Autorenanmerkung: So, diese Geschichte ist jetzt meine Geschichte mit den meisten Hits, was nicht heißt, dass sie die meisten Leser hat. Ich bin wirklich neugierig, ob es stimmt, dass etwa 12 Leute diese Geschichte lesen, aber vermutlich werde ich es nie komplett herausfinden.

Kleine Anmerkungen: Nagelt mich nicht auf den Alkoholpegel der Charaktere in der Geschichte fest, vor allem nicht in diesem Kapitel. Jeder reagiert auf Alkohol anders, und vor allem reagiert jeder wohl jeden Tag auf Alkohol anders, unter anderem in Kombination mit der Stimmung, wie viel man bereits an dem Tag gegessen hat, wie die gesundheitliche Verfassung ist.

Dann noch eine Fußnoten-Warnung: In der zweiten Fußnote befindet sich ein Spoiler für die dritte Staffel. Minimal, aber er ist vorhanden. Andererseits macht er diese Geschichte ganz eindeutig AU, wobei man bedenken muss, dass wohl irgendwie jede Geschichte AU ist bei einer fortlaufenden Serie in der sich Charaktere immer wieder verändern. Ich wollte es nur gesagt haben.

Und noch kurz ein dickes Dankeschön an QueenAlex und frl-smilla für die Reviews. Ich habe mich sehr gefreut. Schade, dass gerade mal wieder mein Alert nicht funktioniert. Ich hoffe trotzdem, dass meine Antworten im privaten Kreise auf die Reviews soweit befriedigend waren.

Ansonsten viel Spaß mit dem langen Kapitel!


Kapitel 14: Bei Sullivans 1

Dieser Abend blieb mir noch lange im Kopf. Es war merkwürdig gewesen. Der Stromausfall war wohl nur ein Zufall gewesen. Ein komischer Zufall, aber nur ein Zufall. Auch wenn ich fast gesagt hätte, dass das Schicksal mir vielleicht einen Wink geben wollte. Aber ich wollte dem Schicksal wohl ein Schnippchen schlagen und hatte Danny nicht in dem Aufzug gesagt, dass ich ihn liebte. Liebte ich ihn überhaupt schon? War ich schon so weit? Ich glaubte inzwischen schon daran, dass ich ihn liebte. Auf der einen Seite löste er alle Symptome von Verliebtheit bei mir aus, auf der anderen Seite konnte seine reine Anwesenheit aber mich auch schon beruhigen.

Wir liefen uns nicht viel im Büro über den Weg in den nächsten Tagen, jeder war mit seiner Arbeit beschäftigt, und wenn wir uns sahen, dann war es nur ein ‚Hallo' oder ‚Wie geht's?'. Normale Bürounterhaltungen eben. Keiner von uns beiden würde wohl sein Liebesleben im Pausenraum des CSI diskutieren. Okay, das stimmt nicht so ganz, ich hatte es immerhin mit Stella in meinem Büro diskutiert. Aber wir würden es nicht im Pausenraum ausbreiten, wo wirklich jeder mithören könnte.

Dann kam der Anruf aus Miami und ich verließ erst einmal die Stadt, und kam mit jeder Menge Arbeit für mein Team zurück, und Verstärkung durch unseren Kollegen Horatio Caine vom CSI:Miami. Wir hatten schon zuvor zusammen gearbeitet, und so lief die Arbeit relativ reibungslos ab. Trotzdem waren wir alle erleichtert, als der Täter endlich gefasst war.

Ich muss sagen, dass dieser Fall mich ganz schön mitgenommen hatte. Ich hatte Lindsay von den Tatort-Ermittlungen abgezogen, weil dort so viel Blut war, und ich wollte unser neustes Team-Mitglied nicht unbedingt dem allen aussetzen, außerdem brauchte ich jemanden im Labor, und meine ganzen CSI waren vor Ort. Einer musste zurück ins Labor. Es tat mir Leid um Lindsay, sie war wirklich sauer auf mich. Aber es musste jemand ins Labor, und sie war halt immer noch die Neue. Und den Status würde sie wohl auch noch einige Zeit beibehalten.

Am Abend nachdem wir Darius gefasst hatten, hatte ich das dringende Bedürfnis, mich vollkommen zu betrinken. Das kam nicht oft vor, aber nach allem, was er erzählt hatte, und dazu noch den Ermittlungen… Es waren fast noch Kinder, die er erschossen hatte…

Ein paar Telefonate später saß ich bei Sullivans und wartete darauf, dass mein Team hier erscheinen würde. Wir waren alle nach dem Ganzen ziemlich fertig, und ich hielt es für eine gute Gelegenheit mal wieder etwas Zeit privat miteinander zu verbringen. Es gab noch andere Schichten außer meinem Team, die sich um die Mörder der Stadt kümmern konnten, außerdem bestand ja nicht die Gefahr, dass eine unserer Leichen plötzlich aufstehen und davonlaufen würde. Also verordnete ich uns allen den nächsten Tag als dienstfreien Tag, so dass wir uns alle zulaufen lassen könnten. (Auch mit Don Flacks Chef hatte ich gesprochen. Don war so oft bei unseren Fällen zugegen, dass ich ihn irgendwie auch als Teil meines Teams ansah.) Es würde auf jeden Fall ein Erlebnis werden: Danny, Hawkes, Stella, Lindsay und Flack, alle zusammen mit mir im Sullivans, alle mit Drinks, alle später mit Alkohol im Blut. Ich war schon jetzt gespannt, was da wohl so alles rauskommen würde.

