Titel: Lebenslänglich – Die Rückkehr -

Autor: Eve

Rating: P 18

Beta: Lady of the Dungeon

Typ: Harry Potter Fanfiction

Pairing: Lucius Malfoy/Hermine Granger

Warnung für dieses Kapitel: Hurt

Disclaimer: Leider gehört Lucius immer noch nicht mir. Alle Charaktere gehören Frau Rowling. Die Idee zu dieser Story ist aber von mir!

Kapitel: Sechzehn

~~~~~~~~~~~~LM/HG~~~~~~~~~~~

6. Januar (18:15 Uhr)

Hoch erhobenen Hauptes, mit arrogant hervor gestrecktem Kinn, schritt Lucius Malfoy an einer Reihe schwarz gekleideter Gefolgsmänner seines Sohnes vorbei, die sich in einem Spalier zu beiden Seiten des Weges aufgestellt hatten.

Lucius' steinernem Gesichtsausdruck war nicht zu entnehmen, was er fühlte oder dachte. In seinem Inneren wütete allerdings die Sorge um Hermine, zusammen mit der Angst davor, sich mit Draco duellieren zu müssen, wie ein Wirbelsturm. An sein eigenes Wohl verschwendete er keinen Gedanken. Er glaubte nicht, dass er hier jemals lebend heraus kam.

Was seinen Sohn anging, so vertraute er trotz der ziemlich schockierenden Demonstration der neu erworbenen Zauberkünste Dracos, noch immer darauf, ihn auf irgendeine Art und Weise besiegen zu können, und zwar so, dass dieser das Duell überlebte. Draco war jung und konnte noch gar nicht über die jahrelange Erfahrung im Kampf Mann gegen Mann verfügen, die er selbst besaß. Er hoffte, dass Draco zumindest ihm gegenüber so fair war, die neue dunkle Magie, die durch die Kraft des Ringes in ihm wohnte, nicht zu benutzen, auch, wenn eine kleine böse Stimme in ihm ihn einen vertrauensseligen Narren schalt.

Während Lucius mit Hermine voran schritt, die sich dicht an seine Seite drängte, wagte er gar nicht daran zu denken, seinem eigen Fleisch und Blut schmerzhafte und in ihrer Wirkung äußerst unangenehme Flüche auf den Hals zu hetzen, obwohl Draco es unzweifelhaft verdient hatte, bestraft zu werden. Noch schlimmer - Lucius fragte sich, wie es nach diesem Duell, wenn er es denn gewann, weiter gehen würde. Er konnte Draco seinen zerstörerischen Weg nicht weiter gehen lassen. Er musste ihn dauerhaft aufhalten. Aber so, wie es aussah, waren ihm die Hände gebunden, beziehungsweise, er besaß einfach nicht die Kaltblütigkeit, sein Kind umzubringen. Würde es reichen, ihn ein Leben lang einzusperren? Würde es seinen Sohn nicht genauso in den Irrsinn treiben gefangen zu sein – für immer, ohne die Hoffnung auf eine Änderung dieses Zustandes?

Würde er ihm das zumuten können, wo er doch selbst gerade erst die Freiheit wieder erlangt hatte? Lucius kannte keine Antwort auf diese Fragen.

Es kostete ihn eine unheimliche Anstrengung, alles, was mit der Zukunft zu tun hatte, aus seinem Kopf zu verbannen. Er musste sich jetzt auf das drohende Duell konzentrieren, bevor er sich Gedanken darüber machte, was weiter geschehen sollte.

Ganz kurz nur flatterte das Bild eines kleinen, blond gelockten Mädchens durch seinen Verstand. Er würde seine Tochter niemals zu Gesicht bekommen, wurde ihm in diesem Augenblick bewusst, und eine riesige Welle des Verlustes überrollte ihn heiß und unangenehm schmerzend.

Verdammt, wo bleibt denn nur Severus!

Während er dem immer noch abwesenden Freund mittlerweile jeden nur erdenklichen Fluch an den Hals wünschte, schritt er zumindest äußerlich gelassen wirkend durch die Reihen regungslos dastehender Zauberer, die alle davon überzeugt waren, dass ihr Herr und Meister heute einen der ältesten noch lebenden Anhänger des Dunklen Lords, der dummerweise die Seiten gewechselt und das Ableben desselben damit beschleunigt hatte, auslöschen würde. Finstere Blicke trafen den Zauberer, der sie äußerst ungerührt zurück gab. Es brauchte schon etwas mehr um einen Lucius Malfoy tatsächlich einzuschüchtern, als ein paar unversöhnliche mörderische Blicke von unbedeutenden Gefolgsleuten.

