Autorenanmerkung: Die 200-Hit-Marke ist geknackt. Außerdem freue ich mich sehr, dass die Geschichte auf noch mehr Favoriten-Listen aufgenommen wurde. Ich glaube, bei den Author Alerts hat sich nichts geändert. Dank auch an QueenAlex für das Review zum letzten Kapitel. Ich antwortete ihr schon per Reply-Funktion und somit privat darauf, wollte hier aber noch mal sagen: Es gibt Hinweise darauf, wieso Danny so mit Mac geredet hat. Nur, damit sich niemand wundert, und falls bei noch jemandem das Gefühl erschien, dass es total "out of character" war (Hatte ich eigentlich am Anfang der Geschichte eine OOC-Warnung? Ich denke schon. Damit kann ich mich zur Not dann auch immer noch "rausreden". ;-) )

Okay, heute ein langes Kapitel, nächstes Update dann ausnahmsweise Mittwoch und nicht Freitag. Ich bin am Wochenende auf der RingCon in Fulda und glaube nicht, dass ich dazu kommen werde, selbst wenn ich mit meinem Notebook ins Internet komme, die Geschichte zu updaten. Ich kann auch leider nicht versprechen, dass nächsten Montag dann ein Update kommt, aber dann halt Dienstag.

Danke an alle fürs Lesen, ich sehe es ja an den Hitzahlen und ich freue mich sehr darüber.

Viel Spaß mit dem nächsten Kapitel!


Kapitel 8: Die Befragung des Don Flack

Mir ging nach Dannys Bekenntnis einfach nicht aus dem Kopf, wie gut sein Verhältnis doch zu Don Flack war. Ich hatte die beiden schon zu oft zusammen gesehen, wie sie miteinander scherzten, sich kumpelhaft auf die Schulter klopften. Vermutlich gingen sie auch nach Feierabend ab und an was zusammen trinken. Wieso ging ich eigentlich nach Feierabend nie was trinken? Vielleicht weil ich eigentlich berufliches und privates getrennt halten wollte. So weit, so gut. Das hatte ich ja inzwischen gründlich vermasselt. Aber was sollte ich denn machen? Das Herz hört einfach nicht auf den Verstand. Wie oft hatte mein Kopf schon versucht meinem Herzen zu erklären, dass Claire nicht mehr in meinem Leben war, dass sie tot war, dass sie nie wieder zurückkehren würde, und dass es sinnlos wäre sie weiterhin so zu lieben und zu vermissen? Mein Herz hörte nicht auf meinen Verstand. Vor allem nicht in den Nächten, in denen ich wach lag und um Claire weinte.

Noch etwas, was wohl kaum einer gedacht hätte, aber ich weinte um Claire. Ich weinte viel um Claire. In der ersten Zeit fast jede Nacht. Kaum hatte sich die Dunkelheit über die Stadt ausgebreitet und ich lag im Bett, das Licht ausgelöscht, erinnerte mich alles an sie. Die Wohnung roch noch nach ihr, ihre Seite vom Bett roch noch nach ihr. Mir fehlte ihr warmer Körper neben mir. Stattdessen kamen die warmen Tränen aus meinen Augen. Ich konnte einfach nicht schlafen, weil ich um sie trauerte und um sie weinte. Es dauerte Monate bis ich zwei Nächte hintereinander nicht weinte. Es war kein Sieg des Verstandes über das Herz, es war nur die Kapitulation des Herzens.

Ich gab Claire nicht auf, das werde ich wohl auch nie können. Sie wird immer einen Teil meines Herzens haben. Aber ich begann mich an ein Leben ohne sie zu gewöhnen. Ein Leben, das weniger lebenswert und leerer war.

