Autorenanmerkung: Mein Vorwort wird geradezu schon Tradition. Erneut möchte ich QueenAlex und frl-smilla für ihre Reviews danken. Ich hoffe, die Antworten sind per Mail angekommen. Ich freue mich, dass es jetzt damit ebenso viele Kapitel wie Reviews gab. Mehr Reviews als Kapitel wäre super, aber ich bin schon sehr dankbar, dass ihr beide hier so treu seid und euch immer wieder äußert. Und ihr könnt wohl bestätigen: Ich beiße nicht! Falls jemand erst später eingestiegen ist, dann würde ich mich da auch über Kommentare freuen. Kritik ist willkommen, egal ob in Form eines Lobes (was mich natürlich freut) oder in Form von anderen Anmerkungen. Nichts ist schlimmer als gar keine Reaktion.

Kleine Warnung vor diesem Kapitel: Die Sprache ist gerade in diesem Kapitel etwas härter. Es ergab sich so. Aber nichts, was nicht in einem M-Rating noch im Rahmen ist. Vielleicht ginge sogar noch ein T-Rating, aber: Lieber auf der sicheren Seite sein als später Ärger haben.


Kapitel 16: Die Dinge in Ordnung bringen

Meine Eltern arbeiteten in ihrem Alter beide natürlich nicht mehr. Wenn man mal davon absah, dass sie sich die Gartenarbeit teilten, ebenso wie die ganze Hausarbeit. Es wunderte mich immer wieder, wie lange zwei Menschen miteinander zusammen leben konnten. Sie waren inzwischen über 50 Jahre miteinander verheiratet. Gleichzeitig erinnerte ich mich daran, dass ich mir gewünscht hatte, dass meine Ehe mit Claire ebenso verlaufen würde. Aber es lief eben nicht alles so, wie man es sich wünschte.

Ich griff also zum Telefon und rief meine Eltern an. Meine Mutter nahm ab.

„Hallo Mum."

„Mac!" Sie freute sich wirklich meine Stimme zu hören. „Ist alles in Ordnung bei dir?" Sofort klang ihre Stimme besorgt, und ich wusste, ich sollte öfters mal bei ihr anrufen.

„Ja, Mum, mir geht es gut." Wenn man mal von den Kopfschmerzen dank des Katers absah. Ich hatte meine Zähne geputzt, und das hatte immerhin den üblen Geschmack aus meinem Mund vertrieben, dafür schmeckte der Kaffee dank der Zahnpasta danach gruselig, so dass ich es gar nicht erst probiert hatte, sondern mich gleich an Wasser hielt.

„Ist Dad in der Nähe?"

„Er kommt gerade rein." antwortete sie mir. „Es ist Mac…" hörte ich sie meinem Vater mitteilen.

„Kannst du mich auf den Lautsprecher stellen?" fragte ich.

„Schon geschehen."

„Hi Dad." begrüßte ich meinen Vater.

„Hallo Mac, alles in Ordnung?" hörte ich seine Stimme, etwas entfernter als die meiner Mutter, die ja den Hörer hielt.

„Ja, alles bestens. Aber ich muss euch dringend etwas sagen. Sitzt ihr beide?"

Auch wenn ich meine Eltern nicht sehen konnte, so vermutete ich doch, dass sie einen bedeutungsvollen Blick tauschten.

„Du hast eine neue Freundin…" sagte meine Mutter. „Na endlich."

„Nein, das ist es nicht, Mum." Ich hatte das Gefühl, ihre Enttäuschung durch die Leitung spüren zu können.

„Was ist dann los, Mac?" fragte sie.

„Ich weiß nicht, wie ich euch das sagen sollte." begann ich, und es stimmte. Wie erzählt man seinen Eltern, dass man bisexuell ist, und dass man vielleicht demnächst anstatt einer Freundin, einen Freund mit nach Hause bringt, wenn man seine Eltern denn endlich mal wieder besucht?

„Spuck es aus, Junge." Die Stimme meines Vaters.

„Ihr solltet aber wirklich beide sitzen…" sagte ich besorgt.

„Tun wir." sagte meine Mutter.

„Mum, Dad…" Verdammt, das war schwierig. Das war schwieriger, als ich es erwartet hätte.

