Titel: Lebenslänglich – Die Rückkehr -

Autor: Eve

Rating: P 18

Beta:

Typ: Harry Potter Fanfiction

Pairing: Lucius Malfoy/Hermine Granger

Warnung für dieses Kapitel: Keine

Disclaimer: Leider gehört Lucius immer noch nicht mir. Alle Charaktere gehören Frau Rowling. Die Idee zu dieser Story ist aber von mir!

Kapitel: Fünfzehn

~~~~~~~~~~~~LM/HG~~~~~~~~~~~

6. Januar (17:15 Uhr)

Sowohl Lucius, als auch Hermine sahen noch einen Moment zu dem Eingang, der sich erst wieder nach einer Stunde öffnen würde, um Draco hereinzulassen.

Die Anspannung, die in den letzten Stunden unablässig von Lucius Besitz ergriffen hatte, fiel von einem Augenblick zum anderen in sich zusammen. Eine bleierne Müdigkeit legte sich stattdessen über ihn. Aufseufzend lehnte er sich zurück und schloss für einen Moment die Augen. In was für eine Hölle war er da nur geraten.

Im nächsten Moment aber, richtete er sich wieder auf. Er war allein mit Hermine, die Frau wegen der er eigentlich hier war und die er schon längst hätte von diesem Ort weg bringen sollen, wenn er nicht so kläglich versagt hätte.

„Hermine wie geht es dir?", besorgt mustere er sie.

Sie stand immer noch hinter ihm. Blass, zerbrechlich. Ihr Gesicht war auch nach der Behandlung noch mit bläulichen Malen überzogen und leicht verquollen. Der Heiler hatte sie lediglich notdürftig versorgt und nur die schwersten Verletzungen geheilt. Für die Heilung der Blutergüsse war keine Zeit und ganz sicher wollte der Mann einem Schlammblut auch keine Sonderbehandlung zuteil werden lassen.

„Du hättest nicht herkommen sollen", Hermines Stimme klang brüchig und wie es der Zufall wollte, gebrauchte sie genau dieselben Worte, wie er sie einst gewählt hatte, als sie sich nach drei Jahren wieder trafen.

Lucius seufzte noch einmal und nahm vorsichtig ihre Hand, die auf der Lehne hinter ihm ruhte. „Komm zu mir, mein Herz"

Langsam und vorsichtig, zog er sie um den Sessel herum und schloss sie letztendlich in seine Arme , während er sie sanft auf seinen Schoß zog. Er hatte gespürt, dass sie eigentlich nicht angefasst werden wollte, aber er musste einfach fühlen, dass sie da war und ihr Herz noch schlug und es ihr einigermaßen gut ging.

Er lehnte seinen Kopf sanft an ihre Schulter und genoss ihre Nähe. Sie zuckte zusammen, ließ aber die Berührung zu. Steif hockte sie auf seinem Schoß, fast ängstlich darum bemüht nicht allzuviel Körperkontakt herzustellen.

„Glaubst du, ich würde dir nicht helfen wollen, wenn ich weiß, dass es dir nicht gut geht?", fragte er in ihre braunen Locken, die wirr und etwas schmutzstarrend von ihrem Kopf hingen.

„Und was hat es dir jetzt eingebracht, dass du hier her gekommen bist?", fragte Hermine stirnrunzelnd.

„Am Ende wirst du genauso sterben wie ich", resümierte sie niedergeschlagen und entwand ihre Finger aus seiner Hand.

„Weißt du, anfangs, da hatte ich noch Hoffnung. Ich glaubte, ich würde mich selbst befreien können oder meine Kollegen würden mich finden und befreien, aber mit jeder Stunde die verging, mit jedem brutalen Faustschlag, den ich erhielt, mit jedem Fluch der mich traf und mit jedem Tropfen Blut, den ich vergoss, wusste ich, dass ich nie wieder hier heraus kommen würde. Allmählich begann ich mich damit abzufinden, hier zu sterben", Hermine atmete zitternd ein und sah von Lucius weg. Sie konnte nicht in diese klaren eisgrauen Augen sehen, die ihr immer noch die wahnwitzige Hoffnung gaben, dass nicht alles verloren war.

