A/N: Zehn Tage sind rum, Zeit für ein neues Kapitel von Scar Tissue. Nach einem ruhigeren Kap gibt's wieder ein wenig…nun ja…Spaß mit dem Joker. Ich wünsche euch viel Vergnügen und freue mich, wenn ihr euch die Zeit zum Lesen und vielleicht auch zum Reviewen nehmt. Danke :)

Scar Tissue

4

Musikstunde

Dunkle Melodie

Des Tickens einer Bombe

Vor der Explosion.

Die folgenden Tage vergingen schleppend und zäh, schlichen ähnlich dahin wie der Nebel, der immer häufiger das alte Gemäuer Le Gardiens umzingelte und in seiner klammen Umarmung hielt, bis er sich zumeist erst von der Mittagssonne vertreiben ließ. Der nahegelegene Lake Gotham war ein Magnet für feuchte Witterung und insbesondere in den Herbsttagen brauten sich Regenwolken des Öfteren über seinen wogenden Wellen zusammen. Der Mittwoch war für einen Novembertag ungewöhnlich schön, wenn auch kühl. Erin lief schon den ganzen Morgen über unruhig auf und ab. Ihre Fingernägel, bis auf die empfindlichen Fingerkuppen abgenagt, waren ein Zeugnis ihrer Unruhe, die seit Commissioner Gordons Besuch in Le Gardien stetig in ihr wuchs. Er hatte ihr versichert, sich um Alex' vorübergehende Bleibe zu kümmern. Aufgrund der Sicherheit hatte er jedoch angekündigt, sich nicht telefonisch zu melden, sondern spontan vorbeizukommen, um Alex abzuholen. Genau das hatte er am gestrigen Abend auch getan. Mit seinem nicht sonderlich vertrauenerweckenden klapprigen Ford war er am Hintereingang vorgefahren und hatte darauf bestanden, dass Alex in durchweg dunkle Kleidung gehüllt und auf der Rückbank liegend Platz nehmen sollte. Erin hatte nicht erfahren, wohin der Commissioner den Jungen brachte, aber Jim Gordon hatte ihr nachdrücklich versichert, ihr die Nummer seines Mobiltelefons zu überlassen, sodass sie einen Notruf setzen oder sich anderweitig per Kurznachrichten mit ihm in Verbindung setzen könnte, sollte der Bedarf bestehen. Durch Patricias Warnung, vorsichtig gegenüber den anderen Kollegen zu sein und der zusätzlichen Bürde der Verantwortung, die ihr durch die Zusammenarbeit mit Gordon auferlegt worden war, ertappte sich Erin dabei, wie sie jede noch so kleine Geste, jede beiläufige Äußerung ihrer Mitmenschen mit analytischer Präzision verfolgte. Und sie fühlte sich alles andere als wohl dabei, ärgerte sich über sich selbst und wollte doch nichts anderes, als sich jemandem anvertrauen.

Auch der Unterricht war nur schleppend in Betrieb genommen worden. Olivia kehrte wenigstens für ein paar Unterrichtsstunden nach Le Gardien zurück, aber Patricia hatte nichtsdestotrotz eine Sekretärin engagieren müssen, die sich um anfallende Büroarbeiten kümmerte, damit Patricia die anderen im Unterricht unterstützen konnte. Selbst Nell hatte den Kochlöffel beiseite legen und für Anna einspringen müssen. Matthew übernahm Scotts Stunden und Erin tat ihr Bestes, ihn dabei zu unterstützen. Trotzdem war es nicht das gleiche, trotzdem war die Luft geschwängert von nervöser Unruhe, von unausgesprochener Angst und klammem Unbehagen. Obwohl sie bereits das Frühstück hatte ausfallen lassen, verspürte Erin keinen Appetit, als die Schulglocke zur Mittagspause rief. Nur um nicht allein zu sein, setzte sie sich zu Nell, die nicht sonderlich begeistert davon war, zum dritten Mal in dieser Woche das gleiche Mittagessen auftischen zu müssen. Sie hatte am Montag einen großen Eintopf gekocht, um trotz ihrem Einsatz als Lehrerin für das nötige Essen sorgen zu können. Weil Gordons Truppe am Montag abgezogen worden war, da der Einsatz der Beamten anderweitig benötigt wurde, war Nell um ein paar fleißige Esser beraubt worden.

„Das ist so als hätten wir den Notstand ausgerufen und müssten von unseren letzten Reserven zehren", beklagte sich die ältere Frau, deren Dutt heute nicht ganz so straff wie sonst gebunden war. Einzelne graue Strähnen fielen in ihre gerunzelte Stirn. Mit schmerzhaft durch Arthritis deformierten Fingern strich sie sich die Störenfriede unwillkürlich aus dem abgespannten Gesicht. Erin erwiderte auf ihre Feststellung nichts, sondern hing ihren eigenen wenig erfreulichen Gedanken nach. Es waren erstaunlich wenige Kinder im Speisesaal. Patricia arbeitete wahrscheinlich noch die neue Sekretärin – eine kleine untersetzte Frau mittleren Alters – ein und hatte darüber die eigene Pause vergessen. Matthew saß am Nachbartisch und achtete darauf, dass die kleine Rhonda wieder aß. Seit den Geschehnissen zu Halloween weigerte sie sich, zu sprechen und mehr als unbedingt nötig zu sich zu nehmen. Wenn sich ihr Zustand nicht besserte, würde sie ebenfalls ins Gotham General verlegt werden müssen, um dort psychologisch therapiert und medizinisch überwacht zu werden. Niemand hatte es verdient gehabt, etwas so Schreckliches durchmachen zu müssen. Am allerwenigsten die Kinder. „Ich wünschte, du würdest nicht so traurig dreinschauen, Kind", merkte Nell an, als sie merkte, dass die junge Frau neben ihr ihren Worten keine wirkliche Aufmerksamkeit schenkte. Erin lächelte schief und traurig. Ein Anblick, der Nell das Herz zu brechen schien, denn obwohl es ihr große Schmerzen bereiten musste, streckte sie die Hand aus und legte die Finger um Erins zierliche und geschmeidigere Hand. „Das ist eine sehr schwierige Zeit für uns alle. Aber wir stehen sie gemeinsam durch!", sie sah Erin lange an, doch sie starrte gedankenverloren aus dem großen Fenster, dessen Glas mit vielen kleinen Schmutzresten besprenkelt war, die der Regen hinterlassen hatte. Die Sonnenstrahlen, die in blendendem Gelb auf die glatte Oberfläche trafen, ließen sie erst wie durch Zauberei sichtbar werden. „Du machst dir Sorgen um Anna und Scott, oder?", stellte Nell mehr fest als sie fragte. Erin nickte schwach und strich sich müde über das Gesicht, bevor sie auf Nell deutete, den Zeigefinger der rechten Hand dann in Mundhöhe kreisen ließ und auf eine unbestimmte Stelle neben sich zeigte. „Ich hab noch nichts gehört", erwiderte Nell daraufhin, „Tut mir leid. Ich weiß nur, dass Scott heute ein zweites Mal operiert wird. Dann wird sich entscheiden, ob...", Nell wagte es nicht auszusprechen und Erin wollte es sich lieber gar nicht vorstellen, dass Scott möglicherweise seinen linken Arm verlor. Sie strich sich mit zittriger Hand die blonden Haare aus der Stirn und formte Annas Namen mit dem Mund.

Die Köchin Le Gardiens rutschte unruhig auf dem Stuhl herum und murmelte leise: „Patricia hat mit dem behandelnden Arzt telefoniert...und...er sagte, dass sie starke Schmerzmittel bekommt. Das Gewebe ist so geschädigt, dass sie auf jeden Fall Narben behalten wird...und das Geld für eine Operation hat sie nicht...bei Gott, das hätten wir nicht einmal, wenn wir alle zusammenlegen würden." Nell schüttelte den Kopf. Ihre Brillengläser konnten nicht darüber hinwegtäuschen, dass Tränen in ihren grünen Augen aufstiegen, die sie nur mit viel Mühe wegblinzelte. „Sie war so eine hübsche junge Frau...und jetzt...jetzt ist sie so schrecklich entstellt." Erin zögerte zunächst, doch dann legte sie beide Daumen aneinander und kreuzte die Zeigefinger, ehe sie die Hände voneinander trennte. Wieder deutete sie ins Leere und schob dann beide Hände, mit deren Zeigefinger und Daumen sie jeweils ein L geformt hatte, in Schulterhöhe. „Ja, sie lebt. Aber wer weiß, ob das nicht eine Strafe ist. Weißt du, was er ihr überall auf das Gesicht geritzt hat?", Nell musste sichtlich an sich halten, um nicht zu laut zu sprechen. Sie presste ein weißes, mit Blumen besticktes Taschentuch an ihren Mund und bemühte sich um einen regelmäßigeren Atem. Langsam schüttelte Erin den Kopf. Sie war sich nicht sicher, ob sie es überhaupt wissen wollte.