„Es gibt da was, was ich euch vielleicht schon vor langer Zeit hätte sagen sollen…" Vielleicht nicht der beste Anfang, aber immerhin. „Ihr wisst, dass es Menschen gibt, die ihr eigenes Geschlecht sexuell anziehend finden?" fragte ich, wobei es eher eine rhetorische Frage war. Natürlich wussten sie es, sie hatten mich aufgeklärt, auch wenn das zu einer Zeit war, als Homosexualität noch nicht so gesellschaftlich akzeptiert war, wie es heute schon der Fall war. „Und ihr wisst auch, dass es Menschen gibt, die sich von beiden Geschlechtern gleichermaßen angezogen fühlen?" fragte ich weiter.

Ich hörte, wie meine Eltern nach Luft schnappten.

„Mac, bist du schwul?" fragte mein Vater. Er klang besorgt, aber nicht böse oder ärgerlich.

„Nein, Dad, aber ich bin bi." Ich hörte, wie meine Eltern beide ausatmeten.

„Ist das alles?" fragte meine Mutter.

„Ja. Und ich dachte, ihr solltet es wissen."

„Bist du dir sicher, Junge, dass das alles ist?" Mein alter Herr konnte manchmal geradezu unheimlich sein.

„Naja…" begann ich herumzudrucksen.

„Mac! Du hast dich verliebt!" stellte meine Mutter freudig fest.

„Hm… Ja." gab ich zögerlich zu.

„Oh, das freut mich ja so für dich." Sie schien wirklich erfreut. „Wie lange seid ihr zwei denn schon zusammen?"

Verdammt!

„Noch gar nicht…" gab ich schließlich zu.

„Oh…" Mum schien enttäuscht.

„Ich muss da noch ein paar Dinge klären…" sagte ich, was auch der Wahrheit entsprach.

„Natürlich." sagte mein Vater.

„Aber du stellst ihn uns hoffentlich irgendwann vor…" Das war wieder die Stimme meine Mutter.

„Ja, wenn sich alles gut entwickelt…" Ich merkte, dass ich dafür wohl beide Daumen würde drücken müssen. Bis Danny und ich ein Paar werden würden, das könnte dauern. Wenn wir es überhaupt so weit schafften.

„Mac, es war schön mal wieder was von dir zu hören. Du solltest öfters anrufen."

„Ja, ich weiß, tut mir leid, Mum."

„Du arbeitest halt viel und hart, trotzdem wäre es schön, etwas öfter was von dir zu hören."

„Ich hab' euch lieb." sagte ich schließlich.

„Wir haben dich auch lieb." antwortete mir meine Mutter für sich und meinen Vater.

„Bis bald." – „Bis bald." Ich legte auf.

Das war besser gelaufen, als ich erwartet hätte. Auch wenn ich es meinen Eltern noch lieber persönlich gesagt hätte. Aber ich war unglaublich stolz auf sie, wie sie es aufgenommen hatten. Um so mehr kochte meine Wut auf Donald Flack senior. Das wäre das nächste, was ich unbedingt abklären müsste. Ich überlegte nicht lange. Aus einer meiner vielen Listen suchte ich die Adresse heraus. Ich hatte von jedem meiner Mitarbeiter eine Liste mit Adressen für den Notfall, wer zu verständigen wäre. Für mich war dies hier ein Notfall, auch wenn ich mich in das Privatleben von Don einmischte. Es war einfach unmöglich, dass seine Eltern so darauf reagiert hatten.

Ich schnappte mir eine Jacke, meine Schlüssel, und stürmte in relativ unformeller Kleidung aus meiner Wohnung.

Ein paar U-Bahnstationen später, und einige Blocks, die ich zu Fuß gelaufen war um etwas Dampf abzulassen, stand ich vor dem Haus, in dem Don Flack senior und seine Frau wohnten. Ich hätte vielleicht vorher anrufen sollen, aber im Moment war ich so wütend (immer noch), dass es mir egal war. Vielleicht war Flack senior gar nicht zu Hause, sondern im Dienst. Wäre mir auch recht. Ich klingelte und wurde, nachdem ich meinen Namen nannte, natürlich mit dem „Detective" vorweg, ohne Probleme ins Haus gelassen. Es dauerte nicht lange, bis ich im richtigen Stockwerk vor der Tür stand, wo mich Donald Flack senior mit ebenso blauen Augen wie Don sie hatte, begrüßte. Sein Gesichtsausdruck wirkte überhaupt nicht glücklich.

