A/N: Puh, nach langer Zeit endlich wieder ein update! Lasst euch nicht verwirren, ich habe die Fehler aus vorherigen Kapiteln bearbeitet und somit sind auch alle Anmerkungen rausgeflogen. Viel Spaß beim nächsten Kapitel. Reviews sind wie immer willkommen ).

Patchouli


Es gab keine vergleichbaren Worte, um zu beschreiben was sie in diesem Moment fühlte, als seine Lippen sanft über die ihren strichen, bevor sie die ihren mit ungehaltener Leidenschaft in Besitz nahmen und damit Hermines gesamten Körper in Brand versetzten. Hilflos klammerte sie sich an ihn, als ein wahrer Gefühlssturm über sie hinwegfegte. Sie öffnete sich ihm ohne Bedenken und erwiderte seinen Kuss hemmungslos. Leise wimmernd ließ sie ihre Hände unbewusst seine Brust hinaufwandern, um sich sanft in seine Haare zu krallen und ihn dann noch näher zu sich hinunter zu ziehen. Sie spürte eine Zufriedenheit und Unverwundbarkeit, wie sie es sich niemals erträumt hatte und sie wusste, dass sie ihm in diesem Moment rettungslos verfallen war.

Snape stöhnte leise auf und war kurz davor, sie sich über die Schulter zu werfen und sie anschließend zu ihrem einladenden Bett zu tragen. Er trat noch näher an sie heran und ließ seine Hände über ihren Rücken hinunter wandern und presste ihre Hüften gegen seine. Bevor die Intensität jedoch weiter hätte zunehmen können, wurden sie durch ein Klopfen an ihre Tür unterbrochen.

Erschrocken fuhren sie auseinander und starrten keuchend die Tür an. Snape ballte die Hände zu Fäusten, als er sich bewusst wurde, wie weit er mit Hermine gegangen wäre, wären sie nicht durch dieses verdammte Klopfen gestört worden. Es war ein gefährliches Spiel und könnte sie beide den Kopf oder schlimmeres kosten, wenn er sie hier kompromittieren würde. Er wich widerwillig zurück in die Schatten, während Hermine atemlos versuchte ihre Erscheinung in Ordnung zu bringen ohne jedoch das Glühen aus ihren Augen vertreiben zu können. Vorsichtig öffnete sie die Tür einen Spalt breit, darauf bedacht den Blick auf ihren Besucher nicht preiszugeben.

„Verzeiht mein Stören, Frau Hermine. Ich soll Euer Tablett abtragen.", erklärte die kleine Küchenmagd schüchtern.

Hermine atmete innerlich auf und hieß das Mädchen zu warten an und reichte ihr das beinahe unangetastete Mahl wieder hinaus. Die Magd verschwand rasch und nahm Hermines Empfehlungen an die Küche mit sich. Seufzend schloss Hermine die Tür und lehnte ihre Stirn dagegen. Für einen Moment hatte sie schon befürchtet, dass Pansy hätte herein platzen können. Sie konnte dem Drang nicht wiederstehen, sie drehte sich langsam zu Snape um, den Rücken an die Tür gepresst und blickte ihm direkt in die Augen.

Snape hatte unbeweglich im Schatten ausgeharrt und zugesehen wie Hermine die Magd abgefertigt hatte. Noch immer pochte das Blut wie wild in seinen Adern und Begierde vernebelte seine Gedanken. Er betrachtete sie begehrlich von Kopf bis Fuß, wie sie so vor ihm stand, seidige Strähnen hatten sich aus ihrem kunstvoll frisierten Haarknoten gelöst und fielen ihr ins Gesicht, ihre Augen glühten vor Leidenschaft, die er in ihr geweckt hatte und ihre Wangen schimmerten rosig. Ein unheilvolles Gefühl stieg in ihm auf: Wenn er gezwungen war Dumbledores Plan durchzuführen, würde er ihr das Herz brechen müssen. Der Gedanke daran berührte etwas in ihm, dass er lieber nicht näher ergründen wollte. Was hatte sie nur mit ihm angestellt, dass er sich nach ihr verzehrte wie ein liebesdurstiger grüner Junge? Er war verdammt noch mal ein Krieger und würde seiner Pflicht nachkommen, dass war er sich und Dumbledore gegenüber einfach schuldig! Dennoch war da dieses etwas in ihm, das nicht von ihrer Seite weichen und sie vor allem Unbill des Lebens bewahren wollte. Sein Blick verfinsterte sich. Er musste seine aufkommenden unerklärlichen Gefühle für sie im Keim ersticken.