Stella war die erste, die durch die Tür kam. Ich war noch im Büro gewesen. Papierkram… (Musste ich noch mehr dazu sagen? Es war immer der Papierkram.) Alle anderen waren längst zu Hause gewesen, als ich sie anrief, aber keiner hatte andere Pläne. Ich glaube, Lindsay weckte ich sogar mit meinem Anruf. Aber sie war froh, dass es um etwas Angenehmeres ging, als um einen weiteren Mord.

„Hey Mac!" begrüßte sie mich und drückte mir einen Kuss auf die Wange.

„Du hast doch keine Lippenstiftspur hinterlassen?" fragte ich sie neckisch und musterte ihr Erscheinungsbild. Sie kontrollierte meine Wange bevor sie mir ihren Fingern darüber wischte.

„Kaum. – So, jetzt ist er weg."

Ich saß schon vor einem Bier, Stella bestellte sich einen Manhattan. Vermutlich würden wir später am Abend alle auf härteren Alkohol umsteigen, im Moment reichte mir mein Bier.

„Und, hast du endlich mit Danny geredet?"

Wieso nur musste sie mir diese Frage stellen?

„Ja und nein."

„Was ist das denn für eine Antwort?"

„Das ist die richtige Antwort." Ich seufzte, bevor ich etwas weiter ausholte.

„Erinnerst du dich an den Tag mit dem Stromausfall?" fragte ich sie, und als sie nickte fuhr ich fort. „Wir saßen an dem Abend zusammen im Fahrstuhl fest."

„Nein!" Ihr Gesichtsausdruck war unbeschreiblich und unbezahlbar.

„Was?" fragte Don Flack, der gerade dazukam.

„Mac saß mit Danny im Fahrstuhl fest." erklärte Stella ihm.

„Und, hast du es ihm endlich gesagt?" fragte Don natürlich sofort.

Am liebsten hätte ich meinen Kopf auf die Tischplatte geschlagen, was ich natürlich nicht tun konnte. Jetzt hatte ich dafür zwei Detectives, die mich neugierig ansahen.

„Nein, ich habe es ihm nicht gesagt, bzw. ich wollte Stella gerade erzählen was ich ihm gesagt habe." erklärte ich Don. Er bestellte sich auch ein Bier.

„Also, wir saßen im Aufzug fest, keiner ein Handy dabei. Zum Glück war der Stromausfall ja nicht lange. Wir holten dann unsere Handys, über die Treppen, und gingen schließlich essen. Kaum im Restaurant tauchte Lindsay auf."

Und wie auf Kommando erschien auch schon Detective Monroe. Ich stockte. Stella und Don wussten von einander, dass sie von meinen Gefühlen für Danny wussten, aber Lindsay hatte es nur durch Zufall aus mir herausbekommen.

„Hey Lindsay, du kommst wie gerufen. Mac erzählt uns gerade von eurem gemeinsamen Essen." begrüßte Stella sie.

„Das klang jetzt aber anders, als du es gemeint hattest." sagte Don trocken.

Stella kicherte, und auch Lindsays Mundwinkel zuckten etwas.

„Danny war ja auch noch da…" sagte sie schließlich, bevor sie sich setzte und ein Glas Wein bestellte.

„Ja, genau, Danny war auch noch da." Stella wollte es unbedingt wissen, aber ich wollte eigentlich nicht viel mehr hier so offen verraten.

„Mac, was ich dich noch fragen wollte: Seid ihr, also Danny und du, denn gut früh ins Bett gekommen?"

Ich merkte, dass ich leicht rot anlief.

„Nein!" Wieder war es Stella, von der der Ausruf kam.

„Das war jetzt nicht so gemeint, wie es geklungen hat…" sagte Lindsay. „Die beiden sagten, sie wollten früh ins Bett…" Lindsay verschlimmerte die Situation eigentlich nur.

„Danny ist nur auf ein Bier noch mit zu mir, nur auf ein Bier!" klärte ich alle auf.

„Aha, und dann?" fragte Stella, und lehnte sich vor. Auch Flack und Lindsay waren ganz Ohr.

„Nichts, und dann."

„Du hast es ihm also nicht gesagt?" fragte Lindsay. Entweder sie ging davon aus, dass Stella und Don Bescheid wussten, oder sie hoffte, dass ihre Frage für einen Uneingeweihten nicht verräterisch klang.

„Nein, habe ich nicht, zumindest nicht so, wie ihr es alle gerne hören wollt."

„Was wollen wir alle gerne hören?" fragte Hawkes, der in diesem Moment an unseren Tisch herantrat.