Allerdings spürte er, dass Hermine neben ihm immer nervöser wurde und seine Nähe suchte. Er fühlte die zunehmende Kälte ihrer Hand in seiner und drückte beruhigend ihre Finger. Das Letzte, was sie hier brauchen würden, wäre eine in Panik geratene junge Frau. Er hoffte, dass sie ihre antrainierte Kaltblütigkeit in verfahrenen Situationen, die er noch gut in Erinnerung hatte, nicht völlig vergaß.

Noch waren sie nicht tot und er würde sich etwas einfallen lassen.

Irgendetwas!

Lucius, Hermine und kurz nach ihnen Draco hatten eine Stelle der Grotte erreicht, die wie eine große Plattform aussah. Einige wenige Steinbrocken begrenzten auf der einen Seite eine flache Ebene. Der Fels war glatt gescheuert durch die Gezeiten, die selbst in dieser kleinen Grotte spürbar waren. Normalerweise war dieser Ort bei Flut mit Wasser bedeckt. Doch jetzt herrschte Ebbe und somit offenbarte sich eine relativ ebene, steinerne Fläche auf der nur einige kleinere Wasserpfützen und wenige Muscheln anzeigten, dass sich hier normalerweise Meerwasser befand.

„Halt", ordnete Draco hinter ihnen an und blieb stehen. Er winkte einem seiner Männer zu, die sie begleitet hatten, und deutete auf seinen Vater.

„Durchsucht ihn vorher. Ich will keine Überraschung erleben, weil er vielleicht mehrere Zauberstäbe oder andere Dinge bei sich trägt, die nicht den Duellregeln entsprechen."

„Draco, ich werde fair kämpfen." Lucius' Stimme klang gepresst, aber er wehrte sich nicht, als jemand ihn ziemlich unsanft auf versteckte Waffen hin überprüfte.

„Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser!", erklärte Draco ungerührt und wirbelte währenddessen seinen eigenen Zauberstab gekonnt durch die Finger. „Du bist nicht gerade als vertrauenswürdig bekannt, Lucius!"

Malfoy verdrehte stumm die Augen. Er konnte seinem Sohn diese Meinung nicht mal übel nehmen. Normalerweise arbeitete er mit allen Tricks, und auch jetzt war er dazu bereit, jeden nur erdenklichen Vorteil zu nutzen, um dies halbwegs unbeschadet zu überstehen.

Selbstverständlich hatte man keine andere Waffe bei ihm gefunden, weil er in der rasenden Eile und seiner ihm angeborenen Überheblichkeit gar nicht daran gedacht hatte, sich noch etwas anderes zu besorgen.

„Nichts", murmelte derjenige, der ihn durchsucht hatte, und trat einen Schritt zurück.

„Gut, gut...dann können wir ja beginnen, wenn das Schlammblut endlich zur Seite tritt", schlug Draco vor und blickte kalt auf Hermine, die noch immer neben Lucius stand.

„Andererseits könntest du sie ja als Schutzschild benutzten, Vater. Ich wäre sehr gespannt, wie viele Flüche sie im Extremfall aushält, bevor sie stirbt. Schlammblüter sollen ja sehr zäh sein", überlegte Draco und grinste hämisch. Hermine wurde noch blasser, als sie ohnehin schon war, versteifte sich und reckte zu Lucius' großer Freude ihr Kinn kämpferisch nach vorne. „Ich würde zweifellos mehr aushalten, als du kleines arrogantes Frettchen!", zischte sie angriffslustig, und Draco lief rot an, als er seinen Schimpfnamen aus Kindertagen hörte.

Er hob seinen Zauberstab und richtete ihn mit Hass verzerrtem Gesicht auf die Gryffindor. „Du elendes Weibsbild, was bildest du dir eigentlich ein....?"

Doch noch ehe ein Fluch den Stab verlassen konnte, hatte sich Lucius vor Hermine geschoben und hob abwehrend die Hände.

„Wir sind hier, weil wir etwas zu Ende bringen wollen, Sohn. ICH bin es, mit dem du dich duellieren wolltest."