Hermine sah wie sich Snapes Gesichtsausdruck verhärtete und im selben Moment der Euphorie erkannte sie, dass es noch etwas gab, dass zwischen ihnen stehen würde. Ihre Augen brannten, als sie den Kopf abwandte und ihm die Türe freigab. Hermine spürte seine Hand auf ihrer Schulter, die sie sachte drückte. Bevor sie jedoch seine Geste erwidern konnte trat er zurück. Ihr Schicksal verfluchend wartete sie auf das Geräusch der sich öffnenden und wieder schließenden Türe, um dann wütend herumzuwirbeln und eine Faust gegen dieselbe krachen zu lassen.

Lange Zeit versuchte sie sich schwer atmend davon abzuhalten, Snape wie ein liebestolles Tier hinterher zu eilen, ihren Stolz gänzlich vergessend, um ihn anzuflehen mit ihr durchzubrennen. Seufzend rutschte sie auf die Knie und presste ihre Stirn gegen die geschlossene Türe. Langsam drang die Stimme der Vernunft durch ihr Gefühlschaos durch und schalt sie eine Närrin ob ihrer kindischen Gedanken. Zögernd erhob sich Hermine aus ihrer am Boden kauernden Haltung. Es war zu gefährlich, ein Spiel mit dem Feuer. Wäre Pansy wirklich in ihre Kammer gestürmt und hätte sie beide in dieser kompromittierenden Lage erwischt, hätte das nicht nur weitreichende Konsequenzen für sie gehabt, sondern auch für Severus. Ihr Auftrag wäre gescheitert und sie würde beschämt zurück nach Hause kehren, wo sie ihr Vater doch noch mit irgend einem wohlhabenden Kaufmannssohn verheiraten würde. Ihre Gedanken wanderten in eine gefährliche Richtung, als sie sich ihre Zukunft vorzustellen wagte, eine Zukunft mit Severus an ihrer Seite. Ihr Herz machte einen Satz, als sie daran dachte, aber dieser Traum würde wohl nie in Erfüllung gehen. Ungeachtet ihrer jetzigen Situation kamen sie beide aus völlig unterschiedlichen Welten, er der hochwohlgeborene Sohn und sie die Tochter eines Tuchhändlers. Mit nur einem einzigen Kuss hatte er in ihr eine alles verzehrende Leidenschaft geweckt, die bei dem Gedanken daran noch immer in ihr pulsierte. Röte überzog ihr Gesicht bei diesem Gedanken. Sie war frivol geworden. Ihr verträumtes Lächeln konnte sie trotzdem nicht verbergen. Zum ersten mal in ihrem Leben hatte sie etwas getan, was entgegen der Regeln war. In Snapes Armen war es so ganz anders gewesen als in Malfoys bösartiger Umklammerung. Bei Severus hatte sie sich sicher gefühlt und ihm ihr vollstes Vertrauen geschenkt. Sie fühlte sich nach dem Zusammensein mit Snape nicht besudelt, im Gegenteil, sie fühlte sich belebt. Und dennoch, fragte eine zweifelnde Stimme in ihr, ob Severus sie als Hermine wahrgenommen hatte oder nur als willige Bettgespielin. Hegte er für sie echte Gefühle, oder ging es ihm nur um den Akt als solches?

Ungeachtet ihrer inneren Zweifel ob der Gefahren ihres Handelns, war sie mit einem Mal plötzlich dankbar dem launigen Schöpfer gegenüber, der ihr diesen wenn auch kurzen Augenblick allein mit Snape geschenkt hatte. Seufzend fragte sie sich jedoch, auf welche verschlungenen Pfade er sie noch schicken würde. Die Wege des Herrn waren so verdammt unergründlich!

Der nächste Tag sollte einer der schrecklichsten überhaupt werden. Nach dem Morgenmahl hatte Lord Snape Pansy überaus galant auf einen Ausritt eingeladen, was Hermine schon einen kleinen Stich versetzte, aber das Schlimmste war, dass er strikt Hermines Blick ausgewichen war und ihr aus dem Wege ging. Wenn es sich nicht vermeiden ließ begegnete er ihr mit der ausgesuchten Höflichkeit eines Fremden. Es war nicht nur frustrierend für Hermine sondern auch ein schlechtes Zeichen. Vermutlich bereute er seinen Fauxpas vom vergangen Abend bereits. Pansy auf der anderen Seite, versuchte Snape gütlich zu stellen, nachdem sie ihn am vergangenen Abend bekanntlich ziemlich verärgert hatte und scheute sich nicht, ihre weiblichen Reize dabei gegen ihn auszuspielen wohingegen Snape sich nicht wirklich unempfänglich zeigte. Hermine wäre in solchen Situationen fast an ihrer Eifersucht erstickt. Sie versuchte sich zwar einzureden, dass sie keinerlei Ansprüche auf ihn hatte, aber er schien sich mehr von Pansy einlullen zu lassen, als ihr lieb war.