„Dass Mac Danny endlich sagt, was er für ihn empfindet." klärte Stella den total perplexen Sheldon auf.

„Ich brauch einen Drink." war dessen erste Reaktion. Schnell bestellte er einen Whiskey und kippte ihn, so bald er kam, ohne zu zögern runter.

„Okay, also, noch mal: Was wollen wir alle gerne hören?" fragte er erneut.

„Dass Mac Danny endlich sagt, dass er ihn liebt."

Sheldon vergrub sein Gesicht in seinen Händen, ich hätte es ihm am liebsten gleich getan, oder noch besser: Der Boden hätte sich aufgetan und mich verschluckt. Aber leider passierte nichts. Also musste ich wohl oder übel mir das Ganze hier anhören.

„Ich hatte mir schon gedacht, dass es jemand von der Arbeit ist…" sagte Sheldon schließlich, als er wieder hinter seinen Händen hervorkam.

„Also Mac, was ist nun passiert?" Stella wollte es wirklich unbedingt wissen, während Lindsay Sheldon flüsternd in die letzten Details einweihte.

„Wir unterhielten uns über unsere Erfahrungen mit Männern und dann fragte er mich, ob ich im Moment verliebt sei. Ich habe ihm offen und ehrlich geantwortet. Das einzige Detail, dass ich weggelassen habe, war, in wen ich verliebt bin." fasste ich den Inhalt des Abends zusammen.

„Und bevor ihr mich jetzt dafür steinigt: Danny ist auch verliebt. Ich war ganz froh, dass ich ihm nichts gesagt habe."

Stella seufzte. „Mist." Dann sah sie Lindsay an.

„Hey, schau mich nicht so an." protestierte Miss Monroe. „Danny und ich flirten zwar, aber das ist es auch schon."

„Er ist nicht in Don verliebt." fügte ich dann hinzu.

„Du hast ihn gefragt?" Wieder war es Stella, die nachbohrte. Ich nickte.

„Guter Junge." sagte sie, und tätschelte meine Hand.

„Scheiß Situation." kommentierte Lindsay schließlich und nahm einen weiteren Schluck von ihrem Wein. Ich zuckte nur mit den Schultern.

„Hatte ich auch mal, im letzten Jahr in der Highschool. War ein guter Freund von mir. Am Ende stellte sich heraus, dass er in meine beste Freundin verliebt war. Ich war heilfroh, dass ich ihm nicht gesagt hatte, was ich empfunden habe. Inzwischen sind die beiden seit über fünf Jahren verheiratet. Und ich bin dankbar, dass wir kaum Kontakt mehr haben."

„Danny sagte, es wäre ein Mann." warf ich ein. Wieso sollte ich nicht die Fähigkeiten meines Teams, das offensichtlich auch noch Spaß am Lösen solcher Rätsel hatte, nicht auch mal für mein Liebesleben einsetzen.

„Na, das ist doch gut, oder?" fragte Sheldon.

Mir fiel auf, dass Don Flack überraschend ruhig war.

„Don?" fragte ich schließlich, und berührte ihn sanft am Unterarm. Er schüttelte kaum merklich den Kopf. Offensichtlich wollte er nicht reden. Aber dann waren auch schon alle Augen auf ihn gerichtet. In diesem Moment tauchte Danny auf, und mein Herz machte einen Sprung. Ich hoffte sehr, dass die anderen nichts zu ihm sagen würden.

„Ich habe es vor einigen Tagen meinen Eltern gesagt." erklärte Don schließlich. Danny bestellte auch ein Bier, und sah Flack dann wieder an. Keiner fragte, was er seinen Eltern gesagt hatte, alle wussten irgendwie, dass es um sein Coming Out ging.

„Mein Vater ist total ausgeflippt." Dons Stimme wurde immer leiser. „Er hat gesagt, er will mich enterben, und dass so ein Perverser nicht sein Sohn wäre. Meine Mutter hat nur leise geweint…" Ich sah Tränen in Dons Augen. Ohne groß darüber nachzudenken legte ich meinen Arm um seine Schulter und zog ihn etwas zu mir heran. In dem Moment brach wohl etwas in Don Flack, denn er fing wirklich an zu weinen.

„Seitdem… habe… ich nichts mehr… von ihnen… gehört." brachte er mühsam hervor, während er immer wieder schluchzte. Stella reichte ihm ein Taschentuch herüber und legte eine Hand auf seinen Arm.

Keiner von uns konnte wohl so wirklich nachempfinden, was Don gerade durchmachte. Ich spürte eine Hand an meinem Arm, der immer noch Don hielt, die sich auf seine Schulter legte. Unser neustes Teammitglied versuchte ihm Mut zuzusprechen.

„Don, wir sind für dich da, egal was passiert." sagte sie leise, in ihrer sehr beruhigenden Stimme. Alle Anwesenden nickten.

„Genau." pflichtete Danny ihr verbal bei. „Montana hat vollkommen Recht. Don, wir sind doch auch deine Familie…" Ich musste lächeln, als Danny das sagte, denn irgendwie sah ich mein Team wirklich inzwischen als eine Art Familie an. Wenn man so viel Zeit zusammen verbrachte wie wir, dann musste man zwangsläufig zusammenwachsen.

