Lucius Malfoy/Hermine Granger

Warnung für dieses Kapitel: keine

Disclaimer: Leider gehört Lucius immer noch nicht mir. Alle Charaktere gehören Frau Rowling. Die Idee zu dieser Story ist aber von mir!

Kapitel: Dreizehn

~~~~~~~~~~~~LM/HG~~~~~~~~~~~

6. Januar (15:15 Uhr)

„Lass deinen Zauberstab fallen und ergibt dich, Vater. Du wirst ohne meine ausdrückliche Erlaubnis niemals hier heraus kommen."

Draco sprang lässig von dem großen Steinhaufen und bahnte sich einen Weg durch die Ansammlung seiner Anhänger, die ihm hastig Platz machten und eine Gasse schufen, die er hoheitsvoll mit langen Schritten durchquerte.

„Das war es, was ich dir vorhin zu sagen versuchte, Lucius. Dein Sohn lebt", murmelte Hermine resigniert an Lucius' Seite und versuchte, sich so wenig wie möglich auf ihn zu stützen. Sein Körper verspannte sich und der Griff ,mit dem er sie eisern umklammerte, war so fest, dass Hermine sicher war, dass sie Lucius' Fingerabdrücke noch sehr lange Zeit auf ihrem Arm würde sehen können. Der Bann um sie herum war noch immer aktiv.

Kurz vor Lucius und Hermine hielt Draco an und verschränkte die Arme vor der schmalen Brust. Eine fein geschwungene, schwarze Augenbraue glitt nach oben, und er blickte konsterniert auf seine beiden Besucher.

„Den Bann, Vater", forderte er den Älteren mit kalter, unpersönlicher Stimme auf. „Löse den Bann, dann können wir reden."

„Reden?" Lucius sah seinem Sohn prüfend und irgendwie immer noch ungläubig ins Gesicht, als würde sich Draco in der nächsten Sekunde in jemand anders verwandeln. „Warum hast du die ganze Welt... und vor allen Dingen mich im Glauben gelassen, du seist tot? Kannst du dir eigentlich gar nicht vorstellen, wie sehr deine Mutter und ich darunter gelitten haben, als wir glauben mussten, dass du nicht mehr am Leben bist, und wir nicht einmal einen Körper hatten, den wir bestatten konnten?"

„Mit Verlaub, Vater. Du selbst bist ein Todesser gewesen. Wir beide kämpften für das gleiche Ziel, für den gleichen Mann... jedenfalls bis kurz vor dem Ende. Während du dich entschlossen hast, die Seiten zu wechseln, um dein lächerliches Leben in Sicherheit zu bringen, ging ich einen anderen, konsequenteren Weg und wäre ich tatsächlich gestorben, dann wäre es eben mein Schicksal gewesen. Du hast doch damit rechnen müssen, dass ich sterbe, also spiel hier nicht den armen Vater, der um sein Kind getrauert hat. Ich habe jedenfalls das große Ziel nicht aus den Augen verloren, im Gegensatz zu dir."

Draco kam noch einen Schritt auf Lucius zu, und dieser war so durcheinander aufgrund der plötzlichen Wendung der Ereignisse, dass er nicht die Kraft und Entschlossenheit aufbrachte, dem jüngeren Mann die Stirn zu bieten. Das erste Mal in seinem Leben wich er vor etwas jemand zurück, auch wenn es sein eigen Fleisch und Blut war.

Eine schmale Frauenhand schob sich in seine. Hermine versuchte ihm beizustehen, ihm irgendwie über diese immense Enttäuschung hinwegzuhelfen. Er merkte es nicht einmal. Sein ganzes Denken und Fühlen war auf den blonden jungen Mann gerichtet, der vor ihm stand und dessen Existenz allein für Lucius momentan ein einziger Schock war.