Arbeit und Privatleben vermischen. Ich hielt es für keine gute Idee, aber wenn man nur noch für seine Arbeit lebte, so wie ich nach Claires Tod, dann musste man zwangsläufig irgendwann beides vermischen. Es ging gar nicht anders. Ich verbrachte ja schon vor Claires Tod fast mehr wache Zeit mit meinen Kollegen als mit ihr, und nach ihrem Tod erst recht. Ich vergrub mich in Arbeit, schob Doppelschichten. Aber ich wich immer wieder den sozialen Zusammenkünften meines Teams aus. Stella war die einzige mit der ich doch noch relativ viel Zeit außerhalb des Büros zusammen verbrachte. So kannte sie auch das Café in dem ich morgens oft frühstückte.

Ich wusste, dass ich mich eigentlich um die Arbeit kümmern sollte, um die Fälle, um nicht von denen zu reden, die immer noch ungelöst in meinem Büro standen oder auf meinem Schreibtisch lagen. Darunter auch der Fall, der zu Aidens Entlassung geführt hatte.

Aber ich griff zum Telefon und rief Detective Don Flack an.

„Don? Hast du etwas Zeit?" fragte ich ihn ohne Umschweife.

„Mac, bist du das?" Verdammt, ich hatte vergessen mich mit Namen zu melden.

„Ja."

„Klar, für dich doch immer."

„Wir treffen uns im üblichen Vernehmungszimmer." sagte ich, bevor ich auflegte, Don keine Chance zu irgendeinem Protest lassend.

Ein paar Minuten später betrat ich das Zimmer, in dem wir gewöhnlicher Weise Tatverdächtige vernahmen. Manchmal auch nur potentielle Tatverdächtige, manchmal auch nur Zeugen. Don war schon in dem Zimmer. Mit seiner hoch gewachsenen Gestalt hatte er sich locker an die Wand gelehnt und stieß sich bei meinem Anblick von ihr ab.

„Mac, was gibt es?"

Ich hätte mir vielleicht vorher eine bessere Taktik zurechtlegen sollen, aber irgendwie war es mir gar nicht in den Sinn gekommen. Bei unseren Vernehmungen improvisierten wir auch immer, und noch wusste Don gar nicht, dass dies wohl einer Vernehmung am Ende gleichen würde, also fragte ich ihn ohne Umschweife:

„Hast du gewusst, dass Danny bisexuell ist?"

Don hatte gerade einen Schluck Kaffe aus dem Pott genommen, der auf dem Tisch stand, jetzt prustete er ihn durch das halbe Zimmer. „Danny ist was???" fragte er ungläubig, bevor er zu husten begann.

„Bisexuell." antwortete ich ihn meiner bekannt ruhigen Art. Es war ja nun nicht so, als hätte Don jemanden umgebracht. Ich betete innerlich, dass niemand hinter dem Spiegel stand und uns zuhörte, sonst würde vielleicht anschließend die halbe New Yorker Polizei über die sexuelle Orientierung meines jungen CSI Bescheid wissen. Wobei das immer noch besser wäre, als wenn sie über meine Bescheid wüssten. Nicht, dass es mich am Ende stören würde, aber irgendwie… Hey, auch die Polizei ist nur ein Arbeitsplatz, und an Arbeitsplätzen wird immer geklatscht und getratscht.

Wieso hatte ich den Nebenraum nicht kontrolliert bevor ich in das Verhörzimmer ging?

Don beruhigte sich langsam, aber seine erste Reaktion zeigte eindeutig, dass er keinen blassen Schimmer gehabt hatte.

„Na das ist eine Überraschung." antwortete er mir schließlich. „Aber sag mal, seit wann beteiligst du dich eigentlich am Bürotratsch?"

Ich hätte wissen sollen, dass so was kommen würde. Wir waren ja immerhin beide Detectives, es hätte mir klar sein müssen, dass Flack im Befragen genauso gut geschult war wie ich. Wenn nicht sogar noch besser, immerhin war dies oftmals mehr ein Teil seines Jobs als meines.

„Das ist kein Bürotratsch. Und ich möchte auch nicht, dass es einer wird." stellte ich klar. War Dons Reaktion auf meine Offenbarung, dass Danny bi war genug Antwort auf die Frage, die mir weiterhin auf der Zunge brannte? Schloss die Reaktion schon aus, dass die beiden was miteinander hatten. Oder sollte ich mein Glück für heute noch weiter herausfordern?

