Autorenanmerkung: Danke an frl-smilla für ein weiteres Review, über das ich mich sehr gefreut habe. Auch ein Dank mal an dieser Stelle an die Leute, die diese Geschichte schon zu ihren Favoriten hinzugefügt haben. Ich bin gespannt, was ihr wohl zu diesem Teil sagen werdet. Viel Spaß!


Kapitel 7: Weitere Überraschungen

Ich war gerade im Labor und untersuchte unsere Beweise, die kleinen Puzzelteile, die am Ende hoffentlich den Täter überführen würden, als ich ein Räuspern hörte. Ich hatte gar nicht bemerkt gehabt, dass jemand das Labor betreten hatte, in dem ich arbeitete.

„Hey Mac…" begrüßte mich Danny. Mein Herz machte einen Hüpfer, oder setzte es einfach nur einen Schlag aus? Ich bin vielleicht Wissenschaftler, aber wer steigt schon durch die chemischen Reaktionen der Liebe und ihre Auswirkungen auf den menschlichen Körper durch? Ich wusste nur, dass Danny etwas in und mit mir auslöste. Es war, als ginge die Sonne auf, als er den Raum betrat.

„Danny…" grüßte ich ihn, eisiger als ich es eigentlich wollte. Verdammt, wenn man seine Gefühle so lange unter Verschluss gehalten hatte wie ich die unglaubliche Trauer um Claire, dann fällt es einem einfach nicht so leicht wieder Emotionen zu zeigen. Zumindest nicht in dem Umfang, wie andere es vielleicht tun würden.

Einige Augenblicke stand Danny nur da. Wir sahen uns an, er nicht in der Lage den ersten Schritt zu tun, ich nicht gefasst genug etwas zu sagen. Ich hatte Angst, dass mir meine Stimme weg brechen würde, wenn ich etwas sagen würde.

„Was gibt es?" brachte ich schließlich hervor. Ich wollte langsam auch weiterarbeiten. Immerhin löste sich der Fall nicht von alleine, und diese Mafia-Verbindungen des Opfers, oder wie immer ich das am besten beschreiben soll, gefielen mir ganz und gar nicht. Allerdings war es wohl eher die Sache mit Danny, die mich so überaus gereizt auf die Situation reagieren ließ: Der Typ, dieser Mafioso, war ein willkommenes Ziel um meine Frustration abzubauen.

„Hm… Hier sind meine Ergebnisse…" Danny reichte mir eine Mappe voller Zettel und weiterer Puzzelstückchen. Aber irgendwas sagte mir, dass das noch nicht alles war.

„Gibt es sonst noch was?" fragte ich.

Ich konnte sehen, dass Danny an irgendetwas herumdruckste. Nach Stellas Beobachtungen, und auch meinen eigenen, konnte ich zumindest schon mal ausschließen, dass er mir eine Liebeserklärung machen wollte. Außerdem hätte wohl selbst Danny sich für so was einen besseren Platz ausgesucht als ausgerechnet das Labor. Die Atmosphäre war ja nun doch etwas sehr steril.

„Hm…" brummelte er. Anscheinend brauchte er wohl etwas Ermutigung. Ich fragte mich, wieso er überhaupt hier mit mir redete, denn offensichtlich war es etwas, das ihn sehr belastete. Irgendwie wären Flack oder Stella vielleicht viel bessere Gesprächspartner gewesen als ich. Immerhin war Dannys und mein Verhältnis immer noch etwas gestört, auch wenn wir jetzt wieder gemeinsam an einem Fall arbeiteten.

Ich sah ihn fragend an, überlegte, ob ich noch etwas nachfragen sollte, ihm vielleicht helfen sollte, aber dann platzte es auch aus ihm heraus.

„Es ist was privates, Mac. Aber ich muss irgendwie mit jemandem darüber reden."

Huch!? Danny wollte mit mir über etwas Privates reden? Wieso mit mir? Das machte keinen Sinn. Zu der Zeit machte es für mich keinen Sinn. Jetzt machte es allen Sinn. Er wollte was herausfinden, ich war sein Versuchskaninchen.