Lucius' Herz verkrampfte sich. Er hatte niemals gewollt, dass sein Junge überhaupt bei der letzten Schlacht dabei war. Draco hatte sich damals entgegen seines ausdrücklichen Verbots auf das Schlachtfeld geschlichen, und Lucius hatte sich all die Jahre die bittersten Vorwürfe gemacht, seinen Sohn nicht eindringlicher gewarnt zu haben. Er hätte ihn einfach fesseln und einsperren sollen, dachte er oftmals. Offenbar waren die Selbstvorwürfe umsonst gewesen. Draco hatte alle ausgetrickst - wie auch immer er das angestellt hatte - und erfreute sich also bester Gesundheit.

„Das große Ziel?", echote Lucius. „Junge, weißt du eigentlich, auf was du dich da eingelassen hast?"

„Ich bin kein Kind mehr, Lucius", zischte Draco jetzt erbost. „Ich weiß genau, worauf ich mich eingelassen habe. Ich führe zu Ende, was ER nicht geschafft hat, und du kannst mir glauben, VATER." Draco spuckte Lucius dieses Wort verächtlich vor die Füße. „ICH werde nicht scheitern, so wie ER. Ich werde die magische Welt, und so Merlin will, auch irgendwann die Muggel unterwerfen." Draco reckte sein spitzes Kinn energisch nach vorn. Seine blauen Augen leuchteten fanatisch auf, und Lucius erkannte, dass sein Kind nicht länger nur sein Kind war, sondern auch ein äußerst gefährlicher, verblendeter und vielleicht nicht ganz zurechnungsfähiger Mann.

„Ich ergebe mich. Allerdings erbitte ich medizinische Betreuung für Miss Granger", forderte Lucius. Draco sah seinen Vater spöttisch an. „Du hattest schon immer eine Schwäche für junge Frauen, stimmst? Aber dass du soweit gehst und dich an ein Schlammblut heran machst, hätte ich nicht gedacht."

Lucius presste die Lippen fest zusammen. Er wollte seinen früheren Lebenswandel nicht vor seinem Sohn rechtfertigen und das Letzte, über das er diskutieren wollte, war seine Einstellung zu Schlammblütern im Allgemeinen und zu Hermine im Besonderen. Ihr gehörte noch immer sein Herz, auch, wenn sie soviel trennte, und er würde nichts tun, was ihr schaden konnte.

Hermine hingegen zuckte noch immer bei der Nennung des Schimpfwortes zusammen. Sie hatte erwartet, dass Lucius etwas dazu sagen würde, aber er drückte nur einmal beruhigend ihre Hand. Sie vermutete, dass er es für klüger hielt, nichts zu sagen. Inständig hoffte sie, dass dies der Grund für sein Schweigen war. Nicht auszudenken, wenn er immer noch auf diese verächtliche Weise von ihrer Herkunft dachte.

„Nun gut, meinetwegen. Das Schlammblut bekommt die medizinische Hilfe", nickte Draco herablassend und streckte seine Hand aus. „.. und jetzt gib mir den Zauberstab."

Lucius resignierte. Er konnte sich jetzt nicht einfach den Weg frei schießen, die Flucht ergreifen und seinen Sohn hier zurück lassen. Ganz abgesehen davon, dass er nicht in der Lage war, den Zauberstab auf sein Kind zu richten, und ihm womöglich einen unangenehmen Fluch auf den Hals zu hetzen. Er musste herauszufinden, was passiert war und zumindest versuchen, Draco vielleicht noch vor dem Abgrund zurück zu ziehen, auf den der Junge zusteuerte. Er hoffte sehr, dass Hermine ihn verstand. Ihre schmale Hand, die immer noch in der seinen ruhte beruhigend drückend, löste er den Bann, und ein hölzernes Klappern auf dem steinernen Untergrund der Höhle zeigte an, dass er den Zauberstab fallen gelassen hatte.

„Gut, dann komm und nimm das Schlammblut mit." Draco warf noch einen letzten, angewiderten Blick auf die Leiche Giles Averys. Er ließ sich den Stab des Toten von einem seiner Anhänger geben und steckte ihn in seine weite Robe. Dann schritt er, ohne seinen Vater oder Hermine noch einen Blick zu schenken, voran.

Der junge Malfoy ging auf einen Bereich der Höhle zu, in dem weder Hermine und auch Lucius noch nicht gewesen waren.