„Dann kamst du und ich traute meinen Augen kaum. Du solltest nicht hier sein. Du solltest deine Strafe in England ab büßen. Was hast du getan, dass man dich frei ließ? Bist du überhaupt frei oder bist du geflohen?", fragte Hermine.

„Ich hatte einen Deal mit Potter", erklärte Lucius fast leidenschaftlos. Er zeigte nicht, wie sehr es ihn traf, dass Hermine so kalt zu ihm war. Er hatte gedacht, sie würde ihm dankbar um den Hals fallen oder zumindest sollte sie sich freuen ihn zu sehen. Offenbar war das aber nicht so.

„Einen Deal mit Harry? Was hast du ihm dafür geboten, dass er dich frei ließ?"

Hermines Stimme war derart vorwurfsvoll, dass Lucius sich sehr beherrschen musste, um sie nicht vom Schoß zu schubsen. Das lief nicht so, wie er sich das vorgestellt hatte. Keinesfalls würde er sich für sein Handeln rechtfertigen.

„Was glaubst du denn, was ich ihm bot?", fragte er genauso vorwurfsvoll zurück.

„Ich weiß nicht, Lucius. Du verstehst es ja sehr gut, dich aus jeder Situation herauszuwinden. Du verstehst es, die Dinge für dich auszunutzen. Vielleicht hast du ihm etwas versprochen und bist gar nicht gewillt es ihm zu geben? Nur, warum bist du dann hier? Dir muss doch klar sein, dass man dich sucht und wenn sie dich haben, dann kommst du ganz sicher nach Askaban"

„Kannst du dir eigentlich gar nicht vorstellen, dass du der Teil des Deals warst?", blaffte Lucius nun erbost. „Es hört sich für mich ganz so an, als ob du glaubst, ich würde alle Welt betrügen, um meine Freiheit zu bekommen. Wenn ich das vor gehabt hätte, dann wäre ich schon längst irgendwo auf einer Südseeinsel oder in Alaska, meine Liebe. Nein, ich wollte frei sein, um dir zu helfen und genau das war der Deal. Meine Hilfe dafür, dich zu finden und zu befreien und im Gegenzug dafür meine Freiheit." Lucius verschwieg, dass er Hermine eigentlich nur finden und dafür lediglich Hafterleichterung erhalten sollte.

Wer weiß, ob sie hier lebend heraus kamen. Da spielten solch unwichtige Details sowieso keine Rolle mehr.

Ich war der Deal", wunderte sich Hermine und wendete ihr Gesicht wieder Lucius zu. Der nickte, immer noch wütend auf ihre Ignoranz und Gefühlskälte ihm gegenüber.

„Ja! Deine feinen Aurorenkollegen hatten nicht den blassesten Schimmer, wo du bist. Nachdem jegliche Nachforschungen gescheitert waren, kam Harry Potter zu mir. Offenbar war er der Meinung, ich hätte Mittel und Wege, um dich zu finden"

„...und er hat sich offenbar auch nicht geirrt", nickte Hermine und ein kleines Lächeln stahl sich auf ihr Gesicht.

„Nun ja, ich habe so meine Quellen", untertrieb Lucius und lächelte ebenfalls. Wieder suchte er Hermines Hände, die kalt und blutverschmiert auf ihrem Schoß lagen. Er streichelte sanft darüber und sie zuckte zusammen, als er unabsichtlich über den verbliebenen Stumpf an ihrer linken Hand rieb. Lucius hob die Hand, warf einen Blick darauf und seine Lippen pressten sich hart zusammen, als er die verschorfte Wunde bemerkte. Hermine wollte ihm ihre Hand entziehen, aber er hielt sie eisern fest.

Lucius hatte in seinem Leben schon schlimmeres gesehen. Es war durchaus üblich, Geiseln einen Finger abzuschneiden, um zu drohen oder zu beweisen, dass man sie in seiner Gewalt hatte. Dass es nun ausgerechnet die Frau traf, die er liebte, erfüllte ihn mit bodenloser Erbitterung. Und wenn er daran dachte, wer an dieser Verstümmlung schuld war, dann steigerte sich diese Erbitterung noch um ein Vielfaches.