„Danke." murmelte Flack leise, während er seine Nase putzte und seine Tränen wegwischte. Wir merkten alle, dass es ihm wohl peinlich war vor uns so in Tränen ausgebrochen zu sein. Und ich bemerkte gleichzeitig, dass ich irgendwie das Bedürfnis hatte, Don Flack senior mal einen Besuch abzustatten und ihm die Meinung zu sagen. Ich kannte nicht viele Menschen die einen so noblen Charakter hatten wie Don Flack junior. Außerdem hatte ich das Gefühl, dass langsam vielleicht die Zeit nahte, mit meinen eigenen Eltern zu reden. Allerdings fragte ich mich, wie sie es wohl aufnehmen würden, immerhin waren Mum und Dad nicht mehr die Jüngsten. Sie gingen langsam aber sicher auf die 80 zu. 2

Und irgendwie hatte ich mir den Abend bei Sullivans auch lustiger vorgestellt. Ich hatte nicht erwartet erst von allen ausgequetscht zu werden und dann Don Flack trösten zu müssen.

„Also, Danny, wer ist es?" fragte Stella schließlich und brach damit die Stimmung.

„Wer ist wer?" fragte Danny total perplex. Er hatte unsere Unterhaltung vorhin ja nicht mitbekommen.

„Mac erzählte, dass du verliebt bist…" Sie zog das Wort ‚verliebt' in die Länge, sprach es so aus, als wäre es etwas Undenkbares für Danny. Was mich daran erinnerte, dass ich ihm mal sagte, dass es ihm auch passieren könnte, dass er sich verliebte. Allerdings hatte ich in dem Moment nicht daran gedacht, dass ich mich in ihn verlieben würde.

„So, Mac hat also geplaudert…" begann Danny. „Hat er euch denn auch verraten, in wen er verliebt ist?"

In meinem Kopf fingen alle Alarmlampen an zu Blinken. Ich hoffte inständig, dass sie alle die Klappe hielten.

„Hat er." sagte Stella.

„Und?" fragte Danny. „Mir hat er es nämlich nicht gesagt…" Er zog einen gespielten Schmollmund.

„Wenn er es dir nicht sagt, dann sagen wir es dir auch nicht." sagte Lindsay.

„Dann sag ich euch auch nicht, wer es bei mir ist."

„Okay." antwortete Stella. Damit war das Thema erst mal erledigt.

Ich winkte unseren Kellner heran und orderte eine Flasche Tequila, sechs Gläser, Salz, und jede Menge Zitronenscheiben. Keine zwei Minuten später stellte er das Gewünschte auf unseren Tisch. Fünf Augenpaare sahen mich an.

„Ich wollte mich heute Abend betrinken… Mit Bier dauert mir das zu lange." sagte ich schlicht und ergreifend.

„Mac!" kam es von Stella. Sie erschien total verblüfft. Anscheinen begann ich immer mehr dazu zu neigen mich nicht mehr wie der typische Mac Taylor zu verhalten. „Ich fahr dich aber nachher nicht nach Hause…" sagte sie schließlich, während ich die Gläser füllte.

„Ich dachte auch eher, dass wir uns vielleicht ein Taxi teilen würden." Ich schob jedem meiner Teammitglieder ein Glas zu und stellte den Teller mit den Zitronen etwas mehr in die Mitte des Tisches, bevor ich mir eine halbe Scheibe nahm. Ich strich mir mit der Schnittkante über den Teil meines Handrückens meiner linken Hand, der zwischen Daumen und Zeigefinger lag. Dann griff ich nach dem Salzstreuer und verteilte das Salz auf der Haut. Der Zitronensaft brachte es wunderbar dazu zu haften.

Die anderen folgten meinem Beispiel, doch Danny war derjenige, der mir den Salzstreuer aus der Hand nahm, wobei sich unsere Finger berührten. Er war aufgestanden und um den Tisch herumgegangen. Die Berührung war wie ein Stromschlag, unsere Blicke bohrten sich ineinander. Ich war unfähig den Salzstreuer loszulassen, bis ich merkte, dass die Blicke aller auf uns ruhten. Nachdem ich losgelassen hatte bestreute Danny schnell seinen Handrücken mit Salz, ging um den Tisch herum und reicht den Streuer an Lindsay weiter. Es dauerte ein bisschen, und schließlich bat ich unseren Kellner um einen zweiten Salzstreuer. Die zweite Runde sollte dann doch später etwas schneller gehen.

Es war Lindsay, die etwas unsicher in die Runde schaute, und auch Don Flack wirkte nicht so, als hätte er schon viele Tequila-Shots getrunken.