„Er hat Gelächter auf ihrem Gesicht verewigt", brachte Nell gepresst hervor. Erin verstand nicht auf Anhieb, was Nell damit meinte. Die ältere Frau knetete unruhig den roten Baumwollstoff ihres Rollkragenpullovers und es erschreckte Erin, wie verloren sie in dem Kleidungsstück wirkte. Die Zähne der Sorge gruben sich tief in das Fleisch ihrer Opfer und hinterließen sehr schnell sichtbare Spuren. „Laut Patricia ist ihr ganzes Gesicht übersät mit...mit hahas und hihis...", Nell schüttelte verdrießlich den Kopf und flüsterte: „Und sie will keinen Besuch sehen." Erin schluckte. Wenn Anna sich dazu entschloss, nicht mehr nach Le Gardien zurückzukehren und Scott vielleicht seinen Arm verlieren würde, würde das Waisenhaus nicht mehr lange existieren. Patricia war auf die Unterstützung eines jeden Kollegen angewiesen und nach den jüngsten Ereignissen übte Le Gardien auf eventuelle Bewerber bestimmt wenig Charme aus. „Hoffen wir, dass es der erste und letzte Besuch dieses Monsters war, jetzt, wo Alex nicht mehr hier ist." Nell betrachtete Erin eindringlich und sagte leise: „Du weißt, wo er ist, oder?" Erin sah ihre Kollegin und gute Freundin zaghaft an. Es war ein natürlicher Impuls, ihrer Frage mit Misstrauen zu begegnen, aber dennoch schämte sich Erin dafür. Wie hatte es der Joker nur geschafft, durch einen so kurzen, aber prägnanten Auftritt alles aus den Fugen geraten zu lassen? Im Waisenhaus lachte seit Freitag niemand mehr, zumindest nicht ohne sofort vor Schreck über den verpönten Klang wieder zu verstummen. Unter den Kollegen war Misstrauen gesät worden und die Hälfte der Mitarbeiter dachte über eine Kündigung nach. Erin hoffte inständig, dass Scott und Anna dennoch zurückkehren würden, wenngleich dies mehr Mut verlangen würde als sie beide zusammen wahrscheinlich aufbringen konnten. „Ah, verstehe...du darfst es niemandem sagen", murmelte Nell und riss Erin aus ihren Gedanken. Die blonde junge Frau, die Le Gardien ihr erstes richtiges Zuhause nannte, verzog den Mund und legte die rechte Faust auf ihre Brust, wo sie sie im Uhrzeigersinn im Kreis drehte. „Nein, nicht doch...", Nell legte die Hand auf Erins und schüttelte den Kopf: „Ich verstehe ja, dass es wichtig ist, dass so wenige wie möglich davon wissen, damit Alex sicher ist, wo auch immer er steckt. Ich kann nur nicht behaupten, dass ich mich besonders sicher fühle...die Polizei war gerade einmal übers Wochenende da, und jetzt kann hier jeder wieder ein- und ausgehen wie es ihm beliebt. Wenn dieser Mister Gordon nicht genügend Leute hat, die auf ein Waisenhaus Acht geben können, frage ich mich nur, wie er Schutz für Alex garantieren will."

Nell lächelte schwach und Erin strich sich über den Nacken. Sie selbst hatte dem Commissioner angemerkt, dass er fieberhaft nach einer Möglichkeit suchte, Alex sicher und unentdeckt unterzubringen. Wo er den Jungen letztlich hingebracht hatte, wusste sie genauso wenig wie Nell. Aber ganz gleich, wo Alex war, Erin hoffte, dass er aus der Reichweite des Jokers war. Aus Dannys Reichweite. Sie erschauderte und erhob sich. „Hab ich was Falsches gesagt?", fragte Nell besorgt nach und schien auch nicht viel erleichterter zu sein, als Erin verneinend den Kopf schüttelte.

„Wo willst du denn hin?" Die stumme junge Frau deutete nur mit dem Zeigefinger nach oben. Sie hatte eine Kunststunde vorzubereiten und wollte bei dieser Gelegenheit nach den anderen Kindern sehen. Wenngleich sie in den vergangenen Tagen schon wenig gegessen hatten oder nur lustlos in ihrem Essen herumstocherten, wollte Erin unterbinden, dass es ein dauerhafter Zustand wurde, dass die Kinder vom Essen fernblieben oder nur zum Unterricht ihre Schlafräume verließen. Um Nell nicht vor den Kopf zu stoßen, legte Erin in einer vertrauten Geste die Hand um die Schulter jener Frau, die in den wenigen Monaten von Erins Zeit in Le Gardien wie eine Mutter für sie gewesen wahr – mehr Mutter als sie es von ihrer leiblichen behaupten konnte.

Nell berührte Erins Finger mit den ihren und nickte verständnisvoll, ehe sie ihren Griff lockerte und Erin hinterher schaute. Diese war zu tief in ihre Gedanken versunken, um die verdächtige Stille, die sich wie ein seidener Schleier über die Korridore und Flure des Hauses legte, als etwas Sonderbares aufzufassen. Sie sorgte sich um Scott, fragte sich, wie die zweite Operation verlaufen würde und wünschte sich, ihn sehen zu können. Genau wie Anna. Ganz gleich, wie schlimm sie zugerichtet war, sie wollte ihr nicht das Gefühl geben, plötzlich von allen verlassen zu sein. Die Stufen ächzten unter ihr, obwohl Erin eher ein Leichtgewicht war. Die Dielen waren so alt und morsch, dass sie ab einer bestimmten Gewichtsklasse nachzugeben drohten. Ein roter Läufer, der von etwas besserer Qualität war als der, der den Weg zu Erins Unterkunft aufzeigte, rollte sich geschmeidig wie eine Zunge über die Stufen. Der dichte Stoff dämpfte jeden einzelnen Schritt ab, und wäre nicht das verräterische Knirschen der Stufen gewesen, wären Erins Bewegungen katzengleich lautlos gewesen. Völlig gedankenverloren legte Erin die Hand um das maronenbraun lackierte Geländer und spürte noch immer einen dumpfen Schmerz in ihrer Schulter pochen. Beim morgendlichen Duschen sah sie täglich, wie sich die blauen Flecken über ihr Schultergelenk ausbreiteten und langsam verblassten. Die Erinnerungen an den Aufprall, an die brutale Art, wie er sie niedergeschlagen hatte, das schmerzende Gewicht auf ihrem Brustkorb, die Unmengen an Blut, die aus ihrer Nase geströmt waren...all das würde so schnell nicht verblassen, sondern mit einer Intensität fortleben, die sie noch viele Nächte durchgeschwitzt hochschrecken lassen würde. Ihre Nase war zwar nicht gebrochen, aber geprellt, wie die Notärztin am Unfallort festgestellt hatte. Ihrer Meinung nach hätte Erin für eine ausführlichere Untersuchung ins Krankenhaus gehört, aber diese hatte sich mit Händen und Füßen gesträubt. Und so hatte sie nur eine Salbe und nicht verschreibungspflichtige Schmerzmittel zugesteckt und ein Pflaster auf die Nase geklebt bekommen. Die Schwellung ging auch schon deutlich zurück, nur die bläuliche, aber ebenfalls allmählich verblassende Färbung machte die Verletzung sichtbar. Erin fuhr sich mit der linken Hand durch das offene Haar. Es fühlte sich seidig und weich an, nur die dünne, raue Schicht Schorf auf ihrem Hinterkopf zeugte von ihrer unsanften Landung auf dem Boden. Die junge Frau erreichte den ersten Stock und sah sich um. Auf keinem der abzweigenden Flure war auch nur eine Menschenseele zu sehen. Wo trieben sich nur die Kinder wieder herum? Sie würden doch wohl nicht auch noch ihre Pausen in ihren Schlafräumen zubringen und diese nur zum Unterricht oder zum Austreten verlassen?

Erin stapfte entschlossen in Richtung der Schlafsäle, klopfte kurz an die geschlossene Tür, sodass die alte Holzvertäfelung ein dumpfes Echo erklingen ließ, und drehte den Knauf, um in das Zimmer zu spähen. Alle Betten waren ordentlich hergerichtet, sogar das des Oberrabauken Arnold Haynes, dessen in Mitleidenschaft gezogener Winnie Puh Teddy aus dunklen Knopfaugen zu Erin hinüberglotzte. Keines der Kinder hielt sich in diesem Raum auf. Erin runzelte die Stirn, ließ kurz die Fingerkuppen über das geschnitzte Relief auf der Innenseite der Tür streifen, das ein kleines Kind zeigte, das sich verschlafen an die Sichel des Halbmondes kuschelte, auf die es gebettet war. Dann zog sie die Tür wieder hinter sich zu und sichtete die anderen Zimmer mit ebenso geringem Erfolg. Dass die Kinder bei dem ungewöhnlich schönen Wetter vielleicht draußen waren und spielten, war keine Sache der Unmöglichkeit, verglichen mit der Stimmung der vergangenen Tage allerdings äußerst ungewöhnlich. Außerdem hätte Erin dann durch die zum Lüften angestellten Fenster Stimmen und Geräusche gehört. Sie zupfte ihr hellblaues Poloshirt zurecht, unter dem sie ein dünnes weißes Langarmshirt trug, und zwang sich zur Ruhe. Vermutlich waren viele der Kinder einfach im Aufenthaltsraum oder in den Klassenzimmern. Kein Grund, hysterisch zu werden.