„Dir wird ein neuer Finger wachsen, sobald wir hier raus sind und wir dich zu einem qualifizierten Heiler gebracht haben", tröstete er sie und begann wieder ihre Hände, die eisig in seiner Hand lagen zu reiben.

Hermine schüttelte hoffnungslos den Kopf. „Wir werden hier nicht mehr heraus kommen, Lucius. Alles war umsonst, du und ich, wir werden hier sterben."

„Wie kannst du nur so reden, Hermine. Solange wir leben, können wir kämpfen!"

„Kämpfen?" Hermine lachte hysterisch auf. „Du kannst deinen Sohn nicht umbringen. Du konntest es eben nicht und auch nicht vorhin, als du ihn erkanntest. Du wirst es auch in einem Zaubererduell nicht können."

„Vielleicht genügt es, ihn außer Gefecht zu setzen. So lange, bis wir geflüchtet sind", überlegte Lucius.

„Es gibt keinen Fluchtweg und ich kann mir nicht vorstellen, dass man uns einfach so gehen lässt. Nein, es ist aussichtslos. Du solltest dich mit dem Gedanken anfreunden, hier zu sterben. Womöglich hingerichtet von deinem eigenen Sohn."

„Mir wird etwas einfallen. Außerdem hoffe ich immer noch, dass es Severus schafft, die Banne zu überlisten, um zu uns zu stoßen"

„Severus Snape? Du hast den Professor auch noch mit hier hinein gezogen?"

„Was heißt hier rein gezogen? Er wurde mir als Aufpasser mitgegeben und außerdem ist er mein bester Freund. Er lässt mich....uns nicht im Stich. Das weiß ich mit einhundert prozentiger Sicherheit", erklärte Lucius nachdrücklich.

„Zumindest wäre Severus ein besserer Duellant", sinnierte Hermine.

„Du traust mir wohl überhaupt nichts zu, was?", ärgerte sich Lucius. „Eigentlich hatte ich ein bisschen mehr Dankbarkeit von dir erwartet, aber alles was ich jetzt von dir höre, sind Vorwürfe und Resignation!"

„Ich wollte nicht, dass du wegen mir in eine solche Situation gerätst. Draco ist immerhin dein Sohn und wie es aussieht, wird er der nächste dunkle Lord. Was für ein Schicksal wird ihn wohl treffen?"

„Ich weiß es nicht, aber wenn es irgend möglich ist, dann müssen wir ihn daran hindern, dass er noch weiter Unheil anrichtet", grübelte Lucius vor sich hin, während er gedankenverloren Hermines Hände rieb, um den Blutfluss in Gang zu bringen.

„Wie willst du das tun, abgesehen davon, dass du nicht mehr lange genug leben wirst, um es zu verhindern?"

„Es reicht, Hermine. Wir kommen absolut nicht weiter, wenn du so pessimistisch bist. Ich bin nicht irgendjemand, der überhaupt keine Ahnung hat, was er tut. Solange ich nur noch einen Funken Leben in mir habe, werde ich kämpfen. Ich werde versuchen dich und Draco zu retten und ich verlange von dir, dass du, zum Teufel noch mal, wenigstens versuchst weiterzuleben. Du hörst dich schon an, als ob du tot bist. Das dulde ich nicht!", regte sich Lucius erneut auf.

„Vielleicht bin ich das schon längst? Weißt du eigentlich, was ich die ganze Zeit habe erdulden müssen? Glaubst du, ich hätte nicht immer wieder gehofft, dass alles gut würde. Aber es wird nicht alles gut werden und ich habe Angst davor dich gleich sterben zu sehen, Lucius"

Hermine schluchzte einmal heftig auf und schlang in einer plötzlichen Gefühlsaufwallung ihre Arme um den Mann, auf dessen Schoß sie saß. Weinend vergrub sie ihr Gesicht in seinen langen Haaren, die ihm unordentlich auf die Schultern fielen. Die Anspannung, das Leid, die Folter waren einfach zuviel gewesen. Hermine konnte nicht mehr. Sie konnte nicht mehr kämpfen und sie hatte die Hoffnung verloren. Sie klammerte sich an Malfoy wie ein kleines Kind, welches Angst vor dem Dunkel hat und Lucius drückte sie sanft an sich. Strich ihr leicht über den Rücken und murmelte leise Beruhigungsworte in ihr Ohr.

