Titel: Lebenslänglich – Die Rückkehr -

Autor: Eve

Rating: P 18

Beta: Lady of the Dungeon

Typ: Harry Potter Fanfiction

Pairing: Lucius Malfoy/Hermine Granger

Warnung für dieses Kapitel: Hurt. Characterdeath

Disclaimer: Leider gehört Lucius immer noch nicht mir. Alle Charaktere gehören Frau Rowling. Die Idee zu dieser Story ist aber von mir! Ein gewisser Dämon jedoch gehört auschließlich mir.

Kapitel: Siebzehn

~~~~~~~~~~~~LM/HG~~~~~~~~~~~

6. Januar (19:15 Uhr)

„Tun Sie doch was. Er stirbt!", schrie Hermine Snape an und starrte panisch auf Draco und Lucius. Severus stand bewegungslos mit leichenblassem Gesicht da und beobachtete das Geschehen gebannt . Die junge Frau feuerte verzweifelt aus nächster Nähe auf Draco. Ihre Flüche waren allerdings nicht stark genug, um die Aura aus dunkelster Magie, die Draco lückenlos einhüllte, zu durchdringen.

„Lassen Sie das, Sie machen ihn nur stärker", ertönte Snapes Stimme neben ihr und gleichzeitig drückte er ihre Stabhand nach unten.

Über Hermines bleiches, blutverschmiertes Gesicht liefen unablässig Tränen. „Er wird ihn töten, Professor. Wir können doch nicht einfach..."

Einige Flüche zischten knapp an dem ungleichen Paar vorbei. Snape ließ sich zu Boden fallen und zog Hermine mit sich. Offenbar hatten sich jetzt doch die wenigen Gefolgsleute Dracos entschlossen, anzugreifen. Severus wälzte sich herum, so dass er die Felsenreihe, aus der der Angriff gekommen war, im Blick hatte und begann die Flüche zu erwidern. Hermine folgte seinem Beispiel, während sie immer wieder nervöse Blicke in Lucius' Richtung warf.

Draco würdigte seine Umgebung mit keinem Blick. Er starrte voller Konzentration auf seinen Vater. Die Hand mit dem Ring färbte sich langsam schwarz. Offenbar konnte man die dunkle Magie, die Draco beschwor, nicht ungestraft verwenden. Aber das hielt den jungen Malfoy nicht davon ab, seine Rache weiter zu verfolgen. Im Gegenteil, das hässliche Grinsen, welches sein Gesicht beherrschte, verstärkte sich, und bald schon erklang ein leises, irres Lachen, das ihr das Blut in den Adern gefrieren ließ.

Während Hermine und der Tränkemeister abwechselnd auf verschiedene Ziele schossen, und immer wieder selbst schlecht gezielten Flüchen ausweichen mussten, bohrte Hermine hartnäckig bei ihrem ehemaligen Lehrer und ebenso ehemaligen Todesser und Doppelspion, ob es irgendeine Möglichkeit gab Draco aufzuhalten, die ihm bekannt war.

Snape zerrte sie unsanft hinter in Deckung hinter einen großen Gesteinsbrocken. Sein Gesicht glänzte vor Schweiß, die schwarze Kleidung war derangiert und staubig, und an seinen Händen bemerkte Hermine Schürfwunden, die vom unsanften Kontakt beim Ausweichen auf dem steinigen Boden stammten.

„Es gibt vielleicht noch einen Weg, aber dafür muss ich Draco töten", erklärte er atemlos, während er angestrengt die Umgebung absuchte. Offenbar wagte es im Moment keiner der Gegner aus seiner eigenen Deckung hervor zu kommen und sich der hundertprozentigen Treffsicherheit des Tränkemeisters auszusetzen.

„Dann tun Sie es", forderte Hermine. Eigentlich wollte sie nicht genau wissen, wie die Möglichkeit aussah, die Lucius retten könnte. Es war mit Sicherheit dunkle Magie im Spiel, aber ihr war im Moment alles recht, wenn nur Lucius am Leben blieb.

„Ich wollte nie wieder in so eine Situation geraten", zischte Severus überaus wütend. Sein Gesicht hatte jeden Rest Farbe verloren. Seine Mimik verkrampfte sich und er sah aus, als ob er im nächsten Moment seinen Mageninhalt von sich geben würde. Die Maske der Beherrschtheit, sein Markenzeichen geradezu, war wie weggewischt, ebenso wie die Ruhe und Entschlossenheit, die er auch in verzwinkten Situationen meist ausstrahlte. Stattdessen erwiderte er verbissen die gegen sie geschleuderten tödlichen Flüche, während sein messerscharfer Verstand verzweifelt eine Möglichkeit suchte, Lucius vor dem Tod zu bewahren, ohne Draco zu ermorden. Er zögerte, in der Hoffnung, dass sich die Angelegenheit irgendwie noch von selbst lösen könnte.

