Autorenanmerkung: Danke für das erste Review zu dieser Geschichte. Ich habe mich sehr darüber gefreut. Tut mir leid, dass dieses Kapitel nicht ganz so lang ist, und vielleicht auch nicht so lustig, wie das vorhergehende, und auch inhaltlich nicht wirklich die Geschiche weit vorantreibt. Aber Mac gewährt einen tieferen Blick in seine Psyche (oder ich gewähre einen tieferen Blick in die Psyche von Mac, wie ich sie mir vorstelle).
Ach ja, ein paar Kleinigkeiten noch: Mein Alert-System von spinnt im Moment, ich weiß nicht, ob PMs davon betroffen sind, aber falls jemand mir was mitteilen möchte und sicher gehen will, dass ich es auch erhalte, empfehle ich meine E-Mail-Adresse. Außerdem bin ich mir total unsicher, was das Rating der Geschichte angeht und frage mich jetzt, ob ich mit M nicht vielleicht doch zu hoch gegriffen habe, andererseits geht es um die ganze Geschichte, und es kommen definitiv noch Situationen in denen sexuelle Handlungen beinhaltet sind, die für 12-Jährige vielleicht nicht so angebracht sind. Vielleicht lässt mich einfach mal jemand wissen, was er/sie dazu denkt, ich bin wohl eh jemand, der immer im Rating lieber weiter nach oben greift als anschließend es zu bedauern. (Better safe than sorry.)
Ich wünsche auch bei diesem Kapitel viel Spaß beim Lesen!
Kapitel 2: Der Morgen danach
Es war gut, dass wir den nächsten Tag frei hatten. Obwohl ich am Abend zuvor noch zu Stella gesagt hatte, ich würde den Papierkram am nächsten Tag erledigen. Es war einfach einer dieser Sätze, die man sagte, ohne dass man sie wirklich so meinte. Andererseits wurde ich oft an meinen freien Tagen im Büro gesehen. Ich verbrachte fast jeden Tag ein paar Stunden dort. Es gab ja niemanden, der zu Hause auf mich wartete, der mit mir in den Park gehen wollte, ins Kino oder Essen gehen.
Stella und ich waren in dieser Nach noch richtig versumpft. Zwei Flaschen Rotwein, die mit dem griechischen Essen kamen, und wir hatten sie komplett geleert, während wir redeten. Deswegen kam Stella wohl auch irgendwann auf die Idee, dass wir Danny mal durch den Computer des CSI jagen sollten, um herauszufinden, was es in Bezug auf Freundinnen gäbe. In unserer Datenbank war ja einiges zu finden. Außerdem meinte sie, dass sie ja mal mit Aiden ein Frauengespräch führen könnte, vielleicht wüsste Aiden, als Dannys Partnerin, diejenige, mit der er die meisten Fälle untersuchte, mehr über sein Privatleben. Es ließ sich ja gar nicht vermeiden, dass man sich auch mal von so was erzählte.
Am Ende erklärte ich Stella, vermutlich schon ziemlich lallend, dass ich diese Sache mit Danny alleine in den Griff kriegen müsste. Aber ich war sehr dankbar, als sie meinen Unterarm in einem Überschwung der Gefühle ergriff und mir erklärte, sie wäre immer da, wenn ich mit jemandem würde reden wollen. Ich lächelte und versprach ihr, dass sie die erste wäre, die ich in einem solchen Fall anrufen würde.
Aber nicht am nächsten Morgen. Denn Stella lag neben mir in meinem Bett, in einem meiner T-Shirts. Nach dem Weinkonsum wollte keiner von uns mehr Auto fahren, was natürlich auch vernünftiger war, aber Stella sagte, wenn sie sich jetzt in ein Taxi setzen würde, dann würde sie sich vermutlich übergeben. Jeder, der schon mal in einem New Yorker Taxi saß wird wohl bestätigen können, dass in dem kleinen Raum des Fahrzeuges Geruchseindrücke sehr intensiv sein können. Und wenn man viel zu viel Alkohol intus hat, dann kann dies doch relativ schnell zu Übelkeit führen, kombiniert mit dem doch recht flotten Fahrstil der Fahrer.
Wie auch immer, ich wollte sie nicht auf meiner Couch schlafen lassen, viel zu unbequem, zu eng und vor allem wohl auch zu kurz für eine große Frau wie Stella. Und mein Bett ist groß genug für zwei Personen. Es war ja nun nicht so, als wenn wir Teenager wären, die unter Alkoholeinfluss zwangsläufig übereinander herfallen würden. Es war einfach die bequemste Alternative. Es hatte was davon, wenn man sich gemeinsam ein Hotelzimmer teilte, oder so. Mal abgesehen davon, dass es meine Wohnung war.
Da ich seit Claires Tod unter Schlafstörungen litt und nicht wirklich viel oder gut schlief war es keine Überraschung, als ich bei der Morgendämmerung die Augen aufschlug. Und gleich wieder schloss. Alles drehte sich und da war ein Druck in meinem Kopf.
Griechischer Rotwein gehörte definitiv auf die Liste der Dinge, die ich nicht in zu großen Mengen konsumieren sollte.
