Warnung: Gegen Ende dieses Kapitels wird es ziemlich brenzlig für Hermine, wer das nicht verträgt sollte das einfach auslassen. Wir wollen mit dieser Geschichte auch vor Augen führen, dass das Mittelalter eben leider nicht immer so romantisch war, wie es oftmals in den Filmen beschrieben wird, sondern für die Frauen eine gefährliche und auch demütigende Zeit war.
Die Nachricht, dass Lord Snape offiziell um Lady Pansys Hand werben wollte, versetzte die magische Gemeinschaft in großes Erstaunen. Es gab viele unter den heiratsfähigen oder verwitweten Damen, die diese Neuigkeit mit Enttäuschung aufnahmen. Hatte sich doch die Chance auf eine gute Partie, die dazu gesellschaftlichen Aufstieg versprach, in Luft aufgelöst. Auch die Tatsache, dass Snape selbst nur ein Bastard war, ließ die Damen nicht zurückschrecken, denn schließlich galt er als rechte Hand des dunklen Lords.
Pansy hingegen sonnte sich in der allgemeinen öffentlichen Aufmerksamkeit um ihre Person und brüstete sich zusehends mit der Tatsache, dass Lord Snape sich für sie entschieden hatte um seinem Junggesellendasein ein Ende zu bereiten. Er musste schließlich in Liebe zu ihr entbrannt sein, denn warum sonst sollte er, der bisher nie heiraten wollte, sie, Pansy Parkinson, heiraten wollen?
Der Trubel um Pansys Person strapazierte Hermines Nerven, lieferte er ihrem Ego doch die nötige Nahrung sich überaus überlegen und wichtig zu fühlen. Von morgens bis abends stolzierte sie wie die zukünftige Königin von Saba durch die Gänge der Burg. War die Tochter schon ein perfektes Abbild der Hysterie, so war der liebe Papi rein gar nichts dagegen. Dieser plante schon den Bau ihres Liebesnests und dachte sich die abartigsten Namen für seine zukünftigen Enkelkinder aus, die Hermine je zu Ohren gekommen waren.
Wie konnte Dumbledore nur verantworten, dass ein überaus intelligenter und anspruchsvoller Mann eine Person von Pansys Kaliber heiraten musste? Diese Bergziege konnte doch nie seine Ansprüche an eine Ehefrau erfüllen...wobei Hermine sich nicht sicher über die genaue Definition von Snapes Ansprüchen an eine Ehefrau war, aber sie wusste, dass es Pansy niemals sein konnte.
Jedes mal, wenn Lord Snape seine kostbare Zeit mit Pansy verbringen musste, wurde Hermine immer wieder Zeuge von wirklich grauenvollen Szenarien, die sich dann vor ihrem Auge abspielten. Gerade hatte Lord Snape Pansy zu einem Spaziergang eingeladen, während Hermine in gebührlichem Abstand hinter den beiden herstampfte. Pansy war gerade wieder in meckerndes Gelächter ausgebrochen, was Hermine mehr und mehr an eine Bergziege erinnerte. Ihr Blick fiel wieder auf das überaus gefährlich schwingende Hinterteil direkt vor ihr. Seit neuestem hatte Pansy sich diesen seltsam anmutenden Gang angeeignet immer dann, wenn Lord Snape in ihre Nähe kam. Hermine verfiel wie so oft in solchen Momenten in skurrile Tagträume. Sie stellte sich gerade vor, wie ein gellend aufschreiender Ziegenjunge über die Wiese gerannt kam, seinen großen Hirtenstab schwingend, weil er der Annahme war, Pansy sei eine seiner Schützlinge auf Abwegen, die er wieder zurück in die Herde treiben musste. Als Hermine sich dieses äußerst amüsante Bild vorstellte, konnte sie ein leises Lachen nicht unterdrücken. In diesem Moment wirbelte Pansy mit wütend zusammengekniffenen Augen herum und musterte sie abfällig um sich jedoch gleich darauf wieder an Lord Snapes Arm zu schmiegen.
Hermine seufzte auf. Es gab nur wenige Augenblicke, die ihr die verhassten Spaziergänge versüßten und selbst die wurden ihr zu Nichte gemacht.