„Und falls was durchsickern sollte, dann werde ich Stella verraten, dass du schwul bist." Don ließ sich auf den Stuhl fallen, auf dem sonst die Verdächtigen saßen.

„Das würdest du tun?" fragte er mich ungläubig, während er mit seinen stahlblauen Augen unter den buschigen schwarzen Augenbrauen zu mir hoch schaute.

Ich hatte einen instinktiven Volltreffer gelandet. Es war eigentlich nur ein Bluff gewesen, naja, vielleicht nicht ganz, aber es war nicht so, dass ich Don Flack mit 100iger Sicherheit für schwul hielt. Dafür kam er eigentlich zu gut mit meinen weiblichen Mitarbeitern klar. Vielleicht kam er aber gerade deswegen mit meinen weiblichen Mitarbeitern klar. Eben weil er schwul war.

„Nur wenn du herumerzählst, dass Danny bisexuell ist."

„Wie kommst du denn auf die Idee, ich würde das herumerzählen?"

Ich zuckte mit den Schultern.

„Die Wände hier scheinen manchmal Ohren zu haben." antwortete ich ihm schließlich.

„Im Nebenraum ist niemand, und ich hab die Tür dazu abgeschlossen, bevor ich rein kam."

In diesem Moment liebte ich Don Flack. Niemand wusste von unserem Gespräch, und niemand war Zeuge dieser Unterhaltung.

„Don?" fragte ich vorsichtig und legte ihm eine Hand auf die Schulter. Irgendwie wirkte er total erschüttert, seitdem ich gesagt hatte, ich würde Stella sagen, dass er schwul sei.

„Woher weißt du es, Mac?" fragte er nur leise.

Ich setzte mich ihm gegenüber. Unsere Unterhaltung war im Ton leiser geworden, vertrauter, wenn auch nicht weniger eindringlich als zuvor.

„Es war ein Schuss ins Blaue." gab ich zu. „Ich habe es irgendwie vermutet, aber bisher nicht gewusst. Aber es ist so, oder?"

Don nickte. Seine Augen füllten sich mit Tränen, wie ich sehen konnte. Das gefiel mir nicht, das gefiel mir ganz und gar nicht. Ich wollte keinen weinenden Don Flack mir gegenüber sitzen sehen. Ich hatte gerade zugegeben, dass ich nicht alles wusste, wie so gerne im Büro behauptet wurde, aber das störte mich nicht. Mir ging es viel näher, dass es Don anscheinend total traf, dass ich es jetzt wusste. Oder war es die Tatsache überhaupt, die ihn so traf?

„Don…" begann ich leise, ohne wirklich zu wissen, was ich sagen sollte. Ich griff nach seiner Hand und drückte sie kurz, bevor ich mich etwas aufrechter auf meinem Stuhl hinsetzte. Ich wünschte, ich hätte mehr für den jungen Detective mir gegenüber tun können, aber ich konnte es anscheinend nicht, nicht in dem Moment.

Was war das doch für ein Gegensatz: Danny, der es mir so nebenbei erzählt hatte, dass er bisexuell war, und dass er vielleicht wirklich mal ernsthaft was mit einem Mann anfangen sollte, bei dem das alles nur eine harmlose Plauderei gewesen war, wenn man mal davon absah, dass er mir sein Herz halb ausgeschüttet hatte. Zumindest konnte man es so sehen, so wie er losgelegt hatte, auch wenn es um seine Ex-Freundin und das Zerbrechen ihrer Beziehung ging, aber nach Dannys Worten war es wohl nie das gewesen, was er gewollt hatte. Und jetzt Don Flack, der total zerbrochen erschien. Dem ich einfach so zugesagt hatte, dass er schwul sei. Vielleicht war es für Danny auch leichter, immerhin konnte er ebenso was mit Frauen anfangen, während Don anscheinend nur ausschließlich Männer liebte.

