Hermine saß in einer Fensternische und starrte gedankenverloren hinaus in die sturmgepeitschte Landschaft. Seit ihrem Aufenthalt in der Burg Lord Malfoys' waren nun schon mehrere Wochen vergangen und sie erschienen ihr wie Wochen im ewigen Fegefeuer. Nur das sie nicht von einem Geschöpf Luzifers endlos gemartert wurde, sondern von Pansy, die ihr mit ihrem täglichen Gezeter die letzten Nerven raubte. Es waren nun mehr weniger als einer Woche, bis der ersehnte Gast Lord Snape die Parkinson Burg betreten würde.

Lord Snape ... ihr kam der Gedanke an das nächtliche Gespräch mit ihm im Stall, wie so oft in den vergangenen Wochen. Sie erinnerte sich noch sehr gut an seine überwältigende Ausstrahlung an Intelligenz und unbeholfenem Charme ... Eine leichte Röte überzog ihr Gesicht, doch wie immer erinnerte sie sich an dieser Stelle auch an die Einmischung von Lord Malfoy und das abrupte Ende ihres Beisammenseins. Ihre Röte wich augenblicklicher Blässe. Hoffentlich hatten Ron und Harry schon die Gelegenheit gehabt, Dumbledore zu kontaktieren.

Plötzlich wurde sie von einer schüchternen Magd auf die Schulter getippt und somit aus ihren Überlegungen gerissen. Lord Parkinson erwarte sie in der großen Halle. Hermine seufzte tief und verließ ihren Platz am Fenster. In der Halle angekommen musterte Lord Parkinson sie wie immer abfällig von oben bis unten.

„Ich hoffe, du bist dir im Klaren darüber, dass unser Gast in drei Tagen hier eintreffen wird. In diesen Lumpen wirst du ihm nicht unter die Augen treten. Besorg dir gefälligst etwas anständiges zum Anziehen, hast du mich verstanden!"

Anstelle ihrem Zorn freien Lauf zu lassen, schluckte sie die wütende Entgegnung hinunter und nickte nur demütig.

„Und nun scher dich an deine Arbeit!"

Hermine wirbelte mit stocksteifem Rücken herum und eilte in ihr Gemach. Dieser Widerling! Sie besaß bessere Kleider, aber von ihr wurde ja verlangt, sich in schlichtem Stil zu kleiden um ihre Herrin nicht zu überstrahlen.

Die letzten Tage verflogen im Nu und dann war auch schon der Morgen angebrochen, der Tag auf den sich die ganze Burg wochenlang vorbereitet hatte. Lord Parkinson legte viel Wert darauf, Snape mit seinem Besitz zu beeindrucken. Er wollte seine Tochter unbedingt unter die Haube bringen, deshalb war ihm wohl auch die äußere Erscheinung seiner Dienstboten sehr wichtig.

Hermines Vater hatte ihr für festliche Anlässe eine kleine, bescheidene Ausstattung mitgegeben, die sie aber noch nicht näher in Augenschein hatte nehmen können. So stand sie nun vor ihrem Schrank und starrte wütend ihre Kleider an. Sie entschied sich für das dunkelrote Kleid aus bestem flandrischen Stoff, das ihr besonders gut gefiel. Sie hatte schon als kleines Mädchen stundenlang in den Lagern ihres Vaters zugebracht um die teuren Stoffe zu bewundern, die ihr Vater sogar aus Byzanz bezog. Das ihr Vater ihr ein so wunderbares Kleid mitgegeben hatte, sollte ihre Laune eigentlich heben, dummerweise würde jedoch Pansy demnächst aufwachen und ihr das Leben zur Hölle machen, deshalb machte sie sich hastig fertig und eilte so schnell wie möglich in Pansys Kammer und entzündete das Feuer im Kamin. Pansys leises Schnarchen zehrte an ihren sowieso angespannten Nerven. Leise vor sich hinmurrend stellte sie sich vor, wie es wäre, Pansy das Leben schwer zu machen. Ein wirklich erbaulicher Gedanke und sie hatte auch schon so ein paar außerordentlich teuflische Ideen, wie sie es anstellen konnte, ohne dass Pansy sie verdächtigen würde.

Nachdem sie das Feuer entzündet hatte, eilte sie hinunter in die Küche und trug eine Schüssel voll warmen Wassers in die Kammer. Bei ihrer Rückkehr saß Pansy bereits aufrecht in ihrem Bett und warf Hermine säuerliche Blicke zu, bevor sie mit dem Zetern anfing.

„Na endlich! Ich dachte schon, ich müsste mich heute selbst um alles kümmern!"

Hermine schob die Vorhänge beiseite und öffnete das Fenster. Geduldig ließ Hermine das Gemaule an sich abprallen und brachte Pansy einen Umhang.

„Geh und sag einer der Mägde bescheid, dass ich gedenke in meinem Zimmer zu frühstücken, falls ich überhaupt einen Bissen hinunterbekomme."