Und seine Frau machte den Eindruck, als hätte sie stundenlang geweint.

„Darf ich reinkommen?" fragte ich höflich, auch wenn ich Flack senior am liebsten eine rein gehauen hätte. Wie konnte man nur so herzlos sein und seinen eigenen Sohn dafür verdammen, nur weil er Menschen des gleichen Geschlechts liebte?

„Worum geht es?" fragte Flack senior, mir den Zutritt zur Wohnung verwehrend.

„Es geht um Ihren Sohn." antwortete ich.

„Ich habe keinen Sohn."

Es traf mich ja schon wie ein Schlag in die Magengrube. Ich wollte mir gar nicht vorstellen, wie es wohl für Don war, so etwas von seinem Vater zu hören. Die Tür schloss sich langsam.

„Mister Flack…" probierte ich es, bevor sich die Tür komplett schloss.

„Don…" hörte ich eine weinerliche Stimme hinter der Tür, die ich Mrs. Flack zuordnete.

Die Tür öffnete sich wieder, während Donald Flack senior im Flur nach hinten verschwand stand Mrs. Flack vor mir.

„Kommen Sie doch rein, Detective Taylor." Tränen liefen über ihr Gesicht.

„Danke, Madam." Sie geleitete mich in die Küche.

„Möchten Sie eine Tasse Tee?" fragte sie mich.

„Sehr gerne, danke."

„Was ist mit Don?" fragte sie, und ich merkte, dass sie sich auf das Schlimmste gefasst machte. Instinktiv legte ich eine Hand auf ihre.

„Machen Sie sich keine Sorgen, es geht ihm gut." beruhigte ich sie, bevor ich fortfuhr. „Ihre Reaktion auf sein Coming Out scheint ihm ziemlich zu schaffen zu machen."

„Sie wissen davon?" Mrs. Flack schien überrascht.

„Ja, Madam." antwortete ich ihr.

„Hat er es also schon überall herumerzählt…" hörte ich die Stimme von Donald Flack senior von der Tür der Küche. „Dieser Perverse muss auch noch jedem von seiner Abartigkeit erzählen…"

„Mister Flack…" Er stellte meine Geduld wirklich auf die Probe. „Er ist ihr Sohn. Nichts kann das ändern. Er hat es sich nicht ausgesucht, dass er Männer liebt."

„Männer liebt? Er ist ein Arschficker!"

Mir verschlug es fast die Sprache angesichts einer solchen Aussage. Ich konnte verstehen, wieso Don so verstört war, und am Boden zerstört. Er liebte seinen Vater, er schaute zu ihm auf. Sein Vater war ebenso wie er Polizist, deswegen hatte Don wohl diesen Beruf überhaupt erst gewählt. Und jetzt sah sein Vater so auf ihn herab. Anstatt ihn in den Arm zu nehmen und ihm zu sagen, dass er ihn lieb hatte, hatte er nur Verachtung für Don übrig.

„Don ist ein wunderbarer Mensch mit einem sehr großen Herzen." stellte ich schließlich fest. „Und ich bin stolz ihn meinen Freund nennen zu können." Es war mir egal, wenn das jetzt falsch ankam.

„Noch so eine schwule Sau?"

Meine Augenbrauen wanderten nach oben. „Mister Flack… Das könnte man fast schon als Beamtenbeleidigung ansehen…" Er war aufgebracht. „Und nein, ich bin nicht schwul, ich bin bisexuell. Aber selbst wenn ich es wäre, ihr Sohn ist ein Freund und Mitarbeiter von mir, und ein sehr wertvolles Mitglied meines Teams. Es ist mir egal, wen er liebt, oder was er in seiner Freizeit mit wem tut. Er ist ein Mensch, der mir sehr nahe steht und um den ich mich sorge. Und wenn es ihm nicht gut geht, dann versuche ich alles in meiner Macht stehende um ihm zu helfen."