Liebte er wirklich Männer? Oder wusste er nur, dass er sich für Männer interessierte, aber hatte er bisher noch keine praktischen Erfahrungen gesammelt? Ich merkte, dass ich noch viel herausfinden musste.

„Alles okay?" fragte ich schließlich leise, als Don sich gesammelt zu haben schien.

Er nickte, anscheinend noch nicht fähig etwas zu sagen.

„Wie lange weißt du es schon?" fragte ich schließlich. Ich wollte es wirklich wissen, vielleicht würde es Don auch ganz gut tun darüber zu reden.

„Keine Ahnung." antwortete er schließlich. Und das war vermutlich nicht mal die schlechteste Antwort. Ich ging immer davon aus, dass heterosexuelle Menschen ja auch nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt entdeckten, dass sie heterosexuell waren. Ich vermutete, dass es bei jeder sexuellen Orientierung wohl so war, dass man irgendwann in der Pubertät, vielleicht sogar auch erst später, feststellte, für welches Geschlecht man sich interessierte. Oder halt auch für beide.

Kurz zögerte ich und überlegte, ob ich es Don sagen sollte, aber schließlich entschied ich, dass ich, nachdem ich so ein großes Geheimnis von ihm kannte, und es war ziemlich klar, dass es bisher ein Geheimnis gewesen war, ihm auch etwas von mir anvertrauen sollte.

„Ich kann auch nicht sagen, wann ich das erste Mal feststellte, dass ich mich auch für Männer interessiere."

Dons Blick, der starrt auf die Tischplatte gerichtet war, in der Hoffnung seine Emotionen unter Kontrolle halten zu können, suchte meine Augen. Sein Blick war fragend, vermutlich sich selber nicht ganz klar darüber, was oder wie er fragen sollte.

„Ich bin ebenso wie Danny bisexuell." legte ich die Karten offen auf den Tisch.

„Danny hat es mir vorhin erzählt. Eigentlich kam es eher in unserem Gespräch raus, dass er bisexuell ist. Aber er weiß nicht, dass ich auch bi bin." erklärte ich Don. Irgendwie vermutete ich allerdings, dass Don Flack sehr bald Danny darüber aufklären würde. Sicher war ich mir natürlich nicht, aber ich hatte irgendwie so ein Gefühl.

„Weiß Danny, dass du…?" fragte ich vorsichtig weiter. Danny… Ich liebte es über ihn zu reden, aber ich wusste, dass ich vorsichtig sein musste, damit ich nicht gleich durchschaut wurde.

„Nein." antwortete Don auf meine Frage. Irgendwie bekam ich jetzt nicht mehr so richtig was aus ihm heraus, aber ich probierte es trotzdem weiter.

„Wieso nicht?"

„Weil es niemand weiß."

„Wie, es weiß niemand?"

„Bis auf dich…" gab Don schließlich zu. „Also, bis auf dich weiß niemand, dass ich… dass ich auf Männer stehe."

Na das war nun wirklich mal ein Geständnis. Vielleicht eines der größten, das jemals in diesen Mauern gemacht wurde. Es ging zwar nicht um Mord, aber es ging um etwas, das vielleicht viel wichtiger war.

„Wieso hast du es nie jemandem gesagt?" Ich hatte irgendwie das Gefühl, dass Don jetzt jemanden zum Reden brauchte, und er schien sich inzwischen auch gefangen zu haben und nicht mehr so sehr den Tränen nahe zu sein, wie noch wenige Augenblicke zuvor.

„Wem denn?"

Eine bestimmt berechtigte Frage, aber mir erschien sie im ersten Moment doch unlogisch.

„Deiner Familie? Deinen Freunden?" schlug ich vor.

„Was glaubst du, wie mein Vater reagiert hätte, wenn ich ihm gesagt hätte, dass ich auf Männer stehe?"

Anscheinend war dies für Don keine Option gewesen. Erneut griff ich nach seiner Hand und drückte sie kurz. Wieso ich das tat weiß ich bis heute nicht. Vielleicht, weil ich Don in gewisser Weise als eine Art Sohn ansah, auch wenn ich eher ein Vorgesetzter war. Rein theoretisch hätte ich durchaus sein Vater sein können.

