Titel: Lebenslänglich – Die Rückkehr -

Autor: Eve

Rating: P 18

Beta: Lady of the Dungeon

Typ: Harry Potter Fanfiction

Pairing: Lucius Malfoy/Hermine Granger

Warnung für dieses Kapitel: Gewalt, Folter, Hurt

Disclaimer: Leider gehört Lucius immer noch nicht mir. Alle Charaktere gehören Frau Rowling. Die Idee zu dieser Story ist aber von mir!

Kapitel: Vierzehn

~~~~~~~~~~~~LM/HG~~~~~~~~~~~

6. Januar (16:15 Uhr)

„Dein Name ist..?" Draco beugte sich interessiert nach vorn. Seine Augen glitzerten kalt und gefühllos. Lucius bemerkte, wie berechnend, ja geradezu mordlüstern Dracos Blick auf dem unterwürfig dastehenden Mann ruhte.

„Steve Hawkins", antwortete der Angeredete schnell und buckelte noch einmal vor Draco. Dieser grinste und nickte wohlwollend. Er genoss sichtlich die offensichtlich große Bereitschaft seines neuen Anhängers, ihm zu Diensten zu sein. Lässig winkte er den Mann näher, der sich beeilte, der Aufforderung seines neuen Meisters Folge zu leisten.

Dicht vor Draco, der sich nicht die Mühe machte aufzustehen, verharrte Hawkins.

„Nun, Steve Hawkins. Du warst ein Gefangener in Askaban. Ohne mich säßest du mindestens noch die nächsten fünf Jahre dort. Meinst du nicht, dass deine wundersame Befreiung einen kleinen Dank deinerseits wert ist?"

Hawkins blickte unsicher von Draco zu Lucius. Seine Haltung war angespannt. Lucius sah dem Mann die Nervosität und den aufkeimenden Argwohn an. Hawkins war nicht so dumm zu glauben, dass dieser geforderte Dank wirklich so klein und harmlos war, wie Draco ihm glauben machte. Nach einem kurzen Augenblick entspannte sich seine Haltung wieder. Offensichtlich hatte er sich mit allem, was eventuell auf ihn zukommen konnte, abgefunden.

„Ja, ich schulde Ihnen dank, Mr. Malfoy!"

Draco lächelte bei der Nennung seines Namens böse. Er brauchte sich niemandem vorzustellen. Allein schon aufgrund seiner fast einzigartigen Erscheinung wusste jeder, mit wem er es zu tun hatte. Ein Erbe, welches vom Vater auf den Sohn übertragen worden war. Draco schien noch nicht richtig zu wissen, ob er dies gut oder schlecht finden sollte. Im Moment jedoch schien er beschlossen zu haben, dass es eher schlecht war, wenn ihn gleich jeder als einen Malfoy erkannte.

„Knie nieder!"

Dieser Befehl war in hartem, keinen Widerspruch duldenden Ton ausgesprochen worden, und Hawkins befolgte ihn augenblicklich. Ergeben sank er vor seinem Wohltäter auf die Knie, den Kopf demütig gesenkt. Ruhig wartete der Mann darauf, was nun geschehen würde.

Draco sah seinen Vater, der sich ein wenig alarmiert nach vorn gebeugt hatte, bedeutungsvoll in die Augen. Dann wandte er seine Aufmerksamkeit wieder dem vor ihm knienden Mann zu. Er hob die Hand mit dem Ring und legte sie Hawkins fast sanft auf den Kopf. Der Mann zuckte zwar ein wenig wegen dieser unerwarteten Berührung, aber er wagte es auch nicht unter der Hand hinwegzutauchen. Still und ergeben wartete er, so wie Draco und neben ihm Lucius. Selbst Hermine, die mittlerweile wieder ein wenig zu sich gekommen war, beobachtete nervös, was nun weiter geschah.

Erst einmal geschah überhaupt nichts.

Dracos Hand ruhte unbewegt auf dem Kopf des Gefangenen. Er hatte die Augen geschlossen und war völlig in sich gekehrt.

