Autorenanmerkung: Gestern ging hier der Dokumentenuploader nicht. Ich habe es unzählige Male funktioniert, bin froh, dass es jetzt geht.

Dank erneut an frl-smilla und QueenAlex. Mit Lesern wie euch macht das Schreiben Spaß. Ich habe bei beiden Reviews gegiggelt wie lange nicht mehr. Da die Alerts und PMs etc. etwas verrückt gespielt haben weiß ich nicht, ob Antworten auf die Reviews angekommen sind, ich glaube QueenAlex bekam gar keinen Reply von mir. Vielleicht auch, weil sich so vieles bereits in diesem Kapitel aufklärt.

Und alles will ich ja nun auch nicht schon im Vorwege verraten, oder?

Kapitel 1 hat jetzt über 200 Hits, und ich habe irgendwie das Gefühl, als gäbe es Neuankömmlinge in der Leserschaft...

Aber vielleicht liege ich ja auch falsch, was sagt Mac immer: "Hör auf die Beweise, nicht auf deinen Bauch." So, oder so ähnlich zumindest. Das muss er irgendwann mal zu Stella gesagt haben. Naja, die Beweise sagen, dass das am wenigsten angeklickte Kapitel a) nicht das letzte ist und b) immerhin doch 14 Hits hat. Oder liest hier jemand alles mehrmals? (Insgesamt liegt die Hitzahl knapp unter 500, was mich doch sehr freut.)

Nebenbei sei noch erwähnt, dass ich in meinem Forum (Link im Profil) die Geschichte gestern schon updatete, dafür hing ich sonst oft hinterher. Allerdings kann man dort wirklich nur angemeldet lesen.

Naja, wie auch immer, genug gelabert. Wenn das hier überhaupt jemand liest. Viel Spaß mit dem nächsten Kapitel.


Kapitel 15: Verhör durch Stella

„Okay. Und jetzt erzählst du mir alles."

Stella war gnadenlos. Ich saß auf meinem Sofa, die Welt um mich herum spielte immer noch Karussell, aber in meiner Hand war ein Kaffeepott, voll mit stark duftendem Kaffee. Ich nahm einen kleinen Schluck.

Und hätte ihn fast wieder ausgespuckt.

Stella hatte wirklich starken Kaffee gekocht. Ich glaube, wenn ein Löffel dabei gewesen wäre, er hätte senkrecht in der Mitte des Pottes stehen können.

Erneut schloss ich kurz die Augen.

„Austrinken, Mac." kommandierte Stella.

Keine Chance ihr irgendwas entgegen zu setzen. Nicht, dass ich es wirklich gewollt hätte. Und in meinem aktuellen Zustand war es eh aussichtslos. Ich wunderte mich, wie sie immer noch so aufrecht stand. Andererseits hatte sie ja auch nicht Danny auf der Herrentoilette geküsst. Nein, sie hatte nur mich mit ihm überraschen müssen.

Ich nahm einen weiteren Schluck von dem Kaffee und musste eingestehen, dass ich schon schlimmeres getrunken hatte. Bei den Marines konnte man nicht wählerisch sein, und nicht jeder war ein geborener Meisterkoch. Auch für Kaffee musste man ein paar Fähigkeiten mit sich bringen, und so hatte ich schon manche Brühe heruntergewürgt, teilweise so dünn, dass ich glaubte mir das Aroma von Kaffee nur einzubilden. Dann doch lieber Stellas verdammt starken Kaffee.

„Also Mac, was war das nun vorhin?"

Musste sie mich wirklich zu diesem Zeitpunkt in die Mangel nehmen? Konnte sie mich nicht einfach in mein Bett stecken und mich meinen Rausch ausschlafen lassen?

„Wieso bist du nicht ebenso dicht wie ich?" fragte ich sie, anstatt ihr eine Antwort zu geben.

„Solide Grundlage." antwortete sie. Anscheinend war mein Gesicht ebenso wie mein Gehirn der Meinung, dass diese Antwort keinen Sinn machte. „Ich hatte ein vernünftiges Abendessen." Das erklärte definitiv mehr. Was mich daran erinnerte, dass ich den Tag über wirklich wenig gegessen hatte. Andererseits sagte mein Magen gerade, dass er auch jetzt noch nichts wollte.