„Tut mir leid." sagte ich leise. Nicht, dass ich meinen Eltern gesagt hätte, dass ich auch auf Männer stand. Die Situation, dass ich es hätte tun müssen hatte es ja auch niemals gegeben. Erst jetzt wurde mir erst so richtig klar, was es bedeutete, dass ich mich in Danny verliebt hatte: Wenn aus uns jemals was werden sollte, dann würde ich es meinen Eltern sagen müssen. Nicht zwangsläufig, aber irgendwann, wenn es eine ernsthafte Beziehung wäre… Ich wollte mich auf jeden Fall nicht verstecken, wie Don.

Andererseits schien Don seine Sexualität komplett zu unterdrücken.

„Aber wieso hast du Danny nichts gesagt? Er ist doch dein Freund."

„Ein Freund." korrigierte Don mich, und beruhigte mich gleichzeitig. Damit war zumindest eindeutig klar, dass zwischen Danny und ihm nichts lief. Aber war das wirklich so? Ich musste einfach fragen.

„Zwischen euch läuft also nichts?"

„Wie kommst du denn darauf?" Don sah mich ungläubig an.

„Weiß nicht, aber nachdem Danny mir heute erklärte, dass er bisexuell sei, und nachdem du mir gerade bestätigt hast, dass du tatsächlich schwul bist… Ich dachte… Ihr wirkt zeitweise so vertraut…" Am Ende war meine Stimme immer leiser geworden, so wie meine Worte unsicherer wurden. Ich merkte, dass ich mich selber gerade immer mehr in die Situation brachte, in der ich vielleicht Farbe bekennen müsste.

Es war wie verhext: Erst erfuhr Hawkes, dass ich bi war, dann erfuhr ich von Danny, dass er bi war, dann erfuhr Don von mir, dass Danny bi war, dann erfuhr ich von Don, dass er schwul war, und jetzt, sozusagen als krönender Abschluss, würde Don auch noch erfahren, dass ich in Danny verliebt war.

Don lachte über meine Aussage. Ich schenkte ihm ein kleines Lächeln, froh darüber, dass er es anscheinend doch noch nicht aufdecken würde.

„Hey, ich arbeite schon lange mit ihm zusammen." erklärte mir Don schließlich die Vertrautheit zwischen ihnen beiden. Und es klang logisch und plausibel. Sein Lachen war noch in seiner Stimme, als sein Gesicht plötzlich ernst wurde.

„Mac? Du bist doch nicht etwa… eifersüchtig?" fragte Don schließlich.

Verdammt. Verdammt! VERDAMMT!!!

Ich schwieg, irgendwie erschien es mir das sicherste. ‚Sie haben das Recht zu schweigen.' Und genau das nahm ich mir gerade.

„Mac?" Dons Blick wurde bohrender. Vielleicht war Schweigen doch nicht der beste Weg. Aber ich wollte Don auch nicht anlügen. Und irgendwie war ich ja wohl auch eifersüchtig, weil ich dachte, die beiden hätten vielleicht was am Laufen, oder Danny hätte ein Auge auf Don geworfen, oder was weiß ich! Meine Gedanken fuhren Achterbahn, und mein Bauch kam ja schon lange nicht mehr mit. Da kribbelte es bei dem Gedanken, dass Danny zu haben war und auch Männer mochte.

„Ich… Ich… Ich weiß nicht." gab ich schließlich doch recht zögerlich zu. Ich wusste es auch wirklich nicht sicher.

„Mac?" Der bohrende Blick aus den blauen Augen war immer noch da. Jetzt wusste ich immerhin mal, wie sich ein Verdächtiger fühlte, wenn Don ihn mit diesen Augen ansah.

„Ja?" gab ich nur zurück. Ich wollte nichts preisgeben, ich konnte nichts preisgeben. Ich hatte schon viel zu viel gesagt.

„Könnte es sein, dass du dich in Danny verliebt hast?"