Zusammen mit einem Glas Orangensaft, einem der wenigen Lebensmittel, die es in meinem Kühlschrank gab, schluckte ich zwei Aspirin. Die Couch war vielleicht nicht zum Schlafen gut, aber zum drauf rumlümmeln, während man darauf wartete, dass die Kopfschmerztabletten wirkten war sie allemal. Immerhin saß ich und lag nicht. Außerdem hatte mein Körper das Gefühl, als würde er Bodenkontakt brauchen, so dass ein nackter Fuß immer Kontakt mit dem Boden hielt, während mein Kopf mit geschlossenen Augen auf der Rückenlehne ruhte.
Ich konnte anschließend nicht mehr sagen, ob ich eingenickt war oder nicht, oder wie viel Zeit vergangen war, aber irgendwann wachte Stella wohl auf und schlurfte in mein Wohnzimmer.
„Kaffee…" Ein ziemlich eindeutiger Wunsch. Sie musste wohl auch Nachwirkungen vom Alkohol spüren. Ich merkte, dass mein Kopf nicht mehr ganz so doll dröhnte, öffnete die Augen und erhob mich langsam.
„Fang erst mal mit zwei Aspirin und einen Glas Orangensaft an." empfahl ich ihr, während ich auch schon den Saft einschenkte. Sie ließ sich auf einem der Hocker am Tresen der Küche nieder und nahm dankbar die Tabletten und den Saft, während ich mich um den gewünschten Kaffee kümmerte.
„Mac?" hörte ich irgendwann leise von ihr. Sie sah genauso aus, wie ich mich fühlte: Ziemlich zerknautscht. „Ja?" antwortete ich ebenso leise, Rücksicht auf ihre und meine Kopfschmerzen nehmend.
„Hast du mir wirklich gestern Abend erzählt, dass du bisexuell bist und dich in Danny verliebt hast?"
Ganz offensichtlich konnte sie sich noch genau an unsere Unterhaltung der letzten Nacht erinnern, für mich war alles irgendwie verschwommen. Andererseits, vielleicht wollte sie auch nur sichergehen, dass sie sich nichts eingebildet hatte.
„Ja, habe ich."
„Und was wirst du nun tun?"
Da war sie: Die praktische Stella Bonasera. Die letzte Nacht hatten wir nur Theorien durchgearbeitet, wie ich mehr über Danny in Erfahrung bringen könnte, in Bezug auf sein Liebesleben, und jetzt konfrontierte Stella mich mit der Realität. Ich hatte mir darüber noch gar keine Gedanken gemacht.
Meine Antwort war ein schlichtes Schulterzucken.
Ich hatte wirklich keine Ahnung, was ich tun wollte. Ich wusste nichts, was ich tun könnte. Es ging um Danny. Ich wusste zu dem Zeitpunkt so vieles noch nicht über ihn, so vieles, was ich heute weiß. Vor allem aber wusste ich nicht, ob er meine Gefühle erwidern würde. Und ich wusste auch nicht, ob ich überhaupt den Mut finden würde ihm zu sagen, was ich empfand. Ich merkte nur, dass ich begann mich davor zu fürchten, ihn als Freund zu verlieren. Andererseits hatte ich das vielleicht schon. Ich war zu distanziert gewesen, als er fragte, ob alles gut zwischen uns sei. Vielleicht war da unsere Freundschaft schon zerbrochen.
„Du wirst es ihm sagen, oder?"
Stella – Immer der richtige Satz zur falschen Zeit.
Erneut zuckte ich nur mit den Schultern. Ich mochte eigentlich ihre Gradlinigkeit, aber wenn es um diese Liebesdinge ging… Ihr fehlte doch etwas Feingefühl, zumindest war das mein Eindruck. Andererseits hatte sie gar nicht so unrecht damit, dass ich es ihm sagen sollte. Aber… Ich hatte Angst. So verrückt es auch war, ich, Mac Taylor, den kaum was zu erschüttern schien, hatte eine Heidenangst davor jemandem zu sagen, was ich empfand. Denn wenn ich meine Gefühle aussprechen würde, dann hätte er die Chance alles zu Nichte zu machen. Er würde mir nur sagen müssen, dass er nicht so empfand, und alles um mich herum würde einstürzen. Das ängstigte mich fast zu Tode.
Ich wusste, wie es sich anfühlte jemanden zu verlieren, den man liebte. Claires Tot war allgegenwärtig. Selbst nachdem ich praktisch all ihre Sachen aus meinem Apartment geräumt hatte, sie war immer noch da. Wie die Wohnung roch… Ich ging so weit, dass ich praktisch meine komplette Wohnung neu gestalteten ließ: Neu streichen, neue Einrichtungsgegenstände. Ich trennte mich sogar von unserem Bett. Und obwohl ich in der Zeit schon schlaflos wurde und nicht wusste, ob ich jemals wieder mein Bett mit jemandem teilen würde, so kaufte ich doch wieder ein großes Bett. Einfach, weil es in den Raum passte.
Stellas Wohlbefinden war wohl noch nicht wieder ganz hergestellt, denn sie ließ mich einfach etwas vor mich hinbrüten, bis der Kaffee durchgelaufen war.
„Schwarz?" fragte ich, und Stella nickte nur. Ich goss uns beiden jeweils einen großen Pott voll von dem schwarzen Getränk ein.
„Also?" fragte Stella, mich schon wieder so durchdringend ansehend.
„Gib mir Zeit, Stella."
Erneut nickte sie. Sie kannte mich, und so tranken wir schweigend unseren Kaffee, bevor Stella schließlich nach Hause fuhr.