„Mac?" fragte Stella etwas sanfter, bevor sie sich neben mich auf das Sofa setzte. Ich spürte eine ihrer Hände auf meinem Unterarm. „Du hast Danny vorhin geküsst…"

Daran hätte ich mich auch ohne ihre Worte mein ganzes Leben lang dran erinnern können. Es war anders, als mein erster Kuss mit Claire, definitiv. Und vor allem war die Erinnerung viel frischer. Aber ich konnte nicht sagen, dass es mir weniger bedeutete. Nur war dies vermutlich das dichteste, das ich an Danny herankommen konnte.

„Hm." brummelte ich schließlich zustimmend.

„Und wieso bin ich dann hier und nicht er?" Sie war halb aufgesprungen und aufgebracht. Ihre Stimme hatte sich etwas erhoben.

„Stella, bitte…" Ich versuchte sie zu beschwichtigen, während ich das Pochen in meinem Kopf schon kommen hörte. Ich würde am nächsten Tag einen mordsmäßigen Kater haben. Und eigentlich wollte ich jetzt nur noch schlafen und nicht mit Stella jede Einzelheit des Abends durchkauen.

„Hast du ihm gesagt, was du für ihn empfindest?" fragte sie, nachdem sie sich wieder etwas gesammelt hatte. Ich war dankbar, dass sie ihre Stimme wieder etwas gesenkt hatte.

Stumm schüttelte ich den Kopf.

„Aber du hast ihn geküsst." Es war keine Frage, es war eine Feststellung. Was sollte Stella auch fragen, sie hatte es ja mit eigenen Augen gesehen.

„Ja. Und ich weiß nicht, ob ich… mich darüber freuen soll, oder es bedauern soll."

„Mac!" Stella stöhnte auf, während sie sich nach hinten lehnte und ihren Kopf auf die Lehne des Sofas legte.

„Ich habe mich danach bei Danny entschuldigt… Aber irgendwie…"

„Du hast dich dafür entschuldigt, dass du ihn geküsst hast?!"

Sie wurde wieder laut, und ich wollte nur noch ins Bett.

„Was sollte ich denn sonst tun?" Ich trank den Becher Kaffee aus. Irgendwie hoffte ich, dass ich vielleicht über Nacht noch einen Blackout bekäme und Danny später sagen könnte, ich könnte mich an nichts mehr erinnern, und das ohne zu lügen. Auf der anderen Seite wollte ich nicht eine Sekunde vergessen: Seine Lippen auf meinen, seine Zunge in meinem Mund, seine Hände auf meinem Hintern…

„Ihm sagen, dass du ihn liebst?" schlug Stella vor. Es erschien mir eher wie eine rhetorische Frage, als ich sie stellte, trotzdem hatte sie sie beantwortet, wenn auch mit einer halben Gegenfrage.

„Ich kann Danny doch nicht sagen… - Er ist in jemanden verliebt. Ich sollte mich da nicht einmischen."

„Sag mal, Mac, wie verbohrt bist du eigentlich?"

Jetzt hatte sie meine Aufmerksamkeit.

„Ich meine: Du bist einer derjenigen, der am schnellsten die Hinweise an einem Tatort zusammenzählen kann. Wie oft hast du schon gewusst, wer der Mörder war, noch bevor ich überhaupt in die Nähe kam?"

Ich zuckte mit den Schultern, denn ich hatte wirklich keine Ahnung.

„Danny ist in dich verliebt. In DICH!"

Ich schaute sie an. Mein Blick muss ziemlich ungläubig, fassungslos, verdutzt und bestimmt noch einiges mehr gewesen sein. Ich konnte nicht glauben, was sie da sagte.

„Du musst dich irren." antwortete ich ihr einfach nur.

Stella ging oft ihren Gefühlen nach, ihren Instinkten. Aber am Ende zählten nur die Beweise. Und für mich gab es keinen Hinweis, dass Danny wirklich was für mich empfand. Okay, wenn man mal von Lindsays Bemerkung absah, aber von der hatte ich ja niemandem was erzählt.