Es war raus, und es war wichtig, dass es raus war.

„Wie würden Ihre Eltern denn reagieren, wenn Sie ihnen sagen würden, dass Sie es mit einem Mann treiben?" wollte Flack senior von mir wissen.

„Nicht, dass es Sie etwas angeht, aber ich habe meine Eltern heute morgen angerufen und sie über meine Bisexualität aufgeklärt. Und ihnen auch erzählt, dass ich mich in einen Mann verliebt habe. Sie haben mir gesagt, dass sie mich lieb haben und darum gebeten, wenn ich denn mit diesem Mann zusammen komme, ihn ihnen vorzustellen." Das war eine relativ treffende Zusammenfassung meines Telefonats mit meinen Eltern. Don Flack senior schien keineswegs beeindruckt. Er brummelte nur was Unverständliches vor sich hin, bevor er wieder verschwand. Ich vermutete ins Wohnzimmer.

„Dann haben Sie mehr Glück mit ihrem Vater, als Don es hat…" sagte Mrs. Flack leise. Ich nickte nur stumm, bevor ich meinen Tee trank.

„Das stimmt wohl."

„Ich rufe Don die Tage mal an."

„Tun Sie das, er wird sich bestimmt freuen." ermutigte ich sie.

„Er ist Ihnen wirklich wichtig." Erneut nickte ich.

„Er ist einer meine Mitarbeiter und ein Freund."

„Ich verstehe." Sie stand auf, ich stand auch auf. Ich merkte, dass ich hier nichts mehr tun konnte. Es war gut, dass die Situation nicht total eskaliert war. Aber Donald Flack senior war anscheinend zu verbohrt.

„Danke für Ihren Besuch, Detective Taylor." Mrs. Flack schüttelte mir die Hand bevor ich die Wohnung verließ.

Wieder draußen auf der Straße atmete ich erst mal durch. Nicht, dass New Yorks Straßen die beste Luft hatten, aber ich brauchte jetzt Sauerstoff. Ich hatte zwei Sachen erledigt, es blieb nur noch eine Sache für mich zu tun: Ich musste mit Danny reden.

Meine Füße steuerten von alleine auf die nächste U-Bahn-Haltestelle zu. Es gab einfach keine bessere, schnellere und vor allem billigere Möglichkeit sich in New York zu bewegen. Okay, vielleicht war U-Bahn fahren nicht die sicherste Möglichkeit sich fortzubewegen, wenn man daran dachte, wie unheimlich die Bahnhöfe doch nachts waren, andererseits hatten wir auch schon so oft Fälle gehabt, bei denen ein Taxifahrgast tot aufgefunden wurde. Eines der Highlights war sowieso das Skelett auf dem Doppeldecker-Sightseeing-Bus gewesen. Das werde ich wohl nie wieder vergessen, wie Stella und ich am Times Square das Skelett oben auf diesem Bus untersuchten.

Ich wusste genau, wie ich zu Dannys Apartment kam. Ich stieg in die U-Bahn, stieg noch mal um, stieg aus, und lief dann ein paar Blocks. Meine Wut auf Flack senior war noch nicht ganz verraucht. Ich war eigentlich immer noch stinksauer. Wie konnte man nur so… so… Mir fehlten sogar die Worte um zu beschreiben, wie ich das Verhalten von Flack senior seinem Sohn gegenüber empfand. Es tat mir gerade zu Leid, dass er mir keinen Anlass gegeben hatte, der es gerechtfertig hätte, ihm eine rein zuhauen. Nicht, dass ich wirklich gewalttätig bin, aber wenn es um meine Freunde oder meine Familie geht… Und Don war jemand, der mir nach allem nahe stand. Vor allem, da ich der erste war, dem er sich anvertraut hatte.

Bevor ich es überhaupt bemerkt hatte stand ich auch schon vor dem Haus, in dem Dannys Wohnung lag. Ich wusste eigentlich gar nicht, was ich ihm sagen wollte. Irgendwie war ich immer noch nicht bereit, ihm meine Gefühle einzugestehen. Vielleicht war es auch einfach eine totale Schnapsidee überhaupt hier zu sein. Es wäre wohl besser, wenn ich ihm und mir noch etwas Zeit gäbe. Andererseits würde es morgen bei der Arbeit wohl schon etwas komisch werden… Aber was soll's, wir hatten schon schlimmeres durchgemacht.