„Salz – Tequila – Zitrone." erklärte ich kurz die Reihenfolge. Lindsay erschien immer noch nicht viel sicherer. „Also, du leckst erst das Salz von deiner Hand, dann kippst du den Tequila runter, knallst meist das Glas danach auf den Tisch und beißt dann in den Zitronenschnitz." versuchte ich das Ganze etwas deutlicher zu machen. Das Stück Zitronenscheibe hielt ich in meiner linken Hand, auf deren Handrücken auch das Salz haftete. Mit der rechten Hand griff ich nach meinem Tequilaglas.

„Fertig?" fragte ich schließlich in die Runde. Alle nickten, wenn auch das Nicken von Lindsay und Don eher zögerlich war.

Ich leckte das Salz von meinem Handrücken und kippte sofort den Tequila herunter. Ich schluckte, haute gleichzeitig das leere Glas relativ kräftig auf den Tisch, und während ich in den Zitronenschnitz biss hörte ich die Gläser von Danny und Stella fast Zeitgleich auf dem Tisch landen. Sheldon brauchte einen Moment länger, Lindsay und Don folgten als letztes. Ich schüttelte mich angesichts der Säure der Zitrone, während der Alkohol schon anfing meinen Bauch von innen zu wärmen.

„Bäh, das ist ja widerlich." kam es von Lindsay, die sich immer noch schüttelte. „Ich glaube, ich bleib lieber bei meinem Wein."

Ein kleines Lachen ging durch die Runde. „Ich halt mich aber auch lieber an mein Bier." gestand Don schließlich. Ich merkte schon, das würde eher eine kleine Runde werden, die sich vollkommen die Kante gab. „Hawkes?" fragte ich unseren früheren Gerichtsmediziner. Es hatte mich schon gewundert, dass er vorhin einen Whiskey bestellt hatte.

„Ich denke, ich halte mich jetzt lieber an Wasser, genug Alkohol für diesen Abend. – Okay, vielleicht ein Glas Orangensaft." Der Kellner tauchte auf und nahm die neuen Bestellungen auf, während ich Danny und Stella ansah.

„Dann sind es wohl nur noch wir drei." Danny nickte, ebenso wie Stella. Die beiden ließen mich nicht hängen, und besonders bei Danny freute es mich. Wobei ich mich allerdings schon fragte, ob er nicht nur einfach die Chance ausnutzte, sich auf Kosten des Bosses zu betrinken.

Flack bemerkte, dass Danny von Stella und mir viel zu weit weg saß. Wir hatten den Sechser-Tisch nach und nach gefüllt, Danny saß mir genau gegenüber, er war ja als letztes gekommen.

„Hey Messer, wir tauschen Plätze." sagte Don. Er grinste verschmitzt als er sagte: „Du musst dich noch nicht mal von Lindsay trennen…"

Es stimmte, Lindsay saß genau zwischen Danny und Don. Ich fragte mich, ob Don gerade damit anfing, Danny für seine Flirterei mit Lindsay aufzuziehen. Es war mir zwar inzwischen klar, dass es eine reine Spaß-Sache zwischen den beiden war, und nicht von tieferer Bedeutung. Irgendwie machte es das ganze amüsant.

Tatsächlich fand ich mich Augenblicke später zwischen Stella und Danny wieder und schenkte die nächste Runde Tequila ein. Lindsay und Flack stießen mit Hawkes an, der tatsächlich jetzt ein Glas Orangensaft in der Hand hielt, während Lindsay ein weiteres Glas Wein und Flack ein weiteres Glas Bier vor sich hatte.

Dieses Mal knallten die Gläser von Danny, Stella und mir fast gleichzeitig auf den Tisch. Der zweite Salzstreuer war auch ganz praktisch, auch wenn ich gerne noch mal, rein zufällig natürlich, Dannys Hand berührt hätte.

Wir redeten über verschiedene Dinge: Stella erzählte von einer Kunstausstellung, die sie kürzlich gesehen hatte, Danny berichtete wiederum von den aktuellen Baseballergebnissen, und Lindsay berichtete total fasziniert von den großen und kleinen Unterschieden zwischen dem Leben in Montana und ihrem neuen Leben hier in der ‚großen Stadt'. Flack und Hawkes schienen sich über die kuriosesten Leichen zu unterhalten, die sie gesehen hatten.

„Eigentlich wollte ich mal nicht über tote Körper reden oder sie sehen…" sagte ich schließlich, und sie beendeten ihre Diskussion über die ungewöhnlichsten Todesarten. Es gab wirklich Augenblicke in denen ich mal nicht von Mord und Todschlag verfolgt werden wollte. So kam es, dass Lindsay, Don und Sheldon Minuten später sich darüber unterhielten, ob der Central Park nun wirklich als Natur zu bezeichnen war, oder eher als künstlich angelegte grüne Oase in der Stadt, wobei Lindsay definitiv den Standpunkt vertrat, dass der Central Park ein Scheiß war, im Vergleich zu der unberührten Natur in Montana. ‚Scheiß' war ihre Wortwahl, nicht meine.

Ich bekam das Gespräch der drei Detectives jedoch nicht ganz mit, da Stella anscheinend beschlossen hatte, Danny noch mal in die Mangel zu nehmen, in wen er denn nun verliebt sei. Und es interessierte mich natürlich auch. Deshalb versuchte ich wohl auch dafür zu sorgen, dass er immer genug Tequila in seinem Glas hatte, und wir leerten Glas um Glas, während Stella weiterbohrte.