„Ich irre mich nicht." behauptete Stella steif und fest.

„Woher willst du das denn nun so genau wissen? Danny könnte in jeden Polizisten der New Yorker Polizei verliebt sein, der schon mal verheiratet war. Oder vielleicht sogar noch ist. Sagt ja niemand, dass er nicht schon wieder verheiratet ist."

„Mac, du willst es nicht sehen, oder? Dabei dachte ich, du würdest Luftsprünge vollführen… Willst du nicht, dass er ebenso für dich empfindet, wie du für ihn?"

„Stella, im Moment will ich nur noch ins Bett." stöhnte ich.

„Okay." Sie gab nach, nahm mir den Kaffeepott aus der Hand und bugsierte mich in mein Bett. Bevor meine Augen zufielen und ich einschlief hörte ich sie noch murmeln: „Aber wir sind noch nicht fertig…"

Am nächsten Morgen weckte mich tatsächlich die Sonne. Die andere Seite meines Bettes war zerwühlt. Ich vermutete, dass Stella sich einfach hier über Nacht einquartiert hatte, und ich war ihr auch nicht böse. Aber als erstes kam mir nicht das Verhör der letzten Nacht in den Sinn - nein, als erstes erinnerte ich mich daran, was ich gefühlt hatte, als ich Danny küsste. Ich merkte, wie mein Blut in meine unteren Körperregionen strömte. Verdammt, ich musste Stella aus meinem Apartment bekommen, damit ich etwas gegen den Druck tun konnte, der sich unwillkürlich immer weiter in meinem Körper aufbaute.

„Guten Morgen, Mac!"

Stella kam herein, in der einen Hand ein Glas Wasser, in der anderen Hand Aspirin. Sie schien wirklich gut gelaunt zu sein, entweder sie hatte schon genug Aspirin intus oder sie hatte keinen solchen Kater wie ich. Mein Schädel dröhnte sobald ich mich bewegte. Ich ließ mir von ihr zwei Aspirin reichen und nahm dann das Wasserglas um sie herunterzuspülen.

„Ich habe auch schon Kaffee gemacht." Ich nickte dankbar. Kaffee… Ein echtes Zauberwort, auch wenn ich hoffte, dass er weniger stark sein würde als ihr Gebräu von letzter Nacht. Ich musste mich an unser gemeinsames Essen erinnern: Griechisch, und griechischer Wein. Danach war sie am nächsten Morgen total groggy gewesen, wieso war sie es heute nicht?

Als ich am Tisch vor meinem Kaffee saß bekam ich von ihr davon eine Erklärung präsentiert: Sie hätte ja immerhin letzte Nacht nicht rumgeknutscht. Es hätte irgendwas mit Alkohol und Pheromonen zu tun, dass der Alkohol in der Kombination stärker einschlagen würde. Irgendwie klang es logisch. Und mir fiel wie Schuppen von den Augen, dass Stella wohl an dem Abend dann rumgeknutscht hatte, vielleicht sogar mehr.

„Stella?" begann ich vorsichtig. „Hast du etwa einen Freund?"

Sie lächelte nur verschmitzt, bevor sie wieder mit ihrem Verhör begann, dass sie am Abend auf meine Bitte hin schließlich beendet hatte.

„Mac, Danny ist ebenso verliebt in dich wie du in ihn."

„Woher willst du das wissen?" Ich wollte es wirklich nicht sehen. Er war so viel jünger als ich, und er war mein Untergebener. Ich hatte ihn vor über fünf Jahren für mein Team ausgewählt, ich fühlte mich für ihn verantwortlich. Vermutlich noch ein Grund, weshalb ich mit meinen Gefühlen für ihn so sehr kämpfte, falls ich diesen Grund nicht schon aufgeführt hatte.

„Weil er es uns gestern Abend gestanden hat." antwortete Stella schließlich. Sie sah mich ernst an.

„Wann?" fragte ich.

„Als du auf der Toilette warst." Sie seufzte. „Kaum warst du weg bekamen wir es plötzlich aus ihm herausgekitzelt. Natürlich bat er uns darum dir nichts zu sagen."

„Ihr habt ihm doch nichts gesagt?" Meine erste Reaktion war wirklich diese Frage. Stella schüttelte den Kopf.