Ich wollte mich gerade umdrehen und zur U-Bahnstation zurücklaufen um nach Hause zu fahren, als Danny plötzlich vor mir stand, bepackt mit Plastiktüten mit Lebensmitteln.

„Mac?" Er schien eindeutig überrascht mich hier zu sehen. Ich wusste nicht, was da sonst noch in seinen Augen war. Aber irgendwas war da. Doch obwohl Stella mir versichert hatte, dass Danny in mich verliebt war, ich wollte ihr immer noch nicht glauben. Ich vermute, es war dieser Moment, in dem ich beschloss zu warten, bis er mir was sagen würde.

„Hi Danny…" grüßte ich ihn.

„Was machst du denn hier?" fragte er, während er die Plastiktüten von beiden Händen in eine versuchte zu packen. Ich griff einfach nach den Tüten und nahm sie ihm alle aus den Händen, wobei sich unsere Finger berührten. Es war schon wieder wie ein Blitzeinschlag. Jede einzelne Berührung von Danny und mir ließ immer warme Wellen durch meinen Körper schwappen. Es war toll und gleichzeitig unheimlich. Er kramte weiter nach seinen Schlüsseln bevor er schließlich die Tür aufschloss.

„Ich wollte mit dir reden…" antwortete ich ihm schließlich, während wir ins Treppenhaus gingen und ich ihm die Treppe hinauf folgte.

„Wegen gestern Abend?" fragte er, während er weiter an seinem Schlüsselbund herumfingerte und nach dem Schlüssel für seine Wohnungstür suchte. Ich fragte mich, wie er es wohl geschafft hätte, wenn ich ihm nicht seine Einkäufe getragen hätte.

„Ja."

„Weil du mich geküsst hast?"

Oh Gott, wenn er es so aussprach kam ich mir nur noch viel dämlicher vor, dass ich ihn mir einfach geschnappt hatte und geküsst hatte.

„Können wir vielleicht drinnen weiter darüber reden?" bat ich ihn. Er war gerade dabei die Tür aufzuschließen.

„Klar."

Kaum waren wir in seiner Wohnung nahm er mir auch schon die Plastiktüten ab und trug sie in seine Küche, wo er sie auf den Tresen stellte. Dann begann er die Beutel auszupacken. Ich schloss die Tür hinter mir und ging ihm nach. Seine Wohnung war kleiner als meine, aber ich hatte meine früher auch mit Claire geteilt, so dass sie viel eher für zwei Personen konzipiert war. Er hatte wie ich auch eine Küche, die in den Wohnraum überging, aber im Gegensatz zu meiner Wohnzimmerausstattung war sein Fernseher praktisch größer als sein Bücherregal. Danny war gewiss auch belesen, aber er liebte Sport ebenso. An der Wand hingen einige Urkunden und Auszeichnungen und auf einem Regal standen ein paar Pokale.

„Also…" begann Danny wieder.

„Es tut mir leid." entschuldigte ich mich erneut. „Das hätte nicht passieren dürfen… Der Alkohol…"

„Mac, ist das alles?" fragte Danny. Kein ‚Schon okay.' oder ‚Vergiss es.', nur die Frage, ob dies alles wäre. Ich schloss kurz die Augen. Ich wollte ihm nicht sagen, dass da noch mehr war. Ich wollte und konnte nicht. Es war zu früh. Ich hatte immer noch zu viel Angst. Und gerade in unserem Beruf… Ich könnte ihn so leicht verlieren.

Ich schüttelte leicht den Kopf, bevor ich die Augen wieder öffnete und Danny ansah. Alles was ich wollte war ihn in den Arm nehmen und erneut küssen. Ich wollte wieder seine Lippen auf meinen spüren. Und gleichzeitig hatte ich Angst davor. Angst davor, was es verändern würde.

„Was ist da noch, Mac?"

Ich schwieg einige Augenblicke, während mein Blick durch den Raum schweifte, alles andere ansehend als Danny. Schließlich schaute ich auf die Spitzen meiner Schuhe. Ich sollte sie mal wieder putzen.