Doch das tat sie nicht.

„Severus, bitte!" Hermine warf sich zur Seite, wich einem Fluch aus und berührte jetzt fast den schmalen Körper Snapes, neben dem sie gelandet war. Große braune Augen in einem, ein wenig verquollen wirkenden, bläulich verfärbten Gesicht sahen ihn bittend an.

Resignierend schloss er für eine Millisekunde die Augen. Ein weiterer Blick zu den beiden Malfoys sagte ihm, dass keine Zeit mehr blieb, auf ein Wunder zu warten. Lucius regte sich schon nicht mehr. Mit unnatürlich verkrampften Gliedmaßen war er vor dem jetzt hoch über ihn aufragenden jungen Mann zusammen gesunken. Sein langes Haar war fächerförmig über den Boden verteilt und umgab ihn wie ein Strahlenkranz. Draco schien völlig in seinen dunklen Zauber versunken und eröffnete somit Severus die Möglichkeit, ihn auszuschalten, falls die dunkle Magie des Rings nicht gegen Zaubersprüche aller Art schützte. Severus blieb keine andere Möglichkeit, als es herauszufinden.

Hermine berührte ihn kurz am Arm, und diese Berührung setzte ihn endlich in Bewegung. Mit einem Seufzer aus tiefster Seele, der all seine nicht unbeträchtliche Verzweiflung enthielt, wies er Hermine an, ihre Verteidigung allein zu übernehmen, während er sich Vater und Sohn zuwandte.

Noch einmal atmete er tief ein und aus, wurde ruhiger, als hätte er sich mit seiner Rolle als Henker abgefunden und richtete gefasst, mit einer zu allem entschlossenen Bewegung seinen Zauberstab auf das ungleiche Paar.

„Avada Kedavra!"

Ein mächtiger tiefgrüner Strahl verließ Snapes Zauberstab und raste auf Draco Malfoy zu. Wie ein Schwall Wasser prallte der Zauber jedoch von einem plötzlich aufflammenden, gelblich leuchtenden Schild ab und kehrte in wahnwitziger Geschwindigkeit wieder zu Severus zurück. Der Zauberer hatte gerade noch Zeit, Hermine wegzustoßen und sich selbst aus dem Schussfeld zu rollen, da schlug der Unverzeihliche neben ihm ein und überschüttete beide mit unzähligen feinen Gesteinsbrocken, die in schneller Folge auf sie ein prasselten.

Einen unflätigen Fluch ausstoßend und um kühle Beherrschung ringend, starrte Severus auf den nach wie vor unversehrten Draco, der diesen tödlichen Angriff auf seine Person offenbar nicht einmal bemerkt hatte.

„Soviel zum Thema unverzeihlicher Fluch und seine hundertprozentige Wirkung auf Lebewesen aller Art", dozierte Severus und ignorierte das triumphierende Gebrüll, welches von Seiten der Anhänger Dracos ertönte, die dieses misslungene Zwischenspiel ebenfalls mitverfolgt hatten.

„Tun Sie es noch einmal", flehte Hermine verzweifelt. „Vielleicht muss man es mehrmals versuchen, um den Schild zum Zusammenbrechen zu bringen."

„Warum tun Sie es nicht?", schnappte Severus, während er Hermine half, einen sich in seiner Begeisterung zu weit aus der Deckung wagenden Angreifer mit einem Stupor gegen eine Felswand krachen zu lassen.

Hermine schüttelte verzweifelt den Kopf. „Ich kann das nicht...bitte...Severus...können Sie das nicht verstehen?"

„Nein, Miss Granger, kann ich nicht. Offenbar sind Sie der Meinung, da ich ja in meinem Leben schon viele Menschen getötet habe, müsste ich skrupellos genug sein, um einen Mord quasi aus dem Handgelenk heraus zu verüben", erwiderte Severus bitter.

Hermine wollte antworten, um sich verteidigen....aber sie fand keine Worte. Snape hatte Recht. Auch, wenn dieser Mensch ihr verhasster Peiniger war, der noch dazu ein unliebsamer ehemaliger Schulkamerad war, konnte sie keinen todbringenden Fluch auf ihn abfeuern.

