A/N: Endlich mal wieder ein update! Sorry, für die lange Verspätung!
Please enjoy!
Patchouli
Mit den ersten Sonnenstrahlen hatten sie die kleine Herberge verlassen und ritten nun im scharfen Tempo Richtung Norden, in die raue Wildnis der Highlands. Snape ignorierte sie die meiste Zeit, sein Blick war starr gerade aus gerichtet und seine ganze Haltung schien irgendwie angespannt zu sein.
Hermines Blick verfinsterte sich. Sie konnte sich noch gut an den verwunderten Gesichtsausdruck des Wirts erinnern, als Snape ihr heute morgen äußerst reserviert seine Hilfe beim Aufsteigen angeboten hatte, so als ob sie für ihn nur ein lästiges Hindernis auf seiner langen Reise ins Nirgendwo darstellte. Irritiert und leicht verletzt von seinem Benehmen hatte Hermine entschieden abgelehnt und es alleine versucht. Nach einer Weile hatte sie sich endlich mühsam auf den Rücken der nervös tänzelnde Stute gezogen, während Snapes einzige Reaktion auf ihren Trotz dieses enervierende Hochziehen seiner Augenbraue gewesen war. Das schlimmste aber waren die dreisten Abschiedsworte des Wirtes gewesen, die sie fast zur Weißglut getrieben hätten. Sie solle sich die Sache mit dem feinen Herrn gut überlegen und wenn dieser ihrer je überdrüssig werden würde, wüsste er ein warmes Bett, dass praktisch nur auf sie warten würde. Gerade als sie etwas entsprechendes erwidern wollte, konnte sie mit Schadenfreude beobachten, wie die Frau des Wirts ihrem abtrünnigen Ehemann mit einem Nudelholz eins überzog. Mit einem ungeduldigen Gemurmel, dass Hermine als ein „wir brechen auf!" definiert hatte, hatte Snape dann sein Pferd gewendet und war nach Norden losgeprescht. Die dabei aufgewirbelte Staubwolke hatte Hermine Tränen in die Augen getrieben. Während sie mühsam nach Luft gerungen hatte, war sie ihm ihrerseits hinterhergeritten, wobei sie kochend vor Wut seinen Rücken mit tödlichen Blicken malträtiert hatte, sodass es überhaupt ein Wunder war, dass er noch aufrecht im Sattel saß. Erst nach Stunden wie es ihr schien hatte Snape sein Tempo dem ihren angepasst, sie jedoch weiterhin geflissentlich ignoriert. Lange würde sie diesen Zustand nicht mehr aushalten, man könnte fast meinen, sie wäre eine pestkranke Aussätzige, die in jedem Fall gemieden werden musste!
Hermine spürte, wie ihre Kehrseite zu schmerzen begann. Sie war es nicht gewohnt, lange Zeit im halsbrecherischem Tempo durch die Wildnis zu preschen. Wenn sie nicht bald eine Rast einlegen würden, würde entweder sie vom Pferd fallen oder ihre Stute unter ihr zusammenbrechen. Sie folgten nun einem Weg, der anscheinend nur für Snape ersichtlich war und Hermine musste zugeben, dass sie vollkommen die Orientierung verloren hatte. Seit sie die Landstraße verlassen hatten, um möglichen Gefahren zu entgehen waren Snapes Gesichtszüge –wenn das überhaupt möglich war- noch verschlossener geworden. Da er Hermine sowieso keine Beachtung schenkte, musterte sie ihn nun ganz unverhohlen von Kopf bis Fuß. Immer wieder ließ er seine Augen wachsam über die sich vor ihnen erhebenden Hügel gleiten, so als würde er fest mit einem Hinterhalt rechnen. Hermine spürte, wie sich seine Anspannung auch auf sie übertrug und versuchte ruhig zu bleiben.