Schon wollte Lucius sich aufatmend wieder zurück legen, weil die Sache wohl doch nicht so schlimm war, wie er angenommen hatte, als sich ein leises Summen bemerkbar machte. Die Luft begann, sich mit magischer Energie aufzuladen. Lucius kam es vor, als krabbelten tausend Ameisen über ihn hinweg. Es knisterte um sie herum und roch leicht nach Ozon.

Der Mann, der immer noch mit gesenktem Kopf vor Draco kniete, wurde unruhig. Ein leises Jammern kam über seine Lippen. Lucius sah, dass er versuchte die Hand, die ihn fest an seinem Platz hielt, abzuschütteln. Es gelang ihm nicht. Das Erschreckende aber war, dass es Draco offenbar nicht die geringste Anstrengung kostete, einen erwachsenen Mann von ungefähr achtzig Kilo Lebendgewicht einfach mit ausgestrecktem Arm niederzuhalten. Noch immer hatte sein Sohn die Augen geschlossen. Den Kopf an die geschnitzte, hölzerne Lehne des Sessels gelehnt, saß er da und schien auf etwas zu warten.

Das Summen um sie herum verstärkte sich. Ein helles, leicht rötliches Flackern schien von Dracos Hand, nein, eher von seinem Ring auszugehen. Langsam breitete sich dieser das Glühen über Dracos ganzen Körper aus. Er wurde von ihm eingehüllt und intensivierte sich. Bis nach kurzer Zeit ein kräftiger rötlicher Nebel um Dracos sitzende Gestalt wallte.

Hawkins' anfängliches Jammern war in heißer klingende Schreie übergegangen. Wie ein Häuflein Elend hockte er mittlerweile vor Dracos Füßen. Er war nach vorn über gesackt und krümmte sich vor Schmerz. Dracos Hand war nicht mehr auf seinem Kopf, aber das spielte wohl jetzt keine Rolle mehr. Lucius wusste einfach, dass der Ring an Dracos Hand weiter Kontakt zu Hawkins unterhielt und er ahnte, was damit bezweckt wurde.

Offenbar wurde dem armen Opfer jegliche Lebensenergie entzogen und wandelte sich bei der Übertragung, kraft der dunklen Magie des Ringes, in arkane Energie um. Je mehr Draco durch diesen Vorgang in sich einsaugte, um so stärker wurde er. Irgendwann, wenn er genug Leben geopfert hatte, würde er quasi unbesiegbar sein. Stärker, als je ein Zauberer vor ihm. Wesentlich stärker als der Dunkle Lord jemals gewesen war, und das jagte Lucius einen unsagbaren Schrecken ein. Sein Sohn würde ein Monstrum werden, und er hatte keinerlei Mittel ihn aufzuhalten. Panisch beugte er sich nach vorn, in dem Bestreben irgendetwas zu tun, so wenig es auch immer war.

„Draco, um Merlins Willen, hör auf!", ertönte heiser Lucius' Stimme.

Er streckte die Hand aus, als wolle er Draco am Arm berühren, um so die verhängnisvolle Aktion zu unterbrechen. Als sie jedoch mit dem rötlich wallenden Nebel in Berührung kam, zuckte er wie unter einem elektrischen Schlag zusammen. Er konnte keinen Kontakt mehr zu seinem Sohn herstellen, jedenfalls nicht körperlich.

Währenddessen schrie der arme Mann unentwegt und Hermine, die voller Panik die Geschehnisse verfolgte, rappelte sich von ihrem Sessel auf und hinkte so schnell ihr geplagter Körper sie trug zu den Männern am anderen Ende des Raumes.

„Lucius, tu etwas!", flehte sie den älteren Zauberer an, während sie sich krampfhaft an der Lehne seines Sessels festhielt.

„Ich kann nicht. Ich kann ihn nicht berühren, und ich habe auch keinen Zauberstab, um es auf andere Weise zu versuchen", zischte Lucius zornig. Verdammt, er hatte sich in seinem ganzen Leben noch niemals so hilflos gefühlt! Dieses Gefühl war einfach deprimierend und machte ihn unsagbar wütend.

Draco schien das Geschehen um ihn herum gar nicht wahrzunehmen. Er genoss die mystische Energieübertragung maßlos.