Snape schnaubte verächtlich, als er sah, dass Hermine die Worte fehlten. Er wandte sich ab und sprach erneut den Avada. Ehe sein Fluch überhaupt in die Nähe von Draco gelangen konnte, verpuffte er einfach so, mitten im Flug. Er verschwand im Nichts und hinterließ mit seinem Verschwinden einen ungläubigen Ausdruck auf Severus Snapes Gesicht, der erst in Richtung des verschwundenen Fluchs starrte und dann auf den Zauberstab in seiner Hand.

„Nicht doch, nicht doch, wer wird denn hier mit schweren Geschützen um sich ballern?", ließ sich eine eindeutig weibliche und dem Tränkemeister sehr bekannte Stimme vernehmen – ebenfalls aus dem Nichts.

Es ploppte ganz in Severus Nähe und so, wie die Hauselfen normalerweise auf Hogwarts zu erscheinen pflegten, stand plötzlich ein Dämon in weiblicher Gestalt mitten auf dem immer noch von Flüchen aller Art überzogenen Kampffeld.

„Ahriman", seufzte Severus vernehmlich und senkte seinen Zauberstab. Die Macht, die von Ahrimans plötzlich erschienener Präsenz ausging, war weithin spürbar, und Severus war sich bewusst, dass das Auftauchen des Dämons den Ereignissen eine entscheidende Wendung geben würde.

„Wer ist das?", wollte Hermine wissen.

„Ahriman, dunkler Dämon der Unterwelt...lange Geschichte...", klärte Severus sie in sehr kurzen, widerwillig hervor gestoßenen Worten auf.

„In der Tat. Ich bin's, der gute Ahriman aus der großartigen Unterwelt", nickte Ahriman huldvoll und lässig grinsend in Richtung des Tränkemeisters. Mit einer herrischen, weit ausgreifenden Bewegung entwaffnete er sämtliche Zauberer, die ihre Stäbe auf den plötzlich erschienen Ankömmling gerichtet hatten.

„Gesindel, hinweg mit euch", ließ der dunkle Dämon seine Stimme durch die weitläufige Grotte schallen. Das Echo seiner Worte hallte vielfach durch den Raum und schwoll zu einem ohrenbetäubenden Getöse an. Jeder Mensch, ausgenommen Draco und Lucius, die die neuesten Ereignisse immer noch unberührt ließen, hielt sich angesichts dieses Crescendos die Ohren zu. Nachdem der Lärm langsam abebbte, erhoben sich sämtliche Anhänger des dunklen Zauberers und strebten wie durch einen inneren Zwang mit teilnahmslosem Gesicht dem Ausgang zu.

Hermine, die sich halb aufgerichtet hatte und dieses Schauspiel sprachlos verfolgte, wandte sich zu Ahriman um.

„Bitte, Sie können sie nicht einfach gehen lassen. Sie werden weiterhin morden, quälen, foltern..." Ihre Stimme brach.

„Kind, ich löse die Dinge immer auf meine Art, und glaube mir: Diese Menschen werden nichts derartiges wieder tun. Sie werden sich nicht einmal mehr an ihre Zeit hier erinnern können, wenn sie die Oberfläche erst mal erreicht haben", erklärte Ahriman gönnerhaft.

„Die Zeit drängt, Ahriman", mischte sich jetzt Severus wieder ein und zeigte auf die beiden blonden Männer, von denen zumindest einer kein Lebenszeichen mehr von sich gab, während der andere die Energie, die er immer noch von seinem Vater bezog mit sichtlich verzücktem Gesichtsausdruck in sich aufsog.

„Unterbrich sein Tun und rette Lucius Malfoy vor seinem übergeschnappten Sohn", forderte Severus.

„Ist das eine Bitte oder ein Befehl? Wenn es nämlich Letzteres ist, dann werde ich gar nichts tun. Geholfen habe ich Euch beiden sowieso schon genug", bemerkte Ahriman schmollend und wickelte sich, demonstrativ die Arme ineinander verschränkend, in sein leuchtend rotes seidenes Gewand, welches ihn vom Kopf bis zu den Füßen bedeckte.

„Es war eine Bitte", beeilte sich Severus zu sagen. Es fiel ihm schwer, seinen Tonfall ruhig und sachlich zu halten. Es war nicht seine Art, um irgendetwas zu bitten.

Severus trat näher und wickelte schon im Laufen die Ärmel seiner Jacke und des Hemdes nach oben. „Ich gebe dir mein Blut – soviel wie du willst, wenn du ihn rettest." Er zeigte auf den reglosen Lucius und ignorierte Hermines lautes Luftholen in seinem Rücken.