Die darauffolgende Woche verlief für Hermine äußerst entspannend, da Snape an den Hof zurückgerufen wurde um dort verschiedenen Pflichten nachzugehen. Hermine saß in der Fensternische ihrer Kammer und war in ein Buch vertieft. Diesen Luxus konnte sie sich nur deshalb gönnen, weil Pansy mit einer Freundin ausgeritten war. Sie genoss diesen Augenblick der Ruhe um sich herum, da sie schon lange nicht mehr die Zeit dafür gefunden hatte, sich mit einem Buch zurückzuziehen. Sie blätterte gedankenverloren eine weitere Seite des Buches um, als ihr der Aufruhr unten im Burghof bewusst wurde. Neugierig legte sie ihr Buch bei Seite und ließ ihren Blick hinunter schweifen, wo aufgeregt die Stallburschen vom Burgvogt hin und her geschickt wurden und einige Soldaten bereits das Burgtor hastig öffneten. Hermine runzelte die Stirn. Niemand hatte von einem Besuch gesprochen. Sie lehnte sich weiter nach vorne um besser sehen zu können, als auch schon der erste Reiter durch das Tor sprengte und das stolze Banner der Malfoys mit sich trug. Hermine stockte der Atem. Was zur Hölle wollte Malfoy hier! Ihr Herz begann rasend zu schlagen und sie wünschte sich nichts sehnlicher, dass sie aus dem Albtraum aufwachen würde, als Lucius Malfoy in seiner ganzen Pracht mitsamt Gefolgschaft wenige Sekunden später durch das Burgtor preschte. Hermine beobachtete wie John Geoffrey, der Burgvogt hastig angehumpelt kam um Malfoy zu begrüßen, der auf seinem weißen Schlachtross thronte wie der König von England höchstpersönlich. Sie musste sich eingestehen, dass er eine imposante Erscheinung darbot, aber hinter seiner engelsgleichen Fassade, steckte ein hinterhältiger Teufel. In genau diesem Moment hob Lucius Malfoy seinen Blick und sie hatte das Gefühl, als ob er im Stande gewesen wäre ihre Gedanken zu hören. Seine kalten grauen Augen schienen sich direkt in ihre zu bohren. Es war als sende er ihr eine stille Warnung, die Hermine keuchend vom Fenster weg taumeln ließ und sie erschauderte. Es war unmöglich, dass er sie gesehen hatte, oder? Mit einem Mal wurde ihr wieder bewusst, dass sie sich als Kammerzofe um die Räumlichkeiten der Gäste zu kümmern hatte. Hastig verließ sie ihre Kammer und eilte hinunter in die Gesindekammer um einigen Mägden den Auftrag zu geben Strohsäcke für die Gäste vorzubreiten. Sie hatte sich vorgenommen ihre Arbeit möglichst schnell zu verrichten um nicht Gefahr zu laufen, Lord Malfoy zu begegnen. Die große Halle füllte sich schnell mit Strohsäcken, da Hermine ihre Mägde so scheuchte, dass diese nicht mehr wussten, wo ihnen der Kopf stand. Dummerweise schienen die dummen Gänse regelrecht zu hoffen, einen Blick auf seine Lordschaft werfen zu können.
„Habt ihr schon jemals so ein Mannsbild gesehen?" flüsterte eine der Mägde ihrer Nachbarin zu. Herm,HHHH
„Und dieses stramme Hinterteil erst... da könnte sich mein Henry eine Scheibe davon abschneiden! Glaubt mir, wenn ich euch sage, dass ich meine Nächte nicht lieber in einem anderen Bett verbringen wollen würde, wenn ich so ein feines Exemplar auf meinem Strohsack sitzen hätte..."
„Ich habe gehört, Lord Malfoy wäre im Stande fünf Frauen in einer Nacht zu beglücken..."
„Ach hör doch auf, ist das wahr?"
„Oh ja, ich habe es von meiner Cousine dritten Grades, die auf seiner Burg als Küchenmagd angestellt ist.," die Magd warf ihrer Gegenüber einen bedeutungsvollen Blick zu. Sie brachen in verzücktes Gekicher aus.
„Ich bitte euch. Ich habe meine Erfahrung mit solchen Männern. Die wollen was festes zum anpacken, nicht solche dürren Gestelle wie euch, bei denen sie sich höchstens Spreißel holen, wenn sie sich einmal über euch wälzen.", meinte die dicke Wina abfällig.