„Ich hab' mich gerade von jemandem getrennt…"

„Oh, das tut mir leid." Ich versuchte mein Mitgefühl echt klingen zu lassen während ich innerlich jubelte. Andererseits sagte es nichts darüber aus, wie er Männern gegenüber stand, und natürlich mir im besonderem, aber er schien wieder auf dem Markt zu sein. Naja, vielleicht nicht wirklich wieder auf dem Markt, noch nicht, es würde etwas dauern, bis er die Trennung verarbeitet hätte, aber er schien wieder zu haben.

„Es ging einfach nicht mehr… - Ich weiß noch nicht mal, warum ich mich immer wieder auf den gleichen Typ Frau einlasse!"

Wow! Danny explodierte geradezu. Bei dem zweiten Satz war er schon ziemlich laut geworden. Das musste wohl verdammt frustrierend sein. Ich lieh ihm einfach ein offenes Ohr, in der Hoffnung, dass es das wäre, was er brauchte.

„Sie sehen immer toll aus, toller Körperbau. Aber es ist nur eine Hülle… Die meisten haben nichts im Kopf. Okay, man sagt ja ‚Dumm fickt gut.', und ich denke, teilweise trifft das auch zu, aber ich glaube… Mit Liebe, und auch mit einer intellektuellen Verbindung, da wäre alles besser. Es würde sich dann nicht nur darum drehen, dass die körperlichen Bedürfnisse befriedigt werden. Ich mag Sex, so ist es ja nun nicht. – Oh Gott, das erinnert mich gerade auch an diese verdammte Kuschelparty… Der Typ da hat mich so angekotzt, ich hab' echt gesagt ich kuschle nicht. Stimmt so nicht. Ich kuschle nicht in der Öffentlichkeit."

Ich musste leicht grinsen. Stella hatte mir von Dannys Statement erzählt gehabt, irgendwann zwischendrin.

„Verdammt, ich will nur ein Mal eine richtige und funktionierende Beziehung haben! Eine Beziehung, bei der es nicht gleich zum Streit kommt, wenn ich mal zu müde nach der Arbeit bin um es mit ihr zu treiben, wo es ihr dann einfach reicht mit mir auf dem Sofa zu sitzen und fernzusehen. Oder im Bett zu liegen und sich zu entspannen. Eine Beziehung, bei der ich beim Essen eine gute Unterhaltung habe, und nicht immer nur einen Fuß, der mein Hosenbein hoch wandert oder eine Hand, die von meinem Oberschenkel in meinen Schoß wandert. Ein Essen, bei dem ich eine stimulierende Unterhaltung führen kann, sexuell oder intellektuell, und was nicht zwangsläufig als Vorspiel angesehen wird."

Oh ja, da war jemand ziemlich frustriert. Aber anscheinend war ihm nicht das Herz gebrochen worden, zumindest hoffte ich das.

„Ich will doch nur jemanden, den ich lieben kann und der mich liebt."

Am liebsten hätte ich ihm gesagt, dass genau das das war, was ich auch wollte, was ich von ihm wollte, aber das konnte ich ja wohl schlecht, also schwieg ich weiterhin und ließ ihn reden. Bis heute weiß ich noch nicht, ob Danny dies alles vorher geplant hatte, oder ob er es nur so aus sich heraussprudeln ließ.

„Frauen sind so furchtbar anstrengend. Vielleicht sollte ich es wirklich mal endlich mit einem Mann ausprobieren."

Bis auf das Splittern des Reagenzglases, dass mit bei diesen Worten aus der Hand fiel hörte man nichts im Raum. Zum Glück war nichts in dem Glas gewesen, ich hatte es nur geistesabwesend zwischen meinen Fingern gedreht, und bei der Offenbarung, wenn es denn eine war, total vergessen gehabt. Mein Griff lockerte sich und es fiel zu Boden.

Sofort suchte ich nach Handfeger und Kehrblech, doch als ich mich bückte um beides aus dem Schrank zu holen stieß ich mit meinem Kopf voll gegen Dannys. Zwei Dumme – Ein Gedanke. Er hatte auch sofort ans Auffegen der Glasscherben gedacht.