„Blut, schon wieder nur Blut", jammerte der Dämon mit leidvoll verzogener Miene. „Willst du mir nicht angesichts der Gewichtigkeit deiner Bitte etwas anderes von dir überlassen?" Listige rote Schlangenaugen, die Severus wieder einmal frappierend an den mausetoten Dunklen Lord erinnerten, starrten Severus lauernd an.

Severus' bleiches Gesicht zeigte keinerlei Regung, als er dem Dämon antwortete.

„Such dir etwas aus, Ahriman!"

„Nein!" ließ sich Hermines Stimme da vernehmen. Sie kam humpelnd näher und gesellte sich an Severus' Seite. „Wenn sich hier jemand opfern sollte, dann bin ich es wohl. Mr. Snape hat schon genug getan", erklärte sie mit fester Stimme. Sie war zwar nicht in der Lage, einen Unverzeihlichen auf einen Menschen abzufeuern, aber sie würde sich bedenkenlos opfern, wenn Lucius damit gerettet wäre.

Ahriman richtete seine glühenden Augen nun auf Hermine. Er lächelte und zeigte damit seine zentimeterlangen Reißzähne, die sich normalerweise hinter den vollen Frauenlippen verbargen. Eine langgliedrige Hand mit schwarz lackierten spitz zugefeilten Fingernägeln bewegte sich auf Hermine zu. Doch ehe sie die Hexe erreichte, schob sich Severus' schlanker Körper dazwischen.

„Was ist nun, Ahriman? Wir haben nicht alle Zeit der Welt. Bist du einverstanden? Haben wir einen Deal?"

„Du verdirbst mir auch jeden Spaß", grummelte Ahriman ärgerlich und zog seine Hand wieder zurück. „Vielleicht hätte die junge Frau, die sich hier so freimütig opfern will, mir viel Freude gemacht."

„Vielleicht! Vielleicht aber auch nicht. Sie kann unendlich nerven und weiß alles besser. Sie ist unerträglich", erklärte Severus bestimmt und schnitt Hermine, die wütend etwas erwidern wollte, mit einer kurzen Handbewegung das Wort ab.

„Du wirst dich mit mir begnügen, Ahriman."

Der Dämon seufzte theatralisch und drehte sich ein wenig, so dass er Vater und Sohn, die nicht weit von ihm im Bannkreis der dunklen Magie gefangen waren, betrachten konnte.

„Unschöne Angelegenheit. In der Tat. Wir müssen etwas tun. Ich muss etwas tun", murmelte er, eher zu sich selbst, als zu seinen beiden Begleitern, ehe er sich wieder zu Severus um wandte.

„Gern würde ich dein Blut nehmen, Severus Snape", sprach Ahriman ungewohnt ernst.

„Noch lieber würde ich ein oder zwei Körperteile von dir haben, vielleicht auch deinen ganzen Körper, oder den der jungen Frau hier", setzte er hinzu, und seine Augen nahmen eine schwärmerischen, warmen Glanz an. Er zwinkerte, und schon war dieser Ausdruck einer beherrschten und völlig kalten Miene gewichen. Der Dämon zeigte nun sein wahres Gesicht. Aufgrund der Macht, die er ausstrahlte und die beinahe greifbar war, wussten Severus und Hermine, dass hier keinesfalls ein harmloser Vertreter der Unterwelt vor ihnen stand. Ahriman war ein machtvolles Wesen, welches oftmals zu Späßen aufgelegt war. Er spielte gerne – aus Langeweile – wie das Unsterbliche eben manchmal tun, aber er konnte energisch und nachhaltig mit unendlicher Stärke und Magie in den Lauf der Dinge eingreifen, wenn er es für notwendig erachtete, und dazu brauchte es keine Bitte eines schwachen Sterblichen.

„Du hast dein Blut bereits gegeben, Severus Snape. Mehr als genug. Du erinnerst dich?"

Severus, immer noch mit unbewegtem Gesicht, nickte leicht.

„Du bist bereit für deinen Freund zu sterben. Du warst es damals, als ihr zu mir kamt und bist es jetzt immer noch. Dein Freund kann sich glücklich schätzen, einen so loyalen Mann an seiner Seite zu haben. Ich habe damals mehr von dir genommen, als ich durfte und nur das beherzte Eingreifen Lucius Malfoys hat verhindert, dass ich dich völlig aussaugte", gestand Ahriman dem Tränkemeister, dem es eiskalt den Rücken herunter lief. Er hatte vermutet, dass Ahriman ihn umgebracht hätte, wenn Lucius nicht dazwischen gegangen wäre. Allerdings dachte er nicht, dass Ahriman dies zugeben, geschweige denn jemals laut aussprechen würde.