Während Hermine wütend leise flüsternd hinter ihm noch irgendetwas murmelte, das sich in etwa so anhörte, als brauche sie keinen heldenhaften Verteidiger, senkte Draco nach einigen Momenten des Zögerns einsichtig den Zauberstab.

„Du hast Recht, Vater. Erst werde ich dich das Fürchten lehren und dich hinweg fegen wie einen schwachen Ghul und genüsslich töten, bevor ich mir die kleine Schlampe vornehme", erklärte er voller Inbrunst, während seine Augen irre aufflackerten. Draco zog aus seiner schwarzen Robe einen Zauberstab und warf ihn seinem Vater zu. „Hier, dein Stab...tolles Teil, übrigens. Woher hast du ihn? Aus einem Gebrauchtwarenladen für arme mittellose Zauberer?" Draco grinste abfällig. Er wusste durchaus, was für einen Zauberstab Lucius da hatte, und dass er damit keinen der Unverzeihlichen wirken konnte.

Lucius' Gesicht wurde einen Ton blasser. Er hatte gehofft von Draco einen anderen Stab zu bekommen, eventuell den des toten Avery. Stattdessen musste er nun mit diesem unzureichenden Zauberutensil ein womöglich tödliches Duell austragen und seine Chancen sanken nunmehr dann doch gegen Null.

Für eine kurzen Moment sackten seine Schultern resignierend nach vorn. Im gleichen Augenblick spürte er Hermines Hand auf seinem Rücken und riss sich wieder zusammen. Er würde ihr nicht zeigen, wie sehr er sich sorgte. Er drehte sich um und nahm ihre Hand in seine. Er spürte die Anspannung, die von ihr ausging. Ihr Mund formte ein lautloses, „Ich liebe dich". Er lächelte kurz und antwortete ebenfalls lautlos, „Ich dich auch". Damit war ihre Konversation auch schon beendet. Hermine wurde grob am Arm gepackt und hinter die großen Felsen, die am Rande der Ebene lagen, gezogen.

Nunmehr standen sich Lucius und Draco allein gegenüber.

„Der Abstand beträgt zehn Meter. Du wirst voran gehen. Ich warte hier, und wenn du dich umdrehst, ist das das Zeichen für den Beginn", erklärte Draco. Lucius nickte wortlos.

Er war davon überzeugt, dass sein Sohn nicht warten würde, bis er die zehn Meter von ihm weggelaufen war. Er würde ihm in den Rücken schießen, und dagegen musste Lucius sich wappnen.

Lucius drehte sich ohne ein weiteres Wort um und begann sich langsam von Draco zu entfernen. Fest hielt er das Holz des manipulierten Zauberstabes in seiner rechten Hand. Die Spitze wies nach unten.

Während des Laufens konzentrierte er sich auf sein immer noch ausgezeichnetes Gehör. Er hatte schließlich keine Augen am Hinterkopf, die ihm sagen würden, wann Draco seinen Zauberstab auf ihn richtete, aber er traute sich durchaus zu, in der gespannten Stille, die im Augenblick herrschte, das Rascheln von Kleidung zu vernehmen. Dies würde das unfehlbare Zeichen sein, dass sein Sohn beabsichtigte, ihm unfairerweise einen Fluch in den Rücken zu jagen.

Gerade als er den sechsten Schritt ausführte, hörte er Hermine aufschreien und im gleichen Moment ließ er sich einfach fallen und rollte über den steinigen Boden mehrere Meter zu Seite.

Ein giftgrüner Strahl zischte nur eine Handbreit an ihm vorbei und tauchte zischend in das Meerwasser vor ihm ein. Draco hatte also die Regeln gebrochen, aber niemand hier würde ihn zur Rechenschaft ziehen. Ganz im Gegenteil. Beifallsrufe brandeten auf, während Lucius behände aufsprang und nun seinerseits auf seinen Sohn zielte.

Was nun folgte, war eine wahnsinnig schnell Abfolge verschiedenster Flüche, die beide Duellpartner gezielt aufeinander abfeuerten, während sie geschickt den flammend roten, blauen und weißen Strahlen auswichen, die die Zauberstäbe verließen. Für Außenstehende musste es wie ein imaginäres Ballett aussehen, was die beiden Männer aufführten. Mehr oder weniger anmutig verbogen sie sich oder reckten kraftvoll die Arme nach vorn, wenn sie laut ihren Zauberstäben die Flüche befahlen.