Ein Fels glitt ebenso wie jener am Eingang einfach zu Seite und offenbarte einen kleinen Raum, in dem sich Draco offenbar häuslich eingerichtet hatte. Ein warmes Licht umfing sie und suggerierte ihnen Geborgenheit.

Draco trat beiseite und winkte seine beiden Begleiter lässig hindurch.

„Tretet ein, in meine bescheidene Behausung", forderte er spitzbübisch grinsend auf. Lucius überlief es dabei eiskalt. Für einen Moment sah er den Jungen, den er vor mehr als dreizehn Jahren verloren geglaubt hatte, ehe sich die Gesichtszüge seines Sohnes wieder zu einer undurchdringlichen Maske verhärtet hatten.

Lucius führte Hermine an seinem Sohn vorbei, sah sich kurz um und drückte seine verletzte Begleiterin vorsichtig auf einem ziemlich prunkvollen Sessel.

Hermine bemühte sich sehr nicht zu stöhnen, als sie auf das Sitzmöbel sank. Ihr ganzer Körper war übersät von Wunden und Ödemen. Sie war stark unterkühlt und ausgetrocknet und schlicht am Ende ihrer Kräfte. Die halsbrecherische Flucht tat ihr übriges, und so ließ sie es fast teilnahmslos über sich ergehen, dass einer der Gefolgsleute Dracos, den sie vorher noch niemals zu Gesicht bekommen hatte, nun ebenfalls eintrat und sich um sie kümmerte. Offenbar war dieser Mann ein Heiler, denn sie erkannte schemenhaft einen Zauberstab, der über ihr geschwenkt wurde, während sie spürte, wie heilende Zauber ihren Körper trafen, Wunden schlossen und Blutergüsse verschwinden ließen. Gleichzeitig wurde ihr ein Becher an die Lippen gedrückt, und ein wenig grob wurde sie aufgefordert, zu trinken. Es schmeckte ziemlich bitter, aber sie erkannte, dass es ein Heiltrunk war, der den Vitamin- und Nährstoffmangel in ihrem Körper wieder ausgleicht, also schluckte sie widerspruchslos und spürte, wie nach und nach das Gefühl in ihre eiskalten Extremitäten zurückkehrte.

Lucius verfolgte mit Argusaugen, was der von Draco herbei gerufene Heiler mit Hermine anstellte. Er war bereit sofort zu handeln, wenn dieser Mann Hermine irgendeinen weiteren Schaden zufügen wollte. Wenn nötig konnte er auch mit bloßen Händen töten, wenngleich er die elegantere Art mittels Zauberstab vorzog. Er bemerkte, wie Draco ihn schmunzelnd musterte und es wahrscheinlich ziemlich lächerlich fand, dass er sich so um das Wohl eines minderwertigen Menschen sorgte, aber das war ihm egal. Wie es aussah, standen sie sowieso auf verschiedenen Seiten, und es würde mehr als nur diplomatisches Geschick und einiger klärende Worte bedürfen, um aus dieser Situation irgendwie wieder herauszukommen - ganz zu schweigen davon, dass Draco wohl für Hermines Verletzungen verantwortlich war, und Lucius nicht wusste, wie er damit umgehen sollte.

Erst, als der Heiler den Raum wieder verließ, nachdem er sie in einen Heilschlaf versetzt hatte, wandte sich Lucius wieder Draco zu.

„Nun, willst du mir nicht erzählen, wie es dir ergangen ist?"

Draco nickte leicht und setzte sich in einen Sessel, der nah an einem riesigen Kamin stand, der in den groben Fels gehauen worden war. Er deutete auf den Sessel gegenüber.

„Setz dich, es wird eine Weile dauern, bis ich alles erzählt habe."

Draco räusperte sich kurz, schlug lässig die Beine übereinander, und wieder hatte Lucius das Gefühl, als ob er sein jüngeres Selbst vor sich sähe. Es war fast beängstigend, wie sehr sein Sohn seine eigenen Gesten imitierte. Jetzt jedoch konzentrierte er sich erst einmal auf Dracos Bericht.