Erin beschloss, die Materialien für die nächste Kunststunde durchzusehen und vorzubereiten, und somit von ihrer inneren Unruhe abzulenken. Es brachte niemandem – ihr am allerwenigsten – etwas, wenn sie Gespenster sah. Dabei wäre sie froh darüber gewesen, überhaupt irgendetwas zu sehen. Die Stille und friedliche Ordnung war trügerisch und ungewöhnlich, selbst in einer Situation wie der jetzigen. Sie rieb sich beim Gehen über die Schulter, verzog das Gesicht, als sie eine noch besonders empfindliche Stelle berührte, und hielt erst in ihrem routinierten Trott inne, als sie die Tür ihres Klassenzimmers angelehnt vorfand. An sich war das nichts Ungewöhnliches, aber heute hatte keine Klasse vor Erins Kunststunde in diesem Zimmer Unterricht und normalerweise blieb die Tür solange verschlossen. Sie trat näher an die Tür heran, die durch einen leichten Luftzug leise knarrte und sich wenige Millimeter bewegte. Eine weitere Böe wehte Erin kühle Luft entgegen. Nicht nur die Tür, sondern auch das Fenster musste in ihrem Klassenzimmer offen stehen. Hier ging etwas nicht mit rechten Dingen zu. Im nahezu rhythmischen Züngeln des Windes wurde Erin schubweise kalte Luft entgegen geblasen, so als stünde direkt hinter dem Türspalt ein großer Ventilator. Erschrocken zuckte sie zusammen, als etwas durch den offenen Spalt auf den Korridor geweht wurde, das direkt vor Erins Füßen landete. Es war klein, blau und hatte das Format einer Spielkarte. Die Zeit schien mit einem Mal stillzustehen. Allein der rebellische kalte Wind widersetzte sich der Trance, in die Erins Umwelt auf einmal verfallen zu sein schien, und schickte pfeifend und geheimnisvoll rauschend seinen Atem durch die angelehnte Tür. Sehr langsam, beinahe aus Furcht, dass eine zu schnelle Bewegung unangenehme Konsequenzen haben würde, ging Erin in die Hocke. Ihre Kniegelenke knackten leise und erschreckten sie damit. Der Luftzug spielte mit ihren Haaren, kräuselte ihre blonden Strähnen und ließ sie federleicht wieder gegen ihre Stirn fallen.

Das Herz schlug ihr bis zum Hals und eine unangenehme Kälte kroch von ihren Fingerspitzen aus über ihren Körper, füllte wie Gift ihre Venen und wurde in rhythmischen Schüben durch sie hindurchgepumpt. Angespannt presste sie die Lippen zu einer schmalen, hellen Linie zusammen, als sich diese gefühllosen, kalten Finger um die Karte legten. Erin wusste nicht, was sie sich für absurde Vorstellungen davon gemacht hatte, wie sich die Spielkarte anfühlen würde, aber sie konnte ihre Überraschung nicht leugnen. Leicht und glatt lag sie in Erins Hand, als sie diese umdrehte. Sie hatte damit gerechnet, einen schalkhaft lachenden Joker zu erblicken, aber als sie tatsächlich die grinsende Grimasse eines schwarzen Clowns auf der Rückseite erblickte, stockte ihr der Atem. Alle Nebengeräusche, mochten sie noch so leise und unterschwellig zuvor gewesen sein, waren ab diesem Moment vollkommen ausgeblendet. Einzig das gleichmäßige Pochen ihres Pulses füllte ihre Gehörgänge aus und ließ keinen Raum für die Wahrnehmung von irgendetwas anderem.

Mit jeder Sekunde, die sie die Karte betrachtete, gedieh aus ihrer Unruhe eine Angst, die schwoll und wuchs und die räumlichen Grenzen, die ihr Körper ihr vorgab, zu überschreiten drohte. In kleinen, geraden Lettern war auf die Karte nur ein Wort gedruckt worden. ‚Hereinspaziert!' Entlang ihrer Wirbelsäule schien sich beim Lesen dieses Wortes eine eiskalte Schlange hinabzuwinden und auf ihrem Pfad eine Spur aus Gänsehaut zu hinterlassen. Erst als sie wieder aufschaute und sich an das Pulsieren in ihren Ohren gewöhnt hatte, vernahm sie ein leises Schluchzen, nicht lauter als ein geflüstertes Wort. Es drang aus dem Klassenzimmer vor ihr und trug nicht gerade dazu bei, dass sich Erin entspannte. Langsam sah sie über die Schulter auf den verlassenen Flur zurück. Die Pause endete frühestens in zehn Minuten und noch immer war keine Menschenseele zu sehen. Zuerst überlegte sie, ob sie nach unten gehen und Nell oder Matthew darum bitten sollte, ihr nach oben zu folgen und nachzusehen, was es mit der Karte auf sich hatte. Doch dann beschlich Erin das nicht unbegründete Gefühl, dass ihr vielleicht gar keine Zeit mehr dazu blieb. Etwas sagte ihr, dass sie längst bemerkt worden war von dem, was hinter der Tür auf sie wartete. Sehr vorsichtig erhob sie sich, noch immer die unheilverkündende Spielkarte in der Hand haltend. Sowohl Herz als auch Verstand rebellierten dagegen, dass sie durch die angelehnte Tür treten sollte, aber Erin ahnte, dass es nicht nur für sie böse Folgen haben würde, wenn sie sich nicht ihrer größten Befürchtung stellte. Zaghaft legte sie die Hand an das glatte Holz der Tür und merkte erst dann, dass sie zitterte wie Espenlaub. Erin schluckte schwer, hielt die Luft an und zog die Tür Stück für Stück auf. Mehrere Kinder saßen an den Schulbänken. Ihre Münder waren mit bezwingenden Knebeln versehen. Unmengen an Paketband schlangen sich um die kleinen Körper, drängten ihre Arme zu einer unnatürlichen und mit Sicherheit schmerzhaften Haltung auf den Rücken. Merkwürdige Drähte legten sich über ihre Schultern und Füße und verbanden die Kinder wie die Glieder einer Kette miteinander. Als Erin die Tür so weit aufgestoßen hatte, dass sie selbst hätte hindurchgehen können, fiel ihr Blick auf jenen Mann, der die Kinder in so eine missliche Lage gebracht hatte. Er saß auf dem Lehrerstuhl, der schräg gegen die Wand lehnte, sodass seine Füße in der Luft baumelten. Die lilafarbenen Hosenbeine waren leicht nach oben gezogen und entblößten ein buntes Karo aus Grün, Lila, Rosa und Gelb, das sich auf seinen Strümpfen erstreckte. Er hatte sich seines langen Mantels entledigt, der quer auf seinem Schoß lag. Mit dem rechten Ellbogen lehnte er an der Wand, während der linke Arm damit beschäftigt war, mit fast verspielter Leichtigkeit mehrere Messer zu balancieren. Das graublaue Hemd, auf dem sich das Muster einer Schlangenhaut kräuselte, fing die trägen Sonnenstrahlen ein, die durch das große Fenster hineinfielen, durch das er wahrscheinlich in das Haus gelangt war.

Erin wagte es nicht, direkt in sein Gesicht zu sehen. Es genügte ihr schon, aus den Augenwinkeln die geschminkte Clownsfratze zu sehen, das diabolische Lächeln aus intensivem Scharlachrot, dem jeder Humor abhanden gekommen war, und die kohlrabenschwarzen Totenkopfaugen, die sie taxierten. Als er dann auch noch den Mund öffnete und zu ihr sprach, fühlte sich Erins Kehle so an als würde sie von den kalten Fingern des Grauens umschlossen werden, die den verbrauchten Atem nur widerstrebend passieren ließen. „Oh, hallo, hallo, hallo, liebe Erin...", plapperte er in fröhlichem Singsang und legte den Kopf leicht schief, während er ihr mit der linken Hand, in der noch immer mehrere Messer ruhten, zuwinkte, „Endlich hast du dich hier...äh...eingefunden. Ich dachte schon, du würdest gar nicht mehr aufkreuzen...", er rollte das R im letzten Wort auf eine unterschwellig aggressive Weise, worauf sich Erins Nackenhaare aufstellten und ihre Haut prickelte. Er leckte sich über die Unterlippe und winkte Erin mit den Messern zu sich. „Komm her, Häschen...hopp, hopp...herein, wenn's kein Batman ist!", forderte er und wippte mit seinem Stuhl langsam vor und zurück, schnalzte hier und da mit der Zunge, während seine dunklen Augen in keiner Sekunde die blonde Frau verließen. Erin zögerte, schaute zu den Kindern, die sie hilfesuchend und völlig verängstigt anstarrten, und stellte fest, dass das Zimmer trotz sonnengelbem Wandanstrich und dem schönen Wetter, das draußen vorherrschte, bedrohlich und düster wirkte. Sie versuchte den Raum so unauffällig wie möglich mit den Augen abzusuchen, aber sie konnte keinen Hinweis darauf ausfindig machen, dass der Joker Verstärkung mitgebracht hatte. „Worauf wartest du denn, Spätzchen? An deiner Stelle würde ich von deinen Schülern nicht erwarten, zur Begrüßung aufzustehen, das...äh...könnte für Zündstoff sorgen..." Erin schaute ihn irritiert an, bemühte sich, seinem durchdringenden, wissenden Blick aus dunkelbraunen Augen standzuhalten, doch senkte kapitulierend nach wenigen Sekunden den Blick. Der Drang, wegzulaufen war übermächtig, und doch rührten sich Erins Füße keinen Millimeter. Nicht ganz unschuldig daran war der Ring, den der Joker zwischen den behandschuhten Fingern hielt, der die Drähte an den Kindern gefährlich tanzen ließ. Was genau an die Drähte verknüpft war, konnte Erin aus ihrer Perspektive nicht ausmachen, aber sie wollte es nicht darauf ankommen lassen, es zu schnell herauszufinden.