Lange saßen sie so da. Geduldig hielt Lucius Hermine bis die Weinkrämpfe nachließen und nur noch einzelne, wenige, gedämpfte Schluchzer zu hören waren. Lucius nahm sacht Hermines verweintes und nun noch mehr verquollenes Gesicht in seine Hände. Seine Daumen wischten die Tränen von den Wangen und leicht berührten seine Lippen ihr nasses Gesicht. Zärtliche Küsse auf ihrem Antlitz verteilend, sie haltend und streichelnd, versuchte er, ihr ohne Worte Hoffnung und Zuversicht zu vermitteln.

Mit der Zeit wurde Hermine zusehends ruhiger. Die Schluchzer verebbten langsam. Stattdessen schmiegte sie sich in seine Handfläche und nach und nach erwiderte sie seine Zärtlichkeiten. Erst jetzt wurde beiden bewusst, wie lange sie voneinander getrennt waren, wie sehr sie die Berührung des anderen vermisst hatten und wie bald dieser innige Kontakt zueinander wieder abbrechen würde.

Die Küsse wurden schnell intensiver. Seufzend öffnete Hermine ihren Mund und gewährte Lucius' forschender Zunge Einlass. Eng aneinander geklammert tauschten sie verzweifelte leidenschaftliche Küsse, bis sie sich, nach Atem ringend, eine ganze Weile später wieder voneinander lösten.

„Besser jetzt?", flüsterte Lucius liebevoll nah an Hermines Antlitz. Hermine nickte leicht lächelnd. „Ja, viel besser" Mit einem Seufzer legte sie ihren Kopf an seine Schulter.

„Ich hab dich so vermisst, die ganzen Jahre", wisperte sie leise an ihn geschmiegt.

„Ich dich auch. Ich hab mich gefragt, ob es da jemanden gibt in deinem Leben. Ob du dich verliebt und geheiratet hast."

„Nein, es gibt niemanden. Jedenfalls niemand, der mir wichtig genug war, um ihn auch zu heiraten", setzte Hermine hinzu. Immerhin gab es ja einige flüchtige Männerbekanntschaften, aber niemand der dauerhaft bei ihr geblieben war.

„Ich dachte immer, du heiratest eventuell Mr. Potter oder einen von den Weasleys und hast mit ihnen mindestens zehn Kinder", scherzte Lucius.

„Was??? Harry?", entsetzte sich Hermine. „Da hätte Ginny Weasley wohl etwas dagegen. Die beiden sind schon lange verheiratet und nein, keiner von den Weasleys", setzte sie hinzu. Allerdings ging ihr nun ein Gedanke durch den Kopf und sie richtete sich wieder kerzengerade auf. Ernst sah sie ihren früheren Geliebten an.

„Lucius ich muss dir etwas sagen."

Lucius lüpfte eine Augenbraue. „Was, mein Herz? Ist dir jetzt doch eingefallen, dass es da jemanden in deinem Leben gibt?"

„Nun ja, so könnte man es auch bezeichnen", druckste Hermine ein wenig herum und spielte verlegen mit einem Fetzen von ihrer Bluse.

Das Lächeln verschwand aus Lucius' Gesicht. „Du bist mir keine Rechenschaft schuldig. Ich hatte dir ja gesagt, du sollst dein Leben weiter leben", behauptete er düster und versuchte verständnisvoll auszusehen.

Allerdings tat es doch ziemlich weh, dass Hermine nicht mehr allein war, wenn Lucius ehrlich war. Er hätte sich gewünscht sein restliches Leben mit ihr zu verbringen, aber das war jetzt wohl nicht mehr möglich. Einmal davon abgesehen, dass die Umstände es unwahrscheinlich machten, dass es für sie so etwas, wie ein restliches Leben gab.

