„Hermine! Wo steckst du faules Ding schon wieder! Meine Haare machen sich nicht von selbst!", zeterte Pansy Parkinson.

Hermine seufzte tief, schloss die Augen und legte widerwillig ihr Buch zur Seite. Hatte sie angenommen endlich ein paar wenige Augenblicke für sich zu haben, so wurde sie erneut bitter enttäuscht. Wie sollte es auch anders sein, wenn sie seit gut einem Monat, den sie nun schon in dieser Burg verbrachte, ununterbrochen von ihrer Herrin durch die Gegend gehetzte wurde und sich die wüstesten Beschimpfungen anhören musste. Hermine erhob sich langsam aus ihrem Stuhl und benutzte die Dienstbotentreppe um in Pansys Gemach zu gelangen, die bereits wutschnaubend und mit verschränkten Armen auf sie wartete und beim Eintreten hasserfüllte Blicke in ihre Richtung warf.

Wie konnte sich dieses undankbare Schlammblut nur so aufführen! Hatte ihr Vater ihrer Familie nicht einen Gefallen getan? Pansy konnte Hermine auf den Tod nicht ausstehen. Entnervt schleuderte sie Hermine die Bürste vor die Füße und ließ sich ungraziös in den Stuhl vor ihrem Toilettentisch fallen und schnalzte ungeduldig mit der Zunge, als Hermine keine Anstalten machte sich zu bewegen. Hermine hob langsam die Bürste auf und versuchte ihren aufkommenden Zorn zu unterdrücken. Pansy warf sich ihre unordentlichen Haare über die Schulter und wartete darauf, dass Hermine endlich mit ihrer Arbeit anfing. Nach ihrem sogenannten nachmittäglichen Schönheitsschlaf, konnte sie ihre Ähnlichkeit mit einem Besen allerdings nicht verleugnen. Hermine widmete sich ihrer Aufgabe, indem sie ihr mit kräftigen Strichen durchs Haar fuhr, was Pansy mit wütendem Fluchen kommentierte.

„Gib dir gefälligst Mühe, du undankbares Ding! Heute ist mein glorreicher Tag und den lasse ich mir von so was wie dir nicht verderben."

Hermine zerrte die Bürste daraufhin nur noch heftiger durchs Haar und versuchte sich an die Zubereitung des Vielsafttrankes zu erinnern.

„Au! Bist du von allen guten Geistern verlassen! Willst du mir etwa die Haare vom Kopf reißen! Wenn man in euren Familien die Mähne eines Pferdes besitzt, dann hättest du besser noch Stallbursche werden sollen.", sie lachte über ihren eigenen Witz, „Ich kann wohl nichts dafür, wenn du neidisch auf meine bezaubernde Haarpracht bist. Ach, ich kann es ja verstehen. Deine sehen aus wie die Schweifhaare eines Ackergauls. –Au! Du dumme Gans pass doch auf!"

Hermine versuchte angestrengt sich an die komplizierteste Zusammensetzung eines Zaubertranks zu erinnern, den sie kannte. Nach einer vollen Stunde hatte sie endlich Pansys Haare zu deren Zufriedenheit frisiert. Während sie Pansy nun in ihr Kleid half, erzählte sie Hermine triumphierend, und das tat sie lang und breit, voller Genuss, auf welchen der Junggesellen des heutigen Banketts sie ihr besonderes Augenmerk geworfen hatte. Hermine hörte der einseitigen Litanei nur halbherzig zu, doch als die Namen von Lord Black und Lupin fielen, wurde sie hellhörig. Ihre Freunde würden auch auf dem Bankett sein! Nach Jahren würde sie sie endlich wiedersehen. Ihr Herz schlug freudig schneller. Hatten sie sich sehr verändert oder waren sie immer noch so jungenhaft wie damals?

Ohne dass es ihr selbst bewusst wurde, suchte sie an diesem Abend ihre Garderobe besonders sorgfältig aus. Sie entschied sich für ein waldgrünes Kleid mit silbernen Stickereien am Saum ihres Rockes, welches ihr Vater ihr für besondere Anlässe geschickt hatte. Es war elegant, aber dennoch schlicht und würde Pansy nicht in den Schatten stellen.

Am nächsten Tag brachen sie früh auf und gönnten ihren Pferden nur eine kurze Rast, da Pansy nichts verpassen wollte.