Der rote Nebel nahm einen wesentlich intensiveren Farbton an. Dieser leitete offenbar das Ende des dunklen Zaubers ein. Das Schreien des Mannes war zu einem unerträglich schrillen Crescendo angewachsen. Starke Krämpfeschüttelten ihn und sein schrecklich verzerrtes Gesicht färbte sich langsam leichenblass, während sich Schaum vor seinem Mund bildete.

Hermines Hände krallten sich schmerzhaft in Lucius' Arm. „Bitte, hilf ihm doch", flehte sie, sich unsagbar hilflos fühlend. Lucius schüttelte resignierend mit dem Kopf. „Zu spät, mein Herz. Es ist zu spät."

Ein lautes genießerisches Seufzen erklang und der rote Nebel verflüchtigte sich langsam. Mit seinem zunehmenden Verblassen schien Draco aus seiner Trance langsam aufzuwachen und auch das Schreien Hawkins' wurde immer schwächer. Seine Gliedmaßen zuckten noch einige Male leicht und eher unkontrolliert, während sich sämtliche Körperfunktionen allmählich verabschiedeten.

Im selben Augenblick, als Draco seine Augen aufschlug, erlosch der letzte Lebensfunke des Mannes. Zurück blieb eine grässlich verrenkte Leiche mit schrecklich verzerrten Gesichtszügen. Blicklose Augen starrten immer noch angstgeweitet und voller Panik auf die drei Zauberer, von denen zumindest zwei starr und fassungslos auf den leblosen Körper herab sahen.

Draco hingegen richtete sich auf und sah erholt, ja richtig entspannt aus. Ein feines goldenes Leuchten umgab ihn und verlieh ihm einen äußerst gesunden und erholten Teint auf seinem fein geschnittenen, hochmütigen Gesicht.

Er lächelte amüsiert, als er bemerkte, dass Hermine ihren Heilschlaf beendet hatte; sie stand nun neben seinem Vater und krallte ihre Hände in seinen Arm, während sie Draco entsetzt musterte.

„Nun, ich hoffe ihr habt euch gut amüsiert?", fragte Draco und schenkte Hawkins' Leiche einen angewiderten Blick. Ein Wink seiner Hand genügte wiederum, um einen seiner vielen, fast unsichtbar wirkenden Helfer heranzuwinken, der sich den sterblichen Überresten seines ehemaligen Anhängers annahm und auch den Urin beseitigte, den Hawkins im Todeskrampf ausgeschieden hatte.

„Amüsiert?", fauchte Hermine, die im Gegensatz zu Lucius zuerst ihre Sprache wieder fand. „Was bist du nur für ein abscheuliches, gewissenloses Monster, Draco Malfoy!", stieß sie atemlos hervor.

„Monster? Ich habe die Quelle zur Unsterblichkeit gefunden, unwissendes Schlammblut. Da müssen ein paar Opfer gebracht werden, meinst du nicht?" Dracos hübsches Gesicht verzog sich zu einem hässlichen Grinsen.

„Ein paar Opfer? Es waren nicht nur ein paar Opfer, die für dich und deine Machtansprüche über die Klinge springen mussten. Du hast ein ganzes Dorf ausgelöscht!" spukte sie ihrem ehemaligen Schulkameraden entgegen und versuchte sich sehr gerade aufzurichten. Sie würde keinesfalls klein beigeben. Das, was sie hier erleben musste, ging über das normale menschliche Begriffsvermögen hinaus. Sie konnte einfach nicht verstehen, was in den gleichaltrigen Mann gefahren war. Obwohl Draco zu keiner Zeit das war, was man einen ehrenhaften, anständigen, freundlichen Menschen nennen würde, hätte sie ihm niemals zugetraut, so skrupellos und grausam zu werden.

„Kollateralschaden! Absolut notwendig und recht unerheblich, wenn man ein Auge für höhere Ziele hat", rechtfertigte sich Draco halbherzig. „Dass dies über dein begrenztes Begriffsvermögen hinaus geht, wundert mich nicht, Schlammblut", erklärte er Hermine hochfahrend und seine Augen leuchteten gleichzeitig fanatisch auf.