„Nun", seufzte Ahriman überaus pathetisch. „Ich stehe also in deiner Schuld, Severus Snape, und wir Bewohner der Unterwelt bezahlen unsere Schulden immer auf die eine oder andere Weise. Deswegen werde ich dir helfen und natürlich auch dieser reizenden Dame....." Ahriman lächelte in Richtung Hermine, die dem Wortwechsel zwischen der Wesenheit und Tränkemeister nervös gefolgt war.

„Allerdings kann ich nur einen von beiden retten....Der Einsatz von dämonischer Magie, die machtvoller ist, als das, was ihr Sterblichen gemeinhin praktiziert, erfordert ein Opfer."

Severus sowie Hermine nickten verstehend. „Tue, was notwendig ist und rette Lucius Malfoy", erklärte Severus bestimmt, hin und her gerissen zwischen bodenloser Erleichterung, dass der Dämon diesmal auf eine Gabe, wie auch immer diese hätte aussehen können, verzichtete, und dem Wissen, dass er das Todesurteil für Draco Malfoy gesprochen hatte.

Hermine nickte ebenfalls und wirkte noch nervöser. Es sah nämlich so aus, als wäre Draco mit dem Abziehen sämtlicher Lebensenergie fast fertig. Ungeduldig knetete sie ihre Finger; sie wusste, es war nicht mehr viel Zeit. Wenn Lucius erst mal tot war, würde auch Ahriman ihn nicht wieder beleben können.

Ahriman nickte huldvoll und wandte sich nun vollends zu Draco und Lucius um.

Er hob seine Hände so, dass die leicht rosa schimmernden Handflächen auf den jüngeren der beiden Malfoys gerichtet waren. Ahrimans Stimme erschallte hell und glockenklar. Wörter, die niemand verstand, außer dem dunklen Dämon selbst, verließen in einem eintönigen Singsang seinen Mund. Nicht einmal der in schwarzen Künsten bewanderte Severus Snape kannte die Beschwörungsformeln, geschweige denn die Sprache, in der Ahriman sprach. Fremdartige Laute formten sich, kaum das sie ausgesprochen waren, zu rötlichen Nebelschwaden und verwandelten sich danach in kunstvoll ineinander verschlungene Ornamente, die langsam auf Draco zuschwebten. Sie begannen ihn in Kopfhöhe einzukreisen, und verbanden sich zu einem Kreis, gesteuert von den eleganten Handbewegungen Ahrimans. Severus und Hermine verfolgten atemlos und völlig gebannt das faszinierende Schauspiel , welches sich vor ihren Augen ereignete.

Die Ornamente vergrößerten sich. Sie waberten mittlerweile um den gesamten Körper Dracos, schlossen ihn ein und zogen sich unmerklich, aber stetig zusammen. Dracos blaue Augen, die sich ebenso wie seine Hände im Laufe des gewirkten Zaubers nachtschwarz gefärbt hatten, blickten irritiert auf das rötliche Glühen, welches ihn umgab und von der Außenwelt abtrennte. Mit einem hässlichen, lauten Zischen, als würde irgendwo Dampf abgelassen, brach der Bann zwischen ihm und seinem Vater. Der junge Malfoy begann haltlos hin- und herzutaumeln, sein Mund öffnete sich, als wollte er schreien. Doch kein Laut drang aus ihm heraus. Dracos Hände verformten sich zu langgliedrigen, schwarz glänzenden Krallen, die sich gegen seinen Willen um seinen Hals legten und zudrückten. Sein Gesicht verzerrte sich zu einer abstoßenden Fratze, während er lautlos zu würgen begann.

Severus und Hermine packte gleichermaßen das kalte Entsetzen, als sie sahen, wie auf eine erneute, schwungvolle Handbewegung des Dämons hin die rötlichen Ornamente in Dracos jetzt zuckenden Körper eindrangen. Draco fiel kraftlos auf die Knie. Die Augen weit aufgerissen, versuchte er immer wieder Luft zu holen - doch dies schien unmöglich. Er zitterte wie Espenlaub, während er versuchte seine Hand, an der der Ring steckte, von seinem Hals zu lösen. Ein hilfloser Versuch, sich zu wehren und der dämonischen Energie, die ihn durchdrang und langsam tötete, zu entfliehen. Aber sein verzweifeltes Bemühen scheiterte. Nachdem es ihm schon seit mehreren Minuten nicht mehr möglich war, den dringend benötigten Sauerstoff aufzunehmen, schlug sein Körper dumpf auf den steinigen Boden auf, wo er sich in lautlosen Krämpfen wand, während Ahrimans Magie ihn langsam tötete.