Daraufhin brach ein regelrechter Streit unter den Mägden aus, dabei kristallisierten sich zwei Fronten heraus, angeführt von der dicken Wina und der zahnlosen Agathe.
„Ich habe ja wohl die größeren Brüste, auf so was stehen die Kerle!", geiferte die dicke Wina.
„Aber ich habe dafür keine Zähne mehr, die beim Fellatio nur stören würden!", zischelte Agathe.
Gerade als die beiden Redensführerinnen aufeinander losgehen wollten, trat Hermine wütend dazwischen.
„Was fällt euch ein, euch wegen so was primitivem an die Gurgel gehen zu wollen! Ihr solltet euch mal hören, wie ihr euch wie billige Wanderhuren anpreist. Einfach widerlich!"
Die Atmosphäre war überaus spannungsgeladen, die Luft knisterte vor negativer Energie und niemand wusste so recht, was als nächstes passieren würde. In die erwartungsvolle Stille hinein ertönte plötzlich ein leises Klatschen. Verwirrt wirbelte Hermine herum und erblickte zu ihrem Entsetzen Lord Malfoy, wie er lässig am Türrahmen lehnte und sichtlich amüsiert die Szenerie beobachtete, seine Lippen zu einem etwas verächtlichen Lächeln verzogen.
„Äußerst interessant... nur schade, dass es zu so einem schnellen Ende gekommen ist."
Lord Malfoy schüttelte gespielt enttäuscht mit dem Kopf. Die Frauen erröteten im Kollektiv und blickten verlegen zu Boden. Hermine hoffte, dass Malfoy einfach wieder gehen würde, aber stattdessen, stieß er sich langsam vom Türrahmen ab und betrat den Raum, um auf die Gruppe zuzugehen. Sein selbstsicherer, geschmeidiger Gang hatte etwas Raubtierhaftes an sich, bei dem es Hermine eiskalt über den Rücken lief. Sie sah überrascht auf und versuchte die Panik zu unterdrücken, als sie Malfoy in die Augen sah. Es lag ein lauerndes Glitzern in ihnen und etwas, dass Hermines innere Stimme alarmiert aufschreien ließ. Malfoy hielt ihren Blick noch einige Sekunden gefangen, bevor ein diabolisches Lächeln über sein Gesicht huschte und Hermine erzittern ließ.
„Meine Männer sind durstig und hungrig und wenn ich so darüber nachdenke, dann könnten sie auch etwas Gesellschaft vertragen."
Daraufhin verließen die Mägde enttäuscht und missmutig vor sich hinmurmelnd die Halle in Richtung Küche, um seinem Befehl Folge zu leisten. Hermine erwachte in dem Moment aus ihrer verängstigten Starre, als ihre Mägde bereits im Begriff waren zu verschwinden und sie ungewollt mit Lord Malfoy allein zurückließen. Hastig versuchte sie zu den anderen aufzuschließen, aber kurz bevor sie sich schon in Sicherheit wähnte, Lord Malfoy entkommen zu sein, hielt er sie grob am Arm zurück.
„Ah, ah, ah, nicht so eilig. Ich bin ebenfalls äußerst durstig... Bring mir Wein und etwas zu Essen, vom Besten versteht sich. Lord Parkinson hat mir versichert, ich würde alles bekommen, wonach mir der Sinn stünde.", bei diesen Worten ließ er langsam ihren Arm aus seinem Griff gleiten.
Hermine schluckte hart und versuchte so schnell wie nur möglich aus der bedrohlichen Gegenwart von Lord Malfoy zu fliehen, so dass sie beinahe die Mägde umgerannt hätte, die vor ihr die Halle in Richtung Küche verlassen hatten und ihr nun missmutige Blicke zuwarfen. Sie hätte schwören können, dass die dicke Wina der zahnlosen Agathe hörbar ins Ohr geflüstert hatte, wie scheinheilig sich Hermine doch geben würde. Wahrscheinlich sei sie selbst scharf auf seine Lordschaft gewesen und hatte deshalb so altjungfräulich reagiert. Ihre Absichten seien ja wohl offensichtlich, sie wollte höchstselbst ihre Beine für Lord Malfoy breit machen. Daraufhin brachen beide in boshaftes Gekicher aus, was Hermine beinahe Tränen in die Augen trieb, aber ihr Stolz bewahrte sie davor mit verheulten Augen vor Malfoy zu erscheinen.