„Kenn ich ihn?"

„Kann sein." antwortete Danny ausweichend.

„Ist es jemand von der Arbeit."

„Möglich."

In meinem Kopf ging ich alle Männer durch, die Danny von der Arbeit her kennen könnte und die schon mal verheiratet waren. Irgendwie fiel mir spontan nur Sid Hammerback ein, und irgendwie bezweifelte ich das nun doch.

Nach dem achten Tequila war die Flasche fast leer und Danny, Stella und ich dafür ziemlich voll.

„Danny… Wieso sagst du nicht einfach, in wen du dich verliebt hast…" probierte es Stella noch ein Mal. Die Frau konnte einfach nicht aufhören, sie musste immer alles wissen. Irgendwie reichte es mir, außerdem merkte ich, dass meine Blase sich bemerkbar machte, und so verabschiedete ich mich kurz auf die Toilette.

Das kalte Wasser beim Händewaschen war angenehm. Ich spritzte mir etwas Wasser ins Gesicht, bevor ich die so benetzte Haut und meine Hände dann abtrocknete. Dann kehrte ich an unseren Tisch zurück.

Die Stimmung war total anders, als sie es noch vor wenigen Minuten gewesen war. Alle sahen mich an, Dannys Blick ein bisschen ängstlich, Stellas Blick gespannt, ebenso wie der von Sheldon, Don und Lindsay.

„Was ist? Habe ich Klopapier am Schuh hängen?" fragte ich, bevor ich beide Fußsohlen kontrollierte. Nein, kein Toilettenpapier. Aber dafür merkte ich, dass mein Gleichgewichtssinn sich langsam verabschiedete. Ich stützte mich am Stuhl von Lindsay ab, bis ich mein Gleichgewicht soweit wieder gefunden hatte, dass ich zu meinem Platz zurückkehren konnte. Dann schenkte ich die letzte Runde Tequila ein, denn damit war die Flasche dann leer.

„Zum Wohl!"

Stella und Danny stießen mit mir an, wobei ich merkte, dass Stella mich und Danny plötzlich ganz genau im Auge behielt, während Danny etwas unsicherer wurde. Unsere Gläser klirrten aneinander und der Tequila floss über unsere Finger. Ungeachtet dieser Tatsache kippte ich das klare alkoholische Getränk herunter und biss erneut herzhaft in eine weitere Zitronenscheibe. Ich suchte nach einem Taschentuch in meiner Hosentasche um mir die vom Alkohol nassen und von der Zitrone wieder etwas klebrigen Finger abzuwischen, beschloss dann aber, erneut auf die Toilette zu gehen, dieses Mal nur zum Hände waschen.

„Ich geh mir die Hände waschen."

„Ich komm mit." sagte Danny, etwas zögerlich.

Auch Stella erhob sich. Ich ließ ihr den Vortritt, und auch Danny ging vor mir in Richtung der Toiletten. Mein Blick blieb an seinem Hintern hängen. War es mir vorher nur nie aufgefallen, oder lenkte der Alkohol in meinem Blut gerade meinen Blick besonders auf diesen Körperteil von Danny? Auf jeden Fall gefiel mir der Anblick, der sich da bot. Schließlich trennten sich unsere Wege: Während Stella in die Damentoilette ging, betrat Danny vor mir die Herrentoilette. Ich sah in den Spiegel über den beiden Waschbecken und schaute genau in Dannys blau-grüne Augen. Verzweifelt versuchte ich mich darauf zu konzentrieren, mir die Hände zu waschen, aber ebenso wie mein Blick an seinem hin, hing sein Blick an mir. Ich konnte nicht sagen, was dahinter steckte. Ich konnte diese grün-blauen Augen von ihm nicht lesen. Ich konnte ja noch nicht mal sagen, ob sie nun grün oder blau waren, denn irgendwie waren sie beides.

Ich fragte mich, was in Dannys Kopf vor sich ging. Und ich merkte, dass mir der Alkohol definitiv zu Kopf gestiegen war. Ich ließ weiter kaltes Wasser über meine Hände laufen, vielleicht sogar minutenlang, bevor ich den Hahn zudrehte und nach den Papiertüchern griff. Erst jetzt löste sich mein Blick von Danny, aber nicht für lange. Auch er griff nach den Papiertüchern. Ich trocknete meine Hände, warf die Tücher weg, sah wie Danny das gleiche tat, und dann…

…dann packte ich ihn am Kragen seines T-Shirts und drückte ihn gegen die Wand und küsste ihn.

Wie lange hatte ich schon darauf gewartet das mal zu tun? Ich wusste es nicht. Ich wusste in diesem Moment nur, dass ich ihm so nahe war, wie noch nie, so verdammt nahe. Meine Hände lösten sich von seinem Kragen, glitten über seine Brust, während meine Lippen sich etwas öffneten.