Hermine schluchzte auf und wandte sich ab. Sie verbarg ihren Kopf an Severus' Schulter, der sie einem Reflex folgend abwesend an sich drückte. Sein Blick blieb gebannt auf das grausige Schauspiel geheftet. Aus einem unerfindlichen Grund zwang er sich, jede einzelne leidvolle Sekunde von Dracos Sterben zu verfolgen.

Es dauerte lange, bis die qualvollen, geräuschlosen Zuckungen des jungen Mannes langsam verebbten. Erst als sein Körper völlig still und leblos da lag, lösten sich die rötlichen Nebel von seinem Körper, schwebten auf Ahriman zu und verschwanden in seinem weit geöffneten Mund. Mit einem lauten Seufzer ließ der Dämon die Hände sinken und wandte sich dem Zauberer und der Hexe zu, die immer noch dicht aneinander gedrängt dastanden.

„Es ist vollbracht", bemerkte Ahriman mit einer abschließenden Handbewegung auf Dracos Leichnam.

„Konntest du es nicht schneller und schmerzloser gestalten?", fuhr Severus ungehalten den Dämon an, der daraufhin angesichts dieser unverschämten Undankbarkeit eine seiner fein geschwungenen, sorgfältig gezupften Augenbrauen hob.

„Du kritisierst mich, Mensch?" donnerte Ahriman verärgert und fletschte drohend die eindrucksvollen Reißzähne. „Es steht dir nicht zu, mich zu kritisieren. Du hast mich gebeten das Leben von Lucius Malfoy zu retten, und das habe ich getan. Auf welche Art ich das tat, geht nur mich etwas an. Zu zu deiner Information, Sterblicher...", fuhr Ahriman ungehalten fort und zeigte mit seinem langen gepflegten Zeigefinger auf Draco. „Dieser junge Zauberer da hat mit Kräften gespielt, die er nicht ansatzweise verstanden hat. Er war so voller dunkler Magie, dass ich mehr Gegenzauber beschwören musste als in den letzten zwei Jahrhunderten zusammen genommen! Es war ein hartes Stück Arbeit, ihn zu bremsen und die dunkle Magie in ihm zu bannen und zu neutralisieren", schleuderte Ahriman Snape mit harten, abgehackten Worten entgegen.

Severus hob entschuldigend beide Hände, während Hermine sich abwandte, auf den immer noch bewegungslos auf den Boden liegenden Lucius Malfoy zu eilte und sich an seiner Seite niederkniete.

„Ich dachte nur, du könntest es schneller, schmerzfreier beenden, Ahriman", erklärte Snape.

„Du solltest in diesem Fall nicht denken, Severus Snape. Ich habe getan, was ich konnte, aber ich musste handeln, bevor uns hier alles um die Ohren fliegt", entgegnete Ahriman versöhnlich. Er schritt auf Draco zu und streifte ihm den verhängnisvollen Ring vom Finger.

„Den nehme ich mal an mich, bevor er wieder in falsche Hände gerät", erklärte er und ließ ihn in seinem weiten roten Gewand verschwinden. „Das Buch, welches er gefunden hat, werde ich vernichten. Es ist das Letzte seine Art, und seine Zerstörung erspart uns in Zukunft noch mehr Zauberer, die auf die törichte Idee kommen könnten, diese starke, schwarze Magie beherrschen zu wollen, um mit ihr die Welt zu erobern."

Offensichtlich wusste Ahriman über sämtliche Einzelheiten Bescheid, was Severus nicht wirklich wunderte.

„Warum bist du erst so spät gekommen? Du hättest doch viel eher eingreifen können. Draco aufzuhalten wäre für dich ein Kinderspiel gewesen!" ereiferte sich Severus.

„Ich darf nur unter bestimmten Umständen eingreifen, Severus Snape", erklärte Ahriman geduldig und seufzte. „Ich hatte gehofft, ihr Menschen schafft es allein mit ihm fertig zu werden. Ich greife nur in den Lauf der Dinge ein, wenn es keine andere Möglichkeit gibt, und auch nur dann, wenn ich sehe, dass mein Eingreifen den natürlichen Verlauf der Geschichte nicht zu sehr aus dem Gleichgewicht bringt."

„Du hättest den dunklen Lord auch aufhalten können", sinnierte Severus weiter.