Mit der Zeit zeigte sich jedoch, dass es Draco zunehmend gelang, die Oberhand über seinen Vater zu gewinnen. Lucius fehlte einfach die Kondition. Die lange Zeit der Gefangenschaft, zu wenig Bewegung und Training hatten dazu geführt, dass er schwerfälliger geworden war, weniger geschickt darin, die Flüche gleichzeitig auszustoßen, auf das gegnerische Ziel zu lenken und noch dazu selbst den auf ihn abgefeuerten Flüchen auszuweichen.

Nach einiger Zeit merkte Lucius, wie ihn langsam die Kräfte verließen. Schweiß lief ihm über die Stirn und tropfte in seine Augen. Dies behinderte seine Sicht, und als er zu allem Überfluss kurz das Gleichgewicht verlor und strauchelte, traf ihn der erste Fluch seines Sohnes. Man hörte ein hässliches Geräusch, so als würde man Papier in der Mitte durchreißen, und zeitgleich zeigte sich ein langer Schlitz in Lucius' schwarzem Pullover, aus dem feucht glänzend Blut hervorquoll. Lucius selbst unterdrückte einen Schmerzenslaut, worauf Draco beifällig grinste und den nächsten nicht minder gefährlichen Fluch gleich hinterher schickte.

Lucius kämpfte beharrlich weiter. Er wusste, dass es nur noch eine Frage der Zeit war, bis er von zahlreichen Flüchen immer wieder getroffen werden würde. Dennoch kam eine Kapitulation seinerseits nicht in Frage. Er machte sich mittlerweile auch keine Illusionen mehr darüber, ob er diesen Ort jemals wieder lebend verlassen würde. Selbst wenn der Zauberstab in seiner Hand sein eigener gewesen wäre, hätte er es nicht fertig gebracht, einen tödlichen Fluch auf seinen Sohn zu hetzen.

Draco indes kannte anscheinend keine solchen Bedenken. Er hatte schon einige Male den Avada Kedavra ausgesprochen.

Die Zeit schritt voran, beide Männer kämpften verbissen, umkreisten einander, wichen aus und näherten sich wieder an. Schweiß überströmt waren jetzt alle beide. Lucius blutete bereits aus mehreren Wunden, während sich über Dracos Gesicht lediglich ein einziger tiefer, blutiger Kratzer zog, den ihm sein Vater beigebracht hatte.

Hin und wieder viel Lucius' Blick auf das totenblasse Gesicht Hermines. Er sah sie zwischen den Gesteinsbrocken kauern. Einer von Dracos Männern hielt sie eisern am Arm fest. Offensichtlich hatte sie schon mehrere Male Anstalten gemacht, hervorzuspringen, um ihm irgendwie zu helfen. Er sah die Hoffnungslosigkeit in ihren Augen und wandte sich ab, ehe sich dieses Gefühl auch in ihm selbst breitzumachen versuchte. Das konnte nicht das Ende sein! Doch wieder streifte ihn ein Sectumsempra, und der scharfe Schmerz, der ihn durchzuckte, ließ ihn wanken und auf die Knie gehen.

Er hörte Hermine hinter sich aufschreien, dieser Ton der reinen Verzweiflung ließ ihn noch einmal reagieren und er riss seinen Zauberstab empor. Er war nicht schnell genug. Der nächste Fluch traf seine Hand und klappernd fiel das nun nutzlose Stück Holz auf den Boden und rollte aus seiner Reichweite. Draco schrie triumphierend auf und kam näher.

„Siehst du, Lucius? Ich bin dir überlegen, und ich hab nicht mal die stärksten Geschütze aufgefahren", erklärte er seinem Vater feixend, während er sich vor dem knienden Zauberer bedrohlich aufbaute. Gnadenlos richtete Draco die Spitze seines Stabes auf den Kopf seines Vaters.

„Erkennst du nun, was für ein mächtiger Zauberer ich bin? Gibst du zu, dass du schwach bist und versagst hast?", fragte er streng.

„Gar nichts gebe ich zu, und ich sehe lediglich meinen fehlgeleiteten Sohn vor mir, keine Spur von einem mächtigen Zauberer", erklärte Lucius mit schmerzverzerrtem Gesicht und hielt sich die verletzte Hand vor die Brust.