„ES REICHT; JUNGE", donnerte Lucius. Er hatte eine Weile gebraucht, um seine Sprachlosigkeit zu überwinden. Zu groß war der Schock über Dracos Wandlung, zu erschreckend die Gedanken, die einen Vater beherrschten, der begriff, dass sein einziges Kind nicht nur vor dem Abgrund stand, sondern längst hinein gefallen war. Lucius wurde in diesem Augenblick klar, dass er Draco nicht mehr helfen konnte. Sein Junge war rettungslos verloren, verloren an die schwarze Magie, die ihn beherrschte. Lucius gab sich keinerlei Illusionen hin, dass Draco lernen würde, diese unheimliche, starke Macht zu beherrschen. Er war sich sicher, dass Draco untergehen wurde...früher oder später. Entweder fiel er durch die Hand eines todesmutigen Zauberers oder die Magie, die er beschwor, fraß ihn innerlich auf. Ein kleiner Teil von Lucius fragte sich gleichzeitig, ob er nicht auch seinen Teil dazu beigetragen hatte, dass Draco überhaupt so werden konnte. Was hatte er in der Erziehung seines einzigen Kindes nur falsch gemacht?

Ein unheimliches Bild voll erschreckender Klarheit offenbarte sich vor Lucius. Er sah ein blassgesichtiges,,rotäugiges haarloses, dürres Ungeheuer, das seine spinnenartigen Finger nach ihm ausstreckte. Lucius schloß für kurze Zeit schaudernd die Augen. Dies war nicht die Zukunft, die er für seinen Sohn erträumt hatte.

Als Draco jedoch Hermine weiter mit dem üblichen Schimpfwort für ihre Herkunft belegte, wachte Lucius aus seinen düsteren Überlegungen auf. Noch einmal erhob er seine Stimme, als er den Unwillen und das mutwillige Aufbegehren in seines Sohnes Augen las.

„Es reicht! Lass sie in Ruhe, Draco. Wenn du dich mit jemanden anlegen oder messen willst, dann tue es mit mir. Solltest du Miss Granger auch nur ein Haar krümmen wollen, dann musst du zuerst an mir vorbei", funkelte er seinen Sohn wütend an. Er wusste, wie außergewöhnlich diese Worte für ihn waren. Er verteidigte ein Schlammblut! Er, ein Abkömmling reinsten Zaubereradels, der x-ten Generation von Malfoys, tat etwas, das vor ihm lange Zeit niemand getan hatte, und er verteidigte sie gegen seinen eigenen Sohn, sein eigen Fleisch und Blut.

Beängstigend!

Draco sah dies wohl ähnlich. Er lupfte eine Augenbraue und grinste schief.

„Lucius, du solltest aufhören mit deinem Schwanz zu denken", fuhr er seinen Vater respektlos an. „Ich hoffe für dich, dass sie gut im Bett war, denn sollte sie es nicht gewesen sein, dann hast du in der Stunde deines Todes nicht mal mehr einen glücklichen Gedanken, an dem du dich festklammern kannst", raunte er, seinem Vater zu, der angesichts dieser geringschätzigen Worte leicht nach Luft schnappte.

Mit einer schnellen, für Draco nicht vorhersehbaren Bewegung, griff Lucius nach vorn, erwischte den Jüngeren am Hals und drückte sofort fest zu.

„Ich werde eine Menge haben, woran ich in der Stunde meines Todes denken kann, Draco, aber vorher werde ich dir den Hals umdrehen", erklärte er fest und begann seinen Sohn zu würgen.

Dieser gurgelte einmal kurz auf. Einige seiner unsichtbaren Aufpasser kamen sofort auf die beiden zugeeilt, als hätten sie geahnt, was hinter der verschlossenen Tür in dem Raum vor sich ging. Aber eine abwehrende Handbewegung ihres Herrn hielt sie davon ab, einzugreifen.

Mit unbewegter Miene und mit sichtlicher Anstrengung hielt Lucius Dracos Hals umklammert. Schweißtropfen rannen unablässig von seiner Stirn, über sein blasses Gesicht und tropften langsam auf seinen schwarzen Mantel. Hermine keuchte hinter ihm.

„Lucius, das kannst du nicht tun. Er ist trotz allem dein Sohn!"

Lucius schüttelte unwillig den Kopf, seine Hand hielt Dracos Kehle eisern umklammert.