„Nein, es ist nicht so, wie du denkst. Es gibt keinen anderen Mann", beeilte sich Hermine zu sagen.

„Lucius, damals als wir...naja, wir haben nicht verhütet, als wir miteinander schliefen. Ich weiß selbst nicht warum. Ich bin in solchen Dingen eigentlich nicht so nachlässig, aber ich kam irgendwie gar nicht auf die Idee, dass es hätte Folgen haben können und das obwohl es ja nur ein Trank ist, den man danach einnehmen muss und der immer in meinem Badezimmer steht...zum Greifen nahe, sozusagen...."

„Hermine, was versuchst du mir zu sagen..." unterbrach sie Lucius. Er hatte so eine Ahnung, aber das konnte nicht sein. Er hätte es erfahren und niemand wusste...

„Lucius du...ich..nein, wir haben eine Tochter", eröffnete Hermine dem stocksteif dasitzenden Mann.

„Wir haben was?", fragte Lucius, als er hätte er nicht verstanden, was ihm Hermine sagen wollte.

„Nun ja, wir haben ein Mädchen. Alyssa, sie ist jetzt drei Jahre alt. Naja...selbstverständlich ist sie jetzt drei...", plapperte Hermine nervös. Sie konnte mit Lucius' Reaktion einfach nicht umgehen. Sie dachte, er würde sich freuen und sie fand es richtig, dass sie ihm endlich sagen konnte, dass er noch einmal Vater geworden war, auch wenn er seine Tochter vielleicht niemals sehen würde.

„Warum weiß niemand davon, dass du ein Kind hast?", fragte Lucius unwirsch. Tausend Gedanken wirbelten durch seinen Kopf.

Er hatte eine Tochter!

Er war Vater schon seit drei Jahren!.

Warum wusste er davon nichts?

„Weil ich nicht riskieren wollte, dass jemand erfuhr, von wem das Kind ist", erwiderte Hermine trotzig und verletzt.

„Was glaubst du wohl, was passieren würde, wenn jemand erfährt, wessen Kind ich geboren hatte. Unsere ganze Affäre damals wäre aufgeflogen. Ich hätte meinen Job verloren. Das konnte und wollte ich nicht hab ich meine Eltern um Hilfe gebeten", rechtfertigte sich Hermine. „Nach dem Krieg haben sie sich entschlossen, Großbritannien den Rücken zu kehren. Sie baten mich damals, sie zu begleiten, aber ich wollte meinen neuen Job bei den Auroren nicht aufgeben. Also gingen sie allein und bauten sich weitab von jeglicher Zauberergesellschaft in Australien eine neue Existenz auf. Als ich merkte, dass ich schwanger wurde, nahm ich für eine gewisse Zeit Urlaub. Ich gab an, dass ich Erholung brauchte und da ich noch soviele Urlaubstage ausstehen hatte und dazu noch einen Riesenberg voller Überstunden vor mir her schob, gewährte man mir diese Bitte. Meine Freunde fragten zwar ziemlich hartnäckig nach, aber ich blieb bei der Version, erst mal Abstand von allem haben zu müssen und flog zu meinen Eltern. Dort kam dann Alyssa zur Welt...Nach einigen Monaten ließ ich mein Kind dort und kam wieder nach England zurück. Ich ging weiter arbeiten und führte ein ganz normales Leben und nebenbei versuchte ich unsere Tochter so oft wie möglich zu besuchen..."

Steif, mit unbewegtem Gesicht hörte Lucius, wie Hermine hastig, aus Angst unterbrochen zu werden das für ihn so unglaubliche Ereignis schilderte, welches die Existenz seines Kindes bedeutete. Zahllose Gefühle kämpften in seinem Inneren miteinander.

Er fühlte Wut, weil er von all dem ausgeschlossen worden war. Weil er nicht die geringste Ahnung von der Existenz eines weiteren Kindes hatte und wahrscheinlich auch nichts erfahren hätte, wenn Hermine nicht entführt worden wäre und seine Hilfe gebraucht hätte. Er fühlte Enttäuschung darüber, dass die Frau, die er liebte, ihm dieses wichtige Detail einfach verschwiegen hatte und ja, ganz hinten in seinem auf Höchstouren arbeitenden Verstand, fühlte er ein klitzekleines Glücksgefühl, welches die erneute Vaterschaft hervor rief. Die Wut in seinem Bauch, die ihm wie ein harter Ball in seinem Magen lag, überwog jedoch alles andere.