„Worauf wartest du? Komm...", der Joker stieß mit einem Fuß einen der freien Stühle an und schob ihn so in ihre Richtung, „...setz dich." Er grinste und lehnte sich abwartend zurück, aber der Unterton in seiner rauen Stimme duldete keinen Widerspruch. „Und schließ bei der Gelegenheit doch bitte gleich die Tür hinter dir, hm, Schätzchen?" Erin wusste nicht, wieso er sie ständig mit diesen Kosenamen ansprach, aber es trug nicht zu ihrer Beruhigung bei. Mit zitternden Händen schob sie die Tür hinter sich ins Schloss und verharrte mit dem Gesicht zu dem Fluchtweg, den sie sich eigens versperrte. Sie atmete tief durch und konnte es nicht über sich bringen, den Türknauf loszulassen. Es käme einem stillen Todesurteil gleich, einer Aufgabe. „Herzchen...ich hab nicht ewig Zeit und du solltest dir nicht einbilden, meine Geduld strapazieren zu können!", warnte er sie und als sich Erin langsam umwandte und ihn ansah, verzog er den Mund zu einem Schmollmund, ehe er diesen mit einem unappetitlichen Schmatzen öffnete und seine gelblichen Zähne zu einem alles andere als einladenden Lächeln bleckte. Erin fragte sich im Stillen, wie sie ihn für Danny hatte halten können, hatte dieses Scheusal, das da leger an der Wand lehnte als wäre es zu einem Kaffeeklatsch vorbei gekommen und nicht, um wehrlose Kinder zu fesseln und zu knebeln, doch ganz und gar keine Ähnlichkeit mit jenem Jungen, der einst ihr einziger und bester Freund gewesen war. Er seufzte theatralisch und warf schwungvoll den Mantel über die Schulter, ehe er die Hände ausstreckte: „Ich wiederhole mich äußerst ungern, musst du wissen. Könnte sein, dass ich...", er leckte sich über die Lippen wie ein hungriger Wolf, „...ein bisschen...äh...hektisch werde und...äh...an diesem Draht hier zupfe...", er zog die Unterlippe zwischen die Zähne und lehnte sich vor, sodass der Stuhl, auf dem er saß, mit einem knarrenden Geräusch auf seinen Beinen zum Stehen kam. Der Joker zog demonstrativ den Draht straff und brachte das Kind, das ihm am nächsten saß, dadurch leise zum Wimmern.

„Weißt du, Erinmäuschen...ich mag Musik. Sie hat so etwas...Fröhliches...Beschwingtes...", diese beiden Worte untermalte er mit einer wellengleichen Handbewegung, „Und dieser Draht hier...funktioniert wie die Saite einer Violine", beinahe sanft strich er mit dem Zeigefinger der rechten Hand über den Draht. Erins hellblaue Augen folgten der Bewegung seines Fingers mit hypnotischer Präzision. „Man kann sie straff spannen...", er demonstrierte dies und zog den Draht noch ein Stückchen näher zu sich, „...aber wenn man es übertreibt...reißt sie und das Musikinstrument ist nicht mehr zu gebrauchen", erklärte er in seelenruhigem Ton, dem Erin nicht über den Weg traute. Was auch immer mit den Drähten verbunden war, es konnte nichts Gutes sein. „Der Unterschied zwischen einer...Violine...und meinem Instrument...ist allerdings, das bei diesem speziellen Exemplar hier...", er zupfte am Draht, aber nicht heftig genug, um etwas damit anzurichten, „...die Musik erst so richtig losgeht, wenn der Draht herausgerissen wird...", jetzt zog der Joker ein Stück Draht hervor, das hinter der Lehne seines Stuhls und außerhalb Erins Blickwinkel gelegen hatte. Daran baumelte eine faustgroße Granate, deren Stecker nicht sonderlich stabil und vertrauenswürdig wirkte. „Das ist nur eine, meine Schöne...jedes deiner Kinderlein hat zwei Stück am Körper. Eine an einem Draht um die Füße und einen unter dem Klebeband auf der Brust...", er schenkte Erin einen vielsagenden Blick, „Wenn sie ruckartig aufstehen, werden sie nie wieder kalte Füße bekommen...wenn du nicht tust, was du sagst, sorge ich dafür, dass der Rest in die Luft fliegt." Bestürzt starrte sie auf die Kinder, die in ihre Obhut gegeben waren und nun in Lebensgefahr schwebten. „Also setzt du dich jetzt bitte hin, damit wir...äh...die schöne Wandfarbe nicht ruinieren?", er zupfte abermals demonstrativ an dem straffen Draht und brachte Erin somit dazu, sich – wenn auch widerwillig – langsam auf den Stuhl zu setzen, den der Joker ihr zugeschoben hatte. Dieser nickte ungeduldig, bis Erin vor ihm saß.

Sie schaute ihn nicht an, behielt immer noch die Kinder im Auge, bohrte nervös die Finger in den Stoff ihres Shirts und versuchte, den penetranten Geruch von Schießpulver zu ignorieren, der von dem Joker ausging. Er roch herb und irgendwie giftig. Wie giftig er wirklich war, wollte Erin nicht herausfinden. „Sieh mich an, Schätzchen...", forderte er und als Erin nicht sofort seiner Aufforderung nachkam, spürte sie, wie er sich gefährlich nah zu ihr vorbeugte und den Zeigefinger unter ihr Kinn legte. Langsam zwang er ihren Kopf in seine Richtung. Erin hielt es für klüger, seine Geduld nicht länger auf die Probe zu stellen und sah ihm in die Augen. Sie waren so schwarz und leer wie am Halloweenabend, doch als er wieder das Wort ergriff, wurden sie kurzzeitig von einem leichten Funkeln erhellt. „Ich...äh...muss gestehen, dass es mich ein klein wenig überrascht hat, dich...äh...ausgerechnet hier wiederzusehen...", er nickte zweimal und strich mit dem Daumen über ihre Wange. Das kalte Leder fühlte sich unangenehm auf Erins Haut an, aber sie nahm sich so gut es ging zusammen, um es ihn nicht merken zu lassen. Also doch...er hatte sie erkannt anhand ihrer Narbe, und der Einzige, der wusste, woher sie stammte oder was sie zu bedeuten hatte, war Danny. Sie hatte im Stillen damit gerechnet, doch trotzdem traf sie diese Erkenntnis mit schmerzlicher Intensität.

Er ließ seinen Daumen über ihre Nase streichen, was sie vor Schmerz leicht zusammenzucken ließ. „Ssshhh...kleine Erin...", murmelte er als wäre sie noch das kleine Mädchen, das ihm damals so nahe gestanden hatte. Die Angst, die in immer heftigeren Schüben durch ihren Körper floss, ließ den Schweiß auf ihrer Stirn ausbrechen, wofür sich Erin hasste. Es war eine Sache, Angst zu haben, aber sie zu zeigen, zeugte von Schwäche. Obwohl sie sich denken konnte, dass er ein feines Gespür für Angst hatte und die kleinsten Anzeichen dafür ohnehin bemerken würde, bemühte sie sich, sich unter Kontrolle zu halten. Er grinste breit, weil ihm Erins verbissenes Streben nach Contenance nicht entging. „Keine Sorge...ich...äh...hab nicht vor, dir unnötig Zeit zu stehlen und...äh...die Musikstunde können wir schneller beenden, wenn du dich von deiner kooperativen Seite zeigst." Er nahm die Hand von ihrem Gesicht und Erin musste sich stark zusammennehmen, um nicht erleichtert zu seufzen. Sie legte zögerlich beide Hände aus, deutete dann mit dem rechten Zeigefinger auf ihn und brachte ihre Hände in die anfängliche Position zurück, krampfte dann langsam die Finger wie die Klauen eines wilden Tieres zusammen. „Was ich will?", sprach er ihre Geste mit spöttischem Unterton aus, „Liegt das nicht auf der Hand?" Erin kratzte allen Mut zusammen, den sie noch aufbringen konnte, und schaute ihm fest in die Augen. „Ich wurde schon beim letzten Mal um meine...äh...Audienz beim jungen Mister Randall gebracht. Die würde ich jetzt gern nachholen." Erins Herz sank ihr in die Hose. Sie hatte damit rechnen müssen, dass er auf Alex zurückkommen würde, aber ein naiver Teil von ihr hatte gehofft, dass sich Gordon und seine Männer damit herumschlagen müssten. Der Joker hatte schließlich überall seine Finger im Spiel. Sie hatte geglaubt oder besser gesagt befürchtet, dass er herausbekommen würde, wo Alex war, ohne sich noch einmal nach Le Gardien bemühen zu müssen. Vielleicht war das auch der Fall und er erlaubte sich hier und jetzt nur einen derben Spaß. „Also...wärst du so liebreizend, mir mitzuteilen, wo ich den kleinen Bengel antreffen kann?" Erin biss sich auf die Lippe und überlegte, wie sie sich verhalten sollte. Sie wusste nicht, wo Alex war, von daher konnte sie ihm nicht das geben, was er verlangte. Wenn sie das Risiko einging und ihn belog, indem sie vorgab, zu wissen, wo Gordon Alex versteckt hielt, musste sie nicht nur damit rechnen, dass er wütend wurde, wenn er die Scharade entlarvte, sondern dass primär die Kinder die Leidtragenden dessen sein würden. Erin hatte schließlich keine Granaten um ihre Füße und Brust geschnürt. Als er begann, ungeduldig mit dem Messer gegen die etwas schiefrige Lehne des Stuhls zu schlagen, schüttelte Erin schließlich den Kopf. Der Joker legte das Kinn an die Brust und schaute sie aus dieser merkwürdigen Position heraus aus dunklen Augen an. „Nein? Du willst es mir nicht sagen? Hältst du das für...äh...klug?" Er zog das U übertrieben in die Länge und drehte dabei den Kopf zur Seite, was seinem Blick etwas Verwegenes verlieh und den durch Narbengewebe verlängerten Mundwinkel bestens zur Geltung kommen ließ. Mit der linken Hand zupfte er verspielt an dem Draht als handelte es sich um die Fäden einer Marionette.