Danach stieg Pansy, in ihren Umhang gehüllt, umständlich aus ihrem Bett und schlurfte an die bereitgestellte Waschschüssel und nahm keinerlei Notiz mehr von Hermine. Diese eilte nochmals in die Küche hinunter und brachte das Frühstück ihrer Herrin auf einem Tablett wieder hinauf.

Hermine kam es am Ende wie eine Ewigkeit vor, bis Pansy sich gewaschen, angezogen und gefrühstückt hatte. Das allerschlimmst war allerdings Pansy die Haare zu richten, denn sie konnte sich einfach nicht entscheiden, welche Frisur ihr am besten gefiel und Hermine musste sie immer wieder umstecken. Nach einer dreiviertel Stunde war Pansy dann halbwegs zufrieden und um das ganze noch perfekt zu machen, benutze sie das Parfum, dass ihr Vater ihr von einer Reise nach Venedig mitgebracht hatte. Dummerweise musste Hermine wieder einmal feststellen, wie wenig Ahnung Pansy von dererlei Dingen hatte und unterdrückte den Drang an das Fenster zu hasten um frische Luft einzuatmen. Weshalb musste Pansy auch beinahe die halbe Flasche benutzen!

„So, ich denke, dass ich jetzt schön genug für Lord Snape bin. Geh jetzt zu meinem Vater und sage ihm, dass ich fertig bin. Außerdem möchte ich mit Lord Snape ein paar Augenblicke allein verbringen, sprich ganz unverfänglich Tee trinken, ohne dass mein Vater mir ständig ins Wort fällt! Du kannst ihm ja sagen, dass du dabei sein wirst, dann wird er mir diesen Wunsch sicher nicht abschlagen. Na los, steh nicht hier herum und halte Maulaffenfeil! Lord Snape kann jeden Augenblick eintreffen. Sollte es dir nicht gelingen, meinen Vater von der Wichtigkeit meiner Bitte zu überzeugen, wird das schlimme Folgen für dich haben, glaub mir!"

Hermine floh aus dem Zimmer und fluchte leise vor sich hin. In diesem Moment zog sie es sogar ernsthaft in Erwägung extra zu trödeln und es darauf ankommen zu lassen. Allerdings fürchtete sie auch, dass sich ihr Leben schlagartig zu ihrem Nachteil entwickeln würde. So beschränkte sie sich auf ihr undamenhaftes Fluchen, bei dem einem alten Fuhrmann sogar noch die Schamesröte ins Gesicht gestiegen wäre.

Sie war gerade die große Steintreppe hinuntergegangen, als ihr Blick auf einen in schwarz gekleideten Mann fiel, der gerade seinen auffällig blonden Knappen davon geschickt hatte. Hermines Alptraum würde also wahr werden: Pansy würde fuchsteufelswild werden und wahrscheinlich ihre vermeintliche Untugendhaftigkeit auf den Tisch bringen. Ihre Gedanken überschlugen sich förmlich. Wie konnte sie Lord Snape dazu bringen nicht die Halle zu betreten, in der Parkinson bereits auf ihn wartete? Sie blickte sich rasch um und stellte zu ihrer Erleichterung fest, dass niemand in der Nähe war. Wahrscheinlich würde sie sich im nächsten Augenblick zum größten Narren im Umkreis von 300 Meilen machen, aber sie musste etwas unternehmen. Panisch bemerkte sie, dass Lord Snape zielstrebig an die Tür getreten war und nun die Hand nach dem Riegel ausstreckte. Sie würde es nicht rechtzeitig schaffen!

„Wie geht es Odin?", war die erste Frage, die ihr auf die Schnelle in den Sinn kam und hoffte inständig, dass er sich umdrehen würde.

Fortuna schien ihr an diesem Tage hold zu sein, denn Lord Snape warf ihr einen arroganten Blick über die Schulter zu. Dann hob er fragend eine Augenbraue und ein Funke des Erkennens blitzte in seinen Augen auf.

„Ah, ich erinnere mich. Du bist doch die kleine Zofe von Lady Pansy."

„Ja, Mylord."

Snape nickte wie zu sich selbst, bevor er sich umsah und Hermine dann schnell in eine dunkle Nische drängte. Ihr Herz raste als sie seine Hand auf ihrem Rücken spürte, die sie mit leichtem Druck in die gewünschte Richtung schob. Was geschah hier? Mittlerweile berührte ihre Stirn fast die grobe Steinwand und gerade, als sie herumwirbeln wollte, um ihm eine entsprechende Frage zu stellen, trat Snape dichter an sie heran, sodass sie sich nicht von der Stelle rühren konnte. Ihr Atem beschleunigte sich auf eigenartige Art und Weise. Langsam hob er einen Arm und stütze sich lässig gegen die Wand und versperrte ihr damit einen möglichen Fluchtweg. Hermines Herz schien noch schneller zu schlagen und ihr wurde allmählich unwohl. Seine Nähe war überwältigend und sie war sich nicht sicher, wie sie mit dieser völlig neuen Situation umgehen sollte. Sie entschied sich dafür, dass sie Lord Snape von Angesicht zu Angesicht gegenüberstehen wollte, also drehte sie sich langsam zu ihm herum, wobei sie dabei seinen männlichen Körper streifte. Fragend sah sie zu ihm auf und obwohl sie sich darum bemühte, einen Ton heraus zu bringen, wollte es ihr nicht so recht gelingen. Snape trat einen kleinen Schritt zurück, wobei er einen Blick über seine Schulter warf, um sich dann gleich darauf noch weiter zu ihr hinunter zu beugen. Sein Kopf näherte sich langsam ihrem Ohr und sie konnte seinen warmen Atem auf ihrer Haut spüren und erzitterte.