„Ich weiß, jeder hielt mich damals für den armen, irre geleiteten Jungen, der von seinem strengen Vater dazu gezwungen wurde, sich dem dunklen Lord anzuschließen. Aber so war es nicht! Ich wollte ein Teil dieser grandiosen Bewegung unter Voldemort sein. Ich wollte dazugehören. Ich wollte genauso mächtig werden wie du, Vater - wenn möglich noch mächtiger. Ich wollte die dunkle Magie beherrschen, und zwar so gut, dass mir kaum ein Wesen, das selbst über Magie verfügte, mir gefährlich werden konnte. Ich wollte alles dafür tun, aber ich wollte nicht als Leiche auf dem Schlachtfeld enden, ehe ich die Chance für all das bekam. Somit musste ich etwas dagegen tun, und ich konnte es nicht riskieren, dass irgend jemand von meinem Plan erfuhr, und ich eventuell daran gehindert würde, ihn in die Tat umzusetzen.

Ich benutzte Snape, diesen dreckigen Verräter! Er lief mir auf dem Schlachtfeld über den Weg. Ich nehme an, dass er mich gesucht hat. Auch ihn konnte ich austricksen, indem ich ihm vorjammerte, wie viel Angst ich doch hätte, und natürlich nicht zu vergessen die Gewissensbisse, die ich unentwegt verspürte, wenn ich sah, wie meine Schlammblut-Schulkollegen unter der Macht der Flüche starben. Er brachte mich also fort und ließ mich in einer einsamen Waldhütte zurück. Er hegte wohl die Hoffnung, dass ich dort unentdeckt bleiben würde, bis alles vorbei war. Sobald er wieder weg war, apparierte ich zurück und fingierte meinen eigenen Tod. Dazu benutzte ich übrigens ein altes Buch aus deiner Bibliothek, das ich durch Zufall gefunden hatte. Dort wurde dunkelste schwarze Magie und deren Anwendung beschrieben. Ich glaube, so etwas hat man nicht einmal in der Verbotenen Abteilung in Hogwarts gehabt, und ich bezweifle ernsthaft, dass der allwissende alte Mann etwas darüber wusste.

Ich beschwor also einen Zauber und sorgte dafür, dass mich mindestens fünf Leute im Hagel fingierter Flüche, die aus dem nichts zu kommen schienen, sterben sahen. Es tut mir heute noch Leid, dass du nicht einer von ihnen gewesen bist. Es wäre mir eine Genugtuung gewesen, wenn mein eigener Vater Zeuge meines glorreichen Todes gewesen wäre."

„Warum dieser Hass auf mich, Draco?", fragte Lucius und beugte sich nach vorn um seinen Sohn zu berühren, allerdings zog er die bereits ausgestreckte Hand wieder zurück. Er nahm an, dass Draco jegliche Berührung ablehnte.

„Ich hasse dich nicht, Vater. Ich verachte dich dafür, dass du es nicht geschafft hast die lächerliche Prophezeiung aus dem Ministerium zu holen. Du hast sie dir von einer Horde drittklassiger, unreiner Rotznasen abjagen lassen. Ich verachte dich dafür, dass du als Gefangener von Askaban mich der Häme meiner Mitschüler ausgesetzt hast. Ich verachte dich dafür, dass du einen Paten für mich ausgesucht hast, der genauso ein dreckiger Verräter am Dunklen Lord geworden ist wie du. Ich verachte dich dafür, dass du nicht einmal den Anstand hattest, heldenhaft in der letzten Schlacht zu sterben. Tatsächlich war es wohl so, dass du gar nicht auf dem Schlachtfeld zu finden warst. Und meine vollste Verachtung gehört dir ebenfalls dafür, dass du in den letzten fünf Minuten noch die Seiten gewechselt und es doch wahrhaft geschafft hast, den Dunklen Lord zu verraten für dein lächerliches, kleines, unbedeutendes Leben. Ganz zu schweigen davon, dass du dir ein Schlammblut als Geliebte hältst. Reicht das als Begründung?"

„Draco, das Leben ist niemals nur schwarz oder weiß. Wir fällen manchmal Entscheidungen, die weitreichender sind als man das immer vorausgeahnt hat. Ich..."