Hermine ließ sich Zeit, den Befehl Malfoys auszuführen, der vermutlich schon ungeduldig auf ihre Rückkehr wartete. Sie versuchte langsam ihre sich überschlagenen Nerven zu beruhigen. Auf keinen Fall durfte sie es zulassen, dass Malfoy ihr zu nahe trat. Sie würde so schnell wie möglich das Tablett abstellen und danach eiligst das Weite suchen. Sie schloss die Augen und wiederholte still vor sich hin, dass ihr es gelingen würde, dem Teufel gegenüber zu treten und dabei unbeschadet daraus hervorgehen würde. Sie hatte schon schlimmere Situationen gemeistert mit Hilfe ihres klugen Kopfes. Sie musste einfach auf ihren Verstand bauen, dann konnte ihr nichts passieren... oder? Mit einem letzten tiefen Atemzug straffte sie ihren Rücken und schritt erhobenen Hauptes zurück in die Halle, das Tablett wie ein schützendes Schild vor sich haltend. Lord Malfoy hatte es sich in der Zwischenzeit auf dem Herrensessel vor dem Kamin bequem gemacht und schien allem Anschein nach eingeschlafen zu sein. Hermine sandte ein Dankesgebet gen Himmel ob dieser wundervollen Wendung. Sie atmete erleichtert aus und stellte das Tablett auf der Speisetafel ab. Gerade als sie beschwingt davoneilen wollte, regte sich Malfoy auf dem Sessel. Entsetzt wirbelte sie zu ihm herum, nur um festzustellen, dass der Teufel ihr erschienen war. Lucius stand mit dem Rücken zum Kamin, die Flammen darin verliehen ihm eine dämonische Aura. Seine kalten Augen starrten sie durchdringend an, schienen auf den Grund ihrer Seele zu sehen und selbst als er ihr zulächelte hatte Hermine den Eindruck eines wilden Tieres, das seine Reißzähne bleckte um sie zu verschlingen. Hermine unterdrückte ihren ersten Impuls, sich mehrmals zu bekreuzigen.
„Du wolltest doch nicht etwa schon gehen?", fragte er mit sonorer Stimme.
Seine ganze Körpersprache und die unmissverständliche Absicht, die dahinter steckten ließ Hermine wütend werden. Was bildete sich dieser impertinente Bock eigentlich ein? Das sie sich ihm an den Hals werfen würde wie eine billige Schankdirne? Wieso mussten immer alle Adligen denken, sie könnten mit den Bediensteten treiben was sie wollten! Sie schluckte ihren Zorn hinunter und antwortete ihm respektvoll:
„Ich dachte, meine Aufgabe sei erfüllt, Sir."
Malfoy war zur Tafel geschritten und goss sich Wein in einen Becher bevor er Hermine musterte. In seinen Augen lag ein Ausdruck, der Hermine an ein Raubtier erinnerte. Sie schauderte und wich unwillkürlich einen Schritt zurück. Lord Malfoy grinste sie unheilbringend an. Er schien sich über etwas noch nicht schlüssig zu sein, stellte schließlich seinen Becher ab und schritt bedächtig auf sie zu. Hermines Herz hämmerte ihr bis in den Hals und sie musste den Impuls unterdrücken wieder vor ihm zurückzuweichen.
„Willst du denn gar nicht wissen, was ich hier mache, mein Täubchen?", fragte Malfoy düster und fing eine ihrer losen Haarsträhnen ein um sie dann langsam durch seine Finger gleiten zu lassen.
Hermine schluckte und wich doch einen Schritt vor ihm zurück. Jetzt war genau der richtige Zeitpunkt um von hier zu verschwinden. Wenn sie noch länger bleiben würde, dann wusste nur Gott, was mit ihr passieren würde. In Lucius Augen lag ein beängstigender Schimmer, in dem sie nichts anderes als Verlangen erkennen konnte. Sein Blick schien sie förmlich aufzusaugen, als würde er ihr die Luft zum atmen nehmen und die Fähigkeit klar zu denken. Sie spürte die Hitze seines Körpers unangenehm nah an ihrem und sie musste all ihre Sinne zusammennehmen um nicht in wilder Panik zu fliehen um sich keine Blöße zu geben. Dann trat er unerwartet einen Schritt von ihr zurück und widmete seine Aufmerksamkeit wieder dem Tablett. Hermine stieß den Atem aus, den sie die ganze Zeit über angehalten hatte und überlegte fieberhaft, wie sie sich nun endlich aus dieser Situation befreien konnte.