Peng! Ich sah Don fassungslos an. Hoffentlich die cleverere Variante als verschämt wegzusehen.

„Mac, antworte mir." Dons Stimme war ruhig und leise. Es war mehr eine Bitte. Ich konnte ihn nicht länger ansehen, ich sah auf den Tisch. Seine Hand griff nach meiner und drückte sie, so wie ich es zuvor mit seiner getan hatte. Jetzt spürte ich selber, was das in einem auslösen konnte. Ich merkte, dass mir Tränen in die Augen stiegen. Don nahm seine Hand nicht weg, ich spürte seine Wärme, und schließlich nickte ich.

„Ich fass es nicht!" entfuhr es Don, so überrascht, dass er meine Hand wieder los ließ. Es machte mir nicht wirklich was aus, aber trotzdem hatte es sich gut angefühlt, dass er meine Hand gehalten hatte, zumindest besser, als jetzt ohne den körperlichen Kontakt.

„Erzähl niemandem davon."

„Natürlich nicht, Mac." versprach er mir. Ich wusste, dass ich Don eigentlich vertrauen konnte. Trotzdem war ich mir nicht so ganz sicher, immerhin war er mit Danny befreundet.

„Du hast doch kein Interesse an ihm, oder?" fragte ich schließlich.

„Hm…" Erneut flackerte etwas Angst in mir auf. Don war immerhin wesentlich jünger als ich, und vermutlich auch attraktiver. Ich neigte schon seit Jahren zu einem kleinen Bauchansatz, meine Geheimratsecken waren auch schon mal kleiner gewesen und mit meinen 1,78 m war ich nicht wirklich der Größte. Im Vergleich zu Don war ich sogar ziemlich klein, aber Don war nun auch die Ausnahme. Andererseits war Danny sogar noch etwas kleiner als ich.

„Ich glaube eher nicht." gab Don schließlich zu. „Immerhin ist er ein Kollege und ich muss mit ihm zusammen arbeiten."

Damit erinnerte er mich geradezu an mein Dilemma.

„Du hast ja immerhin die Chance ihn zu anderen Fällen einzuteilen…" gab Don mir zu bedenken. „Aber ich kann mir meine Arbeit nicht so leicht aussuchen."

„Ich laufe ihm nur jeden Tag im Labor über den Weg." gab ich zu bedenken.

„Wirst du es ihm sagen?" fragte Don schließlich.

Vor gar nicht allzu langer Zeit hatte Stella mich praktisch das Gleiche gefragt. Und ich war immer noch zu keinem Entschluss gekommen. Andererseits war seitdem auch viel passiert. Ich hatte Stella noch nicht erzählt, dass Danny bisexuell war. Wieso war ich eigentlich erst zu Don gegangen? Dann fiel mir wieder mein Verdacht mit ihm und Danny ein.

„Ich weiß noch nicht." gab ich schließlich zu, mir immer noch unklar darüber, ob und wann ich es Danny sagen würde.

„Ich würde es an deiner Stelle tun."

„Don?" Er war aufgestanden und zur Tür gegangen, so als wäre unsere Unterhaltung zu Ende.

„Gibt es… bei dir irgendjemanden?" fragte ich ihn.

Er schüttelte traurig den Kopf.

„Du wirst den Richtigen schon finden." Meine Stimme klang zuversichtlich. Gleichzeitig fragte ich mich, ob ich den Richtigen finden würde. Mit Claire hatte ich schon die Richtige gefunden, ein Glück, dass nicht jedem vergönnt war. Aber würde mir das Schicksal ein zweites Mal einen so besonderen Menschen in mein Leben schicken? Und war dieser besondere Mensch vielleicht schon Danny? Oder würde mich der Liebeskummer mal wieder heimsuchen? Es wäre mal wieder an der Zeit dafür.

Don schenkte mir ein kleines, dankbares Lächeln, bevor er wirklich den Vernehmungsraum verließ. Ich blieb noch etwas am Tisch sitzen, mir immer noch nicht darüber klar, was ich wie in Bezug auf Danny tun würde.