„Arghhh!", schrie Draco hysterisch und beleidigt auf und schlug seinem Vater mit voller Wucht ins Gesicht. Blut spritzte sowohl auf den Boden, als auch auf die beiden Männer, während Hermine sich mit einem lauten „Nein!" endlich von ihrem Bewacher los riss, indem sie ihn gekonnt in die Weichteile zwischen seinen Beinen trat und geschickt über den sich stöhnend zusammen krümmenden Mann sprang, um auf ihren Geliebten und seinen Sohn zuzueilen.

Mit einer lässigen Handbewegung richtete Draco den Zauberstab auf Hermine.

„Stupor!"

Hermine flog von dem Fluch getroffen nach hinten und prallte mit dem Rücken gegen einen der großen Felsen. Wie eine leblose Puppe glitt sie an dem Stein hinunter und blieb reglos liegen.

„Du Bastard!", brüllte Lucius außer sich vor Zorn und Sorge auf, und wollte sich auf seinen Sohn werfen, der ihm aber sofort den Zauberstab unter die blutende Nase hielt und ihn somit von weiteren Racheaktionen abhielt.

„Sei froh, dass ich nicht gleich einen Avada auf sie abgefeuert habe", erklärte er gelangweilt.

„Ich werde sie mir vornehmen, wenn du endlich deinen Zweck erfüllt hast", erklärte er seinem Vater großspurig.

Lucius rappelte sich wieder vom Boden hoch, ungeachtet des drohend auf ihn gerichteten Zauberstabes. Er würde niemals knieend sterben. Stattdessen wollte er Draco in die Augen blicken, wenn es soweit war. Ruhelos glitten seine Augen zu Hermine und wieder zurück zu seinem Sohn. Draco grinste breit.

„Du wirst schon bald wieder mit ihr zusammen sein. Da, wo jeder von uns irgendwann einmal landet. Die einen früher - und die anderen sehr viel später", klärte er seinen Vater wichtigtuerisch auf und fuchtelte mit seinem Zauberstab.

„Draco, sei vernünftig und komm zur Besinnung", appellierte Lucius noch einmal an seinen Sohn.

„Zur Besinnung? Ich war noch niemals so klar wie jetzt", schnaubte Draco entrüstet, wechselte seinen Zauberstab nach links und hob die Hand mit dem verhängnisvollen Ring am Finger.

Lucius' Augen weiteten sich. Jetzt erkannte er, was Draco vorhatte. Er wollte ihn gar nicht auf herkömmliche Weise töten, sondern er sollte das Schicksal dieses armen Mannes teilen, welcher vor wenigen Stunden von Draco praktisch hingerichtet worden war.

„Nein, Draco! Nicht!", konnte er noch hervorbringen, als er auch schon von einer unsichtbaren, starken Kraft in die Knie gezwungen wurde. Gewaltige Kopfschmerzen überfielen ihn. Er fühlte, wie das Blut stärker aus seiner Nase schoss und war unfähig, die Hand zu heben, um es wegzuwischen. Laut stöhnend kauerte er sich zusammen. Der Schmerz in seinem Kopf explodierte, sein Körper wurde schwer, die Muskeln gehorchten ihm nicht mehr. Er spürte nicht einmal den harten Stein unter sich, sein Leben tröpfelte aus ihm heraus, ähnlich wie das Blut aus seiner Nase, und er konnte diesem unsichtbaren Sog nicht das Geringste entgegen setzen.

Ein Tumult am Ende der Höhle ließ Draco aufschauen. Einige Felsbrocken wurden mit gewaltiger Kraft und ebensolchem Getöse weg gesprengt. Die wenigen Wachen, die den Eingang zur unterirdischen Grotte bewachen sollten, gerieten in Aufruhr und schossen aufs Geradewohl einige Flüche ab, die jedoch sämtlich von etwas bläulich Leuchtendem abprallten, welches sich seinen Weg aus dem Tunnel bahnte.

„Was, bei Luzifers roten Haaren, ist jetzt schon wieder los", fluchte Draco und unterbrach den Bann, den er auf seinen Vater gelegt hatte. Lucius spürte, wie der Sog plötzlich aufhörte und atmete schwer. Er fühlte sich schrecklich zerschlagen, um Jahre gealtert, aber selbst ihm entging die Verwirrung, die eben entstanden war, nicht.

Sein blasses Gesicht zeigte ein verzerrtes Grinsen. „Endlich...", stieß er hervor und versuchte sich aufzurichten. Offenbar hatte es Severus endlich geschafft zur Hilfe herbeizueilen.