Erin seufzte nervös, zeigte mit der Hand auf sich, schüttelte den Kopf, legte dann die flache Hand an die Wange und schob sie in einer drehenden Bewegung von sich. „Und das soll ich dir glauben?", fragte er in einem zuckersüßen Singsang, der jedoch alles andere als vertrauenerweckend war. Er beugte sich vor, stützte die Ellbogen auf die Knie und war somit nur wenige Zentimeter von ihr entfernt. „Weißt du, ich...äh...sehe es Menschen an, wenn sie lügen und...", er hob den Zeigefinger der rechten Hand und deutete damit auf Erin, beugte sich dann so nah an seinen Finger heran als würde er den Lauf einer Pistole mit seinen Augen verfolgen wollen, „...ganz gleich wie viel Zeit vergangen ist, Herzchen...ich weiß es auch bei dir..." Erin hielt seinem durchbohrenden Blick stand, auch wenn es ihr mehr Nerven abverlangte als sie im Moment fähig war zu geben. Sie zeigte auf sich, schüttelte dann den Kopf und ließ die Hand, deren Finger in einem rechten Winkel quer zum Handballen abgespreizt wurden von rechts nach links gleiten. „Ich weiß, dass du nicht lügst...", unterbrach er sie ungeduldig und fing ihre rechte Hand mit unerwarteter Schnelligkeit ab, ehe sie ihre Geste ganz beenden konnte. Sein Griff war fest und bestimmend. Er spreizte den Zeigefinger ab und richtete ihn abermals auf Erin, verfehlte ihre schmerzende Nase dabei nur um Haaresbreite: „Aber du erzählst mir auch nicht die ganze Wahrheit." Der Joker zog die Unterlippe zwischen die Zähne, und dennoch verbarg er damit nicht gänzlich die breite Narbe, die schräg über seine Unterlippe klaffte. Obwohl sie seine unaussprechlichen Entstellungen bereits am Halloweenabend hatte sehen müssen, konnte sich Erin nicht so schnell an diesen entsetzlichen Anblick gewöhnen. Es war einfach unvorstellbar, dass hinter den Narben, die wie Krebsgeschwülste entlang seines Mundes verliefen, und unter all der skurrilen Clownschminke Danny, ihr Danny, stecken sollte. Der bloße Gedanke war so grässlich wie ein nicht enden wollender Alptraum. Ein Alptraum, aus dem Erin immer noch zu erwachen erhoffte.

Er verstärkte den Druck um ihr Handgelenk und erinnerte sie somit daran, dass sie ihm noch eine Antwort schuldig war. Angsterfüllt begann einer der Jungen, den Erin aus den Augenwinkeln als den rundlichen Benjamin zu erkennen glaubte, – den Kopf zu drehen und den Blick von diesem Monster im Clownskostüm zu nehmen, wagte sie nicht – zu weinen. Sein kleiner Körper begann unheilvoll zu beben und die leichten Vibrationen seiner zitternden Muskeln auf den verhängnisvollen Draht zu übermitteln. „Ich...äh...würde mich beeilen, wenn ich du wäre. Das Orchester scheint seinem großen Auftritt entgegenzufiebern. Wenn der...äh...Tusch erfolgt, geht es sicherlich heiß zur Sache." Die junge Frau spürte, wie Schweißperlen in schmalen Rinnsalen über ihre Schläfen glitten und ihre blonden Haare befeuchteten. Auch wenn die warme Feuchtigkeit ihres Schweißes ihre empfindliche Haut kitzelte, wagte es Erin nicht, ihn wegzuwischen. Sie fühlte sich wie ein verwundetes Beutetier, dessen einzige Chance zu überleben darin bestand, sich nicht zu hektisch vor dem hungrigen, aber kurzsichtigen Räuber zu bewegen. „Also...", er hob die Brauen, was die schwarz bemalten Höhlen, die seine Augen umgaben, größer werden ließ, „Wer weiß, wo er ist?" Erin schluckte. Sie konnte ihn doch nicht einfach auf Jim Gordon hetzen, der alle Hände voll damit zu tun hatte sich, Presse, Bürgermeister und illoyale Polizeibeamte vom Hals zu halten und dabei für Alex' Sicherheit zu garantieren. So wie sie Gordon vertraute – vertrauen musste – so verließ er sich auch auf sie. „Spätzchen, ich weiß, dass du nicht reden kannst...", er leckte sich über die Lippen und schwenkte die Hand, die Erins Rechte noch immer umfasste, langsam hin und her, „...aber taub bist du nicht. Es ist furchtbar hinderlich, wenn ich dir...äh...erst wehtun muss, um einen Namen zu bekommen, meinst du nicht auch?" Erin schluckte, als die Erinnerung an das Gefühl einer kalten metallenen Klinge auf ihrer Haut lebendig wurde. „Außerdem...beunruhigt das vielleicht den kleinen Zappelphilipp da drüben, wenn er dich bluten sieht...", Benjamin kommentierte die Worte des Jokers mit einem gequälten Heulen, das nicht zuletzt durch den festen Knebel nicht menschlich klang, „Dann gibt es ein ordentliches Feuerwerk", er nickte hektisch, zog das Messer mit der linken Hand heran und fuchtelte damit bedrohlich nahe vor Erins Gesicht herum. „Einen Namen...", forderte er mit tiefer, dunkler Stimme, die keine Zuwiderhandlung duldete. Gänsehaut erblühte in ihrem Nacken und wurde wie die Samen eines alternden Löwenzahns über ihre Arme gestreut, als sie seinen heißen, unangenehm riechenden Atem auf ihrer Wange spürte. Erin presste die Lippen aufeinander, fühlte wieder die Klinge auf ihrer Haut, diesmal jedoch an ihrer Kehle, hörte das flehende, hilflose und erstickte Schluchzen der Kinder in alles übertönender Lautstärke an ihrem Ohr, und traf eine Entscheidung.

Mit bebenden Lippen formte sie Jim Gordons Namen und glaubte zunächst, er hätte es nicht verstanden, weil er nicht reagierte und die Klinge nach wie vor an ihren Hals presste, doch dann brummte er ein tiefes: „Hmm...", das auf bizarre Weise gleichzeitig nachdenklich und wissend klang. „Schlägst du jetzt vor, dass ich in die Polizeizentrale stolziere und freundlich an der Rezeption um Audienz beim Commissioner bitte?", er starrte sie an und Erin schloss angestrengt die Augen, als er größeren Druck auf das Messer ausübte, dessen Schneide die erste filigrane Schicht ihrer Haut mühelos durchtrennte. Obwohl es ihr Schmerzen bereitete, weil er ihr Handgelenk fest umschlossen hielt, legte sie die Finger um das makellose dunkle Leder seines Handschuhs und übte so viel Druck darauf aus wie ihr möglich war, um seine Aufmerksamkeit zu erregen. Er gab ihre rechte Hand frei, behielt aber das Messer an Ort und Stelle. Erin tastete mit der Hand an ihre Hosentasche, was den Joker misstrauisch die Augen zusammenkneifen ließ: „Versuch nichts Dummes, Häschen..." Er behielt sie fest im Auge, während sie mit unsicherer Hand in ihrer Tasche fischte, bis sie einen Zettel daraus hervorzog. Sie hielt ihn zwischen Zeige- und Mittelfinger geklemmt hoch, sodass sie einzig der kleine Fetzen aus leicht vergilbtem Papier vom irren Endlosgrinsen des Jokers trennte. Sekunden verrannen mit der Trägheit von Minuten, in denen er nichts anderes tat als Erin anzustarren. Es kam einer Erlösung gleich, als er ihr den Zettel aus den Fingern zog und kurz seinen Blick darauf richtete. Er drängte weiterhin das Messer an Erins Kehle, während er das Papier auseinanderfaltete. Routiniert strich die Zunge über seine Lippen, was Erin auf groteske Weise an einen Frosch erinnerte, der auf Fliegenfang ging.

„Hohohoho...", lachte er stumpf in Begleitung mit dem verzerrten Klang seiner Stimme, „Häschen, Häschen, Hoppelhäschen...", er schenkte ihr einen durchdringenden Blick, der durch das breite rote Grinsen auf seinen Zügen an Bedrohlichkeit gewann, „Ich muss schon sagen, du hast es faustdick hinter den Löffeln." Erin war zu verängstigt und zu besorgt um das Wohl der Kinder, um wirklich über den Hintergrund dieser Worte des Jokers nachdenken zu können. Ihr Verstand beschränkte sich in seiner Funktion nur darauf, sie und die Kinder irgendwie heil aus dieser Sache hinauszubekommen. Doch das würde nur gelingen, wenn Benjamin endlich aufhörte, zu beben und zusammenzuzucken, wann immer ihn sein Weinkrampf erschütterte. „Wenn die gute Barbara Gordon wüsste, an wen ihr Ehemann seine private Handynummer weitergibt...", er schnalzte dreist mit der Zunge und schüttelte breit grinsend den Kopf. „Nur eine kleine Frage, Schätzchen, äh...weiß der gute Commissioner Gordon, dass du so deine Problemchen hast, auf einen Anruf zu antworten?", er kicherte schrill und strich mit der Klinge über Erins Hals als wolle er sie mit dem kalten, scharfen Metall liebkosen.