„Lass mich das machen." sagte ich, und meine Stimme klang ziemlich belegt. Ich hatte nicht gedacht, dass sie so rau klingen würde.

Danny stand wieder auf und lehnte sich irgendwo gegen, bevor er weiterredete. Es war nichts besonderes, das mal ein Reagenzglas zu Bruch ging, immerhin hantierten wir praktisch täglich mit den Gläsern. Es verging eigentlich kein Tag an dem nicht irgendein Gegenstand für wissenschaftliche Experimente zu Bruch ging. Viel zu viel wurde aus Glas gemacht. Andererseits ging es nicht anders. Nur Glas hielt der Hitze des Bunsenbrenners stand, Plastik wäre geschmolzen.

„Tut mir leid, wenn ich dich überrascht habe…" Ich war mit dem Auffegen beschäftigt, so dass ich nicht sah, dass Danny auf seine Schuhe starrte. Ich hörte nur, dass er den Satz fast murmelte.

„Womit überrascht?" fragte ich, während ich mich auf das Auffegen konzentrierte. Die Arbeit war gut, auch wenn es ärgerlich um das Reagenzglas war, es war gut etwas tun zu können. Beim Durchgehen von Beweisen musste ich mich meist zu sehr konzentrieren, als dass ich mich hätte unterhalten können, aber über den Fußboden zu kriechen und Glas aufzufegen, das erforderte keine übermäßige Konzentration.

„Du wusstest es?" fragte Danny.

Was sollte ich wissen? Ich kam gerade nicht mehr mit.

„Was soll ich gewusst haben?" Mein Blick richtete sich auf Danny. Irgendwie musste er es wohl spüren, denn die Aufmerksamkeit von seinen Schuhen wand sich mir zu.

„Dass… dass…"

„Was, Danny?" Meine Stimme klang schon wieder so kalt und distanziert, so als würde ich einen Verdächtigen befragen, aber ich konnte mir nicht helfen.

„Dass ich bisexuell bin." brachte er schließlich unter angehaltenem Atem hervor, bevor er schwer ein- und ausatmete, so als müsse er sich beruhigen.

„Nein, das wusste ich nicht." antworte ich schließlich, bevor ich mich wieder auf die Glasscherben konzentrierte. Jetzt jubelte ich innerlich nur noch mehr. Wer hätte das gedacht, dass Danny mir erst eröffnete, dass er sich von seiner Freundin, Geliebten oder was auch immer getrennt hatte, und mir dann sogar noch mitteilen würde, dass er auch nicht nur an Frauen interessiert war.

„Ist es ein Problem?" fragte er wesentlich leiser und ruhiger weiter.

„Wieso sollte das ein Problem sein?" antwortete ich mit einer Gegenfrage.

„Weiß nicht." Danny wurde wieder wortkarg.

„Siehst du, ich auch nicht."

Für meine Verhältnisse schenkte ich ihm ein ziemlich großes Lächeln, während ich das Kehrblech endlich zum Mülleimer brachte und die Scherben entsorgte. Wenn Scherben wirklich Glück bringen, dann war dieses Reagenzglas eine wahre Glücksbombe für mich gewesen.

„Ich hätte nicht gedacht, dass du so cool reagierst."

Wow, ich musste wirklich den Ruf des Oberspießers haben. Ich tat es mit einem Schulterzucken ab. Und gleichzeitig formte sich in meinem Kopf der Gedanke, dass Danny vielleicht ein Auge auf Flack geworfen haben könnte. Immerhin war der Detective von der Mordkommission ein Bild von einem Mann: groß, schlank, aber gleichzeitig muskulös. Und mit seinen babyblauen Augen eines der begehrtesten Flirtobjekte, dass die New Yorker Polizei zu bieten hatte. Ich fragte mich, ob ich mit meiner Vermutung richtig lag. Aber fragen konnte ich Danny ja wohl kaum.

„Wie auch immer, danke fürs Zuhören, Mac." sagte Danny.

„Immer wieder gerne." antwortete ich ihm. Und in Gedanken fügte ich hinzu, dass ich es natürlich besonders gerne wieder täte, wenn es erneut so viele interessante Informationen für mich beinhalten würde.