„Du hast meine Frage noch nicht beantwortet, Mädchen."
Sie erwachte unangenehm aus ihren Gedanken und stellte fest, dass Lord Malfoy sich auf einem der großen Strohsäcke niedergelassen hatte. Sie räusperte sich leicht, bevor sie ihm antworten konnte und sie wusste, dass es eine gute Antwort sein musste, damit er sie endlich in Ruhe ließ.
„Natürlich, Mylord. Schließlich bin ich hier Kammerzofe und muss unsere Gäste unterbringen. Es wäre zu gütig von Euch gewesen, wenn Ihr uns wenigstens einen Boten vorausgeschickt hättet, damit ich mich und meine Mägde auf Euer Ankommen vorbereiten hätte können.", meinte sie schließlich ruhig und neigte leicht den Kopf.
„Gewiss und ich entschuldige mich für mein ungebührliches Verhalten. Allerdings trieben mich wichtige Geschäfte in diese Gegend und da dachte ich, warum nicht Quartier bei einem guten langjährigen Freund beziehen.", erwiderte Malfoy lauernd.
„Ich weiß nicht, warum Ihr mir das erzählt, Mylord."
„Oh, ich dachte nur, dass es vielleicht Dumbledore interessieren würde.", sagte Malfoy abfällig und lehnte sich genüsslich auf seinem Arm zurück.
„Ich verstehe den Zusammenhang nicht ganz, Sir. Verzeiht, ich bin ja auch nur eine einfache Kammerzofe. Außerdem muss ich Euch leider enttäuschen, ich habe seit vier Jahren nicht mehr mit Lord Dumbledore gesprochen.", parierte Hermine unschuldig und hoffte die Sache damit endlich aus der Welt geschafft zu haben.
Malfoy schnaubte abfällig bei ihren Worten und richtete sich wieder auf. Ihm gefiel ihre scheinbare Gelassenheit überhaupt nicht. Seine Taktik schien nicht aufzugehen. Er hatte sie unterschätzt.
„Bring Wein!", knurrte er düster und beobachtete jede von Hermines Bewegungen.
Sie verspürte wieder dieses unangenehme Gefühl, als sie wieder gezwungener Maßen in seine Nähe kam. Sie betete im Stillen zu Gott, das ihre Begegnung mit dem Teufel möglichst schnell vorüber wäre. Lange würden es ihre überstrapazierten Nerven nicht mehr aushalten . Immer wenn er ihr zu nahe kam fühlte sie sich wie ein verängstigtes Kaninchen und sie hasste diesen Zustand wie die Pest. Aus der Distanz konnte sie viel gewiefter auf seine Provokationen eingehen und das schlimme war, dass er es genau wusste. Sie reichte ihm widerwillig seinen Becher, aber anstatt ihn entgegenzunehmen, schleuderte er ihn ihr aus der Hand, griff nach ihrem Handgelenk und zerrte sie auf seinen Strohsack.
„Leiste mir doch ein wenig Gesellschaft.", raunte er in ihr Ohr.