Zuerst war er starr unter meiner plötzlichen Attacke, dann wurde sein Körper nachgiebiger. Ich erwartete fast, dass er mich wegschieben würde, aber er tat es nicht. Seine Hände tasteten über meinen Rücken, streichelten darüber, suchten Halt. Seine eine Hand glitt tiefer, bis sie auf meinem Po ruhte. Er fasste etwas fester zu, und unter der Berührung stöhnte ich leicht gegen seinen Mund. Ich hätte nie gedacht, dass es sich so gut anfühlen würde, von ihm so berührt zu werden.

Sein Mund öffnete sich etwas, seine Lippen teilten sich und seine Zunge strich über meine leicht geöffneten Lippen. Ich begann mich zu fragen, wer hier wen küsste. Und ich fragte mich plötzlich wieso zum Teufel ich Danny küsste. So ohne jede Vorwarnung. Doch mein Körper hatte in diesem Moment seinen eigenen Willen und reagierte nicht auf die Dinge, die mein Hirn versuchte ihm durch den Alkohol hindurch mitzuteilen. Meine Zunge begrüßte Dannys Zunge in meinem Mund, umkreiste sie, und wagte sich sogar etwas in seine Mundhöhle vor, während meine Hände über seinen Bauch und seine Leisten strichen und schließlich auf seinem unteren Rücken ruhten. Noch traute ich mich nicht ebenso seinen Hintern sanft etwas zu massieren, aber unsere Körper drängten näher zueinander.

Ich wusste in diesem Moment, dass er spüren würde, wie sehr mich die Situation erregte. Doch auch ich spürte etwas: Ihm ging es nicht anders als mir.

Meine Hände glitten gerade tiefer, berührten seine Pobacken, drückten sie sanft, als die Tür der Herrentoilette einfach aufgestoßen wurde und Stella ihren Kopf hereinsteckte. Natürlich sah ich sie zuerst nicht, ich hatte meine Augen geschlossen um mich ganz darauf zu konzentrieren, wie sich Danny anfühlte, wie er schmeckte und wie er roch.

„Alles okay bei euch, Jungs?" fragte sie in die Toilette hinein, bevor sie uns sah. Doch dann erblickte sie uns und erstarrte, bevor wir beide auseinander schreckten.

„'Tschuldigung, ich wollte nicht stören…" Sie hatte ihr typisches Stella-Grinsen im Gesicht, während sie sich von der Herrentoilette zurückzog.

„Tut mir leid, Danny…" Ich fuhr mir mit der Hand durch die Haare und dann über das Gesicht.

Was war nur in mich gefahren? Welcher Teufel hatte mich nur geritten so etwas zu tun? Ich hatte gerade Danny geküsst!

DANNY!

D-A-N-N-Y!!!

Ich musste verrückt sein, dass ich so was einfach tat. Oder schlicht und ergreifend sturzbetrunken.

„Schon gut, Mac." murmelte er, während er sein T-Shirt etwas zu recht zupfte.

„Ich… Ich hab' die Kontrolle verloren…" versuchte ich zu erklären. „Der Tequila…"

„Mac, es ist okay." beschwichtigte er mich.

Nein, es war nicht okay. Das hätte nicht passieren dürfen. Ich hatte das Gefühl, als hätte ich Danny benutzt. Vielleicht hatte ich das auch. Gleichzeitig fühlte ich immer noch seine Lippen auf meinen und seinen Bart auf meiner Haut. Himmel, es war ein toller Kuss gewesen, und am liebsten wollte ich noch mehr davon. Aber Danny war in jemanden verliebt, und ich wollte ganz gewiss nicht etwas kaputt machen. Das letzte was ich wollte, war Danny wehtun. Doch das war mir erst klar geworden, nachdem ich ihm bereits wehgetan hatte. Ich erinnerte mich wieder an seinen verletzten Blick an dem Tag, als ich feststellte, dass ich in ihn verliebt war, als er wissen wollte, ob alles zwischen uns in Ordnung wäre. Ihm damals nicht zu sagen, dass alles wieder in Ordnung wäre, das hatte ihm wehgetan.

„Ich…" Er schnitt mir jedes weitere Wort ab.

„Lass uns wieder zu den anderen zurückgehen."

Bevor ich noch irgendetwas sagen konnte war er auch schon zur Tür hinaus.

Als wir am Tisch ankamen herrschte eine geradezu gespenstige Stille. Alle sahen uns an. Ich hätte jede Wette darauf abgeschlossen, dass Stella allen sofort erzählt hatte, was sie in der Toilette gesehen hatte. Vermutlich dachte sie ja auch, ich hätte Danny endlich gesagt, was ich empfand. Sie konnte ja nicht wissen, dass ich nicht meine Zähne auseinander bekommen hatte, zumindest nicht dafür. Stattdessen hatte mein alkoholvernebeltes Gehirn mich dazu gebracht Danny einfach zu küssen und seinen alkoholisierten Zustand so auszunutzen.