„Nein, du könntest uns ja immerhin feuern…" Dann grinste sie. „Aber Danny kann mich ja nicht feuern, ich arbeite ja viel länger schon für dich als er."

Deswegen hatte sie es mir also jetzt gesagt.

„Als ich euch in der Toilette erwischte, da dachte ich schon, du hättest es ihm gesagt, oder er dir. Wir haben alle auf ihn eingeredet, es dir doch zu sagen, aber er sagte, er könnte es nicht."

Das erklärte jetzt die komische Reaktion meines Teams, als ich von der Toilette zurückgekommen war. Der Abend wurde im Nachhinein noch verrückter als er es schon selber gewesen war.

„Bist du dir absolut sicher?" fragte ich Stella.

Sie nickte.

„Wieso hat er mir nichts gesagt?"

„Vermutlich aus ähnlichen Gründen, weshalb du ihm nichts gesagt hast." Stella hatte meistens die einleuchtensten Antworten. „Du bist viel älter als er… Warst sogar schon mal verheiratet… Du bist sein Boss… Ihr arbeitet zusammen… Er wollte eure Freundschaft nicht zerstören… Er hat Angst, dass du seine Gefühle nicht erwiderst."

„Aber das tu ich doch." sagte ich schließlich, und überließ es Stella, den Zusammenhang zusammenzupuzzeln.

„Das weiß ich, das wissen Hawkes, Flack und Lindsay. Aber Danny weiß nicht, was du für ihn empfindest."

„Verdammt." Ich seufzte. „Und anstatt es ihm nach unserem Kuss zu sagen, habe ich mich dafür entschuldigt…"

„Ich vermute, Danny hat es so interpretiert, als dass du nichts für ihn empfindest, dass du ihn nur aus der Laune des Alkohols heraus geküsst hast."

Ich nickte zustimmend, denn das leuchtete mir ein. Und ich hätte mir am liebsten selber dafür in den Arsch getreten, dass ich ihm nicht gesagt hatte, was ich für ihn empfand. Es war so eine perfekte Gelegenheit gewesen. Es wäre so unglaublich gewesen, wenn ich gegen seine Lippen gewispert hätte ‚Ich liebe dich.' Okay, es wäre auch wie in einem schlechten Liebesroman gewesen. Naja, vielleicht auch wie in einem guten. Aber Danny wäre auf jeden Fall nicht so geflohen, wie er es getan hatte. Und ich hatte gedacht, es wäre geschehen, weil ihm peinlich gewesen war, was passiert war. Aber er war gegangen, weil er Angst hatte, verletzt zu werden.

Nur war es wirklich das? Danny war zwar nach seiner letzten Trennung frustriert gewesen, aber er hatte nicht so gewirkt, als hätte es ihn heftig mitgenommen.

„Ich habe ihn auch wegen dem Alkohol geküsst. Aber halt nicht nur."

Ich versuchte meine Gedanken etwas zu sortieren, bevor ich Stella etwas fragen musste.

„Bist du sicher, dass er in mich verliebt ist? Ich meine… So richtig?"

Stella nickte. „Es hat ihn total erwischt. – Erinnerst du dich an den Abend, an dem du mich nachts anriefst um mir zu erzählen, du hättest dich verliebt? Im Nachhinein glaube ich er kam so verstört aus deinem Büro an dem späten Nachmittag, weil er damals schon was für dich empfand. Und ich denke, seine Gefühle für dich sind nicht weniger geworden…"

„Ich sollte mit ihm reden, was?"

Erneut nickte Stella. Dann stand sie auf und legte mir eine Hand auf die Schulter. „Du wirst schon das Richtige tun."

Sie nahm ihre Sachen und ging in Richtung meiner Wohnungstür.

„Bis morgen, Mac."

Ich nickte nur, dann fiel die Tür ins Schloss und ich war allein. Allein mit meinen Gedanken. Ich musste daran denken, was Don Flack am Vorabend auch erzählt hatte. Wie seine Eltern auf sein Coming Out reagiert hatten. Ich kochte immer noch innerlich. Aber ich wusste, was ich an diesem Tag noch alles tun wollte.