Hatte ihr Herz zu Anfang so schnell geschlagen, dass es fast an ein Wunder grenzte, dass sie nicht vor den entsetzten Gesichtern der Gäste in Ohnmacht gefallen war, so begann sie sich doch schnell zu langweilen und verspürte schnell ein Gefühl von Enttäuschung. Pansy jedoch sonnte sich in der Aufmerksamkeit ihrer Verehrer, die weniger durch ihren Geist, als durch ihre üppigen Rundungen betört wurden.

Hermine hatte für diese Art von Schauspiel nur Verachtung übrig. Glücklicherweise hatte Pansy ihr befohlen einen Schleier zu tragen, der nun ihre Laune verbarg, allerdings nicht Pansys affektiertes Lachen fernhielt.

Zu Hermines Erleichterung rief der Hausherr in diesem Moment zu Tisch und beendete Hermines „seelische" Qualen. Eiligst versuchte sie sich aus Pansys peinlicher Gegenwart zu befreien und begab sich schnell zum Dienstbotentisch. Aus den Augenwinkeln konnte sie noch sehen, wie Pansy theatralisch auf Lord Snape zuwankte, um sich an seinem Arm dramatisch festzuklammern.

Hermine suchte sich einen Platz so aus, dass sie den Herrentisch gut im Auge behalten konnte und ließ ihren Blick während dem Essen oft über diesen schweifen. Enttäuscht stellte sie fest, dass weder Ron noch Harry sich darum bemüht hatten, mit ihr ein paar Worte zu wechseln. Neben ihr begann eine fette Magd plötzlich mit vollem Mund lauthals über den Tisch zu prusten. Hermine wünschte sich in diesem Moment ganz weit weg. Ihr einziger Ausweg lag darin, alle um sich herum zu ignorieren und die Lords zu beobachten.

Angewidert bemerkte sie, dass der Großteil von ihnen wie gebannt an Pansys Lippen hingen. Von den Lords Lupin und Black hätte sie eigentlich mehr erwartet, als sich von ein paar großen Brüsten bezaubern zu lassen. Der Einzige, der gegen die Reize Pansys immun zu sein schien, war Lord Snape, der allerdings besonders arrogant und kühl wirkte. Seit Pansys aufdringlichen Annäherungsversuchen schien er äußerst mürrisch und schlecht gelaunt zu sein und sein finsterer Blick, den er jedem zuwarf, der es wagte in seine Richtung zu sehen, ließ es einem kalt den Rücken hinunterlaufen. Was für ein schrecklicher Mensch.

Ihr Blick irrte weiter und blieb an den kalten grauen Augen von Lord Lucius Malfoy hängen. Seit schon geraumer Zeit hatte sie das Gefühl gehabt, von ihm angestarrt zu werden auf beängstigende, lüsterne Art und Weise. Es verunsicherte sie. Hermine konnte es kaum noch erwarten, bis sie endlich die Tafel verlassen konnte, um damit den mittlerweile gefährlichen Blicken Malfoys zu entkommen. Erschrocken fuhr sie zusammen, als die Spielleute zum Tanz aufspielten. Sie erhob sich mit zitternden Beinen und floh in eine dunkle Ecke der Halle. In ihrer Nervosität merkte sie nicht wie Draco Malfoy ihr unauffällig gefolgt war.

Sie seufzte erleichtert und ließ sich in einer Wandnische nieder, sprang jedoch entsetzt auf, als eine dunkle Gestalt drohend über ihr aufragte. Vom Regen in die Traufe, dachte sie bitter, als sie Draco erkannte.

„Was, das kleine Schlammblut drückt sich hier in der Ecke herum? Wir haben doch wohl nichts zu verbergen, oder?"

Hermines Furcht wandelte sich in Ärger. „Gewiss doch, Draco. Aber erst an dem Tag, an dem der lieber Herrgott Asche regnen lässt und seine Engel Posaune blasen."

In Dracos Augen blitzte es zornig auf, da seine Avancen fehlgeschlagen waren. Drohend trat er näher, bis Hermine an das Fenster zurückweichen musste. Panik wallte in ihr auf, als sie seinen männlichen Körper an ihrem spürte. Langsam streckte er die Hand zu ihrem verschleierten Gesicht aus.