Als sie später zur Burg zurückkehrten hatte sie ihm vor lauter Zorn nicht eines Blickes gewürdigt und war einfach vorausgestürmt, ohne sich um Pansy oder ihn zu scheren. Sollten sie doch an ihrem widerlichen Getändel zu Grunde gehen! Wenn er glaubte, er könne mit ihr spielen, wie er wollte, dann hatte er sich gründlich getäuscht! Sie mochte zwar noch unerfahren und jung sein, aber sie würde sich seine Arroganz nicht bieten lassen.

Noch am selben Tag brach Snape mit seinen Gefolgsleuten auf. Hermine hatte in ihrer Wut Unpässlichkeit vorgetäuscht, die Pansy nur mit einem gehässigen Lächeln quittierte. Dennoch konnte sie sich nicht zurückhalten, sie musste von ihrem Fenster aus die Szenerie im Burghof beobachten. Snape saß stolz und unbeugsam auf Odin, seinem schwarzen stattlichen Hengst während Pansy auf ihn zugetippelt kam und ihm errötend eine weiße Lilie zum Abschied reichte. Wie sehr hätte Hermine es sich gewünscht, ihn die Blume verächtlich zerquetschen und sie Pansy in ihre entgeisterte Visage werfen zu sehen. Um so mehr schmerzte es sie, als sie ihn beobachtete, wie er die dargebotene Blume zum Kuss an seine Lippen führte und sie wie einen kostbaren Schatz an seinen Harnisch barg. Hermines Herz drohte vor Schmerz zu brechen, sie kehrte dem Burghof desillusioniert den Rücken zu, gerade als Snape flüchtig den Blick zu ihrem Fenster hob.

Nach drei Tagen hatte sie sich wieder soweit in der Gewalt, Pansy nicht ihr verträumtes Gesicht zu zerkratzen. Wie um sich selbst in den Wahnsinn zu treiben musste sie trotz allem immer zu an Snapes Kuss denken. Sie bekam jedes Mal eine Gänsehaut und sehnte sich danach diesen düsteren Mann mehr zu ergründen. So sehr sie sich auch gegen ihre Gedanken wehrte, sie konnte sich ihrer süßen Verlockung nicht widersetzen. Es war gefährlich, sich ihnen hinzugeben das war ihr wohl bewusst, aber das Wissen, Pansy etwas voraus zu haben, verlieh ihr eine Zufriedenheit, wie sie sie lange nicht mehr gespürt hatte. Um ihre verwirrenden Gedanken mit jemandem zu teilen schrieb sie Snape einen langen Brief, da sie sonst niemanden hatte, dem sie sich anvertrauen konnte und er schließlich der Auslöser ihres Gefühlschaos war. Sie wusste, dass er ihr nicht antworten würde, aber schon allein die Vorstellung, dass Snape ihre Briefe möglicherweise lesen würde hatte etwas Befreiendes. So schrieb sie ihm, einem Tagebuch sehr nahe, Brief um Brief, mit dem Hintergedanken ihm genügend über Pansys Charakter mitzuteilen um eine Hochzeit womöglich zu verhindern.

So waren nun zwei weitere Wochen vergangen und Hermine saß mit Pansy in der großen Halle bei Stickarbeiten, als eine aufgeregte Wache in die Halle stürmte.

„Mylady! Verzeiht, wenn ich die Damen störe, aber wo hält sich Lord Parkinson zu dieser Stunde auf?"

Pansy hatte sich vor Schreck zum wiederholten Male in den Finger gestochen und richtete wütend den Blick auf den Störenfried.

„Was weiß ich! Vermutlich ist er bei der Jagd und jetzt lass mich zufrieden. Ich habe zu tun, wie du siehst."

„Aber, Mylady. Draußen wartet ein wichtiger Kurier Eures Vaters!", protestierte der Mann nachdrücklich.

Hermine war unterdessen hellhörig geworden. Sie hatte beinahe vor lauter Lord Snape ihren Auftrag vergessen und folgte dem Gespräch nun aufmerksamer. Wenn Pansy den Mann wegschicken würde wären Hermines Chancen auf Neuigkeiten dahin.