Severus Snape brauchte nicht lange, um seine Widersacher außer Gefecht zu setzen. Er war schon immer ein brillanter Kämpfer gewesen. Seine Flüche verfehlten kein einziges Mal ihr Ziel, während er unter dem Schutz seines Schirmes, den offenbar kein Fluch durchdringen konnte, unaufhaltsam vorwärts schritt. Rechts und links fielen Dracos Männer einer nach dem anderen Snapes präzise ausgestoßenen Flüchen zum Opfer.

Draco war viel zu verblüfft, um einzugreifen. Fassungslos starrte er auf die schwarz gekleidete Gestalt, die von einer bläulich schimmernden Aura umgeben war, welche einem Schneepflug gleich, mit wehender Robe näher kam.

„Aufhören! Sofort!" donnerte es durch Höhle.

Der bläulich fluoreszierende Schutzschild, der Snape umgab, leuchtete bedrohlich auf. Der Schirm schien sämtliche magische Magie, die auf ihn abgefeuert wurde, zu absorbieren und ihn noch stärker zu machen. Der Rest von Dracos Anhängern, die sich am Duellplatz befanden und ursprünglich dem einzigartigen Schauspiel von Lucius' Vernichtung hatten beiwohnen wollen, zog nun ebenfalls die Zauberstäbe und gingen in Deckung.

Severus griff ohne Vorwarnung an, und in schneller Folge verließen mehrere gut gezielte Flüche seinen Zauberstab, um sich leise fauchend in weiche Männerleiber zu bohren, die daraufhin fast lautlos zur Erde sanken. Einige verirrte Zaubersprüche schlugen in den Schild, aber keiner durchdrang ihn oder hielt ihn auch nur für Sekunden auf. Snapes Vormarsch fand fast ungebremst statt.

„Hör auf, Draco, was auch immer du da tust!", erklang Severus Snapes herrisch hervorgebrachter Befehl, während er bei der regungslos daliegenden Hermine anhielt. Er beugte sich über sie, ohne die beiden Malfoys aus den Augen zu lassen, und tastete nach ihrer Halsschlagader. Hermines Zustand war offenbar nicht besorgniserregend, da Severus sich wieder aufrichtete, um weiter auf den fassungslosen Draco und den mitgenommen Lucius zuzugehen. Einem plötzlich aus der Deckung eines Felsens heraus geschossenem Fluch wich der schlanke, hochgewachsene Mann mühelos aus und schoss seinerseits eine Breitseite auf den Felsen, der daraufhin zur Seite kippte und den dahinter verborgenen Mann unter sich begrub.

„Was, bei Merlins runzeligen Eiern, machst du hier, Pate", schnauzte Draco ärgerlich. Er hatte keinen Blick für die Männer, die Snape außer Gefecht gesetzt hatte. Das waren nur Nummern, gesichtslose Helfer, die leicht zu ersetzen waren. Wen kümmerte schon der Tod von ein paar Dienern. Der kärgliche Rest seiner Anhänger verkroch sich tiefer in den Felsentrümmern. Offenbar hatten sie es mit der Angst bekommen, und vorerst wollte keiner der erste sein, der sich Snape stellen würde.

„Ich verhindere ein Blutbad", erklärte Severus ernst und richtete nun seinen Zauberstab auf Draco. „Hör auf damit, Junge. Du bist dabei deinen Vater zu töten. Weißt du nicht mehr was richtig und was falsch ist?"

Dunkle, kalt wirkende Augen starrten auf Draco. Severus zeigte mit keiner Regung, dass er ebenso wie Lucius vorhin überrascht war, dass Draco hinter all den Problemen in der letzten Zeit gesteckt hatte.

„Du hast mir gar nichts zu sagen, Snape", erklärte Draco entschieden und mit schneidender Überheblichkeit. Dann wandte er sich wieder seinem auf dem Boden liegenden Vater zu. Offenbar schätzte er die Gefahr, die sein ehemaliger Lehrer und Pate darstellte als gering ein. Er konnte sich nicht vorstellen, dass dieser Mann, der, wie Draco instinktiv wusste, immer noch mit seinem schlechten Gewissen bezüglich des Todes von Albus Dumbledore kämpfte, auch nur einen tödlichen Fluch auf ihn selbst abfeuern würde.

„Expelliarmus!"

Dracos Zauberstab wurde ihm aus der Hand gerissen und flog in hohem Bogen davon.