„Ich muss dich unter vier Augen sprechen.", flüsterte er dann leise, mit sonorer Stimme.

Hermines Knie schienen bei diesem eindringlichen Tonfall nachgeben zu wollen, aber dann schaltete sich ihre Vernunft ein.

„Ich glaube kaum, dass es etwas gibt, dass wir zu besprechen hätten, Lord Snape. Ich bin nämlich nur eine gewöhnliche Kammerzofe.", fauchte sie angestochen.

Konnte sie sich so in diesem Mann geirrt haben? Sie hätte erwartet, dass er mehr Anstand besaß als die anderen Männer, die mit den Parkinsons verkehrten. Es wäre auch nicht das erste mal gewesen, dass sie von einem dieser feinen Herren angegrabscht worden wäre. Sie fühlte sich plötzlich dumm und albern und hätte ihn am liebsten weit von sich gestoßen, wenn ihr Körper nicht wie paralysiert gewesen wäre und sie langsam Panik überkam.

Snape lachte leise. „Oh, ich glaube, es gibt einiges worüber wir uns unterhalten können."

Hermine presste sich fester gegen die Wand um mehr Raum zwischen ihnen zu schaffen.

„Lasst mich sofort gehen!"

„Nicht ehe du eingewilligt hast mit mir unter vier Augen zu sprechen."

„Ich bin keine Hure!"

„ ... schön. Wie kommst du denn jetzt darauf, du dummes Ding? "

„Warum solltet Ihr wohl sonst mit mir unter vier Augen sprechen!"

„Du solltest nicht voreilig deine Schlüsse ziehen, meine Liebe. Ich gehöre sicher nicht zu dieser Sorte von Mann und wenn, dann hätte ich dich mit Sicherheit schon längst genommen."

Sie konnte sein Grinsen beinahe hören und wurde noch wütender, aber bevor sie ein Wort sagen konnte fuhr er schon fort.

„Ich wäre sicher heute nicht hierher gekommen, wenn ich die Absicht gehabt hätte um Lady Pansys Hand zu freien. Der einzige Grund warum ich überhaupt hier bin und glaub mir, ich bin alles andere als entzückt, ist der, dass Dumbledore mir befohlen hat dich aufzusuchen."

Hermines Körper entspannte sich mit einem mal, da sie sich wohl doch nicht in ihm getäuscht zu haben schien, wie sie zu Anfang befürchtet hatte. Dennoch vergab sie ihm seine unkonventionelle Art nicht und antwortete etwas unterkühlt:

„Pansy hat mich gerade zu ihrem Vater geschickt, damit ich ihm sage, dass sie mit Euch alleine sein will, wobei ich dann natürlich als Anstandsdame fungieren werde, aber erst muss ich Lord Parkinson davon überzeugen. Ihr solltet Euch währenddessen etwas einfallen lassen, wie Ihr es einrichten wollt mit mir unter vier Augen zu sprechen. Pansy kann nämlich sehr einnehmend sein, Mylord."

Ihre zynische Art gefiel ihm, aber ihr Tonfall verärgerte ihn auch. Dumbledore hatte recht als er ihm mit diesen verdammten funkelnden Augen erklärt hatte, dass diese Frau außergewöhnlich sei. Er unterdrückte also seinen Zorn und sah ihr zum ersten mal in die Augen. Ein Anblick der ihn für wenige Augenblicke vergessen ließ, was er eigentlich hatte sagen wollen. Er hatte dieses Strahlen schon damals im Stall bemerkt, aber aus der Nähe war es noch viel intensiver und rührte etwas in ihm, von dem er nicht wusste, dass er es noch spüren konnte.

„Ich versichere dir, dass du dir keine Gedanken darum machen brauchst. Du solltest eher besorgt sein Lord Parkinson davon zu überzeugen, dass er seine Tochter und ihre Zofe mit mir allein lassen kann. Ich würde ihm ja selbst versichern, dass mir an der Tugend seiner Tochter rein gar nichts liegt, aber dann würde er mich wohl beleidigt davon schicken und unser kleines rendez-vous würde nicht stattfinden."

„Ihr solltet Euch keine zu großen Hoffnungen machen, Mylord."

„Auf was?"

„Darauf dass Lord Parkinson Euch wegschicken würde, er schien mir ziemlich von der Idee besessen zu sein, seine Tochter mit Euch zu verheiraten.", erwiderte Hermine zuckersüß und tauchte unter seinem Arm hindurch.

„Wo willst du hin!"

„Ich dachte, Ihr wolltet mit Lady Parkinson Eure Zeit vertreiben."