„Schweig, Vater! Ich will deine kleinkarierten Rechtfertigungen gar nicht hören. Du bist ein Versager und ein Verräter an der reinblütigen Zaubergesellschaft. Der einzige Grund, warum du noch nicht tot bist, ist, dass ich mir das bis ganz zuletzt aufheben wollte. Aber nun bist du freiwillig zu mir gekommen, und nur um dieses wertlose Etwas zu retten."

Draco zeigte mit abfälliger Miene auf Hermine, die sich mit geschlossenen Augen ausruhte und nicht den Anschein machte, als höre sie das Gespräch zwischen Vater und Sohn mit. „Somit ersparst du mir die Mühe, dich aus einem durch Banne geschützten Haus zu holen."

„Ich kann nicht glauben, was du mir erzählst. Das bist nicht du, mein Junge."

„Nenn mich nie mehr 'mein Junge', Lucius! Ich bin schon längst nicht mehr DEIN Junge. Menschen ändern sich. So, wie du dich verändert hast ... zum Schlechten. So habe ich mich auch geändert. Ich bin nicht mehr der kleine, gehorsame Sohn, der seinen einzigen Lebenszweck darin sah, seinem Vater zu gefallen."

Feindselige Augen funkelten Lucius dermaßen intensiv an, dass es diesem eiskalt den Rücken herunter lief. Er wollte etwas sagen … irgendwas, das den Menschen, den er vor sich hatte dazu bringen könnte, umzudenken und einzusehen, dass er den falschen Weg einschlug. Doch es fiel ihm nichts Geeignetes ein, und Dracos schneidende Stimme unterbrach zunächst seine krampfhaften Überlegungen.

„Willst du nun weiter hören oder nicht?"

Lucius nickte müde, rieb sich angestrengt über die Nasenwurzel und Draco fuhr fort.

„Natürlich blieb nichts von meiner Leiche über. Jedenfalls nichts, außer einer Handvoll Asche, wie du wohl weißt. Ich hoffe, Snape hat sich die größten Vorwürfe gemacht, dass er nicht genug auf mich aufgepasst hat? Ich gönne dem Bastard das schlechte Gewissen!" Draco lachte schauerlich auf, ehe er fort fuhr.

„Man hat, wie ich es beabsichtigt hatte, die Schuld auf die unbekannten Flüche geschoben, die mich angeblich trafen, und es konnte wohl bis heute nicht geklärt werden, wer sie eigentlich abgefeuert hat. Nun, so hatte ich es geschafft, spurlos zu verschwinden. Ich wollte abwarten, ob sich die Prophezeiung erfüllt, und Potter es tatsächlich fertig bringt, den Dunklen Lord zu bezwingen, oder ob Voldemort über Potter und die magische Welt triumphiert. Nun, wir kennen den Ausgang der Schlacht, und ich beschloss daraufhin, eine Weile unterzutauchen. Das Buch aus deiner Bibliothek wies mir den Weg.

Ich zog mich also in die Weiten der finnischen Wälder zurück. Dort lebte ich einige Jahre lang wie ein Eremit und lernte. Ich lernte die dunkle Magie des Buches zu beherrschen.

Als ich sicher war, dass mir dieses Buch alle seine Geheimnisse offenbart hatte, testete ich meine Fähigkeiten an einigen lebenden Beispielen. Nun wusste ich, dass ich in der Lage war, mächtige Magie zu wirken, und machte mich auf, um das letzte Artefakt zu holen, das ich für meine erstrebte Herrschaft und glorreiche Wiederauferstehung brauchte.

Weißt Du, es gibt einen Ring, der Verbindung zur dämonischen Unterwelt hat. Dem Träger dieses Rings ermöglicht er den Zugriff auf die machtvolle dunkle Energie des Dämonenreiches. Natürlich war es nicht leicht, den Ring ausfindig zu machen und ihn an mich zu bringen. Die Kreaturen, welche den Ring bewachten, haben es nicht überlebt, aber zu guter Letzt war er mein, und damit wurde ich befähigt, endlich mein Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen."