„Wahrscheinlich hat er sie dir für den Notfall überlassen, hm? Und...äh, ich würde sagen, damit lag er gar nicht so falsch, nein, nein, nein, gar nicht so falsch...", er lehnte sich leicht zurück und kramte aus einer der Innentaschen seines dunklen Mantels ein kleines Mobiltelefon. „Ich will mal nicht so sein und dir...äh...unter die Arme greifen, um Jimmyboy über deine missliche Lage zu informieren", murmelte er und nickte langsam, während er die Ziffern vom Zettel in sein Telefon übertrug. Obwohl er sie dabei nicht anschaute, verließ Erin nie das Gefühl, dass er sie sehr wohl im Auge hatte und sie es besser gar nicht erst versuchte, die Flucht zu ergreifen. Er murmelte die Zahlen in sich hinein und verflocht sie in eine zusammenhangslose Melodie. Zuletzt drückte er auf die grüne Ruftaste und erhob sich.

Während er darauf wartete, dass der Commissioner den Anruf beantwortete, schlüpfte er seelenruhig in seinen lilafarbenen Mantel und umkreiste Erin wie ein Greifvogel, der langsam den Radius um seine Beute enger zog, ehe er auf sein Opfer hinab stieß. Der Draht in seiner Hand spannte sich bedrohlich, nur um kurz darauf wieder zu erschlaffen, wann immer er sich näher zum Tisch bewegte. Schließlich blieb er an Erins linker Seite stehen und lehnte gegen den massiven Schrank, in dem Utensilien für den Kunstunterricht aufbewahrt wurden: von Pinseln über Blöcke bis hin zu Farben, Kreide und Tuschefedern. Unter dem unerwarteten Gewicht bogen sich die altersschwachen Schranktüren ein wenig nach innen. Das beigefarbene Holz mit der abwechselnd verschnörkelten und dann wieder schnurgeraden Maserung ächzte leise wie um ebenfalls seinen Unmut im Bezug auf die unfreiwillige Nähe zum Joker zu äußern. Der Geruch von Benzin und undeutbaren Chemikalien, der Erin entgegenschlug, wann immer er ein wenig näher an sie heranrückte, war übermächtig und benebelnd, beinahe betäubend. Und doch lag darin eine fast angenehme, herbfrische Note darin gebettet. Leise hörte die junge Frau, wie die freundliche Stimme Jim Gordons erklang, und schlug die Augen nieder. Im Stillen hatte sie gehofft, er würde nicht abnehmen, weil er vielleicht gerade in einer Besprechung oder anderweitig beschäftigt war. „Ah, guten Tag, Commissioner...", zischte der Joker unheilvoll wie eine Schlange, während er mit dem Messer fast verspielt die Linie von Erins Kinn nachfuhr. Für einige Sekunden herrschte am anderen Ende gelähmte Stille. „Der Joker...", brachte Gordon stockend hervor. „Ganz recht, ganz recht, ich freu mich auch, Ihre liebliche Stimme zu hören, Commissioner." Erin, die den Kopf wegdrehen wollte, bekam erneut die Klinge zu spüren. Der alles andere als freundliche Clown schlang ihr den rechten Arm um den Hals und nahm sie so in den Schwitzkasten. Das Messer unter ihrem Kinn zwang Erin dazu, sich von dem unbequemen Stuhl zu erheben, wobei sie diesen so unglücklich streifte, dass er verkantete und sich die breite, hölzerne Lehne schmerzhaft in ihre Hüfte bohrte. „Ssshhh...", flüsterte er besänftigend in ihr Ohr, was Erin unwillkürlich zusammenzucken ließ. Mit größerer Gewalt zwang er sie an seinen Körper, um sie so besser in Schach zu halten, während er mit Gordon telefonierte.

„Mir ist zu Ohren gekommen, dass Sie wissen, wo ich...äh...Alex Randall finden kann. Wo ist er? Wissen Sie, ich hätte da eine kleine Unterredung mit ihm zu führen und fände es nur fair, wenn Sie im Rahmen unserer kleinen Musikstunde hier einen Gesangsbeitrag beisteuern würden...", er verstärkte den Druck seines Armes um Erins Kehle, die daraufhin schwer nach Luft japste. „Was...was soll das heißen? Wo sind Sie?" Der Joker grunzte ungeduldig und positionierte die Finger um den Griff des Messers neu. „Tatata, Commissioner...Sie halten sich ja gar nicht an die Regeln! Es ist gemeinhin bekannt, dass der, der zuerst kommt, zuerst mahlt...ich hab die Frage zuerst gestellt, also schulden Sie mir eine Antwort, bevor Sie mich ins Kreuzverhör nehmen können." Neben Benjamin begann nun auch Elena zu zittern. Kindern fiel es ohnehin schwer genug, still zu sitzen, in so einer Extremsituation glich es aber beinahe einem Wunder, dass noch keines der Kinder an der nervlichen Bürde gescheitert und den Zünder der Granaten ausgelöst hatte. Wenn die Angst die Überhand gewinnt, war es die Kontrolle, die wir zuerst bedingungslos aufgaben. Ganz gleich, wie der Joker weiter verfahren würde, Erin war klar, dass Le Gardien auf einer tickenden Bombe saß, deren Zündung der Laune eines Wahnsinnigen oblag.

„Woher haben Sie die Nummer?", fragte Gordon, ohne auf die Worte des Jokers einzugehen. Dieser quittierte diese Respektlosigkeit mit einem tiefen Knurren, ehe er das Polizeioberhaupt mit bedeutend schärferem Ton an seine Bedingungen erinnerte: „Zuhören gehört nicht zu Ihren Stärken, wie, Commissioner? Ich habe Ihnen eine Frage gestellt und ich kann Ihnen garantieren, dass andere es auf eine recht unangenehme Art und Weise auszubaden haben werden, wenn Sie mir nicht sagen, wohin Sie Randall gebracht haben." Alles Verspielte, Komische und im Singsang Dahergesagte war aus seiner Stimme verschwunden. Tief, unbarmherzig und teuflisch war der Klang seiner Worte, eine Melodie, die man nur anspielen musste, um sämtliche Nackenhaare des Publikums zu einer stehenden Ovation zu bewegen.

„Bleiben Sie ruhig...", erwiderte Gordon mit deutlicher Anspannung in der Stimme. Erin konnte ihn noch deutlicher hören, jetzt, als der Joker seine Wange fast an ihren Schopf presste. „Ich bin ruhig. Ruhig genug, um der kleinen süßen Miss Porter hier ein Messer an die Gurgel zu drücken, während ich mit Ihnen plaudere, Jim." Wie um seinen Worten Nachdruck zu verleihen, ließ er die Klinge über ihren Kehlkopf streichen. Immer mehr Kinder fingen an zu weinen und zu wimmern, sodass die Klagelaute zu einem ohrenbetäubenden Missklang zueinanderfanden, den Gordon unmöglich überhören konnte. Entsprechend vorsichtiger wählte er seine nächsten Worte: „Was wollen Sie von Alex? Ich bin sicher, wir können zu einer Einigung kommen, ohne den Jungen da in etwas hineinzuzi...", der Joker fiel ihm ins Wort: „Überfordere ich Sie mit der simplen Frage nach dem Ort seines Aufenthalts, Commissioner? Ich bin gar nicht in der Stimmung für Zeitschinderei." Hinzukam, so befand Erin unruhig, dass Gordon nicht sonderlich überzeugt von seinen eigenen Worten klang, was eine mögliche Einigung mit dem Joker anbelangte. Ein vernünftiges Gespräch mit einem Wahnsinnigen zu führen lief auf ähnlich mäßigen Erfolg hinaus wie der Versuch, ohne jedwede Taucherausrüstung unter Wasser zu atmen. „Garantieren Sie mir, dass Sie der jungen Frau nichts tun...", begann Gordon zögerlich und setzte hinzu: „Wer ist noch bei Ihnen? Ich höre Stimmen..." Der Joker gluckste laut und krächzte dann ein: „Dann sollten Sie dringend einen Arzt aufsuchen!" Gordon ging nicht auf die Worte des Jokers ein, sondern schien Eins und Eins zusammenzuzählen: „Bitte...die anderen haben doch gar nichts damit zu tun. Es ist doch nur eine Sache zwischen Ihnen und mir." Der Joker stapfte in großen Schritten in Richtung Fenster und zerrte Erin mit sich. „Falsch, Commissioner. Es ist eine Sache zwischen mir und Mister Randall. Wenn Sie sich als hilfsbereit erweisen, kommt vielleicht niemand weiter zu Schaden." Einer der Drähte spannte sich gefährlich straff, weil ein kleines Mädchen fast von ihrem Stuhl gerutscht wäre und um ein Haar einen explosiven Dominoeffekt ausgelöst hätte. „Alex Randall, Commissioner. Wo ist er?", seine Geduld gelangte an ihr Ende und Erin ahnte, dass dies nichts Gutes für sie und die Kinder zu bedeuten hatte. „Er ist im Bezirk Tricorner, dreiunddreißigste Straße, Ecke Hampton...in der Nähe des Hafens...", gab Gordon widerwillig und mit reichlich leiser Stimme preis. Der Joker lachte heulend auf, ein grässlicher Klang des Triumphes. „Soso, na ja, auch nicht schlecht. Manchmal sieht man vor lauter Bäumen den Wald nicht. Sagen Sie, wo können Sie schneller sein? Im malerischen, pittoresken Le Gardien oder in Ihrem beschaulichen Heim?"