Abrupt zügelte Snape seinen Pferd an einer kleinen Lichtung, durch die sich ein Bach schlängelte und ließ es saufen. Da er keine Anstalten machte ihr in irgendeiner Weise beim Absteigen behilflich zu sein, wälzte sie sich mehr oder weniger selbst vom Pferd und wäre fast gestürzt, da ihre Beine unter dem ungewohnten Gewicht einknickten. Während sie sich noch an den Hals der Stute klammerte, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren, drang Snapes leises Lachen an ihr Ohr. Wütend drehte sie sich zu ihm um.
„Dürfte ich erfahren, was Euch an meiner kläglichen Situation so amüsiert? Anscheinend hat Euch keiner den korrekten Umgang mit einer Dame gelehrt, sonst wüsstet Ihr, dass man mit dieser nicht ohne jegliche Begründung einen halsbrecherischen Ritt quer durch die Wildnis wagt und sie obendrein nicht behandeln kann, als hätte sie die sieben Todsünden zu verantworten."
„Ich war mir nicht bewusst, dass ich mich in Gesellschaft einer feinen Dame befinde..."
Snape staunte ob der Intensität des mörderischen Blicks, mit dem Hermine ihn auf seine mit Absicht arrogant klingenden Worte hin durchbohrte. So wie es aussah wünschte ihm die kleine Hexe die Pest an den Hals. Er hatte festgestellt, dass sie wütend und rasend vor Zorn noch faszinierender war, deshalb nutzte er jede Gelegenheit, sie bis zur Weißglut zu reizen. Welcher Teufel ihn dabei ritt, war ihm jedoch nicht klar.
Sprachlos vor Wut starrte Hermine Snape mit offenem Mund an, schüttelte ein paar mal ungläubig den Kopf, stemmte ihre Hände in die Hüften und presste ihre Lippen zu einem wütenden Strich zusammen. War das denn möglich?! Dieser Kerl würde sie mit seiner Arroganz noch zu einem grausamen Mord verleiten. Zum tausendsten Mal an diesem schrecklichen Tag stellte sie sich die Frage, warum sie überhaupt mit ihm geritten war.
„Wie nett von Euch mich daran zu erinnern, dass Ihr der edle Herr Ritter seid und ich nur eine unbedeutende kleine Tochter eines Tuchhändlers. Trotzdem gibt Euch das noch lange nicht das Recht mich wie eine Eurer drittklassigen Dienstmägde zu behandeln! Ich habe Euch von Anfang an vertraut, aber anscheinend vertraut Ihr mir nicht weit genug, mich in Eure Pläne einzuweihen. Ich bestehe darauf, dass Ihr mich endlich darüber aufklärt, was Ihr mit mir vorhabt, oder ich reite auf der Stelle zurück!"
Weiter wütend vor sich hinmurmelnd packte Hermine die Zügel ihrer Stute und führte diese mit hölzernen Schritten ein Stück von Snape und seinem Pferd entfernt ans Wasser, nicht ohne ihn immer wieder drohende Blicke zu zuwerfen. Snape erkannte seufzend, dass er Hermine wenigstens teilweise in seine Pläne mit einbeziehen musste, ob er wollte oder nicht. Es war erstaunlich, keine Frau hatte es bisher gewagt so zu ihm zu sprechen, nicht einmal seine eigene Mutter. Da ihm bisher noch niemand widersprochen hatte, war es für ihn schwer mit dieser neuen Situation umzugehen. Seine Männer hinterfragten seine Entscheidungen nicht, denn sie vertrauten darauf, dass er richtig handelte und folgten ihm wenn nötig auch bis in den Tod. Diese Furie dort am Bach verunsicherte ihn in einem Maße, das es ihm fast unheimlich war. Sie forderte weit mehr, als einer Frau in diesen Zeiten gewährt wurde. Langsam ging er nun auf Hermine zu und wählte währenddessen seine nächsten Worte mit Bedacht.