Lucius fiel erst jetzt der eher schlichte Ring aus einem silbern schimmernden Metall auf, der an Dracos rechtem Ringfinger zu sehen war. Es war nichts besonderes an diesem Schmuckstück, aber offenbar verlieh er Draco eine Macht, die über die Voldemorts hinaus ging. Vielleicht veränderte er auch in gewisser Weise den Träger, vielleicht reichte die eindeutig negative Energie des Dämonenreiches, um Draco zu dem rachsüchtigen, grausamen Zauberer mutieren zu lassen, der er jetzt war. Aber nach den Erzählungen seines Sohnes zu urteilen, hatte er sich schon weit vor dem Besitz des Ringes verändert. Die Dämonenwelt! Natürlich, irgendeine unsichere Konstante musste es ja geben. Das Wissen um die Welt der Dämonen, die es tief unter der Erde gab und die äußerst machtvoll war, wurde in der Familie Malfoy lediglich vom Vater auf den Erstgeborenen weiter gegeben. Niemand außer ihnen und Severus wusste von dieser Schattenwelt und keiner von Lucius' Vorfahren hatte das Geheimnis preis gegeben. Es war nützlich, ab und zu ein wenig dunkle Hilfe in Anspruch nehmen zu können. Das Imperium der Malfoys, ihr sagenhafter Reichtum und ihr immerwährendes Glück bei allen kaufmännischen Unternehmungen kam nicht von ungefähr. Es war zum Teil auch der Hilfe dunkler Kreaturen zu verdanken. Lucius hatte dieses Wissen im Alter von einundzwanzig Jahren von seinem Vater erhalten und Merlin sei Dank hatte er nicht die Zeit gehabt, es an seinen Sohn weiterzugeben. Allerdings hatte er seinen Sohn unterschätzt. Dieser hatte die Dämonenwelt durch einen Zufall selbst gefunden. Leider fehlte Draco aber das Wissen um die Nachteile, die ein Anwenden der dunklen Magie der Dämonenwelt mit sich brachte. Lucius hätte ihm diese vermitteln können, wie er selbst es von seinem Vater erfahren hatte, der ihn bis hin zum letzten Detail informiert und geschult und ihn eindringlich vor den Risiken gewarnt hatte.

Lucius wusste, dass alles seinen Preis hatte, und dass man nicht ungestraft die dunkle Macht der Dämonen nutzen konnte. Man musste wohl dosiert und überlegt damit umgehen. Er hoffte inständig, dass sich Draco nicht schon zu tief in allem verstrickt hatte. Außerdem gab es da ja noch etwas...

Das Buch! Lucius schauderte, wenn er daran dachte, dass es in seiner sehr umfassenden Bibliothek ein Buch gegeben hatte, welches einen recht unbedarften jungen Mann dazu animiert hatte, sich als der nächste dunkle Diktator aufzuspielen. Oder steckte etwa das Böse schon immer tief in Draco? Lucius weigerte sich, diese Möglichkeit auch nur in Betracht zu ziehen. Er war fest davon überzeugt, dass sein Sohn nur durch den Einfluss der schwarzen Magie, die sich in dem Buch zu befinden schien, zu dem Monster entwickelt hatte, welches er hier vor sich sah.

„Es war jedenfalls ein Leichtes, wieder zurückzukommen, Anhänger zu finden, die die Drecksarbeit für mich erledigten. Avery war eine willkommene und fähige rechte Hand, so wie du mal eine für den Dunklen Lord gewesen warst. Allerdings würde ich meinen linken Fuß verwetten, dass Giles mich niemals so hintergangen hätte wie du Voldemort", verhöhnte Draco seinen Vater, und ein verächtlicher Blick traf den Älteren. Lucius gab sich ungerührt, obwohl sich sein Herz vor Schmerz zusammen zog.

„Draco, noch ist es nicht zu spät. Wenn du jetzt aufhörst dich wie der dunkle Lord aufzuspielen und dich irgendwohin zurückziehst und Gras über die Sache wachsen lässt, könnte alles noch gut werden."

Draco lachte amüsiert auf. „Du glaubst doch nicht ernsthaft, dass ich mich jetzt, wo sich alles zu meiner Zufriedenheit entwickelt, einfach zurückziehe und mich wie der letzte Werwolf verkrieche? Du unterschätzt mich! Ich bin nicht wie du."