Erin stutzte und drehte den Kopf, starrte den Joker überrascht an, doch er richtete den Blick auf die Tür, während er mit der Hand, in der das Mobiltelefon lag, das Fenster gänzlich öffnete. Gordon hatte den Jungen bei sich zu Hause versteckt? Er hatte das Risiko, zur Zielscheibe des Jokers zu werden, bereitwillig in Kauf genommen, um Le Gardien die Sicherheit zu garantieren? Hatte er seine Familie an einem anderen Ort untergebracht? „Bitte...hören Sie, Sie tun niemandem einen Gefallen, wenn Sie da Unschuldige mit hineinziehen", Gordon hörte sich nervös an, im Hintergrund machte sich deutliches Stimmengewirr bemerkbar.

„Oh, machen Sie sich um mich keine Gedanken, Jim. Sie sollten sich besser spurten und überlegen, wie viele Leute vom Bombenkommando sie schnellstmöglich herbeordern können, damit Le Gardien...äh...nicht in seinen Grundfesten erschüttert wird." Erin meinte, ein dumpfes Geräusch vor der Tür wahrgenommen zu haben, schob es dann aber auf die Angst, die sie ausfüllte und ihre Sinne täuschte. Sie strauchelte über ihre eigenen Füße und stieß rücklings gegen den Joker, der sie gewaltsam mit sich zog. „Oh, und...Commissioner...das süße Blondchen hier erweist sich als überaus...anschmiegsam. Ich denke, ich werde sie mitnehmen. Nur zur Sicherheit, falls Sie auf die Idee gekommen sind, mich zu belügen. Denn wenn Alex nicht an dem von Ihnen angegebenen Ort ist und ich eine Streife vor Ihrem Haus sehe, wird die arme kleine Miss Porter hier ein recht qualvolles und hässliches Ende ereilen." Erin zwang sich dazu, die Worte jenes Ungeheuers, das einst ihr bester Freund und engster Vertrauter gewesen war, so gut es ihr möglich war zu ignorieren. Sie hatte seine Kaltblütigkeit erlebt, sodass sie sich nicht länger einbildete, eventuell in den Luxus eines Bluffs zu kommen. „Ich denke, es ist nicht in Ihrem Interesse, den Tod einer gänzlich Unschuldigen und möglicherweise einiger Kinder zu verantworten, oder, Commissioner?", er leckte sich über die Lippen, das schmatzende Geräusch brannte sich in Erins Gedächtnis ein und ließ sie vor Ekel erschaudern. „Nein, das ist es nicht...", sagte Jim Gordon leise, „Aber glauben Sie nicht, dass Sie damit weit kommen..." Der Joker verlachte höhnisch die letzten Worte, die Gordon noch an ihn richten wollte, und warf ein: „Drohen Sie mir etwa, Jim? Das...äh...halte ich in Ihrer gegenwärtigen Situation für nicht besonders clever. Nein, wirklich nicht, mh-mh." Er drängte den Arm enger an ihren Hals, drückte ihr somit heftiger die Luft ab, sodass sich Erins Hände automatisch um seinen Arm schlossen und ihn wegzuschieben versuchten. Es nützte nichts, sie gewann nicht einmal einen Millimeter an Bewegungsfreiheit, rutschte ständig am unerwartet weichen Stoff seines Mantels ab und brachte nur ein hilfloses Keuchen über die Lippen, das für den Joker nicht von sonderlich großem Interesse war. „Die gefährlichsten Gegner, mein lieber Commissioner, sind die, die man unterschätzt. Ich denke, Sie haben noch gut in Erinnerung, dass Sie mich nicht unterschätzen sollten. Ich unterschätze Sie schließlich auch nicht." Und damit legte er auf und ließ das Handy in einer Innentasche seines Mantels verschwinden. „So, Erin...wir zwei...äh...Hübschen...werden jetzt gehen. Wenn du ein paar letzte Worte an deine Schäfchen richten möchtest...ach nein, geht ja nicht, wie gedankenlos von mir!", er drückte Erin gegen die Fensterbank, sodass ihr Oberkörper halb aus dem Fenster lehnte und der kühle Novemberwind ihren blonden Schopf liebkoste. Die Sonnenstrahlen verschwanden kurz hinter einer Schleierwolke, ehe sie das natürliche Hindernis überwanden und mit makaberer Gewohnheit ihr Tagewerk fortsetzten ungeachtet der Ereignisse, die sich innerhalb dieses Zimmers abspielten.

Er hatte seine junge, hilflose Geisel halb aus dem Fenster auf die klapprige und leicht im böigen Wind schwankende Feuerleiter aus blau lackiertem Metall, das an einigen Stellen rotorangefarbenen Rost ansetzte, gedrängt, als sich plötzlich der Türknauf drehte und jemand das Kunstunterrichtszimmer betrat. „Erin, möchtest du eine Ta...was...", begann die schlanke ältere Frau im roten Pullover, die in der Tür stehend erstarrte. Ihre grünen Augen weiteten sich in Fassungslosigkeit, die Tasse Tee, die sie vor wenigen Sekunden noch in der linken Hand gehalten hatte, fiel scheppernd zu Boden und zerschellte dort in zahllose kleine weiße Scherben, die in einer Lache aus aromatischem schwarzen Tee ertränkt wurden. Der Henkel, der durch den harten Aufprall von der Tasse geplatzt war, wälzte sich am Boden als durchlitte er Höllenqualen. „Hallo, die Dame...wir kennen uns doch...äh...irgendwoher...", nahm sich der Joker die Zeit, Nell zu begrüßen, während er aus dem Fenster stieg und Erin wieder fest an sich zog. „Was...was hast du getan, du...du Monster?!", entwich es Nell, die einen Schritt nach vorn tat und auf die Scherben trat, die knirschend ihren Protest unter der hellbraunen Gummisohle ihrer Schuhe kundtaten.

„Ah, ah, ah...Vorsicht...dein...äh...Kollege hat ähnlich unschönes Vokabular mir gegenüber geäußert und du siehst ja, was draus geworden ist", er fuchtelte tadelnd mit dem Messer in der Luft herum, während er Erin, die einen hoffnungslosen Versuch des Aufbegehrens unternahm, grob an den Haaren zurückzerrte. Sie sog scharf die Luft ein und streckte die linke Hand in Nells Richtung, schwenkte sie hastig hin und her als würde sie ihr nur übereifrig winken wollen. Doch was Erin damit bezweckte, war Nell klar, auch wenn es sie nicht sonderlich fröhlich stimmte. Der Joker hakte den Draht, den er noch immer um seinen Finger gewickelt hatte, am oberen Teil des Fensterrahmens ein, als er das Fenster fast schloss, und drängte Erin noch einmal vor sich wie um sich zu schützen. „Wenn du nicht willst, dass ihr etwas passiert, Mütterchen, dann mischst du dich besser nicht in Dinge ein, die dich nichts angehen. Ach ja, und wenn ich du wäre, würde ich unnötig starke Luftzüge vermeiden. Der Draht, den du da siehst, sollte nicht zum Zerreißen gespannt sein, wenn du verstehst. Sonst...äh...na ja, du wirst schon sehen", winkte der Joker ab, umfasste Erins rechtes Handgelenk und winkte Nell damit zu. Erin sah Nells Hilflosigkeit und Angst. Sie hätte alles dafür gegeben, ihr wenigstens beruhigende Worte zurufen zu können, wenngleich sie nicht sicher war, ob sie der Wahrheit entsprochen hätten. Stattdessen musste sie mit ansehen, wie Nell allein mit den gefesselten und geknebelten Kindern zurückgelassen wurde, und mit ihnen in höchster Lebensgefahr schwebte.

Erin wehrte sich mit Händen und Füßen gegen den hoch gewachsenen Mann, der völlig unbeeindruckt von ihren Versuchen den Arm enger um sie schloss und sie mit sich zerrte. Sie konnte nichts ausrichten, so sehr sie auch um sich zu schlagen und zu treten versuchte, er war der Stärkere, und – was erschwerend hinzukam – im Besitz tödlicher Messer. Zwar bezweifelte Erin, dass er sie töten würde, solange sie noch sein Druckmittel war, aber dieser Umstand hinderte ihn nicht daran, ihr wehzutun. Und dass er davor nicht zurückschrecken würde, wusste Erin so sicher wie ihren eigenen Namen. Lachend zog der Joker das Fenster auf, gerade so weit, dass der Draht die tödliche Kettenreaktion nicht auslösen konnte, und ließ dann einfach los. Erin hörte Nell noch schreien und ihre eiligen Schritte auf dem glatten Parkett, dann zwang ihr Peiniger sie wieder in die andere Richtung, indem er die Hand zu einem schmerzhaft festen Griff in ihr Genick legte und sie unsanft die wackelige Treppe hinab stieß. Hätte sie sich nicht am gefährlich lockeren Geländer abfangen können, hätte der Joker sie die gesamte Treppe hinunterstürzen lassen. Er hatte es eilig, wenngleich er ein leises Nonsenslied auf den Lippen hatte und seine federnden Schritte eine ungeahnte Gelassenheit ausdrückten. Die Feuertreppe quietschte und ratterte, sodass Erin befürchtete, sie würde aus ihren überholungsbedürftigen Angeln brechen. Den Joker hingegen schien das alles wenig zu interessieren, er schenkte nicht einmal mehr Erin größere Aufmerksamkeit. Er schleifte sie nur mit sich, schaute sie nicht einmal an, behandelte sie wie ein lebloses Objekt, eine Puppe. Niemand befand sich hier draußen, niemand, der Erin in der Gewalt des Wahnsinnigen hätte sehen können. Hören konnte sie erstrecht niemand.