„Deine Verschleierung hat sicher einen guten Grund, nehme ich an. Wahrscheinlich bist du noch hässlicher geworden, als ich dich in Erinnerung hatte."

Hermine sah die Gelegenheit zur Flucht gekommen und tauchte unter Dracos Arm hindurch. Dieser versuchte sie noch zu fassen zu kriegen und konnte nur noch nach dem Schleier greifen. Der Schleier wurde ihr vom Kopf gerissen und sie taumelte zurück in die Halle, wobei sie einem Spielmann die Flöte aus der Hand schlug. Es trat eine bedrückende Stille ein, in der aller Augen auf sie gerichtet waren. Pansy, der Hermines ungewollte Aufmerksamkeit der Männer nicht gefiel, fiel gekonnt in Ohnmacht. Daraufhin floh Hermine unbemerkt in die Stallungen.

Die flammende Röte ihres Gesichtes spürte sie immer noch, als sie ihr Ziel erreicht hatte. Tränen der Wut und Beschämung liefen ihre Wangen hinunter. Leise vor sich hinfluchend stieß sie gegen eine der Pferdeboxen. Das Pferd, erschrocken von dem Lärm, streckte neugierig den Kopf heraus. Hermine sah nur einen gewaltigen schwarzen Schatten über sich aufragen und spürte einen heißen Atem in ihrem Gesicht. Vollkommen entsetzt taumelte sie zwei Schritte vor dieser dämonischen Kreatur zurück und griff sich an die Brust. Das Pferd musterte sie gelangweilt und verschwand dann mit einem desinteressierten Schnauben in der Dunkelheit der Box. Sie lachte erleichtert auf und schüttelte den Kopf über ihre eigene Schreckhaftigkeit. Lächelnd wischte sie sich die letzten Tränen von ihrem Gesicht, stützte sich auf die Boxentür und versuchte das schwarze Pferd von den Schatten zu trennen.

„Verzeih meine Dummheit. Normalerweise bin ich nicht so schreckhaft.", entschuldigte sie sich und streckte die Hand nach dem Tier aus. Zögernd und immer noch misstrauisch beschnupperte das Pferd ihre Hand bevor es sich von ihr streicheln ließ.

„Du bist aber ein gutes Tier. Ich wüsste zu gern, wie du heißt.", sagte sie sanft. Das Pferd schnaubte gegen ihre Hand.

„Pferd.", ertönte eine tiefe seidige Stimme hinter ihr und ließ sie irritiert blinzeln.

Konnte das Pferd sprechen? Sicher nicht. Sie wirbelte hastig herum und erstarrte. Sie stand einem äußerst mürrisch dreinblickenden hochgewachsenen Mann gegenüber, der mit unergründlichen schwarzen Augen auf sie hinabblickte. Sein schulterlanges rabenschwarzes Haar fiel ihm glatt ins Gesicht. Er sah ihr mit einer Eindringlichkeit in die Augen, die sie innerlich erzittern ließ. Sein Waffenrock war schwarz und aus feinem Samt, auf seiner Brust prangte eine silberne Schlange. Lord Snape. Hermine schoss das Blut ins Gesicht und sie fühlte, wie sie heute zum zweiten mal in Verlegenheit geriet. Sie nahm all ihren Mut zusammen und versuchte sich aus dieser Sache zu befreien.

„Einfach nur Pferd?"

Er sah sie irritiert an. „Weshalb auch anders? Es muss mich nur von einem Ort zum anderen bringen."

Hermine drehte sich zu dem schwarzen und tätschelte seinen Hals. „Aber ein solch wunderschönes Tier braucht doch einen Namen, findet Ihr nicht?", sie warf ihm einen fragenden Blick über die Schulter zu.

Lord Snape zog jedoch nur arrogant die Augenbraue hoch und lehnte sich lässig an die gegenüberliegende Stallwand, wobei sein Schwert dumpf gegen das Holz schlug.

„Gut, wie lautet dein Vorschlag?"

Hermine musterte ihn lange Zeit nachdenklich von Kopf bis Fuß, bis sie sich zu dem schwarzen Tier umdrehte, um es derselben Musterung zu unterziehen.

„Odin.", meinte sie schließlich entschlossen und sah ihn erwartungsvoll an.