„Gavin, ich wiederhole mich äußerst ungern. Mein Vater ist nicht da und ich habe mit der Sache nichts zu tun, also verschwinde!"

„Ihr scheint nicht zu versteh-"

„Ich verstehe sehr wohl, aber ich habe wichtigeres zu tun als Vaters Laufburschen abzufertigen und wenn du nicht sofort verschwindest, werde ich dich auspeitschen lassen!"

Gavin wurde bleich, aber Hermine konnte auch die Resolution in seinen Augen erkennen und vermutlich hatte er vor Parkinsons Strafe weitaus mehr Angst als vor Pansy. Hermine folgerte schnell, dass es sich um etwas sehr wichtiges handeln musste, wenn Gavin so lange versuchte Pansy zum Handeln zu bringen. Unentschlossen veränderte sie ihren Sitz auf ihrem Stuhl und warf Pansy einen schnellen Blick zu, bevor sie Antwortete noch bevor Gavin seinen Auftrag zu Nichte machen konnte.

„Mylady, wenn Ihr nichts dagegen habt, dann werde ich mich um den Kurier kümmern. Ich weiß, wie viel Euch an Eurer jetzigen Beschäftigung liegt, also lasst mich Euch die lästige Aufgabe des Unterbringens abnehmen.", meinte Hermine so sachlich wie möglich.

Pansy sah Hermine misstrauisch an, bevor sie schließlich nickte und sich wieder ihrer kläglichen Stickerei widmete. Hermine atmete erleichtert auf und legte ihre Arbeit beiseite, bevor sie Gavin aufmunternd zulächelte, der ihr mit einem Nicken seinen Dank aussprach. Er führte sie in den Hof hinaus, wo der Kurier bereits ungeduldig auf und ab ging.

„Na endlich, Gavin. Das hat ja Jahre gedauert!", grollte der Mann, als er die beiden auf sich zukommen sah.

Gavin hob nur beschwichtigend die Hände und war äußerst erleichtert nicht zum Grund für Lord Parkinsons Unmut zu werden. Hermine musterte die verstaubte Gestalt des Mannes währenddessen unauffällig und stellte zu ihrer Verwunderung fest, dass ihr sein Wappen bekannt vorkam, nur dass sie sich nicht erinnern konnte, wo sie es bereits gesehen hatte.

„Verzeiht Euer Warten. Ich werde mich sofort um Eure Unterbringung kümmern.", erklärte sie schließlich geziemt und verneigte sich leicht.

Der Kurier wandet seine Aufmerksamkeit Hermine zu und musterte sie offen, bevor er in ein breites Grinsen ausbrach, dass ihr gar nicht gefiel.

„Hätte ich geahnt, was mich erwartet, hätte ich gern noch länger gewartet, meine Hübsche."

Hermine lächelte kühl. Nein, Lord Snape war eindeutig nicht diese plumpe Sorte von Mann. Wut stieg in ihr hoch, als ihr wieder bewusst wurde, wie wenig sich die Männer für die Frau als Person interessierten, als ihren Körper.

„Was auch immer, Mylord. Gavin wird Euch in die Halle begleiten während ich mich um eine Erfrischung für Euch kümmere."

„Och, sei doch nicht so kratzbürstig. Ich bin sicher ich habe das richtige gegen deine schlechte Laune."

„Gewiss. Sobald ihr Gavin in die Halle gefolgt seid.", erwiderte sie frostig und nickte Gavin zu, der grinsend den Arm des Mannes packte und ihn mit sanftem Nachdruck vor sich herschob.

„Was soll denn das! Lass mich los!", begehrte der Kurier empört auf und versuchte sich von Gavins Griff zu befreien.

„Du hast gehört, was die Kammerzofe gesagt hat und nun komm, sonst schläfst du heute Nacht im Stall!", knurrte Gavin und schubste den grollenden Mann vor sich her.

Hermine atmete erleichtert auf. Zu ihrem Glück gab es auch nette Menschen auf dieser Burg, die auf ihrer Seite standen und Gavin gehörte eindeutig dazu. Sie lächelte vor sich hin als sie in die Gesindekammer stieg. Eine Hand wäscht bekanntlich die andere. Jetzt musste sie nur noch herausfinden, was der Kurier Parkinson zu berichten hatte. Es konnte auf keinen Fall mit der Hochzeit zusammenhängen, dafür war der Mann zu weit gereist und sie musste sich verdammt noch mal an das Wappen erinnern!