„Warum hast du es mir nicht schon früher gesagt? Meinst du nicht, ich hätte es wissen wollen? Kannst du dir vorstellen, dass ich dann vielleicht nicht versucht hätte meinem ganzen elenden Leben ein Ende zu setzen? Hast du nicht einen einzigen verdammten Gedanken daran verschwendet, dass ich vielleicht für das Kind hätte leben wollen?", hielt Lucius Hermine empört und gekränkt vor.

„Ich war der Ansicht, es ist besser für dich, es nicht zu wissen. Lucius, verstehst du nicht? Was hätte es denn gebracht, wenn ich es dir gesagt hätte? Du wärst immer noch in deinem Haus gefangen, du hättest sie niemals sehen können und du wärst wohl noch unglücklicher geworden"

„Du hättest es mir sagen müssen", beharrte Lucius unerbittlich und schob sie von seinem Schoß. Er konnte im Moment keinen engen Körperkontakt mit ihr haben. Er war zu sehr aufgewühlt.

Hektisch stand er auf und zog Hermine statt seiner auf den Sessel. Während die Tränen über Hermines Gesicht rannen und sie ihn fast verzweifelt dabei zusah, wie er begann hektisch in dem kleinen Raum auf und ab zu laufen, fragte er.

„Erzähl mir von ihr, Hermine. Wie sieht sie aus? Ist sie magisch?" Lucius bedauerte es, dass er so eine Niete in Oklumentik war. Jetzt hätte er sehr gerne über Severus' Fähigkeiten verfügt, in anderer Leuten Verstand schauen zu können. Er wünschte, dass er so wenigstens hätte sehen können, wie sein Kind aussah, bevor er starb.

Hermine wischte sich entschlossen mit ihrem Ärmel die Tränen vom Gesicht und ihr Gesicht begann zu leuchten, als sie von ihrer kleinen Tochter erzählte.

„Sie ist ein Wirbelwind. Sie konnte schon sehr früh laufen und hat es meinen Eltern sehr schwer gemacht immer auf sie aufzupassen. Sie ist sehr wissbegierig und obwohl sie erst drei Jahre alt ist, kann sie schon einige Wörter lesen. Sie hat dunkelblondes langes Haar. Es ist wunderschön und glänzend, so wie deins" Hermine lächelte ganz in ihre Erinnerung an Alyssa versunken, während Lucius vor ihr stehen blieb und ihr begierig jedes Wort von den Lippen zog.

„Ja, und weiter...", wollte Lucius ungeduldig wissen.

„Ja, magisch ist sie. Ich weiß noch nicht so recht, wie groß ihre Fähigkeiten sein werden. Aber mein Vater rief mich neulich an und erzählte mir sehr stolz, dass unser kleines Mädchen die Schüssel Spinat, die sie nicht essen wollte, mittels Telekinese in die Spüle geworfen hatte." Lucius lächelte. „Draco mochte auch keinen Spinat"

Hermine lächelte ebenfalls und ergriff spontan Lucius' Hand. „Sag, freust du dich denn gar nicht über unser Kind?" Sie hatte zwar den Eindruck, als ob Lucius tatsächlich so etwas wie Vaterfreude empfand, aber im Moment spürte sie nur seine Wut, die sie mehr als alles andere traf.

Lucius seufzte und hockte sich vor Hermine. Er ergriff ihre andere Hand und hielt sie beide auf Hermines Schoß in seinen Händen.

„Ja, ich freue mich, Hermine. Mit allem hätte ich gerechnet, aber mit dieser Nachricht hast du mich bis ins Innerste getroffen. Ich hätte mir nur einen anderen Zeitpunkt und Ort gewünscht. Ich hätte mir gewünscht, du hättest es mir schon viel früher gesagt"

Als die Tränen wieder aus Hermines Augen quollen, strich Lucius sie mit seinem Daumen fort. Er lehnte seine Stirn gegen ihre. „Ich bin unsagbar glücklich über unser Mädchen. Ich wollte, ich könnte sie wenigstens einmal sehen, einmal in meinem Arm halten", gestand er überwältigt.