Seine Reaktion auf den Namen war jedoch nicht zu erkennen, denn sie konnte ihn in den Schatten nicht ausmachen. Auf fast unheimliche Weise schien dieser Mann mit der Dunkelheit der Nacht verschmolzen zu sein. Plötzlich drang leises tiefes Lachen an ihr Ohr, Lord Snape trat aus der Düsternis in einen schmalen Streifen hellen Mondlichts, der durch ein Loch im Dach hereinfiel; schmunzelnd sah er sie an.

„Odin gefällt mir."

Hermine stockte der Atem. In diesem Moment hätte sie ihn wirklich für einen heidnischen Gott gehalten, mit seiner hellen Haut und den tiefschwarzen Haaren und Augen. Sie wusste nun, dass es keinen passenderen Namen für den Hengst gegeben hätte.

Snape betrachtete das junge hübsche Ding, dass ihm im Mondlicht gegenüberstand und ihn mit warmen braunen Augen bewundernd musterte. Ihre Haare, die in einem langen Zopf bis hinunter zu ihren Hüften fielen, hatten die Farben von Honig und schimmerten im Mondlicht. Hätte er es nicht besser gewusst, so hätte er sie für eine Veela gehalten. Ob er nun wollte oder nicht, dieses Mädchen faszinierte ihn auf eine sonderbare Art und Weise wie noch keine vor ihr. Noch nie hatte er in Augen gesehen, in denen ihm so viel Intelligenz und eine gewisse weibliche Anmut entgegenstrahlten, wie bei ihr. Gerade wollte er zu einer entsprechenden Frage ansetzten, doch dazu kam er nicht, denn in diesem Moment durchbrach eine schneidende Stimme die Dunkelheit und zerstörte die bisherige Atmosphäre.

Lord Malfoy trat ebenfalls ins Mondlicht und tat äußerst überrascht.

„Severus, du hier?", sein Blick fiel auf Hermine. „Oh, das tut mir leid. Ich wollte dich nicht stören ... bei was auch immer, aber die reizende Lady Parkinson erwartet dich schon sehnsüchtig in der Halle. Sie hoffte, mit dir wenigstens einmal zu tanzen. Ich musste ihr auf das Grab meiner toten Mutter versprechen, dich zu finden und zu ihr zurück zu bringen, wenn nötig auch mit Hilfe von Gewalt. Ist sie nicht ... bezaubernd?", meinte er höhnisch und grinste seinen Gegenüber süffisant an.

Hermine lief ein Schauer über den Rücken. Snape presste nur missbilligend die Lippen zusammen, warf Hermine noch einen letzten warnenden Blick zu und rauschte dann mit wehendem Umhang davon. Malfoy verfolgte ihn mit seinen Blicken, bis er verschwunden war, bevor er sich ruckartig Hermine zuwandte. Sein Blick war kühl und berechnend. Hermine fing sofort an zu zittern, sie hatte das Gefühl mit Snapes Verschwinden wäre in den Stall der bitterste Winter eingezogen. Malfoy hatte begonnen wie ein Geier seine Beute zu umkreisen. Sein leises boshaftes Lachen ließ sie erschrocken zusammenfahren. Hastig sah sie sich nach einer Fluchtmöglichkeit um, doch diese gab es nicht, es sei denn sie wollte mit einem Fluch belegt werden und sich im Dreck des Stalles vor Schmerzen winden.

„Sieh an, sieh an. Wer hätte das gedacht? Das kleine Schlammblut hier im Stall ... ganz allein mit einem Mann. Was kann man auch anderes von deinesgleichen erwarten? Weibliche Tugend ist wohl ein Fremdwort für dich. Na ja ... ich gebe dir einen guten Rat: mische dich nicht in Angelegenheiten ein, die eine Nummer zu groß für dich sind. Ach, und ich glaube das gehört dir."

Er warf ihr spöttisch ihren Schleier vor die Füße, dann trat er geschmeidig näher an sie heran und strich eine lose Haarsträhne beinahe zärtlich aus ihrem Gesicht und seufzte.

„Zu schade ... dich zu verschwenden...", mit diesen Worten verließ er den Stall und hinterließ eine zitternde Hermine. Die Erkenntnis traf sie wie ein Schlag ins Gesicht. Ihre Beine gaben nach und sie rutschte an der Boxentür hinunter, griff nach dem Schleier und krallte ihre Finger hinein.

Er wusste es. Er hatte es von Anfang an gewusst.