„Argghh", schrie Draco mehr aus Wut als aus Schmerz und wandte sich wieder dem dunklen Zauberer zu, der mit bedrohlich auf ihn gerichteten Zauberstab vor ihm stand.

„Glaubst du allen Ernstes, du könntest mich aufhalten?", schrie er ihm zu und hob ihm die beringte Hand entgegen.

„Ich kann dich vernichten, Snape, und zwar schneller, als dir lieb ist."

„Du kannst es versuchen", entgegnete Severus ruhig.

Draco hob indigniert eine Augenbraue, und das charakteristische Summen, welches von dem Ring ausgeht, wenn er aktiviert wird, lag wieder in der Luft. Diesmal richtete Draco sein zerstörerisches Werk auf Severus Snape, den immer noch der bläulich flackernde Schutzschild umgab. Dieser begann kleine Blitze auszusenden, flackerte und Severus in seinem Inneren schwankte leicht. Offenbar blockierte Draco sämtliche Magie, denn Severus gelang es nicht, einen Zauber zu seiner Verteidigung zu wirken.

Während Draco sich auf den Tränkemeister konzentrierte, richtete sich Lucius unvermittelt auf und warf sich mit all der Kraft, die ihm noch verblieben war, auf seinen Sohn.

Draco nahm diese Bewegung nur aus den Augenwinkeln war und wich dem Körper aus, der auf ihn zu geflogen kam. Lucius erwischte ihn jedoch noch an der Hüfte und brachte Draco zumindest zum Taumeln. Das genügte, um Dracos Aufmerksamkeit abzulenken und den Bann zu unterbrechen.

Severus' Schirm jedoch war überlastet und brach im gleichen Moment, als der Bann mit einem hässlichen Pfeifton abbrach, ebenfalls in sich zusammen. Hinter Snape richtete sich nun wieder Hermine auf. Ein wenig unsicher sah sie sich um, erkannte in Sekundenbruchteilen, wie sich die Sachlage geändert hatte. Schwankend kam sie auf die Füße und nahm einem toten Zauberer, der in ihrer Nähe lag, den Zauberstab aus den erstarrten Händen. Wankend, sich immer wieder die Stirn reibend, kam sie auf die drei Männer zu und blieb neben Snape stehen. Der sah sie mit scharfen durchdringenden Blick nur kurz an.

„Sie sollten sich setzen und ausruhen, bis das hier erledigt ist", herrschte er sie ungehalten an. „Sie sind keine große Hilfe in ihrer Verfassung."

„Ich bin in Ordnung", presste Hermine heraus, während sie ihre Aufmerksamkeit auf Vater und Sohn richtete. Lucius rollte von seinem eigenen Schwung getragen über den Boden, während Draco ihm auswich.

„Ja, klar ich sehe wie in Ordnung Sie sind", zischte Severus und bedachte das Blut, welches von ihrem Kopf auf die Schulter tropfte, mit einem viel sagenden Blick.

„So, ihr beiden Helden, dann werde ich euch eben gleich alle beide auslöschen, bevor ich mich wieder Lucius zuwende", ertönte Dracos höhnische Stimme. Ehe er jedoch dazu kam, wieder die Hand zu heben, um sein zerstörerisches Werk fortzusetzen, traf ihn ein Fluch aus gleich zwei Zauberstäben und ließ ihn in hohen Bogen durch die Luft segeln. Er kam neben seinem Vater auf und rollte sich sofort reaktionsschnell auf den älteren Mann, der bis eben versucht hatte, aus Dracos Reichweite zu gelangen.

Sofort griff Draco nach Lucius und nagelte ihn Kraft seiner dunklen Magie, die nun ungehindert aus seiner Hand floss, auf dem Boden fest.

Draco murmelte in höchster Eile eine Reihe lateinischer Worte und der nächste Fluch, von Snape gesprochen, prallte wirkungslos an ihm ab.

Wild grinsend, mit vor Wahnsinn weit aufgerissenen Augen, hielt Draco seinen Vater unter sich gefangen. In Lucius schien jeder Wille sich zu wehren endgültig erloschen zu sein. Anfänglich zuckten seine Beine, als wolle er das Gewicht von sich schleudern, welches ihn zu Boden drückte, aber mit jeder Sekunde, die verstrich, wurde er ruhiger, bis er schließlich still unter seinem Sohn lag, offenbar bereit, in den Tod zu gehen.

Tbc.