Hermine war wie paralysiert, ihre schlimmsten Befürchtungen waren mit diesen Worten eingetroffen. Sie fühlte sich, als würde ihr Geist außerhalb ihres Körpers schweben und hilflos mit ansehen, wie Malfoy sich ihr aufdrängte. Ihr Körper spannte sich aufs Äußerste an, als er sie auf seinen Schoß zog bis ihr steifer Rücken gegen seine Brust gepresst wurde, während er bereits geschickt ihre Haube gelöst hatte und ihre Haare in langen Wellen wie flüssiger Honig auf seine Oberschenkel fielen. Malfoy stöhnte leise auf. Sie versteifte sich noch mehr und begann sich dann aber voller Panik auf seinem Schoß zu winden, was Malfoy jedoch mit einem leisen, rauen Lachen quittierte und sie nur fester an sich presste. Hermine spürte die harte Erhebung in seiner Hose unter sich. Irgendwie musste sie es schaffen aus dieser widerlichen Situation zu entkommen und wenn sie sich mit Händen und Füßen dagegen zur Wehr setzen musste. Entsetzt stellte sie jedoch fest, dass sich ihre starren Gliedmaßen nicht bewegen wollten. Sie hasste Lord Malfoy, sie hasste ihn! Sie zitterte ängstlich, als sie hörte wie Malfoy den Duft ihrer Haare einatmete und sie spürte, wie seine Hand langsam durch ihre seidigen Strähnen fuhr, bevor sie über ihren Rücken glitt. Sie bekämpfte ihren Brechreiz, der bei seinen tastenden Berührungen in ihr hervorgerufen wurde. Sie betete zu Gott, er möge sie vor diesem Teufel beschützen. Ihre Kehle war vor Angst wie zugeschnürt, ein erstickter Laut, der eigentlich ein gellender Hilfeschrei hätte sein sollen, blieb ungehört. Starr bemerkte sie, wie er mit der einen Hand ihre Haare beiseite geschoben und mit der anderen Hand langsam über ihren Bauch strich. Sie wand sich heftig unter seiner Berührung, wollte endlich fort von diesem Widerling. Sein beschleunigter heißer Atem auf ihrer entblößten Haut war für sie wie ein quälender Gang durchs Fegefeuer. Langsam senkten sich seine Lippen auf ihre Schulter und seine Hand auf ihrem Bauch strich immer höher. Hermine schossen Tränen der Demütigung und Scham in die Augen und sie wünschte sich nichts sehnlicher als dass er von ihr ablassen würde, aber sie wusste, dass das unwahrscheinlich war. Sein Atem ging mittlerweile stoßweise und sie realisierte voller Panik, dass seine Berührungen immer drängender wurden. Die Ausweglosigkeit ihrer Lage überwältigten sie beinahe, denn sie erinnerte sich plötzlich an seine Worte. Lord Parkinson hatte Malfoy versichert, dass er „alles bekommen würde, wonach ihm der Sinn stünde".
Hermine realisierte mit Schrecken, dass sie drauf und dran war alles zu verlieren, was sie besaß. Es würde nicht nur ihre Tugend sein –nein, Pansy würde sie zum Gespött der Gesellschaft machen und sie anschließend vor die Tür setzen! Ihre Zukunft wäre zerstört. Sie würde das demütigende Leben einer Wanderhure führen müssen.
Erstarrt stellte sie, fest, dass seine mittlerweile fast grobe Hand den unteren Rand ihrer Brust erreicht hatte und seine Lippen unbarmherzig über ihre Haut glitten. Sie konnte die Tränen nicht länger zurückhalten, die ihr das letzte Stück Selbstachtung nahmen, dass sie noch besaß.
„Bitte ...", flüsterte sie unfähig weitere Worte zu äußern.
Er schien sie nicht einmal gehört zu haben, denn seine andere Hand hatte bereits begonnen ihr Kleid ungeduldig aufzuschnüren.
„Sch, mein Kätzchen. Du wirst sehen, dass es dir genauso viel Freude bereiten wird wie mir.", wisperte er mit rauer Stimme in ihr Ohr.
Um seine Worte zu bekräftigen griff er nach ihrer Hand und presste sie gegen seine Lenden. Hermines Augen weiteten sich, als sie seine harte Männlichkeit berührte und er daraufhin leise aufkeuchte. Ihre Gedanken überschlugen sich und das einzige woran sie noch denken konnte, war Flucht, Flucht vor dieser entwürdigenden Gier. Sie würde ihre Unschuld nicht diesem Widerling schenken, auf keinen Fall. Ihr Hass auf Lord Malfoy und ihre Entschlossenheit gaben ihr die Kraft, sich aus seiner Umarmung zu reißen und so schnell aus der Halle zu fliehen, wie ihre Füße sie tragen konnten. Sie konnte ihn wüst Fluchen hören und zu ihrer Verfolgung ansetzen und beschleunigte ihre Schritte. Sie rannte als wären sämtliche Dämonen der Hölle hinter ihr her. Zu ihrem Glück kannte sie sich in dieser Burg aus und erlangte schließlich einen bedeutsamen Vorsprung, bis sie seine polternden Schritte nicht mehr hinter sich hören konnte. Trotz diesen Wissens hörte sie nicht auf zu rennen, bis sie die Sicherheit ihrer Kammer erreicht hatte und sich in ihr verbarrikadierte, bevor sie schluchzend auf ihrem Bett zusammenbrach und gnädige Ohnmacht sie in Vergessen hüllte.