„Das hätte ich", bestätigte Ahriman nickend. „Aber es war im großen Ganzen nicht vorgesehen, dass ein Dämon die Zaubererwelt rettet. Wie gesagt, ich darf nur unter gewissen Umständen eingreifen: wenn es keinen Ausweg mehr gibt und - was noch wichtiger ist - die Ausgewogenheit der Kräfte zwischen Gut und Böse in Gefahr gerät. Außerdem solltest du nicht vergessen, mein Lieber, dass ich ebenfalls eine dunkle Kreatur bin. Meine Hilfe hat normalerweise ihren Preis, den die Menschen nicht sonderlich gern entrichten. Und ihr habt es letztendlich auch allein geschafft, Voldemort zu vernichten", schloss der Dämon diese Diskussion, indem er sich abwandte und auf Hermine und den reglos am Boden liegenden Lucius zu schritt.

Hermine hatte den Kopf ihres Liebsten auf ihren Schoß gezogen und streichelte ihm über die bleiche Wange und die Stirn. Er war kalt und rührte sich nicht, wenngleich er noch am Leben war. Ihre zitternden Hände ertasteten den Puls an der Halsschlagader und ein erleichtertes Seufzen entschlüpfte ihr. Merlin sei Dank, fühlte sie noch etwas. Sein Puls schlug, wenn auch sehr leicht und unregelmäßig gegen ihre tastenden Finger.

„Lucius, kannst du mich hören?" Sie umfasste seine breiten Schultern und beugte sich nach vorn, um ihm möglichst nahe zu sein. Tränen liefen in wahren Bächen über Hermines Gesicht. „Bitte stirb nicht, bitte komm zu mir zurück", flehte sie immer wieder, den Blick starr auf das blasse, bewegungslose Gesicht vor ihr gerichtet. Sie überhäufte ihn mit Küssen und betete, dass es nicht zu spät war.

Als sie den Dämon näher kommen hörte, sah sie auf, und man konnte ihr Flehen, welches in ihren Augen geschrieben stand, sehen.

„Ich weiß schon, was du von mir erbittest", seufzte der dunkle Gesandte der Unterwelt. Mit einer sanften, fast zärtlich wirkenden Geste legte Ahriman seine schmale Hand auf Lucius' kalte Stirn.

„Er steht an der Schwelle zwischen Leben und Tod", murmelte der Dämon abwesend.

„Bitte!", flüsterte Hermine leise und zog Lucius noch dichter an sich heran. Ahriman hatte versprochen Lucius zu retten, doch sie spürte, dass es noch nicht ausgestanden war und Lucius immer noch sterben könnte.

Ahriman erwiderte nichts. Er zeigte nicht einmal, dass er Hermine gehört hatte. Seine Hand verweilte noch eine Weile auf Lucius' Stirn, dann strich er ihm zart einige blonde Strähnen aus dem Gesicht und richtete sich wieder auf.

„Du brauchst meine Hilfe nicht, Menschenkind. Er wird zu dir zurück kehren. Er kämpft und er ist stark. Er wird überleben", prophezeite er Hermine, die sich aufschluchzend zu Lucius' Gesicht herunter beugte und ihn sanft auf die Stirn küsste.

Von Hermine ungesehen, vollführte Ahriman eine kurze kreisförmige Handbewegung und im gleichen Moment regte sich Lucius leicht. Das Bewusstsein kehrte langsam in ihn zurück, seine Augenlider flatterten, und ganz allmählich erwachte er aus der tiefen Ohnmacht, die ihn bis an die Schwelle des Todes geführt hatte.

Severus' schwarze Augenbraue wanderte stumm fragend nach oben. Er hatte durchaus gesehen, dass Ahriman irgend etwas getan hatte, um Lucius zu helfen. Während der Dämon hoheitsvoll an ihm vorbei schritt, um zu Dracos Wohnbereich zu gelangen, in dem sich noch das Buch der dunklen Magie befinden musste, flüsterte er dem Tränkemeister leise zu. „Verrate bloß nicht, dass ich geholfen habe, ohne eine Gegenleistung zu fordern. Mein schlechter Ruf ist sonst in Gefahr." Ahriman zwinkerte dem verblüfft aussehenden Mann belustigt zu und verschwand eilig hinter einigen Felsbrocken.

Severus' Aufmerksamkeit richtete sich indessen auf das am Boden kauernde Paar. Lucius war noch immer sehr benommen, als er sich halb aufrichtete und sich erst langsam wieder seiner Umgebung gewahr wurde. Erstaunt betrachtete er die neben ihm kniende Hermine, der immer noch Tränen, über das blasse, abgekämpfte Gesicht liefen. Wortlos und ein wenig schwach schloss er sie stumm in die Arme, unendlich erleichtert, dass sie weitgehend unverletzt wirkte. Während sie an seiner Schulter lehnte und ihm leise zuflüsterte: „Es tut mir so Leid, Lucius. Es gab keine andere Möglichkeit."