„Ich kann nicht." murmelte ich, und fragte mich, wo der Mac Taylor geblieben war, der alleine mit seinem Blick seine Mitarbeiter schon zum Zittern brachte. Ich fühlte mich so unglaublich unsicher.

Dann war Danny einfach da und nahm mich in den Arm. Er drückte mich und hielt mich, während in mir etwas brach. Ich spürte Nässe auf meinen Wangen, warme Tränen, die über mein Gesicht liefen. Er ließ mir Zeit, Zeit mein Gesicht in seine Schulter, an seinen Hals zu drücken, Zeit meine Tränen vor ihm zu verbergen, während er merkte, wie das Zittern eines stummen Schluchzens durch meinen Körper lief.

„Alles wird gut." sagte er leise, während er beruhigend über meinen Rücken streichelte. Ich war so unendlich dankbar, dass er da war. Ohne wirklich zu wissen wieso fühlte ich mich Claire gegenüber schuldig. Ich hatte Danny geküsst, und in diesem Moment kam es mir wie ein Verrat an ihr vor. Ich musste weiterleben, aber ich hatte das Gefühl, als hätte ich meine Liebe für sie aufgegeben. Es tat gerade so weh.

Danny hielt mich lange so, und wartete, bis ich mich wieder so weit gesammelt hatte, dass ich mich traute, ihn anzusehen. Außerhalb seines Gesichtsfeldes wischte ich die letzten Tränen weg.

„Danke, Danny." sagte ich leise, während ich ihn langsam losließ. Alles an dieser Situation sagte mir, dass es was ganz besonderes war, was da mit Danny begann, wenn es denn wirklich begann. Ich konnte es immer noch nicht so ganz glauben, und keiner von uns beiden hatte dem anderen bisher seine Gefühle gestanden.

„Ist schon gut, Mac." sagte Danny. „Es ist wegen Claire, oder?"

Ich nickte. Er hatte mich verstanden, ohne dass ich etwas hatte sagen müssen. Wenn es möglich war, dann liebte ich ihn dafür nur noch mehr.

„Ich habe das Gefühl, als würde ich sie verraten."

„Weil du dich wieder verliebt hast?" fragte Danny vorsichtig.

Ich nickte, wobei es noch mehr war.

„Und weil ich dich geküsst habe." fügte ich leise hinzu.

Danny fragte nicht nach, wieso ich ihn geküsst hatte. Anscheinend hatte er meine Alkoholausrede geschluckt. Und irgendwie war ich froh darüber. Es lag ja auch am Alkohol. Der hatte mich so enthemmt, dass ich ihn mir gepackt hatte, anders hätte ich es wohl nie gewagt.

„Tja dann…" sagte Danny.

„…sollte ich wohl besser mal wieder gehen." vollendete ich seinen Satz. Nicht, dass es schon so extrem spät war, aber irgendwie hatte ich das Gefühl, dass es besser wäre.

„Alles okay zwischen uns?" fragte ich ihn, und fühlte mich unvermittelt an die Situation erinnert, als er vor gar nicht allzu langer Zeit mir diese Frage gestellt hatte.

„Wir werden sehen…" antwortete Danny mir und ein schelmisches Grinsen tauchte auf seinen Lippen auf, während seine Augen funkelten. Der Junge wollte mich gerade nach allen Regeln der Kunst auf die Schippe nehmen, in dem er den Wortwechsel von damals umdrehte. Ich wusste nicht, ob ich amüsiert dreinschauen sollte oder eher ärgerlich. Es war wohl eine Mischung, denn schließlich sagte Danny: „Ja, Mac. Alles in Ordnung."

Dann nahm er mich erneut in den Arm, und wieder sog ich seinen einzigartigen Duft ein. Ich fragte mich, wieso ich es einfach nicht über mich brachte, ihm zu sagen, was ich empfand. Vielleicht würde ich dann ihn immer wieder so in den Arm nehmen können, immer wieder seinen Körper so dicht an meinem spüren, ihn immer wieder küssen können. Aber ich konnte es nicht, ich konnte es ihm nicht sagen.