Nun liefen die Tränen erst recht unkontrolliert über Hermines Gesicht. Schluchzend umarmte sie den vor ihr knienden Mann und barg ihr Gesicht an seiner Schulter.

„Ich wollte es dir oft sagen, Lucius. Aber ich hab immer im letzten Moment gekniffen. Ich brachte es einfach nicht fertig, dir zu sagen, dass da noch ein Kind ist, dein Kind. Womöglich hättest du es mir nicht mal geglaubt und ich fand, es wäre so leichter für dich, es nicht zu wissen. Verzeihst du mir?", schniefte sie an seinem Hals.

Lucius drückte den schmalen Körper der jungen Frau an sich und schloss gequält die Augen. „Natürlich tue ich das, mein Herz. Ich verzeihe dir. Ich weiß, dass sie es gut haben wird, in Australien. Auch wenn ich mir gewünscht hätte, sie selbst aufwachsen zu sehen."

Lucius musste sich wohl oder übel eingestehen, dass er es durchaus in Ordnung fand, dass sein Kind, welches nach seinen reinblütigen Maßstäben, ein Schlammblut war, von Muggeln aufgezogen wurde. Lucius hatte jedenfalls keine Zeit und Muse mehr, sich über solche Dinge wie Blutreinheit und Unwürdigkeit Gedanken zu machen. Andere, sehr reale Dinge standen dafür im Vordergrund.

Die Zeit war fast um und er hatte Hermine noch nicht einmal das Wichtigste gesagt.

Lucius rückte ein wenig von Hermine ab, so dass er ihr ins Gesicht blicken konnte. Aufmerksam sah er sie an, als wolle er sich diesen Augenblick für immer in sein Gedächtnis brennen. In einer Stunde würde er wohl schon tot sein und Hermine würde ihm wahrscheinlich schon bald folgen.

„Hermine, ich möchte, dass du Eines weist. Ich liebe dich und ich werde, wenn ich heute tatsächlich sterben sollte, wo auch immer das nach meinem Tod sein wird, auf dich warten."

Hermine schüttelte verzweifelt den Kopf, so dass ihre Haare wild um sie herum tanzten.

„Ich will das nicht hören Lucius. Es muss noch einen Ausweg geben. Vielleicht kommt Severus, oder wir können doch noch fliehen. Ich will dich nicht aufgeben. Nicht jetzt!" Verzweifelt klammerte sie sich an den großen Mann und flüsterte ihm ins Ohr. „Ich liebe dich auch, Lucius. Ich tue es schon so lange und ich werde dich immer lieben."

Die Ausweglosigkeit in diesem Moment, die absolute Verzweiflung und die Trauer umeinander ließ sie beide erschauern. Suchende Lippen fanden sich und vereinten sich zu einem verzweifelten und doch so innigen Kuss. Verzagt klammerten sie sich aneinander, immer wieder die trügerische, tröstliche Nähe des anderen suchend. Bis ein leises Summen im Hintergrund das Nahen ihres vermutlichen Henkers ankündigte.

Lucius räusperte sich und stand auf und zog Hermine mit sich. Er wollte seinem Sohn nicht noch mehr Schwächen offenbaren und ihm aufrecht stehend entgegen sehen. Fest schlang er seinen Arm um die Geliebte und Mutter seines Kindes und starrte den herein tretenden Sohn in die kalten blauen Augen.

„Nun, seid ihr bereit für den letzten großen Showdown?", spöttelte der Jüngere und hob, so wie sein Vater bei so vielen Gelegenheiten, eine Augenbraue.

„Wir sind bereit, wofür du uns auch immer benötigst", erklärte Lucius äußerlich gelassen und zog, auf eine auffordernde Bewegung von Dracos Hand Hermine mit sich nach draußen.

So würdevoll wie irgend möglich schritt er, Hermines Hand fest umklammernd, an seinem Sohn vorbei ins Freie.

Tbc.