„Flack, bringst du mich nach Hause?" fragte Danny Don. Mein Blick war sofort auf Danny gerichtet, auf dem Weg zurück zum Tisch hatte ich mich nicht getraut ihn anzusehen, aber seine Worte jetzt… Ich hatte das Gefühl, als hätte ich ihn vertrieben, dabei hatte er gerade noch gesagt, dass alles okay wäre… Natürlich war nichts okay. Wie konnte denn auch schon alles okay sein, wenn dein Boss und Freund dich einfach auf einer Herrentoilette küsst?

Don nickte Danny zu und ging zum Tresen, Danny folgte ihm. Sie beglichen beide ihre Rechnung, und ich stand da wie ein begossener Pudel. Ich fühlte mich hundsmiserabel.

„Stella, ich glaube, ich möchte auch nach Hause." Das Gefühl vom Alkohol, das gerade noch beschwingt war kippte. Ich wusste nicht, ob ich mich gleich würde übergeben müssen oder nicht.

Stella nickte nur, etwas bekümmert. Danny und Don winkten uns nur noch zu, und ich hob müde meine Hand um zurückzuwinken. Irgendetwas war in Dannys Blick. Ich wusste nicht was, ob es Traurigkeit war, oder einfach nur der Alkohol seinen Blick verschleierte.

Ich begann mich zu fragen, ob ich es mir nur eingebildet hatte, dass Dannys Körper auf die Nähe meines Körpers ebenso erregt reagiert hatte, wie ich. Ich schob es auf sein doch noch jugendliches Alter. Und außerdem wusste ich ja nicht, ob er nicht besonders empfänglich für körperliche Nähe war und sofort auf bestimmte Berührungen ansprang. Ich erinnerte mich an unser Gespräch, in dem es auch um das Thema Kuscheln ging. Vielleicht kuschelte Danny nicht in der Öffentlichkeit, weil er sofort auf solche Intimitäten ansprang. Das wäre zumindest eine Erklärung. Eigentlich wäre es sogar eine Erklärung für beides: Für sein Nicht-Kuscheln und dafür, dass er auf den Kuss schon mit einer Erektion reagierte. Und ein Kuss war etwas viel intimeres als zu kuscheln.

Stella begleitete mich zur Bar, wo ich die Rechnung für die Flasche Tequila und mein Bier beglich, während Stella ihren Manhattan bezahlte. Schweigend gesellten sich auch Hawkes und Lindsay zu uns. Alle wussten, was passiert war, aber keiner sagte was. Ich kam mir eh vor wie der letzte Idiot, vielleicht war es auch besser, nicht darüber reden zu müssen.

„Bringst du Lindsay nach Hause?" fragte ich Hawkes. Er hatte vermutlich noch am wenigsten von uns allen getrunken. Ich hatte nicht so genau mitgezählt, wie viele Gläser Wein Lindsay gehabt hatte. Hawkes nickte nur. Er war wirklich ein guter Kerl, und ich war froh Lindsay in seiner Obhut zu wissen. New York war halt nicht Montana.

Kurz darauf standen wir draußen. Stella winkte nach einem Taxi. Die Frau war wirklich tough. Sie hätte mich und Danny vermutlich unter den Tisch getrunken, wenn die Flasche nicht leer gewesen wäre. Danny und Don waren schon weg. Die kühle Nachtluft strich über mein Gesicht, ich lehnte mich gegen eine Wand. Schon wieder kam leichte Übelkeit auf.

„Bis Übermorgen, Mac." Verabschiedete sich Lindsay und nahm mich kurz in den Arm.

„Bis dann, Mac." Sheldon klopfte mir auf die Schulter. Dann verabschiedeten sich die beiden von Stella, bevor sie in ihr Taxi stiegen.

Schnell winkte meine Kollegin und Freundin ein weiteres Taxi heran und bugsierte mich in das Fahrzeuginnere. Sie nannte dem Fahrer meine Adresse. Ich lehnte meinen Kopf gegen die kühle Fensterscheibe des Seitenfensters, nachdem ich es etwas heruntergekurbelt hatte. Ich brauchte die frische Luft.

Ich war wirklich dankbar, dass Stella nichts sagte. Irgendwie hatte ich das Gefühl als wäre sie enttäuscht. Aber ich schwieg. Ich schloss die Augen und hoffte einfach, dass das Gefühl, das alles sich drehen würde, bald aufhören würde.


1 In diesem Kapitel nehme ich Bezug auf die Crossover-Episode mit CSI:Miami aus der zweiten Staffel. Da es sich bei der Folge um Episode Nummer 7 handelt, habe ich sie chronologisch in die restlichen Folgen eingeordnet, obwohl sie in Deutschland erst viel später übertragen wurde.

2 In der neunten Folge der dritten Staffel wird zum ersten Mal auf Macs Eltern bzw. vor allem seinen Vater eingegangen. Als ich die Passage schrieb war die Folge noch nicht ausgestrahlt. Hier wird die Geschichte somit also definitiv AU. Ich bitte es einfach zu ignorieren, so wie ich praktisch jedes Vorkommnis der dritten Staffel ignoriere (insbesondere den Teil, der die dritte Staffel eröffnet).