„Fein. Allerdings hoffe ich für dich, dass du stark genug bist die nächste Information auch unter der schlimmsten Folter für dich zu behalten und sie, Gott bewahre, mit in dein Grab zu nehmen."
Snape sah sich nach allen Seiten um, so als ob er hinter dem nächsten Baum einen Späher ihrer Gegner vermutete, trat noch einen Schritt näher an Hermine heran und neigte sich tief zu ihr herunter. Hermine war von der plötzlichen Nähe verwirrt und wollte einen Schritt zurücktreten, was Snapes Arm um ihre Hüfte aber nicht zuließ. Hermine spürte eine brennende Röte auf ihrem Gesicht und versuchte seinen warmen Atem auf ihrer Haut zu ignorieren und sich auf seine geflüsterten Worte zu konzentrieren.
„Wir sind auf dem Weg zur alten Burgruine von Achallader, dort erwartet uns Dumbledore. Er hat mich beauftragt, dich zu ihm zu eskortieren. Es gibt Dinge von äußerster Wichtigkeit zu besprechen. Also habe ich unser kleines Treffen inszeniert, damit niemand auf den Gedanken kommen könnte, du würdest dich gegen deine Herrschaften verschwören. Es geht um die endgültige Vernichtung des dunklen Lords. Uns ist das Wissen hierfür vor wenigen Tagen von einer zuverlässigen Quelle zugetragen worden. Der Krieg ist leider zur Gewissheit geworden."
Snape trat von ihr zurück und musterte sie herausfordernd. Hermine ihrerseits versuchte verzweifelt ihre durcheinander wirbelnden Gedanken zu ordnen. Dumbledore wollte mit ihr wichtige Dinge besprechen. Die Zeiten des trügerischen Waffenstillstands waren also vorüber. Was aber noch wichtiger war, war die Tatsache, dass sie einen Weg gefunden hatten um Voldemort endgültig zu vernichten! Mit etwas zitternden Fingern strich sie sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht, drehte sich zu ihrer Stute um und tätschelte gedankenverloren den Hals des edlen Tieres.
Snape hatte nicht damit gerechnet, dass diese Information Hermine so sehr erschüttern würde. Zugegebenermaßen etwas hilflos suchte er sich eine Aufgabe, um Hermine die nötige Zeit zu geben, um sich wieder zu sammeln. Da sie für ein Lagerfeuer entsprechend Feuerholz benötigten, machte er sich mit einem letzten Blick in Hermines abgewandtes Gesicht auf die Suche danach.
Hermine hing so sehr ihren Gedanken nach, dass sie Snapes Verschwinden nicht bemerkte. In ihrem Kopf drehte sich alles um den unvermeintlich heraufziehenden Krieg und seltsamerweise auch um ihren mürrischen Begleiter. Es war ihr wirklich schwer gefallen, sich auf seine geflüsterten Worte zu konzentrieren, da seine Nähe sie erneut an seinen Kuss erinnerte hatte. Dieses faszinierende Erlebnis lag –wie es ihr erschien– schon eine halbe Ewigkeit zurück. Das Problem war, dass sie sich zu sehr eine Wiederholung dieses Erlebnisses wünschte. Sie musste Abstand nehmen zu diesen sie verwirrenden Gedanken, sonst würde sie mit ihrem Verhalten ihren Auftrag aus den Augen verlieren. Wie wollte sie nützliche Informationen aus Lord Parkinsons Umfeld sammeln, wenn nur ein Blick von Lord Snape sie alles um sich herum vergessen ließ?
Seufzend warf sie einen Blick über die Schulter zu der Stelle hin, wo sie mit Snape noch vor einer Weile gestanden hatte. Inzwischen hatte er ihr Lager aufgeschlagen und ein Kaninchen hing an einem Spieß über dem Feuer. Unwillkürlich musste Hermine lächeln, als ihr Magen bei dem Anblick zu knurren begann.