„Wenn du nicht aufhörst, wirst du ganz sicher sterben, Draco."

„Ich werde garantiert nicht sterben, oder jedenfalls erst lange nachdem deine Knochen schon längst vermodert sind", lachte Draco verächtlich.

„Warum sagst du das? Ich bin immer noch dein Vater. Ich liebe dich, hab dich immer geliebt und möchte nur dein Bestes. Ich will dich nicht in Askaban sehen, Junge", sagte Lucius dringlich.

„Deine sogenannte Vaterliebe kannst du dir schenken. Außerdem wirst du mich auch nicht in Askaban sehen, Lucius. Je mehr Zeit vergeht, je mehr Zauberer sich mir anschließen, um so stärker werde ich, und irgendwann werde ich um ein Vielfaches mächtiger sein als irgendjemand vor mir. Was glaubst du wohl, warum ich die Gruppe Zauberer aus Askaban habe hierher kommen lassen?"

Lucius schüttelte leicht den Kopf. Er konnte die Gedankengänge seines Sohnes nicht ansatzweise nachvollziehen. Er hielt sich selbst keineswegs für anständig oder unbescholten, aber was er hier zu hören bekam, ließ sich ihm die Nackenhaare sträuben.

„Warum, also?", fragte er nur der Form halber. Offenbar wartete Draco darauf, dass er diese Frage stellte. Sein Sohn grinste selbstgefällig, als er antwortete. „Ich opfere sie den Dämonen. Sie sind der Garant dafür, dass der Ring seine Macht aufrecht erhält."

„Draco, nein!", stöhnte Lucius voller Entsetzen.

„Oh, doch...soll ich dir zeigen wie es funktioniert?", fragte Draco fast schon eifrig.

Lucius streckte abwehrend beide Hände aus.

„Ich denke nicht, dass das nötig ist."

„Doch, ich denke, ich werde dir eine Demonstration liefern."

Draco ließ sich nicht beirren. Einen Wink mit seiner rechten Hand genügte, und der Fels, der sich wieder vor den Eingang geschoben hatte, rollte beiseite.

Offenbar beherrscht er die dunkle Magie auch ohne Zauberstab, dachte Lucius mit einem sehr mulmigen Gefühl in der Magengegend. Der Kämpfer und Stratege in ihm dachte schaudernd daran, was dies für ein Zaubererduell bedeuteten würde. Draco schien dadurch fast unbesiegbar zu sein.

Die Wache, die vor dem Eingang stand, wandte sich um, und Draco befahl: „Bring mir einen der Neuankömmlinge. Egal, welchen." Die Wache nickte und verschwand.

Draco beugte sich zu Lucius und meinte verschwörerisch. „Ich brauchte Menschen mit großem magischen Potential, und zwar nicht irgendwelche, sondern ganz bestimmte. Solche, die schon einmal mit dunkler Magie zu tun hatten. Das Schlammblut da..", er zeigte auf Hermine, „..hat mir sehr geholfen, indem sie mir so einfach in die Falle gegangen ist."

Lucius' Augen glitten zu Hermine, und sein Blick verdunkelte sich. Er musste sie unbedingt hier heraus schaffen. Ihm war klar, dass Draco kein Mitleid kannte und sie bei der ersten besten Gelegenheit umbringen würde. Immerhin hatte er selbst ihm, dem Vater, den Tod angedroht.

Die Ankunft eines Mannes lenkte Lucius von seinen Gedankengängen ab. Der Zauberer war nervös und verbeugte sich ehrfürchtig.

„Sir, Sie haben mich rufen lassen?", sagte er äußert höflich zu Draco und wagte nicht einmal aufzublicken. Staunend bemerkte Lucius, dass es sein Sohn offenbar fertig brachte, eine absolut einschüchternde Wirkung auf Andere zu haben. Auch wenn es falsch war, in diesem Moment fühlte er so etwas wie Stolz in sich aufwallen. Die folgenden Ereignisse jedoch sollten diesen Vaterstolz für immer verschwinden lassen.

Tbc.