Der natürliche Teppich aus gefallenem Laub webte sich in Rot- und Gelbtönen fort, führte über einen schattigen und von Bäumen umsäumten Trampelpfad von Le Gardien fort. Der Joker zwang Erins Kopf nach unten, sodass sie kaum sah, wohin er sie führte. Das Rascheln des Laubs, ihr eigener keuchender Atem, seine festen, zielstrebigen Schritte und die entfernten Rufe eines Vogels füllten Erins Ohren aus, mit den Händen versuchte sie verzweifelt, die Balance zu behalten und nicht der Länge nach hinzuschlagen. Das hätte ihm vermutlich noch mehr Genugtuung verschafft und diesen Gefallen wollte sie ihm nicht tun. Ihr Atem kam in kleinen weißen Wölkchen über ihre Lippen und verlor sich in der Form- und Farblosigkeit der Luft. „Endlich...äh...sind wir einmal unter uns...", begann er dann plötzlich auf sie einzureden, ohne sie anzusehen oder seine Schrittgeschwindigkeit auch nur ansatzweise zu verlangsamen. Erin war sich nicht sicher, ob er diese Worte ernsthaft an sie richtete oder eine Reaktion erwartete. Ganz gleich, ob dem so war, sie war nicht einmal fähig, ihn richtig anzusehen, geschweige denn ihre Hände für belanglose Konversation zu benutzen. „Ich wünschte, wir hätten uns unter anderen Umständen wiedergesehen, dann...äh...hätte ich vielleicht bessere Manieren an den Tag gelegt." Es war bittere Ironie, dass er fast im selben Atemzug ihren Nacken freigab, um ihre Hände auf ihren Rücken zu verdrehen und sie so im Zaum zu halten. Erin verzog den Mund, spürte, wie Speichel von ihrer Unterlippe troff und auf ihr Kinn landete, während die Kälte durch die dünnen Schichten ihrer Kleidung drang und den darunterliegenden Schweiß abkühlte. Ihre schmerzende Schulter schrie in Form feurigen Schmerzes auf, als das Gelenk durch das Verdrehen ihrer Arme überbeansprucht wurde.

„Wer hätte gedacht, dass jemand, der als Kind von Gleichaltrigen so schikaniert worden ist, später in einem Waisenhaus jobbt? Ich muss schon sagen, Erin, du bist wirklich nicht nachtragend." Durch den dichten Schleier des Schmerzes nahm sie seine Worte nur gedämpft wahr, es war, als hätte sie Wasser in ihren Ohren, das ihre Sinne täuschte und die Wahrnehmung verfälschte. Sie fragte sich, ob er erwartet hätte, dass sie, nur weil sie eine Menge schlechter Erfahrungen als Kind gesammelt hatte, solch einen Hass entwickeln würde, den sie auf Unschuldige projizierte. Die Kinder in Le Gardien waren nicht dieselben, die sie damals auf perfide Art gehänselt und gequält hatten. Zwar hatten Le Gardiens Schützlinge anfangs auch ihre Probleme damit gehabt, Erin so zu akzeptieren wie sie war, aber sie hatte sich dieser Herausforderung gestellt und sie gemeistert. Sie war eine erwachsene Frau mit ihren fast dreißig Jahren, und hielt in der Kindheit verwurzelte Gräuel für selbstgerecht. Würde sie jetzt Kinder hassen, käme es der Situation gleich, alle Hunde zu hassen, weil man von einem temperamentvollen Exemplar gebissen wurde. Sie war ein gebranntes Kind, das leugnete Erin nicht, aber sie war hoffnungsvoll genug, allem eine zweite Chance einzuräumen. Ihr Fuß verfing sich in einer Baumwurzel, die in Schlaufenform aus dem aromatisch duftenden Waldboden ragte und Erin zum Verhängnis wurde. Sie drohte zu stürzen, aber der Joker bewies einmal mehr ungeahnte Kräfte und hielt sie – wenn auch unsanft – zurück. „Lalala, ratrala", säuselte er vor sich hin und schob Erin mit einem Mal von sich.

Als sie daraufhin gegen etwas Hartes prallte, realisierte sie zunächst nicht, worum es sich bei dem Hindernis handelte. Erst als sie sich mit den Händen darauf abstützte und aufschaute, sah sie, dass es ein altes Auto, um genau zu sein, ein DeLorean aus den 80iger Jahren war, der längst nicht mehr gebaut wurde, weswegen Erin sich nur dunkel aus ihrer frühen Kindheit an diese seltene Marke erinnern konnte. Daddy hatte damals noch in der Autowerkstatt gearbeitet und war in dieser Zeit öfter gut gelaunt gewesen. Manchmal hatte er die kleine Erin für ein paar Stunden mit in die Werkstatt genommen, wenn Mommy arbeiten musste und sonst niemand auf sie Acht geben konnte.

Sie schüttelte die verwirrende Erinnerung ab und nahm die Hände von dem Auto. Es war nicht lackiert, seine Karosse bestand aus mattem Edelstahl und wies einige Dellen und Kratzer auf, die nur behelfsmäßig durch Klarlack kaschiert worden waren. „Steig ein, Häschen...", forderte sie der Joker auf, der an der offenen Flügeltür auf der Fahrerseite stand und sie forschend betrachtete. Wenn sie jetzt kehrtmachte und fortzulaufen versuchte, wäre er ihr schneller auf den Fersen als ihr lieb sein konnte. Außerdem las sie aus seinen Augen, dass er damit rechnete, dass sie einen dummen Versuch unternehmen würde, die Flucht zu ergreifen. Nein, wenn sie heil aus der Sache herauskommen wollte, musste sie den richtigen Augenblick dafür abwarten. Solange sie nicht wusste, wie es um die Kinder in Le Gardien und Alex stand, musste sie ihm wohl oder übel gefügig sein. Sie wandte den Blick von ihm ab, konnte das Wissen um seine Überlegenheit, das in seinen Augen funkelte, nicht ertragen. Langsam trat sie an die Beifahrertür heran und schaute über die Schulter in die Richtung zurück, in der das Waisenhaus lag. Wenn die Granaten hochgegangen wären, hätte sie es doch gehört oder nicht? Erin klammerte sich an diesen überaus dünnen Faden der Hoffnung und öffnete die Tür des DeLoreans, die sich wie in einem schlechten Science-Fiction Film nach oben wölbte. Langsam und nur sehr widerwillig ließ sie sich auf den Beifahrersitz nieder, griff dann beklommen nach dem Türgriff und zog sie zu. Mit dem nicht unbegründeten Gefühl, in einer Falle zu sitzen, die sie selbst ausgelöst hatte, spürte sie das leichte Schaukeln des Wagens, als auch er einstieg und die Tür zuschlug. Der Innenraum des Autos roch muffig nach alten Duftbäumen, die zahlreich hinter dem Rückspiegel angebracht worden waren und gedankenlos im Kreis baumelten. Ihre Farben waren ausgeblichen, die Schrift, die den Duft benannte, kaum noch lesbar. Erin fragte sich, ob es sein Wagen war, kam aber zu dem Schluss, dass es wahrscheinlicher war, dass er ihn irgendwo gestohlen hatte. Er schien nicht viel von Regeln und bürgerlichen Verhaltensordnungen zu halten. Der Zündschlüssel steckte noch im Schloss, er hatte sich nicht die Mühe gemacht, ihn abzuziehen. Jetzt drehte er ihn gen Uhrzeigersinn um, worauf der DeLorean nach kurzem Stottern knurrend ansprang. Der Joker ließ den Motor friedlich vor sich hintuckern, während er vor sich hinmurmelte: „Tricorner, dreiunddreißigste Straße, Ecke Hampton...Alex, Alex, Alex...", er schüttelte sich kurz und drehte den Kopf zu Erin, grinste sie breit an. „Du...äh...solltest dich anschnallen."

Ohne jedoch darauf zu warten, dass sie seinem Rat Folge leistete, legte er den Gang ein und rangierte den Wagen über den schrägen Waldweg, was die betagten Stoßdämpfer des DeLoreans mit einem theatralischen Stöhnen quittierten. Schaukelnd gefährlich knarrend kämpfte sich der alte Sportwagen den kleinen Abhang hinauf, der schließlich auf eine befestigte Straße führte. Erin wurde abwechselnd vor und zurück geschleudert und hatte Mühe, sich anzuschnallen. Als ein leises, jubilierendes Klicken verkündete, dass es ihr endlich gelungen war, den Gurt zu befestigen, trat der Joker das Gaspedal voll durch, sodass sich Erin in den Tiefen des Schalensitzes wiederfand. Der Motor heulte, brüllte dann wie ein hungriger Tiger und trieb den DeLorean mit unwahrscheinlicher Kraft zu Höchstgeschwindigkeiten an. Erin machte sich nicht länger Sorgen, ob sie die zweite Begegnung mit dem Joker überleben würde, sie stellte bereits infrage, ob sie in voller Montur auch wieder aus diesem Auto steigen würde. Die Chancen standen schlecht. Der Fahrstil dieses Verrückten war genauso wild und unberechenbar wie sein gesamtes Wesen. Als Erin gegen das Seitenfenster geschleudert wurde, als er scharf links in Richtung Downtown, Gotham City abbog, schickte sie stille Gebete an Gordon, dass es ihm irgendwie gelingen mochte, seine Frau zu warnen, und den Spuk zu beenden, ehe er vollends seinen Lauf nehmen konnte. Denn selbst wenn Alex dort war und Gordon sich an die Anweisungen des Jokers hielt, schwante Erin, dass er sie und alle anderen Unbeteiligten trotzdem töten würde. Der Joker benötigte keinen Vorwand, um zu töten. So wie sie ihn einschätzte, brauchte er dafür noch nicht einmal etwas anderes als seine Hände und seinen kaltblütigen Verstand.