Während die untergehende Sonne langsam am Horizont versank und den Rest der Welt in warmes rotes Licht tauchte, stand der Vollmond schon hoch und blass am Himmel. Hermine zog fröstelnd die Knie eng an ihren Oberkörper. Sehnsüchtig warf sie einen kurzen Blick zum Lagerfeuer und seufzte, wobei ihr Atem sich mit dem heraufziehenden Nebel vermischte. Ihr war sehr wohl bewusst, dass ihr Verhalten äußerst töricht und kindisch war, trotzdem wollte sie an diesem Abend so viel Abstand wie nur möglich zwischen sich und ihren mürrischen Begleiter bringen. Kopfschüttelnd hüllte sie sich tiefer in ihre Wolldecke ein, rollte sich auf ihrem Lager zusammen und wartete auf den Schlaf.
Snape beobachtete Hermine über das hell auflodernde Lagerfeuer hinweg. Er unterdrückte ein für ihn untypisches Lächeln, als er sich über ihre unmöglichen Versuche eine geeignete Schlafposition zu finden amüsierte. Ihm war noch nie ein solch halsstarriges und störrisches Weibsbild begegnet. Woher nahm sie nur ihr Selbstbewusstsein, ihm immer wieder zu wiedersprechen? Seufzend sah er sich ihr Elend noch eine Weile an, bis er sich lautlos erhob, um sie zu einem Platz näher am Feuer zu tragen. Hermine seufzte im Schlaf, erwachte aber nicht.
Kaum waren die ersten Sonnenstrahlen durch die Baumwipfel gekrochen drängte Snape Hermine auch schon wieder unbarmherzig zum Aufbruch. In der vergangenen Nacht hatte Hermine nur wenig Schlaf finden können und selbst das bisschen war wenig erholsam gewesen. Sämtliche Knochen taten ihr weh und sie fühlte sich wie gerädert. Schlaftrunken rieb sie sich die Augen und sah sich nach ihrem Begleiter um. Verwirrt stellte sie dabei fest, dass sie sich nicht erinnern konnte, zu diesem Platz näher am Feuer gekrochen zu sein. Wie, zum Teufel, war das möglich? Sie warf einen schnellen Blick in Snapes Richtung, verwarf aber ihren Gedanken sofort wieder. Sicher hatte er nichts damit zu tun ... oder doch?
Nachdem Snape ihr ungeduldig damit gedroht hatte, sie eigenhändig in den eisigen Bach zu werfen, wenn sie sich nicht endlich zum Aufbruch fertig machte, packte Hermine hastig ihre wenigen Habseligkeiten zusammen, wusch sich rasch Gesicht und Hände in dem Bach, da die Eiseskälte kein ausgedehntes Bad zuließ und gesellte sich dann anschließend zu Snape, der ein kleines Frühstück für sie vorbereitet hatte. Hermine setzte mehrere Male dazu an, ein unverfängliches Gespräch mit Snape zu beginnen, aber der Mantel aus eisernem Schweigen, in den sich ihr Gegenüber gehüllt hatte, machte ihr das praktisch unmöglich. So führte sie verzweifelt Selbstgespräche, um die Stille, die sich zwischen ihnen ausgebreitet hatte, auszufüllen. Nachdem sie ihr kleines Frühstück beendet hatten, band Hermine ihr Bündel am Sattel ihrer Stute fest, saß ohne Snapes Hilfe auf und sah ihn dabei herausfordernd an. Snape blickte ihr stirnrunzelnd entgegen, schüttelte leise vor sich hin lachend den Kopf und schwang sich auf den Rücken seines Tieres.
Als sie die Lichtung fast überquert hatten, schwang sich ein Rabe laut krächzend in die Lüfte. Alarmiert sah Lord Snape auf und warf Hermine einen beunruhigenden Blick zu. Hätte Hermine geahnt, welche Gefahren auf sie lauerten, hätte sie wohl niemals Lord Parkinsons Festung verlassen.