„Lucius!" Hermines Stimme klang leicht panisch. Sie hasste Draco. Hasste ihn aus vollstem Herzen. Sie wünschte ihm eventuell auch den Tod. Instinktiv wusste sie, dass Lucius niemals damit würde leben können, wenn er Draco jetzt umbrachte. Ein Blick in die Runde sagte ihr jedoch, dass Lucius gar nicht so lange leben würde, wenn er Draco jetzt tötete, um Schuldgefühle zu empfinden. Mindestens zehn Zauberstäbe waren auf sie gerichtet.

Die Sekunden zogen sich dahin. Dracos Gesicht verfärbte sich bereits bläulich. Seine Hände zuckten nach oben und umklammerten die Hand seines Vaters.

Mit einem resigniert klingenden Klagelaut, den Lucius ganz sicher noch niemals ausgestoßen hatte, nahm er plötzlich die Hand weg.

„Ich dachte, ich kann es, Hermine", keuchte er in Richtung der jungen Frau, die ihre Finger in seinem Arm vergraben hatte. „Ich dachte wirklich, ich könnte ihn hier und jetzt töten. Ich dachte, ich sei skrupellos und gefühllos genug, um es zu tun. Aber ich kann es nicht, nicht jetzt und nicht in Zukunft. Egal, was er noch tun wird, wie viele Menschen er noch umbringt, wie grausam er dabei vorgehen wird. Ich kann es nicht.

Lucius' Gesicht war grau geworden. Binnen weniger Momente sah er um Jahre gealtert und unsagbar müde aus. Mit einem leisen Seufzen lehnte er sich nach hinten, so dass sein Kopf an Hermines Bauch ruhte, und schloss die Augen, während Draco laut röchelnd so viel Sauerstoff in seine Lungen saugte, wie er nur konnte. Leicht nach vorn gebeugt, saß er da und trotz seiner sicherlich nicht geringen Schmerzen, nachdem sein Hals so unsanft zusammen gedrückt worden war, grinste er hämisch.

„Du bist offensichtlich nicht einmal mehr fähig, einen klitzekleinen Mord zu begehen", röchelte er heiser und schluckte verkrampft, um seine gebeutelte Kehle etwas zu befeuchten.

„Ich habe es genau gewusst, Lucius. Du bist alt geworden, verweichlicht. Der Dunkle Lord würde sich, wo auch immer er sich befindet, angewidert von dir abwenden, wenn er dich jetzt gesehen hätte."

Lucius zeigte noch immer nicht, wie weh es ihm tat, dass sein Sohn ihn mit dem Vornamen anredete. Dies war eine Form der Beleidigung, Geringsschätzung und der absoluten Distanzierung. Diese Verweigerung der Zugehörigkeit zu ihm war für Lucius Schlimmer als alles andere.

„Es ist mir ziemlich egal, was der Dunkle Lord von mir denken würde, Draco", antwortete Lucius müde. Hermines Hände lagen auf seinen Schultern und vermittelten ihm ein wenig Trost. Auch wenn es nicht der richtige Zeitpunkt und schon gar nicht der richtige Ort war, genoss er die Nähe zu Hermine. Die Wärme, die ihr Körper ausstrahlte, gab ihm überhaupt noch Kraft, sich aufrecht zu halten. Sein Sohn hatte durchaus Recht, wenn er ihn für alt und verweichlicht hielt. Das Gefühl hatte er momentan selbst.

„Nun, ich gebe dir noch eine Chance zu beweisen, was in dir steckt, Lucius", fuhr Draco fort und rutschte ein wenig aus dem Zugriffsbereich seines Vaters. Dies geschah nicht aus Angst vor einem erneuten Angriff, sondern war eher ein Akt der räumlichen Distanzierung von seinem Vater. Er hatte nicht die Absicht, noch einmal den Angriff auf die eigene Person so passiv zu dulden. Draco dachte genussvoll daran, dass es nur ein lässiges Schnippen seinerseits bedurft hätte, und sein Vater wäre innerhalb von Sekunden ein toter Mann gewesen. Er wusste, dass die meisten seiner Anhänger danach gierten, ihm einen Gefallen zu tun, und sie hätten nicht gezögert, seinen Vater und dessen minderwertige Geliebte zu eliminieren. Nun, alles zu seiner Zeit, sagte er sich, während er seinen Vater verächtlich musterte.