„Ist schon gut, mein Herz. Alles wird gut", murmelte Lucius, der nicht so recht wusste, wofür Hermine sich eigentlich entschuldigte.

Severus trat näher und legte seinem Freund die Hand auf die Schulter. „Es ist schön, dass du wieder unter den Lebenden weilst, mein Freund", brummte er. Lucius nickte stumm, während er Hermine weiter fest in seinen Armen hielt und noch nicht so recht glauben konnte, dass nun alles ausgestanden war.

„Wo ist Draco? Habt ihr ihn außer Gefecht setzen können?", fragte Lucius.

„Draco war nicht mehr zu helfen. Wir haben alles versucht, aber jeder Versuch unsererseits scheiterte", erklärte Severus und hoffte, Lucius würde niemals erfahren, dass er selbst versucht hatte, seinen Sohn durch einen Avada Kedavra zu töten.

„Ahriman tauchte plötzlich hier auf, und er brachte die Sache dann zu Ende", setzte Severus ein wenig kryptisch seine Erklärung fort.

„Ahriman?" Jetzt wurde Lucius unruhig Er löste sich aus Hermines Armen und versuchte, sich gänzlich aufzurichten. Dabei fiel sein Blick auf Dracos Leichnam, der nicht weit von ihm entfernt zusammen gekrümmt auf dem Boden lag.

„Draco?" Namenloses Entsetzen zeichnete sich auf dem Gesicht des Zauberers ab. Entschieden schüttelte er die Hände von Hermine sowie auch die von Severus ab, die ihn halten und stützen wollten und taumelte mehr als er lief zu seinem Sohn.

Mit einem tiefen, verzweifelten Schluchzen ließ er sich neben ihm auf die Knie fallen.

„DRACO!"

Lucius' Hände glitten fahrig über den leblosen Körper seines Sohnes, als müsse er sich versichern, dass da tatsächlich Draco vor ihm lag. Er wusste instinktiv, es war zu spät, aber die Tatsache, dass sein Kind tatsächlich tot war, sickerte nur allmählich in sein Gehirn. Draco war endgültig und unwiderruflich gestorben, nur wenige Stunden, nachdem sein Vater festgestellt hatte, dass sein tot geglaubter Sohn die ganze Zeit am Leben gewesen war. Nun hatte er ihn unwiederbringlich verloren.

Lucius schloss den leblosen Körper seines Kindes in die Arme und drückte ihn verzweifelt gegen seine Brust.

„Lucius, es tut mir leid...es gab keine...."

„...lasst mich allein. ALLE!", donnerte Lucius in seiner Trauer und schnitt Severus, der mit Hermine näher getreten war, das Wort ab.

Hermine streckte die Hand aus, als wolle sie den Mann, den sie liebte, berühren und ihn damit trösten, aber sie führte diese Bewegung nicht zu Ende. Instinktiv wusste sie, dass Lucius jetzt keinerlei Zärtlichkeit dulden würde - auch nicht von ihr.

„Lucius, ich...", versuchte sie ihn stattdessen irgendwie zu trösten oder zu besänftigen, aber er schüttelte nur stumm und unendlich hoffnungslos den Kopf.

„Bitte geht. Lasst mich eine Weile mit ihm allein", kam es tonlos aus seinem Mund, und seine Hände strichen immer wieder über Dracos leblose Arme, während er den Kopf an seiner Schulter barg.

Severus nickte verstehend.

Lucius brauchte einfach Zeit, um über diesen schweren Schicksalsschlag hinwegzukommen. Er war sich sicher, dass Lucius tief in sich wusste, dass es so und nicht anders hatte ablaufen müssen. Er würde darüber hinweg kommen, mit der Zeit. So hoffte der Freund und zog die widerstrebende Hermine hinweg von den beiden am Boden hockenden Gestalten, deren Anblick auf der steinernen düsteren, jetzt menschenleeren Ebene an zwei schwarze Felsbrocken erinnerten.

Tbc.

Dieses Kapitel widme ich AlexW.

In der Hoffnung, dass er, wo immer er jetzt ist, seinen Frieden und denjenigen, der vor ihm gegangen ist, gefunden hat.

Trauer ist das Heimweh unseres Herzens
nach dem Menschen, den wir sehr schätzten.

Dezember 2009