„Ich werde ein Zaubererduell mit dir austragen, und ich verspreche dir sogar, meine Magie, die ich durch den Ring erhalte, nicht zu benutzen. Nur du und ich, Lucius. Gewinnst du, dann darfst du das Schlammblut nehmen und einfach gehen. Ich werde dich nicht aufhalten. Gewinne ich, dann werden du und sie sterben, und ich verspreche dir, es wird ein höchst qualvoller Tod für euch beide sein." Draco lächelte grausam und voller Vorfreude. Seinem Gesicht war anzusehen, dass er die Möglichkeit, sein Vater könne gewinnen, nicht einmal in Erwägung zog.

„Na, was ist, alter Mann? Lust auf Kräftemessen der altmodischen Art?" Draco lupfte wieder eine Augenbraue.

„Lucius, nein", ließ sich Hermine aus dem Hintergrund vernehmen.

„Schweig, Schlammblut! Du warst nicht gefragt", erklärte Draco energisch ohne die Augen von seinem Vater abzuwenden.

Lucius wusste, dass er sich auf diesen Deal keinesfalls einlassen sollte. Selbst wenn alles mit rechten Dingen zuging, was er für absolut unwahrscheinlich hielt, konnte er seinen Sohn auch mit seiner Magie nicht töten. Das wusste er mit absoluter Bestimmtheit. Er konnte lediglich versuchen Draco außer Gefecht zu setzen. Wider besseren Wissens und entgegen Hermines Rat, nickte er leicht.

„Ein Zaubererduell! Nur du und ich. Ich bin einverstanden."

Was blieb ihm auch anderes übrig. Er hatte lediglich die Hoffnung, dass er nicht gleich antreten musste, und sie somit ein bisschen Zeit gewannen. Vielleicht konnte er sich wenigstens von Hermine verabschieden. Es machte ihn traurig, dass er ihr keine große Hilfe gewesen war. Eine Hoffnung auf Rettung hatte er fast aufgegeben. Severus hätte längst hier sein müssen. Er hatte keine Ahnung, was den Freund solange aufgehalten hatte. Offenbar schaffte er es wohl nicht durch die Banne zu dringen, oder er hatte nicht mal das Versteck gefunden. Lucius war sich selten so hilflos vorgekommen.

„Eine Bedingung!", erklärte er seinem Sohn und sah ihm fest in die Augen.

„Du bist nicht in der Position, um Bedingungen zu stellen, Lucius", erinnerte Draco, nickte aber dann zustimmend. „Nun, ich habe meine gütigen fünf Minuten und werde mir zumindest anhören, wie deine Bedingung aussieht."

„Ich will eine Stunde Zeit. Eine Stunde allein mit Miss Granger."

In Dracos Gesicht zuckte es. „Du willst eine Stunde, um sie zu vögeln? Meinst du nicht, dass du dir lieber was anderes wünschen solltest? Vielleicht ein Bad oder ein gutes Essen. Ist sie es wert?" spöttelte Draco.

Während Hermine hörbar die Luft hinter ihm einsog, beugte sich Lucius energisch nach vorn. „Behalte deine dreckigen Fantasien für dich, Draco. Eine Stunde... nicht mehr und nicht weniger. Sieh es als letzten Wunsch eines Todeskandidaten an, wenn du dich damit besser fühlst."

„In der Tat, ich fühle mich bei dem Gedanken wirklich besser, dass du bald sterben wirst", gluckste Draco, und nach einem kurzen, indignierenden Blick auf Hermine nickte er zustimmend.

„Eine Stunde mit dem Schlammblut sei dir gewährt. Nutze sie gut!", während er mit einer geschmeidigen Bewegung aufstand und seine Jünger hinfort winkte.

„Ich stelle euch sogar mein Allerheiligstes zur Verfügung." Draco machte eine Bewegung, die den ganzen Raum umfasste. „Saut mir aber nicht meine Polstermöbel ein", forderte er dreckig grinsend, ehe er hoch aufgerichtet, leise lachend den Raum verließ.

Der Fels rollte geräuschlos vor den Eingang und schloss Lucius und Hermine somit ein.

Tbc.